Forum:	Institutionen
Téma:	Verbrechen katholischer Priester
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certik:
Immer und immer wieder lese ich von (nicht nur) sexuellen Verbrechen katholischer Geistlicher.
Immer und immer wieder werden sie seitens der Kirche als bedauernswerte Einzelfälle dargestellt.
Ich möchte aus aktuellem Anlass hier einen Sammelthread für Berichterstattung über derartige Verbrechen eröffnen.
Ich bin auch am überlegen Schwester Lea Ackermann um eine Stellungnahme zum Skandal in Irlands Kirche zu bitten und nachzufragen, wie den Opfern geholfen wird...
LG certik
Quelle: Spiegel online
SKANDAL IN IRLANDS KIRCHE
Geschlagen, gedemütigt, vergewaltigt
Aus Dublin berichtet Martin Alioth
Irland arbeitet einen Missbrauchsskandal ungeheuren Ausmaßes auf: In katholischen Heimen und Schulen wurden jahrzehntelang Tausende Minderjährige gequält. Schweigender Komplize war der Staat, der das System finanzierte - die Einrichtungen erhielten eine Kopfprämie für jedes Kind.
Die Leidtragenden mussten draußen bleiben. Als die Untersuchungskommission der irischen Regierung am Mittwoch ihren Bericht zu dem schwerwiegendsten Missbrauchsskandal in der Geschichte des Landes im edlen Conrad Hotel in Dublin vorstellte, hatte sich dort auch eine Gruppe von Opfern versammelt - doch zu ihrem Zorn wurden die Menschen nicht eingelassen. 
&quot;Leer und betrogen&quot; fühlten sich die Opfer, klagte John Kelly, Sprecher der Organisation SOCA, mit wuterfüllter Stimme. Die bloße Untersuchung der Vorfälle geht ihm nicht weit genug. Die Schuldigen, so Kelly, müssten belangt, vor Gericht gestellt werden.
Tausende von irischen Kindern wurden jahrzehntelang systematisch in Anstalten missbraucht, die von der Katholischen Kirche in Irland geführt, aber vom irischen Staat finanziert wurden. Zu diesem Schluss kommt der 2500 Seiten starke Bericht. Seit dem Jahr 2000 hatte eine Expertenkommission unter der Leitung eines Richters ermittelt, von den über 3000 Opfern, die sich als Zeugen gemeldet hatten, wurden aus Zeitgründen nur etwa 1800 persönlich befragt und angehört.
Das Oberhaupt der katholischen Kirche in Irland entschuldigte sich am Mittwoch. Er sei &quot;zutiefst beschämt, dass Kinder in diesen Institutionen auf so schreckliche Weise leiden mussten&quot;, sagte Kardinal Sean Brady, der Primas von Irland und Erzbischof von Armagh, der Nachrichtenagentur AFP zufolge.
Die Kommission war nach einer Fernsehdokumentation eingesetzt worden, die den damaligen irischen Premierminister, Bertie Ahern, 1999 zu einer offiziellen Entschuldigung im Namen des irischen Staates veranlasst hatte.
Insgesamt erhoben die Opfer Beschuldigungen gegen mehr als 200 Institutionen. Es handelt sich um Besserungsanstalten, Arbeitsheime, Waisenhäuser und dergleichen, in die uneheliche, delinquente, verwaiste oder ansonsten missliebige Kinder von willfährigen Gerichten überwiesen wurden. Sie waren im Durchschnitt acht Jahre alt.
Es handelte sich also oft um Kinder, die sich an keine Angehörigen um Hilfe wenden konnten - und wenn sie es wagten, glaubte man ihnen nicht. Glaubte man ihnen doch, blieben Kirche und Staat untätig.
Sexueller Missbrauch war endemisch
Die Komplizenschaft von Kirche und irischem Staat kommt nicht von ungefähr - die Verflechtungen waren einst so dicht, dass eine Unterscheidung bisweilen schwer fiel: Der damalige Erzbischof von Dublin, John Charles McQuaid, durfte die noch immer gültige irische Verfassung von 1937 vorweg redigieren.
Die Mehrheit der Missbrauchsfälle trug sich in den Jahren 1936 bis 1970 zu, aber der Bericht enthält auch ältere und jüngere Fälle. Es ist ohnehin bekannt, dass klerikaler Missbrauch in Irland nicht 1970 endete - damals wurden bloß die viktorianischen Anstalten geschlossen.
Der Bericht spricht von systematischem, körperlichem, sexuellem und emotionalem Missbrauch. Federführend waren bei den Jungen die Christian Brothers, die die beiden größten &quot;Industrial Schools&quot; in Artane (Dublin) und Letterfrack (Donegal) führten. In diesen beiden Anstalten sei der sexuelle Missbrauch &quot;endemisch&quot; gewesen, sagt der Bericht schneidend, also permanent und im System eingebaut. Pikanterweise wurden die wesentlichen Beweise für den sexuellen Missbrauch dieses Ordens in den Archiven des Vatikans gefunden.
Die Täter wurden geschützt, sofern es sich nicht um einen Gärtner oder einen Chauffeur handelte. Schlimmstenfalls wurden chronische Kriminelle einfach in eine andere Institution versetzt. Zeitweise gingen mindestens sieben Kleriker gleichzeitig in derselben Schule ihren sexuellen Begierden nach.
Körperlicher Missbrauch bei den &quot;Sisters of Mercy&quot;
Bei den Institutionen für Mädchen herrschte körperlicher Missbrauch vor, also Prügel. Diese wurde oft täglich und grundlos verabreicht, für die Kinder sei das ein &quot;täglicher Terror&quot; gewesen. Der dominante Orden für Mädchen hieß perverser Weise &quot;Sisters of Mercy&quot; - die Schwestern der Barmherzigkeit. Dieser Orden betrieb auch die in einem anderen Film angeprangerten &quot;Magdalen Laundries&quot;, Wäschereien für &quot;gefallene Mädchen&quot;, also Frauen, deren Lebenswandel Anstoß erregte.
Der irische Staat, vertreten durch sein Bildungsministerium, finanzierte diesen Missbrauch der Kinder. Die katholischen Orden erhielten eine Kopf-Prämie pro Kind und bemühten sich regelrecht um zusätzliche Kinder, denn das Geschäft lohnte sich. Aber das Ministerium griff aus Angst oder Respekt vor der katholischen Kirche nie ein, wenn Klagen über Missbrauch bekannt wurden. Der Staat wurde so zum schweigenden Komplizen des Unrechts, denn offiziell blieb die Sorgepflicht ja beim Staat, die Orden handelten im Auftrag der Öffentlichkeit.
Sowohl das Ministerium als auch die religiösen Orden versuchten, die Arbeit der Kommission zu sabotieren. Die erste Vorsitzende, Richterin Mary Lafoy, trat nach drei Jahren aus Protest gegen diese amtliche Obstruktion zurück.
Bis zu 500 Priester könnten verstrickt sein
Am hartnäckigsten wehrten sich die Christian Brothers. Ihren dauernden Sabotageversuchen ist es zuzuschreiben, dass der Bericht keine Namen nennt.
SOCA-Sprecher Joe Kelly ist empört, dass die Willfährigkeit der Gerichte nicht untersucht wurde. Er verlangte, dass die Führung der Kirche und der religiösen Orden ebenso vor Gericht gestellt werde wie die duckmäuserischen Ministerialbeamten.
Mary Raftery, die Produzentin des Fernsehfilms &quot;States of Fear&quot;, der 1999 das öffentliche Bewusstsein geweckt hatte, meinte am Mittwochabend im irischen Rundfunk, sie glaube dennoch, der schockierende Bericht werde den Opfern endlich Genugtuung verschaffen, da er den Wahrheitsgehalt ihrer Anklagen amtlich und ausführlich bestätige.
Die groben Tatsachen, die in diesem fünfbändigen Bericht aufgelistet werden, waren schon bekannt. Der Ruf der katholischen Kirche hat in den vergangenen Jahren in Irland durch aktuelle Fälle von sexuellem Missbrauch durch Priester und die anschließende Vertuschung durch die zuständigen Bischöfe derartigen Schaden genommen, dass er durch die neuen Einzelheiten kaum mehr weiter beeinträchtigt werden kann.
Möglicherweise kommt es aber noch schlimmer: Im Sommer soll ein Bericht über Missbrauch durch Priester in der riesigen Erzdiözese Dublin veröffentlicht werden; der gegenwärtige Erzbischof von Dublin, der überaus ehrenwerte Diarmuid Martin, hat schon mehrfach gewarnt, es seien bestürzende Einzelheiten zu erwarten. Es ist die Rede von bis zu 500 Priestern, die in die Vorgänge verstrickt gewesen sein könnten.
Am Mittwochabend wiederholte der irische Provinzial der Christian Brothers die Entschuldigungen des Ordens für den vergangenen Missbrauch in einer Sendung des irischen TV-Kanals RTE. Christine Buckley, ein prominentes Opfer der &quot;Sisters of Mercy&quot; wurde in derselben Nachrichtensendung gebeten, die Aussagen des Provinzials zu kommentieren. &quot;Ich glaube ihm kein einziges Wort&quot;, sagte sie mit kaum unterdrücktem Zorn.

Lycisca:
Wenig bekannt ist auch die Verstrickung von Priestern in Völkermord. So verbüßt derzeit Athanase Seromba eine lebenslange Haftstrafe wegen seiner Rolle bei der Ermordung von 1.500 bis 2.500 Flüchtlingen in Ruanda (rechtskräftiges Urteil in 2. Instanz des UN Kriegsverbrechertribunals für Ruanda vom 12. März 2008). 
Die Mordopfer, Tutsi-Familien auf der Flucht vor Hutu-Milizen, haben sich zu Seromba durchgeschlagen - der als Priester weit über seine Pfarre Ansehen genoss - und Kirchenasyl gesucht. Nachdem sie sich schließlich vor den anrückenden Milizen in der Kirche verschanzt hatten und die Milizen die Kirche mit Granaten nicht aufbrechen konnten, hat Seromba einem Baggerfahrer erklärt, wie er die Kirche zum Einsturz bringen solle. Der Baggerfahrer hat sich geweigert, dann aber doch dem Druck Serombas (und der bewaffneten Hutu Milizen) nachgegeben. Im Laufe mehrerer Stunden sind so systematisch alle Wände zum Einsturz gebracht worden und haben die flüchtigen Tutsi-Familien unter sich begraben.
Mehr Fälle findet man auf der Homepage des International Criminal Tribunal for Rwanda, 
http://69.94.11.53/default.htm

marlena:
Zitat:Ich bin auch am überlegen Schwester Lea Ackermann um eine Stellungnahme zum Skandal in Irlands Kirche zu bitten und nachzufragen, wie den Opfern geholfen wird...
LG certik 
Finde ich einen guten Ansatz....
Liebe Grüße
Marlena

Marc of Frankfurt:
Lebensgeschichte unseres Users:
http://www.sexworker.at/phpBB2/viewtopic.php?p=42334#42334
TV-Doku:
http://www.sexworker.at/phpBB2/viewtopic.php?p=35552#35552
Verleumdungskampagne gegen Kirchenmänner oder Priester von seinem Stricher ermordet:
http://www.sexworker.at/phpBB2/viewtopic.php?p=45290#45290


Sexueller Missbrauch in der römisch-katholischen Kirche:
http://de.wikipedia.org/wiki/Sexuel....misch-katholischen_Kirche

Aoife:
Danke marc!
Deine links zeigen ja schon auf, dass es sich keineswegs um ein 'katholisches' Problem handelt.
Und selbst in der sogenannten &quot;Wissenschaft&quot; schlägt sich der Einfluß der Kirchen nieder, wie der *HWG-Begriff* in der Soziologie der 70er und 80er Jahre zeigt. War ja objektiv gesehen nichts anderes, als das &quot;Hurenstigma&quot; auch auf diejenigen zu übertragen, die gar kein Geld dafür nehmen.
Trotzdem, auch und obwohl certik das hier als Sammelthread eröffnet hat, möchte ich doch nochmal auf das Ausgangsthema, die die irische katholische Kirche und auf Frau Ackermann zurückkommen.
Denn gerade bei der Betrachtung einzelner konkreter Fälle wird ja viel deutlicher, wie gutgemeinte Ansätze ganz leicht ihre satanische Eigendynamik entwickeln können.
Wer die irische Geschichte auch nur in Grundzügen kennt, der weiß, dass in Irland die katholische Kirche traditionell für Freiheit und das, was wir heutzutage Menschenrechte nennen, steht. Dass sie die Menschen in ihrem Widerstand gegen die Britische Versklavung enorm gestärkt hat.
So wie ich auch überzeugt bin, dass Frau Ackermann mit ihrer ursprünglichen Motivation, die afrikanischen Frauen in ihrem Kampf gegen Ausbeutung und ZWANGsprostitution zu stärken, einmal unserem Ideal hier sehr nahegestanden hat.
Anscheinend sind wir da mal wieder bei meinem (fast) Lieblingsthema, dem Karpman-Dreieck. Zumindest sehe ich es so, dass hier Organisationen (z.B. die katholische Kirche Irland's oder auch SOLWODI) genau den gleichen psychodynamischen Gesetzen folgen wie Einzelpersonen. Also im Dramadreieck fließend die Positionen wechseln, zunächst vom Helfer zum Täter, dadurch aber auch so viel Abneigung auf sich ziehen, dass sie sich dann in der Opferecke wiederfinden. Insbesondere da sie (und IMHO sogar mit bestem Gewissen) behaupten können, dass das *so* ja gar nicht gemeint war.
Was BITTE! niemand als eine Rechtfertigung oder gar Entschuldigung dieser Organisationen meinerseits mißverstehen soll!
Sondern es geht mir darum:
Wenn wir (1.) selbst nicht blindlings in diese Falle laufen wollen und irgendwann &quot;schicksalhaft&quot; vom gutmeinenden Helfer zum Täter mutieren wollen,
und (2.) wir erfolgreich bei anderen (wie beispielsweise Frau Ackermann) intervenieren wollen, dann müssen wir die zugrundeliegenden Strukturen durchschauen.
Wobei ich mir insbesondere bei Punkt (2.) selbst überhaupt noch nicht sicher bin, wie so was praktisch durchführbar wäre. Aber grundsätzlich müßten wir einen Weg finden, diese Täter-Opfer-Helfer-Dynamik unseren 'Gegenspielern' verständlich zu machen, bloße (Gegen-) Angriffe nach dem Schema &quot;da, schau mal, du angeblicher Helfer, was deine Organisation in Wirklichkeit für ein übler Täter ist&quot; können nur die Fronten verhärten. Was unweigerlich dazu führt, dass wir uns *gegen* andere durchsetzen müssen, und somit wir selbst mitten drin im Karpman-Dreieck stecken. Wobei ALLE nur verlieren können.
Liebe Grüße, Eva

Zwerg:
@aoife
Deine Gedanken zu diesem Thema werde ich mir auf mein Schlafkissen sticken! Man sollte diese drohenden Gefahren niemals aus den Augen verlieren. Ich versuche es so zu händeln (und ich hoffe, dass es mir bisweilen auch gelingt): Niemals etwas tun, was die betreffende (absichtlich nicht betroffene) SexarbeiterIn nicht selbst fordert. Möglichkeiten aufzeigen - aber die Entscheidung nicht selbst in die Hand nehmen. Selbst dann nicht, wenn man der Meinung ist, dass &quot;es besser wäre wenn&quot;
Liebe Grüße
Christian

Aoife:
@Christian:
hatte dabei bestimmt nicht an dich gedacht ...:008 
Überhaupt glaube ich eher weniger, dass einzelne hier *gefährdet* sind, da käme gegebenenfalls schon Widerspruch aus der Gruppe!
Aber wir als Organisation, und das sind wir nun einmal, sollten schon ein Auge darauf haben, dass nichts in dieser Richtung danebenläuft.
Liebe Grüße, Eva

Zwerg:
          Aoife hat folgendes geschrieben:hatte dabei bestimmt nicht an dich gedacht ...
Hm, ich denke das man sich auch immer selbst bei der Nase nehmen soll - deshalb auch der selbstkritische Hinweis von mir &quot;das ich die Problematik bzw. Falle sehr wohl selbst auch im Auge behalten muss - Es sind ja die tagtäglichen Situationen welche im Endeffekt die Gesamtrichtung mittragen oder unter Umständen sogar bestimmen. Gerade bei den vielen kleinen Entscheidungen muss man die oben genannten Grundsätze beachten.
Wie sagt man so treffend &quot;Principiis obsta! - (für die Nicht-Asterixlesenden unter uns: Wehret den Anfängen!)&quot;
Christian (auf dem Web zur nächsten Podiumsdiskussion)

Marc of Frankfurt:
lief heute:
La mala educación
von Pedro Almodóvar 
2004
http://de.wikipedia.org/wiki/La_mal....80%93_Schlechte_Erziehung
http://www.arte.tv/de/Kino-auf-Arte/2582996.html


Querverweis zum Sammelthema:
SOLWODI e.V., Christen und Kirche im Kampf gegen Prostitution
http://sexworker.at/phpBB2/viewtopic.php?t=3698


.

Aoife:
Schüler an Jesuiten-Gymnasium jahrelang sexuell missbraucht
Berlin (ddp). An dem von Jesuiten betriebenen Canisius-Kolleg in Berlin-Tiergarten sind einem Medienbericht zufolge über Jahrzehnte hinweg Schüler von Lehrern sexuell missbraucht worden. 
«Mit tiefer Erschütterung und Scham habe ich diese entsetzlichen, nicht nur vereinzelten, sondern systematischen und jahrelangen Übergriffe zur Kenntnis genommen», schreibt der amtierende Rektor Pater Klaus Mertes in einem Brief an mehr als 600 ehemalige Schüler, der der «Berliner Morgenpost» (Donnerstagausgabe) vorliegt.
Die Berliner Polizei hat in dem Fall am Mittwoch ein Ermittlungsverfahren von Amts wegen eingeleitet, wie eine Sprecherin am Donnerstag auf ddp-Anfrage sagte. Ermittelt werde gegen Unbekannt. Eine Anzeige habe es bislang nicht gegeben.
Der Missbrauch habe in den 70er und 80er Jahren stattgefunden, sagte Mertes der «Berliner Morgenpost». Mindestens zwei Padres stünden unter Verdacht. Die beiden Lehrer haben nach Mertes' Angaben den Jesuiten-Orden in den 80er Jahren verlassen und sind seitdem auch nicht mehr an der Schule tätig.
Genaue Opferzahlen wollte Mertes nicht nennen. «Die Wucht der Vorfälle hat mich aber erschlagen», sagte er. «Ich habe den Opfern vollkommene Diskretion zugesagt. Ihnen steht frei, sich an die Öffentlichkeit oder die Polizei zu wenden.» Nach Angaben des Blattes sind bislang aber weder beim Landeskriminalamt noch bei der Staatsanwaltschaft entsprechende Anzeigen eingegangen. Das private Canisius-Kolleg gilt als Berliner Elite-Gymnasium. Viele frühere Absolventen sind heute in führenden Positionen in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft tätig.

nicole6:
über dieses Thema gibt es einige gute Bücher:
Dahl, Edgar,(Hrsg.); 1995; .Die Lehre des Unheils. Fundamentalkritik am Christentum. Goldmann, München;
Descher, Karlheinz; 1989; Kriminalgeschichte des Christentums. Band 1 und 2 ; Rowohlt, Hamburg;
Mettner Matthias;1993; Die katholische Mafia. krichliche Geheimbünde greifen nach der Macht; Hoffmann und Campe, Hamburg, 1993;
Rosa, de, Peter; 1991; Gottes erste Diener. Die dunkle Seite des Papsttums; Knaur, München, 1991;
ciao!
Nicole

Blanca:
Ich habe in Religion maturiert und dafür recherchieren müssen, wie es die katholische Kirche mit den Menschenrechten hält.
Ergebnis: Im Laufe ihrer Geschichte wurden alle Menschenrechte durch die Kirche verletzt.
Blanca

Aoife:
Jesuiten-Schule: Missbrauchsopfer beschuldigen auch Frauen
Der Missbrauchsskandal an Jesuiten-Schulen nimmt ungeahnte Dimensionen an: Inzwischen haben sich nach Angaben der von dem Orden beauftragten Anwältin Ursula Raue bundesweit 115 Betroffene gemeldet. Auch Frauen werden beschuldigt. Einige der Opfer haben sich nach dem Missbrauch das Leben genommen.
Im Missbrauchsskandal an Jesuiten-Schulen hat die von dem Orden beauftragte Anwältin Ursula Raue in Berlin einen Zwischenbericht vorlegen. Demnach haben sich bundesweit bislang 115 Betroffene gemeldet. Darunter seien auch frühere Schüler von Schulen, die nicht von Jesuiten geleitet werden, teilte Raue in Berlin mit.
Auch Frauen seien unter den Beschuldigten. „Das hat eine Dimension angenommen, die bisher nicht zu ahnen war&quot;, sagte Raue. Bundesweit wurden nach ihren Angaben inzwischen mehr als 100 Fälle vor allem aus den 70er- und 80er-Jahren bekannt, seit das Berliner Canisius-Kolleg im Januar an die Öffentlichkeit gegangen war.
Nach Raues Worten berichten die Opfer vor allem von Manipulationen an ihren Genitalien und von zudringlichen Zärtlichkeiten. Sie habe Berichte über Opfer, die sich das Leben genommen hätten. Erstaunlich sei, dass es in den Personalakten des Jesuitenordens, die sie ausgewertet hätte, an keiner Stelle um das Seelenleben der Kinder ging. 
In Berlin beteten am Mittwochabend rund 200 Menschen mit Jesuitenpatres für die Opfer. Sie sangen, zündeten Kerzen an und versanken in stilles Gebet. „In unserer Mitte wurden Menschen, die uns anvertraut waren, Kinder, hundertfach geschlagen, auf den bloßen Körper&quot;, sagte Pater Christian Herwartz, der durch den Abend führte. „Vieles kann ich nicht sagen, weil es so ekelig ist.&quot;
Erste Missbrauchsfälle waren am Berliner Canisius-Kolleg Ende Januar bekannt geworden. Zwei Patres sollen dafür verantwortlich sein. Rektor Klaus Mertes hatte die Fälle öffentlich gemacht. Daraufhin meldeten sich immer mehr Opfer. Die meisten Betroffenen waren Schüler an einem der drei deutschen Jesuiten-Kollegs - neben der Canisius-Schule das Kolleg St. Blasien im Schwarzwald. 
Auch an einer Schule der katholischen Pallottiner-Gemeinschaft in Rheinbach bei Bonn ist es früher zu Missbrauchfällen gekommen. Das bestätigte der Provinz-Pressereferent der Pallottiner, Nicolas Schnall.
Es handele sich dabei um drei bekannte Fälle mit Jugendlichen aus den 60er-Jahren im früheren Konvikt St. Albert. Der betroffene Pater sei damals suspendiert worden. Einer der Jugendliche habe sich damals bei der Konviktleitung gemeldet. 
Quelle: http://news.de.msn.com/politik/poli....x?cp-documentid=152207529

Aoife:
Kinder-Missbrauch durch Priester: Bischof Mixa gibt sexueller Revolution Mitschuld
Bischof Walter Mixa sieht den Missbrauch von Kindern durch Priester auch in der sexuellen Revolution begründet. Seiner Ansicht nach habe die &quot;zunehmende Sexualisierung&quot; in der Gesellschaft zu den Vorkommnissen beigetragen. Gleichzeitig verurteilte Mixa die jüngst bekannt gewordenen Fälle von Missbrauch an Jesuitenschulen.
Der Augsburger katholische Bischof Walter Mixa hat den Missbrauch Jugendlicher an Jesuitenschulen auf die zunehmende Sexualisierung des öffentlichen Lebens zurückgeführt.
„Wir haben in den letzten Jahrzehnten gerade in den Medien eine zunehmende Sexualisierung der Öffentlichkeit erlebt, die auch abnorme sexuelle Neigungen eher fördert als begrenzt&quot;, sagte Mixa der „Augsburger Allgemeinen&quot;. Der Zölibat habe aus seiner Sicht die Taten nicht befördert. Mixa sprach von besonders „abscheulichen Verbrechen&quot;, an denen die „sogenannte sexuelle Revolution sicher nicht unschuldig&quot; sei. Sexueller Missbrauch dürfe nicht als „Gentleman-Delikt&quot; abgetan werden.
Der Bischof gab zu, dass in der Vergangenheit die katholische Kirche „gegenüber Sexualdelikten an Kindern und Jugendlichen zu blauäugig war&quot;. Man habe unberechtigterweise auf die Besserung des Täters in einem neuen Aufgabengebiet gesetzt: „Da sind die Verantwortlichen möglicherweise auch einem Zeitgeist aufgesessen.&quot;
Außer an Jesuitenschulen soll es auch an anderen katholischen Schulen in Deutschland zu sexuellem Missbrauch von Schülern gekommen sein. Die Missbrauchsbeauftragte des Jesuitenordens, die Rechtsanwältin Ursula Raue, bestätigte entsprechende Medienberichte. 
Zugleich verwies sie auf ihren Zwischenbericht. Dieser wird voraussichtlich am Donnerstag der Öffentlichkeit vorgestellt. Raue hatte am Montag mitgeteilt, dass sich inzwischen rund 100 Opfer von sexuellem Missbrauch an Schulen des Ordens gemeldet hätten.
Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) warnte in der Debatte um Gesetzesverschärfungen bei sexuellem Missbrauch vor „Schnellschüssen&quot;. „Bei schweren Sexualstraftaten beginnt die 20-jährige Verjährungsfrist ab der Vollendung des 18. Lebensjahres des Opfers&quot;, sagte sie dem „Kölner Stadt-Anzeiger&quot;.
„Betroffene können also bis zu ihrem 38. Lebensjahr Anzeige erstatten.&quot; Zuvor hatte die bayerische Justizministerin Beate Merk (CSU) eine Verlängerung der strafrechtlichen Verjährungsfrist auf 30 Jahre gefordert. 
Die Grünen-Vorsitzende Claudia Roth erwartet derweil von der Deutschen Bischofskonferenz juristische Aufklärung und Wiedergutmachung. Die katholische Kirche müsse eine glaubwürdige Antwort geben, wie sie das schwere seelische Leid der Opfer wiedergutmachen oder lindern und sexuellen Missbrauch künftig verhindern wolle, sagte Roth mit Blick auf die Frühjahrsvollversammlung der Bischofskonferenz in der kommenden Woche.
Der Kirchenkritiker Eugen Drewermann macht die Strukturen der katholischen Kirche für den Missbrauchsskandal mitverantwortlich. „Der kardinale Fehler der katholischen Kirche besteht darin, ihre Kleriker zu nötigen, zwischen der Liebe zu Gott und der Liebe zum Menschen alternativisch zu wählen.
Das ist gerichtet gegen ein zentrales Anliegen der gesamten Botschaft Jesu und nicht weniger gegen elementare Bedürfnisse der Menschen&quot;, sagte Drewermann der Nachrichtenagentur dpa. Die Kirche Roms müsse von der Haltung der Reformation im 16. Jahrhundert „nach nun einem halben Jahrtausend endlich lernen&quot;. 
Quelle: http://news.de.msn.com/politik/poli....x?cp-documentid=152188150
Meine Meinung: Natürlich ist die sexuelle Aufklärung daran Schuld ...
Nur eben nicht am Mißbrauch, sondern an dem gesellschaftlichen Klima,
das inzwischen eine Aufklärung kirchlicher Verbrechen erlaubt.
Und dass *das* Herrn Mixa beunruhigt ist ja wohl nachvollziehbar:002 
Liebe Grüße, Aoife

hedonism:
Na hoffentlich beginnen die Kirchenkoffer jetzt nicht auch einbrechen zu gehen oder Wettbüros zu überfallen. 
Also bei solchen Ansagen kann man wirklich nur mehr den Kopf schütteln. Unpackbar was in solch (kranken) Gehirnen vor sich geht.

Moon Dog:
Hat schon jemand daran gedacht, dass das strenge katholische Zölibat mit schuld an diesen Entwicklungen sein könnte?
Unterdrückte Sexualität sucht sich ein Ventil. Leider schaffen es nicht alle Geistlichen, die aufgestaute sexuelle Energie zu transformieren.

Aoife:
@Moon Dog:
Ja, diese Möglichkeit besteht natürlich:001 
Andererseits - es könnte wohl auch sein, dass die zölibatäre Lebensweise insbesondere solche Personen anzieht,
die ohnehin nicht zur hetrerosexuellen Lebensweise mit erwachsenem Partner neigen.
So gesehen wäre &quot;Zölibat&quot; wie auch andere Spielformen der Keuschhaltung im SM- und Fetischbereich anzusiedeln.
Weshalb ich eine Pathologisierung der Einstellung an sich unsererseits für kontraproduktiv halte.
Ich denke, wir sollten &quot;Zölibat&quot; als Spielform menschlichen Sexualverhaltens gleichgestellt neben anderen Spielarten akzeptieren.
&quot;Schuld an diesen Entwicklungen&quot; ist IMHO nicht das Zölibat, sondern die Arroganz seiner Befürworter, denen es gelungen ist,
für ihre Eigenart eine besondere &quot;moralische&quot; und gesellschaftliche Anerkennung zu erringen, auf Kosten aller
anderen Ausdrucksweisen menschlicher Sexualität.
&quot;Pervers&quot; im Sinn der Fiedler'schen Moral ist also nicht das Zölibat selbst, sondern die gesellschaftliche Gewohnheit, es als
höherwertig als beispielsweise pony play oder Intimpiercing zu betrachten.
Liebe Grüße, Aoife

Moon Dog:
          Aoife hat folgendes geschrieben:
&quot;Pervers&quot; im Sinn der Fiedler'schen Moral ist also nicht das Zölibat selbst, sondern die gesellschaftliche Gewohnheit, es als
höherwertig als beispielsweise pony play oder Intimpiercing zu betrachten.
Ja, das ist einleuchtend. Insbesondere für jene Männer, die AUFGRUND des Zölibats den Priesterberuf wählen, oder für die es zumindest einer von mehreren Gründen ist.
Aber da gibt es ja noch jene (glaube ich), die aus innerer Überzeugung sich für diesen Weg entscheiden, aber auf ihre Sexualität eigentlich nicht verzichten wollten, es aber - eben aufgrund ihrer inneren Überzeugung - versuchen, es aber dann doch nicht schaffen. Die sehen das Zölibat nicht als sexuelle Spielart, sondern als ungewollte Qual, und vielleicht sucht sich diese unterdrückte Sexualität wie von mir oben erwähnt ein Ventil.
Deshalb glaube ich, dass die Wahlfreiheit für Priester - Zölibat oder nicht -(nicht die Abschaffung!) helfen würde, die Vielzahl der Vorfälle zu reduzieren.

Aoife:
Inzwischen hat sich der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz Robert Zollitsch zwar bei den Mißbrauchsopfern
entschuldigt, aber die Ankündigung, jetzt solle über Prävention beraten werden, läßt nichts Gutes ahnen:
&quot;Missbrauch komme in Familien wesentlich häufiger vor, insoweit hätten die nun bekannt gewordenen Fälle auch nichts mit dem Zölibat zu tun, sagte Zollitsch.&quot;
Wer so mit dem Finger auf andere deutet, noch dazu ganz ohne Betrachtung der relativen Häufigkeit von Gelegenheiten zum
Mißbrauch in der Kirche und in der Familie, und auch ohne zu analysieren, welchen Einfluß Jahrhunderte katholischer Moral
wohl auf die Familien haben, der ist einfach unglaubwürdig, sowohl was die Vergangenheitsbewältigung als auch was die
Absicht zur wirksamen Prävention angeht.
Quelle: http://news.de.msn.com/politik/poli....x?cp-documentid=152262873
Liebe Grüße, Aoife

Marc of Frankfurt:
Kirchenkritiker Eugen Drewermann
''Katholische Sexualmoral ist repressiv''
Eugen Drewermann, katholischer Theologe und Psychotherapeut, sprach mit dem Tagesspiegel über den Druck des Priesteramts und Missbrauchsfälle in der Kirche.
http://www.tagesspiegel.de/berlin/Eugen-Drewermann;art270,3032776

Aoife:
Danke, Marc!
Und ich möchte aus Herrn Drewermanns Ausführungen Folgendes zitieren:
&quot;Dementsprechend sind diejenigen, die sich an Kindern vergangen haben, selbst noch halbe Kinder. Sie sind festgeschrieben in ihrer Erfahrung aus ihrer Jugend, zeitlich begrenzt auf die Phase kindlicher bzw. jugendlicher Zuneigung.&quot;
Was hier auf pädophil homosexuelle Priester gemünzt war, gilt sinngemäß auch für heterosexuell pädophile Väter und Onkels,
und ist somit einer von mehreren Mechanismen, die bei der Frage:
Aoife hat folgendes geschrieben:..., welchen Einfluß Jahrhunderte katholischer Moral wohl auf die Familien haben, ...
berücksichtigt werden müssen. Oder besser gesagt &quot;müßten&quot; - ich vermute, dass Herr Drewermann mit seiner Einschätzung Recht hat,
dass wieder einmal bestenfalls nur menschliches Versagen bedauert werden wird, ohne die Ursache benennen zu dürfen.
Und wenn schon Priesterversagen nicht der Kirche angelastet werden kann, um wie viel weniger dann Familienversagen:009 
Die kirchliche Logik ist wirklich doppelt pervers im Fiedler'schen Sinn, indem sie nicht nur Opfer schafft, sondern diesen dann
auch noch die Schuld andichtet.
Liebe Grüße, Aoife

Kajus:
          Aoife hat folgendes geschrieben:... Andererseits - es könnte wohl auch sein, dass die zölibatäre Lebensweise insbesondere solche Personen anzieht,
die ohnehin nicht zur hetrerosexuellen Lebensweise mit erwachsenem Partner neigen.
So gesehen wäre &quot;Zölibat&quot; wie auch andere Spielformen der Keuschhaltung im SM- und Fetischbereich anzusiedeln.
Weshalb ich eine Pathologisierung der Einstellung an sich unsererseits für kontraproduktiv halte.
Ich denke, wir sollten &quot;Zölibat&quot; als Spielform menschlichen Sexualverhaltens gleichgestellt neben anderen Spielarten akzeptieren.
&quot;Schuld an diesen Entwicklungen&quot; ist IMHO nicht das Zölibat, sondern die Arroganz seiner Befürworter, denen es gelungen ist,
für ihre Eigenart eine besondere &quot;moralische&quot; und gesellschaftliche Anerkennung zu erringen, auf Kosten aller
anderen Ausdrucksweisen menschlicher Sexualität.
&quot;Pervers&quot; im Sinn der Fiedler'schen Moral ist also nicht das Zölibat selbst, sondern die gesellschaftliche Gewohnheit, es als
höherwertig als beispielsweise pony play oder Intimpiercing zu betrachten. ...
Ich denke, es kommen im Rahmen der katholischen Kirche und ihrer Sexualmoral mehrere Probleme zusammen. Zunächst einmal beeinflusst die katholische Kirche die Denkweise und Einstellungen der Menschen auch außerhalb der Kirche, denn sie wirkt neben anderen als eine wichtige moralische Institution der christlichen Weltreligion in allen Bereichen des christlichen Kulturraums und seines Einflussbereichs. Es ist ganz nebenbei bemerkt nicht die einzige christliche Institution mit einer äußerst fragwürdigen Sexualmoral und einem bruchstückhaften unvollständigen Menschenbild.
Auch die protestantische Kirche mit ihrem Versuch, im Gegensatz zur katholischen Kirche Sexualität als eine gottgefällige gesunde und saubere Angelegenheit glücklicher Familien, Singels, gleichgeschlechtlich oder sonstwie veranlagter Menschen definieren zu wollen, scheint mir reparaturbedürftig. Das ist aber ein anderes Thema.
Die katholische Kirche zieht Menschen an, die von vornherein eine „passende“ Einstellung haben und für ihre sexuelle Einstellung in der Kirche den richtigen Rahmen finden. Ein Mann mit einer starken Libido, der auf Frauen steht, wird nicht ohne weiteres katholischer Priester. Der homosexuell veranlagte Mann und auch der pädophil veranlagte Mann ist hier bestens aufgehoben und findet einen perfekten Organisationsrahmen um in aller Heimlichkeit und einem systematischem Ausschluss der Frauen seinen Neigungen nachzugehen. Man möge mir nachsehen, dass ich Homosexuelle und Pädophile hier in einem Atemzug nenne. Das soll keine zwangläufige innere Verbindung andeuten, die es so nicht gibt, die Verknüpfung erfolgt ausschließlich durch das &quot;Angebot&quot; der Kirche, in einer Kombination von Frauenausschluss, Zölibat und katholischer Sexualmoral, perverser Leidenslegenden und einer passenden Bebilderung. Nicht unterschätzen sollte man, dass die Kirche das pädophile, zumindest Frauen eher weniger zugeneigte Personal selbst schafft durch das von ihr vermittelte Menschenbild und durch die katholische Sexualmoral in den von der Kirche organisierten Institutionen wie Kindergärten, Schulen und Jugendorganisationen. Dort finden sich dann (haupsächlich männliche) Kinder (als Opfer) wieder, die diesen Männern ausgeliefert werden. Nicht jeder katholische Priester oder Pater ist pädophil, aber der Anteil, und davon bin ich fest überzeugt, ist deutlich höher als außerhalb der Kirche. Und auch in der Sexualität macht Gelgenheit Diebe und die Not führt zu seltsamen Konstellationen. Glückliche Kinder sind Kinder, deren Eltern und Lehrer ein erfülltes und intensives Sexualleben haben. Nichts gefährdet Kinder mehr als Ehen ohne Sex und Lehrer, die nicht verheiratet sind oder besser gesagt, die kein erfülltes Sexualleben haben und nicht einer gewissen „Überwachung“ oder „Kontrolle“ durch den Partner unterliegen. Das katholische Schulsystem ist eine ideale Organisationsform für (sexuellen) Missbrauch durch Männer.

Marc of Frankfurt:
gleich

Die Priester und der Sex -
Wie viel Wahrheit wagt die Kirche?
Sendung am 24.02.2010
Die katholische Kirche in der Krise: Missbrauchsfälle, Übergriffe auf Schutzbefohlene. Und der Vorwurf, dass vertuscht und verschleiert wurde, statt den Opfern zu helfen. Wem nützt eigentlich der Zölibat? Was muss noch passieren, damit auch die Not der Priester erkannt wird? Und wie stark ist ein Glauben, der die Glaubwürdigkeit verliert?

http://www.wdr.de/tv/hartaberfair/s..../2010/20100224.php5?akt=1

Ariane:
Ich fand folgendes Interview mit der Psychoanalytikerin Perner zum Thema sehr erhellend, da m.E. die sexuelle Unreife eine wesentliche Rolle spielt, die zu einem abnormen Sexualverhalten verhelfen. Abnorm im Sinne, dass man andere Menschen qua eigenen unreflektierten Mangels bewußt oder unbewußt verletzt. Die Wertschätzung und Konsultation von Sexualbegleitern/Innen und der Wegfall des Zölibats wären sicher für junge Männer hilfreich, bevor sie das Priesteramt beschreiten und darüberhinaus.http://www.sueddeutsche.de/politik/253/503476/text/
Sexualität und Lust ist eine natürliche Conditio sine qua non des individuellen Lebens, und wer das unterbindet, egal, welche Institution oder man selbst oder in der Folge davon, wird im Verbotskorsett entweder krank oder unglücklich, gar zum Täter.

Aoife:
Interessanter Artikel, danke Ariane!
Wobei ich anmerken möchte, dass die kath. Kirche seziell auf sexuellem Gebiet auffällig wird, weil das nun einmal ihr Lieblingsfeind ist.
Letztlich ist aber jeder Idealismus infantil und gefährlich, weil &quot;Ideen&quot; (also Archetypen) zunächst einmal natürlicherweise
das Einzige sind, worauf ein unerfahrenes Kind zurückgreifen kann, und weil von Idealen gesteuerte Menschen dazu neigen,
ihre realen Mitmenschen zu opfern, wenn diese als im Widerspruch zu ihren Idealen stehend empfunden werden.
Dass sie sich hiermit auch selbst zugrunde richten, kann von ihnen selbst nicht wahrgenommen werden,
denn das würde ja einen &quot;reifen&quot; Realitätsbezug voraussetzen. Deshalb darf man leider auch nicht erwarten,
mit &quot;vernünftigen&quot; Argumenten etwas erreichen zu können.
Gerade auch in Bezug auf die aktuellen schwedischen Vorfälle
http://www.sexworker.at/phpBB2/viewtopic.php?p=76313#76313
scheint mit diese Betrachtungsweise wichtig zu sein.
Natürlich weist traditionelle Religiosität noch mehr infantile Elemente auf, aber prinzipiell kann jeder Idealismus, auch wenn
er sich &quot;Feminismus&quot; nennt, solch verheerende Wirkungen entwickeln.
Liebe Grüße, Aoife

Kajus:
Zum Erwachsenwerden gehört es, die eigene Sexualität zu erkennen und zu akzeptieren. Die Sexualität ist der eigentliche Motor der Entwicklung. Durch die Ablehnung der Sexualität und aller sexuellen Bedürfnisse durch die Kirche besteht die Gefahr, dass die persönliche Entwicklung, nicht nur die sexuelle Entwicklung, die nicht zu trennen ist von der Gesamtentwicklung und dem Reifeprozess der Persönlichkeit, auf der Strecke bleibt. Auch ein Pater oder Priester muss sich mit der eigenen Sexualität und die Kirche mit der Sexualität ihres Personals auseinandersetzen und darf den Zölibat nicht als Flucht verstehen. Das war lange Zeit der Fall.

Lycisca:
Die öffentliche Diskussion zu den sexuellen Übergriffen durch Priester verläuft zusehends nach dem Muster: Priester/Ordensleute haben offenbar ein andersartiges Sexualleben (nämlich Zölibat).Daher wird das kriminelle Verhalten von Priestern primär durch diese Andersartigkeit erklärt. 
Es handelt sich um die gleiche Argumentation, die auch zur Stigmatisierung von SW geführt hat: SW haben ein andersartiges Sexualleben - und sie werden sofort in die Schmuddelecke (Rotlichtmilieu) mit kriminellen Ausbeutern (Zuhälter, Menschenhändler) gestellt. (Das wäre so, als wollte man die Opfer von Wohnungseinbrüchen dem räuberischen Bandenmilieu zuordnen.) 
Ich vermute, dass unter Priestern/Ordensleuten genau so viele Mörder, Sexualverbrecher etc. zu finden sind, wie im Durchschnitt der Bevölkerung. Insbesondere bezweifle ich, dass ihr Sexualleben irgendetwas mit ihren Taten zu tun hat. Das Problem liegt in den Strukturen: a) Der Vertrauensvorschuss, der Priestern, Lehrern und generell &quot;Autoritätspersonen&quot; entgegen gebracht wurde und noch wird, verhindert, dass bei Verdacht auf Fehlhandlungen genauer hingesehen wird. b) Die Vorgesetzten in der Organisation (Kirche, Schule) wollen sich selber (vernachlässigte Dienstaufsicht) und den Ruf ihrer Organisation schützen, indem sie Anschuldigungen abwiegeln und Missstände vertuschen.

Aoife:
Lycisca hat folgendes geschrieben:Die öffentliche Diskussion zu den sexuellen Übergriffen durch Priester verläuft zusehends nach dem Muster: Priester/Ordensleute haben offenbar ein andersartiges Sexualleben (nämlich Zölibat).Daher wird das kriminelle Verhalten von Priestern primär durch diese Andersartigkeit erklärt. 
Es handelt sich um die gleiche Argumentation, die auch zur Stigmatisierung von SW geführt hat: ...
Danke, Lycisca, für diesen interessanten Aspekt!
Allerdings sehe ich schon eine gewisse Assymetrie, die Stigmatisierung der SW beruht ja zum größten Teil auf unserer von kirchlichen Vorgaben abweichender Lebensweise.
Die jetzige Kritik an Priestern hingegen betrifft nicht nur die Diskrepanz zu einem von unbeteiligten Anderen geforderten Verhalten, sondern die offensichtliche Unfähigkeit,
die selbstgewählte und für andere als verbindlich geforderte Lebensweise auch nur selbst durchzuhalten.
Ich gebe dir völlig Recht, Lycisca, dass nicht &quot;das Zölibat&quot; für die Übergriffe katholischer Priester auf Schutzbefohlene verantwortlich ist.
Sondern die moralische Höherbewertung des Zölibats gegenüber anderen Lebensweisen. Zumindest sehe ich das schon als Ursache.
Lycisca hat folgendes geschrieben:Ich vermute, dass unter Priestern/Ordensleuten genau so viele Mörder, Sexualverbrecher etc. zu finden sind, wie im Durchschnitt der Bevölkerung.
Ich befürchte, verläßliche Zahlen wird es zu dieser Fragestellung wohl nie geben ...
Und selbst, wenn es deutlich mehr sein sollten, als in der Normalbevölkerung, so stellt sich die Frage,
ob diese als Vergleichsgruppe überhaupt geeignet ist ...
Man wird ja nicht nach dem Zufallsprinzip Priester, sondern weil man sich von dieser Lebensweise angezogen fühlt.
Wie vielen mag das Zölibat eine wirksame Hilfe sein, ihre sozialunverträgliche Sexualität zu kontrollieren - und was würden sie ohne dieses &quot;anrichten&quot;?
In diesen Fällen wäre das Zölibat dann sogar eine sehr nützliche und hilfreiche Einrichtung ...
NUR: Das Aufstellen einer moralische Hirarchie ist weder gerechtfertigt noch nützlich. Der eigentliche Grund *unserer* Stigmatisierung ist ja nicht unser andersartiges Sexualleben,
sondern dass unsere Andersartigkeit in der kirchlichen und somit gesellschaftlich akzeptierten Wertigkeit als Gegenpol zum &quot;edlen und reinen&quot; Zölibat betrachtet wird.
Liebe Grüße, Aoife

Kajus:
Der Zölibat ist nicht primär die Ursache für die Probleme. Mitverursacht wurde das Problem aber dadurch, dass die katholische Kirche auf einem hohen Ross saß und lange Zeit so tat, als sei sie von der Problematik der Sexualität nicht betroffen. Das Zölibat schaltet ja nicht die Libido ab.
Das führte dazu, dass die Sexualität bei Ordensleuten und Priestern überhaupt kein Thema war, auch nicht für die Personen selbst. Das funktioniert nicht. Auch der katholische Priester und Pater muss sich, Zölibat hin, Zölibat her, mit seiner eigenen Sexualität auseinandersetzen, so wie wir alle. Die Gefahr liegt darin, den Zölibat als sicheren Hafen anzusehen, gleichzeitig zu verdrängen, dass ein Pater z.B. sexualisierte Gewalt gegenüber einem Kind oder Jugendlichen ausübt als Ersatz oder zum Ausleben seiner Sexualität. Ich wette, viele hatten nicht einmal ein Schuldbewusstesein, nicht einmal einen Anflug davon. Sie waren mit sich, der Kirche und dem lieben Gott im Reinen. Warum sind diese Männer nicht aus der Kirche ausgeschlossen worden wie Priester oder Ordensleute, die heiraten wollen? Solange es nicht zum Eklat mit einer Frau kam, war alles gut. Und das soll dann nix mit dem Zölibat zu tun haben? Die Jungs schwiegen, auch später als Erwachsene. Wer legt sich mit der Kirche und dem lieben Gott an? Und viele Verantwortliche in der Kiche, die das deckten und unter den Teppich kehrten, fanden eigentlich nichts dabei, da SM-Praktiken traditionell wesentlicher Teil der katholischen Kultur, Pädagogik und Ordenskultur sind. Die Frauen wurden ausgeschlossen und dann haben die eben ihr eigenes Ding gedreht. Man ließ sie machen. Die wundern sich noch immer, über was sich da alle auf einmal so aufregen und was die Opfer von ihnen wollen. Ich behaupte, ein Großteil der aktiven Priester hat als Kind selbst im Rahmen der Kirche sexuelle Gewalt erfahren.
Sie können nur dann die Opfer verstehen und Mitgefühl empfinden, wenn sie dieses Leid, das man ihnen angetan hat, selbst empfinden würden, also zulassen, z.B. im Rahmen einer Therapie, nicht, wenn sie es weiter verdrängen. Kein katholischer Priester wird das tun. Er ist in diesem System sozialisiert.

Lycisca:
Ein weiterer Grund, warum die Missbrauchsfälle nur zögerlich aufgedeckt wurden, könnte die wirtschaftliche Macht der Kirche sein, wie folgende Zitate zeigen:
Geschockt, aber teils auch wenig überrascht reagiert man in jener steirischen Gemeinde [St. Gallen bei Admont, Steiermark], in der ein Pfarrer Kinder missbraucht hat. [...] &quot;Das hat ja eh jeder gewusst&quot;, wundert sich im Gasthaus Hensle ein rauschebärtiger Mann am Stammtisch [...] Auch seine Gasthausfreunde ärgern sich über den Wirbel [...] Im 1700-Einwohner-Ort am Nordrand des Gesäuses hat man den Geistlichen, der hier zwischen 1975 und 1986 Pfarrvikar, danach bis 2007 Pfarrer war, geschätzt. So sehr, dass es sogar eine Unterschriftenaktion gegen seinen kurzzeitigen Abzug (in den 1980ern waren erste Gerüchte aufgetaucht) gegeben hat, um ihn zurückzubekommen. [...] 
Jeden Tag sei der beliebte Pfarrer ins Kaffeehaus am Hauptplatz frühstücken gekommen. Dort, wo sich [...] eine Zweigstelle jener Versicherungsanstalt drängen, in der der Abt im Aufsichtsrat sitzt. Das Stift ist allgegenwärtig. Nicht nur als geistliche Quelle, es ist auch einer der wichtigsten Wirtschaftsbetriebe der Region. Das Portfolio der Stiftsbetriebe reicht von der Forstwirtschaft über eine Privatschule bis zu Kleinkraftwerken, von der Beteiligung an einem Skilift und dem Betrieb eines Pflegeheims bis zu einem Museum.
Quelle: Die Presse, Print Ausgabe 1.3.2010, &quot;Alle mochten den Herrn Pfarrer&quot;

Kajus:
Es kann nicht sein, dass es in einem so kleinen Rahmen wie Lycisca es im vorhergehenden Posting schildert, nicht alle Einwohner in der kleinen Gemeinde wussten, dass der Herr Pfarrer auf kleine Jungs steht. Doch niemand sagte etwas, niemand unternahm etwas, alle ließen den Mann Gottes gewähren. Und in diesem Machtgefüge hat er bestimmt genauestens darauf geachtet, welche Jungs mit welchem familiären Hintergrund er sich vornahm. Bestimmt nicht die Söhne derjenigen, die etwas unternommen hätten, also genug Macht und Selbstbewusstsein gehabt hätten, dagegen vorzugehen. Unglaublich.

Ariane:
Es dreht sich alles nur um Macht und hierarchische Strukturen und hier finde ich den Vergleich zwischen SW und Missbrauch durch Ordensleute zielführend, wenngleich die Kirche und das Moralmonopol das sog. Abnorme und Sittenwidrige von SW erst konstituiert haben, was sie schlussendlich bekämpfen.

Kajus:
Ariane, das verstehe ich jetzt nicht. In dem Zusammenhang dieser Gemeinde kann ich mir Machtstrukturen vorstellen, die so sind, dass nichts passiert, wenn der Herr Pfarrer sich nicht an dem Falschen vergeht. Außerdem wird es denjenigen, die da Macht haben, nicht verborgen geblieben sein und sie hätten dadurch gegebenenfalls den Pfarrer in der Hand gehabt. Im eigenen Interesse hätte man dem Kinderficker zeigen können, wo seine Grenzen Grenzen sind. Insofern wären dann viele an diesem Missbrauch beteiligt gewesen. Jeder machte da sein Geschäftchen. Und innerhalb der Kirche hat man halt auch geschwiegen, vertuscht, unter den Teppich gekehrt - aus vielen Gründen, unter anderem, weil man nichts dabei fand (s. mein vorangehendes Posting). So weit, so gut.
Aber wie meinst du das jetzt im Zusammenhang mit Sexworkern? Gäbe es dort eine Prostituierte, hätte man sie vermutlich gelyncht, gevierteilt, vertrieben, bestimmt nicht geduldet.

Marc of Frankfurt:
Ich denke es bezog sich auf die allgemein von Aoife formulierte These: 
Konstruierte hegemoniale Hirachie von Zölibat bis Prostitution.

Kajus:
ok, Enthaltsamkeit als die moralisch am höchsten stehende Form und Prostitution als eine der niederen. Und Missbrauch als verdrängte Realität, ein Ventil damit das aufrecht erhalten werden kann, was sich als unbrauchbar, unlebbar, unorganisierbar erwiesen hat. Der Bauer die Magd (oder den Knecht, je nach Orientierung), der Mann Gottes den Buben oder die Haushälterin, der arme Almöhi das Huhn usw.
Prostitution geht garnicht, da die Prostituierte der lebende Beweis dafür ist, dass die Enthaltsamkeit häufig nicht funktioniert.
Aber wieso hat das dann nichts mit dem Zölibat zu tun, wie alle immer wieder behaupten? Es wird auch immer wieder behauptet, der Zölibat habe nichts mit dem Ausschluss der Frauen zu tun.

Aoife:
Kajus hat folgendes geschrieben:Aber wieso hat das dann nichts mit dem Zölibat zu tun, wie alle immer wieder behaupten?
Es wird nicht unbedingt direkt durch das Zölibat verursacht.
Das Zölibat ist nur eine Ausdrucksform sexueller Einstellung, Wie das Anbieten von pay6 auch.
Hier eine direkte Ursache- wirkungsbeziehung herstellen zu wollen, ist nicht nur nicht sachgerecht und ungerecht,
sondern stellt (wie Lycisca sehr schön herausgearbeitet hat) auch für *uns* eine Gefahr dar, weil der auf diese Weise
verbreitete Glaube ein ungewöhnliches Sexualverhalten könnte automatisch zu solch schrecklichen Taten führen,
am Ende uns mit unserem non-mainstream Verhalten genauso treffen wird wie die Priester mit dem ihrigen.
Anzuschuldigen ist vielmehr die von der Organisation &quot;Kirche&quot; forcierte und von dort aus in der Gesellschaft
verwurzelte Ansicht, &quot;Zölibat&quot; sei moralisch höherwertig als das Anbieten von pay6.
Erst hierdurch werden Männer zu dieser Lebensform getrieben, die sich von der Persönlichkeitsstruktur her gar nicht dafür eignen.
Denen erfolgreich eingeredet wurde, sie könnten durch die Wahl des Priesterberufs oder des Mönchtum's eine vermeintliche &quot;Schuld&quot;
abdienen oder sonst irgendwie &quot;Gutes&quot; tun. Der Wunsch sich klein zu
machen und keine Spuren zu hinterlassen wird übrigens auch oft durch solche eingebildeten Schuldgefühle getriggert, und findet
seine Erfüllung im Zölibat - unter diesem Aspekt ist der Kindesmißbrauch auch kein Widerspruch zum Zölibat, da ja keine &quot;Spuren&quot;
in Form von Nachkommen hinterlassen werden.
Somit sind die bekanntgewordenen Mißbrauchsfälle keineswegs einseitig &quot;dem Zölibat&quot; anzulasten, sie sind die direkte Folge
des kirchlichen Dogma's - sowohl von der Höherwertigkeit der Ehelosigkeit (und der nochmals schlechteren außerehelichen
Sexualität)als auch von der prinzipiellen &quot;Schuldigkeit&quot; des Menschen.
&quot;Zölibat&quot; an sich, also ohne diesen kulturellen Rahmen, ist da wohl eher harmlos ...
Liebe Grüße, Aoife

Kajus:
Liebe Aoife, 
jetzt verstehe ich und ich stimme Dir, Lycisca und Eugen Drewermann weitgehend zu – mit einer wichtigen Ausnahme. Die katholische Kirche wird hier zu einem Verursacher, um nicht zu sagen Sündenbock gemacht, der sie nicht ist. Und einige wesentliche Punkte werden nicht beachtet in der öffentlichen Diskussion. Die katholische Kirche hat unsere Kultur und Zivilisation nicht mit diesen Ideen okkupiert, sondern umgekehrt wird ein Schuh daraus, die katholische Kirche ist als Erbin des Römischen Reichs die unserer, aus der griechisch-römischen Kultur hervorgegangenen Zivilisation, adäquate Religion, die unserem Selbstverständnis entspricht. Religion, zumal eine Weltreligion wie das Christentum, kann nur bestehen, wenn sie der Kultur entspricht, in der sie lebt, sie kann der Kultur in ihrem steten Wandel folgen oder hinterherhinken, die ursprünglichen Grundlagen und Voraussetzungen aber nicht verändern, höchstens zu einem anderen Umgang damit mahnen. Die katholische Kirche entspricht uns mehr, als wir wahrhaben wollen. Der Zölibat als ethisch höchste Form beruht auf einer wichtigen Grundidee unserer Kultur und ging mitnichten von der Kirche aus, nämlich vom Ausschluss der Frau.
Der Ausschluss der Frau hat eine Logik, er beruht auf unserem Verhältnis zur Natur, für die die Frau, davon bin ich fest überzeugt, auch heute noch als Symbol steht – und zwar nicht nur in der Kunst, sondern in allen hierarchischen Strukturen. Das hat die moderne Frauenbewegung nach 68 konsequent übersehen. Erscheint Marilyn Monroe, bricht die Zivilisation und jede Hierarchie zusammen, es sei denn, sie wird gebändigt, domestiziert, ihre Verlockung darf nur der Fortpflanzung dienen, ihr Dasein hat sich den gesellschaftlichen Anforderungen nach Familie und der Fortpflanzung unterzuordnen. Unser Verhältnis zur Natur, die Beherrschung und der Ausschluss der Natur durch die Zivilisation, macht die Frau zum Symbol, zur verlockenden Gefahr. Der Islam ist die jüngere und in dieser Beziehung konsequentere Religion, er verdeckt die Frau, bereits ihr Anblick ist verboten. Ich habe vor einigen Jahren eine theologische Abhandlung eines Islamgelehrten gelesen, in der er sich über die europäische Unsitte auslässt, Haustiere, insbesondere Hunde in Häusern, Wohnungen und im öffentlichen Raum zu halten. Das theologische Problem lag für ihn in der Tatsache, dass die streunende läufige Hündin durch den öffentlichen Anblick ihrer Blutung unerträglich, obszön, aus religiöser Sicht nicht erträglich ist. Der bekannte und in den 60er und 70er Jahren sehr präsente Theologe und Jesuit Karl Rahner hat in einer Abhandlung es als ein Hauptproblem der Ökumene angesehen, dass die evangelische Kirche Frauen zum Priesteramt zulässt - mit der Begründung, dass die Vorstellung einer menstruierenden Frau am Altar (auch wenn sie keine Priesterin wäre!) für ihn unvorstellbar ist. Wenn ich mich richtig erinnere, hat er sich dabei sogar auf physischen Widerwillen oder Ekel bezogen. Sein Entsetzen darüber entspricht all meinen Beobachtungen, die Frauen selbst bei der Regelblutung empfinden. Dieses Entsetzen ist zivilisatorisch begründet und hat nichts mit der katholischen Kirche zu tun.
An der Integration der Frau in die Führungshierarchien und in die Elite arbeiten sich Personalchefs, die Reste der Frauenbewegung und jede Frau ab, die sich eine wie auch immer geartete Karriere in der Arbeitswelt der Männer zum Ziel gesetzt hat. Die Integration ist nur möglich, indem die Frau ihr Aussehen möglichst dem neutralen männlichen Businessoutfit anzupassen versucht und ihre Weiblichkeit in weiten Teilen verleugnet. Während der Mann in seinem Element ist, ist die Frau damit beschäftigt, sich anzupassen und gerät unweigerlich in einen Konflikt, es sei denn, sie nähert sich einem zölibatären Lebensplan ohne Partnerschaft und Kinder an uns schließt die Sexualität aus. Wenn nicht, wird jede männliche Hierarchie gestört. Das hat die Kirche nicht verursacht, das ist der Rahmen, in dem die Kirche sich bewegen muss, so wie wir auch und wie jede Frau, ob sie will oder nicht.
So wie der Islam die Frau verdeckt und damit die Natur aus der Zivilisation ein Stück weiter ausschließt, so ist die Sexualität der Anker der Natur in der Zivilisation. Das ist der Grund, warum sie gefährlich ist und auch bleibt und sich auch nicht mit Konzepten, wie sie die evangelische Kirche propagiert, zähmen lässt. Der heterosexuelle Mann unterliegt der Natur. Das wird ihm erlaubt - im Käfig der Ehe und der wirtschaftlichen Verpflichtungen. Jeder Geschlechtsakt ist ein Hinabtauchen in den Abgrund der Natur, ein immer wieder erneutes Sichbeschmutzen, oder, wie es die Kirche sieht, in ihrer untauglich gewordenen Terminologie, ein Sündenfall. Jeder Mann, der sich nach der Ejakulation mit einem Schauder, einem kurzen Entsetzen abwendet, empfindet das immer wieder aufs Neue. Auch das hat die Zivilistion hervorgerufen, nicht die Kirche. Frauen empfinden nicht diesen Schauder nach dem Orgasmus.
Die Lösung dieses Problems ist für die Kirche das Zölibat, das dann die Probleme, die Aoife, Lycisca und Drewermann richtig beschreiben, hervorruft und das nicht nur das geeignete Personal anzieht, sondern dieses Personal im System immer wieder neu produziert, durch Missbrauch von Knaben. Im kulturellen katholischen Selbstverständnis beschmutzt sich der Mann dadurch weniger als durch den Geschlechtsakt mit der Frau, im Grunde bleibt er rein. Deswegen schweigen alle und kehren es unter den Teppich. Missbrauch ist zwar in der katholischen Kirche eine Sünde, doch in der Realität wird der verbotene Sex mit einer Frau weitaus stärker geächtet und führt nach dem Gelübde unweigerlich zum Ausschluss aus der Kirche. Die Pater, die Knaben missbraucht haben, wurden weder vom Unterricht suspendiert, noch aus dem Orden ausgeschlossen noch aus der Kirche gejagt, sie wurden in der Regel einfach versetzt, wenn es anfing, irgendwo hochzukochen. Da sich das gesellschaftliche Selbstverständnis in Bezug auf Missbrauch von Kindern geändert hat und die Öffentlichkeit weltweit miteinander vernetzt ist, muss sich nun dieser schwerfällige und langsame Apparat der Kirche darauf einstellen und wird es auch tun. Das Dilemma wird aber bleiben. Wie auch immer, das Zölibat schafft den Rahmen für diese Strukturen, Missbrauch ist unter anderem auch eine wichtige Grundlage für die Reproduktion des Personals. Ich bin fest davon überzeugt, es handelt sich hier nicht um bedauerliche Betriebsunfälle, sondern es ist Teil und auch innerer Zweck des Systems, neue Priester, rein, unbeschmutzt von der Natur zu erhalten. Das Zölibat ist nicht der Auslöser für den Missbrauch, er begünstigt ihn und ermöglicht eine Kultur des Missbrauchs, in der die sexuell missbrauchten Knaben die zukünftigen Pater, Priester und Täter sind. Ich weiss, es soll Studien geben, die belegen, dass es in diesen Zusammenhängen nicht öfter zu Missbrauch kommt als außerhalb der Kirche. Ich glaube das nicht und halte an meinem Vorurteil fest.
Ich bin fest davon überzeugt, dass Kinder, die Lehrer mit einem intensiven und erfüllten Sexualleben im Privaten haben, weniger gefährdet sind, als Kinder, die eine Jesuitenschule besuchen.

Aoife:
Lieber Kajus,
danke für diese interessanten Aspekte.
Wobei ich aber nicht in jedem Punkt einverstanden bin.
Zum Beispiel sehe ich die kath. Kirche keineswegs als passiv den gesellschaftlichen Gegebenheiten folgend.
Diese wurden sehr aktiv von der Kirche mitgeformt, ich bin überzeugt, dass die sog. Hexenverfolgung
via Psychotrauma und Epigenetik sowie auch durch rein genetische Auslese unsere heutige &quot;Kultur&quot; entscheidend mitgeprägt hat.
Ein jahrhundertelanger Vernichtungsschlag gegen unliebsame Menschen, bei dem zeitweise die Hälfte der Bevölkerung
ausgerottet wurde, hinterlässt mich Sicherheit seine Spuren in der Gesellschaft, das ist ja erst 200 Jahre oder 6 Generationen her.
Und erst auf diesem Boden lassen sich ja solche Legitimationsmythen wie &quot;Erbin des römischen Reichs&quot; oder &quot;unsere,
aus der griechisch-römischen Kultur hervorgegangenen Zivilisation&quot; verbreiten - unsere Kultur ist keltisch, nur mit brutalsten Mitteln
graeco-romanisiert ...
Ich denke, die Auseinandersetzungen, die wir jetzt sehen, und in denen gerade *wir* ja auch mittendrin stecken, sind Folge der
langsam wieder erstarkenden &quot;natürlichen&quot; Veranlagung des Menschen - womit ich ganz bewußt auf deinen Dualismus
&quot;Natur &lt;-&gt; Zivilisation&quot; zurückgreife. Nur sehe ich eben historisch, dass diese Zivilisation keineswegs kultiviert ist, sondern den
Menschen mit barbarischsten Methoden aufgezwungen wurde ... und somit auch nicht als &quot;unschuldige Folge&quot; einer vorbestehenden
Gesellschaftsordnung gesehen werden darf.
Liebe Grüße, Aoife

Marc of Frankfurt:
@Kajus. Auch von mir ein Danke für deine zusammengefasste Kulturgeschichte der Sexualität.

Kajus:
@Marc: So war es eigentlich nicht gedacht, mein Posting ist zu weit ausholend und dadurch zu vereinfachend in den Aussagen. Manches klingt vermutlich, so in diesem Zusammenhang gesagt, provozierend. Ich wollte eigentlich nur sagen, dass nach meiner Ansicht der Zölibat als hierarchisch höher bewertete Form der Sexualität keine Idee ist, die in der katholischen Kirche erdacht und in den von ihr geschaffenen oder beeinflussten gesellschaftlichen Strukturen entstanden ist, sondern auf einem Religions- und Naturveständnis beruht, das weitaus älter ist und die Kirche sich dessen bediehnt. Außerdem, dass es einen ursächlichen Zusammenhang zwischen institutionell verordnetem Zölibat, der männerbündig organisiert ist, und der von diesem Personal betriebenen katholischen Schulen und Internate, dem strukurellen Rahmen für systematischen Missbrauch von und sexueller Gewalt gegenüber Knaben gibt. Seltsamerweise findet man die von Aoife zur Recht ebenfalls erwähnten heterosexuellen Onkels, die auf kleine Mädchen stehen, offenbar nicht in den Jesuitenschulen, die ja heute in Deutschland zum großen Teil gemischte Schulen sind.

Lupus:
Razzia im Kloster:
Kloster übergibt Dokumente zu Missbrauchsverdacht
Ettal (dpa) - Bei der Razzia im Zusammenhang mit dem Missbrauchsskandal im oberbayerischen Kloster Ettal hat die Abtei nach eigenen Angaben mit der Staatsanwaltschaft kooperiert. 
Den Ermittlern seien &quot;aus freien Stücken&quot; Unterlagen zu zwei Tatkomplexen übergeben worden, teilte das Kloster mit.
Am Dienstag hatte die Staatsanwaltschaft in dem Kloster Akten zu dem Missbrauchsverdacht gegen mehrere Patres sichergestellt. Der von der Benediktinerabtei beauftragte Ermittler will an diesem Freitag einen Bericht veröffentlichen. Von der Staatsanwaltschaft war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.
http://magazine.web.de/de/themen/na....t-Staatsanwaltschaft.html

Marc of Frankfurt:
Die Katholische Parallelgesellschaft 
http://www.berlinonline.de/berliner....6/meinung/0110/index.html


________________


Missbrauch an Elite-Schule
&quot;Sexuelle Dienstleister&quot;
Ein Skandal um den Missbrauch von Schülern bahnt sich nun auch an einer Reformschule im Odenwald an. Bis zu 100 Opfer könnte es nach Ansicht Betroffener gegeben haben. Viele Prominente besuchten die Einrichtung.
...
Ehemalige Schüler berichteten der FR davon, wie sie von Lehrern regelmäßig durch das Streicheln der Genitalien geweckt, wie sie als &quot;sexuelle Dienstleister&quot; für ganze Wochenenden eingeteilt, wie sie zu Oralverkehr gezwungen wurden. Einzelne Pädagogen hätten ihren Gästen Schüler zum sexuellen Missbrauch überlassen. [Gastprostitution, Anm.] Lehrkräfte hätten Schutzbefohlene geschlagen, mit Drogen und Alkohol versorgt oder beim gemeinschaftlichen Missbrauch eines Mädchens nicht eingegriffen.
...
http://fr-online.de/in_und_ausland/....uell/?em_cnt=2388385&amp;


Kritik der Netzwerke um Reformschule und Pädagogik:
Knabenliebe zum pädagogischen Prinzip erhoben
http://www.heise.de/tp/r4/artikel/32/32212/1.html


.

Aoife:
Sexueller Missbrauch auch an österreichischen Schulen
Auch in Österreich sind an zwei Einrichtungen der katholischen Kirche Fälle von Kindermissbrauch bekannt geworden.
Wie österreichische Medien berichten, wird dabei auch der derzeitige Erzabt des Stiftes St. Peter in Salzburg beschuldigt, der zum Tatzeitpunkt Priesteramtsanwärter war. Er habe den Missbrauch, der rund 40 Jahre zurückliegt, bereits gestanden und seinen Rücktritt angeboten. Wie das heute 53-jährige Opfer dem Radiosender Ö1 sagte, wurde er auch von zwei anderen Patres der Benediktiner-Abtei sechs Jahre lang immer wieder missbraucht.
Die beiden Geistlichen, von denen einer inzwischen gestorben ist, wurden nach Angaben der Salzburger Staatsanwaltschaft 2005 in Marokko wegen sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen festgenommen. Einer von ihnen wurde deshalb auch in Österreich verurteilt. Der Erzabt des Klosters hat dem Opfer dem Bericht zufolge Ende 2009 in einem Brief 5000 Euro angeboten. Der Salzburger Erzbischof Alois Kothgasser sagte dem Radiosender, die Summe sei kein Schweigegeld, sondern als Schmerzensgeld gedacht gewesen. &quot;Das wollten wir auch mit dem Betroffenen abklären, wie viel das denn sein kann&quot;, sagte der Bischof.
Auch im Internat eines Privatgymnasiums des Bregenzer Zisterzienser-Klosters wurde in den 1980er Jahren mindestens ein Schüler sexuell missbraucht. Die Tat wurde von der Schule jahrelang vertuscht. Wie Abt Anselm van der Linde den &quot;Vorarlberger Nachrichten&quot; sagte, war der Täter geständig. Die Schule habe den zuständigen Bischof informiert und den heute 74-Jährigen nach Tirol versetzt, wo er heute noch als Priester arbeite. Er habe auch eine Therapie gemacht. Der Vater des Jugendlichen habe damals auf eine Anzeige verzichtet.
Quelle: http://magazine.web.de/de/themen/na....ch-Missbrauchsfaelle.html

KonTom:
Wobei schon zu bemerken wäre, ds sich diese Sache langsam ausweitet, und 
zwar nicht nur auf katholische Schuleinrichtungen.
So oder so bleibt es eine riesen Sauerei!
Kinder sind die schwächsten Geschöpfe!
Ihr Schutz sollte an erster Stelle stehen!
Tom

Lupus:
Warum sollte es in Internaten anders zugegangen sein als in Kinderheimen bis in die 80er Jahre?
Schläge und Schikanen in Kinderheimen 
Damals hat die Öffentlichkeit kaum Notiz genommen, es handelte sich ja meist um &quot;böse&quot; Kinder (in den Köpfen der &quot;braven&quot; Menschen) während jetzt offensichtlich Kinder der Mittel- und Oberschicht betroffen sind.

Aoife:
Sexueller Missbrauch offenbar auch bei Limburger Domsingknaben
Berlin (ddp). Auch bei den Limburger Domsingknaben soll es sexuellen Missbrauch gegeben haben. Nach Informationen der «Nassauischen Neuen Presse» (Dienstagausgabe) berichtete ein ehemaliges Chormitglied in einem Brief an Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst von Übergriffen des damaligen Dirigenten. Diese sollen sich gleich nach der Gründung des Knabenchors im Jahr 1967 bis 1973 ereignet haben. Der Domkapellmeister und Priester, der schon seinerzeit wegen seiner Neigungen gerüchteweise unter Verdacht gestanden haben soll, ist 2002 verstorben.
Das Bistum Limburg prüft derzeit Missbrauchsvorwürfe gegen mehrere Priester in seinem Kirchenbezirk. Der Missbrauchs-Beauftragte des Bistums, Benno Grimm, bestätigte der Zeitung, dass täglich mehrere Hinweise mit neuen Vorwürfen bei ihm eingehen würden. In der vergangenen Woche hatte Bischof Tebartz-van Elst von bislang fünf beschuldigten Priestern und sechs Opfern gesprochen und «eine rückhaltlose und transparente Aufklärung durch das Bistum» zugesagt. Die Unterlagen zu den einzelnen Fällen seien der Staatsanwaltschaft Limburg übergeben worden. Erst am vergangenen Wochenende sorgte eine schulische Einrichtung in Hessen wegen Missbrauchs-Vorwürfen für Schlagzeilen.
Quelle: http://news.de.msn.com/panorama/bil....ntid=152454028&amp;page=1

Marc of Frankfurt:
Zur Zwangsarbeit in Kinderheimen:

- Bericht eines Betroffenen 2008
http://www.sexworker.at/phpBB2/viewtopic.php?p=42334#42334
- Enthüllungsjournalismus 2008
http://www.sexworker.at/phpBB2/viewtopic.php?p=35552#35552
- Entschuldigung Bischöfin Käsmann 2009
http://www.sexworker.at/phpBB2/viewtopic.php?p=66956#66956

Marc of Frankfurt:
Pädophilie
Geschichte des sexuellen Missbrauchs

Sexueller Missbrauch von Kindern und Jugendlichen ist vermutlich so alt wie die Menschheit. Im Lauf der Jahrhunderte wurden immer wieder dramatische Fälle bekannt.
Von FOCUS-Online-Autor Frieder Leipold
Vasenbild
Ein erwachsener Erastes (Liebender) mit seinem jugendlichen Eromenos (Geliebter) auf einem Trinkbecher
Bereits sumerische Tontafeln, die ersten schriftlichen Quellen der Menschheitsgeschichte, berichten von sexuellen Machtgelüsten: In einem religiösen Text macht der königliche Gott En-Lil keinen Hehl aus seinem Verlangen beim Anblick der kindlichen Göttin Nin-Lil. Doch die weist ihn mit dem Hinweis auf ihre Jugend zurück: „Meine Vagina ist klein und kennt die Schwangerschaft noch nicht. Meine Lippen sind jung und wissen nichts vom Küssen.“ Dieser Vorwand kann den göttlichen König jedoch nicht aufhalten, und er verbündet sich mit einem seiner Minister, um sie zu vergewaltigen. Als die Tat ruchbar wird, wird Nin-Lil zusammen mit ihrem Peiniger verbannt.

Sexfantasien im Zarenpalast
In dieser Jahrtausende alten Geschichte tauchen Motive auf, die typisch für die Thematik sind. Ein Motiv ist die Degradierung zum Sexualobjekt, dessen Willen keinen Einfluss auf das Geschehen hat. Als anderes Motiv erscheint immer wieder ein Männerbund, dem das Wohl der Kinder untergeordnet ist. So erzählt auch die Bibel im Buch der Richter (Kapitel 19, Vers 24) von einem Gastgeber, der seine jugendliche Tochter opfert, um einen erwachsenen Gastfreund zu schützen. Als ein Mob vor seinem Haus erscheint und die Herausgabe des Freundes fordert, bietet er einen Tausch an: „Siehe, ich habe eine Tochter, noch eine Jungfrau, und mein Gast hat eine Nebenfrau, die will ich euch herausbringen. Die möget ihr zuschanden machen und tut mit ihnen, was euch gefällt, aber an diesem Manne tut nicht eine solche Torheit!“

Knabenliebe als Statussymbol
Im antiken Griechenland hingegen war die sexuelle Ausbildung von Jugendlichen ein Privileg der Männer der herrschenden Schicht. Mit dem Erreichen der Pubertät wurde ein Knabe als „Eromenos“ von einem erwachsenen „Erastes“ umworben. Diesen sollte der Junge als Gefährte, Lehrer und auch sexuellen Erzieher auswählen. Die als Knabenliebe oder „Päderastie“ bezeichnete Praxis war jedoch weniger eine romantische, als eher eine Prestigeangelegenheit. In einer Sklavenhaltergesellschaft gehörte es zum guten Ton, abhängige Jugendliche in seinem Gefolge zu haben. Die gesellschaftlich anerkannte Knabenliebe ist für die Historikerin Carola Reinsberg vor allem ein Statussymbol: „Nach außen hin Statusträger, ist sie für den aristokratischen Standesgenossen wie die Jagd und die Reitkunst fester Bestandteil ritterlich vornehmen Lebensstils.“ Ein als „Fragment 13 D“ bekanntes Schriftstück belegt diese Sichtweise: „Glücklich der Mann, der liebreiche Knaben und stampfende Rosse, Jagdhunde auch und dazu Freunde im Ausland besitzt.“
Auf der anderen Seite erkannte der griechische Gesetzgeber Solon durchaus die Gefahr des sexuellen Missbrauchs, die Schulkindern durch ihre Lehrer drohte. Es war daher vorgeschrieben, dass Schulen frühestens bei Sonnenaufgang aufgeschlossen und spätestens zu Sonnenuntergang wieder zugeschlossen werden mussten. Um die heimliche Prostitution mit Schulkindern zu vermeiden, wurden Lehrer mit der Todesstrafe belegt, wenn sie andere Erwachsene als ihre Familienangehörigen das Schulhaus überhaupt betreten ließen. Diese Regeln galten selbstverständlich nur für die Kinder der Bürger. Der Prostitution von minderjährigen Sklaven stand dagegen nichts im Weg. Sie wurde bei den zeremoniellen Trinkgelagen auch gerne in Anspruch genommen, wie die Bemalung von zahlreichen Trinkgefäßen belegt.

Kinder als Lustsklaven
Gemälde
Marie-Lousie O´Murphy war 14 Jahre alt, als dieses Bild entstand. Ein Höfling machte sie mit Ludwig XV. bekannt, dem sie zwei Jahre lang als Mätresse diente.
Diese Sitte, sich jugendliche Sklaven als sexuelle Diener zu halten, ist auch aus dem alten Rom bekannt. In der Erzählung „Satyricon“ ergeht sich der impotente Gladiator Encolpius in Eifersucht um seinen Lustknaben, den er mit seinem Begleiter Ascyltos teilen muss. Während der „Satyricon“ klar ins Reich der Fiktion gehört, ist dies bei den Schilderungen des Schriftstellers Sueton umstritten. Er beschreibt die Eskapaden des alternden Kaisers Tiberius, dem kindliche Sklaven als „Fischlein“ im Schwimmbad zu Diensten sein mussten. Hier erscheint als männlicher Gefährte Caligula, der ähnlichen Gefallen an sexuellem und körperlichem Missbrauch wie Tiberius hat und deshalb von ihm zum Nachfolger bestimmt wird.
Wie es scheint, war die sexuelle Ausbeutung von Kindern derart tief in der Gesellschaft verwurzelt, dass nur zögerlich dagegen vorgegangen wurde. So rühmt der Dichter Martial den Kaiser Domitian dafür, die Kastration von Kindern verboten zu haben. Zuvor hatte man Kinder bereits in der Wiege ihrer Geschlechtsorgane beraubt, um ihre kindlichen Eigenschaften zu erhalten, und sie anschließend an Bordelle verkauft. 
Mit der Verbreitung des Christentums wurde im Codex Theodosianus immerhin Vätern die Prostitution der eigenen Töchter verboten. Dass es hierfür ein gesetzliches Verbot brauchte, spricht für sich. Besonders bewegend ist die Lebensgeschichte der byzantinischen Kaiserin Theodora, die als Mädchen zusammen mit ihren Schwestern erotische Theaterstücke aufführen musste. Als sie Jahre später zur Kaiserin aufstieg, ließ sie den Handel mit Mädchen unter 10 Jahren verbieten und errichtete eigene Häuser, die die gefallenen Mädchen aufnehmen sollten.

Adelsstand schützt vor Strafe
Solche Versuche hatten jedoch meist nur kurzfristige Wirkung. In den folgenden Jahrhunderten sollte sich immer wieder zeigen, dass die Macht der Adeligen eine Bestrafung ihrer Verbrechen ausschloss und nur in besonders harten Fällen ermittelt wurde. Einer dieser Fälle waren die Grausamkeiten des französischen Baron Gilles de Rais. Nachdem er an der Seite von Jean d´Arc im hundertjährigen Krieg gekämpft hatte, begann er auf seinen ausgedehnten Ländereien ein Netzwerk von Handlangern aufzubauen, die ihm Kinder zuführen sollten. 1440 wurde er schließlich angeklagt 140 Kinder zu Tode gequält zu haben. Die Dunkelziffer seiner Opfer dürfte erheblich darüber liegen. Sein Bruder, der bereits früher Spuren der entsetzlichen Folterungen gefunden hatte, hatte aus Rücksicht auf die Familienehre geschwiegen.
Zu Beginn der Neuzeit im angehenden 17. Jahrhundert ist der Fall der ungarischen Gräfin Erzsébet Báthory, bekannt, die ihre Hausmädchen zu Tode gequält haben soll. Die Angaben der Opfer reichen von 36 bis 650. Es gibt jedoch auch Theorien, wonach Bathory das unschuldige Opfer einer Verschwörung war, die es auf ihren reichen Besitz abgesehen hatte. 
Im 18. Jahrhundert schließlich ließ sich der französische König Ludwig XV. im Parc-aux-Cerfs, dem Hirschgarten von Versailles, ein privates Kinderbordell einrichten, das von Madam Pompadour bestückt wurde. 
Sein Zeitgenosse Maquis de Sade phantasierte in seiner Erzählung „Die 120 Tage von Sodom“ von der sexuellen Misshandlung und Tötung von Kindern und Kleinkindern durch eine Gruppe von vier Angehörigen der herrschenden Klasse.

Jungfrauen-Kult und Sadismus
Und auch im 19. Jahrhundert fanden reiche Pädophile Möglichkeiten, ihre Triebe an Kindern auszuleben. Im Jahr 1822 landete der dem Hochadel angehörende Aloys Fürst von Kaunitz-Rietberg vor Gericht, dem in 200 Fällen Notzucht zur Last gelegt wurde. Zuvor hatte er seine Neigungen jahrelang in dem von ihm gesponserten Mädchenballett ausgelebt. In den Prozessakten findet sich auch der Kaufvertrag für eine 11-jährige Liebhaberin, den Kaunitz-Rietberg mit dem Vater des Kindes hatte abschließen wollen. 
Aus England berichtete 1884 der Redakteur William Thomas Stead über den Jungfrauen-Kult. Bei verdeckten Ermittlungen berichtete ihm eine Kupplerin von der gestiegenen Nachfrage: „Dr. ..., zum Beispiel, ein guter Freund von mir, der gewöhnlich ein Mädchen für zehn Pfund bei mir nahm, nimmt jetzt alle 14 Tage drei Mädchen für fünf bis sieben Pfund pro Mädchen.“
http://www.focus.de/wissen/bildung/....ssbrauchs_aid_487760.html


Der letzte Fall ist eine inszenierte Aktion der Prostitutionsgegner:
http://www.sexworker.at/phpBB2/viewtopic.php?p=9415#9415
Pädophilie ist das Hauptargument der Prostitutionsgegner.


.

Kajus:
@Marc of Frankfurt: Vielen Dank für diesen interessanten Einblick in verschiedene Epochen und Kulturen!
Sexualität und auch sexueller Missbrauch sind gesellschaftlich definiert, deshalb ist ein Vergleich über verschiedene Epochen und Kulturen als Information darüber, wie zu anderen Zeiten und in anderen Kulturen Sexualität gelebt und definiert worden ist, aufschlussreich. Unsere Definitionen sind aber nicht allgemeingültig, sie gelten vor allem auch nicht für vergangene Epochen und Kulturen. Ein funktionierendes Rechtssystem versucht, dem gesellschaftlichen Konsens Rechnung zu tragen und lässt sich nur dann durchsetzen, wenn dieser Konsens auch tatsächlich besteht. Selbst heute, innerhalb unserer westlichen Welt, gelten Handlungen, die in einem bestimmten Rechtssystem eindeutig als Missbrauch definiert sind, in einem anderen nicht als Missbrauch.
Die Werke des Marquis de Sade sind reine Fiktion und geben keinen Aufschluss über das Sexualverhalten seiner Zeit. Seine Fantasien sind heute genau so gültig wie damals.

Lycisca:
Zitat:Dieser Vorwand kann den göttlichen König jedoch nicht aufhalten, und er verbündet sich mit einem seiner Minister, um sie zu vergewaltigen. Als die Tat ruchbar wird, wird Nin-Lil zusammen mit ihrem Peiniger verbannt.
Die Vorgehensweise, dass gleich einmal das Opfer (Nin-Lil) bestraft bzw. sozial ausgeschlossen wird, scheint zeitlos zu sein ... vgl. auch Verhalten des Staates gegenüber Opfern von Menschenhandel

Ariane:
Ich fand diesen Artikel in der Süddeutschen zum Thema sehr erhellend. Es geht historisch betrachtet um den Zusammenhang von Erziehungsstil (bis zur Folter), Sexualmoral, sexuelle Unreife.http://www.sueddeutsche.de/politik/519/506687/text/ und verweist auf die Symptomatik, die uns von &quot;systematischem&quot; Missbrauch sprechen lassen kann. Auf der Kartografie des Horrors sind mir Zahlen in Erinnerung (ARD Tagesthemen vor ca. 3 Tagen), die ich kürzlich mit Schrecken wahrnahm: 11.000 Mißbrauchsopfer USA (Entschädigung bislang 2 Mrd.), 32.000 Mißbrauchsopfer in Irland; da scheinen die bislang bekannten Fälle in Deutschland wohl der Gipfel des Eisbergs zu sein; wie es in denjenigen Entwicklungsländern aussieht, wo man sich mit missionarischen Eifer den Schutzbefohlenen gewidmet hatte, möchte ich gerne mal wissen. 
Eine Frechheit auch, daß Zolitsch Opfer von einer Anzeige abrät; kürzlich hatte ich dies gelesen, mit der Begründung, die Opfer wollen selber keine Anzeige erstatten. 
Mir wird gerade furchtbar schlecht...

Ariane:
          Marc of Frankfurt hat folgendes geschrieben:
Der letzte Fall ist eine inszenierte Aktion der Prostitutionsgegner:
http://www.sexworker.at/phpBB2/viewtopic.php?p=9415#9415
Pädophilie ist das Hauptargument der Prostitutionsgegner.

 :017 
Ich hatte ja kürzlich eine Erfahrung getwittert, die mir ein Mitarbeiter der National Gallery London anlässlich der Kienholz &quot;Hurengracht&quot;-Installation beim Kauf einiger Postkarten &amp; DVD zur Ausstellung mitgeteilt hatte (die Ausstellung ist ja nun in Amsterdam), mit dem sich ein netter Plausch ergab, da ich mich als SW zu erkennen gab. Er berichtete, daß die Wände in den Toiletten alle mit Graffitiesvon Prostitutionsgegnern beschmiert wurden: &quot;prostitution is the first step to child abuse&quot;.
Vor dem Hintergrund des Missbrauchs in der Kirche frage ich mich noch stärker als sonst schon, wie die Abolitionisten den Zusammenhang zwischen Pädophilie, Missbrauch und Prostitution herstellen und erklären; zumindest rational kann ich ihn nicht nachvollziehen. Entspringt eine konfuse Irrationalität vielleicht selbst einer unreflektierten traumatischen Erfahrung?!

Marc of Frankfurt:
Das scheint mir eine uralte Methode, &quot;Kulturtechnik&quot; oder Propaganda der Ausgrenzung/Othering
Letztlich ein Marktmechanismus der Konkurrenzbekämpfung.
Die Schwulen wurden vor der Legalisierung kollektiv als Päderasten diffamiert. Ebenso beispielsweise Ausländer/Barbaren als Kinderfresser ...

Beispiel:
http://www.sexworker.at/phpBB2/viewtopic.php?p=78021#78021

Aus der Sicht der Gegner ist es ein &quot;Wehret den Anfängen&quot;. Ein Mechanismus, der Gemeinsamkeit schafft und stärken soll.

Wir werden uns wohl notwendigerweise ein dickeres Fell zulegen müssen, um die periodischen Medienstürme teilw. scheinheiliger Entrüstungskultur an uns abprallen lassen zu können, um nicht psychisch dauernd sensibel gemacht und verunsichert zu werden, um langfristig keinen Schaden zu nehmen (Sex Worker Burn Out - SWBO).

certik:
          Ariane hat folgendes geschrieben:...32.000 Mißbrauchsopfer in Irland; da scheinen die bislang bekannten Fälle in Deutschland wohl der Gipfel des Eisbergs zu sein...
Irland hat 4.239.848 Einwohner (Stand April 2006)
32.000 - das sind unvorstellbare 0,75 Prozent oder jede(r) 132te...
Ich glaube mir wird auch schlecht, fürchterlich schlecht...
LG certik


Marc of Frankfurt:
Theologe Prof. Hans Küng: &quot;Papst hielt Missbrauchsfälle geheim&quot;
Der Schweizer Theologe Hans Küng hat Papst Benedikt XVI. vorgeworfen, wichtige Informationen über Missbrauchsfälle geheim gehalten zu haben: „Es gab in der ganzen katholischen Kirche keinen einzigen Mann, der so viel wusste über die Missbrauchsfälle, und zwar ex officio – von seinem Amt her“.
Weiterlesen:
http://www.focus.de/panorama/welt/k....le-geheim_aid_492733.html

Gerade in den Nachrichten über 100 Fälle mißbrauchter taubstummer Jungen in den U.S.A., wo sogar ein Briefwechsel des zum Täter gewordenen Priesters mit der Kurie, ihn doch Bitte im Priesteramt zu belassen, nachgewiesen werden kann.

Aoife:
Ariane hat folgendes geschrieben:Entspringt eine konfuse Irrationalität vielleicht selbst einer unreflektierten traumatischen Erfahrung?!
Diese Theorie ist noch nicht vollständig ausgearbeitet, unsere Materialsammlung findest du hier (geschützter Bereich):
http://www.sexworker.at/phpBB2/viewtopic.php?t=5298
Liebe Grüße, Aoife

Arum:
          certik hat folgendes geschrieben:   
 Irland hat 4.239.848 Einwohner (Stand April 2006)
32.000 - das sind unvorstellbare 0,75 Prozent oder jede(r) 132te...
Ich glaube mir wird auch schlecht, fürchterlich schlecht...
 
Das wird nur noch schlimmer, wenn man Mother Ireland von Edna O'Brien gelesen hat. Darin wird u.a. beschrieben, wie sehr ihre Heimat Country Clare eine von ständigem Inzest heimgesuchte Region gewesen sein muss. 
Leider hat meine grosse Verflossene das Buch beim Abschied mitgenommen, also nur ein Verweis aus dem Gedächtnis heraus, aber erschreckend war es schon, gerade auch wenn man selber dort mal gewesen ist, und die Menschen so freundlich fand, auch die älteren Herren. Aber trotzdem, viele jungen Frauen verübten dort Selbstmord aus diesem Grund. Zum Beispiel dadurch, dass sie sich von den Cliffs of Moher gestürtzt haben. Wir haben damals an einer entlegenen Stelle dieser Landschaft an einem Posten, nahe am Abgrund, ein Kleid flattern sehen... 
Aber ist schon eine gute 25 Jahre her.
Das schöne liebe katholische Irland...

riccarda:
Die Verbrechen katolischer Priester fanden auch in anderen Länder statt. Aber eigentlich finden solche Verbrechen überall statt.Ich errinere mich am Komunionsuntericht auch unsittlich berührt worden zu sein.Der Priester wollte sehen ob bei mir alles richtig sei. Ich habe nur damals einfach nicht gewusst was richtig und was falsch ist wei Misbrauch in Familie statfand,ein Polizeibeamte hat mich mal genötigt und auch ein Kontrolleur im Zug. Irgendwie war das normal, und selbst meine erste Ehe war alles ander als normal. Da wird noch vieles rauskommen, ich glaube das dadurch, das dieses Thema so present ist, viele Leute reden werden die bis jetzt geschwiegen haben.

Aoife:
Nach einer AP Meldung von heute ist ein von Kardinal Ratzinger unterschriebener Brief aufgetaucht,
in dem er sich gegen Maßnahmen gegen einen pädophilen US-amerikanischen Priester eingesetzt haben soll,
unter anderem mit der Begründung, dies diene dem &quot;Wohl der Kirche&quot;.
Das ist bislang der stärkste Gegenbeweis gegen die offizielle vatikanische Position, der heutige
Papst sei nicht in die zunehmend bekannt werdenden Mißstände involviert gewesen.
http://www.puppetgov.com/2010/04/09....r-stalled-pedophile-case/
Liebe Grüße, Aoife

Blanca:
Ich bin entsetzt.
Und ja, die Mißbrauchsopfer schweigen viel zu lange. Auch weil ihnen wohl der Rückhalt in der eigenen Familie fehlt.
Blanca

Leu:
Und nun beginnt es auch bei uns: 
http://www.focus.de/panorama/welt/m....iester-an_aid_497167.html
http://www.thueringer-allgemeine.de....chsfeld-taetig-1443858206
(ich hoffe mal, dass ich das mit den Links darf) 
Mal schauen, was in unserer Gegend noch so gefunden wird.
Soweit ich weiß, gabs vor Jahren einen Lehrer, der entlassen wurde, nachdem seine 14 oder 15-jährige Freundin ihn zum Geburtstag einladen wollte und die Eltern dann rausfanden, dass diese Freundschaft eben so eine Freundschaft war.

Marc of Frankfurt:
Michael Hartmann, Soziologe
zu den Mißbrauchsfällen in der Modellschule und Internat im Odenwald,
wo auch geduldeter Mißbrauch unter Schülern stattfand 
(vgl. auch bei Bundeswehr oder in Gefängnissen...):

&quot;Mißbrauch untereinander ist auch ein Phänomen von Elitebildung.
Die heranwachsenden Vertreter der zukünftigen Elite erlernen quasi alle psychichen Dimensionen des Herrschens und Beherrschtseins...&quot;

Vgl. Roman von Robert Musil: Die Verwirrungen des Zöglings Törleß 1906:
http://de.wikipedia.org/wiki/Die_Ve....B6glings_T%C3%B6rle%C3%9F
Arnold Gehlen's - Philosophie für Herrschende und Mängelwesen:
http://www.sexworker.at/phpBB2/viewtopic.php?p=78926#78926


.

Kajus:
Mißbrauch ist vielleicht notwendig um eine pervertierte Form der Elite in einem auf Macht, Ausbeutung und Unterdrückten System heranzuziehen, in einer Ellenbogenesellschaft, um die Kinder der Mittelschicht fürs System fit zu trimmen. Ich verstehe Hartmanns Feststellung - er bezieht sich dabei auch auf die entsprechenden Traditionen in den anderen westlichen Ländern -, als einen weiteren äußerst kritischen Hinweis von ihm auf die Elitebildung in Deuschland.

Aoife:
          Aoife hat folgendes geschrieben:Nach einer AP Meldung von heute ist ein von Kardinal Ratzinger unterschriebener Brief aufgetaucht,
in dem er sich gegen Maßnahmen gegen einen pädophilen US-amerikanischen Priester eingesetzt haben soll,
unter anderem mit der Begründung, dies diene dem &quot;Wohl der Kirche&quot;.
Das ist bislang der stärkste Gegenbeweis gegen die offizielle vatikanische Position, der heutige
Papst sei nicht in die zunehmend bekannt werdenden Mißstände involviert gewesen.
http://www.puppetgov.com/2010/04/09....r-stalled-pedophile-case/
Liebe Grüße, Aoife
Inzwischen sind hierzu Einzelheiten bekannt geworden:
Papst wehrt sich gegen neue Vorwürfe aus USA
Als Präfekt der Glaubenskongregation soll der damalige Kardinal Joseph Ratzinger die rasche Entlassung eines pädophilen US-Geistlichen aus dem Priesteramt um Jahre verzögert haben. Das behauptet ein Opfer-Anwalt. Der Vatikan widerspricht. Ratzinger habe lediglich um mehr Zeit zur Aufklärung gebeten.
Der Vatikan hat die erneuten Beschuldigungen aus den USA gegen Papst Benedikt XVI. im Zusammenhang mit den Kindesmissbrauchsfällen in der Katholischen Kirche zurückgewiesen.
In Bezug auf Berichte der „New York Times&quot; online aus der Nacht zum Samstag, denen zufolge sich der damalige Kardinal Joseph Ratzinger 1985 als Präfekt der Glaubenskongregation gegen die rasche Entlassung eines pädophilen Geistlichen aus dem Priesteramt ausgesprochen hatte, erklärte der Vatikan jetzt: „Kardinal Ratzinger hat den Fall Stephen Kiesle aus Kalifornien nicht gedeckt.&quot;
Vielmehr habe der heutige Papst, wie auch aus dem Brief klar ersichtlich sei, „einzig darum gebeten, die Sache gründlicher zu untersuchen zum Wohl aller Beteiligten&quot;, kommentierte der Vizepressesprecher des Vatikan, Padre Ciro Benedettini, die neuen Vorwürfe.
Nach den Berichten der „New York Times&quot; war - vier Jahre, nachdem Kiesle selbst zusammen mit dem damaligen Bischof von Oakland, John Cummins, erstmals im Vatikan um Entlassung gebeten hatte - ihnen in einem von Ratzinger unterzeichneten Schreiben mitgeteilt worden, dass in dem Fall mehr Zeit benötigt werde. Für eine Entscheidung müsse das Wohl der gesamten Kirche in Betracht gezogen werden.
Wie die Zeitung unter Berufung auf Dokumente, die ihr vom Anwalt eines der Opfer Kiesles überlassen wurden, berichtete, hatte Cummins in einem Brief an Ratzinger 1982 ein weiteres Mal um die Entlassung Kiesles gebeten.
„Ich bin davon überzeugt, dass es keinen Skandal geben wird, wenn dem Antrag stattgegeben wird, und dass es tatsächlich - aufgrund der Natur der Sache - einen größeren Skandal für die Gemeinde geben könnte, wenn es Vater Kiesle erlaubt würde, ins aktive Priesteramt zurückzukehren&quot;, zitierte die „New York Times&quot; aus dem Schreiben.
Erstmals habe Cummins 1981 im Vatikan die Entlassung Kiesles beantragt, heißt es in dem Bericht weiter. Er habe sich auch direkt an den damaligen Papst Johannes Paul II. gewandt. Kardinal Ratzinger habe dann um weitere Informationen gebeten, die ihm die Diözese Oakland im Februar 1982 auch zugesandt habe.
Erst drei Jahre später habe sich Ratzinger dann wieder gemeldet und in dem besagten Schreiben um mehr Zeit gebeten. Außerdem habe er auf das noch junge Alter des Priesters verwiesen. Kiesle war zu diesem Zeitpunkt 38 Jahre alt.
Quelle: http://news.de.msn.com/politik/poli....x?cp-documentid=152976449

Aoife:
Schüler mussten lebendige Molche essen
Der Missbrauchsskandal in katholischen Schulen raubt den Ermittlern im wahrsten Sinne des Wortes den Schlaf: Thomas Pfister, der sich mit den Vorfällen im Kloster Ettal beschäftigt, hat so viele grausige Details gehört, dass er nicht mehr einschlafen konnte. Auch die Beauftragte des Jesuitenordens berichtet Fürchterliches.
Die Schilderungen über den massenhaften Missbrauch von Schülern im Kloster Ettal bei Garmisch-Partenkirchen haben dem Sonderermittler Thomas Pfister nach dessen Angaben den Schlaf geraubt. „Es waren Berichte über so abartige Gräueltaten, dass ich nachts nicht einschlafen konnte&quot;, sagte Pfister dem Magazin „Focus&quot;.
Unter anderem hätten die Opfer lebendige Molche essen müssen. Außerdem berichteten sie von Prügeln mit Skistöcken und so harten Schlägen, dass ihnen die Trommelfelle platzten. Ein heute 74-Jähriger Geistlicher habe als „unbeherrschter Schläger&quot; gegolten. Er soll laut Pfister die Köpfe seiner Schüler immer wieder auf das Pult geschlagen haben.
Insgesamt 15 Mönche, darunter ein früherer Abt, sollen im Kloster Ettal weit mehr als einhundert Schüler systematisch gequält und sexuell missbraucht haben. Das gehe aus dem Abschlussbericht hervor, den der Sonderermittler der katholischen Kirche in den kommenden Tagen vorstellen werde, heißt es im „Focus&quot;.
Rechtsanwalt Pfister war Ende Februar im Auftrag des Erzbistums München und Freising in das oberbayerische Kloster gefahren, um die Einzelheiten der Missbrauchsvorwürfe aufzuklären. Er sprach mit Patres, telefonierte mit Ex-Schülern und wertete 75 schriftliche Anklagen ehemaliger Internatskinder aus. Die mutmaßlichen Opfer sind heute 30 bis 60 Jahre alt. Sie berichten von Prügeln mit Skistöcken, von durch Schläge geplatzten Trommelfellen und von lebendigen Molchen, die sie essen mussten.
Pfister hatte bereits Anfang März in einem Zwischenbericht erklärt, in Ettal seien Schüler &quot;über Jahrzehnte hinweg massiv misshandelt&quot; worden. Der vom Kloster eingesetzte Münchner Sonderermittler hatte damals allerdings erklärt, die Zeiten in Ettal hätten sich grundlegend geändert. Das Kloster von heute habe mit dem Kloster von damals „nur noch wenig zu tun&quot;.
Auch der Jesuitenorden wird vom Missbrauchsfällen erschüttert: Rund zehn Wochen nachdem erste Missbrauchsfälle in Bildungseinrichtungen des Jesuitenordens bekannt geworden sind, steigt die Zahl der Opfer noch immer an. Bundesweit seien ihr mittlerweile rund 170 Opfer bekannt, sagte die von dem Orden beauftragte Anwältin Ursula Raue in Berlin. Darunter seien 59 ehemalige Schüler des Berliner Canisius-Kollegs.
Sie habe außerdem erfahren, dass es im Jesuitenorden bundesweit auch in den 50er- und 60er-Jahren Missbrauch durch Patres gegeben haben soll. Die genaue Zahl der bisher beschuldigten Täter nannte sie jedoch nicht.
Das Canisius-Kolleg hatte Ende Januar die ersten Missbrauchsfälle öffentlich gemacht. Zwei Patres sollen in den 70er- und 80er-Jahren Schülern Gewalt angetan haben. Seitdem weitete sich der Skandal auch bundesweit immer weiter aus. Immer mehr Menschen, die in ihrer Kindheit auch in nicht katholischen Schulen und Internaten missbraucht worden sind, traten an die Öffentlichkeit. Im März hatte Raue noch von 61 Opfern nur des Canisius-Kollegs gesprochen. Die Zahl habe sie nun jedoch etwas nach unten korrigieren müssen, sagte sie.
„Für mich ist das Thema Missbrauch zwar nicht neu&quot;, sagte Raue, die lange für die Hilfsorganisation Innocence in Danger tätig war. „Dennoch übersteigt die aktuelle Entwicklung die Vorstellungen, die man vorher davon hatte.&quot;
Die Expertin befürwortet dennoch, dass das Thema Missbrauch derzeit so eine große Öffentlichkeit erfährt. „Das war eines der letzten gesellschaftlichen Tabu-Themen. Dass jetzt darüber geredet wird und dass wahrgenommen wird, welche Verletzungen es dadurch geben kann, finde ich gut und wichtig.&quot;
Die Aufklärung der Fälle im Jesuitenorden wird laut Raue noch dauern. „Ich habe schon viele Akten eingesehen, aber noch lange nicht alle&quot;, sagte sie. In den Unterlagen forscht sie beispielsweise nach Hinweisen, dass Missbräuche schon früh bekannt waren, vom Orden aber verschwiegen wurden. „Ich versuche das Material zu ordnen und zu sortieren.&quot; Sie hoffe, so unter anderem mehr Informationen zu den Tätern zu bekommen. 
Quelle: http://news.de.msn.com/politik/poli....x?cp-documentid=152976779

Marc of Frankfurt:
Richard Dawkins promises to arrest Pope Benedict XVI

ATHEIST campaigner Richard Dawkins has vowed to arrest the Pope for crimes against humanity.
Professor Dawkins has hired a team of lawyers to see if Pope Benedict XVI can be charged over his handling of the sexual abuse scandal engulfing the Roman Catholic Church, according to The Sunday Times.
Professor Dawkins, who wrote The God Delusion, claims that the Pope has shielded paedophile priests from the authorities.
However, he and fellow writer Christopher Hitchens believe they can make a case for arresting the Pope during the Pope's planned visit to Britain in September.
Among the human rights lawyers they have hired is Australian-born barrister Geoffrey Robertson.
They do not believe the Pope will be able to claim diplomatic immunity because he is not recognised as a head of state by the United Nations.
&quot;This is a man whose first instinct when his priests are caught with their pants down is to cover up the scandal and damn the young victims to silence,&quot; Professor Dawkins said.
Last year Israel's foreign minister Tzipi Livni was forced to cancel a planned trip to Britain after a British judge was persuaded by Palestinian activists to issue a warrant for her arrest [Ermächtigung zur Festnahme] over her role Israel's invasion of Gaza in 2008.
The warrant was later withdrawn.
http://www.news.com.au/world/richar....ry-e6frfkyi-1225852464459


Ratzinger is the Perfect Pope

by Richard Dawkins - The Washington Post
http://richarddawkins.net/articles/5341


.

Marc of Frankfurt:
Engl. Doku 2006:
BBC NEWS Programmes Panorama:
&quot;Sex crimes and the Vatican&quot;

On 1 October 2006 Panorama did an episode on &quot;Crimen Sollicitationis&quot;, a Pontifical document which sets out a procedure for dealing with child sex abuse scandals within the Catholic Church. 
It was enforced for 20 years by Cardinal Joseph Ratzinger before he became the Pope. It instructs bishops on how to deal with allegations of child abuse against priests. Critics claim the document has been used to evade prosecution for sex crimes.
40 min:
1 http://www.youtube.com/watch?v=-wBExdblRNY
2 http://www.youtube.com/watch?v=7r6f0ZFa8SI
3 http://www.youtube.com/watch?v=Ml8tPfUYZOY
4 http://www.youtube.com/watch?v=LQ-X9CecZGU

von Colm O'Gorman, 
der mit 14 Jahren selbst Opfer wurde:
http://de.wikipedia.org/wiki/Colm_O%E2%80%99Gorman
Die Doku:
http://it.wikipedia.org/wiki/Sex_crimes_and_the_Vatican
http://en.wikipedia.org/wiki/Sex_crimes_and_the_Vatican


.

Marc of Frankfurt:
Jetzt bei Anne Will - ARD:
Benedikts Schweigen - sind wir noch Papst?

http://daserste.ndr.de/annewill/aktuelle_sendung/erste316.html

Aoife:
          Marc of Frankfurt hat folgendes geschrieben:Richard Dawkins promises to arrest Pope Benedict XVI
Hier diese Meldung nochmals auf Deutsch:
Zwei Briten wollen den Papst verhaften lassen
Vor dem geplanten Besuch Benedikts XVI. fordern Richard Dawkins und Christopher Hitchens seine Verhaftung, wenn er britischen Boden betritt. Dazu haben sie Anwälte angeheuert. Ihr Vorwurf: Mit seinem Schweigen zu Missbrauchsfällen habe der Papst Verbrechen gegen die Menschheit begangen.
Immer stärker entfaltet sich auch in England die Kontroverse um Papst Benedikt XVI. und die Rolle, die er als Kardinal während seiner Jahre als Präfekt der Glaubenskongregation im Vatikan gespielt hat. Jüngste Dokumente aus den USA, die von angeblichen Versuchen Ratzingers in den Achtzigerjahren berichten, Fälle von sexuellen Vergehen von Geistlichen mit äußerster Rücksicht auf die betroffenen Kleriker zu behandeln und die Nachrichten darüber nicht aus dem Kircheninnenraum herauszulassen, haben auch in England zu Protesten aus dem säkularen Umfeld geführt. Das überschattet den kommenden Besuch des Papstes auf der Insel, vom 16. bis 19. September, wo Auftritte in London, Coventry und Glasgow geplant sind.
Zwei Autoren, die als bekennende Atheisten seit Langem in den theologischen Diskussionen in Großbritannien eine scharfe Klinge führen, haben am Wochenende wissen lassen, sie würden Rechtsmittel einlegen, um den Papst beim Betreten britischen Bodens gefangen setzen zu lassen. Richard Dawkins („Der Gotteswahn“) und Christopher Hitchens („Der Herr ist kein Hirte. Wie Religion die Welt vergiftet“) sind zu Menschenrechtsanwälten in Kontakt getreten, um die Möglichkeit der Gefangennahme des Papstes prüfen zu lassen.
Hitchens argumentierte gegenüber der „Sunday Times“, Benedikt XVI. stehe weder über dem Gesetz noch außerhalb desselben. „Das institutionalisierte Verschweigen von Kinderschändung ist ein Verbrechen unter jedem Rechtssystem und ruft nicht nach privaten Zeremonien der Reue oder nach kirchenamtlichen Zahlungen an die Opfer, sondern verlangt Gerechtigkeit und Bestrafung.“
Gegenüber der gleichen Zeitung meinte Dawkins: „Dies ist der Mann, dessen erster Instinkt, wenn Priester mit heruntergelassenen Hosen ertappt werden, dahin ging, den Skandal zu vertuschen und die jungen Opfer zum Schweigen zu verdonnern.“ Hichens und Dawkins glauben nicht, dass der Papst diplomatische Immunität beanspruchen könne, da der Vatikan, auch wenn Benedikts Visite als „Staatsbesuch“ geführt wird, von den Vereinten Nationen nicht als Staatsoberhaupt anerkannt werde.
Beide haben sie den renommierten Kronanwalt Geoffrey Robinson sowie dessen Kollegen Mark Stephens eingeschaltet, anerkannte Menschenrechtsexperten, die den Casus gegen den Papst vorbereiten und ihn bei der Staatsanwaltschaft, dem Crown Prosecution Service, registrieren lassen sollen. Die Anwälte sind der Auffassung, das Benehmen der Kirche in Fällen sexuellen Missbrauchs komme einem „Verbrechen gegen die Menschheit“ gleich und könne daher auch vor dem Internationalen Gerichtshof für Menschenrechte verhandelt werden.
Anzuwenden, so glauben sie, wären die gleichen Rechtsprinzipien, die auch 1998 zur zeitweiligen Gefangensetzung von Chiles Ex-Diktator Pinochet auf der Insel führte. Im vorigen Jahr erwirkten propalästinensische Aktivisten ebenfalls einen Arrestbefehl gegen die frühere israelische Außenministerin Tzipi Livni, die daraufhin von ihrem geplanten Besuch in London Abstand nahm.
Quelle: http://news.de.msn.com/politik/poli....x?cp-documentid=152989986

Aoife:
Auch wenn sich dieser thread inzwischen ganz bevorzugt mit Mißbrauch beschäftigt,
es gibt auch noch andere &quot;Verbrechen katholischer Priester&quot;:
Bistum Augsburg: Mixa muss sich auch finanziellen Vorwürfen stellen
Nach den Vorwürfen, er habe Heimkinder misshandelt, gibt es neue Anschuldigungen gegen den Augsburger Bischof Mixa. Er soll in den 80er- und 90er-Jahren als Stadtpfarrer von Schrobenhausen Geld der Waisenhausstiftung zweckentfremdet haben. Der Bischof weist die Vorwürfe zurück – einen Fehler aber gibt er zu.
Der Augsburger Bischof Walter Mixa hat Vorwürfe zurückgewiesen, Gelder der Waisenhausstiftung Schrobenhausen wiederholt nicht zweckmäßig verwendet zu haben.
Das Bistum räumte in einer Erklärung zwar ein, dass es mehrfach zu „finanztechnisch unklaren Zuordnungen von Ausstattungsgegenständen&quot; gekommen sei. Es sei dabei aber nicht um private Anschaffungen des damaligen Pfarrers Mixa gegangen, sondern um antiquarische Möbel und Ausstattungsgegenstände für die Kirche und den historischen Pfarrhof.
Mixa steht in erster Linie wegen Misshandlungsvorwürfen ehemaliger Schrobenhausener Heimkinder unter Druck. Zur Aufklärung der Vorwürfe hat die Waisenhausstiftung den Rechtsanwalt Sebastian Knott als Sonderermittler eingesetzt. Knott ermittelt nach eigenen Angaben unabhängig von den Vorwürfen körperlicher Gewalt auch zu möglichen finanziellen Unregelmäßigkeiten in den 80er- und 90er-Jahren, bei denen es um die satzungsgemäße Verwendung von Geld gehe.
Die „Augsburger Allgemeine&quot; hatte in diesem Zusammenhang berichtet, als Stadtpfarrer und Kuratoriumsvorsitzender (1975-1996) habe Mixa Antiquitäten im Wert von 70.000 Mark nicht satzungsgemäß angeschafft. Manche der Gegenstände hätten ihren Platz im Pfarrhaus gehabt.
In der Erklärung des Bistums Augsburg heißt es dazu, als Mixa 1996 Bischof von Eichstätt wurde, habe er einige der Gegenstände auf Wunsch der Stiftung persönlich übernommen und vollständig bezahlt. Die „unrichtigen Zuordnungen&quot; seien bereinigt worden.
„Ich war immer in erster Linie Seelsorger und Priester. Dabei kann es schon sein, dass ich mich nicht akribisch um finanztechnische Fragen gekümmert habe&quot;, sagte Mixa den Angaben zufolge. „Das habe ich immer anderen überlassen, die mehr davon verstanden. Das war wahrscheinlich ein Fehler, den ich einräume und im Nachhinein auch bedauere.&quot; Mixa betonte, bei den Möbeln, Ausstattungsgegenständen und liturgischen Gegenständen habe es sich nicht um private Dinge gehandelt, sondern um Dinge, die in der Pfarrei eingesetzt wurden.
Im Zusammenhang mit den gegen ihn erhobenen Misshandlungsvorwürfen hatte Mixa ehemaligen Heimkindern zuletzt wiederholt das persönliche Gespräch angeboten. Die Vorwürfe hat er stets energisch bestritten. Mehrere frühere Heimkinder hatten ihm in eidesstattlichen Erklärungen vorgeworfen, er habe als Stadtpfarrer einst Heimkinder geprügelt. 
Quelle: http://news.de.msn.com/politik/poli....x?cp-documentid=152998646

mausi176:
Ein rissen Aufschrei sexueller Missbrauch und Gewalt an Kindern ist leider nicht nur in der Kirche zu finden auch wenn, dieses Thema jetzt Tagesordnung in allen Tageszeitungen ist.. Und weder moralisch noch ethisch zu vertreten ist.. Leider ist das Strafmaß in Deutschland meiner Ansicht nach auch viel zu gering..Was mich aber wirklich ankotzt ist diese Doppelmoral in jeder Hinsicht die Kirsch macht Hetzjagd auf Prostitution, Abtreibung u. s. w doch werden Sexverbrecher innerhalb der Kirche von einem Ort zum anderen versetzt und es herrscht großes schweigen.. Warum ?? frage ich mich immer wieder wenn ich eine Zeitung lese und wieder etwas finde das mit Kindern zu tun hat..Was ja leider an der Tagesordnung steht. Vater missbraucht Tochter Jahre lang.. Entführtes Kind Jahre lang gequält und sexuell missbraucht, Kinder in Tagesstätte missbraucht und Misshandelt, es gibt leider noch viel mehr Fälle und Täglich werden es mehr.. und das nicht nur in der Kirche so. Es ist glaube ich ein grundsätzliches Problem unserer Gesellschaft bei diesen Themen die Augen zu verschlissen nach dem Motto nichts hören nicht sehen..Der Aufschrei bei erscheinen solcher Meldungen ist im ersten Moment riesengroß doch leider genauso schnell wieder vergessen.
Beim Schreiben dieser Zeilen muss ich an die Taufe meiner Kinder Denken ich muss dazu sagen das es die letzte war die unser Pastor gemacht hat da er aus dem Christentum nennen wir esmal ausgestiegen ist da er die Ansichten der Katholischen Kirche so nicht mehr vertreten konnte.
Na ja die Taufe unser Kinder stand unter dem Motto
[B]Jedes Kind braucht einen Engel
Sie sind der Anfang und das Licht 
doch wir sehen es nicht 
sie sind das Wort, dass niemals bricht 
doch wir verstehen es nicht 
Sie haben Herzen 
die begreifen jede Hand, die gibt 
und öffnen sich dem 
der sich zeigt 
und ihnen Liebe gibt 
Sie sind das Wasser und die Kraft 
doch wir beugen sie 
die Kraft, die neues Leben schafft 
doch wir beschneiden sie 
Sie haben Augen 
die können viele Sonnen sehn 
doch wer sie bricht 
der wird in ihnen 
seinen Schatten sehn 
Jedes Kind braucht einen Engel 
der es schützt und der es hält 
der es schützt und der es hält 
jedes Kind braucht einen Engel 
der es auffängt wenn es fällt 
Sie sind der Boden, der uns trägt 
doch wir belächeln sie 
das Grün, das aus den Zweigen schlägt 
doch wir zerbrechen sie 
Sie sind die Zukunft 
doch wir sperren ihre Träume ein 
und sehen fassungslos, 
aus unsern Mauern stammt der erste Stein 
Jedes Kind braucht einen Engel 
der es schützt und der es hält 
der es schützt und der es hält 
jedes Kind braucht einen Engel 
der es auffängt wenn es fällt 
...braucht einen Engel 
der es schützt und der es hält 
der es schützt und der es hält 
jedes Kind braucht einen Engel 
der es auffängt wenn es fällt
Text und Song von Klaus Hoffmann[/B]
Diese Lied und diese Worte sagen doch schon alles wir alles Erwachsene sollen die Schützer dieser Kinder sein und nicht die die ihnen Leid zufügen.

Hermann:
Von Schuldbewußtsein und &quot;tuet Buße&quot; offenbar keine Spur, auf kreuz.net ist Folgendes zu lesen:
Eine staatliche Kommission wäre dann sinnvoll, wenn sie die Ursachen des sexuellen Kindesmißbrauches untersuchen würde.
Dann würde sich herausstellen, daß der Staat und die Linksparteien daran schuld sind.
Denn bereits Anfang der 80er Jahre wurde mit dem sogenannten Sexkoffer die sexuelle Enthemmung zum Unterrichtsprinzip an den Schulen gemacht.
Diese Saat ist jetzt aufgegangen.
Es läßt sich ferner historisch und statistisch beweisen, daß ein Zusammenhang zwischen Homosexualität und Pädophilie besteht.
Die erwähnte Kommission müßte auch untersuchen, wo wirklich Mißbrauch im großen Umfang betrieben wird.
Die derzeitige Hetze hat - dessen bin ich mir sicher - zwei Gründe.
Es soll vom Zustand unserer Gesellschaft abgelenkt, und es soll die moralische Autorität der Kirche untergraben werden.
Denn wenn es um den Lebensschutz, die Sittlichkeit und die Verteidigung von Ehe und Familie geht, ist die Katholische Kirche bekanntlich der Fels in der Brandung.
http://www.kreuz.net/article.10996.html
Gegen kreuz.net wurde schon einmal durch die Staatsanwaltschaft Berlin wegen Volksverhetzung ermittelt, das Verfahren musste eingestellt werden. Grund: die Seite wird von Arizona aus betrieben und die beanstandeten Texte sind in den USA nicht strafbar.

Leu:
Das klingt ja richtig düster.. boah wenn ich das lese läuft es mir eiskalt den Rücken herunter.. 
Naja meine Links zur Thüringer Allgemeine (WAZ-Gruppe) scheinen nicht mehr zu funzen... der Kern dieser Berichte war, dass ein Priester im erzkatholischen Eichsfeld wohl ein Mädchen mißbraucht haben soll und zur Strafe in den Knast kam; selbstverständlich in den Jugendknast als Seelsorger (und wegen sexueller Nötigung nun angeklagt wird). 
Hermann ich krieg mich wegen deines Beitrags nicht mehr ein.. das kann man ja nicht mehr Doppelmoral nennen..

Aoife:
Hermann hat folgendes geschrieben:Von Schuldbewußtsein und &quot;tuet Buße&quot; offenbar keine Spur, ...
Offensichtlich nicht:
SPD und Grüne fordern Rücktritt von Bischof Mixa
Nach dem Ohrfeigen-Bekenntnis von Walter Mixa verlangen Grüne und SPD den Rücktritt des Bischofs. Grünen-Fraktionschefin Renate Künast sagte, Mixa habe den &quot;letzten Rest an Glaubwürdigkeit verspielt&quot;. SPD-Politiker Franz Maget verlangte, Mixa solle sein Amt bis zur Klärung der gegen ihn erhobenen Vorwürfe ruhen lassen.
Der Augsburger Bischof Walter Mixa hat zugegeben, Heimkinder geohrfeigt zu haben. Er stand seit Wochen wegen Prügelvorwürfen unter Druck.
Mixa soll früher als Pfarrer im Kinderheim St. Josef in Schrobenhausen Kinder geschlagen haben. Bisher hatte der Bischof die Vorwürfe zurückgewiesen. In neuen Aussagen unterscheidet er aber zwischen Prügel und Ohrfeigen.
In einer schriftlichen Erklärung teilte Mixa am Freitag mit, „wenn jetzt das Thema auf die Frage nach Ohrfeigen zugespitzt wird, will ich ganz ehrlich sagen, dass ich als langjähriger Lehrer und Stadtpfarrer im Umgang mit sehr vielen Jugendlichen die eine oder andere Watschn von vor 20 oder 30 Jahren natürlich nicht ausschließen kann. Das war damals vollkommen normal und alle Lehrer und Schüler dieser Generation wissen das auch.“
Der SPD-Politiker und Landtagsvizepräsident Franz Maget und die Grünen forderten Mixas Rücktritt.
Der Bischof habe zu den Vorwürfen, Heimkinder geschlagen zu haben, mehrfach gelogen, sagte Grünen- Fraktionschefin Renate Künast nach Angaben der Bundestagsfraktion.
„Besonders perfide“ von Mixa sei es, sich mit der Behauptung rein waschen zu wollen, Ohrfeigen seien normal und das hätten alle so gemacht. Mixa habe den letzten Rest an Glaubwürdigkeit verspielt.
Maget forderte als Vorsitzender des Münchner Vereins „Kirche und SPD“, Mixa solle sein Amt bis zur Klärung der gegen ihn erhobenen Vorwürfe der Kindesmisshandlung und finanzieller Unregelmäßigkeiten ruhen lassen.
Mixa hatte stets bestritten, Kinder geschlagen zu haben. Dabei bleibe er auch, was mehr als Ohrfeigen betreffe.
„Zu den Vorwürfen wegen schwerer körperlicher Züchtigungen, die in der „Süddeutschen Zeitung“ gegen mich erhoben worden sind, habe ich von Anfang an klar gesagt, dass ich zu keinem Zeitpunkt körperliche Gewalt gegen Kinder und Jugendliche angewandt habe.“
Der vom Schrobenhausener Kinderheim St. Josef eingesetzte Sonderbeauftragte Sebastian Knott bestätigte in einem ersten Bericht, dass es seitens Mixa Übergriffe auf Heimkinder gegeben habe.
In einer eidesstattlichen Erklärung habe ein ehemaliges Heimkind erklärt, es sei 1976 von dem damaligen Stadtpfarrer „mit voller Wucht ins Gesicht“ geschlagen worden. Hintergrund war, dass der damals 16- Jährige aus dem Heim weggelaufen und von der Polizei zurückgebracht worden war.
Ein anderes Heimkind berichtete, in der Zeit von 1990 bis 1997 von Mixa geohrfeigt worden zu sein. Dabei habe es sich bisherigen Erkenntnissen zufolge um „konkrete Affekttaten in Einzelfällen“ gehandelt, sagte Knott. Von einer „Kultur des Prügelns“ in dem Heim könne nicht gesprochen werden.
In eidesstattlichen Erklärungen ehemaliger Heimzöglinge wird jedoch von brutalen Prügelattacken mit Faust und Stock durch Mixa berichtet.
Die Überprüfung von Stiftungsmitteln zu Mixas Zeiten hätten den Verdacht „satzungswidriger Verwendung“ von Finanzen erbracht, sagte der Sonderermittler.
Zahlreiche Gegenstände seien von der Pfarrei, der Mixa vorstand, eingekauft und unzulässigerweise über die Heim- Stiftung bezahlt worden. Eine strafrechtliche Wertung wolle er erst in seinem Schlussbericht abgeben.
Bei seinem Versuch, Mixa persönlich zu den Vorfällen zu befragen, sei er an einen Münchner Anwalt verwiesen worden.
Dieser habe erklärt, Mixa stehe weiterhin für ein Gespräch mit ehemaligen Heimkindern bereit und wolle zur Aufklärung der finanziellen Ungereimtheiten beitragen.
Quelle: http://news.de.msn.com/politik/poli....x?cp-documentid=153055830

certik:
Vertuschung von Missbrauchstaten
&quot;Lieber ins Gefängnis gehen als Priester anzeigen&quot;
Erneuter Skandal in der katholischen Kirche: Weil er darauf verzichtete, einen pädophilen Priester anzuzeigen, wurde ein französischer Bischof mit einem Dankesbrief eines Kardinals aus dem Vatikan belohnt. Der Mann habe vorbildlich gehandelt, lobte der Präfekt der Kongregation für den Klerus.
Paris - Das kritische katholische Laienmagazin &quot;Golias&quot; veröffentlichte das brisante Schreiben vom 8. September 2001 bereits vor zwei Wochen auf seiner Internetseite. Darin beglückwünscht der damalige Präfekt der Kongregation für den Klerus, Darío Castrillón Hoyos, den französischen Bischof Pierre Pican dazu, einen pädophilen Priester nicht angezeigt zu haben.
&quot;Sie haben wohl gehandelt, und ich freue mich, einen Mitbruder im Episkopat zu haben, der es vor den Augen der Geschichte und allen anderen Bischöfen vorzieht, lieber ins Gefängnis zu gehen, als einen anderen Priester zu denunzieren.&quot; Pican habe vorbildlich gehandelt, man werde die Mitbrüder des Bistums in dieser Hinsicht ermuntern, so der Kardinal.
Die Beziehung zwischen einem Priester und seinem Bischof sei keine rein berufliche, sondern eine sakramentale - &quot;eine sehr spezielle Verbundenheit, eine spirituelle Vaterschaft&quot;, so der Kardinal. Man könne von einem Bischof nicht erwarten, &quot;dass er selbst andere denunziert&quot;. Schließlich, so schlussfolgert der Geistliche, könne auch die zivile Gerichtsbarkeit von niemandem verlangen, dass er gegen einen direkten Verwandten aussagt.
Mindestens elf Missbrauchsopfer
Der pädophile Geistliche war wegen wiederholter Vergewaltigung eines Jungen und sexuellen Missbrauchs an zehn weiteren im Oktober 2000 zu 18 Jahren Gefängnis verurteilt worden. Auch Pican musste sich einem Gericht stellen und wurde wegen seines Vertuschungsversuchs zu drei Monaten Haft auf Bewährung verurteilt.
Die Eltern mehrerer Opfer des Priesters René Bissey hatten Bischof Pican von der westfranzösischen Diözese Bayeux-Lisieux verklagt, weil er als Beichtvater von dem Missbrauch ihrer Kinder gewusst, aber nichts getan habe, um die Taten zu verhindern. Pican, 75, der demnächst in Rente geht, sagte kürzlich dem Sender RTL, dass er es nicht bereue, den Priester damals nicht angezeigt zu haben.
Der Brief des damaligen Präfekten dürfte die katholische Kirche weiter in Bedrängnis bringen. Vatikansprecher Federico Lombardi bestätigte am Donnerstagabend die Existenz des Schreibens, enthielt sich aber eines Urteils. &quot;Dies ist ein weiterer Beleg dafür, dass es sinnvoll war, die Behandlung der Fälle von sexuellem Missbrauch Minderjähriger durch Geistliche bei der Glaubenskongregation zu bündeln&quot;, betonte Lombardi.
In einem &quot;Motu proprio&quot;, einem auf eigenen Wunsch verfassten Dekret, hatte Papst Johannes Paul II. im April 2001 das &quot;Sacramentorum sanctitas tutela&quot; (Der Schutz der Heiligkeit der Sakramente) erlassen, und darin die Glaubenskongregation als zuständig für alle Fälle von Pädophile und anderer schwerer Verbrechen erklärt. Die wurde damals von Joseph Ratzinger, dem zukünftigen Papst Benedikt XVI., geleitet.
Der Kardinal und die Piusbrüderschaft
Kardinal Hoyos, einst ein einflussreicher &quot;Falke&quot; im Vatikan und von einigen als potentieller Nachfolger von Papst Johannes Paul II. gehandelt, ist heute im Ruhestand. Der konservative Kolumbianer war einst Erzbischof von Bucamaranga und Präsident der lateinamerikanischen Bischofskonferenz. Sieben Jahre lang zeichnete er verantwortlich für die Wiederannäherung an die umstrittene erzkonservative Piusbruderschaft, deren Mitglied Richard Williamson sich heute in Regensburg wegen Volksverhetzung vor Gericht verantworten musste.
Der Bischof der Piusbruderschaft hatte im November 2008 im oberpfälzischen Zaitzkofen einem schwedischen Fernsehteam ein Interview gegeben, in dem er die Existenz von Gaskammern zur NS-Zeit in Frage stellte. Auch seien nicht sechs Millionen Juden, sondern 200.000 bis 300.000 von den Nazis ermordet worden.
&quot;Wir wussten nichts&quot;, sagte Hoyos nach dem Eklat der &quot;Süddeutschen Zeitung&quot;. Erst am 5. Februar 2009 habe man von der Holocaustleugnung erfahren. Kritiker von Hoyos hingegen sind fest davon überzeugt: Der Kardinal war über Williamsons Geisteshaltung informiert. Bei einem ersten Treffen im Jahr 1998 habe er Williamson als &quot;einen ehrlicher Mann&quot; kennengelernt, einen, &quot;der vertritt, was er denkt&quot;, sagte Hoyos der Zeitung im Dezember 2009.
Am heutigen Freitag wurde Williamson in Abwesenheit zu einer Geldstrafe von 10.000 Euro verurteilt. Das Regensburger Amtsgericht befand den 70-Jährigen der Volksverhetzung für schuldig. Williamson nahm nicht persönlich an der Verhandlung teil, weil ihm die Piusbruderschaft nach Angaben seines Anwalts einen Auftritt vor Gericht verboten hatte.
Quelle: http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,689447,00.html


Marc of Frankfurt:
Oben der BBC Dokumentarfilm soll in Deutschland aufgrund kirchlichem Einfluß verboten sein laut folgender Quelle:

Papst Benedikt oder Die große Täuschung
Sexueller Missbrauch und die Geheimschreiben des Vatikan

von Uta Ranke-Heinemann

http://blaetter.de/archiv/jahrgaeng....der-die-grosse-taeuschung


.

Kajus:
Der oben genannte Artikel von Uta Ranke-Heinemann enthält eine unrichtige Angaben, die ich für wesentlich erachte. &quot;DE DELICTIS GRAVIORIBUS&quot;, von Joseph Kardinal Ratzinger als Verantwortlicher der Katholischen Glaubenkongregation verfasst, wird von der Verfasserin als &quot;Geheimschreiben&quot; bezeichnet, das im &quot;Tresor jedes Bischofs&quot; liegt. Wer Näheres erfaren will, muss nicht zum Panzerknacker werden, er braucht nur auf die Seite des Vatikans zu gehen, dort ist der Text nämlich im lateinischen Original zu finden:
http://www.vatican.va/roman_curia/c....raviora%20delicta_lt.html
Hier eine vollständige Übersetzung mit Kommentaren nach katholischer Rechtsauffassung:
http://www.internetpfarre.de/blog/a....HALTUNG-IST-VERFEHLT.html
Obwohl hier versucht wird, die Tatsache unter den Tisch zu kehren, dass es eine Verpflichtung zur Geheimhaltung ist, aufgrund der die staatlichen Behörden bei Straftaten wie Missbrauch Minderjähriger durch die Hierarchen der Kirche nicht eingeschaltet werden durften, sind einige Hinweise recht informativ und zeigen unter anderem, dass es sich um eine Verschärfung des bestehenden Kirchenrechts handelte.
Wie auch immer, die Kirche hat nicht heimlich versucht, die staatlichen Behörden auszuschalten, sondern ganz offiziell die eigene Gerichtsbarkeit als ausreichend erachtet. Das ist nicht akzeptabel, aber doch etwas anderes wie aufgrund des Artikels von Ranke-Heinemann überall behauptet wird, es sei im Verborgenen unter dem Vorsitz Ratzingers beschlossen und dann von ihm heimlich angeordnet worden. Die Kirche begreift sich als die ältere einzig zuständige Instanz, mit göttlichem Segen versehen und einer Vertretungsbefugnis Gottes auf Erden. Das darf nicht hingenommen werden, denn es ist ein Schritt zum Fundamentalismus islamischer Prägung.
Das relativiert aber die Behauptung, dass Joseph Ratzinger bei den Missbrauchsfällen in den USA und in Irland sich anders geäußert habe, als er es im Geheimen angeordnet hatte. Das ist nicht richtig. Ich frage mich, warum Ranke-Heinemann das so behauptet, denn sie müsste es besser wissen. Der Skandal liegt woanders.

Aoife:
          Kajus hat folgendes geschrieben:Die Kirche begreift sich als die ältere einzig zuständige Instanz, mit göttlichem Segen versehen und einer Vertretungsbefugnis Gottes auf Erden. Das darf nicht hingenommen werden, denn es ist ein Schritt zum Fundamentalismus islamischer Prägung.
Fundamentalismus ist ein Begriff aus der evangelischen Kirche, &quot;Fundamentalists&quot; ist die Selbstbezeichnung einer
Arbeitsgemeinschaft (bevorzugt US-amerikanischer) evangelischer Kirchen. Erst von da aus ist er metaphorisch auf die
islamischen &quot;Fundamentalisten&quot; übertragen worden.
Das scheint mir wichtig, damit wir den &quot;Gegner&quot; nicht unterschätzen.
Es gibt leider nicht nur einige innerkirchliche Bewegungen, die drohen fundamentalistisch zu werden,
sondern die gesamte Kirche hat bereits diese fundamentalistische Einstellung, ist von ihrer eigenen
Priorität gegenüber Staat und Menschenrechten überzeugt.
Liebe Grüße, Aoife

Kajus:
@ Aoife: Wichtiger Hinweis. Den Islam hätte ich mir sparen können. Im Französischen spricht man eher von &quot;intégrisme&quot; als von &quot;fondamentalisme&quot;, einer katholischen antimodernistischen Bewegung zu Beginn den 20. Jahrhunderts, die in erster Linie von Frankreich ausging. Der Begriff wurde erst in jüngerer Zeit auch auf den Islam und andere Religionen übertragen.
Ich möchte keinesfalls den Gegner unterschätzen, deshalb auch nicht falsch einschätzen. :006

Marc of Frankfurt:
Kath. Bischof von Brügge, Belgien wg. Mißbrauch an Jungen zurückgetreten.
The Vatican has accepted the resignation of Bishop Roger Vangheluwe, the bishop of Bruges who has admitted to sexual abuse of a boy. 
more:
http://www.presstv.ir/detail.aspx?i....6&amp;sectionid=351020605

Marc of Frankfurt:
Urteil
Geschworene in Portland im US-Bundesstaat Oregon haben entschieden, dass die Boy Scouts of America (BSA) dem Mißbauchsopfer 18,5 Millionen Dollar zahlen muß.
Der heute 38 Jahre alte Kerry Lewis war in den 80er Jahren nach eigenen Angaben fünf Mal von einem Betreuer missbraucht; beim ersten Mal war er elf Jahre alt. 
Die Erfahrung habe ihn in die Drogenabhängigkeit getrieben und und ihn quasi beziehungsunfähig gemacht. Lewis, der laut seinen Anwälten bis heute traumatisiert ist, soll eines der zahlreichen Opfer des bereits dreimal wegen Kindesmissbrauchs verurteilten, heute 53-jährigen Timur D. sein.

Lupus:
Was haben Verbrechen katholischer Priester gegen Kinder mit Paysex zu tun?
Wollen wir hier der Kirche ihre Feindseligkeit gegenb Lust und Paysex &quot;heimzahlen&quot;, also mit den selben unchristlichen Mitteln arbeiten?
Irgendwie habe ich das Gefühl, wir listen hier genüsslich alle Schandtaten von Kirchenfunktionären auf, so wie Lea Ackermann alle Schandtaten von (vermeintlichen) Zuhältern und Freier etc. auflistet.
Das einzioge was ich ableiten kann: die Kirchenorganisationen (wie SOLWODI) sollten sich auch den Opfern der Kirche annehmen und dagegen vorgehen, so wie sie gegen die Prostritution aktiv sind.

Aoife:
Lupus hat folgendes geschrieben:Wollen wir hier der Kirche ihre Feindseligkeit gegen Lust und Paysex &quot;heimzahlen&quot;, also mit den selben unchristlichen Mitteln arbeiten?
Sofern das die moralische Autorität der Kirche in Frage stellt, wäre es schon sinnvoll in unserem Interesse.
Ob unchristlich oder nicht kann für mich da kein Maßstab sein, ich fühle mich dieser Ideologie nicht verpflichtet.
Mein persönlicher Wunsch bei diesem Thema wäre aber eher, dass deutlich wird, wie eine überzogene Moral sich ins Gegenteil verkehrt.
Dass die Kinder darunter leiden ist keineswegs unabhängig von der Sexfeindlichkeit der Kirche, sondern deren psycho-logische Folge.
Liebe Grüße, Aoife

Kajus:
Die Lustfeindlichkeit der katholischen Kirche hat für mich nachvollziehbare historische Gründe. Rom ging nicht unter, wie es sich Guido Westerwelle vorstellt, durch die Dekadenz der &quot;kleinen Leute&quot;, sondern als sich die leitenden Herren ganz dem frivolen Müßiggang verschrieben. Kaiser Hadrian verliebte sich in den schönen Antinous, vergöttlichte ihn nach seinem Tod und verbreitete überall sein Bildnis. Caligula mochte ausgefallene Roben und Frauenkleider. Er ließ seine Frau in einer Rüstung die Truppen abschreiten. Er erschien in Perücke und Kostüm als Sänger, Tänzer, jungfräuliche Jägerin, Ehefrau. Er stellte sich als weibliche Gottheit dar. Als Jupiter verkleidet verführte er viele Frauen, darunter auch seine Schwester. Nero verkleidete sich als tragischer Schauspieler um dem Brand Roms zuzuschauen. Auf der Bühne spielte er u.a. Heldinnen und Göttinnen, er stellte Sklaven dar, eine Schwangere und eine gebärende Frau. Nach dem Tod seiner Frau trug er ihre Maske. Nach Berichten war sie gestorben, weil er sie während der Schwanergschaft in den Bauch getreten hatte.Nero ließ spezielle Bordelle bauen um sich dort von Damen der guten Gesellchaft Avancen machen zu lassen. Er ließ junge Männer und Frauen an Pfähle binden und unternahm in Tierfelle gekleidet Angriffe aus dem Hinterhalt auf ihre Genitialen. Er kastrierte einen Knaben, der Ähnlichkeit mit seiner verstorbenen Frau hatte, steckte ihn in Frauenkleider, schloss die Ehe mit ihm und behandelte ihn als Ehefrau und Kaiserin. In einer weiteren Ehe mit einem männlichen Jugendlichen wechselte er die Rolle. Der Kaiser war nun die Braut und ahmte in der Hochzeitsnacht das Stöhnen eines Mädchens nach, das entjungfert wird.
Commodus gab einer Geliebten den Namen seiner Mutter. Heliogabal brachte das Heer mit Seidenkleidern, Schmuck und seinem Tanzen auf. Er verkleidete sich als Zuhälter und soll dieser Tätigkeit in seinem Haus nachgegangen sein. Mit einer Perücke war er in richtigen römischen Bordellen als Prostituierte tätig. Er richtete sich im Palast einen Raum ein, um dort dieser Tätigkeit nachzugehen. Er stellte sich nackt in die Tür und lockte Kunden von der Straße an. Ständig wurden von Helfern Männer gesucht, die Gefallen daran fanden, den Kaiser als Kunde aufzusuchen, der sich stolz mit seinen Einnahmen brüstete. Und so weiter und so fort.
Unsere modernen Vorstellungen von sexueller Freiheit beruhen auf vielen Irrtümern. Die absoulte Macht der römsichen Kaiser erlaubte ihnen, diese Freiheit ohne Einschränkung auszuleben.
Das Christentumbeendet diese Verbindung von Sexualität und Grausamkeit. Das Auspeitschen und Kastrationen wurden in der Kaiserzeit zur sexuellen Perversion. Horden von Kastraten zogen durch die Städe und über Land, grell geschminkt, mit Perücken und in weibliche Kleider gehüllt. Eunuchen genossen hohes Ansehen. Die Strenge, mit der das Christentum auf klar abgegrenzte Geschlechterrollen besteht, beruht auf diesen Extremen. Mit Augustinus verschwindet die Verehrung der Natur für mehr als Tausend Jahre aus unserer Kultur und kommt erst in der Romantik mit den Ideen Rousseaus und dann 68 wieder zurück.
Ich halte die Warnungen und das Misstrauen der katholischen Kirche gegenüber sexueller Freiheit nicht für gefährlich und, ein Stück weit, auch nicht für falsch. Fatal und ein großer Fehler ist das hohe Ross, auf das sich die Kirche in Bezug auf die Sexualität setzt, die vor niemandem, auch nicht vor der Kirche und ihrem Personal halt macht. Zu glauben, dass durch den Zölibat die eigene Auseinandersetzung mit der Sexualität nicht erforderlich ist (um dann im Verborgenen in einer Schattenwelt Sexualität zu leben) und gleichzeitig auf eine strikte Einhaltung des Verbots jeglicher sexuellen Lust zu pochen, hat die Kirche seit langer Zeit in allen Fragen der Sexualität unblaubwürdig werden lassen - von Fragen der Homosexualität bis zur traditonellen Ehe und Partnerschaft zwischen Mann und Frau. Die Kirche ist in allen Fragen der Sexualität inkompetent und will uns erzählen, was richtig und falsch ist. Welcher Frau, welchem Mann, ob heterosexuell, bisexuell oder homosexuell, könnte dieser Papst etwas sagen? Das gilt übrigens für alle Fragen der Partnerschaft, nicht nur in Bezug auf die Sexualität.

Aoife:
@Kajus:
Ich kann jetzt nicht nachvollziehen, ob das wirklich historisch so war, oder ob bei dieser Beschreibung der Zustände im alten Rom
auf die Literatur des politischen Gegners oder gar auf &quot;Sieger-Geschichtsschreibung&quot; zurückgegriffen wurde.
Wie auch immer - aber wirklich untergegangen ist das römische Weltreich doch erst *nach* der Machtergreifung der Kirche?
Die beschriebenen dekadenten Zustände könnten da doch allenfalls indirekt angeschuldigt werden, indem man postuliert,
dass bei Weiterbestehen der militärischen Geisteshaltung aus Zeiten der Republik die Kirche keine Gelegenheit zur
Machtübernahme gehabt hätte.
Aber selbst dieser Gedankengang scheint mir höchst hypothetisch, immerhin haben sich ja auch andere Weltreiche schon
ruiniert, ohne dass zuvor &quot;Dekadenz&quot; in diesem Maße aufgetreten wäre ...
Im Gegenteil, der Niedergang des Empire's ereignete sich in den Jahrzehnten *nachdem* dort Homosexualität und Drogen
kriminalisiert wurden.
Liebe Grüße, Aoife

Kajus:
@ Aoife: Die von mir hier gemachten Beispiele sind in der wissenschaftlichen Standardliteratur zu finden und nicht von mir an den Haaren herbeigezogen oder gar vom „Gegner“ abgeschrieben. Es geht zumindest mir nicht um Sieger und Besiegte, sondern um das Nachdenken über Sexualität und Kirche. Ich schreibe zwar ab, da ich nicht alles aus mir schöpfe, allerdings auf möglichst richtige Art und Weise und ausschließlich um die von mir gemachten Überlegungen zu stützen. Diese Überlegungen und Überzeugungen halte ich nicht für unerschütterliche Wahrheiten, sondern für diskussionswürdig.
Warum habe ich diese Beispiele für Dekadenz in der Spätphase des Römischen Reichs in diesem Thread gegeben?
1. Weil diese Epoche der Ausgangspunkt für den Aufstieg der katholischen Kirche zur Weltreligion ist und, so meine Hypothese, die von Augustinus theologisch begründete Haltung zur Natur, das strikte Verbot sexueller Lust und das absolute Beharren auf klare Festlegung der geschlechtlichen Identität beförderten, wenn nicht sogar verursachten. Das ist wichtig, um die Sturheit der Kirche in diesen Fragen zu verstehen – ohne damit etwas relativieren oder schönreden zu wollen! Seit Augustinus gilt: Jede Form von Sexualität ist Sünde, wenn sie aus Lust und nicht ausschließlich mit dem Wunsch und der Bereitschaft verbunden ist, Kinder in einer vor Gott und der Gesellschaft geschlossenen Ehe zu zeugen.
In Anbetracht all des Leids, des Kummers, des Elends und der Gewalt, die durch Sexualität verursacht werden - die Verbrechen katholischer Priester, von denen wir hier lesen, sind ein Mückenschiss dagegen -, ein für mich nachvollziehbarer Standpunkt, der jedoch jeder realistischen menschlichen (weltlichen) Grundlage entbehrt. Sexualität lässt sich nicht verbieten und nicht unterdrücken, wir können nur einen Umgang damit finden und versuchen, sie in zivilisatorische Grenzen zu bannen. Ein Unterfangen, das nie aufhören kann und das viele Restriktionen, Verbote, Regeln und Tabus erfordert. Dabei müsste eine Kirche, die keinen Aberglauben verbreitet, den Menschen aktiv und in einer realistischen Weise unterstützten anstatt ihn in unlösbare Konflikte zu stürzen, weil sie nur endgültige ewige Wahrheiten verkünden will. Ich halte die Sexualität nicht für eine einfache Sache, die keine Probleme bereitet, wenn man sie nur ausleben darf. Meiner Meinung nach ist die Sexualität der Ausgangspunkt der Probleme.
In der Romantik ist der moderne Mensch entstanden, dessen Identität fest mit der Sexualität und der sexuellen Orientierung verbunden ist. Das bedeutet eine zusätzliche Schwierigkeit. Davor war das so nicht der Fall. So gab es z. B. zwar homosexuelle Handlungen Einzelner, aber nicht das, was wir heute als &quot;schwul&quot; bezeichnen, eine homosexuelle, im gesellschaftlichen Kontext definierte und verankerte Identität. Da die Sexualität zuvor nicht mit der Persönlichkeit verbunden war, konnte man diese einzelnen Akte einfach verbieten, als Sünde bezeichnen, ohne in die Persönlichkeit, in die Identität einzugreifen. Für den modernen Menschen der westlichen Welt ist das so nicht mehr möglich. Diese Veränderung ist der Kirche zwar bewusst, sie bleibt über 200 Jahre danach ohne jede Kompromissbereitschaft bei ihrer strikten theoretischen (theologischen) Linie.
3. Weil die römischen Kaiser in ihrer Machtfülle die Möglichkeit hatten, ihre Sexualität in aller Freiheit auszuleben und somit ein realistisches Beispiel für sexuelle Freiheit geben. Wer das gesamte Repertoire der menschlichen Sexualität kennen lernen will, sollte die Werke de Sades studieren. Hier wird die menschliche Sexualität (in Rahmen der Kunst in aller Freiheit) durchdekliniert. Ist es wirklich das, was wir wollen, wenn wir von sexueller Freiheit reden? 
2. Weil ich den Begriff der „sexuellen Freiheit“ für einen Irrtum halte. Nichts macht uns unfreier als die Sexualität. Sie bestimmt unser Leben vom ersten Moment der Zeugung bis zum Schluss. Sich ihr hemmungslos auszuliefern bedeutet den gesellschaftlichen (oder zivilisatorischen) Zusammenbruch und totale Abhängigkeit des Einzelnen. Es kann meiner Meinung nur darum gehen, zu lernen, mit unserer Sexualität zu leben und einen für die Gesellschaft tragbaren Freiheitsbegriff zu finden und immer wieder neu zu definieren. Jeder Mensch muss das Recht haben, diese Entscheidungen für sich selbst zu treffen. An dieser Stelle beginnen dann aber erst die Fragen und dort stehen keine vorgegebenen Antworten à la Augustinus, Benedikt oder „wir wollen Sexulle Freiheit und sonst nichts“. Wir liefern die Sexualität dem Gegnern aus, wenn wir dem Gegner ermöglichen, die Macht und Gefährlichkeit der Sexualität, die stets mit Gewalt verbunden ist, allein für seine Zwecke und in seinem, auf Lügen, Falschbehauptungen und Irrtümern beruhenden Gedankengebäude zu thematisieren.

Lupus:
Aoife hat folgendes geschrieben:...
Im Gegenteil, der Niedergang des Empire's ereignete sich in den Jahrzehnten *nachdem* dort Homosexualität und Drogen
kriminalisiert wurden.
Du meinst, Homosexualität ist eine Begleiterscheinung von Dekadenz?

Aoife:
          Lupus hat folgendes geschrieben:Du meinst, Homosexualität ist eine Begleiterscheinung von Dekadenz?
Nein!:001 
Sondern der Versuch, das so zu sehen und aus eben diesen Gründen zu unterbinden, war völlig ungeeignet, das Empire zu retten.
Und das schon zu einem Zeitpunkt, als das Empire noch überhauptnicht gerettet werden mußte, rein prophylaktisch sozusagen.
Parallel dazu kann ich auch keinen Zusammenhang zwischen sexueller Freiheit und dem Niedergang des Römischen Reichs erkennen.
Insbesondere da dieses ja erst dann zerfallen ist, nachdem die Kirche die Macht übernommen hatte.
Bestünde ein Zusammenhang zwischen sog. Dekadenz (=sexueller Freiheit) und Zusammenbruch der Gesellschaft,
so hätte Rom durch die Kirche gerettet und GB durch den Victorianismus davor bewahrt werden müssen.
Liebe Grüße, Aoife

Kajus:
Ich halte grenzenlose sexuelle Freiheit (in Kombination mit Gewalt) der Verantwortlichen an den Schalthebeln der Macht wie oben beschrieben, ob homosexuell oder heterosexuell ausgelebt, für ein Zeichen von Dekadenz. Ich denke nicht, dass sich der Untergang eines Reichs oder einer Weltmacht durch sexuelle Restriktionen aufhalten lässt, das habe ich auch nicht geschrieben. Den Untergang des römischen Reichs hätte man vermutlich durch keine Maßnahmen verhindern können, die katholische Kirche ist das Ergebnis dieses Untergangs und ist, wie ich finde, von diesen Zuständen stark beeinflusst.
Diese extremen Formen sexueller Perversion sind tatsächlich eine Besonderheit des römischen Untergangs. Das Empire hatte niemals solche Probleme. Auch Ägypten, die erste Weltmacht, ist nicht in sexuellen Perversionen untergegangen. Diese massenhaft öffentlich zelebrierten sexuellen Perversionen bis in die höchsten Ebenen der Macht kamen erst in der Endphase auf und waren eine Begleiterscheinung des Untergangs, nicht der Grund dafür. Auch die Griechen hatten nicht diese Probleme.
Ich halte Homosexualität nicht für dekadent (weder Wowereit, noch Westerwelle, von Beust oder den Bürgermeister von Paris) und auch nicht für ein Zeichen irgendwelcher Zivilisationsuntergänge oder Zeichen von Endphasen, auch wenn sie in der Kunst der Moderne so dargestellt wurden. Überall wo Dekadenz aufkam, wehte die Hosexualität in die Kunst der Moderne hinein. Diese Wahrnehmung von Homsexualität im kunsthistorischen Kontext ist meiner Meinung nach eine Folge der Zustände im untergehenden Römischen Reich. Davor gab es diese Verbindung, Homsexualität und Dekadenz, nicht.
Wenn die Bundeskanzlerin ihre gesamte Energie und die Arbeitskraft des Apparates darauf verwendete, in einem Laufhaus als Prostituierte tätig zu sein, wäre das zwar heterosexuell, aber auch ein Zeichen von Dekadenz - für meine Begriffe. Meine Beispiele bezogen sich ausnahmslos auf römische Kaiser, die ihre Sexualität mit Hilfe ihrer Macht auslebten oder besser gesagt, ausleben konnten.
Ich halte meine Hypothese für eine durchaus realistische Erklärung für das unbeirrbare Festhalten seit fast 2000 Jahren an dieser strikten Sexualmoral. Damit liegt die Kirche niemals falsch - Enthaltsamkeit bewahrt immer vor allen Folgen des Genusses. Damit muss man sich dann nicht mehr mit den Problemen dieser Welt auseinandersetzen.
Nicht Oscar Wilde war dekadent, sondern die von ihm mit beißendem Spott und großer Intelligenz beschriebene englische Oberschicht.

Lycisca:
Zitat:aber wirklich untergegangen ist das römische Weltreich doch erst *nach* der Machtergreifung der Kirche?
&quot;Wirklich&quot; unter gegangen ist das römische Reich eigentlich erst 1453 mit der Eroberung von Byzanz durch die Osmanen. Sexuelle Dekadenz war daran eher nicht schuld, sondern langsamer wirtschaftlicher, politischer, militärischer Verfall.

Marc of Frankfurt:
Die Sexualität ist eine Urkraft.
Aber warum wird sie -auch von dir- so oft negativ beurteilt und dann folgerichtig von vielen anderen zwanghaft kontrolliert. Möglicherweise wird sie erst dadurch gefährlich. (nichtlineare Kausalität; Sexualitätskontrolle im Kontext von Herrschaft, Prilinearität etc.)
Würde sie mehr als Geschenk aufgefasst und ein spielerischer Umgang eingeübt, würde sich viel Energiestau und Konfliktpotenzial erübrigen.


Die Existenz von Machtsystemen hat möglicherweise mehr mit Knappheit zu tun (unbeherrschte Natur, Ressourcenübernutzung, Technologiesprung, Klimawandel, Bevölkerungsexplosion, Verteilungsungerechtigkeit, Wirtschaftskrise, Systemcrash, Krieg...) als mit dem Lustaspekt von Sexualität. (Die Ausgrenzung von Prostitution beginnt letztlich bereits bei der Abspaltung des Sexuellen.)
Es scheint mir aus ideologischen Gründen (inkl. Religion, Politik, Wirtschaft, Sexualität) bisher keine abgewogenen allgemein akzeptierten Antworten auf die Untergangsgründe der Weltreiche und Weltkriege zu geben. Bisher unverstandene Wachstumskonflikte der Volkswirtschaften dann zu sexualisieren (biologistisch) scheint mir geradezu symptomatisch und Beleg meiner Macht/Verdränungshypothese.

Kajus:
Nochmals, denn ich möchte nicht falsch vestanden werden und auch nicht in eine falsche Ecke gestellt werden:
Die Gründe für den Untergang des römischen Weltreichs habe ich hier definitiv nicht thematisiert. Ich habe auf das Phänomen extremer sexueller Ausschweifungen römischer Kaiser hingewiesen. Das schien mir angebracht um darauf hinzuweisen, dass es aus meiner Sicht wichtig ist, sexueller Freizügigkeit Grenzen zu setzen (ohne diese Grenzen zu definieren). Die römischen Kaiser erschienen mir als gutes Beispiel für das Ausleben der Sexualität ohne Einschränkungen, denn sie hatten die Macht dazu. In diesem Zusammenhang habe ich auch auf die Werke de Sades hingewiesen, der das Potenzial der Sexualität (als Fiktion) Punkt für Punkt durchdeklinierte. Es geht mir dabei nicht um Untergangstheorien im Allgemeinen oder Besonderen, sondern auch darum, darauf hinzuweisen, dass die katholische Kirche in der Zeit ihrer theologischen Fundierung mit allgemein um sich greifenden sexuellen Extremen konfrontiert war und dass darauf die strikte und kompromisslose Sexualmoral der frühen Kirchenväter beruht, die bis heute gilt.
Ich hielt die Theorie, dass die Kirche in ihrer Entstehung wesentlich vom Römischen Reich und der Auseinandersetzung mit der herrschenden Moral geprägt ist, für banal. Wer daran Zweifel hat, sollte das Neue Testament lesen.
@Marc: Woraus schließt Du, das ich Sexualität zwanghaft kontrollieren will? Ich versichere Dir, das ist und war auch noch nie meine Absicht. Ich bin fest davon überzeugt, Sexualität lässt sich nicht unterdrücken. Ein gutes Beispiel ist die Auflistung der Verbrechen katholischer Priester in diesem Thread. Sexualität lässt sich aber auch nicht auf Triebstau und -abfuhr reduzieren. Ich denke, es gibt da noch ein paar andere Gründe, warum das mit den katholischen Priestern aus dem Ruder läuft. Ich sehe Sexualität als Geschenk, aber als ein Geschenk mit zwei Seiten an. Sexualität birgt große Gefahren, unter anderem Abhängigkeit und Unfreiheit - nicht nur durch Unterdrückung.

Marc of Frankfurt:
Nein Zwanghaftes kann und will ich dir nicht unterstellen, auch wenn es als zweites in meinem Satz unglücklicherweise auftauchte, wo es um den Umgang der Allgemeinheit mit Sexualität geht. Bei dir habe ich nur eine Negativbewertung von Sexualität herausgelesen im Hinweis auf Gefahr für Abhängigkeit und Unfreiheit.
Denn ich bin auch vom Atmen und (Wasser-)Trinken abhängig ebenso wie vom Gelderwerb, Zukunftssicherung, Familiengründung... Welcher Zwang ist größer und läßt die Menschen häufiger sich (nichtsexuell) prostituieren?
Diese Scheinpolarität im Sinne von Wertigkeit zwischen animalisch-rational, Natur-Kultur... Sex-Geld, sollten wir erkennen, verstehen aber gleichzeitig versuchen sprachlich zu überwinden, zu dekonstruieren...


Die Ventilsitte Prostitution und die diversen empathischen Fähigkeiten der Sexworker, sich des Triebes und der vielen Verhaltensweisen von in möglicherweise seelisch-sexueller Unfreiheit steckenden Kunden diese als Menschen annehmen und auch halten zu können, leisten einen unermeßlich wertvollen Beitrag für die Gesellschaft.

Marc of Frankfurt:
Bischof Mixa soll eine Jungen sexuell mißbraucht haben in seiner Zeit als Bischof in Eichstätt zwische 1996 bis 2005.
Bistum Augsburg gibt Fall an die Staatsanwaltschaft Ingolstadt weiter.

http://www.augsburger-allgemeine.de....2_puid,2_pageid,4289.html

Lycisca:
Lupus hat folgendes geschrieben:Was haben Verbrechen katholischer Priester gegen Kinder mit Paysex zu tun? 
Es gibt einen direkten Zusammenhang: So verbietet z.B. § 4 Abs 2 Z 1 des Wiener Prostitutionsgesetzes Paysex im Abstand von 150 m von Kirchen ... ähnlich in anderen Orten. Jene, die solchen die gesetzlichen Schutz vor öffentlich sichtbarem Sex (bzw. schon dessen Anbahnung) für sich fordern, müssen sich die Frage gefallen lassen, ob sie dieses Schutzes würdig sind. Wenn die Kirche für ihre Priester sogar vor dem möglichen Anblick unmoralischen Treibens Schutz will, müssen die Priester selbst hohen moralischen Ansprüchen genügen. (Vergleichbar - zumindest ab dem Rang eines Bischofs - wäre im römischen Religionsrecht der Schutz des Flamen Dialis, der als irdischer Vertreter Jupiters vor allen schädlichen Einflüssen abzuschirmen war - daher extrem eingeschränkt in seiner Lebensweise war; vgl. Pötscher, Mnemosyne 4/1965, S 215 ff.) 
Wenn nun innerhalb dieses &quot;Schutzbereichs&quot; ärgster sexueller Missbrauch an Kindern betrieben wird, zwar heimlich, aber gleichwohl durch Priester, so sind diese Ansprüche auf Schutz vor vermeintlicher Unmoral nicht mehr gegeben. Es wäre daher fair von der Kirche, nicht mehr auf dem Schutzbereich von 150 m um Kirchen zu beharren. (Eine solche liberalere Einstellung den SW gegenüber bedeutet ja nicht, dass die Kirchen zu Bordellen und die Beichtstühle zu Verrichtungsboxen umfunktioniert werden sollen.) Solange die Kirche den SW gegenüber nicht in dieser Weise fair ist, ist es berechtigt, dass SW auf die Unmoral derjenigen hinweisen, die Unmoral nicht sehen wollen, sondern sie &quot;nur&quot; heimlich praktizieren.

Lupus:
Jetzt kommt der Hardliner, Bischof Mixa, in arge Bedrängnis:
http://www.sueddeutsche.de/bayern/440/510559/text/
Vorermittlungen gegen Augsburger Bischof
 Walter Mixa - Verdacht auf sexuellen Missbrauch
Die Staatsanwaltschaft Ingolstadt hat nach Informationen der Süddeutschen Zeitung Vorermittlungen gegen den Augsburger Bischof Walter Mixa eingeleitet. Es geht nicht um die bekannten Prügel-Vorwürfe - es geht um den Verdacht auf sexuellen Missbrauch eines Minderjährigen. Der Bischof selbst soll in einer Schweizer Klinik sein. 
Seit Monaten ist sein Name in den Schlagzeilen. Mal wetterte er gegen &quot;Gebärmaschinen&quot; und die Mitschuld der sexuellen Revolution an Missbrauchsfällen, dann wieder wurde er der exzessiven Prügelei beschuldigt. Als Stadtpfarrer von Schrobenhausen soll der jetzige Bischof von Augsburg Heimkinder systematisch malträtiert haben.
Walter Mixa ist zum Stammgast auf Seite eins der Zeitungen geworden. Nun hat die Staatsanwaltschaft Ingolstadt nach Informationen der Süddeutschen Zeitung Vorermittlungen wegen des Verdachts auf sexuellen Missbrauch eingeleitet.
Der Ingolstädter Oberstaatsanwalt Helmut Walter sagte: &quot;Bei der Staatsanwaltschaft Ingolstadt werden Vorermittlungen in Richtung Dr. Mixa geführt.&quot; Aus ermittlungstaktischen Gründen könnten derzeit keine weiteren Auskünfte erteilt werden.
Die Ermittlungen beziehen sich auf einen Fall aus Mixas Zeit als Bischof von Eichstätt zwischen 1996 bis 2005. Zum ersten Mal richten sich damit Missbrauchsvorwürfe gegen einen amtierenden deutschen Bischof.
Bei dem Opfer handelt es sich offenbar um einen Jungen unter 18 Jahren. Das Umfeld des Jungen soll zunächst das Bistum Augsburg über den Vorfall informiert haben. Daraufhin habe das Bistum die Staatsanwaltschaft Ingolstadt informiert.

Bischof ist in einer Schweizer Klinik
Der Augsburger Generalvikar teilt dazu mit: &quot;Hinweise, die jetzt gegeben wurden, hat das Bistum Augsburg in Übereinstimmung mit den Leitlinien der Deutschen Bischofskonferenz den zuständigen Stellen zur Kenntnis gebracht und angezeigt.&quot;
Ein Sprecher des Bistums Eichstätt sagte, sein Bischof Gregor Maria Hanke habe am vergangenen Montag davon erfahren, dass ein solcher Vorwurf beim Bistum Augsburg eingegangen und zur Überprüfung der Staatsanwaltschaft übergeben worden sei.
Mixa selbst befindet sich nach Informationen der Süddeutschen Zeitung derzeit in einer Klinik in der Schweiz, die sich auf Alkoholkrankheiten spezialisiert hat.
Im Bistum Augsburg herrscht Entsetzen: Der Vorsitzende des Augsburger Diözesanrats, Helmut Mangold, sprach von einem &quot;Super-GAU&quot;. 
Der 69-Jährige hatte jahrelang mit zugespitzten Äußerungen Debatten ausgelöst. Auch vielen in der katholischen Kirche gilt er als Spalter, nicht als Versöhner. In seinem Bistum hat sich die Zahl der Kirchenaustritte drastisch erhöht.
Und doch schienen selbst die vielen Vorwürfe der Schrobenhausener Prügel-Opfer an ihm abzuprallen. Lange dementierte er die von der Süddeutschen Zeitung offengelegte Geschichte.

Mit der Bitte um Rücktritt
Am 21. April reichte Mixa dann doch bei Papst Benedikt XVI. seinen Rücktritt ein. Zu brisant waren die eidesstattlichen Versicherungen der einstigen Heimkinder, sie seien zwischen 1975 und 1996 brutal geschlagen worden. Der Bischof hatte die Prügel-Vorwürfe zunächst geleugnet und &quot;reinen Herzens&quot; versichert, niemals Gewalt gegen Kinder und Jugendliche ausgeübt zu haben. Später hatte er dann doch &quot;die eine oder andere Watschn&quot; eingeräumt und für alle Fehlleistungen um Verzeihung gebeten. Allerdings war bei den Vorwürfen stets nur von Prügel die Rede und nicht von sexuellem Missbrauch.
Zusätzlich wird Mixa vorgeworfen, jahrelang namhafte Beträge von Stiftungsgeldern zweckentfremdet zu haben. Auf Kosten einer Waisenhausstiftung soll er Wein, Geschenke an Priester, Kirchenteppiche und einen goldenen Bischofsring gekauft haben.
Aufgrund bundesweiter Rufe nach einem Rücktritt Mixas hatte der
Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, den Würdenträger aus Augsburg öffentlich zu einem vorübergehenden Amtsverzicht aufgefordert - ein bisher einmaliger Fall in der jüngeren Geschichte des Katholizismus in Deutschland. Noch am selben Tag hatte Mixa dann dem Vatikan sein Rücktrittsgesuch zugestellt. Damit wolle er Schaden von der Kirche abwenden und einen Neuanfang ermöglichen, hieß es in dem Schreiben. 
Der Vatikan hat sich zu Mixas Rücktrittsgesuch bislang nicht geäußert. Ende April war Zollitsch mit dem Vorsitzenden der bayerischen Bischofskonferenz, Münchens Erzbischof Reinhard Marx, zu einer Papstaudienz nach Rom gefahren, um mit dem Papst Einzelheiten über den Fall Mixa zu beraten. Dessen Rücktrittsgesuch sollte dem Vernehmen nach gründlich geprüft werden. Die letzte Entscheidung liegt bei Benedikt XVI. Ein Bischof ist erst dann autorisiert, sein Amt niederzulegen, wenn der Papst entsprechend entschieden hat.
Die Deutsche Bischofskonferenz äußerte sich am Freitag nicht zu
den Vorermittlungen. Der Sprecher der Bischofskonferenz in Bonn,
Matthias Kopp, erklärt: &quot;Es gibt von uns keine Stellungnahme.&quot; 
Die Grünen-Bundesvorsitzende Claudia Roth fordert eine &quot;schnelle und lückenlose Aufklärung&quot; des Missbrauchsverdachts gegen den Augsburger Bischof. Das sei &quot;gerade auch im Sinne der Opfer und ihrer Entschädigung&quot; nötig, sagte Roth.
Es sei zu begrüßen, dass die Staatsanwaltschaft ermittle und diesem Verdacht konsequent nachgehe. Die Grünen-Chefin betonte: &quot;Wenn sich die jetzt erhobenen Vorwürfe gegen Bischof Mixa bestätigen, dann zeugt das von einer nicht für möglich gehaltenen moralischen Verkommenheit und bodenlosen Scheinheiligkeit.&quot;
Mixa habe im engen Bündnis mit dem &quot;erzreaktionären Augsburger Medienunternehmer Dirk-Hermann Voß&quot; jahrelang seine &quot;menschenverachtende Keule gegen Andersdenkende geschwungen&quot;, kritisierte Roth. &quot;Scheinheilig&quot; sei er als Beschützer von Kindern und scheinbar christlichen Familienwerten aufgetreten und habe dabei &quot;Frauen moralisch eingeschüchtert und beleidigt&quot;.

Zwerg:
Vatikan erlaubt Sex mit Kindern ab zwölf Jahren
Der Vatikanstaat hat in Europa das niedrigste Schutzalter für Kinder. Es liegt bei 12 Jahren, in Deutschland dagegen bei 14 und in der Schweiz bei 16. Das Schutzalter legt fest, wie alt ein Kind mindestens sein muss, damit Erwachsene und Jugendliche sexuelle Beziehungen mit ihm haben dürfen.
Unter dem Druck des Missbrauchsskandals bekennt sich die katholische Kirche neuerdings lautstark dazu, dass der Staat für die Aufklärung von Straftaten zuständig ist. Um dem Verdacht entgegenzutreten, Übergriffe könnten innerkirchlich vertuscht werden, stellt der Vatikan immer wieder klar: Bei der Aufarbeitung des Skandals soll weltliches Recht strikt beachtet, sollen Staatsanwaltschaften eingeschaltet werden. 
Doch für Kinder, die im Vatikan selbst leben, ist das eigentlich keine beruhigende Nachricht. Der Vatikanstaat hat nämlich das niedrigste Schutzalter für Kinder in ganz Europa. Es liegt bei zwölf Jahren, in Deutschland dagegen bei 14 Jahren, in der Schweiz sogar bei 16 Jahren.
Als Schutzalter bezeichnet man die Altersgrenze für Kinder, ab der Erwachsene und Jugendliche unter Umständen sexuelle Beziehungen mit ihnen haben dürfen. Sprich: In Deutschland macht sich jeder strafbar, der an einem zwölf- oder dreizehnjährigen Kind sexuelle Handlungen vornimmt – ganz egal, ob es einwilligt oder nicht.
Im Vatikanstaat wäre das unter Umständen straffrei, etwa wenn kein Abhängigskeitsverhältnis zwischen den Partnern besteht. Grund ist ein juristisches Überbleibsel aus dem 19. Jahrhundert. Damals lag im italienischen Strafrecht die Altersgrenze für Sex bei zwölf Jahren.
Als der Vatikan sich 1929 in seiner heutigen Form gründete, übernahm er das italienische Strafgesetzbuch mit dieser Regelung. Es ist bis heute das weltliche Recht für vatikanische Staatsangehörige, gilt also parallel zum Kanonischen Recht für Kirchenangehörige.
Mittlerweile wurden zwar unterschiedliche Dinge geändert, zum Beispiel wurde die Todesstrafe abgeschafft. Aber das Schutzalter blieb bestehen – anders als in Italien, wo das Mindestalter schon vor Jahrzehnten auf 14 angehoben wurde. 
Einige Rechtsgelehrte vertreten die Ansicht, dass es sich nur um eine Kuriosität ohne Bedeutung für die Praxis handelt: Es gibt zwar Kinder im Vatikan, denn dort leben nicht nur Geistliche, sondern auch Familien von Vatikanangestellten oder Offizieren der Schweizergarde.
Aber es dürften sehr wenige sein, der kleinste Staat der Welt hat insgesamt nur knapp 1000 Einwohner. Es ist nicht bekannt, ob die einschlägigen Strafartikel 331 und 333 des Codice Penale überhaupt schon einmal in einem vatikanischen Fall angewendet wurden.
Doch Kritiker bezweifeln, dass die Sonderregelung wirklich nur aus Unachtsamkeit oder Gleichgültigkeit beibehalten wird. Juristen wie der Wiener Professor Manfred Nowak gehen davon aus, dass die katholische Kirche das Schutzalter bewusst niedrig gewählt hat. 
Nowak verweist auf Malta und Spanien. Malta hat als einziges europäisches Land ein ebenso niedriges Schutzalter wie der Vatikan. Spanien hatte noch bis vor sieben Jahren die gleiche Regelung, mittlerweile wurde die Altersgrenze auf 13 Jahre erhöht. Kein Land in Europa ist so stark katholisch geprägt wie Malta und Spanien – und der Vatikan. 
http://www.welt.de/politik/deutschl....ern-ab-zwoelf-Jahren.html

Marc of Frankfurt:
Bischof Mixa angeblich homosexuell:
http://www.heise.de/tp/blogs/6/147582
Schwulenfeindlichkeit wie im Fall des US-Baptisten Rekers?:
http://sexworker.at/phpBB2/viewtopic.php?p=80421#80421 und direkt dadrunter
Homophobie und Sublimation
Homophobia is apparently associated with homosexual arousal that the homophobic individual is either unaware of or denies:
http://sexworker.at/phpBB2/viewtopic.php?p=80450#80450

Aoife:
          Marc of Frankfurt hat folgendes geschrieben:Homophobie und Sublimation
Homophobia is apparently associated with homosexual arousal that the homophobic individual is either unaware of or denies
Das extreme Bedürfnis, *normal* zu sein ist ebenso ein infantiler Persönlickkeitszug
wie die Bereitschaft, zum Erreichen seiner Ziele notfalls auch &quot;über Leichen zu gehen&quot; ...
Was ja die Kirche einerseits aktiv fördert (&quot;Vater&quot; im Himmel), andererseits aber auch schon
a priori aufgrund der notwendigen (Aber-)Gläubigkeit jeder Religiosität immanent ist,
kindliches &quot;magisches Denken&quot; und Egozentrik anstelle von reiferem Egoismus.
Deshalb halte ich Versuche das Zölibat anzuschuldigen für falsch, es dient allenfalls als kirchlicher
Attraktor für solche Pesönlichkeiten. Und vielleicht ist es ja auch einfach nur Zufall, dass derzeit
gerade die katholische Kirche diese unvorteilhafte Medienpräsenz zeigt, wer weiß, welche
Enthüllungen beispielsweise den evangelischen Kirchen ganz ohne Zölibat noch bevorstehen?
Das Problen sind also IMHO weniger die Kirchen, als vielmehr der hohe Bevölkerungsanteil an
unreifen Persönlichkeiten, der ja aus machtpolitischen Gründen durchaus gefördert wird, denn
selbständig denkende und eigenverantwortlich handelnde Menschen sind bei Weitem nicht nur in
den Religionsgemeinschaften eher ungern gesehen.
Liebe Grüße, Aoife

Kajus:
          Aoife hat folgendes geschrieben:          
Deshalb halte ich Versuche das Zölibat anzuschuldigen für falsch, es dient allenfalls als kirchlicher
Attraktor für solche Pesönlichkeiten. Und vielleicht ist es ja auch einfach nur Zufall, dass derzeit
gerade die katholische Kirche diese unvorteilhafte Medienpräsenz zeigt, wer weiß, welche
Enthüllungen beispielsweise den evangelischen Kirchen ganz ohne Zölibat noch bevorstehen?
Das Problen sind also IMHO weniger die Kirchen, als vielmehr der hohe Bevölkerungsanteil an
unreifen Persönlichkeiten, der ja aus machtpolitischen Gründen durchaus gefördert wird, denn
selbständig denkende und eigenverantwortlich handelnde Menschen sind bei Weitem nicht nur in
den Religionsgemeinschaften eher ungern gesehen. ...
Das sehe ich genau so. Dahinter steckt die ebenso falsche wie naive Behauptung, dass durch simple biologische Prozesse eine Art Triebstau entsteht, der sich dann zwangsläufig entladen müsse. Diese, von der Wissenschaft längst widerlegte These, ist der Grundtenor der gesamten öffentichen Diskussion. Sexueller Missbrauch mit Kindern findet mit Abstand am häufigsten in der Familie statt. Diese Problematik wird in der aktuellen Diskussion fast nicht erwähnt.
Ebenso nicht der Anspruch von Kindern auf eine eigene Sexualität und die sexuellen Bedürfnisse von Kindern. Das ist, neben der erotischen Beziehung zwischen Eltern und Kind, eines der letzten bestehenden sexuellen Tabus.
Der Sozialwissenschaftler Günter Amendt hat dieses Thema in seiner umstrittenen Buchveröffentlichung &quot;Sexfront&quot; von 1970 in einen gesellschaftspolitischen Kontext gestellt.
Die Freiheit von Kindern auf eine eigene Sexualität bedeutet nicht die Freiheit von Erwachsenen, sich dieser Kinder zu bedienen. Da Sexualität immer in unseren gesellschaftlichen Gewaltverhältnissen und Hierarchien statffindet, ist es ein heikles Thema, das Panik auslöst. Deshalb meiner Meinung nach dieses Beharren und das Sich-Versteifen auf exotische Bereiche wie die katholische Kirche und in erster Linie homosexuelle und so gut wie keine heterosexuellen Verirrungen - fern ab vom Horror der sexuellen Gewaltverhältnisse der gesellschaftlichen und familiären (heterosexuellen) Normalität, in denen Sexualität, also nicht nur die von Mixa, stattfindet. Das Ganze wirkt gleichzeit wie eine schwulenfeindliche Kampagne, bei der Homosexualität, Unreife und Päderastie in einen Topf geworfen werden. Die katholischen Priester stehen hier, davon bin ich fest überzeugt, stellvertretend für die weitaus zahlreicheren übergriffigen heterosexuellen Familienväter und Onkels. Vom sexuellen Missbrauch von Kindern durch Frauen ganz zu schweigen.
Sexueller Misbrauch, Sexualität ganz allgemein lässt sich nicht diskutieren, ohne den Zusammenhang von Gewalt und Sexualität (auch im gesellschaftlichen Kontext) zu beleuchten. 
Wichtige Theorien und Gedanken zum Thema sind bei Sigmund Freud, Wilhelm Reich und natürlich Herbert Marcuse (&quot;Triebstruktur und Gesellschaft&quot;) zu finden. Ohne theoretische Grundlagen lässt sich das Thema Sexualität und sexueller Missbrauch von Kindern nicht diskutieren.

Marc of Frankfurt:
Sind alle Homos Pädos?
http://taz.de/1/wahrheit/artikel/1/der-homosexuelle-mann-33/

Aoife:
          Marc of Frankfurt hat folgendes geschrieben:http://taz.de/1/wahrheit/artikel/1/der-homosexuelle-mann-33/
Danke für den link, Marc!
Wobei - ich finde Homosexualität ist hier ja nur ein griffiges Beispiel, das sich beliebig auf jede Sexualität übertragen läßt.
Oder wodurch unterscheidet sich die &quot;vorsorgliche&quot; Entlassung eines offen homosexuellen und nichtpädophilen Lehrer's
von der vorsorglichen Einrichtung von Sperrbezirken &quot;zum Schutz der Jugend&quot;?
Weil *wir* ja anscheinend nichts besseres zu tun haben, als die &quot;unschuldige&quot; Jugend zu verführen ...:017 
Das eigentliche Problem sind IMHO nicht einzelne Mißbrauchsfälle durch einige Priester, so schlimm diese auch sind.
Aber gesamtgesellschaftlich gesehen sind das nur &quot;Betriebsunfälle&quot; die letztlich unvermeidbar sind, solange das
zugrundeliegende Übel, der Mißbrauch der gesamten Gesellschaft durch die Kirchen, die ihr ihre realitätsferne
Sexualmoral aufzwingen wollen, weiterbesteht ...
Eine Gesellschaft, die unkritisch die kirchliche Doktin von &quot;unschuldigen&quot; Kindern übernimmt, braucht sich nicht zu wundern,
wenn einzelne Mitglieder dieser *Nomenklatura* ihr Machtposition gerade zum Verüben von Mißbrauch (auch) an Kindern ausnutzen.
Liebe Grüße, Aoife

Kajus:
Auch von mir Danke, Marc!
Elmar Kraushaar bewertet in seinem Artikel die aktuelle Missbrauchsdiskussion in den Medien, die sich auf die sich fast ausschließlich auf (die katholische Kirche und) homosexuelle Fälle kapriziert, wie ich es in meinem vorhergehenden Posting getan habe.
Elmar Kraushaar berichtet über die Folgen:
Und mit dem Flankenschutz der aktuellen Missbrauchsvorfälle positionieren sich derzeit die politischen Gegner einer Gesetzesinitiative der Grünen, der Linken und der SPD. Die wollen, dass das im Grundgesetz verankerte Recht, niemand dürfe aufgrund seines Geschlechts benachteiligt werden, ergänzt werden soll um den Zusatz: &quot;… seiner sexuellen Identität.&quot; Die Kontrahenten beschwören dagegen die Gefahr, dass damit auch Pädophile dann das Grundgesetz für sich in Anspruch nehmen könnten.&quot;
Die Sexualität als integraler Bestandteil der Identität ist eine relativ neue Entwicklung in der westlichen Kultur. Unser Selbstverständnis des modernen Menschen ist erst sehr spät in der Zeit der Romantik entstanden. Diese kulturellen Umwälzungen, die in der Romantik ihren Ausgang nahmen, sind ein Prozess, der bis zum heutigen Tag nicht &quot;abgeschlossen&quot; oder besser gesagt, beendet ist.
Dass die katholische Kirche - die seit Augustinus diesen Standpunkt vertritt, der zum Zeitpunkt seiner Entstehung vor 1.600 Jahren anders zu bewerten ist als heute -, diese Entwicklung ignoriert und sich sehr schwer damit tut, eine Änderung hin zu unserer heutigen Realität durchzuführen, eine Anpassung sogar kategorisch ablehnt (dafür steht dieser Papst, auch in seiner langjährigen Funktion unter dem Vorgängerpapst, der seine Ideen umsetzte) mag für jemanden wie mich, der den kulturhistorischen Zusammenhang betrachten will, noch nachvollziehbar (aber nicht akzeptabel) sein.
Für unsere säkulare Welt und für den Gesetzgeber kann das aber nicht gelten. Ich befürchte, im Gegensatz zu Aoife, dass diese politische Forderung nicht, oder besser gesagt, nur in geringem Maß, durch eine wie auch immer geartete Macht und den Einfluss der katholischen Kirche entsteht. Auch in der protestantischen Kirche, die eine völlig andere Einstellung zu Sexualität und Identität zulässt, gibt es Strömungen, die diese Forderungen ablehnen. Um keinen Popanz aufzubauen und an falschen Fronten zu kämpfen: Es gibt mehr als genug rechtskonservative Kreise, die nicht von der katholischen Kirche oder der christlichen Religion dominiert sind, die aus einem sogenanntem „gesunden Volksempfinden“ heraus diesen politischen Standpunkt vertreten. Die schmücken sich dann auch gerne, weil es opportun ist, mit den entsprechenden religiösen Behauptungen und den religiösen Anhängern.
Niemand darf wegen seiner sexuellen Identität benachteiligt werden und jeder hat ein Recht auf (seine) sexuelle Identität!
Völlig absurd und wie jedes Vorurteil entweder an eine Falschbehauptung oder eine Lüge geknüpft, ist, worauf Elmar Kraushaar in seinem Artikel ebenfalls hinweist:
Die Kontrahenten beschwören dagegen die Gefahr, dass damit auch Pädophile dann das Grundgesetz für sich in Anspruch nehmen könnten.
Nein, das können sie genau so wenig wie die heterosexuellen Onkels und Familienväter, die selbstverständlich ebenfalls keinen Anspruch darauf haben, die kleine Nichte oder die eigene Tochter sexuell zu missbrauchen. Das ist ja auch nicht gemeint. Ansonsten gilt natürlich für jeden das Grundgesetz, eingeschränkt auch für Straftäter. Trotzdem besteht hier ein Dilemma. Denn, Kindesmissbrauch lässt sich nicht mehr wie zu Zeiten, als die Sexualität nicht zur Identität gehörte, einfach als Sünde, rechtlich als einzelnen sexuellen Akt, einfach verbieten. Der rechtliche und gesellschaftliche Umgang damit erfordert ein Maß an Verständnis, das viele überfordert. Dazu gehört natürlich auch der Schutz von Minderjährigen vor Missbrauch.
Bedenklich ist auch, worauf Elmar Kraushaar in seinem Artikel noch hinweist: Das Verbot von erotischen Fotos, auf denen Männer gezeigt werden, die deutlich jünger aussehen, als sie tatsächlich sind und die wie Minderjährige wirken. In der Kunst (und im Pay6) ist alles erlaubt – auch sexueller Missbrauch und Sex mit Minderjährigen. Natürlich nur als Fantasie, als Fiktion. Ein Verbot ist nichts anderes als eine Form unzulässiger Zensur. Da müsste bei uns als SW eine Alarmglocke angehen! :017Bei konsequenter Umsetzung müsste dann auch die Blechtrommel von Grass verboten werden. Diese Diskussion gab es bereits im Deutschland der Fünfzigerjahre und im Ansatz erneut in den Achtzigerjahren als Volker Schlöndorffs Verfilmung herauskam.
In Ermangelung eines anderen Begriffs, nenne ich diese Tendenzen &quot;fundamentalistisch&quot;, lasse mich aber gerne eines besser belehren. Zumal ich nicht zwingend einen religiösen Hintergrund erkennen kann. Für mich gilt dieser Begriff aber auch für politische Auffassungen ohne religiösen Einfluss.

Lycisca:
Zitat nach E. Kraushaar hat folgendes geschrieben:Die Kontrahenten beschwören dagegen die Gefahr, dass damit auch Pädophile dann das Grundgesetz für sich in Anspruch nehmen könnten.
Dazu ist das Grundgesetz ja da - die Alternative wäre Lynchjustiz. Es zeigt sich, dass die von Kajus als Fundamentalisten bezeichneten Gruppen - besonders die Sexualfundamentalisten - im Prinzip Antidemokraten sind.

Aoife:
          Kajus hat folgendes geschrieben:Ich befürchte, im Gegensatz zu Aoife, dass diese politische Forderung nicht, oder besser gesagt, nur in geringem Maß, durch eine wie auch immer geartete Macht und den Einfluss der katholischen Kirche entsteht. Auch in der protestantischen Kirche, die eine völlig andere Einstellung zu Sexualität und Identität zulässt, gibt es Strömungen, die diese Forderungen ablehnen.
Ich habe bewußt &quot;Kirchen&quot; in der Pluralform geschrieben ...
Wobei ich das nur als Basis sehe, der Ausbreitungsweg der Fehlinformation ist natürlich sehr viel differenzierter,
wenn also beispielsweise Eltern oder Lehrer, die selbst gar nicht mehr kirchlich engagiert sind, aus einer unreflektierten
Erinnerung heraus, wass denn damals in ihrer Jugend allgemein als &quot;richtig&quot; galt heraus jetzt die ihnen anvertrauten Kinder
erziehen, so können sich christliche Dogmen selbst unter Nichtchristen noch generationenlang halten.
So erklärt sich dann auch diese Beobachtung:
Kajus hat folgendes geschrieben:Um keinen Popanz aufzubauen und an falschen Fronten zu kämpfen: Es gibt mehr als genug rechtskonservative Kreise, die nicht von der katholischen Kirche oder der christlichen Religion dominiert sind, die aus einem sogenanntem „gesunden Volksempfinden“ heraus diesen politischen Standpunkt vertreten.
Und es stellt sich die Frage: Wo sind denn jetzt eigentlich die richtigen Fronten?
Da das Problem IMHO in der Fehlinformation breiter Bevölkerungskreise liegt, kann die Lösung wohl nur hier ansetzen.
Es nützt sicher nichts, die Kirchen alleine zu beschuldigen, eine Ausweitung auf säkular konservative Kreise bringt aber auch kaum mehr.
Nur Aufklärung über die tatsächlichen Rechte des Menschen können hier weiterhelfen, damit nicht auch in Zukunft unbedarfte
Menschen sich von christlichen oder rechtskonservariven Propagandisten überzeugen lassen, dass diese ja doch
&quot;irgendwie Recht&quot; haben. 
Die angesprochene Fehlinformation ist das vermeintliche &quot;Wissen&quot; vieler Menschen, dass Sex an sich *schmutzig* sei,
allenfalls durch irgendwelche Sakramente akzeptabel gemacht werden könne, und dass es ein moralisches Verbot gäbe,
Sex und Liebe unabhängig voneinander zu leben. Wobei letzteres auch noch als Einbahnstrasse zu sehen sei, die christliche
Nächstenliebe dürfe ja sehr wohl auch ohne Sexualität praktiziert werden.
Wobei ich bei der &quot;Aufklärung über die tatsächlichen Rechte des Menschen&quot; keineswegs nur an Menschenrechtsaktivismus im
engeren Sinn denke. Grundlegend ist auch, dass wir in der Bevölkerung überhaupt erst einmal als Menschen, denen
naturgemäß solche Rechte zustehen, wahrgenommen werden. Wir also nicht nur als juristisch und politisch gebildete Kämpfer
in eigener Sache erscheinen, sondern genauso auch als Menschen mit Herz und Seele erkennbar sind:001 
Ich bin überzeugt, dass letztlich nicht nur unser Erfolg, sondern der Erfolg der ganzen Gesellschaft, sich aus dem Würgegriff
christlicher Moral zu befreien, davon abhängt, ob es uns gelingt, diese beiden Seiten, trockene juristische Infos und lebendiges
Gefühl, glaubhaft zu verbinden.
Liebe Grüße, Aoife

Kajus:
Aoife hat folgendes geschrieben:Kajus hat folgendes geschrieben:Ich befürchte, im Gegensatz zu Aoife, dass diese politische Forderung nicht, oder besser gesagt, nur in geringem Maß, durch eine wie auch immer geartete Macht und den Einfluss der katholischen Kirche entsteht. Auch in der protestantischen Kirche, die eine völlig andere Einstellung zu Sexualität und Identität zulässt, gibt es Strömungen, die diese Forderungen ablehnen.
Ich habe bewusst &quot;Kirchen&quot; in der Pluralform geschrieben ...
Wobei ich das nur als Basis sehe, der Ausbreitungsweg der Fehlinformation ist natürlich sehr viel differenzierter, wenn also beispielsweise Eltern oder Lehrer, die selbst gar nicht mehr kirchlich engagiert sind, aus einer unreflektierten Erinnerung heraus, was denn damals in ihrer Jugend allgemein als &quot;richtig&quot; galt heraus jetzt die ihnen anvertrauten Kinder erziehen, so können sich christliche Dogmen selbst unter Nichtchristen über Generationen halten.
Da wird aus verschiedenen Perspektiven argumentiert. Einerseits gibt es natürlich auch bei Menschen, die nicht mehr, vielleicht sogar seit Generationen, kirchlich engagiert sind, kirchliche oder religiöse Überzeugungen, Motivationen, Glaubenssätze. Ich beobachte manchmal sogar eine gewisse Mentalität bei Personen, die sich auf katholische oder protestantische Wurzeln zurückführen lässt, obwohl diese Personen bereits seit Generationen nicht mehr kirchlich organisiert sind und auch nicht gläubig sind.
Andererseits leben wir in einer christlichen geprägten Zivilisation, unsere gesamte Kultur unterliegt starken christlichen Einflüssen. Das gilt insbesondere für die &quot;unchristlichen&quot; heidnischen Einflüsse, die sich gegen die christliche Lehre und die strikte Sexualmoral wenden, die sich gegenseitig bedingen und hochschaukeln. Unsere westliche Kultur lebt in einem starken Spannungsverhältnis zwischen christlicher Moral und heidnischen Einflüssen, die ebenfalls sehr stark sind. Wir sind von diesem Spannungsverhältnis durchdrungen.
Ausgehend von meiner Aussage:
Kajus hat folgendes geschrieben:Um keinen Popanz aufzubauen und an falschen Fronten zu kämpfen: Es gibt mehr als genug rechtskonservative Kreise, die nicht von der katholischen Kirche oder der christlichen Religion dominiert sind, die aus einem sogenanntem &quot;gesunden Volksempfinden&quot; heraus diesen politischen Standpunkt vertreten.
stellt Aoife die Frage:
Aoife hat folgendes geschrieben:Wo sind denn jetzt eigentlich die richtigen Fronten?
und führt weiter aus:
Aoife hat folgendes geschrieben:Da das Problem IMHO in der Fehlinformation breiter Bevölkerungskreise liegt, kann die Lösung wohl nur hier ansetzen.
Es nützt sicher nichts, die Kirchen alleine zu beschuldigen, eine Ausweitung auf säkular konservative Kreise bringt aber auch kaum mehr.
Nur Aufklärung über die tatsächlichen Rechte des Menschen können hier weiterhelfen
Auch ich bin insoweit ein Anhänger der Aufklärung, dass ich fest davon überzeugt bin, nur durch Wissen, Information, Erkenntnis lässt sich wenn überhaupt eine Veränderung zum Richtigen bewirken, das Richtige erkennen. Ich möchte niemanden &quot;beschuldigen&quot;, sondern aufgrund von Tatsachen und nachvollziehbaren Thesen herausfinden, was von was kommt. Es reicht nicht aus, etwas zu meinen oder zu fühlen, denn das führt uns in die Irre, auch dann, wenn man &quot;eigentlich&quot; das Gute will und meint.
Aoife hat folgendes geschrieben:damit nicht auch in Zukunft unbedarfte Menschen sich von christlichen oder rechtskonservativen Propagandisten überzeugen lassen, dass diese ja doch &quot;irgendwie Recht&quot; haben
Zuerst sollten wir uns einmal überlegen, warum wir überhaupt &quot;Recht haben&quot; sollen, warum unsere Einstellungen und unsere Überzeugungen richtig sind (wenn wir denn überhaupt gemeinsame Überzeugungen und Einstellungen haben und uns nicht nur über gemeinsame Ziele oder &quot;Gegner&quot; definieren). Ein vielleicht richtiges Ergebnis aufgrund falscher Behauptungen zu vertreten ist keine Erfolg versprechende Vorgehensweise und auf Dauer nicht überzeugend. Das reicht nur, wenn wir &quot;unter uns&quot; bleiben und wir uns gegenseitig bestätigen. &quot;gefühlt Recht haben&quot; sollte der Ausgangspunkt für eine intensive und fundierte Analyse und Auseinadersetzung sein. Und nicht der Beginn von Argumentationsketten, die auf allerlei Vorurteilen und diffusen Annahmen beruhen.
Aoife hat folgendes geschrieben:Die angesprochene Fehlinformation ist das vermeintliche &quot;Wissen&quot; vieler Menschen, dass Sex an sich *schmutzig* sei
An diesem Punkt waren wir schon einmal in dieser Diskussion. Dass der westliche Mensch Sex als &quot;schmutzig&quot; empfindet - ich habe in diesem Zusammenhang das männliche Empfinden nach dem Orgasmus und die Reaktion vieler Frauen auf die Regelblutung angeführt -, ist meiner Meinung nach kulturhistorisch zu begründen, nicht mit der christlichen Religion und der katholischen Kirche. Ich behaupte, bereits in der Antike hat ein Aristokrat im Athen der klassischen Zeit unmittelbar nach dem Orgasmus so empfunden wie der moderne Mann unserer Zeit - ob christlich geprägt oder nicht.
Ich begründe das mit unserem Naturverständnis seit der griechischen Antike und behaupte darüber hinaus, dass die katholische Kirche im Nachhinein, stark beeinflusst von den gesellschaftlichen Zuständen im späten römischen Reich, ihr Religionsverständnis auf der Grundlage dieses bereits in der jüdischen Religion, ausgehend vom alten Ägypten, bestehende Naturverständnis theologisch konstruiert hat. Dass also unser Sexualverständnis in der westlichen Welt (unabhängig von religiösen Bindungen und Einflüssen) in erster Linie kulturell, nicht christlich geprägt ist. Wir empfinden Sexualität als schmutzig, weil sich unsere Zivilisation gegen die Natur wendet. Deshalb müssen wir in einem ständigen Prozess, wie z. B. auch beim Coming-out, das niemals &quot;abgeschlossen&quot; sein kann, immer wieder neu unsere Abscheu überwinden, sie vergessen, sie verdrängen, uns in einen erotischen Zustand zwischen Wachsein und Schlaf bringen, in dem Sex stattfinden kann - angetrieben von unserem Trieb, der mit einem Cocktail aus Sexualhormonen physisch befeuert wird, beeinflusst von den Mondphasen, dem Wetter, Gerüchen, optischen und haptischen Reizen. Sex, der
Aoife hat folgendes geschrieben:allenfalls durch irgendwelche Sakramente akzeptabel gemacht werden könne
... - das ist in der Tat das Angebot der katholischen Kirche. Das geht aber weit über formale Sakramente hinaus, Sex ist nach katholischem Verständnis auch in der Ehe nur in Verbindung mit dem Wunsch nach Kindern keine Sünde, jede sexuelle Betätigung und Fantasie darüber hinaus ist, wie die Verhütung, nach katholischer Auffasung Sünde. Es geht also nicht nur um das Sakrament der Ehe, es geht um die Ablehnung der Sexualität aus Lust. In der katholischen Kirche lebt jeder in Sünde. Oder: Als Mensch sind wir auch der Natur verpflichtet und können immer nur versuchen den hohen zivilisatorischen Anspruch zu erfüllen. 
Ich sehe aber nicht, 
Aoife hat folgendes geschrieben:dass es ein moralisches Verbot gäbe, Sex und Liebe unabhängig voneinander zu leben.
Die Liebesheirat ist eine neue Erfindung, die es weder im alttestamentarischen noch im neutestamentarischen Verständnis der Ehe gibt. Während das alte Testament mit den Zehn Geboten klar definierte Regeln aufstellte, zu denen auch die umfassende Liebe gehört, verlangt das Neue Testament mit Nachdruck Nächstenliebe auch über die Eigenliebe hinaus, nicht nur oder im Besonderen zur Ehefrau oder zum Ehemann. Die katholische Kirche verlangt von ihren Anhängern, vor Gott und der Gesellschaft zum Partner zu stehen, ein Leben lang.
Das neue gesellschaftliche Konzept der Liebesheirat (das nur mit der Möglichkeit einer Trennung funktioniert) wurde nach dem Zweiten Weltkrieg durch Hollywoodfilme à la Rock Hudson und Doris Day und später in den Siebzigerjahren durch Filme wie Love Story, nach einem Weltbestseller des Literaturwissenschaftlers Erich Segal propagiert.
Aoife hat folgendes geschrieben: Wobei letzteres auch noch als Einbahnstraße zu sehen sei, die christliche
Nächstenliebe dürfe ja sehr wohl auch ohne Sexualität praktiziert werden.
Liebe darf nach christlichem Verständnis nicht nur, sie soll unabhängig von Sexualität und über die eigenen Interessen hinaus gelebt werden. Das ist die wichtige neue Botschaft des Christentums, neben dem Versprechen der Auferstehung und einem Leben nach dem Tod, das bereits im Alten Testament bestand und das aus dem ägyptischen Totenkult hervorgegangen ist.
Aoife hat folgendes geschrieben:Ich bin überzeugt, dass letztlich nicht nur unser Erfolg, sondern der Erfolg der ganzen Gesellschaft, sich aus dem Würgegriff christlicher Moral zu befreien
Ich sehe uns aber - leider - nicht im &quot;Würgegriff christlicher Moral&quot;, denn davon könnte man sich meiner Meinung nach recht leicht befreien, ich sehe uns im &quot;Würgegriff der Sexualität&quot;, aus dem man sich nur schwer, eigentlich garnicht befreien kann. Ein gutes Beispiel für die Schwierigkeit, sich aus dem &quot;Würgegriff der Sexualität&quot; zu befreien, sind die hier aufgeführten Verbrechen katholischer Priester. Ich werfe der katholischen Kirche ihren Hochmut vor, das hohe Ross, auf das sie sich gesetzt hat, weil sie glaubte, vom &quot;Würgegriff der Sexualität&quot; nicht betroffen zu sein. Die katholischen Priester sind genau so im Würgegriff der Sexualität gefangen wie wir auch.
Und der Behauptung, dass unser Erfolg
Aoife hat folgendes geschrieben:davon abhängt, ob es uns gelingt, diese beiden Seiten, trockene juristische Infos und lebendiges
Gefühl, glaubhaft zu verbinden.
füge ich hinzu, dass &quot;Gefühl&quot; allein nicht ausreicht, sondern der Erfolg auch davon abhängt, dass wir intellektuell verstehen, wie Sexualität funktioniert und unsere Argumentation auf Fakten und Erkenntnisse aufbauen. Dann kommen wir der Aufklärung und unserem Ziel vielleicht ein kleines Stück näher.
Wir machen dafür, dass Sexualität problematisch ist, aus meiner Sicht die Kirchen, insbesondere die katholische wegen ihrer strikten Sexualmoral, verantwortlich, zum Sündenbock, obwohl sie gesellschaftlich kaum noch eine Rolle spielt und lenken dadurch davon ab, dass wir uns mit der Komplexität von Sexualität im Zusammenhang mit unserem kulturellen Selbstverständnis und der kulturhistorischen Entwicklung auseinandersetzen müssen und wir vor allem akzeptieren müssen, dass die Auseinandersetzung mit der eigenen Sexualität und der Sexualität in der Gesellschaft schwierig ist und bleibt, mit oder ohne Kirche. 

Aoife:
Kajus hat folgendes geschrieben:Andererseits leben wir in einer christlichen geprägten Zivilisation, unsere gesamte Kultur unterliegt starken christlichen Einflüssen.Aoife hat folgendes geschrieben:damit nicht auch in Zukunft unbedarfte Menschen sich von christlichen oder rechtskonservativen Propagandisten überzeugen lassen, dass diese ja doch &quot;irgendwie Recht&quot; habe
Zuerst sollten wir uns einmal überlegen, warum wir überhaupt &quot;Recht haben&quot; sollen, warum unsere Einstellungen und unsere Überzeugungen richtig sind (wenn wir denn überhaupt gemeinsame Überzeugungen und Einstellungen haben und uns nicht nur über gemeinsame Ziele oder &quot;Gegner&quot; definieren).[/b]
Da sehe ich durchaus eine Assymetrie – oder mit anderen Worten: Kein Nullsummenspiel.
Ich bin nicht der Meinung, dass das Unrechthaben von Moraltheologen und Rechtspopulisten automatisch unser Rechthaben bedeutet.
Meinungsverschiedenheiten können IMHO durchaus auch offenbleiben, es ging mir hier einzig darum, dass die rechthaberische Propaganda
von dieser Seite nichts anderes ist als eben dieses. Ich wehre mich nicht gegen die andere Meinung anderer, sondern ausschließlich gegen
deren Versuche, ihre Meinung mit dem Argument der “Richtigkeit” der ganzen Gesellschaft aufzudrängen.
 Kajus hat folgendes geschrieben:Dass der westliche Mensch Sex als &quot;schmutzig&quot; empfindet - ich habe in diesem Zusammenhang das männliche Empfinden nach dem Orgasmus und die Reaktion vieler Frauen auf die Regelblutung angeführt -, ist meiner Meinung nach kulturhistorisch zu begründen, nicht mit der christlichen Religion und der katholischen Kirche. Ich behaupte, bereits in der Antike hat ein Aristokrat im Athen der klassischen Zeit unmittelbar nach dem Orgasmus so empfunden wie der moderne Mann unserer Zeit - ob christlich geprägt oder nicht.[/b]
Zumindest Cicero hat das genauso gesehen: Omne animal post coitum triste praeter gallum mulierimque. (Jedes Tier ist traurig nach dem Koitus außer dem Hahn und der Frau.)
Aber Cicero war Römer ...
Ich kritisiere ja nicht die historische Ableitung bezüglich des Mittelmeerraums, sondern:
Kajus hat folgendes geschrieben:Ich begründe das mit unserem Naturverständnis seit der griechischen Antike ... [/b]
halte ich für “nördlich der Alpen” für nicht zutreffend. “Unser” Naturverständnis hat sich erst in den letzten 300 Jahren dorthin entwickelt, und die christlichen Einflüsse
auf die Gesellschaft waren dabei nicht unbedeutend. Deshalb kann ich hierin keine ungebrochene Tradition vom alten Ägypten über die Antike bis heute sehen,
sondern eine gewaltsame (Inquisition!) “Bekehrung” einer Gesellschaft, der solches Denken eher fremd ist, die jedoch auf dieses historische Trauma im Sinne
eines Stockholm-Syndroms reagiert und sich zum Großteil mit dem Agressor identifiziert. Somit wäre die von dir beschriebene (gesellschaftliche und individuelle)
Spannung nicht der Gegensatz zwischen Natur und Kultur, sondern der zwischen natürlicher Neigung und Angst-/Panik-Attacken, die durch jeden Impuls
der Neigung zu folgen ausgelöst werden. Auch die von dir angedeutete Paradoxie, dass das von dir ganz richtig als neuzeitlich eingestufte Konzept der Liebesheirat

Kajus hat folgendes geschrieben:Das neue gesellschaftliche Konzept der Liebesheirat (das nur mit der Möglichkeit einer Trennung funktioniert) wurde nach dem Zweiten Weltkrieg durch Hollywoodfilme à la Rock Hudson und Doris Day und später in den Siebzigerjahren durch Filme wie Love Story, nach einem Weltbestseller des Literaturwissenschaftlers Erich Segal propagiert.
inzwischen in der christlich-moralischen Argumentation unter umgekehrten Vorzeichen als eine der “Gefahren” der Prostitution aufgefürt wird, dass es nämlich
“schlecht” sei, Sex von Liebe zu trennen, zeigt ja, dass es sich hier keineswegs um eine mehr oder weniger sachliche Auseinandersetzung zuwischen den jeweiligen
Vertetern von Natur und Kultur handelt, sondern dass da ein dirty fighting stattfindet als ginge es um Leben und Tod – was ja aus dem Blickwinkel von
Schwertraumatisierten auch durchaus richtig ist.

Kajus hat folgendes geschrieben:Und der Behauptung, dass unser Erfolg
Aoife hat folgendes geschrieben:davon abhängt, ob es uns gelingt, diese beiden Seiten, trockene juristische Infos und lebendiges
Gefühl, glaubhaft zu verbinden.
füge ich hinzu, dass &quot;Gefühl&quot; allein nicht ausreicht, sondern der Erfolg auch davon abhängt, dass wir intellektuell verstehen, wie Sexualität funktioniert und unsere Argumentation auf Fakten und Erkenntnisse aufbauen. Dann kommen wir der Aufklärung und unserem Ziel vielleicht ein kleines Stück näher.
Das steht außer Zweifel – und gerade darum bemühen wir uns ja auch hier ...
Mir ging es bei dieser Aussage allerdings mehr um unsere Außenwirkung:
Das trocken-juristische Einfordern von Menschenrechten wird unsere praktische Lebenssituation nicht wirklich verbessern können, wenn es uns nicht gelingt
weiten Bevölkerungsanteilen gefühlsmäßig zu vermitteln, dass wir überhaupt richtige Menschen sind, die einen Anspruch auf solche Rechte haben.
Dass wir selbst hierzu wissen sollten, was wir tun, habe ich keineswegs in Frage gestellt ...

Kajus hat folgendes geschrieben:
Wir machen dafür, dass Sexualität problematisch ist, aus meiner Sicht die Kirchen, insbesondere die katholische wegen ihrer strikten Sexualmoral, verantwortlich, zum Sündenbock, obwohl sie gesellschaftlich kaum noch eine Rolle spielt und lenken dadurch davon ab, dass wir uns mit der Komplexität von Sexualität im Zusammenhang mit unserem kulturellen Selbstverständnis und der kulturhistorischen Entwicklung auseinandersetzen müssen und wir vor allem akzeptieren müssen, dass die Auseinandersetzung mit der eigenen Sexualität und der Sexualität in der Gesellschaft schwierig ist und bleibt, mit oder ohne Kirche. 
Letzteres stimme ich gerne zu – und doch denke ich, dass diese Auseinandersetzung durch die christliche Prägung der Gesellschaft massiv verkompliziert wird.
Andererseits kann ich die Beschäftigung mit den Wurzeln gerade bei einem so komplexen Problem nicht wirklich als “Ablenken” empfinden.
Und letztlich hateben die Kirche uns dieses Problem gebracht – aus welchen klassischen oder altägyptischen Quellen auch immer sie selbst geschöpft hat.
Zum Schluß noch eine OT-Frage, würde mich aber interessieren:
Kajus hat folgendes geschrieben:..., verlangt das Neue Testament mit Nachdruck Nächstenliebe auch über die Eigenliebe hinaus, ...
Gibt es dazu einen Beleg im neuen Testament? Ich war bisher immer der Meinung, es heißt dort “Liebe deinen Nächsten wie dich selbst”
und habe das “mehr als” für eine kirchliche Erfindung gehalten.
Liebe Grüße, Aoife

Fabiene Marie:
 . 
Kajus, Du hast unter anderem geschrieben:
Zitat:
Wir machen dafür, dass Sexualität problematisch ist, aus meiner Sicht die Kirchen, insbesondere die katholische wegen ihrer strikten Sexualmoral, verantwortlich, zum Sündenbock, obwohl sie gesellschaftlich kaum noch eine Rolle spielt und lenken dadurch davon ab, dass wir uns mit der Komplexität von Sexualität im Zusammenhang mit unserem kulturellen Selbstverständnis und der kulturhistorischen Entwicklung auseinandersetzen müssen und wir vor allem akzeptieren müssen, dass die Auseinandersetzung mit der eigenen Sexualität und der Sexualität in der Gesellschaft schwierig ist und bleibt, mit oder ohne Kirche. 

Ich bin Atheistin, aber ich achte die Kirchen wegen ihrer carcativen/diakonischen Arbeit zum Wohle der Menschen. Sicherlich würden diese Aufgaben andere Organisationen erfüllen, wenn es die Kirchen nicht täten.
Ich gebe Dir auch recht, wenn es um die Sexualität in der Gesellschaft geht, müssen wir als Gesellschaft auch mit dem Finger auf uns zeigen.
Aber unterschätze die Rolle der Kirchen auch in Westeuropa nicht und insbesondere erst recht nicht ausserhalb von Europa, insbesondere in Afrika, in ihrer Rolle und Verantwortung gegenüber Schutzbefohlenen.
Liebe Grüsse
Fabiene

Kajus:
          Aoife hat folgendes geschrieben: Zum Schluß noch eine OT-Frage, würde mich aber interessieren:
Kajus hat folgendes geschrieben:..., verlangt das Neue Testament mit Nachdruck Nächstenliebe auch über die Eigenliebe hinaus, ...
Gibt es dazu einen Beleg im neuen Testament? Ich war bisher immer der Meinung, es heißt dort “Liebe deinen Nächsten wie dich selbst”
und habe das “mehr als” für eine kirchliche Erfindung gehalten.
Ich habe diese Behauptung aus mir geschöpft. Ich bin weder bibelfest, noch Christ und gehöre auch keiner Relegionsgemeinschaft an. Ich bin allerdings in Bayern zur Schule gegangen und habe zeitweise aus Interesse sehr gerne am katholischen Religionsunterricht teilgenommen. Darüber hinaus habe ich mich immer wieder als Dilettant mit religiösen Themen beschäftigt, bin also keineswegs verlässlich und lasse mich gerne belehren.
Das Gebot der Nächstenliebe des Alten Testaments richtet sich an den Nächsten, beschränkt sich also auf die Israeliten. Jesus weitet dieses Gebot in der Bergpredigt (hier: nach Matthäus 5-7) auf alle Menschen, explizit auch auf die Feinde (und damit auch auf die römischen Besatzer) aus: 
&quot;Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen. Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen, damit ihr Söhne eures Vaters im Himmel werdet; denn er lässt seine Sonne aufgehen über Bösen und Guten, und er lässt regnen über Gerechte und Ungerechte. Wenn ihr nämlich nur die liebt, die euch lieben, welchen Lohn könnt ihr dafür erwarten? Tun das nicht auch die Zöllner? Und wenn ihr nur eure Brüder grüßt, was tut ihr damit Besonderes? Tun das nicht auch die Heiden? Ihr sollt also vollkommen sein, wie es auch euer himmlischer Vater ist.&quot;
In diesem Sinn hat Papst Paul II. Ali Agca, der ein Attentat auf ihn verübt hatte, im Gefängnis besucht und ihm verziehen: &quot;Ich habe mit ihm gesprochen wie mit einem Bruder, dem ich vergeben habe und der mein Vertrauen genießt.&quot; Das halte ich für ausgesprochen christlich und neutestamentarisch.
Die Bibel, insbesondere das Neue Testament, ist eine kirchliche Kreation.

Zwerg:


nina777:
.....na denn...........loool
 :005

Zwerg:
Pfarrer vermittelt Prostituierte an Zuhälter
Ein Pfarrer aus Ostfrankreich ist zu drei Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden, weil er eine Prostituierte an einen Zuhälterring vermittelt hat.
Der Kirchenmann sagte vor dem Gericht in der lothringischen Stadt Nancy aus, er habe die junge Frau im Mai vergangenen Jahres übers Internet kennengelernt und ihr nur helfen wollen, teilten die Justizbehörden mit.
Die Prostituierte arbeitete daraufhin für eine aus Afrika stammende Frau, die in ihrem Etablissement nahe Nancy ein gutes Dutzend Prostituierte beschäftigte. Ihnen nahm die Bordellchefin bis zu 50 Prozent der Einnahmen ab.
Der Pfarrer, der regelmässig mit Prostituierten verkehrte, war zuletzt am Priesterseminar von Metz beschäftigt. Er wurde mittlerweile vom Dienst suspendiert.
http://www.bielertagblatt.ch/News/Ausland/177437

Aoife:
Bischof Mixa soll schwer alkoholkrank sein - Sexuelle Übergriffe auf Priester?
Immer neue Vorwürfe belasten Mixa: Der Ex-Bischof soll schwerer Trinker sein. Zwei Priester berichten von sexuellen Übergriffen. 
In einem dramatischen Appell vom bayerischen „heiligen Berg&quot; in Andechs hat der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, die Katholiken vor allem im Krisen-Bistum Augsburg zur Einheit aufgerufen. Während einer Wallfahrtspredigt warb der Freiburger Erzbischof für einen „Brückenbau&quot; zwischen den unterschiedlichen kirchlichen Lagern: „Reichen wir einander die Hand zur Versöhnung.&quot;
Zollitsch ging nicht direkt auf den Konflikt um den abgelösten Bischof Walter Mixa ein, aber seine Worte wurden von der Bischofskonferenz als Reaktion auf die Augsburger Vorgänge gedeutet. 
Ob Appelle allein genügen, das Bistum zu befrieden, wird allerdings immer stärker bezweifelt. Von unterschiedlicher Seite wurden inzwischen Hilferufe zum Papst geschickt. Das streng konservativ orientierte „Forum Deutscher Katholiken&quot; (FDK) ist zusammen mit den „Initiativkreisen katholischer Priester und Laien&quot; der Meinung, in dieser Situation, in der „die Einheit und die Disziplin weithin verloren gegangen sind&quot;, könne „nur Rom&quot; noch helfen.
Damit ist das &quot;Forum&quot; nicht weit von der Position des von ihm meist hart kritisierten Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) entfernt. Dessen Präsident Alois Glück hatte die Hoffnung geäußert, dass es „mit Hilfe Roms&quot; bald gelinge, zu einer abschließenden Regelung der Causa Mixa zu kommen.
Die Bischofskonferenz schwieg zu neuen Spekulationen über die Umstände, die zum Rücktritt des ehemaligen Augsburger Oberhirten geführt hatten. Möglicherweise geht von der Sitzung ihres Ständigen Rates Anfang der Woche in Würzburg Klarheit aus. Dem Gremium gehören alle Diözesanbischöfe an. Es will sich mit der Überprüfung der Leitlinien über den Umgang mit sexuellem Missbrauch in der Kirche beschäftigen.
So blieb vorerst offen, ob die Erzbischöfe Robert Zollitsch und Reinhard Marx mit ihrem Rat von Mitte April an den umstrittenen Bischof Mixa, eine „geistliche Auszeit&quot; zu nehmen, einer Anweisung von Papst Benedikt XVI. gefolgt waren - diese Version wurde vom Magazin „Focus&quot; verbreitet. Fest steht hingegen nach Informationen von WELT ONLINE, dass Zollitsch, Marx und der Augsburger Weihbischof Anton Losinger nicht aufgrund eigener Entscheidung am 29. April zum Papst gereist waren: Sie waren vom Pontifex in den Apostolischen Palast zitiert worden. Der „Focus&quot; berichtete, Benedikt habe Zollitsch und Marx veranlasst, Mixa, der sein Rücktrittsgesuch zwischenzeitlich widerrufen hatte, in die Schranken zu weisen.
Nach Informationen der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung&quot; war der - später von der Staatsanwaltschaft als haltlos erklärte - Vorwurf sexuellen Missbrauchs nicht der Grund für die Annahme des Rücktrittsantrags. Der Papst habe der Demission zugestimmt, weil ihm eine Akte mit anderen schwerwiegenden Vorwürfen gegen Mixa vorgelegen habe. „Engste Mitarbeiter&quot;, so das Blatt unter Berufung auf ein Dossier der Berliner Nuntiatur für das Kirchenoberhaupt, hätten Mixas Alltag als den eines schwer alkoholkranken Mannes („Spiegeltrinker&quot;) geschildert, dessen Arbeits- und Wahrnehmungsfähigkeit massiv beeinträchtigt sei.
Unabhängig voneinander hätten sich zwei Priester genau bezeichneten Personen offenbart und von sexuellen Übergriffen berichtet, die ihnen gegen ihren Willen, jedoch in einem Zustand emotionaler Abhängigkeit, angetan worden seien. Es ist von „weicher Vergewaltigung&quot; die Rede. Derartige Vorwürfe kursierten seit langem, ohne dass bisher ein konkreter Nachweis erbracht werden konnte.
Mixa, der zum Entsetzen seiner früheren Amtsbrüder in der vergangenen Woche in sein altes Bischofshaus zurückgekehrt war, bemüht sich inzwischen um eine neue Wohnung. Er war von der Bistumsleitung um Diözesanadministrator Josef Grünwald aufgefordert worden, „umgehend&quot; auszuziehen und sich einen Wohnsitz außerhalb des Bistums zu suchen.
Eine Wiedereinsetzung in sein altes Amt scheint ausgeschlossen, auch wenn der emeritierte Bischof Anfang Juli von Papst Benedikt empfangen werden sollte. „Es gibt für Mixa kein Zurück&quot;, wurde WELT ONLINE aus dem persönlichen Umfeld des Pontifex bekannt. 
Quelle: http://news.de.msn.com/panorama/pan....x?cp-documentid=153852346

Marc of Frankfurt:
- Ev. Bischöfin aus Hamburg Jebsen ist zurückgetreten, nachdem und weil in ihrem Dienstbereich Mißbrauchsfälle vorkamen, über die sie bescheid wußte und nicht hart genug verfolgt hatte. Sie sieht ihre Glaubwürdigkeit verloren, die sie vor Gott und Gemeinde gelobt hatte.

- Vatikan hat das Kirchenrecht verschärft
Längere Verjährungsfristen etc.

- Gutes Video eines Biologen: &quot;Warum werden Kinder mißbraucht?&quot;
http://diewahrheit.at/video/missbrauch

- Guter Artikel: Pädophilie - Dämonisiert und verharmlost
Was ist eigentlich Pädophilie? Was sind ihre Ursachen? Kann man sie therapieren? Die vielen Fälle sexuellen Missbrauchs, die ans Licht gekommen sind, verlangen nach Aufklärung - auch durch die Wissenschaft. Eine Analyse von Martina Lenzen-Schulte.
http://www.faz.net/s/RubC4DEC11C008....Tpl~Ecommon~Scontent.html

Marc of Frankfurt:
Ein Gespräch mit dem Kirchenkritiker Karlheinz Deschner
www.deschner.info

BERLIN 23 Mär 2010 (gbs/hpd) Anlässlich des kirchlichen Missbrauchsskandals führte die Deutsche-Presse-Agentur (dpa) ein Gespräch mit Karlheinz Deschner. Offensichtlich waren dessen Antworten jedoch zu pointiert, weshalb dpa plötzlich von der zugesagten Verbreitung des Interviews abrückte. Der Humanistische Pressedienst (hpd) dokumentiert nachfolgend, was deutschen Zeitungslesern vorenthalten wurde:
http://hpd.de/node/9114
...
Die katholische Kirche hatte –aus bösem Grund– über Jahrhunderte eine eigene Gerichtsbarkeit, mit der man verhinderte, dass derart Belastendes vor den Gläubigen ausgebreitet wurde. Die Heuchelei gehört bis heute zu den widerlichsten, doch wesentlichen Charakterzügen des Christentums.
Gemäß der alten Devise „si non caste caute“, wenn schon nicht keusch, dann wenigstens vorsichtig, unterschieden viele Päpste zwischen einer heimlichen und einer bekannt gewordenen Sünde, bei der sie die Strafe verdoppelten, ja verdreifachten. Gegen das Sündigen im Allgemeinen hat man selbstverständlich nichts, im Gegenteil, es ist den Herren sehr willkommen; davon leben sie.
...
Papst Sixtus IV, Erbauer der Sixtinischen Kapelle und eines Bordells, noch seine Schwester und Kinder besprang, sein Neffe, Kardinal Pietro Riario, sich buchstäblich zu Tode koitierte und auch noch, Ehre wem Ehre gebührt, eines der schönsten Grabdenkmäler der Welt bekam.
...
Die Hauptursache all der Missstände, um die es hier geht, liegt in der kirchlichen Moral selbst. Sie ist weitgehend widernatürlich, sie hemmt die Sexualenergie, setzt sie in Destruktivität um, und sie führt in letzter terribelster Konsequenz vom Lustmord zur Mordlust.
...
Die christliche Sexualrepression führt aber nicht nur zur Steigerung des Kampfgeistes im Krieg, sie führt auch zu einem permanenten Krieg gegen sich selbst.


Filmausschnitt aus einer mehrteilige TV-Dokumentationen über Deschner:
Was hat Christentum mit Moral zu tun?:
http://www.youtube.com/watch?v=_6Use2e5RvY - Vorspulen bis Minute 05:15

Marc of Frankfurt:
Schwuler Organist rechnet ab:
Buch &quot;Pfaffenmilch&quot; von Markus Enders
Er ist Katholik und bekennender Homosexueller. Über eigene Erfahrungen mit Kirche, Missbrauch und Ausgrenzung aus der Salzburger Kirche St. Sebastian hat er ein Buch geschrieben:

http://www.chiemsee-nachrichten.de/zet_report_387_46196.html


Aussage des Salzburger Weihbischofs:
http://www.sexworker.at/phpBB2/viewtopic.php?p=86118#86118

Marc of Frankfurt:
Urteile nach 7jährigem Prozess in Portugal:
Sexueller Missbrauch, Anstachelung zur Prostitution und Zuhälterei in insgesamt 600 Fällen waren angeklagt.
32 Minderjährige waren im staatlichen Heim &quot;Casa Pia&quot; missbraucht worden.

Alle 7 Angeklagten wurden verurteilt zwischen 18 Jahren und 5 Jahren. Ein Gärtner und Fahrer, ein ehemaliger Fernsehmoderator, ein früherer UNESCO-Botschafter, ein Anwalt, ein Arzt und eine Hausbesitzerin wo die Orgien und der Mißbrauch stattfand.

http://www.stern.de/panorama/mammut....n-verurteilt-1600146.html
http://diepresse.com/home/panorama/....me/panorama/welt/index.do
Jan 09
http://www.welt.de/welt_print/artic....dies-fuer-Paedophile.html


.

Marc of Frankfurt:
Papstbesuch in England und Protest dagegen
http://www.wochenblatt.de/nachricht....ossbritannien;art29,12802

Ariane:
Papst vergleicht Atheisten mit Nazis. Auch sehr schön.
BBC Row after Pope's remark
der Guardian pope Benedict XVI goes to war
Richard Dawkins schlägt vor, den Papst zu verhaften. Richard Dawkins calls for arrest of Pope ...
Richard Dawkins wurde bekannt mit seinem Buch &quot;Der Gottenwahn&quot; (&quot;The God Delusion&quot;), das auch die Kreationisten entlarvt. Wer das Buch noch nicht gelesen hat, kann ich es als empfehlenswerte Lektüre ans Herz legen. Eine Übersicht findet man unter Wiki Parallel dazu empfehle ich die Lektüre des neuen Buches von Stephen Hawking &quot;The Grand Design&quot;, wo er seine frühere Hypothese verwirft, demnach für den Ursprung des Universums ein Schöpfergott nicht auszuschliessen ist, mittlerweile jedoch zu der Einsicht gekommen ist, daß es für die Entstehung des Universums keines Gottes benötige. Unterhaltsame Lektüre für fortgeschrittene Atheisten, die wissen, daß manche Wissenschaftler mit zunehmendem Alter weiser werden.

Marc of Frankfurt:
- Nur jeder dritte Fall von Kindesmissbrauch wird bestraft.
- 86% der Täter stammen aus der Familie des Opfers.

Studie Thomas Bajanowski Rechtsmedizin Uni Essen
http://www.net-tribune.de/nt/node/2....smissbrauch-wird-bestraft

Josef_K.:
          Ariane hat folgendes geschrieben:
Richard Dawkins schlägt vor, den Papst zu verhaften. Richard Dawkins calls for arrest of Pope ...

Bist Du sicher, hier den richtigen Link eingefügt zu haben? Irgendwie erscheint bei Aufruf ein anderer Artikel ...
Richard Dawkings ... muss man den kennen? Ich habe jedenfalls nie von ihm gehört. Seinen Vorschlag, den Papst zu verhaften, halte ich jedenfalls für derart absurd, dass ich befürchte, Mr. Dawkings hat nicht alle Tassen im Schrank.
Denn:
Wenn das internationale Recht die Immunität von Regierungsmitgliedern in Ausnahmefällen inzwischen nicht mehr pauschal als Hindernis für eine strafrechtliche Verfolgung ansieht, darf man doch nicht außer Acht lassen, dass diese Ausnahme nur für Mitglieder &quot;böser&quot; Regierungen gilt. So galt Augusto Pinochets Staatsführung, in die seine Taten fallen, gemeinhin als Unrechts-Regime.
Solche Ausnahmen gelten doch selbstverständlich nicht für Mitglieder befreundeter (also &quot;guter&quot;) Regierungen. Sonst hätten es doch Gestalten wie George W. Bush und Ariel Sharon niemals wagen dürfen, ihren Fuß auf fremdes Staatsgebiet zu setzen. Insbesondere sie hätte man nach diesen Regeln umgehend wegen Verdachts der Beteiligung an Kriegsverbrechen festsetzen müssen. Und auch der britische Regierungschef würde sich ob der Beteiligung britischer Kräfte im Irak mancherorts auf sehr dünnem Eis bewegen. Gerade als Brite sollte man sich daher mit solchen Forderungen eher bedeckt halten ... und an die Geschichte mit dem Glashaus und den Steinen denken.
Das Gleiche ist eben lange nicht dasselbe. Wer wirklich ernst genommen werden will (und nicht nur intern mal Faxen macht:001), sollte mit derartigem lieber vorsichtig sein. So berechtigt solche Forderungen im konkreten Einzelfall auch sein mögen -vor großem Podium sollte man sich damit zurückhalten, wenn sie de facto keinerlei Chance auf reale Umsetzung haben. Einfach nur Recht zu haben ist in den allermeisten Fällen nicht genug ... insbesondere wenn diejenigen fehlen, die an der Umsetzung ein eigenes Interesse besitzen.
J.K.

Aoife:
(Nicht nur) zur Vermischung von Homosexualität und Pädophilie in der Diskussion um kirchliche Mißbrauchsfälle äußert sich Rev. William Welsh, Ex-Bischof von Killaloe in der Diözse Clare in diesem Interview (English):
http://www.irishcentral.com/news/-R....afterlife--106874243.html
Der hier zum Thema relevante Ausschnitt:
“From the time I was 12 years old until my mid to late-20s, I lived in a totally male environment and I think that has some significance in your growing to sexual maturity. I’m very nervous about saying this – it’s an issue that hasn’t been faced – but practically all the abuse that I’ve come across has been abuse of boys, and boys of 14, 15-years-old. Now, that raises some serious questions, and if you really went into them you would be accused of mixing up homosexuality and paedophilia. If a priest abuses a 16- or 17-year old, is that homosexual? It’s certainly not paedophilia. Where does the division come? It is a very hazardous area – and there’s no question in my mind that I’m not equating homosexuality with sexual abuse by priests. No, I’m not. But I’m saying that at a certain point the distinction is not that clear.
“There’s the whole argument: is our sexual orientation there from birth or does it come about from early sexual experience? I think and believe it’s not one or the other, but I think that early sexual experience is a factor and that there is a risk in an all-male environment of sexual experimentation, and that can in some way affect their sexual development. I mean, some people would argue that a male who abuses a 15-year-old is really himself a 15-year-old sexually.”
Liebe Grüße, Aoife

Marc of Frankfurt:
Nach den NS-Enthüllungen des deutschenAußenministeriums hier der zweite große historische Schock:

Franziskaner-Kloster und Behinderten-Anstalt schickt während der NS-Zeit 900 behinderte Kinder in die Vergasungskammern und -busse, um Klostergebäude rentabler an wohlhabende Münchner Rentner vermieten zu können. 
Bis heute nach 60 Jahren wurden die Verbrechen vertuscht und 15 Jahre aktiv verheimlicht. 
Der Heimleiter und Prälat Josef Steininger hat sich als Widerstandskämpfer inszeniert, obwohl er mit den Nazis kollaborierte...

Video:
http://www.3sat.de/mediathek/?mode=play&amp;obj=21959
Info:
Die ermordeten Kinder von der Anstalt Schönbrunn bei Dachau und der Psychiatrischen Klinik München-Haar.
Anstaltsarzt und SS-Mann Hans-Joachim Sewering schickte Kinder in den Tod und machte nach dem Krieg Karriere als Präsident der Bundesärztekammer...
http://www.3sat.de/page/?source=/ku..../themen/150043/index.html


Vergleiche auch die herausragende historische Forschung von Karlheinz Deschner: Kriminalgeschichte des Christentums (mit Videos):
http://sexworker.at/phpBB2/viewtopic.php?p=79746#79746

Gerd2:
Hallo !
Auch in Bielefeld - Bethel wurde das Euthanasie Programm
der Nazis durchgeführt.
Obwohl in der Chronik etwas anderes steht.
Ein Gedenkstein auf dem Bethel-Platz wurde immer wieder beschädigt oder zerstört.
Gruß
Gerd2

Aoife:
          Marc of Frankfurt hat folgendes geschrieben:Anstaltsarzt und SS-Mann Hans-Joachim Sewering schickte Kinder in den Tod und machte nach dem Krieg Karriere als Präsident der Bundesärztekammer...
Danke, Marc, dieser Hinweis hilft mir Vieles aus meiner eigenen Lebensgeschichte zu verstehen:puke 
Liebe Grüße, Aoife

Marc of Frankfurt:
Ein Mann wurde vor 5 Jahren auf einer Parkbank gefunden, 
er hatte sein Gedächtnis verlohren, wußte nicht mehr wer er war und was er kann und was er je gefühlt hatte ...
Jetzt hat er sich wieder gefunden und erinnert.
Er war Vergewaltigungsopfer in einem klösterlichen Erziehungsanstalt

Die traurige Lebensgeschichte des Hamburgers Jürgen (Jonathan) Overfeld.
Er war in den 60er Jahren Heimkind im katholischen Salvator-Kolleg Klausheide bei Paderborn:
http://www.3sat.de/page/?source=/ku..../themen/149888/index.html
http://de.wikipedia.org/wiki/Jonathan_Overfeld

Buch: Kuno Kruse
&quot;Der Mann, der sein Gedächtnis verlor&quot;
Hoffmann und Campe 2010
www.amazon.de/dp/3455501591/


_________________


Runder Tisch:
Regierung will Rechte von Missbrauchsopfern stärken
Opfer Norbert Denef fordert auch eine Beteiligung der Opfern am Runden Tisch!
www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,732346,00.html
www.rundertisch-kindesmissbrauch.de


.

Aoife:
Erzbistum München vertuschte sexuellen Missbrauch
Im Erzbistum München-Freising ist über Jahrzehnte sexueller Missbrauch bewusst vertuscht worden. &quot;Wir haben es mit umfangreichen Aktenvernichtungsaktionen zu tun&quot;, sagte die vom Bistum beauftragte Gutachterin zur Aufarbeitung der Missbrauchsfälle, Rechtsanwältin Marion Westpfahl, bei der Präsentation der Ergebnisse ihrer Arbeit. 
Die Rechtsanwältin betonte, dass die Gutachter von den jetzigen Verantwortlichen des inzwischen von Kardinal Reinhard Marx geführten Bistums jede angefragte Information bekommen hätten.
Kardinal Marx sagte, die Kirche wolle aus den Verfehlungen der Vergangenheit lernen. &quot;Wir bitten als Kirche um Vergebung für das, was Mitarbeiter der Kirche getan haben.&quot;
Quelle und vollständiger Text:
http://web.de/magazine/nachrichten/....sexuellen-missbrauch.html
Meine Gedanken zum letzten Satz:
Vergeben können nur die Betroffenen, vielleicht hilft es ihnen zu vergeben, vielleicht hilft es ihnen aber auch darauf zu bestehen, dass ihnen schweres Unrecht geschehen ist. Die Rücksicht auf die Gefühle von angeblich bedauernden Kirchenleuten sollte jedenfalls nicht als Motivation für Vergebung herhalten müssen.
Und was den Lernwunsch der Kirche angeht, so sage ich ganz offen, dass ich das für eine rhetorische Floskel halte. Denn der einzig bedeutsame Lernerfolg wäre die Einsicht, dass der christliche Glaube keinerlei moralische Überlegenheit verleiht - möglicherweise sogar das Gegenteil der Fall ist. Diese Einsicht ist bei den führenden Kirchenleuten vielleicht sogar schon vorhanden, aber sie wird niemals offen als Tatsache eingestanden werden, weil der politische Einfluß und der finanzielle Gewinn (und nicht zuletzt auch der Fortbestand der Gelegenheiten Mißbrauch zu betreiben) daran hängen, dass die Massen das Gegenteil glauben.
Liebe Grüße, Aoife

Marc of Frankfurt:
Über das Drama in Deutschen Kinder-Heimen in den 50er und 60er Jahren hatte schon unser User Advocat berichtet, der jetzt in Australien lebt:
www.sexworker.at/phpBB2/viewtopic.php?p=42334#42334

Jetzt wird es ein letztes Treffen des Runden Tisch Heimkinder beim deutschen Bundestag geben.
Offen ist die Frage der Sühne, die Entschädigungsfrage.
Da tuen sich die Träger der Heime wie z.B. Katholische Caritas besonders schwer. Bisher gab es nur verbale Entschuldigungen.
Dabei mußten die Kinder Zwangsarbeit leisten und ihre Heime in Eigenarbeit bewirtschaften und die jüngeren Kinder selbst versorgen. Da haben die Träger und der Steuerzahler Milliarden von Personal-Kosten über 30 Jahre an 100.000en Kindern eingespart, die dafür natürlich auch keine Rentenpunkte erhielten.
Eine monatl. Rente von 300 Euro oder (15J.) 54.000 Euro Einmahlzahlung wird diskutiert aber wohl abgelehnt... (NS-Zwangsarbeiter in der deutschen Rüstungsindustrie bekamen nur einmalig 2.000 Euro).

Video:
www.3sat.de/webtv/?101206_heimkinder_kuz.rm
Info:
www.3sat.de/page/?source=/kulturzeit/themen/150204/index.html


Verein ehemaliger Heimkinder e.V. (VEH)
www.veh-ev.org und neu: www.veh-ev.info
www.rundertisch-heimerziehung.de

Finanzinformation zu Caritas und Diakonie, 
die sich auch um Prostituierte bemühen:
www.sexworker.at/phpBB2/viewtopic.php?p=91434#91434

Aoife:
Für diejenigen, die English lesen können, hier ein aktueller Fall aus Dublin:
http://www.sexworker.at/phpBB2/viewtopic.php?p=91496#91496
Liebe Grüße, Aoife

Marc of Frankfurt:
Wurden die Akten des Erzbistums München-Freising bereinigt um den Papst zu schützen?

Das zumindest behauptet der Blog/Online-Zeitung Berliner Umschau:

Akten über die Verfehlungen des Papstes vernichtet
Von Karl Weiss
 
Der neue Kardinal Marx von München-Freising lud anlässlich der Vorstellung eines Gutachtens von Rechtsanwältin Marion Westphal über die Fälle sexueller Gewalt gegen Kinder und Jugendliche durch katholische Pfarrer, Lehrer, Laienhelfer und Aufsichtspersonen des Erzbistums München-Freising zur Pressekonferenz.
Betroffene Opfer waren nicht zugelassen, nur Journalisten.
Alle, wirklich alle Eintragungen in Personalakten, die den damaligen Kardinal Ratzinger betrafen, den heutigen Papst Benedikt, wurden entfernt, bzw. vernichtet. Eine Aktion vergleichbar mit jener der Stasi, als die DDR in Auflösung begriffen war. Lediglich eine einzige Erwähnung von Kardinal Ratzinger blieb in den Akten, als er ausnahmsweise einmal darauf bestand, der schuldige Pfarrer würde wirklich nicht mehr im Pfarreidienst bleiben können.
...
Anzahl Täter im Erzbistum München-Freising:
159 Priester
96 Religionslehrer im Kirchendienst
15 Diakone
6 Laien-Mitarbeiter
= 276
[in einem von insgesamt 27 Bistümern in D; (27 x 276 = 7.400)]
...
http://www.berlinerumschau.com/news....amp;storyid=1001291708966


_________________


Katholische Kirche in Deutschland:

Rot: 7 Erzbistümer/Metropolitansitze/Kirchenprovinzen und darin 
Blau: 20 Suffraganbistümer

http://www.vaticanhistory.de/vh/html/kirche_deutschland.html
http://de.wikipedia.org/wiki/Bist%C....hen_Kirche_in_Deutschland
http://de.wikipedia.org/wiki/Katholizismus

Aoife:
Wikileaks enthüllt, dass der Vatikan nicht nur die Beteiligung an der Aufklärung des irischen Mißbrauchskandals verweigert hat, sondern darüber hinaus aktiv Einfluß auf die Regierung genommen hat, so dass nur ein minimaler Ausschnitt des Gesamtskandals vor der Untersuchungskommisson verhandelt wurde:
WIkiLeaks reveals Vatican refused to take part in Irish pedophile investigation
Irish government forced to allow them immunity after papal pressure
By
ANTOINETTE KELLY
,
IrishCentral.com Staff
Published Sunday, December 12, 2010, 7:12 AM
Updated Sunday, December 12, 2010, 7:56 AM
US embassy cables released by WikiLeaks revealed that the Vatican would not allow its officials to testify before an Irish commission investigating child abuse by clerics, according to The Guardian.
The cables revealed that the 2009 Murphy commission’s requests for information &quot;offended many in the Vatican,&quot; who felt that the Irish government had &quot;failed to respect and protect Vatican sovereignty during the investigations.”
The commission substantiated many of the abuse claims despite the lack of co-operation from the Vatican, and in a report, identified 320 people who complained of child sexual abuse between 1975 and 2004 in the Dublin archdiocese.
Vollständiger Text hier: http://www.irishcentral.com/news/WI....vestigatio-111746934.html
Liebe Grüße, Aoife

Aoife:
          Aoife hat folgendes geschrieben:Wikileaks enthüllt, dass der Vatikan nicht nur die Beteiligung an der Aufklärung des irischen Mißbrauchskandals verweigert hat, sondern darüber hinaus aktiv Einfluß auf die Regierung genommen hat, so dass nur ein minimaler Ausschnitt des Gesamtskandals vor der Untersuchungskommisson verhandelt wurde
Der Vollständigkeit und Gerechtigkeit halber sei erwähnt, dass der Vatikan dies inzwischen dementiert (English):
http://www.irishcentral.com/news/Va....f-Holy-See-111839429.html
Formal ist die Aussage sicherlich o.k.:
Anders als viele reißerische Schlagzeilen glauben machen möchten, enthüllt WikiLeaks keine &quot;Tatsachen&quot;, sonder zeigt nur, welche Einschätzungen US-amerikanisches Botschftspersonal glaubte nach Hause melden zu sollen.
In vielen Fällen ist das beachtenswert, niemandem sollte vorgeworfen werden etwas getan zu haben, nur weil ein Botschfter notiert hat irgendjemand habe gesagt, dass er glaube X habe dies oder jenes getan.
Aber ist diese &quot;Klarstellung&quot; auch auf die Vorgänge um den parlamentarischen Untersuchungsausschuß zum Mißbrauchsskandal anzuwenden? Oder wirft der Vatikan hier vielmehr eine Nebelbombe?
Ich persönlich bin von letzterem überzeugt:
Die Republik Irland ist das weltweit erste (und meines Wissens bisher auch einzige) Land, das einen Untersuchungsausschuß zu den kirchlichen Mißbrauchsfällen und die staatliche Verstrickung darin eingesetzt hat. Mit Sicherheit gegen erhebliche innere Widerstände. Und nachdem der Ausschuß seine Arbeit beendet hat wird nur ein Bruchteil der Ergebnisse veröffentlicht. Mit der Begründung des sei notwendig zum Täterschutz.
Meine Überlegung: Hätte es im Parlament ausreichend starke Kräfte gegeben, um diesen Täterschutz durchzusetzen, so hätten diese von vornherein den ganzen Untersuchungsausschuß verhindert. So wie es ja auch in Deutschland der Fall ist. Es bleibt der Kirche überlassen, einzelne pädophile Priester als Bauernopfer zum Abschuß durch die Justiz freizugeben. Das System bleibt über jeden Zweifel erhaben und ein Untersuchungsausschuß, wie diese jugendgefährdende Organisation staatlich gefördert wird, findet einfach nicht statt.
In der Republik Irland hingegen hat sich eine ausreichende Mehrheit für die Einsetzung des Ausschusses gefunden. Wieso dann nicht für die Veröffentlichung der Ergebnisse? Das spricht IMHO für eine starke äußere Einflußnahme. Und für diese kommt praktisch nur der Vatikan in Frage.
Wenn aber der Vatikan Reue nur als Lippenbekenntnis zeigt und die Veröffentlichung der Ergebnisse zu verhindern sucht, so ist das Dementi, die Behauptung die Untersuchungskommission nicht behindert zu haben, wenig glaubwürdig.
In diesem Fall halte ich die inhaltliche Aussage von WikiLeaks für recht glaubwürdig, obwohl sie von einem US-Diplomaten stammt.
Liebe Grüße, Aoife

Aoife:
          Aoife hat folgendes geschrieben:Der Vollständigkeit und Gerechtigkeit halber sei erwähnt, dass der Vatikan dies inzwischen dementiert (English):
http://www.irishcentral.com/news/Va....f-Holy-See-111839429.html
Auch wenn WikiLeaks keine objektive Quelle ist, es bleiben genügend andere Beweise für die Verstickung des Vatikan in die abscheulichen Verbrechen seiner Priester.
So wurde nicht nur der Kinder mißbrauchende Priester Tony Walsh inzwischen zu 16 Jahren Gefängnis verurteilt. Es wurde auch klar, dass er trotz der psychiatrischen Aussage er sei hochgefährlich und dürfe nicht in die Nähe von Kindern und Jugendlichen gelassen werden vom Dubliner Erbischof Dermot Ryan weiterhin gedeckt und in der Gemeindearbeit eingesetzt wurde.
Als Dermot Ryan 1984 von Desmond Connell als Dubliner Erzbischof abgelöst wurde, bat dieser den Vatikan Tony Walsh zu entlassen, was vom Vatikan aber abgelehnt wurde.
Quelle: http://www.irishcentral.com/story/n....-laid-bare-112066499.html
Bei dieser Sachlage erscheint es geradezu hämisch, wenn der Vatikan die WikiLeaks-Veröffentlichungen versucht als subjektive Meinungen der Diplomaten zu relativieren. Zumindest in diesem Fall dürften sie der Realität recht nahe kommen.
Liebe Grüße, Aoife

Aoife:
          Aoife hat folgendes geschrieben:So wurde nicht nur der Kinder mißbrauchende Priester Tony Walsh inzwischen zu 16 Jahren Gefängnis verurteilt.
Erst jetzt, nach parlamentarischem Untersuchungsausschuß und gerichtlicher Verurteilung eines Täters, trauen sich viele Betroffene über ihre traumatischen Erfahrungen zu sprechen, bei den zuständigen Beratungsstellen stehen die Telefone nicht still:
http://www.irishcentral.com/news/Ab....with-calls-112175989.html
Unter den Anrufern ist auch ein erheblicher Anteil an Eltern, die ihren Kindern damals die Mißbrauchserzählungen nicht geglaubt haben. Einige dieser Kinder haben sich zwischenzeitlich suizidiert, eine höchst belastende Situation für diese Eltern.
Es gibt wenig Gründe anzunehmen, dass Deutschland sich in irgendetwas anderem als der Dunkelziffer von diesen katastrophalen Zuständen unterscheidet, die Verflechtung von Staat und Kirche ist in D ja eher noch ausgeprägter als in IRL.
Abgesehen von der Tatsache, dass so etwas prinzipiell weder rückgängig zu machen noch mit Geld aufzuwiegen ist, alleine die Kosten das kirchlich verursachte Elend therapeutisch zumindest zu lindern, sowie die Ausfälle an Arbeitsfähigkeit durch kirchliche Traumatisierung, belasten die Gemeinschaft erheblich.
Bedenkt man nun noch, dass die Kirchen für ihre vielgerühmten sozialen Leistungen exakt die gleichen Beträge abrechnen, die jeder andere Anbieter auch dafür bekommen würde, so überwiegt vom verursachten menschlichem Elend ganz abgesehen auch unter rein finanziellen Gesichtspunkten eine Sozialschädlichkeit der Kirchen.
Liebe Grüße, Aoife

Aoife:
Schon vergangenen Freitag veröffentlicht, jedoch sehe ich mich erst jetzt in der Lage darüber zu berichten:
Das 19. Kapitel des Murphy Report's
Hier zeigt sich, wie mindestens 5 Priester der Erzdiözese Dublin einen Pädophilenring gebildet haben um sich gegenseitig zu decken und Räumlichkeiten für ihre Vergehen zur Verfügung zu stellen.
http://www.irishcentral.com/news/Ne....phile-ring-112235994.html
Liebe Grüße, Aoife

Marc of Frankfurt:
Aus dem Katechismus geht hervor, dass es sich falls es Kinder betrifft, nicht um die eigentliche Sünde, sondern nur um &quot;ein hinzukommendes Ärgernis&quot; handelt.

Katechismus zur Prostitution:
2355 
Prostitution verletzt die Würde der Person, die sich prostituiert und sich dadurch zum bloßen Lustobjekt anderer herabwürdigt. 
Wer sie in Anspruch nimmt, sündigt schwer gegen sich selbst: er bricht mit der Keuschheit, zu der ihn seine Taufe verpflichtet hat, und befleckt seinen Leib, den Tempel des Heiligen Geistes [Vgl. 1 Kor 6,15-20.]. 
Prostitution ist eine Geißel der Gesellschaft. Sie betrifft für gewöhnlich Frauen, aber auch Männer, Kinder oder Jugendliche (in den beiden letzteren Fällen kommt zur Sünde noch ein Ärgernis hinzu). 
Es ist immer schwer sündhaft, sich der Prostitution hinzugeben; 
Notlagen, Erpressung und durch die Gesellschaft ausgeübter Druck können die Anrechenbarkeit der Verfehlung mindern.
http://www.vatican.va/archive/DEU0035/_P8B.HTM


___
Entgegen der Bayerischen Kondomverordnung erlaubt der Papst Kondome nur für HIV+ Prostituierte und Prostitutionskunden:
http://www.sexworker.at/phpBB2/viewtopic.php?p=92143#92143

Aoife:
Auch wenn das Thema alles andere als lustig ist: Hier die neuen Verkehrszeichen des Vatikanstaates:


Liebe Grüße, Aoife

Gerd2:
Hallo, Zusammen !
Gerade im Netz gefunden:
Mann oder Frau, die im polizeilichen Führungszeugnis einen
Eintrag über § 184e STGB haben, dürfen bei der kath. Kirche
nicht in der Kinder-und Jugendarbeit tätig werden.
http://www.bistum-hildesheim.de/bho....ndeswohlgefaehrdungen.pdf
Gruß Gerd2

Aoife:
Ein neu aufgefundenes Schreiben von 1997 beweist, dass der Vatikan pädophile Priester nicht nur gedeckt hat, sondern anständigen Priestern die Einschaltung weltlicher Behörden unter kanonischer Strafandrohung verboten hat.
http://english.aljazeera.net/news/e....1/201111964351899702.html
Diese Dokument bezieht sich zwar zunächst nur auf die Vorgänge in Irland, da es aber erstmalig beweist, dass der Vatikan Täter keineswegs nur durch Schweigen (ge)schützt (hat), sondern aktiv Priester die mit Behörden zusammenarbeiten wollen mit Sanktionen bedroht hat, ist es auch weltweit von Bedeutung bei der Diskussion, ob die derzeitige katholische Kirche eine kriminelle Vereinigung darstellt.
Auch wenn der Vatikan öffentlichkeitswirksam auf seiner kirchenrechtlich nicht bindenden website Bischöfe zur Zusammenarbeit mit der Polizei aufruft - die offiziellen Kirchenrechtsvorschriften enthalten trotz Überarbeitung im Sommer 2010 nichts dergleichen.
Liebe Grüße, Aoife

Aoife:
Einem Priester in Nord-Cork wird in mindestens 8 Fällen die Vergewaltigung von jungen Mädchen vorgeworfen. Der zuständige Bischof soll dieses gedeckt haben.
Die Staatsanwaltschaft hat die Anzeigen zunächst zurückgewiesen, hat sich aber gezwungen gesehen die Fälle neu aufzurollen, nachdem die Betroffenen mit ihren Vorwürfen an die Öffentlichkeit gegangen sind.
http://www.irishcentral.com/news/Ne....in-Ireland-114413414.html
Die Tatsache, dass in Deutschland die Verflechtung zwischen Staat und Kirche noch viel ausgeprägter ist, lässt Schlimmes befürchten.
Liebe Grüße, Aoife

Marc of Frankfurt:
Priestersex und Bruch des Beichtgeheimnis

Untergebener Kaplan soll Beichtgeheimnis gebrochen haben, nachdem er in der Beichte eines jungen Mannes von den sexuellen Verfehlungen seines Vorgesetzten und Pastors Bernward Mezger, damals Propst in St. Clemens (38.000 Katholiken) in Oberhausenerfahren hatte.

Schon vor sieben Monaten war Propst Mezger in den Schlagzeilen. Er soll Sex-Partner auf der Schwulen-Website gayromeo gesucht ha­ben. Dann wurde er vom Essener Bischof Overbeck beurlaubt, nach Gelsenkrichen versetzt und seit 1. März dient er im pfälzischen Zweibrücken als Militärseelsorger (Overbeck ist Leiter der deutschen Militärseelsorge).
Die Kirche mauert und schweigt. Jetzt wird im Auftrag des Vatikans ermittelt, nachdem der Beichtende vor mehr als 6 Monaten einen Brief an die Glaubenskongregation in Rom (Glaubenspolizei) geschrieben hatte.

www.derwesten.de/nachrichten/Kaplan....chen-haben-id4481619.html

Marc of Frankfurt:
180.000 Kirchenaustritte in 2010 in Deutschland
Zahl gestiegen um 40%.
Entspricht aber dennoch nur ca. 1% aller Katholiken.
Die regelmäßigen systematischen Kircheneintritte (Taufen insb. von Minderjährigen:) überwiegen meines Erachtens.


www.kirchenaustritt.de/statistik/

Aoife:
Der Cork-Report über die Verbrechen katholischer Priester wird sobald wie möglich veröffentlicht werden:
http://www.irishcentral.com/news/Co....-published-119529164.html
Zwei Dinge, die man sich für Deutrschland auch wünschen würde:
1. Dass die Verbrechen der Priester tatsächlich von staatlicher Seite verfolgt würden, und
2. dass Ergebnisse der Untersuchungen erst nach Abschluss der strafrechtlich relevanten Gerichtsverhandlungen veröffentlicht werden, damit es nicht zu Vorverurteilungen wie bei Herrn Kachelmann durch Alice Schwarzer kommt.
Liebe Grüße, Aoife

Robby:
@ aoife
punkte 1 u 2 sollten eigentlich in jedem strafverfahren (nicht nur für priester-siehe bei uns verfahren dem &quot;blütenweissen&quot; KHG betreffend)&quot; gelten
weiß leider nicht wie es in österreich in bezug auf priester dazu aussieht
Robby

Lupus:
Das Kirchenhasser-Brevier: Ein verlorener Sohn rechnet ab
# Taschenbuch: 304 Seiten
# Verlag: Heyne Verlag (6. April 2010)
# Sprache: Deutsch
# ISBN-10: 3453601386
# ISBN-13: 978-3453601383
D: 8,95 EUR
www.kirchenhasser.de
Zum Buch von Ulli Schauen
Ulli Schauen, Jahrgang 1957, sammelte als Pfarrerssohn früh Erfahrungen mit dem kirchlichen Milieu. Heute ist er Journalist und hatte bei seinen Recherchen immer wieder Gelegenheit, über die Rolle der Kirchen in Deutschland zu staunen. In seinem Buch trägt er Gründe und Argumente für eine fundamentale Kritik an den christlichen Kirchen zusammen.

Ulli Schauen über Freier:
www.sexworker.at/phpBB2/viewtopic.php?p=98446#98446
[nachgetr. M.]

Marc of Frankfurt:
Vorwürfe gegen Caritas und Diakonie:
ARD/SWF Report Mainz: &quot;Tausende Babys in Heimen misshandelt&quot;

Von 1949 bis 1975 waren ca. 260.000 Babies bis zum Alter von 3 Jahren in katholischen oder evangelischen Säuglingsheimen untergebracht, weil ihre Eltern nicht für sie sorgen konnten, wollten oder durften. 
Die meisten waren unehelich geboren. Die Babies wurden deshalb als „Kinder der Sünde“ oder als „Bastarde“ beschimpft.
Überforderte Helferinnen hätten die Säuglinge angebunden und mit sedierenden Medikamenten ruhig gestellt. Oder es gab Schläge bei der Reinlichkeitserziehung auf dem Töpfchen. In einem Heim in Schorndorf bei Stuttgart seien sie mit UV-Licht bestrahlt worden, weil sie aus Zeitgründen fast nie nach draußen kamen [Sozialpädagoge Professor Manfred Kappeler in &quot;Report Mainz&quot;].
Caritas und Diakonie Württemberg reagierte mit dem Eingeständnis, dass in ihren Kinderheimen nach dem Krieg &quot;unhaltbare&quot; Zustände herrschten.
Gebhard Fürst, Bischof von Rottenburg-Stuttgart bat dafür vergangene Woche erneut um Vergebung.

Video:
www.swr.de/report/-/id=233454/did=7....233454/1ht2ps5/index.html
www.sueddeutsche.de/politik/vorwuer....men-misshandelt-1.1083930

Aoife:
Der belgische Bischof Vangheluwe, der bereits vor einem Jahr eingestanden hat mit einem seiner Neffen Sex gehabt zu haben, gab jetzt am vergangenen Donnerstag ein Fernsehinterview, in dem er nicht nur den sexuellen Mißbrauch an 2 seiner Neffen (einer war erst 6 Jahre alt) zugab, sondern das auch als o.k. darzustellen versuchte, weil es sich um Intimitäten und nicht um &quot;brutalen Sex&quot; gehandelt habe.
Bishop Vangheluwe, 74, acknowledged in April 2010 that he sexually abused one of his nephews, in a revelation that rocked this small, predominantly Catholic country and saddled the Vatican with a public-relations nightmare. 
In the interview broadcast Thursday on Belgian television, the bishop spoke about abusing two nephews, one of whom was six years old at the time. He said the rape was &quot;not brutal sex,&quot; describing it instead as &quot;intimacy.&quot;
source: http://online.wsj.com/article/SB100....tml?mod=wsj_share_twitter
Grundsätzlich sicherlich ein Gedanke, den wir nicht in unüberlegter Entrüstung von der Hand weisen sollten, auch die manglende Einwilligungsfähigkeit Minderjähriger ist ja zunächst nur ein säkulares Dogma.
Allerdings ist &quot;einvernehmlicher&quot; Kindersex in einer Gesellschaft, die das verurteilt, noch psychotraumatischer als sexuelle Gewalt, da später mit zunehmender Reife die eigenen Schuldgefühle &quot;damals mitgemacht zu haben&quot; ganz massiv werden. Und ein 6-jähriges Kind kann diese Spätfolge definitiv nicht abschätzen, ein erwachsener Bischof hingegen sollte das schon können. Falls Herr Vangheluwe seine 'Rechtfertigung' tatsächlich selbst glauben sollte, so liegt eine schwere infantile Persönlichkeitsstörung vor.
Und zum anderen entlarvt diese Bagatellisierung von Sex mit kleinen Jungen die kirchliche Prüderie als zuallererst frauenfeindlich - ohne die Beteiligung von Frauen scheint Sex nur noch halb so schlimm zu sein ...
Liebe Grüße, Aoife

Marc of Frankfurt:

Ein pädokrimineller und von Morphin abhängiger Ordensgründer und Plagiator Marcial Maciel (1920-2008) und eine Ordensleitung der Legionäre Christi (LC) und 2 Päpste der römisch-katholsiche Kirche, die ihre schützende Hand über alles hielten...
[Wikipedia, Die ZEIT, ORF, Doku von Jason Berry... siehe Link]

Da wird verständlich, wenn aus einem solchen Hause auch ein extrem krasser Aufsatz gegen Prostitution erscheint. 
Der fundamentalistische Orden Legionäre Christi, oder sollte man besser Militärtruppe sagen, ist auch in Deutschland und Wien aktiv, wo er Kinderfeste für Kinder aus schwierigen sozialen Verhältnissen veranstaltet...

www.sexworker.at/phpBB2/viewtopic.php?p=97572#97572
und das Posting eine Seite davor zum Thema Prostitution.


___
www.de.wikipedia.org/wiki/Sexueller....misch-katholischen_Kirche

Lupus:
Aus der &quot;titanic&quot;

Wallpaper

Robby:
@heute
gibt es solche karikaturen auch über andere religionen?
und wenn nicht warum nicht?
haben die alle freizügigere moralvorstellungen?
oder traut sich vielleicht keiner weil er sonst erschossen oder in die luft gesprengt wird?
robby

Aoife:
&quot;John Paul 2 has been beatified after the miracle of how he kept so much abuse a secret for so long has been accepted.&quot;
Johannes Pauul II ist (heute) seelig gesprochen worden, nachdem das Wunder, wie er so viel Mißbrauch so lange geheimhalten konnte, anerkannt worden ist.

Marc of Frankfurt:
Kölner Erzbischof Joachim Meisner hat dem schwulen Buchautor David Berger die Erlaubnis zum Religionsunterricht entzogen. 

Der 77-jährige Kardinal begründete dies mit Bergers Kirchenkritik, die sein Vertrauen zu ihm zerstört habe. Berger habe durch seine Veröffentlichungen und Äußerungen in den Medien selbst den unwidersprochenen Anschein erweckt, in Lehre und Lebensführung nicht mit den moralischen und gesetzlichen Normen der Kirche übereinzustimmen, hieß es in einem Dekret.
Berger hatte in seinem Buch &quot;Der heilige Schein&quot; schwere Vorwürfe gegen die katholische Kirche erhoben. Der 43-Jährige sprach von einem &quot;katholischen Dschihad&quot; (Heiligen Krieg). Der Einfluss der Ultrakonservativen auf die ganze Kirche wachse.

Druck extremer Kräfte?
Berger sagte der Nachrichtenagentur DPA, seine Abberufung gehe auf den Druck extrem konservativer Kräfte zurück, die Unterschriftenaktionen veranstaltet hätten und sogar die Todesstrafe für Homosexuelle forderten. Er nannte unter anderem die Internetseiten www.kreuz.net und www.kath.net.
Kreuz.net kommentierte den Entzug der Lehrerlaubnis mit dem Satz: &quot;Jetzt hat der Homo, was er wollte.&quot; Berger bestritt, dass er die katholische Kirche als solche angegriffen habe. Vielmehr habe er sein Buch &quot;aus Liebe zur Kirche&quot; geschrieben. Er kritisiere nur ganz bestimmte Missstände innerhalb der Kirche, und dies sei die Aufgabe jedes katholischen Laien. 
Berger wird am Ville-Gymnasium in Erftstadt bei Köln nun künftig sein zweites Fach Deutsch unterrichten.

Blind auf einem Auge?
Der Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen, Volker Beck, kritisierte: &quot;Meisner spricht einem profilierten Theologen die Kompetenz ab, weil er nicht asexuell lebt. Wäre die katholische Kirche nur bei Fällen sexuellen Missbrauchs halb so konsequent gewesen.&quot; Mit den rechten Pius-Brüdern habe der Kardinal keine Probleme und lasse sie auch in seiner Diözese weiter gewähren. 
Auch die Reformbewegung &quot;Wir sind Kirche&quot; protestierte gegen die Strafaktion.
Meisner gilt als einer der konservativsten deutschen Bischöfe und ist im Erzbistum Köln dafür bekannt, dass er streng gegen Kritiker vorgeht. Die DPA zitierte einen sogenannten Insider, demzufolge die Homosexualität Bergers in diesem Fall durchaus der eigentliche Grund für den Entzug der Lehrerlaubnis sei. Aus taktischen Erwägungen wähle Meisner in solchen Fällen gern eine andere Begründung, die innerhalb der Kirche auf nicht so viel Widerspruch stoße. 
Homosexualität offen auszuleben, sei für den Kardinal nicht hinnehmbar.
Berger hatte zunächst in der katholischen Kirche Karriere gemacht und genoss gerade auch in konservativen Kreisen Ansehen. 2003 wurde er in die Päpstliche Thomas-Akademie aufgenommen und gab die vor allem von Traditionalisten gelesene Zeitschrift &quot;Theologisches&quot; heraus. Wegen der &quot;Verteufelung&quot; von Homosexuellen legte er seine Aufgaben jedoch nieder und veröffentlichte 2010 das Buch &quot;Der heilige Schein&quot;, das in den Medien viel Aufmerksamkeit erzielte.

www.tagesschau.de/inland/meisner102.html


Kirchliches Berufsverbot für den schwulen Theologen David Berger
www.heise.de/tp/blogs/6/149794
Interview mit David Berger über Rechtsradikale und Radikalkonservative in der katholischen Kirche
Reinhard Jellen 15.12.2010
www.heise.de/tp/artikel/33/33835/1.html

Lupus:
Habe am 9.5.11 den Film &quot;Hebamme - Auf Leben und Tod&quot; gesehen. 
Hebammen, die die &quot;Taufspritze&quot; (Das ungeborene Kind wird mit Hilfe einer Klistierspritze getauft) verweigerten, wurden eingesperrt und verloren ihre Zulassung. Obwohl die erfahrenen Frauen einen Zusammenhang zwischen Kindbettfieber und dem Weihwasser erkannten. Der übertrieben fromme Dorfpfarrer nimmt lieber den Tod der Gebärenden in Kauf. 
Die Hebammen waren ja hundert Jahre zuvor der Berufsstand aus dem die meisten Frauen verbrannt wurden.

Lycisca:
Das Missbrauchsthema ist vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte gelandet (Quelle Homepage des EGMR): 
Case concerning sexual abuse of schoolgirl in Catholic-run national school in Ireland under examination
The European Court of Human Rights is examining a case concerning the sexual abuse of a primary-school girl, aged eight to nine, in a Catholic-run national school in Ireland in 1973 - O’Keeffe v. Ireland (application no. 35810/09). The application was lodged with the European Court of Human Rights on 16 June 2009. The case was communicated to the Irish Government on 5 April 2011. [Damit hat die inhaltliche Prüfung ergeben, dass die Beschwerde berechtigt ist, und sie wird nun inhaltlich geprüft.]

Marc of Frankfurt:
2 Kindesmißbrauchthemen

Spaniens verkaufte Kinder - Wie Kirche und Staat mit Babys Geschäfte machten

Ein Skandal ungeahnten Ausmaßes kommt ans Tageslicht: 30.000 Babys sollen unter Franco ihren leiblichen Eltern weggenommen und an systemtreue Paare verkauft worden sein. 
Knapp 200.000 Peseten kostete ein Neugeborenes, so viel wie ein Apartment.
Plötzlich ist nichts mehr so, wie es war. Als Antonio Barroso erfährt, dass seine Eltern ihn in den 60er Jahren von einem Priester in Saragossa gekauft haben, bricht für ihn eine Welt zusammen. Seine Herkunft, seine Identität, seine Zukunftspläne - alles gerät durcheinander. Antonio ist einer von tausenden betroffenen Spaniern, die ihren Familien während der Franco-Diktatur geraubt wurden. 
Damals wurden systemkritischen Eltern systematisch ihre Neugeborenen weggenommen, offiziell zumeist für tot erklärt. 
Katholische Heime vermittelten sie dann an linientreue Paare. Für Kirche und Franco-Behörden war dies ein einträgliches Geschäft.
Nun handeln die Betroffenen. Antonio hat seinen Job gekündigt und die Opferorganisation &quot;Anadir&quot; [la Asociación Nacional de Afectados por Adopciones Irregulares] gegründet. 
Bisher hat er 1500 Fälle gefunden - und immer mehr Menschen kommen zu ihm, auf der Suche nach ihrer wahren Identität. Auf Druck von &quot;Anadir&quot; öffnen nun einige Kliniken ihre Archive, doch Antonio will nicht ruhen, bis auch die Kirchen sich kooperativ zeigen. Bislang hüllen die sich in Schweigen. 
Die ZDF-Korrespondentin Susanne Freitag hat einige der geraubten Kinder für das &quot;auslandsjournal&quot; begleitet.


Geraubte Unschuld - Missbrauch in Kenias Klassenzimmern
Schulmädchen sind in Kenia schon seit Jahren sexuellen Übergriffen ausgesetzt. Das Schlimmste daran: Immer wieder sind es Lehrer, die ihre Schülerinnen missbrauchen. Doch während viele das wissen, durchbricht nur selten jemand die Mauer des Schweigens.
Als der Lehrer ihr befahl, zu ihm nach Hause zu kommen, dachte sich die 14-jährige Emaculate nichts dabei. Schließlich hatte sie gelernt, dass Lehrkräfte in Kenia besondere Respektspersonen sind, denen man unbedingt zu gehorchen hat. Doch der Lehrer missbrauchte das Mädchen. Dass er daraufhin entlassen wurde, ist ein seltener Fall. 
Lehrer sind in Kenia angesehene Mitglieder der Gesellschaft und werden als solche geschützt. 
Jane Okongo ist als Aufklärungsbeauftragte der Erziehungsbehörde im Land unterwegs, um offen über die Gefahren zu sprechen und die Kinder zu warnen: &quot;Jemand will, dass ihr eure Freundschaft beweist. Er will, dass ihr mit ihm schlaft. Aber das ist kein Freund, er vergewaltigt euch!&quot; Mit ihrer Offenheit hofft Jane, weitere Missbrauchsfälle zu verhindern. Doch die Angst der Mädchen ist groß. 
ZDF-Korrespondent Jörg Brase war für das &quot;auslandsjournal&quot; am Victoriasee. 
www.presseportal.de/pm/7840/2046239/zdf

Aoife:
Auch wenn es hier unter der Überschrift &quot;katholisch&quot; etwas O.T. ist:
In GB war die für Spanien beschriebene Praxis bis 1967 Standart.
Woran man auch erkennen kann, dass Demokratie und Faschismus sich nur in der Art der Selbstdarstellung unterscheiden.
Liebe Grüße, Aoife

Aoife:
Und hier ein neuer Fall aus Irland (gleichzeitig alter Fall aus USA):
http://www.sexworker.at/phpBB2/viewtopic.php?p=99050#99050
Liebe Grüße, Aoife

Aoife:
Hier ein Vorgang, den ich leider nur ohne schriftlichen Beleg darstellen kann:
Wie das Irische Fernsehen gestern Abend berichtete (RTÉ primetime) hat die katholische Kirche nach Bekanntwerden des Mißbrauchsskandals in großem Stil betroffene Priester nach Afrike versetzt, um sie der Irischen Justiz zu entziehen.
Das erfüllt die Kriterien organisierten Verbrechens, ein Staat, der weiterhin diplomatische Beziehungen zum Vatikan aufrechterhält, den Kirchen Mitspracherecht bei gesellschaftspolitischen Entscheidungen einräumt, Kirchen aus Staatsmitteln direkt oder indirekt (beispielsweise zur Verfügung stellen der staatlichen Infrastruktur zur Steuererhebung) unterstützt, macht sich der Mittäterschaft schuldig.
Und zwar aufgrund der internationalen verbrecherischen Aktivitäten der Kirche auch dann, wenn im eigenen Land noch keine Straftaten nachgewiesen sind.
Liebe Grüße, Aoife

Marc of Frankfurt:
Abschlußbericht der unabhängigen Kommission Kindesmißbrauch Deutschland

Dr. Christine Bergmann 
(Ex-Bundesfamilienministerin SPD unter Schröder)

15.000 Anrufe und Briefe bearbeitet.
2.917 Betroffene bzw.
3.332 Fälle wurden vorgetragen
52% der Mißbrauchsfälle in Familien
32% der Mißbrauchsfälle in Institutionen
63% der Missbrauchsfälle in Institutionen in den Kirchen
45% der Missbrauchsfälle in Institutionen in der Katholische Kirche.

http://beauftragte-missbrauch.de/course/view.php?id=30
http://beauftragte-missbrauch.de/fi....bschlussbericht_UBSKM.pdf

Die Empfehlungen gehen an den runden Tisch &quot;Sexueller Kindesmissbrauch&quot; in dem neben Bundesministern auch Kirchenvertreter sitzen. Entscheidung erwartet Ende 2011.


.

Aoife:
Einer der wichtigsten Papstberater zum Umgang mit dem kirchlichen Mißbrauchsskandal, Father Riccardo Seppia, ist wegen pädophilem Mißbrauch von Jungen und wegen Drogenvergehen festgenommen worden.
Originalartikel: http://www.lastampa.it/redazione/default.asp
englische Übersetzung: http://news.yahoo.com/s/time/20110520/wl_time/08599207261300
Liebe Grüße, Aoife

Lupus:
Hbae am 28. im NDR eine Dokumentation zu &quot;50 Jahre Panorama&quot; gesehen.
Skandale, Affären, Enthüllungen: Die Nacht der politischen Magazine
Darin war ein &quot;Monitor&quot;-Bericht über ZwangsarbeiterInnen aus Polen, Ukraine, Russland in den Kriegsjahren, die für Klöster und Kirchen arbeiten mussten. Kinder und Erwachsene. Die Kirche hat weder Stellung bezogen noch Entschädigungen bezahlt.
Ein Schreiben aus Köln, der Dom wurde bei einem Angriff beschädigt, an die zuständige Behörde: (sinngemäss) &quot;Wir brauchen 10 Zwangsarbeiter und 15 KZler um die Arbeiten durchführenzu können&quot;.
&quot;Monitor&quot; hat ehemalige Zwangsarbeiter interviewt, die unter anderem im Kloster Ettal schwerste Arbeiten verrichten mussten.

Aoife:
Schlimmer noch als leider nun einmal geschehene Mißbrauchsfälle:
Die Kirchenleitung will auch gegenwärtige und zukünftige nicht verhindern.
Diese Auffassung vertritt zumindest der Dubliner Erzbischof Martin. Er fühlt sich weitgehend alleine auf Seiten der Opferstehend, insider gehen davon aus dass er nicht Kardinal wird weil er dem pädophilen Mißbrauch in der katholischen Kirche wirklich ein Ende setzen will.
Dabei geht es ihm weniger um die Aufarbeitung alter Fälle, als um den Schutz der jetzt Schwachen und Ausnutzbaren. Priester die mehr von ihren Hormonen denn durch ihren Glauben motiviert sind will er aus dem Kirchendienst entfernt wissen - und befürchtet anhand der Widerstände die ihm entgegenschlagen, dass das durchaus die Mehrheit sein könnte.
Auch kritisiert er die Medien, die von verurteilten Priestern durchweg ausgesucht abstoßende Bilder veröffentlichen. Dadurch würde eine falsche Sicherheit gegenüber den bevorzugt extrem freundlich und kinderlieb auftretenden Pädophilen erzeugt.
Das ganze Interview mit der New York Times: http://www.nytimes.com/2011/06/05/opinion/05dowd.html
Liebe Grüße, Aoife

Aoife:
UNCAT, die UNO Kommission gegen Folter, hat Irland aufgefordert die Verbrechen in den Magdalene Laundries von einer unabhängigen Kommission untersuchen zu lassen:
http://www.irishcentral.com/news/UN....-laundries-123216183.html
Ein wirklich unabhängiger Bericht würde IMHO nicht nur Vergangenes aufbereiten, sondern könnte auch den politischen Boden für ein menschenrechtskonformes Prostitutionsgesetz bereiten.
RUHAMA, die Organisation die derzeit massiv versucht nach SOLWODI-ähnlichen Prinzipien wie Menschenhandels- und Unfreiwilligkeitsmythos die Irish Politik zum schärferen Vorgehen gegen Prostitution zu drängen, ist ja nichts anderes als der Zusammenschluss der damaligen verbrecherischen Orden um unter neuem Namen erneut Einfluss zu gewinnen.
Liebe Grüße, Aoife

Lupus:
Es sind nicht nur Bischöfe, die beim Thema &quot;Sex&quot; rot sehen:
Bischof sagt Tagung zu Sexualität ab
Frankfurt/Rottenburg - Der katholische Bischof von Rottenburg-Stuttgart, Gebhard Fürst, hat eine Tagung über Sexualität und Kirche in der Akademie des Bistums wegen heftiger Proteste konservativer Kreise abgesagt. Der Bischof befürchte, dass die Veranstaltung innerhalb der Kirche zu „Polarisierungen“ führe, bestätigte Bistumssprecher Uwe Renz einen Bericht der „Frankfurter Rundschau“.
 
Der Bischof wollte nicht, dass sich das Klima weiter verschlechtere. Gegen die Tagung haben Vertreter der konservativen Strömung in der katholischen Kirche protestiert, weil sie sich bei der Veranstaltung als nicht ausreichend repräsentiert sahen.
 
Die Studientagung von Katholischer Akademie, Katholischer Erwachsenenbildung und mehreren Fachbereichen der Dözese Rottenburg-Stuttgart stand unter dem Titel „Let's think about Sex“ und war für den Oktober geplant. Dabei sollten Theologen und Sexualwissenschaftler über das Verhältnis von katholischer Sexualmoral und offener Gesellschaft sowie auch über den Missbrauchsskandal diskutieren.
STZ 20.06.11

Aoife:
Neben den unmittelbaren Verbrechen der Priester ist auch die Tatsache, dass man es für nötig befindet Kritik an Glaubensinhalten als &quot;Verbrechen&quot; staatlicherseits verfolgen zu lassen nicht nur ein Schuldeingeständnis, sondern zugleich in sich selbst ein weiteres Verbrechen.
Als aktuelles Beispiel habe ich
http://www.sexworker.at/phpBB2/viewtopic.php?p=100721#100721
eingestellt, jedoch gilt auch für Deutschland nach wie vor § 166 StGB, für Österreich § 189 StGB, für die Schweiz Art. 261 StGB.
Zu Österreich und der Schweiz möchte ich aufgrund meiner mangelnden Sachkenntnis keinen Kommentar abgeben, für Deutschland ist jedoch spätestens nach der Wiedervereinigung klar, dass der Schutz katholischer Glaubensinhalte vor kritischer Auseinandersetzung nicht einmal mehr dem Vorwurf eines strafrechtlichen Schutzes der Mehrheitsmeinung standhält (hier indoktriniert eine ganz klare Minderheit die Meinungfreiheit der Mehrheit), und für Irland gibt es aufgrund der wissenschaftlich nicht haltbaren Fragestellung bei der letzten Volkszählung keine verläßlichen Zahlen, jedoch besteht der Eindruck, dass anläßlich der Skandale um Kindesmißbrauch und Magdalene Laundries der Schutz katholischer Glaubensüberzeugungen auch nicht mehr mit dem öffentlichen Frieden gleichzusetzen ist.
Liebe Grüße, Aoife
PS: Auch in Deutschland ist die Statistik wissenschaftlich gesehen wertlos, da bei der Frage nach dem Glaubensbekenntnis nicht ausdrücklich darauf hingewiesen wird, dass es um Glaubensüberzeugungen geht, somit die Befragten dazu neigen beispielsweise ihre &quot;offizielle&quot; Religionsangehörigkeit anzugeben, auch wenn sie inhaltlich gar nicht daran glauben.

Aoife:
Grundsätzlich nichts Neues, aber eine schöne Zusammenfassung:
Die beiden Orden, die hauptsächlich für die Verbrechen gegen SW in Irland in den Magdalene Laundries verantwortlich waren werden nicht nur unter ihrem neuen Namen RUHAMA (als sogenannte Hilfsorganisation) mit staatlichen Millionen unterstützt, sondern behaupten zugleich, dass sie kein Geld hätten, ihre Opfer zu entschädigen:
Laundry orders run sex workers' aid group
PATSY McGARRY, Religious Affairs Correspondent
TWO OF the religious congregations which ran Magdalene laundries in the State set up and continue to run the Dublin-based Ruhama agency, which is funded by the State and works “with women affected by prostitution and other forms of commercial sexual exploitation”.
According to its website, the agency receives funding from the Department of Health and the Department of Justice.
Ruhama, which means “renewed life” in Hebrew, is described as “a joint initiative of the Good Shepherd Sisters and the Sisters of Our Lady of Charity, both of which had a long history of involvement with marginalised women, including those involved in prostitution”.
Both congregations refused to meet Justice for Magdalenes, a support group for women who had been in the laundries, including those run by the Good Shepherd Sisters at Limerick, Cork, Waterford and New Ross, and those run by the Sisters of Our Lady of Charity at High Park in Drumcondra and Seán MacDermott Street in Dublin.
In a letter to Justice for Magdalenes spokesman Prof James Smith on June 23rd last year, Sr Sheila Murphy of the Sisters of Our Lady of Charity said she did “not wish to have, nor do I see any purpose in having, a meeting with you at this time”.
In an e-mail of June 17th last year, Sr Bernie McNally of the Good Shepherd Sisters told Prof Smith she would not be able to engage in a meeting with him and “will not be able to respond further”.
Top of the list of Ruhama’s board of directors are Sr Sheila Murphy and Sr Bernadette McNally.
As reported in The Irish Times , figures disclosed to Sinn Féin’s Caoimhghín Ó Caoláin by Minister for Health Dr James Reilly revealed that the Good Shepherd Sisters have received more than €14.4 million from the Health Service Executive since 2006.
No figures were disclosed for what sums the Sisters of Our Lady of Charity received over that period, or for what either order received from the Department of Justice.
Despite selling off extensive properties in Waterford, Cork and Limerick, the Good Shepherd Sisters said, following publication of the Ryan report in 2009, that they had no resources to contribute to the costs of redress for people who had been abused as children in institutions which they had also run.
source: http://www.irishtimes.com/newspaper....html#.TgfbD2dO9dk.twitter
Liebe Grüße, Aoife

Marc of Frankfurt:
holy crimes
This Week in Holy Crimes - Feb. 20, 2011
www.facebook.com/notes/wally-real/t....20-2011/10150416079205501 (friends only)

Aoife:
Ein weiterer Bericht aus Irland über klerikalen sexuallen Mißbrauch und seine Vertuschung durch Vorgesetzte:
MAGEE UNDER FIRE
By Claire O’Sullivan and Conall Ó Fátharta
Wednesday, July 13, 2011
THE report into clerical sex abuse in the Catholic archdiocese of Cloyne is expected to heavily criticise Bishop John Magee, in line with a previous inquiry by the Church’s own watchdog.
Read more: http://www.irishexaminer.com/irelan....160936.html#ixzz1S0lGquc8

Full text: http://www.irishexaminer.com/ireland/magee-under-fire-160936.html
Und Hintergrundinfos zu diesen Vorgängen:
http://www.irishcentral.com/story/n....le-priests-125473873.html
Liebe Grüße, Aoife

Aoife:
Aus aktuellem Anlaß:
Aoife hat folgendes geschrieben:Unser Forum ist nun gemeinsam mit Misereor der katholischen Kirche rundwegs &quot;eine dubiose Organisation&quot; ...
möchte ich darauf hinweisen, dass ich schon ziemlich am Anfang dieses inzwischen doch recht langen thread's geschrieben habe:
          Aoife hat folgendes geschrieben:Wer die irische Geschichte auch nur in Grundzügen kennt, der weiß, dass in Irland die katholische Kirche traditionell für Freiheit und das, was wir heutzutage Menschenrechte nennen, steht. Dass sie die Menschen in ihrem Widerstand gegen die Britische Versklavung enorm gestärkt hat.
......, bloße (Gegen-) Angriffe nach dem Schema &quot;da, schau mal, du angeblicher Helfer, was deine Organisation in Wirklichkeit für ein übler Täter ist&quot; können nur die Fronten verhärten. Was unweigerlich dazu führt, dass wir uns *gegen* andere durchsetzen müssen, und somit wir selbst mitten drin im Karpman-Dreieck stecken. Wobei ALLE nur verlieren können.
Ich denke, dass es einfach einmal wieder an der Zeit ist darauf hinzuweisen, dass es bei dieser Sammlung nicht um eine Kollektivverurteilung geht. Die Entscheidung zum Zölibat ist genauso wie die Entscheidung zur Prostitution durch das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung geschützt.
Ein Problem entsteht nach meiner Ansicht erst durch die Bewertung: Wer sich durch die moralische Achtung des Zölibats dazu gedrängt fühlt ohne dass es seinen eigenen Bedürfnissen entspricht, der ist ebenso ein Opfer mit starker Neigung Täter zu werden, wie jemand der sich durch die Hoffnung (oder Notwendigkeit) auf schnellen Verdienst zur Prostitution gedrängt fühlt, ohne das wirklich zu wollen.
Ich jedenfalls habe keinerlei Problem damit mit Misereor in einem Atemzug genannt zu werden, denn ich habe genügend Selbstbewußtsein damit leben zu können, dass wir völlig unterschiedliche Glaubensüberzeugungen haben und finde somit eine gemeinsame Zielsetzung für das Wohlergehen der Menschen in den Punkten in denen wir uns einig sind (beispielsweise dass ausreichende Verdienstmöglichkeiten für die Menschen notwendig sind) durchaus positiv.
Dass man &quot;von katholischer Seite&quot; nicht so selbstbewußt ist und uns stigmatisieren zu müssen glaubt um eigenen Wert empfinden zu können ist die Assymetrie in unserer Beziehung, und ich gehe davon aus, dass die in diesem thread gesammelten &quot;Verbrechen katholischer Priester&quot; in erster Linie dazu dienen die egozentischen moralischen Überlegenheitsgefühle anzugreifen. Ich weiß offen gesagt auch nicht, ob das der richtige Weg ist - letztlich wird das wohl erst klar sein, wenn wir das Ziel gemeinsam bei aller Verschiedenheit uns für die wirklich wichtigen Dinge einzusetzen erreicht haben.
Liebe Grüße, Aoife

Aoife:
Steter Tropfen höhlt sen Stein - oder: Wenn Untersuchungskommissionen nicht nur die Opfer beruhigen sollen, dass ja &quot;etwas getan wird&quot;, sondern wirklich untersuchen, dann kommt irgendwann auch etwas dabei heraus.
So liefert das Cloyne report erstmals Beweise, dass der Vatikan den pädophilen Missbrauchsskandal in der Kirche keineswegs gutgläubig übersehen sondern aktiv zu seiner Vertuschung aufgefordert hat.
In der Diözese Cloyne hat Bishop Magee (derzeit flüchtig in den USA) diese vatikanische Anweisung umgesetzt.
Magee, selbst hochrangiges Mitglied der katholischen Führungsriege (&quot;Sekretär dreier Päpste&quot;), der auch die Aussage getätigt hatte er hätte den toten Papst Johannes Paul I selbst gefunden um zu vertuschen, dass die Leiche in Wirklichkeit von einer Nonne gefunden wurde, und der auch im Verdacht stand aktiv am Tod des Papstes beteiligt gewesen zu sein, wurde nach einer Liebesaffäre mit einem 17jährigen Seminaristen aus der Schußlinie in die abgelegene Diözese Cloyne beordert, wo er sozusagen als Puffer seinen Untergebenen befahl Mißbrauchsfälle nicht zu verfolgen, damit der Vatikan bei diesem Verbrechen keine &quot;Fingerabdrücke&quot; hinterließ.
Quelle: http://www.irishcentral.com/story/n....ts---video-125624723.html
Kommentar:
Dass die Kirchenführung alle Kriterien der organisierten Kriminalität erfüllt steht wohl außer Frage. Nur gilt das leider ebenso für die Staatsführungen - die letzlich ja auch nur religiöse Legitimationsmythen kopieren. Und diese stragt davon aus dass bis auf die dünne Herrscherschicht alle Menschen Sklaven sind und deshalb regiert werden müssen.ammen im christlichen Abendland aus der römischen Kultur, gehen somit unhinterfragt von einem Gesellschaftsmodell aus, in dem bis auf die ganz dünne Herrscherschicht alle Menschen Sklaven sind und deshalb regiert werden müssen.
Aus der Auseinandersetzung zwischen diesen beiden Organisationen ist somit kein wirklicher Fortschritt zu erwarten, Vorgänge wie derzeit im Freistaat geben uns nur tieferes Verständnis dafür, was wirklich gespielt wird. Was wir daraus machen ist unsere Aufgabe, die übernimmt keiner ohne diese Macht gegen uns zu wenden.
Wobei ich &quot;wir&quot; und &quot;uns&quot; in diesem Zusammenhang keineswegs auf SW beschränkt wissen will, damit ist jeder gemeint, der anstrebt das Leben menschlicher und menschengemäßer zu machen. Gerade gläubige Menschen mit Gottvertrauen sollten doch bereit sein können auf den Wunsch zur Regulierung von allem und jedem zu verzichten. So gesehen überrascht es wirklich, dass &quot;religiös&quot; typischerweise mit &quot;rechts&quot; und &quot;konservativ&quot; assoziiert ist. Kann es sein, dass wir (und damit meine ich jetzt nur mich und meinesgleichen) Ungläubigen eine sehr viel verlässlichere Beziehung zum &quot;Göttlichen&quot; haben, so dass wir nicht im Sinn einer erhofften Selbstberuhigung ständig darüber nachdenken und alle damit zuschwätzen müssen?
Ich, und auch einige andere hier, haben die Offenheit Bishop Magee's Beziehung zu einem 17jährigen nicht zu verdammen. Zumindest nicht unbesehen. Uns interessiert vielmehr dass dabei keine Opfer geschaffen wurden. Die staatliche Arroganz &quot;alles unter 18&quot; als verboten zu bezeichnen kann ich nicht unterstützen. Ironischerweise wurde diese Regelung von der Politik eingeführt auf Betreiben von Christen, die den homosexuellen Aspekt gerne ebenso kriminalisieren würden. Ich denke das zeigt, dass von unserer Seite her alle Voraussetzungen für einen offenen Dialog auf Augenhöhe mit Christen, die uns nicht gegen unseren eigenen Willen &quot;retten&quot; wollen, gegeben ist. Und dass es für wirklich unabhängig denkende Christen auch Sinn machen würde, diesen Dialog zu suchen.
Liebe Grüße, Aoife

Marc of Frankfurt:
Pfarrer gesteht sexuellen Missbrauch von Kindern
17.07.2011, 15:34 Uhr
Erneut erschüttert ein Sex-Skandal die katholische Kirche. Ein Pfarrer aus Salzgitter hat zugegeben, sich sexuell an Kindern vergangen zu haben. 
Das Bistum Hildesheim zeigt sich „überrascht und erschüttert“. 

Salzgitter/Braunschweig - Das Bistum Hildesheim in Niedersachsen wird von einem Missbrauchsfall erschüttert: Ein katholischer Pfarrer aus Salzgitter hat zugegeben, sich sexuell an Kindern vergangen zu haben. Der Priester habe die Vorwürfe im Verhör bei der Polizei eingeräumt, teilten die Ermittler am Sonntag in Braunschweig mit. Der Mann sitzt seit Samstag wegen dringenden Tatverdachts in Untersuchungshaft. Das Bistum Hildesheim reagierte „überrascht und erschüttert“.
Die Kirche werde sich „aktiv“ an der Aufklärung der Vorwürfe beteiligen, auch wenn das Bistum von der Staatsanwaltschaft noch nicht informiert worden sei. 
Das Bistum räumte ein, dass es schon vor einem Jahr Vorwürfe gegen den Pfarrer wegen „angeblich distanzlosen Verhaltens gegenüber einer Person“ gegeben habe. Damals habe die Staatsanwaltschaft aber keinen Anfangsverdacht gesehen.
Die aktuellen Vorwürfe liegen nach Angaben der Staatsanwaltschaft bereits einige Jahre zurück. Nähere Angaben wollte ein Sprecher der Behörde am Wochenende nicht machen. 
Die Mutter eines Kindes habe Strafanzeige erstattet, berichtete der Norddeutsche Rundfunk (NDR).
Eigentlich hätten die Ermittler erst in der nächsten Woche zugreifen wollen. Doch weil der Priester an diesem Wochenende mit Minderjährigen zu einer Kirchenfreizeit fahren wollte, hätte die Polizei früher als geplant gehandelt. 
Bei einer Hausdurchsuchung am Freitag wurden Datenträger und schriftliches Material sichergestellt. Beides muss noch ausgewertet worden. Nach der Durchsuchung wurde der Priester festgenommen. Gegen ihn wird seit Anfang Juli ermittelt.

dpa
www.handelsblatt.com/panorama/aus-a....-von-kindern/4402694.html

Aoife:
Der Mißbrauchsskandal hat eine neue Dimension erreicht:
Die römisch-katholische Kirche argumentiert gegenüber Schadensersatzklagen, dass Priester keine Angestellten der Kirche seien.
http://m.guardian.co.uk/world/2011/....at=world&amp;type=article
Es gibt Kommentatoren die es hierdurch für erwiesen halten, dass die Katholische Kirche sich selbst in erster Linie als Verein definiert, dessen Aufgabe die Schaffung günstiger Bedingungen für Pädophile ist.
Liebe Grüße, Aoife

Aoife:
          Aoife hat folgendes geschrieben:Es gibt Kommentatoren die es hierdurch für erwiesen halten, dass die Katholische Kirche sich selbst in erster Linie als Verein definiert, dessen Aufgabe die Schaffung günstiger Bedingungen für Pädophile ist.
Unter den traditionell gutkatholischen Iren wird öffentlich diskutiert dass man den Vatikan besetzen und die Kunstschätze auf ebay versteigern sollte, um die Opfer zu entschädigen.
Im deutschsprachigen Raum habe zumindest ich solches nicht mitbekommen, oder ist mir da etwas entgangen? (Außer direkten persönlichen Kontakten bin ich in D allerdings zugegebenermaßen auch wenig engagiert, die Frage ob andere da mehr wissen ist also ernst gemeint).
Für diejenigen die English lesen können hier ein neuer Skandal:
http://www.mirror.co.uk/news/top-st....pictures-115875-23308972/
Und für diejenigen, die das nicht können nur der kurze Hinweis: Ein Jugendschutzbeauftragter der katholischen Kirche ist selbst der Pädophilie überführt worden, er hat nicht nur ca. 4000 Kinderpornobilder auf seinem PC gesammelt (was schließlich noch mit seinem Aufgabenbereich erklärt werden könnte), sondern hat auch selbst welche angefertigt.
Auch wenn die Kirche diesmal mit den Behörden zusammengearbeitet hat (das Ganze hat in England stattgefunden) hier meine Meinung zum Gesamtproblem, wie ich sie in englischsprachigen Medien schon seit einiger Zeit vertrete:
Als konsensuelle Rollenspiele, auch 24/7, sind diese Verhaltensweisen absolut zu respektieren. Aber bitte erklärt die Kirchen als jugendgefährdend und haltet ihre Vertreter von unseren Kindern fern.
Liebe Grüße, Aoife

Lupus:
Passt nicht direkt hier rein, habe aber keine &quot;bessere&quot; Rubrik gefunden:
Stuttgarter Zeitung 5.8.11
Interview zu Pädophilie 
Die sexuellen Vorlieben sind nicht zu ändern
Daniel Schrödel, vom 04.08.2011 17:17 Uhr
&quot;Sichere familiäre Bindungen sind die beste Prävention,&quot; meint der Sexualmediziner Klaus Beier. 
Berlin - Die sexuelle Neigung jedes Menschen manifestiert sich bereits im Jugendalter, meint der Sexualmediziner Klaus Beier. Er leitet das Forschungsprojekt &quot;Kein Täter werden&quot;, und wendet sich damit an pädophile Männer.
 
Herr Beier, seit sechs Jahren leiten Sie das Forschungsprojekt &quot;Kein Täter werden&quot;. Was ist Ihr Ziel?
 
Wir wollen Kinder und Jugendliche vor sexuellem Missbrauch schützen. 40 Prozent der Missbrauchsfälle werden von Tätern begangen, die eine pädophile Neigung haben. Wir wollen Pädophile erreichen, bevor sie einen Übergriff begehen. Die sexuelle Neigung jedes Menschen manifestiert sich im Jugendalter. Sie bleibt bis zum Lebensende bestehen und damit die Verantwortung eines Pädophilen, seine Neigung nie auszuleben. Wir wollen den Betroffenen helfen, ihre auf Kinder gerichteten sexuellen Bedürfnisse vollständig und dauerhaft zu kontrollieren.
 
Wie wollen Sie das erreichen?
 
Zuerst wird im Rahmen der sexualmedizinischen Diagnostik die sexuelle Präferenz präzise erfasst. Die betrifft den kindlichen Körper, auch Details wie Haarfarbe und Verhalten, etwa die Art sich zu bewegen. Dann werden Situationen analysiert, in denen der Pädophile sich von Kindern sexuell angesprochen gefühlt hat. Er soll lernen, sich in die Lage des Kindes zu versetzen, anstatt sich von seinen Bedürfnissen die Selbstkontrolle entziehen zu lassen.
Sie sprechen nur von Kontrolle, nicht aber davon, die sexuelle Neigung zu ändern. Ist das nicht möglich?
 
Nein. Eine dauerhafte sexuelle Präferenz ist im Übrigen für sozial organisierte Säugetiere sinnvoll. Denken Sie hier an den häufigsten Fall: der sexuellen Ausrichtung auf den erwachsenen Körper des Gegengeschlechts. Das ist wichtig, um Bindungen zu etablieren, die für die Familienbildung und Kindererziehung notwendig sind. Das wäre kaum zu gewährleisten, wenn sich täglich die sexuellen Vorlieben ändern würden. Und genau diese Unveränderbarkeit gilt für alle sexuellen Ausrichtungen.
 
Es gab also seit Projektbeginn keinen Fall, in dem ein Patient gelernt hat, seine Neigungen abzulegen?
 
Genau. Das wusste ich aber durch meine Forschung schon vorher. Ich habe viele Sexualstraftäter nachuntersucht - im Schnitt 25 Jahre nachdem sie einen sexuellen Übergriff auf ein Kind begangen hatten. Von den pädophilen Tätern berichtete keiner, dass sich seine Neigung geändert hätte, obwohl sich viele das wünschten.
Wie bewerten Sie den Umgang der Öffentlichkeit mit Pädophilen, die keine Straftat begangen haben?
 
Ein Mensch darf nie wegen seiner sexuellen Neigung moralisch bewertet oder ausgegrenzt werden. Zur Sexualität gehören auch Homosexualität und seltenere Erscheinungen: masochistische genauso wie pädophile Neigungen. Diese hat man, sie wurden nicht bewusst gewählt. Es gilt vielmehr, den verantwortungslosen Umgang mit einer sexuellen Neigung zu verurteilen. Das ist der Fall, wenn man Bedürfnisse auslebt, die andere zu Opfern machen. Phädophilie ist mit einer Fremdgefährdung verbunden, wenn man sie ausleben würde - das gibt dem Pädophilen eine große Verantwortung. Er muss dafür sorgen, dass seine Wünsche nie zur Realität werden.
 
Welche Voraussetzungen muss ein Pädophiler erfüllen, um in Ihrem Projekt therapiert zu werden?
 
Er muss Verantwortungsbewusstsein zeigen. Das fällt ihm leichter, wenn die Öffentlichkeit akzeptiert, dass es Menschen mit pädophiler Neigung gibt. Um Pädophilen helfen zu können, ihre Verantwortung wahrzunehmen, werden Fachleute benötigt, die diese Neigung erkennen und behandeln können. Das ist derzeit nicht der Fall. Weder im Medizin- oder Psychologiestudium werden Kenntnisse darüber vermittelt, auch nicht in der Weiterbildung von Fachärzten und Psychologen. Es ist derzeit leider für die Betroffenen sehr schwierig, einen geeigneten Therapieplatz zu finden. 
Wie viele Männer und Frauen haben phädophile Neigungen?
 
Pädophilie tritt fast nur bei Männern auf, bei Frauen kaum. Wir gehen aufgrund von Untersuchungen davon aus, dass etwa ein Prozent der männlichen Bevölkerung eine pädophile Neigung hat. Das wären dann etwa 250.000 Betroffene in Deutschland.
 
Pädophilie ist also kein Randphänomen. Verdrängt das die Öffentlichkeit?
 
Ja. Sie macht sich vor, dass sie das Problem gelöst hat, wenn wieder einmal jemand verurteilt wird. Doch wir haben es nicht mit Einzelfällen zu tun, und die meisten Übergriffe ereignen sich im Dunkelfeld. Die Pädophilie tritt im Übrigen ganz unabhängig vom Sozialstatus auf. Sie findet sich in allen Berufsgruppen
Handeln sexuelle Straftäter nach einem bestimmten Muster?
 
Nein. Am häufigsten entstehen sexuelle Übergriffe aus einer zunächst freundschaftlichen Beziehung, oft zu Kindern aus zerrütteten Familien. Die sehnen sich nach Anerkennung. Kinder, die aus geschützten familiären Verhältnissen kommen, die sich geliebt fühlen, die Annahme und Akzeptanz erhalten, sind weniger gefährdet, in eine soziale Beziehung zu einem Mann mit pädophiler Neigung verstrickt zu werden. Sichere familiäre Bindungen sind die beste Prävention. Umso schlimmer sind die Fälle innerfamiliären Missbrauchs, in denen der Täter aus genau jenem Schutzraum kommt, auf den das Kind angewiesen ist.
Was können Eltern tun, um ihre Kinder zu schützen?
 
Eltern sollten die psychosexuelle Entwicklung des Kindes angemessen fördern. Dazu gehört auch, dass sie bereit und in der Lage sind, über Sexualität zu sprechen. Das klingt einfach, ist aber für die allermeisten unglaublich schwer. Und es wird durch das Internet komplizierter. Denn Kinder können bereits im vorpubertären Alter an Bilder gelangen, die sexuelle Handlungen zeigen, die auf sie verstörend wirken. Meines Erachtens sind die Eltern sich dieser Gefahr weder bewusst noch ihr gewachsen. Sie sollten sich dem aber stellen.
 
In Stuttgart haben Sie kürzlich an einer Tagung zum Thema &quot;Sexuelle Gewalt an Schulen vermeiden&quot; teilgenommen. Besteht an Schulen für Kinder ein erhöhtes Risiko?
 
Das Wort Gewalt ist irreführend. Sexueller Missbrauch ist häufig das Resultat eines zunächst freundschaftlichen Verhältnisses zu einem Erwachsenen. Der nutzt dann seine geistige und körperliche Überlegenheit aus, um bei einem schutzbedürftigen Kind seine eigenen Fantasien zu verwirklichen. Körperliche Gewalt wird nur selten eingesetzt, es geht um viel komplexere, um manipulative Mechanismen, die man verhindern muss. Diese können auch in der Schule, der Kirche oder im Verein auftreten, denn dort dürfte der Anteil der Männer mit pädophiler Neigung höher sein als sonst, da die Betroffenen sich besonders für Berufe interessieren, in denen sie mit Kindern in Kontakt kommen. 
Forscher
Klaus Beier (Jg. 1961) leitet das Institut für Sexualwissenschaft und Sexualmedizin an der Charité in Berlin.
 
Projekt
Beier leitet das Forschungsprojekt „Kein Täter werden“, das unter dem Slogan „Lieben Sie Kinder mehr, als Ihnen lieb ist?“ öffentlich auftritt. Projekte in Schleswig-Holstein und Bayern stützen sich auf die Berliner Erfahrungen.

Aoife:
Auch wenn es hier um einen &quot;guten Priester&quot; geht:
http://www.independent.ie/national-....ture-of-fear-2842239.html
so passt das doch in diesen thread, da Fr Joseph McGuane darstellt, dass er als Einziger in der Diözese Cloyne sich öffentlich für mehr Transparenz und eine Beendigung des pädophilen Mißbrauchs einsetzt. Wobei das keineswegs bedeutet dass alle anderen Priester dort pädophil wären, sondern dass &quot;von oben&quot; massiv Druck gemacht wird um die Zustände beizubehalten, so dass sich kein anderer traut eine Verbesserung anzustreben.
Liebe Grüße, Aoife

Aoife:
Neue Pädophilievorwürfe mit hunderten von Opfern, diesmal in der Diözese Raphoe in Donegal:
http://www.irishcentral.com/news/Ne....ld-horrors-127574198.html
Und keiner soll glauben das sei ausschließlich ein Problem des kirchenhörigen irischen Freistaats (fälschlicherweise &quot;Republik&quot; Irland genannt) - der deutsche Staat ist mit Sicherheit noch abhängiger von den Kirchen, nicht nur dass er sogar Kirchensteuer einzieht, auch die persönlichen Verflechtungen der Bürger (unter denen ja auch stattliche Funktionäre sind) mit der Kirche sind gelinde gesagt massiv. So habe ich gerade gestern von einer deutschen Pädagogin erfahren dass ihr Eltern bekannt sind, die ihre Kinder weite Strecken zu bestimmten Priestern fahren, nachdem diese wegen pädophilen Vorgängen versetzt wurden. Kinder, die vor kirchlichen Freizeiten knobeln wer den &quot;Arschkarte&quot; zieht und beim Priester schlafen muss ...
Auch wenn dieser thread &quot;Verbrechen katholischer Priester&quot; heißt, es wäre IMHO ungerecht, diesen alleine die Schuld zu geben. Wenn ein ganzes Volk sich von denjenigen, die glauben sie würden sich ihren Platz bei Gott erkaufen können indem sie ihre Kinder opfern, gängeln läßt, so sind daran doch nicht nur die sexuellen Nutznießer dieser Situation schuld. Natürlich verbreiten die solchen Aberglauben, aber wer darauf hereinfällt kann sich schon bei unterdurchschnittlicher Intelligenz keineswegs darauf berufen nur fehlinformiert worden zu sein. Nur ganz extrem Dummen könnte ich abnehmen, dass sie es nicht besser gewußt haben wollen. Alle anderen Beteiligten sind Mittäter - allen voran diejenigen Politiker (das sind wohl alle?), die zwar ohne objektiven Beweis behaupten dass Prostitution jugendgefährdend sei, jedoch keinen Finger krumm machen um die bewiesenermaßen jugendgefährdende, da perverse (= Opfer schaffende) Kirche von unseren Kindern fernzuhalten.
Liebe Grüße, Aoife

Aoife:
English - aber IMHO gut verständlich:

Link

Liebe Grüße, Aoife

Lupus:
Bemerkenswerte Arbeit von Schülerinnen:

Jupiter:
Danke Lupus, interessant, dass die Stuttgarter Zeitung berichtet, über was hier in der regionalen Presse nur sehr knapp berichtet wird (wie ja auch geschildert).
Gruß Jupiter

Green_Apple:
Was mich an sich an diesem ganzen Thema stört ist, dass man von einzelnen Priester auf alle und auf die ganze Kirche schließt. Ein paar tun etwas und alle sind daran schuld. Ich finde das einfach nicht in Odnung. 
Die Priester die etwas getan haben, haben natürlich gesündig und dafür müssen sie selbstverständlich auch Rechenschaft ablegen, aber generelle Verdächtigungen sind nicht in Ordnung!
Wie könnte man den Missbrauch verhindern?
Offener über alles sprechen?
Offenheit statt Privatsphäre in den Pfarren?

Aoife:
          Green_Apple hat folgendes geschrieben:Was mich an sich an diesem ganzen Thema stört ist, dass man von einzelnen Priester auf alle und auf die ganze Kirche schließt.
Danke für den Hinweis, Green_Apple, und offen gesagt: Wir haben auch schon in diese Richtung gedacht. Wobei eigentlich nur der thread title so einseitig ist, in den einzelnen Beiträgen wird ja durchaus ausgewogen argumentiert.
Ein Problem habe ich allerdings mit der ebenfalls verallgemeinernden Zusammenfassung &quot;...auf alle und auf die ganze Kirche ...&quot; - auf alle zu schließen ist sicherlich falsch, damit aber gleich auch den Schluß auf die Kirche als falsch hinzustellen ist jedoch zumindest voreilig. Denn &quot;die Kirche&quot; als Führungsebene und Herrschaftsstruktur ist da sicher nicht als unschuldig zu betrachten, je mehr bekannt wird, umso offensichtlicher wird, dass gerade von hier aus pro-Pädophilie und pro-Mißbrauch gearbeitet wird.
Liebe Grüße, Aoife

Lupus:
In diesem Buchgeht es nicht um Priester, aber ebenfalls um organisiertes Kinderschänder in einer nac h aussen geschlossenen Gesellschaft.
Jürgen Dehmers 
Wie laut soll ich denn noch schreien?
Die Odenwaldschule und der sexuelle Missbrauch
Rowohlt
Hardcover, 320 S.
01.09.2011
19,95 € (D)
978-3-498-01332-5
Klappentext
Der Missbrauchsskandal an der Odenwaldschule hat die deutsche Öffentlichkeit in Atem gehalten. Dass ausgerechnet in einer pädagogischen Modellschule sexuelle Übergriffe stattgefunden haben, schockierte die Menschen &amp;#8722; und viele wollten die schreckliche Wahrheit zuerst nicht glauben, weil die Ereignisse ihre Vorstellungskraft überstiegen. Dazu sagt Jürgen Dehmers: «Hört auf, euch etwas vorzustellen, hört uns endlich zu!»
 
Mittlerweile ist bekannt, dass über hundert Schüler Opfer des Missbrauchs wurden und mehr als ein Dutzend Lehrer und Erzieher zu den Tätern gehören.
 
Mit Jürgen Dehmers berichtet der Initiator der Aufklärung persönlich von den Vorfällen. Dehmers gelang es bereits als jungem Mann, trotz massiver Traumatisierungen und ideologischer Gehirnwäsche ein Leben nach der Odenwaldschule zu finden und Distanz zwischen sich und den schrecklichen Erlebnissen zu schaffen.
 
Das Buch demaskiert die Täter und ihre Helfer, die schutzbefohlenen Kindern unheilbare Verletzungen zugefügt haben. Darüber hinaus gelingt es dem Autor, das «System Odenwaldschule» zu beleuchten und dem Leser die Hintergrundinformationen zu liefern, wie es dazu kommen konnte, dass der sexuelle Missbrauch von Kindern zum Alltag einer hochgelobten Reformschule gehörte, in der die Schule alles war und das einzelne Kind nichts.
 
Ein Aufklärungskrimi, der spannend bleibt bis zum Schluss, obwohl die Täter ab der ersten Seite bekannt sind. 
ÜBER DEN AUTOR
Jürgen Dehmers ist das Alter Ego eines Autors, der als Schüler in den 80er Jahren die Odenwaldschule besuchte, dort eines der Opfer des Schulleiters Gerold Becker wurde und seit über einem Jahrzehnt Täter, Mitwisser, Schweiger und Vertuscher mit ihren Verbrechen konfrontiert. Jürgen Dehmers nutzt die Medien zur Anklage der Verantwortlichen, da durch das deutsche Rechtssystem wegen unzureichender Verjährungsfristen keine juristische Gerechtigkeit mehr geschaffen werden kann. Im Jahr 2010 gelang ihm die weitreichende Vernetzung der Betroffenen, und er wurde endlich von einer breiten Öffentlichkeit gehört.
Für die &quot;taz&quot; schreibt am 7.9.2011 AXEL LAWACZECK über das Buch:
&quot;Der Herr Direktor entlädt sich.&quot; Was für ein Satz. Ekelerregend. Und doch nur einer von vielen. Knorzelige Männerfüße. Turnschuhe gegen Geschlechtsverkehr. Spermatücher. Erzwungene Wichsrituale. Chronisch besoffene Vierzehnjährige. In den Tod getriebene Jugendliche. Gewaltsam aufgepresste Kinderkiefer, zwischen die sich gierige Männerzungen bohren. Eine Vaselinedose mit Kotspuren im Schlafzimmer Gerold Beckers.
 
So steht es im Buch von Jürgen Dehmers, &quot;Wie laut soll ich denn noch schreien?&quot; Die klare Sprache ist eine der große Stärken des Buches.
 Dabei ist Dehmers Sprache im besten Sinne des Wortes normal. Sie bezeichnet Dinge als das, was sie sind. Der Verzicht auf rhetorische Weichzeichner macht die Taten der Schänder sichtbar. Wie soll schließlich Empathie mit den Opfern entstehen, wenn nur von &quot;Missbrauch&quot; die Rede ist, also einer eventuell verunglückten Form des &quot;Gebrauchs&quot;? Wie sollen Zusammenhänge erkennbar sein, wenn sie von abstrakten Termini begleitet werden, die nichts anderes sind als verbale Nebelgranaten?
 
Pädophilie selbst ist solch ein unerträgliches Wort. Als könne man ernsthaft sagen, dass ein Pädophiler Kindern zugetan sei, so wie ein Frankophiler eben Frankreich liebt. Es gehört zu den großen Perversionen des allgemeinen Sprachkonsenses, dass mit diesem Begriff die Freundschaft zu Kindern ausgerechnet denen zugesprochen wird, die sie zerstören. 
 Vertuscher ficken die Sprache 
 Wer Kinder als Sexualobjekte betrachtet, liebt sie nicht. Manchmal sind Sachverhalte tatsächlich so einfach. Und so, wie Gerold Becker, Wolfgang Held und andere, teils noch unbenannte Täter Kinder systematisch vergewaltigten und quälten, so wird die Sprache von den Vertuschern und Relativierern, nein, nicht missbraucht, sondern gefickt. Klartext hilft. Dehmers spricht ihn. In rationaler Leidenschaft, innerlich erregt und doch äußerlich gelassen.
 
Mittlerweile dürfte Jürgen Dehmers einer der bekanntesten Unbekannten Deutschlands sein. Sein Name ist ein Pseudonym - und gleichzeitig Synonym für die Aufklärungsbemühungen rund um die OSO, die renommierte Odenwaldschule Ober-Hambach, das liberale Vorzeigeinternat des besseren Deutschlands. Gemeinsam mit Thorsten Wiest begann Dehmers bereits im November 1999 öffentlich Licht in die systematischen Verbrechen zu bringen, die jahrzehntelang ein fester Bestandteil des Leuchtturms der Reformpädagogik waren.
 
Doch das Licht, entzündet mit Hilfe der Frankfurter Rundschau, wurde wie von einem schwarzen Loch geschluckt: Jürgen Dehmers zeigt in seinem Buch detailliert und unter Nennung von Namen, wie die Täter feixten, die Verantwortlichen taktierten und die Medien wegschauten. Und wer bis zu diesem Zeitpunkt denkt, der Zorn über die Taten Gerold Beckers und seiner pädosexuellen Kamarilla könne nicht noch größer werden, wird beim Lesen eines Besseren belehrt.
 
Angst essen Seele auf - was ist eine Schule wert, die aus reinem Selbsterhaltungsflehen die Täter vor ihren Opfern schützt? Dehmers zitiert aus dem Artikel der Frankfurter Rundschau, in dem der Nachfolger Beckers im Amt des Schuldirektors, Wolfgang Harder, erklärt, dass der Missbrauch von Schülern ein Stück Vergangenheit sei. Dass er, Harder, keine Veranlassung gesehen habe, an die Öffentlichkeit zu gehen. Und dass schließlich alle Menschen auch von Herrn Beckers Wirken profitiert hätten. Es ist eines Schuldirektors schlicht unwürdig, so zu argumentieren. Denn es gibt nichts Gutes im Schlechten: Darin gleichen die Verdienste Beckers den Autobahnen Hitlers.
 
Reformpädagoge auf dem Ledersessel 
Ganz nebenbei bereitet Jürgen Dehmers allen Mutmaßungen über die mögliche Mitwisserschaft Hartmut von Hentigs, des Lebenspartners Gerold Beckers, ein abruptes Ende. Er benötigt nicht mehr als einen kurzen Absatz, um das Werk des Gottes der deutschen Reformpädagogik in den Staub zu treten: &quot;Ich hatte Hentig als Kind kennen gelernt.
 
Er saß bei einem Besuch Beckers in dessen Wohnzimmer in einem der flachen Ledersessel, von denen gut ein Dutzend in Beckers Wohnzimmer herumstanden, und Becker stand seitlich neben ihm. Ich war kurz durch Beckers Wohnung gegangen, vielleicht um mir ein Brot zu schmieren oder um etwas zu trinken zu holen, als Hentig mich mit einem durchdringenden, fast gierigen Blick ansah. Er sah zu mir, er sah zu Becker, wieder zu mir und sagte: Das ist also einer von diesen Knaben!&quot;
 
Wie kann es im erweiterten Kontext solcher Sätze möglich sein, dass die Reformpädagogik bis zum heutigen Tag keine klare Position in der Causa Becker und von Hentig bezogen hat? Es ist dieses Zögern, mit dem sich die Heilslehre ihre Sargnägel selbst schmiedet. Sie entlarvt sich durch die lautstark postulierte, aber wohl doch nur vorgebliche Nähe zum Kind, in dem eitle Köpfe wie von Hentig offenbar nie etwas anderes gesehen haben als unbedeutende Erfüllungsgehilfen ihres gesellschaftlichen Aufstiegs. Werde, der du bist - aber pass bloß auf, dass nicht zu viele Reformpädagogen in der Nähe sind.
 
Über die politischen und gesellschaftlichen Sekundanten des organisierten Kinderschändens ließe sich noch einiges mehr sagen, als Jürgen Dehmers es in seinem Buch tut. Ist nicht zum Beispiel Hellmut Becker, der erste Direktor des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung in Berlin, jener gefeierte &quot;Bildungs-Becker&quot;, einer der Hauptverantwortlichen für die schrecklichen Vergehen? Warum machte er, im Wissen um den versuchten Missbrauch des eigenen Patensohns durch Gerold Becker, eben jenen im Jahr 1972 dennoch zum Direktor der Odenwaldschule? In welcher Beziehung stand er zu Hartmut von Hentig und Gerold Becker?
 
Welchen Einfluss auf das Schulwesen haben diese Anhänger Stefan Georges ausgeübt, die sich ihre erbärmliche Brücke des pädagogischen Eros zimmerten und Platon am Nasenring durch die Manege zogen, um verbotenes Land zu betreten? Man wünscht sich eine Interpretation dieser Zusammenhänge von Jürgen Dehmers und ist doch gleichzeitig dankbar, dass der Autor der Lust am Spekulieren nicht nachgibt und konsequent das selbst Erlebte und die Fakten sein literarisches Geländer sein lässt.
 
Pädosexualität ist unpolitisch 
Wie Jürgen Dehmers schreibt, war die Welle, die die Odenwaldschule im letzten Jahr erfasste, gewaltig. Und er stellt bewusst die Verbindung zu den zahlreichen Missbrauchsskandalen an katholischen Schulen wie dem Berliner Canisius-Kolleg her, die für die öffentliche Wahrnehmung und die gesellschaftliche Diskussion wie ein Katalysator wirkten.
 
Dieser Punkt ist besonders wichtig: Denn, ob roter taz-Mitbegründer oder schwarzer Priester - Pädosexualität ist unpolitisch. Kinderficker haben kein Parteibuch. Jedes System ist ihnen recht, um darin die Ziele ihres Triebes aufzustöbern. Wer das verkennt oder zerredet, erschwert den Kampf gegen die sexuelle Ausbeutung von Kindern.
 
Links diskreditiert rechts aufgrund repressiver Strukturen, Rechts diskreditiert links aufgrund grenzenloser Libertinage. Die Folge ist ein engstirniges Patt. Und die Opfer sind erneut die Opfer. Dabei wird verleugnet, was schon jedes Kind weiß: Ein Hundehaufen riecht nicht besser, wenn ein zweiter Hund danebenkackt. Divide et impera - seit jeher nützt die Politisierung der Pädosexualität nur den Tätern.
 
Ein starkes und beständig wiederkehrendes Motiv im Buch von Jürgen Dehmers ist der Triathlon, dem er sich verschrieben hat. Dieser Extremsport ist eine gute Metapher für das gesamte Buch. So braucht die Schilderung seines Lebens bis zum Besuch der Odenwaldschule nicht mehr als eine Handvoll Seiten und kommt wie ein kurzes Warm-up daher. Dehmers läuft los, erst ungestüm, dann mit Bedacht, er muss seine Kräfte einteilen. Er kämpft gegen die Ignoranz an, gegen seine Traumata, gegen seinen Alkoholismus, der ihm die Flucht aus der Unerträglichkeit war. 
 
Nach 25 Jahren am Ziel 
Gelegentlich stoßen sperrige Sätze wie &quot;Nach Scheiße kommt scheißer!&quot; und einige Wiederholungen auf. Sie wirken seltsam ungelenk und passen doch ins Bild, wirken wie ein Stolpern während des Laufs. Man ahnt den Lektor hinterhereilen und japsen, doch es bleibt keine Zeit, stehen zu bleiben, dieses Rennen muss endlich beendet werden.
 
Denn Dehmers läuft einen der härtesten Triathlons, den je ein Mensch absolviert hat, und er erreicht nach 25 Jahren endlich sein Ziel. Er hat, gemeinsam mit seinem Team, einen brutalen und kräfteverzehrenden Lauf gewonnen. Diese Höchstleistung und den Durchhaltewillen Dehmers' können wir gar nicht ermessen. Er ist um sein Leben gerannt.
 
Auch die anderen Opfer gewinnen durch dieses Buch. Ebenso die Wahrheit. Gerold Becker und Wolfgang Held haben das Rennen nicht überlebt. Verloren haben all jene, die glauben, man könne ungestraft Kinder vergewaltigen oder aber die Vorfälle totschweigen. Hartmut von Hentig hat sich praktischerweise selbst disqualifiziert. Die Odenwaldschule muss beißen, wenn sie nicht auf der Strecke bleiben will. Und die Reformpädagogik irrt orientierungslos durchs Unterholz.
 Der Titel des Buches lautet: Wie laut soll ich denn noch schreien? Wer diesen Ruf von Jürgen Dehmers nicht hören will, muss sich fragen lassen, warum er freien Willens zu Verbrechern unter eine stinkende Decke kriecht, unter die er seine eigenen Kinder niemals krabbeln lassen würde.
Wütender Aufklärer
 Jürgen Dehmers ist der wichtigste Aufklärer im Odenwald. Ohne sein jahrelanges beharrliches und auch wütendes Drängen wäre der brutale Missbrauch an der Superschule nie ans Licht gekommen. Als Dehmers, der im richtigen Leben anders heißt, bei einem Klassentreffen 1997 seinem Ausbeuter und Vergewaltiger Gerold Becker wiederbegegnet, läuft das Fass über. Er beginnt Briefe zu schreiben, die Öffentlichkeit zu informieren, Verbündete zu suchen.
***
Der Kampf dauerte lange, beschrieben ist er nun - genau wie Dehmers' furchtbare Erlebnisse - in seinem Buch &quot;Wie laut soll ich denn noch schreien?&quot; (Hamburg, Rowohlt 19,95 Euro), das vergangenes Jahr von 20 Verlagen abgelehnt wurde. Unser Rezensent fragt: &quot;Wie kann man so ein Buch ablehnen?&quot; Dehmers hat in sein Leben gefunden; heute arbeitet er im pädagogischen Bereich und kämpft um Entschädigung für die Opfer. Der Verein &quot;Glasbrechen - für die Betroffenen sexualisierter Gewalt auf der Odenwaldschule&quot; geht von 400 bis 500 Opfern aus. 
[url=http://www.taz.de/Kindesmissbrauch-an-der-Odenwaldschule/!77630/]taz[/url]

Ariane:
Eine fast übermenschliche Leistung, die Jürgen Dehmers gelungen ist. Sein Kampf mit den Erfahrungen,Erinnerungen, mit den Tätern war und ist ein zäher, mit Rückschlägen beladener Prozess. Dehmers wäre sicher auch ein guter Marathonläufer. Ich ziehe vor diesem Mann meinen Hut und hoffe, er möge genügend MitstreiterInnen und Unterstützung auf seinem Weg finden, im Ringen und Schreiben um sein Leben und nach 25 Jahren ein klein wenig zur Ruhe kommen, denn der Kampf um die Aufklärung zehrt an den Kräften.
Eine Schande sind die Lektoren der vielen Verlage, die sich für die Ablehnung des Buches zuständig zeigten. Mich würden mal die Namen der Verlage interessieren, ihre &quot;Firmenphilosophie&quot; und die Gründe, die zur Ablehnung dieses Buches führten.
Ich stand mit der Reformpädagogik immer auf Kriegsfuß. Dies liegt in den ideengeschichtlichen Wurzeln dieser Bewegung, einigen Grundannahmen, an den Biografien einige ihrer Protagonisten. Schreber missionierte und fesselte seinen eigenen Kinder an den Küchentisch, er experimentierte an ihnen, probierte neuen &quot;Methoden&quot; aus. Die Mehrzahl (alle? Bin gerade nicht sicher) seiner Kinder nahm sich später das Leben und/oder landete in geschlossenen Psychiatrie. Es gibt von mir dazu hier im Forum einen Beitrag an anderer Stelle, den ich hier verlinkt habe. 
http://www.sexworker.at/phpBB2/viewtopic.php?p=97884#97884
Menschen, die sich der psychosexuellen Vergewaltigung und/oder Folter an Kindern und Jugendlichen schuldig gemacht haben und zeitlebens machen, da die Opfer zeitlebens davon gezeichnet sind, müssen mit allen Mitteln des geltenden Strafrechts zur Verantwortung gezogen werden. Diese Taten verjähren im Gedächtnis der Opfer nie.
Leider gibt es bis zum heutigen Tag ungesühnte Taten und Täter und Komplizen an den Hebeln der Macht, die diese Strafverfolgung behindern. Betroffen ist die Justiz, das Ausbildungs- Lehrer- und Erziehungswesen, Kirche, Familie. Es gäbe noch mehr dazu zu sagen, aber belasse es hierbei.

Aoife:
In einem anderen Forum haben wir diesen Artikel diskutiert:
http://www.irishcentral.com/news/Le....e-scandals-129556388.html
Bei der Frage &quot;wie kann der Mann seit 40 Jahren Priester sein und erst jetzt bemerken, dass da etwas furchtbar falsch läuft?&quot; ergab sich eine Argumentation, die ich gerne mit euch teilen möchte, da sie sicher einen Großteil der Verbrechen erklärt:
Die Kirche hält Einmischung in die sexuelle Selbstbestimmung der Menschen für moralisch hochwertig, man befürwortet ein Verbot von außerehelicher Sexualität und versucht sogar in der Ehe den &quot;erlaubten&quot; Ablauf sexueller Kontakte zu bestimmen.
Das ist definitiv Mißbrauch, was da getrieben wird, so dass dessen Ausweitung (auf Kinder, und zur eigenen Befriedigung) keine grundsätzlich neue, der Kirchenphilosophie fremde Einstellung erfordert, sondern sich (psycho-)logischerweise aus den von der Kirche vertretenen Werten ergibt.
Liebe Grüße, Aoife

Ariane:
Na, die hochmoralischen Werte, die da vertreten werden, sind die gleichen, die Ausbeutung und &quot;kontrollierten&quot; Missbrauch zulassen.Das schliesst sich bei diesen Sophisten und Textauslegern nicht aus. Das gleiche gilt für alle Fundamentalisten jeglicher religiöser Provinienz, die nach Gusto so lange die Fakten verdrehen, bis ihnen das Ergebnis passt.
Sophist=Wortverdreher, die sich als wahrheitsliebend ausgeben, vereinfacht gesprochen.

fraences:
Missbrauchsopfer klagen Papst in Den Haag an

Zwei US-Organisationen haben beim Internationalen Strafgerichtshof Klage gegen den Papst und drei weitere Vatikan-Verantwortliche wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit eingereicht.
US-Organisationen haben am Dienstag eine Klageschrift gegen den Vatikan beim Internationalen Strafgerichtshof (ICC) in Den Haag eingereicht. Sie werfen dem Kirchenstaat Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor und fordern Ermittlungen gegen Verantwortlichen.
In ihrer 10.000 Seiten starken Klageschrift beschuldigen das Center for Constitutional Rights (CCR) und das Survivors Network of those Abused by Priests (SNAP) den Papst und drei weitere hochrangige Vatikan-Verantwortliche (Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone, seinen Vorgänger Angelo Sodano und den Präfekten der Glaubengskongregation, William Levada) der &quot;Tolerierung und Ermöglichung der systematischen und weit Vertuschung von Vergewaltigung und Sexualverbrechen an Kindern in der ganzen Welt&quot;.
 
&quot;Verbrechen gegen Zehntausende von Opfern, die meisten von ihnen Kinder, sind wird von Verantwortlichen auf der höchsten Ebene des Vatikans gedeckt worden&quot;, sagte die führende CCR-Anwältin Pamela Spees. Die vier Vatikan-Vertreter seien sowohl durch die &quot;Vorgesetztenverantwortlichkeit als auch durch die direkte Vertuschung von Verbrechen&quot; zu belangen.
 
SNAP-Europatournee kommt auch nach Wien
SNAP hat am Dienstag in Amsterdam eine mehrtägige Europatournee begonnen, die Vertreter der Organisation am 16. September auch nach Wien führt. Man wolle eine Sensibilisierung in der Bevölkerung bewirken. &quot;Jede einzelne Person, die von Priestern missbraucht wurde, soll wissen, dass sie nicht allein ist und dass sie sich mit anderen Menschen beraten kann, die ein ähnliches Trauma erlebt haben&quot;, sagte die Präsidentin des SNAP-Verbands, Barbara Blaine. 
Die Tour endet am 20. September mit einer Pressekonferenz in Rom.
 
CCR und SNAP
Das Center for Constitutional Rights (CCR) wurde 1966 von Anwälten in den USA gegründet und setzt sich für die Förderung und den Schutz der von der Verfassung der Vereinigten Staaten und der Allgemeine Erklärung der Menschenrechte garantierten Rechte ein.
Das Survivors Network of those Abused by Priests (SNAP) sieht sich als Vertretung von Missbrauchsopfern Geistlicher

http://diepresse.com/home/panorama/....agen-Papst-in-Den-Haag-an

Vatikan kritisiert Anklage gegen Papst in Den Haag
http://diepresse.com/home/panorama/....-gegen-Papst-in-Den-Haag-

Aoife:
Leider English:
http://www.irishcentral.com/news/Ho....dissection-131353793.html
Katholische Institutionen habe hunderte von Babies als Versuchskaninchen für die Pharmaforschung verkauft.
Liebe Grüße, Aoife

Lycisca:
Ergänzung zu den Beiträgen ab #163 zu den Magdalen Wäschereinen: Mädchen wurden in den von Nonnen betriebenen Magdalen-Wäschereien u.a. wegen ihres Sexlebens faktisch weggesperrt, misshandelt, zu Zwangsarbeit herangezogen ... und sie erhielten bis heute keine Entschädigung, während die Kirche den Gewinn einsteckte. Mehr Info ist auch im NGO Bericht Link.
Unten ist die genaue Stellungnahme des UN Ausschusses gg Folter:
CAT/C/IRL/CO/1 vom 17.06.2011 hat folgendes geschrieben:
21. The Committee is gravely concerned at the failure by the State party to protect girls and women who were involuntarily confined between 1922 and 1996 in the Magdalene Laundries, by failing to regulate and inspect their operations, where it is alleged that physical, emotional abuses and other ill-treatment were committed, amounting to breaches of the Convention. The Committee also expresses grave concern at the failure by the State party to institute prompt, independent and thorough investigations into the allegations of ill-treatment perpetrated on girls and women in the Magdalene Laundries (arts. 2, 12, 13, 14 and 16).
The Committee recommends that the State party institute prompt, independent and thorough investigations into all complaints of torture and other cruel, inhuman or degrading treatment or punishment that were allegedly committed in the Magdalene Laundries and, in appropriate cases, prosecute and punish the perpetrators with penalties commensurate with the gravity of the offences committed, and ensure that all victims obtain redress and have an enforceable right to compensation, including the means for as full rehabilitation as possible.

Aoife:
Wobei sicherlich als feiner Unterschied zum thread title hier zu beachten ist, dass die UNO nicht die Kirche beschuldigt, sondern den Staat, der die Kirche nicht in die Schranken verwiesen hat ...
Und offensichtlich ist der Staat nicht nur als Irish Free State, sogenannte &quot;Republik&quot;* hierzu nicht in der Lage, es scheint auch in Österreich, Deutschland und der Schweiz irgendein Druckmittel der Kirche zu geben, das ihr erlaubt auf staatlicher Ebene Immunität zu erringen. Wie sonst wäre zu erklären dass es Strafgesetze gibt, die uns überlegen lassen dieses thread in nur für registrierte user zugängliche und somit als &quot;privat&quot; deklarierbaren Bereich zu verschieben?
Liebe Grüße, Aoife
*es soll bitte keiner glauben, dass wir irischen Republikaner *diese* Staatsform für die ganze Insel anstreben ... die Revolution von 1916 wurde von Kirchenhörigen gekidnapped, in wessen Auftrag will ich hier nicht mich äußern, aber die &quot;Verbrechen katholischer Priester&quot; machen die Kirche erpressbar und somit zu einem optimalen Stellvertreter ür die Weltmachtsansprüche anderer.

Aoife:
          Aoife hat folgendes geschrieben:Der Mißbrauchsskandal hat eine neue Dimension erreicht:
Die römisch-katholische Kirche argumentiert gegenüber Schadensersatzklagen, dass Priester keine Angestellten der Kirche seien.
http://m.guardian.co.uk/world/2011/....at=world&amp;type=article
Das High Court in London hat jetzt in einem Präzedenzfall entschieden, dass oben zitierte Argumentation in GB nicht anwendbar ist. Auch wenn Priester formal keine Angestellten sind, so ist die Kirche als diejenige Instanz, die ihnen ihren Wirkungsbereich organisiert auch für Entschädigungen bei Mißbrauch verantwortlich.
http://www.irishcentral.com/news/Co....by-priests-133522878.html
Liebe Grüße, Aoife

Lupus:
Vielleicht hatten die Bischöfe Angst vor diesem Buch:
Anisha Mörtl
Lotostochter
Ich bin ein gestohlenes Kind
Gebundenes Buch mit Schutzumschlag, 240 Seiten, 13,5 x 21,5 cm, mit 16 Farbtafeln
ISBN: 978-3-517-08719-1
€ 17,99 [D] | € 18,50 [A] | CHF 25,90* (* empf. VK-Preis) 
Verlag: Südwest
07.11.2011
Klappentext:
Ein adoptiertes indisches Mädchen auf der Suche nach seiner leiblichen Mutter
Anisha – elf Monate ist das indische Mädchen alt, als es von einem deutschen Ehepaar adoptiert wird. 13 Jahre später, zerrissen zwischen ihrer indischen Herkunft und ihrem Leben in Deutschland, begibt sich Anisha auf die Suche nach ihrer leiblichen Mutter. In Indien trifft sie auf ein korruptes System: ein katholisches Waisenhaus, geleitet von einer Nonne, die Anishas Mutter das Baby entriss und es ohne deren Einverständnis den westlichen Adoptiveltern übergab. Trotz großer Widerstände findet Anisha ihre Mutter wieder: Fatima, eine arme Frau, Analphabetin, die sich gegen die Ordensfrau nicht wehren konnte. Anisha ist heute eine starke junge Frau. Offen spricht sie über ihr bewegendes Schicksal und regt an, das Thema Adoption kritisch zu hinterfragen. Die unglaubliche Geschichte von Anisha und Fatima, von Kinderhandel und Korruption, von Mutterliebe, Sehnsucht nach Heimat und unendlicher Einsamkeit.
Kurzvita
Anisha Mörtl wurde 1990 in Hyderabad, Indien, geboren. Im Alter von elf Monaten wird sie von einem deutschen Ehepaar adoptiert, das sie mit nach München nimmt, wo sie aufwächst und heute noch lebt. Mit 13 Jahren kehrt sie nach Indien zurück und macht sich auf die Suche nach ihrer leiblichen Mutter. Anisha hat gerade ihr Abitur bestanden und möchte nun Psychologie studieren.
http://www.randomhouse.de/press/inf....8&amp;pub=32000&amp;men=1
Leseprobe:
http://www.randomhouse.de/content/edition/excerpts/293886.pdf
Link
Heute kam eine Buchbesprechung in der &quot;Stuttgarter Zeitung&quot;
Darin heisst es &quot;Gertraut Knuth von der &quot;Initiative Adoptionsopfer&quot; weiss von 1.700 indischen Kindern, die allein in den neunziger Jahren...in die Obhut von Ordensschwestern der berühmten &quot;Mutter Theresa&quot; gab... gefälschten Einverständniserklärung ihrer Mutter nach Deutschland verfrachtet... Für die Fehler der Ordensschwestern sei hierzulande niemand haftbar&quot; weil Anishas die Adoptiveltern die Vermittlungsagentur verklagten.
...
Kinderschützer vermuten, dass in Deutschland jede dritte internationale Adoption ohne staatliche Begleitung erfolgt...&quot;
Artikel in der &quot;Welt&quot; vom 06.11.2011
http://www.welt.de/vermischtes/welt....s-gestohlenen-Kindes.html
Vielleicht ist der ganze Artikel morgen im Netz.

Marc of Frankfurt:
Psychogramm der berühmten &quot;Mutter Theresa&quot;:
www.sexworker.at/phpBB2/viewtopic.php?p=107169#107169

Jason:
Rund 800 Mitarbeiter der katholischen Kirche haben sich an Jugendlichen vergangen. Juristische Konsequenzen wird es wegen Verjährung wohl nicht geben.

Mit vorweihnachtlicher Besinnlichkeit ist es in der katholischen Kirche der Niederlande vorbei. Bischöfe und hohe Funktionäre reagierten am Freitag geschockt auf die Veröffentlichung eines Reports über sexuellen Missbrauch in kirchlichen Einrichtungen. Wim Eijk, Erzbischof des Bistums Utrecht, sprach in einer Erklärung von &quot;Scham und Verdruss&quot;. Schuld treffe nicht nur die Täter selbst, sondern auch kirchliche Würdenträger, die &quot;nicht sorgfältig gehandelt&quot; und der Opferhilfe keine Priorität eingeräumt hätten. Auch die Dachorganisation der Abteien, Orden und Klöster bot ihre &quot;aufrechte Entschuldigung&quot; an.
Der Report, veröffentlicht von einer unabhängigen Kommission unter Leitung des ehemaligen Bildungsministers Wim Deetman, kommt zu dem Ergebnis, dass 
von 1945 bis 1985 zwischen 10.000 und 20.000 Minderjährige Opfer sexuellen Missbrauchs wurden [= 250 bis 500 Opfer pro Jahr]. 
Diese Fälle ereigneten sich in katholischen Internaten und Schulen, Kinder- und Waisenhäusern. 
Bei einigen tausend dieser Kinder soll es sich um schweren Missbrauch gehandelt haben.
Die Kirchenleitung hätte diese Problematik wissentlich verschwiegen. Interne Maßnahmen seien nicht ergriffen worden, um mögliche Skandale zu verhindern. Zudem habe es für die Betroffenen keine angemessene Hilfe gegeben. Trotz entsprechender Hinweise hatten Kirchenvertreter in den Niederlanden wiederholt beteuert, sie seien über diese Vorfälle nicht unterrichtet gewesen. 
Kardinal Ad Simonis, ehemaliger Erzbischof von Utrecht, erklärte letztes Jahr in einer TV- Sendung, er habe &quot;von nichts gewusst&quot;. Später stellte sich heraus, dass er in seiner Amtszeit einen als pädophil bekannten Priester einstellen ließ.
Gerade wegen dieser Vorgeschichte war der Deetman-Bericht in den Niederlanden mit Spannung erwartet worden. Begonnen hatte die Diskussion um sexuellen Missbrauch in katholischen Einrichtungen im März 2010: Nach Berichten über Salesianer-Pater, die sich in den 1960er und 1970er Jahren in einem Internat systematisch an Jugendlichen vergriffen haben sollen, meldeten sich in wenigen Tagen 200 Betroffene bei einer kirchlichen Anlaufstelle. 
Die niederländische Bischofskonferenz beauftragte daraufhin Wim Deetman, selbst ehemaliger Direktor einer weiterführenden Schule, mit umfangreichen Untersuchungen.
Die von ihm geleitete Expertenkommission nahm insgesamt fast 1.800 Meldungen über Missbrauchsfälle auf. Dabei konnte sie rund 800 Täter ermitteln [Opferfälle:Täter Verhältnis = 2,25 und damit evt. größer als bei Menschenhandel was als OK, organisierte Kriminalität gilt. Anm. MoF], die in Bistümern oder kirchlichen Orden tätig waren. 
105 davon leben nach den Erkenntnissen der Kommission noch. Wie viele noch eine kirchliche Funktion erfüllen, ist nicht bekannt. Besonders belastet wird der frühere Rotterdamer Bischof Philippe Bär. In seiner Amtszeit von 1983 bis 1993 habe er gegen den Willen interner Auswahlgremien ungeeignete Kandidatenals Priester zugelassen. Mehrere von ihnen hätten sich später des Missbrauchs schuldig gemacht.
Zufrieden mit der akribischen Arbeit der Kommission zeigte sich die Stiftung KLOKK, ein landesweites Beratungsorgan über Kindesmissbrauch in der Kirche. In einer Stellungnahme heißt es, die Ergebnisse des Reports seien &quot;noch schockierender&quot; als erwartet. Der niederländische Justizminister Ivo Opstelten sprach nach der Veröffentlichung von einem &quot;sehr intensiven, schockierenden Bild&quot;. Die Empfehlungen der Kommission wolle er &quot;besonders ernst nehmen&quot;. Im Report wird ein von zentraler staatlicher Stelle gelenkter Kampf gegen sexuellen Missbrauch und Gewalt angeregt.
Der sexuelle Missbrauch Minderjähriger sei keinesfalls auf die katholische Kirche beschränkt, erklärt die Untersuchungskommission ihre Forderung. Sie bezieht sich auf eine Erklärung des niederländischen Gesundheitsrats, eines wissenschaftlichen Beratungsgremiums der Regierung. Demnach werden allein in den Niederlanden jedes Jahr über 100.000 Kinder körperlich, geistig oder sexuell misshandelt. 
Ambivalent indes ist der Deetman- Report über die Rolle des Zölibats. Einerseits räumt er ein, Priester und Paters würden durch das Zölibat &quot;empfänglich für diverse Formen grenzüberschreitendes Verhalten&quot;. Als hinreichende Erklärung sexuellen Missbrauchs reiche dies jedoch nicht aus.
Nicht zu erwarten ist, dass die Debatte noch eine juristische Dimension bekommt. 
Im Zuge der Deetman-Veröffentlichung wurde bekannt, dass die Kommission 11 anonyme Fälle an die Staatsanwaltschaft weiter geleitet hat. Diese erklärte am Freitag, die meisten davon böten zu wenig Informationen für eine Untersuchung und seien zudem verjährt. Letzteres soll auch für die übergroße Mehrheit aller für den Bericht relevanten Fälle gelten. 
Vom Zeitpunkt der Volljährigkeit eines Kindes verjähren Strafen nach 20 Jahren.
Im Nachbarland Belgien wurde diese Frist nach einem vergleichbaren Missbrauchsskandal in katholischen Einrichtungen von zehn auf 15 Jahren angehoben.

Quelle: www.zeit.de/gesellschaft/zeitgesche....niederlande-report-kirche

Marc of Frankfurt:
Das entspricht 250 bis 500 Opferfällen pro Jahr
und 20 Tätern pro Jahr (wenn nur in einem 1 Jahr Täter)
in 40 Jahren
in den Niederlanden.
Opferfälle:Täter-Verhältnis = 2,25 und damit evt. größer als bei Menschenhandel wo das Verhältnis ca. 1:1 ist, aber Zuhälterei klassischerweise als OK, als organisierte Kriminalität gilt, was zu besonderer Strafverfolgung und verschärftem Strafmaß führt.


Hier ein &quot;Widergutmachungs- oder Ablenkungsprojekt&quot; der Salesianer vom Generalvikar Dr. Jochen Reidegeld in Senden im zu NL benachbarten Münsterland:
www.sexworker.at/phpBB2/viewtopic.php?p=107305#107305
___


Kunstwerk

Cardinal Sin
Kardinal Sünde
von Banksy


Häusersprayer - street art Künstler Banksy
lebte lange Zeit im Untergrund
www.banksy.co.uk
http://de.wikipedia.org/wiki/Banksy
Zu den christlichen &quot;Kardinal-Sünden&quot; (7 Todsünden) siehe auch dieses Kunstwerk von Lukas Maximilian Hüller 2007 und Hironimus Bosch (1450-1516):
www.sexworker.at/phpBB2/viewtopic.php?p=28633#28633

Aoife:
Für alle die Englisch lesen können hier ein höchst interessanter Artikel:
http://newhumanist.org.uk/2735/inside-the-heresy-files
Für diejenigen, die es nicht können hier die kurze, aber nicht weniger erschreckende deutsche Zusammenfassung:
Die Inquisition ist keineswegs eine historische Vergangenheit, sondern sie ist der Prototyp des modernen Staates.
Nicht ganz teilen möchte ich den Pessimismus des Autors:
Zwar ist es sicherlich richtig, dass die Inquisition, und in ihrer Nachahmung der Staat, erst entstehen konnten nachdem die bürokratischen Voraussetzungen dafür zur Verfügung standen. Jedoch glaube ich nicht, dass sie in diesem Moment auch entstehen musste - der Mensch ist keineswegs gezwungen, jedes zur Verfügung stehende Mittel auch tatsächlich zu nutzen um Unheil anzurichten.
Liebe Grüße, Aoife

Marc of Frankfurt:

vergrößern

annainga:
Priester am Ende ihrer Kräfte
Sie verlieren den Glauben, wollen zu viel, wissen nicht weiter. Das ist bei Geistlichen eigentlich nicht vorgesehen und wird verschwiegen. Wie sie damit umgehen - ein Besuch in Kirchen und Klöstern
Die Verzweifelten sitzen hinten. In den letzten Reihen der kleinen Kirche, im Halbdunkel; die kleinen Fenster lassen nur wenig Licht herein. Es ist ein karger Raum, es gibt keinen Weihrauch hier, keine Wandmalereien, keine Reliquien, kein Pomp, nur ein Holzkreuz, das den Altarraum überragt. Die Verzweifelten tragen Strickpullover und Westen. Sie tragen keine Talare mehr, keine Gewänder. Bis vor Kurzem waren sie Priester, Nonnen und Mönche. Was sie jetzt sind, wissen viele von ihnen nicht genau, zumindest im Moment nicht.
Die Mittagsandacht ist fast vorüber, als die Orgel verstummt und ein Mönch des Benediktinerordens aus dem Altarraum ans Pult tritt. Der bärtige Mann liest Vers 17, Psalm 25: &quot;Die Enge meines Herzens mache weit, und führe mich heraus aus meinen Bedrängnissen.&quot; Dieser Vers ist häufiger zu hören in den Andachten hier. Er passt zu den Gästen in den letzten Reihen. Sie rufen im Chor &quot;Amen&quot;.
Sie sind hierher, in das Kloster Münsterschwarzach bei Würzburg gekommen, weil sie in einer Krise stecken. Sie haben als Geistliche ihr ganzes Berufsleben damit verbracht, anderen zu helfen, und nun wissen sie selbst nicht mehr weiter. Sie können keinen Trost mehr spenden, weil sie selbst welchen brauchen.
So wie Hans-Joachim Wahl, der Priester, der sich selbst verloren hat, weil er ständig für andere da war.
So wie Matthias Woll, der Mönch, der sich nicht entscheiden konnte zwischen den beiden Lieben seines Lebens.
So wie Michael Stanke, der Dorfpfarrer, der verzweifelte, als er Gott nicht mehr spürte.
Es ist noch nicht so lange her, da saßen auch sie hier in der Abteikirche. Drei Monate lebten sie im Recollectio-Haus, einem gelben Flachdachbau gleich nebenan; im Schatten der Sandsteintürme, die das grüne Tal überragen, das der Main hier in die unterfränkische Erde gegraben hat. Oder Gott, je nach Glauben. Der kleine Ort Schwarzach mit seinen 3600 Einwohnern besteht aus nicht viel mehr als dem 1223 Jahre alten Benediktiner-Kloster. Hier betreibt die katholische Kirche ihr eigenes Therapiezentrum für verzweifelte Würdenträger. Es ist zum Schutzraum geworden für Seelsorger, deren Seelen krank wurden. Diesen Schutzraum hat Wunibald Müller geschaffen. Der 60-Jährige sitzt in seinem Büro im Erdgeschoss, an einem dunklen Holzschreibtisch. Hinter ihm hängt ein grüner Vorhang, wie man ihn aus Krankenhäusern kennt, auf dem Boden steht eine Tonvase. Er trägt einen brauen Wollpullover und eine randlose Brille. Er hat die Augen halb geschlossen, sein Blick geht ins Leere. Wunibald Müller denkt nach. Ob er stolz sei, war die Frage. Stolz darauf, dass sein Recollectio-Haus auf Monate ausgebucht sei. Er öffnet die Augen. &quot;Natürlich freue ich mich&quot;, sagt er, &quot;andererseits empfinde ich keine Freude, dass immer mehr Priester psychologische Hilfe brauchen. Der Erfolg des Hauses hat für mich einen bitteren Beigeschmack.&quot; Wunibald Müller hat mehrere Rollen in diesem Haus. Er ist Psychotherapeut, Theologe, Kirchenkritiker und deren Diplomat in Personalunion. Alles wegen der Kirche, alles für die Kirche - und das alles trotz der Kirche, so wie sie sich derzeit präsentiert.
Das Verhältnis der Gesellschaft zu dieser Kirche, zu den Priestern, ist ein paradoxes. Ihr Beruf wird wie kaum ein anderer idealisiert. Als Mittler zwischen Gottheit und Menschen haben viele Gläubige eine heilige Vorstellung von ihnen. &quot;Nach der landläufigen Annahme müssen Priester mit Problemen leichter umgehen. Weil sie in eine Gemeinde eingebunden sind und ihre Spiritualität ihnen als unerschöpfliche Kraftquelle zur Verfügung steht&quot;, sagt Müller. Das stimmt aber so offenbar nicht. Es kommen immer mehr Priester zu Müller. Viele von ihnen sind überarbeitet, weil Gemeinden zusammengelegt wurden. Andere leiden unter spirituellen Zweifeln. Und nicht wenige sehen sich seit den Missbrauchsskandalen dem Generalverdacht ausgesetzt, auch einer derjenigen zu sein, die sich an Minderjährigen vergehen. Manche würden auf der Straße beschimpft oder bespuckt, einfach weil sie als Priester zu erkennen seien, erzählt Müller. Sie fühlten sich als Außenseiter. Dabei haben viele selbst Schwierigkeiten, das zu vertreten, was ihre Kirche lehrt. Mehr und mehr Pfarrer ziehen sich innerlich zurück. Ihnen fällt es schwer, Freundschaften einzugehen, weil sie glauben, dass jede emotionale Beziehung zu einem anderen Menschen dem Zölibat widersprechen könnte. Einige vereinsamen, lenken sich mit Computerspielen, Pornografie oder Alkohol ab. Und dann gibt es jene Priester, die sich nicht entscheiden können zwischen ihrem Amt und einer Frau.
Undenkbar, über all diese Probleme mit dem Pfarrgemeinderat offen zu reden. Unmöglich, sich damit einem Bischof anzuvertrauen. Deshalb stapeln sich auf Müllers Schreibtisch die Briefe mit Aufnahmewünschen von Priestern, Nonnen und Mönchen.
Auch Hans-Joachim Wahl hatte einen solchen Brief geschrieben. Es ist nicht schwierig, den Dekan kennenzulernen. Man muss nur an der Holztür des Pfarramtes von Bad Nauheim klopfen. Er öffnet sofort. Das, könnte man sagen, ist auch schon Teil seines Problems. Denn in der Vergangenheit hat Wahl zu häufig seine Tür geöffnet. Er gehört zu jener Sorte Priester, denen es schwerfällt, Nein zu sagen. Die sich jeder Kleinigkeit annehmen. Er will ja niemanden enttäuschen. Das spricht sich schnell herum. Hans-Joachim Wahl sieht nicht aus wie ein Mensch, der schnell verzweifelt. Der 52-Jährige ist ein kräftiger Mann mit Glatze und freundlichem Gesicht. Es wird schnell rot, wenn Wahl lacht. Und er lacht viel. Auch traurige Anekdoten versieht er mit einer Pointe. Und den Rest verniedlicht sein hessischer Dialekt. &quot;Früher dachte ich immer, Priester sind glücklich mit dem, was sie machen&quot;, sagt er. Mehr nicht. Als wäre ohnehin klar, wie sein Satz weitergehen müsse.
Wahl stammt aus einem kirchennahen Elternhaus. In seinem Abiturjahrgang haben von 130 Schülern fünf Theologie studiert. Damals, Anfang der 80er-Jahre, ließen sich in Deutschland 200 bis 300 junge Männer pro Jahr zum Priester weihen. Im Jahr 2010 verzeichnete die Statistik der Deutschen Bischofskonferenz 80 - so wenig wie nie zuvor.
Hans-Joachim Wahl hat sich diesen Nachmittag freigenommen. Er führt vom Gemeindehaus ein paar Meter weiter herüber in die Sakristei seiner Kirche St. Bonifatius. Dort schlüpft Wahl in sein &quot;tertiäres Geschlechtsmerkmal&quot;. Ein seltsamer Name für ein grünes Messgewand. &quot;Es ist, als wäre es mit mir verwachsen, so häufig trage ich es&quot;, sagt Wahl, &quot;es gibt Tage, an denen ich es kaum ausziehe.&quot;
Wahl faltet die Hände, wippt leicht vor und zurück. Es ist ruhig, nur die einsame Glühlampe über ihm im Gewölbe surrt leicht. So viel Ruhe macht ihn nervös. Sie kommt selten vor in einer Mittelpunktgemeinde wie der seinen. 25 Pfarrgemeinden gehören zu dem Dekanat, dem Wahl vorsteht; für zwei ist er als Pfarrer zuständig. &quot;Nach meinem 20-minütigen Morgengebet um acht Uhr brauche ich mir im Pfarramt nichts Großes vorzunehmen - weil ich ja sowieso nicht dazu komme&quot;, sagt er. Laufend klingelt das Telefon, Besucher kommen spontan, um über ein Grußwort für den Sportverein zu sprechen. Mittags trauen, taufen und beerdigen, Messdiener treffen, den Kirchenchor, die Kolpingsfamilie oder Strafgefangene im Gefängnis des Nachbarorts. Abends mit Brautleuten, Angehörigen von Verstorbenen oder Eltern von Taufkindern sprechen; mit dem Pfarrgemeinderat tagen oder Gottesdienste in Altenheimen feiern. Zwischendurch und vorm Zubettgehen schnell Post und E-Mails beantworten. Freie Wochenenden gibt es nie. Sonntag ist der wichtigste Arbeitstag.
&quot;Ich fühle mich wie ein Soldat, stets in Uniform, stets im Einsatz, immer zur Stelle&quot;, sagt Wahl. Mit Soldaten kennt er sich aus. Elf Jahre lang reiste Wahl als Militärpfarrer von Kaserne zu Kaserne. Im Oktober 2001 wurde er von Bischof Karl Lehmann gefragt, ob er die Pfarrgemeinde in Bad Nauheim übernehmen wolle. Mit vielen alten Menschen. Mit viel Arbeit. Er sagte Ja. Ein Jahr später fragte Lehmann ihn, ob er auch noch Aufsichtsratschef beim Bezirksverband der Caritas werden könne. Er sagte Ja. 2004 sprach Lehmann ihn abermals an. Ob er zusätzlich zu seinen anderen Aufgaben Dekan werden wolle. Das Amt entspricht dem eines Regierungspräsidenten. Ein Dekan vermittelt zwischen Bistum und Pfarrgemeinden. Ein Diplomatenjob, der allein schon tagesfüllend ist. Noch mehr Briefe, noch mehr E-Mails, noch mehr Konferenzen, nur, dass zu diesen bis zu 130 Teilnehmer anreisen. Wahl sagte Ja.
Aber es gefiel ihm schnell nicht mehr. &quot;Ich merkte, wie ich innerlich verdurstete&quot;, sagt Wahl. In Schwarzach am Main hatte Wunibald Müller eine ganz ähnliche Vokabel benutzt. Er sprach von &quot;Gottesverdurstung&quot;, unter der immer mehr Priester leiden würden. &quot;Auf sie trifft der Satz des Schriftstellers Ödön von Horváth zu: 'Eigentlich bin ich ganz anders, aber ich komme selten dazu.'&quot;
Dass die Priester trotz weniger Kirchenmitglieder immer mehr zu tun haben, liegt vor allem daran, dass immer weniger Menschen Priester werden wollen. Dazu kommen Sparzwänge. Manche Pfarrer betreuen inzwischen fünf Pfarreien. Im Essener Bistum sind 259 ehemals selbstständige Gemeinden zu 43 Großgemeinden zusammengefasst worden. Die betroffenen Pfarrer fahren wie ein Wanderzirkus von Kirche zu Kirche. Für einige ist das zu viel. Zu viel Wanderschaft und zu viel Zirkus. &quot;Die Geistlichen sind immer mehr Verwalter und immer weniger Seelsorger&quot;, sagt Müller, &quot;daran zerbrechen viele.&quot; Burn-out nennt man das Syndrom bei Managern. Müller hat eine andere Umschreibung gefunden: &quot;Die Inneneinrichtung im Körper brennt aus.&quot;
Hans-Joachim Wahl, der Rastlose, lebt direkt neben der Kirche im Stockwerk über dem Pfarramt. &quot;Ich wünschte, ich würde hier einfach nur wohnen. In Wahrheit befinde ich mich rund um die Uhr auf dem Präsentierteller&quot;, sagt Wahl, &quot;das Gefühl, dass ständig jemand auf mich guckt, hat mich kaputt gemacht.&quot;
Und es bleibt nicht nur beim Gucken. Einmal sei er mittags mit einer Freundin zum Kaffee verabredet gewesen, erzählt Wahl. Als sie am Pfarramt losfuhren, seien sie von einem Mitarbeiter aufgehalten worden. &quot;Ich habe den Nistkasten für die Eulen aufgestellt&quot;, sagte der, &quot;können wir nicht schnell ein Foto für die Lokalzeitung machen? Dauert nur fünf Minuten.&quot; Wahl nickte, wie er es immer tat. &quot;Wenn ich Nein sagen würde, tragen mir das doch alle ewig nach.&quot;
Wahl fand dann einen anderen Weg, um die Arbeit zu kompensieren: essen. Er nahm 25 Kilogramm zu, pflegte kaum noch private Kontakte. Im Herbst 2008 konnte er nicht mehr. Das Predigen, das er so liebte, fiel ihm schwer, genau wie das Spielen auf der Kirchenorgel mit ihren 3500 Pfeifen. &quot;Da musste ich einfach mal den Fuß rausstellen.&quot; Wahl rief bei Wunibald Müller in Schwarzach an. Rund zwei Autostunden sind es von Bad Nauheim ins unterfränkische Schwarzach. Für Hans-Joachim Wahl war es wie eine Reise in eine andere Welt. Das gelbe Gebäude bei der auf einer Anhöhe thronenden Abteikirche sei für ihn so etwas wie eine Reparaturwerkstatt gewesen, erzählt er. Drei Monate lebte er mit 17 anderen Geistlichen. Wer hier aufeinandertrifft, ist einander in der Regel noch nie zuvor begegnet. Doch die Zufallsbekannten bilden sofort eine Schicksalsgemeinschaft.
Die Flure des Hauses sind karg, hier ein gerahmtes Blumenbild, dort ein Schwarzes Brett. Wüsste man es nicht besser, könnte man Recollectio für eine Jugendherberge halten. Im Foyer sitzen Pfarrer um ein verstimmtes Klavier herum und unterhalten sich mit übereinandergeschlagenen Beinen. Wären sie in einer psychiatrischen Klinik, hießen sie Patienten. Im Recollectio werden sie Gäste genannt. Ärztekittel sind nicht zu sehen, da die psychotherapeutische und spirituelle Betreuung im Mittelpunkt steht. Wer ankommt, spricht mit Wunibald Müller. Mit Müller, dem Psychologen, weniger dem Theologen. Auch Müllers Frau arbeitet im Recollectio-Haus, als Psychiaterin.
Wie alle Gäste erhielt Hans-Joachim Wahl nach seinem Empfangsgespräch einen Stundenplan. Jeder Tag ist getaktet. Um sieben Uhr Morgengebet, anschließend Körperarbeit, Frühstück, Gruppentherapie oder kreatives Gestalten. Nach dem Mittagessen Einzelgespräche, sowohl therapeutische mit Psychologen als auch spirituelle mit Mönchen. Nachmittags jäten die Bewohner Unkraut im Klostergarten, reiten die Pferde des benachbarten Gestüts, sortieren Waren im Eine-Welt-Laden vorn an der Klosterpforte. Abends kochen sie gemeinsam und tanzen zu Beethoven oder Enya.
Das Haus sagt einiges über den Zustand der Kirche in Deutschland aus, vor allem über deren Defizite. Ohne Wunibald Müller hätte es dieses Haus wohl nie gegeben. Er wuchs nicht weit entfernt von Schwarzach im Odenwald auf, besuchte katholische Internate, auch jenes Kloster-Gymnasium, das zwischen der Abteikirche und dem Flachdachbau steht, in dem Müller nun sitzt. Nach dem Abitur studierte er katholische Theologie und Psychologie. Drei Monate verbrachte er bei den Missionsbrüdern des Heiligen Franziskus. Dann ging er. Die &quot;geistige Enge&quot; dort habe er nicht ausgehalten, sagt er.
Statt Messen zu halten, schrieb Müller Ende der 70er-Jahre seine Doktorarbeit. Sie trug den Namen: &quot;Homosexualität: eine Herausforderung für Theologie und Seelsorge&quot;. Müller studierte dafür von 1979 bis 1982 in Berkeley bei San Francisco in Kalifornien, &quot;weil dort 20 Prozent der Bevölkerung homosexuell waren&quot;. Damals hörte Müller erstmals von Einrichtungen, die sich seit den 70er-Jahren in den Vereinigten Staaten verbreiteten. Dort konnten Priester sich wegen psychologischer Probleme behandeln lassen.
Als er nach Deutschland zurückkehrte, erlebte er als Pastoralpsychologe, dass auch deutsche Pfarrer leiden. So sehr, dass Müller ihnen mit kurzen Gesprächen kaum helfen konnte. Da wurde dem jungen Diözesen-Angestellten klar, dass es auch hier Bedarf für ein kirchliches Therapiezentrum gab. Zwei weitere Gründe trieben ihn an. Der eine hatte mit seiner eigenen Laufbahn zu tun. Wo sonst hätte Müller sowohl als Theologe als auch als Psychologe arbeiten können? Der andere Grund war der auch damals nicht sehr zeitgemäßen Kirchenpolitik geschuldet. Müller wollte daran mitarbeiten, die Kirche von innen heraus zu modernisieren. &quot;Das Recollectio-Haus war mein Beitrag für die Erneuerung der Kirche&quot;, sagt Müller heute.
Das erste an die Deutsche Bischofskonferenz adressierte Gesuch, ein deutsches Therapiezentrum für Geistliche zu eröffnen, wurde allerdings mit einem knappen Antwortschreiben abgelehnt. Selbst der liberale Kardinal Karl Lehmann war dagegen. Bei Müllers zweitem Anlauf zeigten sich immerhin die Bischöfe der Diözesen Freiburg, Würzburg und Rottenburg-Stuttgart bereit, das Projekt zu finanzieren. Sie wollten aber nicht als Betreiber auftreten. &quot;Macht es auf euer eigenes Risiko&quot;, hieß es. Und so tat es Wunibald Müller gemeinsam mit der Benediktiner-Abtei. Innerhalb eines Jahres ließen sie den Flachdachbau umbauen. Den Namen &quot;Recollectio&quot; wählte ein damaliger Abt aus. Er bedeutet so viel wie &quot;sich sammeln&quot;.
Vor 20 Jahren eröffnete Müller schließlich sein Therapiezentrum. 1200 Priester, Mönche, Nonnen und Pastoralreferenten ließen sich seitdem hier behandeln. In der Anfangszeit wurde es von Kirchenoberen &quot;katholischer Mülleimer&quot; genannt oder &quot;Recyclinghof für Pfaffen&quot;. &quot;Ist es schon so weit?&quot;, antwortete ein Pfarrer, als ein Kollege ihm den Besuch bei Recollectio empfohlen hatte. Müller erzählt diese Anekdote mit einem Grinsen. Es ist das Grinsen eines Mannes, der erkannt hat, dass er recht hat. Mittlerweile schätzen die bischöflichen Exzellenzen sein Haus. Spätestens seit den Missbrauchsskandalen hören sie aufmerksamer auf das, was Müller sagt. &quot;Manches hätte verhindert werden können, wenn man früher auf uns gehört hätte&quot;, sagt er. Müller galt lange als Nestbeschmutzer, weil er katholische Tabuthemen öffentlich machte. Er sprach aus, was alle wussten: dass Pfarrer sexuelle Lüste haben, dass viele diese ausleben, dass manche von ihnen homosexuell sind. Müller redete öffentlich auch über jene Priester, die ihre Ministranten oder Schüler zu sehr gernhaben. Die sich an ihnen vergingen, ihre Seelen verletzten, manche zerstörten. Einige dieser Priester suchten bei Müller Rat. Manche sahen ihre Sünde ein, andere blieben stur. Vor allem die besonders Religiösen wollten Müller bisweilen weismachen, dass sie den Jugendlichen, die sie missbrauchten, eine Gunst erweisen würden. Müller redete mit ihnen, manchmal auch auf sie ein. Ihnen helfen konnte er nicht. &quot;Sie sind in einer auf Pädophile ausgerichteten Klinik besser aufgehoben&quot;, sagt der Therapeut.
Müllers Recollectio-Haus ist vielleicht das Fortschrittlichste, was die katholische Kirche in Deutschland zu bieten hat. Auf dem Stundenplan finden sich jedoch Begriffe, die draußen, in der weltlichen Welt kaum einer verwenden würde. &quot;Atem und Töne&quot; heißt ein Kurs, ein anderer &quot;Leibarbeit&quot;. Wer denkt sich solche Namen aus? Sie klingen abstrakt, verkopft. Ist nicht diese Gedankenwelt Teil des Problems? Wunibald Müller sagt: &quot;Der Begriff Leibarbeit kommt aus der Tradition des Zen-Lehrers Karlfried Graf Dürckheim, der damit sagen wollte, dass der Körper nur im Zusammenhang mit dem ganzen Menschen gesehen werden kann.&quot;
Im Leibarbeitsraum im zweiten Geschoss kann man Schwester Christiane dabei zuschauen, wie sie mit Tennisbällen vor einer brennenden Kerze meditiert. Als nebenberufliche Therapeutin der Priester sagt sie Sätze wie: &quot;Ich stehe locker da, aufrecht wie ein Baum, mein Kopf ist die Krone, meine Füße sind die Wurzeln, ich bin ganz da.&quot; 45 Minuten dauert ein Kurs, auch Yoga ist dabei, Nonne Christiane will ja mit der Zeit gehen. Und noch etwas will sie zeigen. Die Frau in Grau führt in den Keller, öffnet die Tür zu einem schmalen, gekachelten Raum, von dessen Decke ein Boxsack hängt. Schwester Christiane schlüpft in Boxhandschuhe, fixiert den Sack und schlägt zu. Eine Rechte, eine Linke, noch eine Rechte. Ihr Kreuz an der Halskette springt vor ihrer Brust auf und ab. Sie ruft: &quot;Hier kann ich schreien 'Ja!' und 'Nein!' und 'Doch!'.&quot; Der Sack bewegt sich kaum. Der Boxraum sei immer geöffnet, rund um die Uhr, sagt die Nonne. Man weiß ja nie, wann den Geistlichen nach Schlagen zumute ist.
Was für die meisten Menschen normale oder zumindest bekannte Beschäftigungen sind, muss von vielen Priestern im Recollectio-Haus erst erlernt werden. Schwimmen, Joggen, Gitarrespielen kann für sie zu einer aufregenden Erfahrung werden.
Matthias Woll musste in Münsterschwarzach ebenfalls wieder lernen, was es heißt, ein normales Leben zu führen. Der Ordenspriester besuchte das Recollectio-Haus, weil er sich nicht zwischen zwei Lieben entscheiden konnte. Die eine Liebe hatte mit einem Kelch zu tun, die andere mit einem Katzenkostüm.
Er erzählt das an einem kalten Winternachmittag im Kloster Jünkerath. Es ist Ferienzeit, deshalb ruhig. Sonst werden die 60er-Jahre-Bauten nicht nur von Mönchen, sondern auch von Schulklassen bevölkert. Die Jugendbildungsstätte Don Bosco ist bei Lehrern beliebt. In der Abgeschiedenheit der Eifel können die Schüler nicht so viele Dummheiten machen. Woll spielt mit ihnen Tischfußball, Billard und Uno. Es riecht nach Hagebuttentee. Die nächste Kneipe ist viele Kilometer entfernt, der Rückweg hinauf auf den Klosterberg beschwerlich.
Matthias Woll trägt einen schwarzen Pulli und Nadelstreifenhose. Er blickt seinen Gast freundlich an, auch wenn der ihn nach seinem Liebesleben fragt. Der 46-Jährige ist bereit zu antworten. Er will nicht mehr schweigen über die Liebe und den Zölibat. Für den Pater war der lange sein größtes Problem. Der Zölibat verbietet seit bald tausend Jahren allen Priestern und Mönchen den Bund der Ehe und damit sexuelle Kontakte. Aber der Wunsch nach Zärtlichkeit lässt sich nicht einfach abstellen. Auch nicht durch ein päpstliches Dogma. &quot;Seit dem Priesterseminar war das Thema Liebe für mich mit Angst besetzt&quot;, sagt Woll. Seine Worte kommen nur zögerlich.
Bevor Woll nach Jünkerath kam, arbeitete er in einer Stadt im Ruhrgebiet als Jugendseelsorger. Auf einer Karnevalssitzung lernte er Petra (Name geändert) kennen, eine verheiratete Pflegerin Ende 30. Woll gefiel ihr Lächeln. &quot;Ist bei Ihnen noch Platz?&quot;, fragte Woll in seiner Glitzerhose damals und setzte sich zur Frau im Katzenkostüm an den Tisch. Woll war Büttenredner. Er und Petra flirteten, tanzten die ganze Nacht, verabredeten sich. Beide besuchten einander einige Male, bis Woll an einem Vormittag seinen Mut zusammennahm und Petra in ihrem Wohnzimmer küsste. &quot;Ich hatte Herzklopfen&quot;, sagt er. Woll erzählt davon, wie er die Zärtlichkeit genoss, wie die Gefühle für Petra stärker wurden. Und wie es ihm gefiel, dass sie ihn als liebenswürdig betrachtete. &quot;Das erlebt man als Priester ja nicht so häufig&quot;, sagt er.
Er und Petra trafen einander dreimal wöchentlich, schrieben SMS. Jedes Mal, wenn er sie besuchte, nahm er einen anderen Weg. Mit jedem Treffen, mit jeder Berührung wuchs die Liebe - und das Schuldgefühl. &quot;Irgendwann denkt man nach&quot;, sagt Woll. Er und Petra fragten sich, wie ein gemeinsames Leben aussehen könnte. Sie müsste sich scheiden lassen, er seinen Beruf aufgeben. &quot;Das war zu viel&quot;, sagt Woll, &quot;uns wurde klar, dass wir keine gemeinsame Zukunft haben. Keine haben dürfen.&quot; Innerhalb weniger Wochen durchlebte Woll einen Schnellkurs in Sachen Liebe. &quot;Ich merkte, dass sie etwas Tolles ist&quot;, sagt er, &quot;aber auch so schrecklich wehtun kann.&quot; Woll fühlte sich wie ein Betrüger. &quot;Ich musste unehrlich sein, das hielt ich nicht mehr aus&quot;, erzählt er. Ein halbes Jahr nach der Karnevalssitzung, bei der alles begann, offenbarte sich Wahl seinen Eltern. Sie reagierten enttäuscht. Dann sprach er mit dem Provinzial seines Ordens. Der verzog sein Gesicht und schickte ihn nach Münsterschwarzach.
Für Menschen, die der Kirche und ihrem Regelwerk fernstehen, mag es erschreckend klingen, in eine Therapie zu müssen, sobald sie Schmetterlinge im Bauch spüren. Für Wunibald Müller ist es der Alltag. Zehn bis zwanzig Prozent seiner Gäste kommen ins Recollectio-Haus, weil sie den Zölibat nicht einhalten können. Um nachvollziehen zu können, wie schwer Wolls Schuldgefühle wogen, muss man sich anschauen, wie der Mann aus der Eifel aufgewachsen ist. Matthias Woll stammt aus einem frommen Elternhaus. Sein Weg zum Priesterberuf war kurz: Messdiener, Oberministrant, mit 17 Jahren Orientierungstage im Jünkerather Kloster. Bei der Abschlussmesse habe er im Altarraum geweint, so nah habe er sich Gott gefühlt, erzählt er. Er wollte Priester werden. Seine Eltern waren begeistert. Im Sommer 1998 legte sich Woll in der Basilika von Benediktbeuern bei Augsburg vor den Bischof auf den mit einem Teppich bedeckten Steinboden, schwor Gehorsam und Ehelosigkeit. Die Eltern schenkten ihm einen silberfarbenen Kelch. Der passe gut in seine Hände, sagt Woll. &quot;Wenn ich ihn halte, gibt er mir Kraft. Ich fühle mich getragen. Als ob Jesus Christus dann bei mir wäre.&quot; An jenem Junitag 1998 dachte der angehende Pfarrer, das sei es. Er hatte seine Berufung gefunden. Die Probleme mit dem Zölibat kamen erst später.
Petra war nicht die erste Frau in seinem Leben, aber seine erste große Liebe. &quot;Ich bin ein feinfühliger Mensch&quot;, sagt Woll, schweigt kurz, als würde er eine Antwort erwarten. Es ist zu spüren, wie wohl sich Woll dabei fühlt, offen reden zu können. In katholischen Kirchen und Klöstern herrscht eine Kultur des Runterschluckens. Unter Ordensbrüdern offen über sexuelle Sehnsüchte zu sprechen, bedeutet normalerweise das Ende der klerikalen Karriere. Dazu die Existenzängste. Viele Pfarrer mit Lebensgefährtinnen oder Lebensgefährten fragen sich, ob sie ihrer Liebe wegen beruflich wirklich wieder ganz von vorn anfangen wollen. Ob es sich lohnt, auf das weltliche Leben umzuschulen und am Ende womöglich in der Arbeitslosigkeit zu enden. All diese Gedanken, hinter Klostermauern tabuisiert, werden im Recollectio-Haus offen ausgesprochen.
Müller ist nicht nur Psychologe, er ist auch ein Mann der Kirche. Recollectio wird von acht Diözesen finanziert, von den Bistümern Augsburg, Freiburg, Limburg, Mainz, München-Freising, Rottenburg-Stuttgart, Würzburg und Paderborn. Wie verhält sich Müller den Zölibatbrechern gegenüber? Rät er ihnen zur Liebe oder zum Amt? &quot;Wenn jemand zu einer Frau stehen möchte, werde ich ihn nicht abhalten. Es gibt auch keinen Druck von oben. Die Bischöfe und Personalvorstände wissen, dass es keinen Sinn hat, einen Menschen gegen seinen Willen im Priesteramt zu halten. Wichtig ist, dass der Priester sich klar für das eine oder andere entscheidet.&quot;
Auf dem Ökumenischen Kirchentag in München forderte Müller, dass auch verheiratete Männer und Frauen Priester werden dürfen. Für einen Mann, der von der katholischen Kirche bezahlt wird, sind das starke Worte. Münsterschwarzach ist von Rom weit weg. Als Woll, der verliebte Priester, hierher kam, versicherte Müller ihm, dass seine Gefühle natürlich seien. &quot;Liebe ist ein Geschenk Gottes&quot;, lautete der Satz, der Woll bis heute in Erinnerung geblieben ist. In den Malkursen malte Woll seine Bilder in roter Farbe, nicht in Schwarz, wie die meisten der anderen Besucher des Hauses. &quot;Erst im Recollectio-Haus habe ich gemerkt, dass das Thema Liebe nicht mit Angst besetzt sein muss&quot;, sagt Woll. Ihm gefiel die Freiheit, alles tun und denken zu dürfen. Nicht mal die Gottesdienste sind für die Gäste des Recollectio-Hauses Pflicht. Woll brachte innerhalb von sechs Wochen sein Leben zu Papier, auf 40 Seiten, wie er sagt. Und er lernte jemanden kennen, der es abermals verändern sollte.
Michael Stanke, 53, ist Protestant. Aber seine Probleme haben den Dorfpfarrer aus Wiesens in Ostfriesland zu den Katholiken geführt. Keine 30 Kilometer vom Recollectio-Haus entfernt betreibt die evangelische Kirche seit 18 Jahren eine ähnliche Einrichtung unter dem Namen &quot;Respiratio&quot;. Dort dauern die Kurse nur sechs Wochen. &quot;Das hätte mir nicht gereicht&quot;, sagt Michael Stanke. Stanke ist seit 17 Jahren Pfarrer in der Gemeinde Wiesens bei Aurich. Was für die Katholiken Oberbayern ist, ist Ostfriesland für die Protestanten. Im Ort ist er nach dem Bürgermeister unangefochten die Nummer zwei, noch vor dem größten Bauern und dem Vorsitzenden des Fußballvereins. Das gedrungene Pfarrhaus, in dem er mit Frau und drei Kindern lebt, ist wie ein Marktplatz für die 1400 Dorfbewohner. Er sitzt in seinem Büro in einem Korbsessel und knabbert an einer selbst gebackenen Waffel. Während des Gesprächs klingelt es achtmal an der Tür.
Stanke ist ein hagerer Mann mit grauem Bart und scheuem Blick. Ihn trieb vor allem eine spirituelle Krise ins Recollectio-Haus. Um zu verstehen, wie er Gott verloren hat, muss Stanke erzählen, wie er ihn einst fand.
Nach einem Unfall 1981 war Stanke eine Stunde lang klinisch tot. Er war 23 und als er erwachte, konnte er sich weder an seine Freundin erinnern noch an die Hebräisch-Vokabeln, die er im Theologiestudium gelernt hatte. &quot;Meine Festplatte war gelöscht&quot;, sagt Stanke und klopft sich an die Stirn. Er wusste nichts mehr. Bis auf das Vaterunser. Stanke wertete dies als Zeichen. Als Zeichen von oben. Wegen des Unfalls vergisst Stanke noch heute Namen und Gesichter. Als Dorfpfarrer ist das ungünstig. &quot;Ich erkenne manchmal Leute nicht, denen ich am Vortag noch zum Geburtstag gratuliert habe&quot;, sagt er. Die Leute im Ort redeten über ihn, bis sich der Kirchenvorstand beschwerte. Das verunsicherte ihn. Man muss sehen, wie seine Augen leuchten, wenn er davon berichtet, wie erfüllend eine gelungene Predigt sein kann, um zu verstehen, wie stark sich Stanke über seinen Beruf definiert. Er will ein guter Pfarrer sein. Aber wie misst man den Erfolg eines Pastors? Nach einer Predigt applaudiert keiner. In anderen Berufen läuft die Anerkennung über das Gehalt. In der evangelischen Kirche macht man es für &quot;Gottes Lohn&quot;, wie Stanke es ausdrückt, plus eine Alimentation, zwischen 3110 und 4226 Euro im Monat.
Stanke dachte viel nach darüber, wie er ankam in der Gemeinde. Wahrscheinlich zu viel. Ein paar Mal schrieb er in die Geburtstagsrubrik des Gemeindebriefs den Namen einer verstorbenen Person. Die Dorfbewohner reagierten empört. &quot;Solche Fehler machten mir zu schaffen&quot;, sagt Stanke und greift nach dem Regalbrett neben ihm, das während des Gesprächs so etwas wie seine Stütze ist, wenn er über Dinge spricht, die ihm nahegehen. Die Situation eskalierte im Herbst 2008, als er auf der Kanzel der kleinen Dorfkirche stand und sich fragte, was er da eigentlich noch solle. &quot;Mir war Gott auf einmal fremd vorgekommen, als ob jemand die Verbindung zwischen ihm und mir gekappt hätte&quot;, sagt Stanke. Ihm habe es nie gereicht, nur seinen Job zu tun, meint er. &quot;Ich hatte eine tiefe, enge Beziehung zu Gott. Und plötzlich sah ich, wie dieses Verhältnis zerbrochen ist. Das war eine Katastrophe für mich.&quot; Stankes Augen blitzen kurz auf. Ein Blick, der nichts für säkulare Gemüter ist.
Stanke rief bei Wunibald Müller an. Vier Monate später setzte er sich in seinen roten Opel Astra und fuhr neun Stunden nach Münsterschwarzach. Er sprach mit Pater Anselm Grün, der einige Bücher geschrieben und auch regelmäßig in Talkshows über Glück und Gelassenheit referiert. Als Cellerar leitet Grün die Finanzen des Münsterschwarzacher Benediktinerordens. Wenn er Zeit hat, spricht er mit den Priestern unter vier Augen. Im Gespräch mit Stanke zitierte Grün Bibelsprüche. Er habe ihm lange zugehört, erzählt der Pfarrer aus Ostfriesland, ehe er Stanke am Ende zwei Ratschläge gab.
Die Beziehung zwischen ihm und Gott sei nicht von Gott gekappt worden, hatte Grün gesagt. Nein, Gott wolle stets Kontakt zu ihm halten. Er, Stanke, sei es gewesen, der die Verbindung gelöst habe. Das war der erste Tipp. Der zweite lautete: &quot;Ihr Ehrgeiz ist gut, aber es ist falsch, sich über die Arbeit zu definieren.&quot; Er sei nicht mehr oder weniger wert, wenn er besser oder schlechter arbeite. Gott denke nicht in solchen Kategorien.
Dieses Gespräch war Stankes erstes Damaskuserlebnis in Münsterschwarzach. Das zweite fand auf dem Sportplatz statt. Stanke war nie ein sportlicher Typ, erzählt er. &quot;Nach fünf Minuten war ich außer Puste.&quot; In Schwarzach schaffte er es zum ersten Mal, 40 Minuten zu joggen. &quot;Es kam mir wie ein Wunder vor. Über meinen Körper fand ich wieder Zugang zu meiner Seele.&quot; Der Dorfpfarrer fuhr nach Ostfriesland zurück. Er fühlte sich gesund. Seitdem joggt er einmal die Woche. Zwischen ihm und Gott sei wieder alles in Ordnung, sagt er. &quot;Die Verbindung ist wieder hergestellt. Ich kann beten, finde Ruhe und Freude in Gott. Manchmal spüre ich sogar seine Nähe.&quot;
Vor einigen Monaten hat Stanke die Gemeinde in Ostfriesland verlassen und eine andere in Amelungsborn bei Holzminden übernommen. Die Hannoversche Landeskirche plant, im dortigen Kloster ein drittes deutsches Therapiezentrum für Geistliche aufbauen. Das katholische Recollectio- und das evangelische Respiratio-Haus werden dem Bedarf nicht mehr gerecht. Michael Stanke möchte in dem neuen Haus weitergeben, was ihm selbst geholfen hat. Deshalb ist er noch mal nach Münsterschwarzach gefahren. Zum 20. Geburtstag des Recollectio-Hauses hatte Wunibald Müller ein Symposium veranstaltet. Viele ehemalige Gäste kamen. Auf der Bühne diskutierten Kirchenvertreter über den Sinn der kirchlichen Grundordnung und des Zölibats. Stanke machte sich Notizen, nickte heftig und schüttelte manchmal mit dem Kopf. Es scheint, als hätte er eine neue Mission gefunden.
Dekan Hans-Joachim Wahl, der Priester aus Bad Nauheim, trug in den ersten Wochen nach seinem Aufenthalt im Recollectio-Haus in seinem Terminkalender feste Ruhezeiten ein. Stürmte ein Mitarbeiter auf ihn zu, um Fotos für die Lokalzeitung zu machen, sagte er: &quot;Das hat später auch noch Zeit.&quot; Aber dann fiel Wahl in alte Muster zurück. &quot;Mein Körper musste mich bremsen&quot;, sagt er. Erst fiel der Pfarrer vom Rad und prellte sich das Knie; dann brach er sich das Nasenbein; schließlich riss sein Kreuzband, als er über das Kopfsteinpflaster der Kirche stolperte. Die Verletzungen verstand Wahl als Warnung. Er suchte sich eine neue Pfarrei. Im September übernahm er eine Gemeinde in Gießen. Den Posten des Dekans gab er auf. &quot;Schon seitdem die Sache sicher war, hat sich meine Pulsfrequenz beim Belastungs-EKG verbessert, meinte mein Arzt&quot;, sagt Wahl. Vor seinem Antritt in der neuen Pfarrei fuhr Wahl noch mal ins Recollectio-Haus, 30 Tage, &quot;um den Fuß vor die Tür zu stellen&quot;. Weihnachten und Ostern sollten seine Belastungstests sein. Es sind oft die gefährlichsten Zeiten für überlastete Pfarrer. Fast täglich ist eine Messe zu lesen. Tagelang funktionieren und predigen und dabei auch noch feierlich dreinschauen. &quot;Die Gemeinde unterstützt mich fantastisch und akzeptiert, wenn ich sagte, es geht nicht mehr. Ich hatte seit Jahren kein so stressfreies Weihnachten mehr&quot;, erzählt Wahl, der an den fünf Osterfeiertagen &quot;nur sieben Messen&quot; zu lesen hat. Seit er in Gießen ist, hat er zehn Kilogramm abgenommen.
Auch Priester Matthias Woll, der sich zwischen seinen Lieben nicht entscheiden konnte, hatte sich in Münsterschwarzach etwas vorgenommen. Er machte Schluss, brach den Kontakt zu seiner großen Liebe aus dem Ruhrgebiet ab und zog ins Kloster nach Jünkerath. Er habe sich erst mal aufs Neue für den Priesterberuf entschieden, hatte er Wunibald Müller im Recollectio-Haus gesagt. Aber das war nicht die ganze Wahrheit. Während seiner Zeit in Schwarzach hatte sich Woll in einen von Müllers Gästen verliebt. In Miriam (Name geändert), eine Nonne, die die Enge ihrer Schwesterngemeinschaft in einem bayrischen Kloster nicht mehr ausgehalten hatte. Während ihres gemeinsamen Aufenthalts am Main teilten beide das Gefühl, sich aus ihrer &quot;Starre befreien&quot; zu müssen. Das verband sie. &quot;Wir lachten zusammen, schwiegen zusammen, weinten zusammen&quot;, sagt Woll, &quot;und irgendwann waren wir auch zärtlich miteinander.&quot; Einige Monate nach Recollectio trafen Matthias und Miriam eine Entscheidung: Sie wollten Pause machen von ihren Berufen, die sie so liebten. So wie sie es in Münsterschwarzach gelernt hatten. &quot;Höre auf dein Herz&quot;, hatte es dort geheißen, &quot;handele ihm nicht zuwider.&quot;
Matthias und Miriam beantragten eine einjährige Beurlaubung, so wie sie jeder Geistliche beantragen kann. Woll zog vom Jünkerather Kloster nach München. Seine heutige Arbeit ist weltlich: Weil er einst Sozialpädagogik studiert hatte, muss er nicht wie andere ausgeschiedene Mönche von Sozialhilfe leben. Woll arbeitet in einem Kinderheim der Caritas, hilft Jugendlichen bei ihren Hausaufgaben, spielt mit ihnen Tischtennis. Miriam sieht er am Wochenende. Manchmal besucht er in einem Jesuitenorden sein altes Leben, redet mit Mönchen, betet. Dort sieht er, was er aufgegeben hat, wahrscheinlich für immer: den Platz hinterm Altar, das Spielen der Orgel, die trinkseligen Abende mit den Klosterbrüdern - sein Leben, wie er es 22 Jahre lang kannte. &quot;Ich muss Trauerarbeit leisten&quot;, sagt er. Andererseits, seinem Blutdruck gehe es besser, abgenommen habe er auch. Ob er nach dem Sabbatjahr wieder zurückkehren möchte ins Priesteramt? Woll kippt den Kopf zur Seite, er könne es sich nicht vorstellen, sagt er. Er erzählt, wie schön der letzte Urlaub mit Miriam war. Fünf Tage Salzburg, spazieren, essen, lieben. Auch in der Kirche waren sie. Händchen haltend haben sie diese betreten, erzählt Woll. Früher hätte er das in keinem Gotteshaus der Welt gewagt. An jenem Tag in Salzburg aber habe er gespürt, wie schön es ist, seine Liebe zu zeigen. &quot;Da hatte ich endlich Frieden im Kopf&quot;, sagt er.
http://www.welt.de/print/wams/debat....m-Ende-ihrer-Kraefte.html

Marc of Frankfurt:
(Ich habe nur die von dir hervorgehobenen Stellen gelesen.)
Zitat:In anderen Berufen läuft die Anerkennung über das Gehalt. In der evangelischen Kirche macht man es für &quot;Gottes Lohn&quot;, wie Stanke es ausdrückt, plus eine Alimentation, zwischen 3.110 und 4.226 Euro im Monat. 
In der Sexarbeit läuft es NUR über das Geld. Ein &quot;GottesLohn&quot; von 3-4 Tausend im Monat ist aber nicht schlecht ;-) 


Was mir klar wird ist was es für einen großen Unterschied macht, wenn man für seine Arbeit eine starke Organisation und einen Mehrheitskonsens im Rücken hat. Da gibt es dann an jeder Ecke eine Rückzugsmöglichkeit oder Einrichtung zu der man gehört ...

Stellt euch vor es gäbe noch das Institut der Tempelprostitution, wo wie bei der Einrichtung des Sozialen Jahrs oder damals beim Wehr-/Zivildienst junge Menschen eine Zeit für die Allgemeinheit arbeiten z.B. in der ritualisierten Sexarbeit im heiligen Bordell im Tempelbezirk.
Dann bekäme die Sexarbeiterin, wenn Probleme auftauchen die ganze geballte Macht der Institution zu spüren in einem positiven Sinne. Sie könnte sich anvertrauen ohne Angst um Gesichtverlußt, sie würde betreut ohne sich vorher zwischen der Rolle Täter_in oder Opfer entscheiden zu müssen ...

Ariane:
Es wird üblicherweise auch weiter alimentiert, wenn man gegen das Zölibat verstösst und das Amt niederlegt. Vergleichbar mit der Vollversorgung von Bundespräsidenten aka Wulff. :005 Bis zum Lebensende.
Ich könnte mir vorstellen, dass in diesem Pool an Zweiflern - also aus Annaingas Beitrag - eine nachholende Sexualaufklärung bitter notwendig ist und erfahrene und sensible Sexworker hier sicherlich hilfreich zur Seite stehen könnten. Sex ist gut gegen Depressionen, Annahme und Beistand von einer bzw. einem zärtlichen und einfühlsamen Sexworker. Auch bei uns gilt das Beichtgeheimnis im Rahmen des Diskretions-Gebots. Dies meine ich jetzt ganz ohne Ironie.

Lycisca:
Marc of Frankfurt hat folgendes geschrieben:Stellt euch vor es gäbe noch das Institut der Tempelprostitution[...] Dann bekäme die Sexarbeiterin, wenn Probleme auftauchen die ganze geballte Macht der Institution zu spüren in einem positiven Sinne.
Wenn ich mir überlege, welche Individualisten die SW von diesem Forum sind, glaube ich nicht, dass wir uns, gäbe es Tempelprostitution, mit der Institution &quot;Tempel&quot; anfreunden könnten. An der Spitze wäre nämlich irgendeine vom Staat/Bürgermeister ernannte &quot;Prinzessin&quot; (historisch war etwa eine Tochter Hammurabis Tempelvorsteherin), die ihren eigenen Klüngel um sich schart, der alle Vorteile des Tempels genießt und den anderen im Tempel sagt, wo es langgeht ... nur wenige von uns wären wohl bereit, sich dort unterzuordnen. Wir wären dann wohl Dissidenten, die (als religöse Abweichler) genau die gleichen Schwierigkeiten mit den Behörden und der Polizei hätten (Religionspolizei statt Sittenpolizei), wie viele von uns heute.

Marc of Frankfurt:
Das ist die Gefahr, wenn es im Rahmen einer patriarchalen, zentralistischen Religion in einer Mangelwirtschaft geschieht, statt femininer Mutter-Naturgottheiten, Zentren autonomer Glaubensgruppen und unabhängiger Hexen-Heilerinnen...
__

Geheuchelte Fürsorge
Katholische Kirche besteht auf die Verjährung sexueller Gewaltakte an Kindern und Jugendlichen 
Wo es ums Geld oder ans Geld der Kirche geht, da erweist sich die Kirche als unendlich finanz-clever bzw. unmenschlich-hart:
www.giordano-bruno-stiftung.de/meldung/geheuchelte-fuersorge

annainga:
der artikel ist mir weniger wegen seines gesamtinhaltes aufgefallen, sondern wegen einiger aussagen, die ich unterstrichen habe, die entweder gleich oder entgegengesetzt in der sexarbeit für mich stimmen.
ich erinnere mich an eine schöne aussage von marc, sinngemäß:
&quot; ... sexarbeiter führen ein mönchs/nonnen-gleiches leben ... &quot;
manch absurde aussagen habt ihr ja entlarvt, wie z.b. als lohn gäbe es nur den gotteslohn. und unter dem themen-thread kann man auch einen &quot;priester-können-opfer-sein-artikel&quot; einstellen. (dachte ich halt)
lieben gruß, annainga

Aoife:
Achtung English - und derart schlimm dass ich mich nicht in der Lage sehe das zu kommentieren oder gar zu übersetzen:
http://www.rt.com/news/girl-vatican-sex-priest-975/

Marc of Frankfurt:
Roman Catholic Monsignor William Lynn 61, Philadelphia, Pennsilvania, der erste wg. Kindesmißbrauch und Verschleierung... verurteilte US-Priester:
http://enews.earthlink.net/article/....65-4bf2-a329-4488ced58dba
___


Österreich: Mißbrauch &amp; Experimente an Heimkindern in staatlichen Anstalten bis in die 70/80er Jahre
z.B. Kinderheim Hohe Warte in Wien
Überwachungskameras über den Betten,
Bettwäche und Schlafanzughosen mit elektrischem Alarmgebergeräte bei Bettnässern,
Peniskontrolle vor dem Duschen von übergriffigen Aufsehern,
Zur Strafe Schlafen nur auf einem nackten Holzbrett,
Mißbrauch von Heimkind Robert durch einen Gewerkschaftssekretär. Er war im Heim geboren worden und wurde vom Gutachter als Psychopath eingestuft und damit zum Freiwild für seinen Mißbraucher.
Als Belohnung durfte Heimkind Markus, den seine Mutter von 6-19 ins Heim gegeben hatte, &quot;Lustknabe sein&quot;.
Bei Anzeige bei der Polizei bekam Markus eine Ohrfeige und wurde zurückgeschickt.
Medizinversuche im Kinderheim:
Malaria-Infektion wg. angeblich heilsamen Fieberschock
Röntgenstrahlung zur Ruhigstellung
pupertierende Mädchen bekamen eine Spritze mit dem Tiermedikament Epiphesan gegen Geschlechtsreife und Brünftigkeit von Kühen.
Frauen berichten von Männergruppen, die in ihren Schlafsal gelassen wurden.
Sexualfeindliche Nazi-Ideologie wurde für Jahrzehnte tradiert und weitergeführt.
Heimkinder galten als minderwertig. Vermutlich so wie heute Sexarbeiter_innen die zur wöchentlichen zwangsweisen invasiven Geschlechtsuntersuchung antreten müssen.
Prof. Maria Nowak-Vogl, Kinderpsychiaterin beruft sich auf rein diagnostisches Tun.
Jugendpsychiater Prof. Max Friedrich hat sich wegen seiner Karriere damals nicht gegen die Verhältnisse gestellt.

Enthüllungsfilm bei ORF-Teleobjektiv von Kurt Langbein 1980. Aber statt die Vergangenheit aufzubereiten forderten Politiker seinerzeit die Absetzung des systemkritischen Nestbeschmutzers als &quot;unsubordinierten Schmutzfinken Journalisten&quot;.
Erst jetzt nach 30 Jahren untersuchen 3 Kommissionen die Vorgänge.

Video ARD-Weltwpiegel 10.6.2012 SWR
www.ardmediathek.de/das-erste/welts....ndern?documentId=10799472

Wir dürfen wohl davon ausgehen, dass Sexworker und Migrant_innen von der herrschenden politischen Klasse teilweise so gewertet werden wie Heimkinder damals.


.

Aoife:
In einem Beitrag vom 19.1.2013 berichtet die New York Times über wiet verbreiteten Kindesmißbrauch durch katholische Priester in Deutschland.
Erschreckender noch als die astronomisch hohen Fallzahlen ist dass es sich nicht um eine (leider viel zu hohe) Zahl von &quot;Unfällen&quot; handelt, sondern die Verbrechen offensichtlich strategisch geplant wurden.
Auch wenn die Kirche den Anschein erweckt das unparteiisch und objektiv selbst aufarbeiten zu wollen - verdächtig ist, dass eine von ihr selbst in Auftrag gegebene unabhängige Studie abgebrochen wurde .... mit dem Argument man befürchte der Studienleiter könnte Ergebnisse an die Öffentlichkeit weitergeben ohne sie zuerst der Kirche zur Zensur vorzulegen.
All das läßt befürchten, dass man weit mehr zu verbergen hat als nur die bloße Anzahl von Mißbrauchsfällen:017 
Quellen (englisch):
http://www.nytimes.com/2013/01/19/w....an-priests.html?_r=1&amp;
http://www.nytimes.com/2013/01/10/w....ual-abuse-by-priests.html
Liebe Grüße, Aoife

hedonism:
Also ich war ein halbes Jahr (dann haben sie mich rausgeschmissen zum Glück) in einem katholischen Wiener Burschen Internat. Was sich da so nachträglich betrachtet abgespielt hat...........
