Forum:	Sexarbeit in Gesellschaft und Politik
Téma:	Gegen die Zwangs-Kondomisierung von Prostitution
--------------------------------------------------------

Marc of Frankfurt:
Offener Brief
an Nordrhein-Westfalens „Emanzipations“- Ministerin Barbara Steffens

Gegen die Zwangs-Kondomisierung von Prostitution


Sehr geehrte Frau Steffens,

als Sprecherin von Doña Carmen e.V., einer Organisation, die sich seit vielen Jahren für soziale und politische Rechte von Prostituierten einsetzt, schreibe ich [Juanita Henning] Ihnen heute und möchte Ihnen meine Besorgnis mitteilen.
Anlass dafür ist die Tatsache, dass Sie sich kürzlich bei dem Besuch einer Bochumer Prostituierten-Beratungsstelle öffentlich für einen Kondomzwang bei Prostitution ausgesprochen und Ihre Absicht bekundet haben, dafür einen gesetzlichen Rahmen zu schaffen.
Es kann kein Zweifel bestehen: Mit dieser kalkulierten Provokation haben Sie den Interessen von Frauen in der Prostitution zuwider gehandelt und dafür das Forum missbraucht, das Ihnen die Einweihung neuer Räumlichkeiten einer von Ihrem Ministerium finanziell abhängigen Beratungsstelle bot.


Sie wissen nur zu gut, dass Ihre markige Forderung nach Kondomzwang bei Prostitution ganz nach dem Geschmack konservativer Hardliner ist. Es ist kein Zufall, dass ausgerechnet Peter Gauweiler - in den 80er Jahren gesundheitspolitischer Scharfmacher der CSU - die AIDS-Hysterie jener Jahre anheizte und für eine Politik der Ausgrenzung gesellschaftlicher Minderheiten instrumentalisierte. Dazu gehörte auch die in der Geschichte der Bundesrepublik erstmals von Peter Gauweiler erhobene Forderung nach einem Kondomzwang bei Prostitution. Sie war Teil des 1987 präsentierten bayerischen „Maßnahmekatalogs“ gegen die Ausbreitung von AIDS, der republikweit als „Horrorkatalog“ bekannt wurde. Eine Parteikollegin von Ihnen, damals grüne Vorsitzende des Bonner Gesundheitsausschusses, bezeichnete diesen „Maßnahmekatalog“ zu Recht als „eine Art Endlösung für Aids-Betroffene“ und der bayerische Landesverband der Grünen nannte ihn seinerzeit einen „Fall für die Altpapierverwertung“.
Alles Schnee von gestern? Heute präsentieren Sie sich als Nachlassverwalterin des Herrn Gauweiler und sind sich nicht zu schade dafür, die erzkonservative Forderung nach einem Kondomzwang für Prostitution wieder aufzuwärmen und salonfähig zu machen. Was für ein Abstieg!
Bleiben wir beim geschichtlichen Kontext, den Sie glauben ausblenden zu können. In den 80er und 90er Jahren hat eine breite Bewegung von Selbsthilfeorganisationen der Prostituierten, von Beratungsstellen sowie von engagierten Mitarbeiter/innen der Gesundheitsämter den entwürdigenden Zwang bekämpft, der mit den regelmäßigen wöchentlichen Kontrolluntersuchungen von Frauen in der Prostitution verbunden war. Die billige Instrumentalisierung von Gesundheitspolitik zum Zwecke von Sittenpolitik und Prostitutionskontrolle fand ihr verdientes Ende mit dem 2001 auch von Ihrer Partei, Bündnis 90 / Die Grünen, beschlossenen Infektionsschutzgesetz. Endlich sollte die Selbstverantwortung der Betroffenen an die Stelle einer Politik der Entmündigung und des staatlich verordneten Zwangs in der Gesundheitsvorsorge von Prostituierten treten.
Heute, keine zehn Jahre später, verabschieden Sie sich von dieser Politik und versuchen das Rad der Entwicklung zurückzudrehen. Mit einer knalligen Forderung versuchen Sie, sich auf Kosten von Frauen in der Prostitution zu profilieren und die Aufmerksamkeit der Medien auf Ihre Person zu lenken. Wie oft haben wir das schon erlebt: Kaum auf einem Ministersessel – und schon weiß man alles besser als die Betroffenen. Wie erbärmlich!
Als das Infektionsschutzgesetz 2001 beschlossen wurde, hatte die bayerische Landesregierung nichts Eiligeres zu tun, als per Verordnung den Kondomzwang bei Prostitution im Freistaat einzuführen – als alpenländische Trotzreaktion auf die Abschaffung des Kontrollzwangs unter dem Geschlechtskrankenheitengesetz.
Wer diese skurrile Politik notorischer Prostitutionsgegner genauer unter die Lupe nimmt, kann nur zu einem Schluss gelangen: Es geht dabei nicht um Gesundheitsschutz, sondern um Prostitutionskontrolle unter dem Deckmantel der Prävention sexuell übertragbarer Krankheiten. Obwohl AIDS aus einer Krankheit mit unmittelbarer Todesdrohung mittlerweile zu einer medizinisch weitgehend beherrschbaren chronischen Krankheit wurde, obwohl Untersuchungen bayerischer Gesundheitsämter sowie des Robert-Koch-Instituts www.rki.de den unwiderlegten Nachweis erbrachten, dass Frauen in der Prostitution von HIV/AIDS so gut wie gar nicht betroffen waren, verordnete man dieser Berufsgruppe nichtsdestotrotz den in Zeiten der AIDS-Hysterie erfundenen Kondomzwang! Offenbar sind die Begründungen beliebig und die Vorwände austauschbar – Hauptsache, man schafft Kontrollanlässe gegenüber Frauen in der Prostitution!


Nun kann niemand ernsthaft etwas dagegen haben, dass Frauen in der Prostitution mit Kondomen arbeiten. Im Gegenteil. Es ist Ausdruck professioneller Arbeit, wenn Frauen mit ihren Kunden Sex haben und dabei Kondome benutzen. Das ist ausdrücklich zu empfehlen. Als Gesundheitsministerin wäre es geradezu Ihre Pflicht und Verantwortung, Frau Steffens, für eine Professionalisierung von Prostitutionstätigkeit einzutreten und den Aufbau eines Berufsverbands für Prostituierte finanziell zu fördern, der das längst überfällige Projekt der Professionalisierung endlich in Angriff nähme. Sie müssten dafür sorgen, dass Gesundheitsämter den Frauen in der Prostitution zertifizierte Fortbildungen anbieten - selbstverständlich mitfinanziert von den Betreiber/innen der Prostitutionsetablissements. Kondome müssten von Streetworkerinnen der Gesundheitsämter kostenlos in sämtlichen Prostitutionsstätten verteilt werden. Der Gebrauch von Kondomen müsste zum selbstverständlichen und öffentlich kommunizierten Profil eines jeden Prostitutionsetablissements gehören, das etwas auf sich hält. Statt diesen einleuchtenden Weg zu beschreiten, flüchten Sie sich in die billige, einfallslose und populistische Forderung nach einem Kondomzwang bei Prostitution. Welch ein Armutszeugnis!
Ich persönlich arbeite seit über 20 Jahren als Sozialarbeiterin mit Prostituierten. In der gesamten Zeit meiner bisherigen Arbeit – sei es beim Frankfurter Gesundheitsamt, bei der damaligen Selbsthilfeorganisation HWG [Huren Wehren sich Gemeinsam e.V.] oder der Beratungsstelle Doña Carmen – haben sich Prostituierte nur vereinzelt und bestenfalls aus Gründen der Abgrenzung zur Konkurrenz in Zeiten schlechter Geschäfte für eine Kondompflicht ausgesprochen. Jedoch nie mit dem Wunsch, der Staat möge den Kondomgebrauch von Prostitutionskunden per Zwang und Dekret verfügen, um ihn anschließend polizeilich zu überwachen. Das war nie ein Thema in meiner langjährigen Beratungs- und Betreuungsarbeit. Nicht zuletzt deshalb lehnen wir bei Doña Carmen e.V. eine Politik des staatlich verordneten Zwangs ab, die in Fragen der Gesundheitsvorsorge erfahrungsgemäß ohnehin zum Scheitern verurteilt ist.
Der pragmatische, auf Akzeptanz und Selbstverantwortung setzende Präventionsansatz hat in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland erwiesenermaßen zur erfolgreichen Bekämpfung und Zurückdrängung von HIV/AIDS beigetragen. Das belegen eindrucksvoll Zahlen zur Ausbreitung von HIV in der Bevölkerung zwischen 15 und 49 Jahren in der Bundesrepublik Deutschland im Vergleich zu den USA und anderen europäischen Ländern, worauf erst kürzlich der Soziologe Michael Bochow in einer Publikation der Bundeszentrale für Politische Bildung hinwies.


Wer nun wie Sie, Frau Steffens, in der Prostitutionspolitik auf einen bundesweiten Kondomzwang setzt, kündigt diesen seinerzeit mühsam errungenen gesellschaftlichen Konsens einer auf Selbstverantwortung setzenden Prävention ohne Not wieder auf und leitet dort, wo es am leichtesten möglich ist - nämlich im Bereich Prostitution - erneut eine repressive Wende ein. Ich halte das für unverantwortlich.
Jede/r weiß es: Zwang im Bereich der Gesundheitsvorsorge ist kontraproduktiv, kann bestenfalls ultima ratio sein. Zwang zieht Kontrolle nach sich, die Gesundheitspolizei lässt grüßen. Werfen Sie einen Blick nach Bayern, das Ihnen offenbar als prostitutionspolitisches Vorbild dient: Mit Strafgeldern im vierstelligen Eurobereich versucht man die Frauen zu drangsalieren, wenn Sie auf entsprechende Anfragen der als Lockfreier eingesetzten Polizeispitzel verordnungswidrig reagieren. Welch schäbiges und unwürdiges Katz-und-Maus-Spiel! Mit Prävention hat das nichts, mit Schikane von Prostituierten aber allemal etwas zu tun.
Dem Kondomzwang bei Prostitution haftet etwas Totalitäres an. Denn der staatlich verordnete Zwang zur Kondombenutzung wirft eine grundsätzliche Frage auf: Wo ist die Grenze staatlicher Einflussnahme auf die Intimsphäre seiner Bürgerinnen und Bürger? Was bleibt eigentlich übrig vom viel beschworenen „sexuellen Selbstbestimmungsrecht“, wenn Frauen in der Prostitution und ihre Kunden nicht einvernehmlich und selbst bestimmen können, ob sie Sex mit oder ohne Kondom haben?
Warum nehmen Sie billigend in Kauf, dass Prostituierte erneut als Menschen zweiter Klasse behandelt werden, indem der Staat exklusiv dieser Berufsgruppe in diskriminierender Weise glaubt vorschreiben zu können, wie sie Sex zu praktizieren hat? Gilt für Frauen in der Prostitution nicht mehr das in Art. 2 Grundgesetz verankerte Recht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit? Wie weit sind grüne Politiker/innen gesunken, wenn sie glauben, es als Fortschritt verkaufen zu müssen, dass fortan nicht mehr nur die Frauen in der Prostitution, sondern auch deren Kunden in diese Diskriminierung mit einbezogen werden?


Gegenüber der Zeitschrift „Emma“ haben Sie, Frau Steffens, den von Ihnen reklamierten Titel einer nordrhein-westfälischen „Emanzipationsministerin“ damit gerechtfertigt, dass Sie für das Recht auf Selbstbestimmung eintreten: „Emanzipation ist das Recht auf Selbstbestimmung“, haben Sie dort gesagt. Welch ein Hohn! Wenn sie mit ihrer Forderung nach Kondomzwang den im Beruf der Prostitution tätigen Frauen und ihren Kunden glauben das Selbstbestimmungsrecht absprechen zu müssen, sollten Sie konsequenterweise auf Ihren hochtrabenden Titel einer „Emanzipationsministerin“ verzichten! Doch diesen Mut werden Sie vermutlich nicht aufbringen. Zu befürchten bleibt, dass Sie den Begriff ‚Emanzipation‘ mit der Ihnen qua Amt verliehenen Macht weiterhin missbrauchen werden. Glauben Sie wirklich, dies bliebe unbemerkt?
Sie geben vor, die ‚Sicherheit‘ von Prostituierten stärken zu wollen. Selbst wenn man Ihnen das abnehmen sollte: Die angestrebte „Sicherheit“ von Prostituierten legitimiert in keiner Weise die Einschränkung des sexuellen Selbstbestimmungsrechts von Prostituierten und ihrer Kunden in Form des Kondomzwangs. Es gibt keine einzige wissenschaftliche Studie, auf die Sie, Frau Steffens, sich berufen können und die den empirisch belastbaren Nachweis enthält, Frauen in der Prostitution würden durch die „Profitgier der Betreiber“, durch die „Unverantwortlichkeit der Kunden“, durch die eigene „Unwissenheit“ oder die angeblich überall präsenten „Zwangsverhältnisse“ und „kriminellen Strukturen“ in der Prostitution zunehmend an der eigenen Gesundheitsvorsorge gehindert. Derartige Behauptungen, die immer wieder öffentlich lanciert, aber nie bewiesen werden, dienen der Stigmatisierung der betroffenen Frauen als dumme, naive und bemitleidenswerte „Opfer“, um damit die staatliche Fürsorge im Sinne der Grundrechtseinschränkung zu rechtfertigen.
Wenn etwas Frauen in der Prostitution tatsächlich an effektiver Gesundheitsvorsorge hindert, so ist es die eklatant mangelhafte Ausstattung vieler Gesundheitsämter, die nach § 19 Infektionsschutzgesetz zur aufsuchenden Sozialarbeit im Prostitutionsbereich ermächtigt sind, aufgrund rigider Sparvorgaben ihrem gesetzlichen Auftrag jedoch nur unzureichend nachkommen können. Mit Ihrer markigen Forderung nach Kondomzwang versuchen Sie, Frau Steffens, von diesem in Ihren Zuständigkeitsbereich fallenden Skandal abzulenken. Auch hier flüchten Sie aus der Verantwortung.


Ihnen ist bekannt, dass die Bundesregierung seinerzeit für teures Geld eine 2007 veröffentlichte Evaluation des Prostitutionsgesetzes in Auftrag gegeben hat. Das für alle Parteien beschämende Ergebnis: Das rot-grüne Prostitutionsgesetz von 2002 enthält nicht einmal eindeutige formulierte Intentionen und damit juristisch wasserdichte Vorkehrungen für die Abschaffung der so genannten „Sittenwidrigkeit“ von Prostitution.
Die Verfasserinnen der Expertise forderten die Bundesregierung in ihren Empfehlungen daher auf, vordringlich eine Klarstellung hinsichtlich der Intentionen des Prostitutionsgesetzes vorzunehmen. Nichts ist in dieser Frage in den vergangenen Jahren geschehen. Stattdessen wird auch von Ihnen, Frau Steffens, nach dem Motto: ‚Haltet den Dieb!‘ versucht, den Eindruck zu erwecken, als bestünde die Ursache allen Stillstands bezüglich Prostitutionspolitik vor allem darin, dass nachrangige Behörden sich mit der Umsetzung des Prostitutionsgesetzes schwer täten.
Man wird den Eindruck nicht los, dass Sie die Empfehlungen der Evaluation nie wirklich gelesen bzw. verstanden haben. Wie sonst ist es zu erklären, dass Sie mit Ihrer Forderung nach Kondomzwang bei Prostitution etwas einklagen, was keine der Expertinnen empfohlen hat? Damit bestätigen Sie eine Arroganz der Macht, an der offenbar auch Sie als Vertreterin der Partei der Grünen Gefallen gefunden haben: Dass die Betroffenen in Punkto Kondomzwang gänzlich anderer Auffassung sind und auch die von der Bundesregierung beauftragten Expertinnen dies überhaupt nicht empfehlen – das scheint Sie nicht zu irritieren, das scheint Sie nicht zu scheren.


Angesichts dieses Befundes steht zu erwarten, dass der von Ihnen einberufene „Runde Tisch Prostitution“ in Nordrhein-Westfalen sich als Totgeburt erweisen wird, vor dessen Beschlüssen man sich vorsorglich schon in Acht nehmen sollte. Die nordrhein-westfälische Politik gegenüber Prostitution hat schließlich nicht zum ersten Mal negative Maßstäbe mit bundesweiter Ausstrahlkraft gesetzt. Das immer noch praktizierte, allenthalben illegale „Düsseldorfer Verfahren“ der Sonderbesteuerung von Prostituierten kann als warnendes Beispiel gelten.
Wer wie Sie die gegenüber den Frauen in der Prostitution betriebene Politik der Ausgrenzung und Diskriminierung mit der Forderung nach einem Kondomzwang um einen weiteren Aspekt bereichert, wird über kurz oder lang - da muss man keine Prophetin sein - den geballten Unmut der Betroffenen hervorrufen. Ist es das, was Sie erreichen wollen?

Mit freundlichen Grüßen
Juanita Henning
(Sprecherin Doña Carmen e.V.) 
www.donaCarmen.de


___
&quot;Emanzipations&quot;-Ministerin Barbara Steffens beim Empfang bei Madonna e.V. in Bochum
www.sexworker.at/phpBB2/viewtopic.php?t=7446

annainga:
bitte zerreißt mich jetzt nicht, ich habe eine andere sichtweise.
 
ich sehe es nicht als zwang, sondern als verpflichtung, als arbeitsschutzmaßnahme. 
ich hörte dazu mal als beispiel, dass bauarbeiter auf der baustelle auch kopfschutz tragen müssen. das kann man doch nicht als zwangsmaßnahme sehen, sondern als schutz, auch für einen selbst.
mir ist schon klar, dass es auch um die kontrollen dabei geht. wäre es nicht sinnvoll, die verpflichtung zur kondomnutzung zu befürworten, aber die kontrolle anders zu regeln (vor allem nicht durch polizei).
lieben gruß, annainga

Aoife:
          annainga hat folgendes geschrieben:bitte zerreißt mich jetzt nicht, ich habe eine andere sichtweise.
Ganz bestimmt nicht, deine Sichtweise hat ja durchaus auch ihre gute Begründung.
Allerdings sehe ich den Bauarbeiter nicht als optimalen Vergleich, da steht ja eine Berufsgenossenschaft dahinter, die bei einem Arbeitsunfall in die Pflicht genommen wird.
Eher passend fände ich den Vergleich mit einem Motorradfahrer, für den die Helmpflicht unabhängig davon gilt, ob er professionell oder zum Vergnügen fährt.
Also nicht die Vorstellung, die Menschen mit gewissem Zwang vor Schaden schützen zu müssen ist das eigentliche Problem, sondern die Stigmatisierung einer einzelnen Gruppe. Für mich ist nicht die Frage, ob eine solche Pflicht jetzt von der Polizei oder von sonstwem kontrolliert wird ausschlaggebend, sondern ob sie allgemein gilt. Und wenn (IMHO berechtigte) Bedenken herrschen, dass eine allgemeine Kondompflicht menschenrechtswidrig ist, so ist ihre Anwendung auf die Gruppe der SW alleine ebenfalls nicht zu rechtfertigen.
Wenn einem Politiker der die Kondompflicht für Paysex fordert nicht die gleiche Entrüstung entgegenschlägt wie wenn er eine mit den gleichen Maßnahmen kontrollierte Kondompflicht für jeden nichtreproduktiven Sexakt fordert, auch für eheliche, dann hat das keinen sachlichen Grund, sondern ist ein Versuch aus unserem Stigma politisches Kapital zu schlagen. Insbesondere wenn man bedenkt, dass in Deutschland ca. 2% der Sexkontakte mit einem Geldfluß verbunden sind, wird deutlich, dass Sonderregelungen für den Prostitutionsbereich niemals die gesundheitspolitische Motivation haben können, die sie vorgeben.
Liebe Grüße, Aoife

annainga:
den vergleich verstehe ich nicht. es gilt ja die allgemeine helmpflicht und gurtpflicht, um im fall eines unfalls die gemeinschaft und den einzelnen bestmöglich zu schützen. 
ich verstehe nicht, inwieweit eine kondompflicht (warum wird immer von zwang gesprochen?) in der sexarbeit menschenrecht einschränkt.
schade, dass dir das bauarbeiterbeispiel nicht gefällt. mache ich beruflich bauarbeiten, bin ich verpflichtet einen helm zu tragen, mache ich daheim umbauarbeiten privat, ist es meine eigene sache, ob ich einen helm trage oder nicht. sobald es um einen zweiten geht, (die tochter, die die leiter stützt), habe ich besondere verantwortung. 
genau wie in einer privatbeziehung es dem paar selbst überlassen ist, wie sie sex und verhütung regeln, aber sobald sex als beruf ausgeübt wird, sehe ich kondompflicht als arbeitsschutzmaßnahme.
der haken ist wie die kontrolle der schutzmaßnahme aussieht, ein aufgesetzter helm oder nicht ist einfach dagegen.
lieben gruß, annainga

fraences:
Zwang wird niemals die Lösung sein, sondern das Stärken des Selbstbewusstsein für die Erhaltung eigener Gesundheit.
Wie solls kontrolliert werden?
Zur Zeiten meiner Betreibertätigkeit habe ich es zu Bedingung gemacht, das bei uns nur mit Schutz gearbeitet wird.
Es konnte nicht verhindert werden, das hin und wieder die Ein oder Andere mal ohne oder es würde wegen Zickenalarm es einfach behauptet.
Die Wahrheitsfindung was stimmte war immer eine sehr unerfreuliche Angelegenheit.
Dann die Situtaition, wo eine Frau am Termin durch Alkoholeinfluss ihre Professionalität verlor und es ohne gemacht hat.
Die Andere , wo eine Frau in finanzieller Not war und das Angebot bekommt &quot;Ich gebe Dir 1000 extra:&quot;
Dann die Neueinsteigerin, die aus Mangel an Verantwortungsbewusstsein oder aus Nervösität den Komdom vergißt.
Wie oft musste ein Fahrer mit eine Sexworkerin , nachts die Tankstelle anfahren, weil Sie Ihr Marschgepäck nicht dabei hattte.
Unsere Lösung war dann , das die Fahrer eine Tasche dabei hatten mit alllen nötigen Utensilien.
Hier nur einige Beispiele, wie es in der Praxis Realität ist.
Trotzdem brauchen wir keine Reglementierung auf Staaatsebene.
wenn denn Unterstützende Massnahmen:
Aufklärung, Präventation, kostenlose Kondome,etc
Wenn der Staat sich wirklich Sorgen macht, und nicht die Zwangsuntersuchung dazu missbraucht wieder eine Daumenstraube uns anzulegen, um eine unnötige, uneffiktive Kontrollmechanismus einzuführen.
Liebe Grüße
Fraences

Jupiter:
Als Gesundheitsschutz ist die Verwendung von Kondomen ein &quot;Muß&quot;. 
Helmpflicht und Gurtpflicht lässt sich von außen kontrollieren. Aber um dies im P6 zu kontrollieren sind wir dann bei den bayrischen Verhältnissen (Scheinfreier) und mit der dort geltenden Hygenieverordnung.
Aufklärung ist wichtig und dies besonders bei den Männern. Da geistern durchs Internet AO-Empfehlungen und diese Herren sehen bei sich kein Problem &quot;Ich seh doch gesund aus&quot;.
Aber dies Problem haben Mädels auch im privaten Bereich. Wenn da ein Mädel für ein ONS einen Kondom aus der Handtasche holt, dann kann sie sich aber auf entsprechende Kommentare gefasst machen.
Gruß Jupiter

fraences:
Am meisten erschreckt mich, wenn ich ein Hotelgast habe, der in einem 5 Sterne Hotel ist, dann die Frage kommt: Machst Du es auch ohne?
Die Annnahme Bildung, Niveau, Status würde was mit Gesundheitsbewusstsein zu tun haben, ist nur eine theoretische Irrglauben.
Süss sind die Gäste , die ihren eigenen Kondome mitbringen.
Liebe Grüße
Fraences

Maya28:
Ich befürworte das ganze, weil es das Arbeiten hoffentlich leichter macht. Es gibt &quot;leider&quot; viele Frauen die AO anbieten und auch viele Männer die darauf stehen. Wenn du selbst auf deine Gesundheit achten willst, aber dauernd anfragen von Männern für AO bekommst, ist das schon nervig und vor allem auch schwierig so zu arbeiten.
Und es ist ein Schutz für Dritte!!! Die Sexworkerin und der Kunde sind selbst dafür verantwortlich, wenn sie sich mit HIV oder einer anderen Krankheit anstecken. Aber wie viele Kunden haben eine Freundin oder eine Frau zu Hause, die von der ganzen Sache nichts weiß? In einer Beziehung verzichtet man in der Regel auf Kondome. Das heißt diese unverantwortliche Vorgehensweise von dem Kunden und der Sexworkerin bringen das Leben von einer weiteren Person in Gefahr.
Klar man könnte jetzt sagen, dann muss man sie eben besser aufklären. Ich bin jedoch der Meinung, dass das viele Männer nicht interessiert. Wenn es um Sex geht, schalten sie ihr Gehirn ab.
Zumindest um die dritte Person zu schützen, finde ich die Kondompflicht gut. In Bayern funktioniert es doch auch. In anderen Branchen gibt es Sicherheitsvorschriften, die eingehalten werden müssen (wie Schutzkleidung etc.), also warum nicht auch bei uns?
Das ist zumindest meine Meinung.

fraences:
Ich habe bis heute noch keine Möglichkeit gefunden, ein Gast am Telefon mit Argumenten des Gesundheitsbewusstmachung umzustimmen.
Habe auch gar keine Lust und Nerven mich mehr mit ihm auseinander zusetzen, da es wenig erfolg verspricht.
Dann gibt es den sogenannten Lehrmeister Typ:
-Ich habe einen Attest.
-Aids gibt es nicht, nur eine Erfindung.
-Mach doch mal eine Ausnahme
Diese Argumente nerven mich nur, das ich mir die Freiheit rausnehmen,mir das garnicht mehr anzutun.
Bin hier abgestumpft, um mich selbst zu schützen.
Und zweitens auf Termin habe ich die Dominanz und zieh ihm das Ding einfach rüber.
Liebe Grüße
Fraences

annainga:
fraences hat folgendes geschrieben:Ich habe bis heute noch keine Möglichkeit gefunden, ein Gast am Telefon mit Argumenten des Gesundheitsbewusstmachung umzustimmen. für mich ist das ein argument für kondompflicht.
in dem zusammenhang nochmal dieser thread, ruft mal an, herrlicher jingle:
http://www.sexworker.at/phpBB2/view....;highlight=aktion+tabulos
lieben gruß, annainga

fraences:
Und den Kondomzwang interessiert diesen Typus überhaupt nicht.
Überlege an wen bleibt die Bestrafung hängen, an uns.
In München werden 4-stelligen Busgelder den Frauen auferlegt.
Die einzige Zeit , wo es in der unsere Branche weniger Nachfrage gab, war 1989 , wo Aidshysterie in den Medien gemacht wurde.
Eine Zwangskondomverordnung bringt Zwangsuntersuchung mit sich.
Wollen wir das wirklich?
Lieben Gruß
Fraences

Maya28:
Die Busgelder muss keine Frau bezahlen, wenn sie es mit Kondom macht. Da sehe ich kein Problem. Wenn sie es trotzdem macht, selbst Schuld.
Und wenn es keine (oder kaum) Frauen gibt die es ohne machen, weil es gesetzlich nicht mehr erlaubt ist, dann bleibt den Männern irgendwann nichts anderes übrig, als es eben mit zu machen. Denn auf Dauer wird ihnen die eigene Hand zu langweilig sein ;-)
Klar von heute auf morgen wird es nicht so sein, aber mit der Zeit.

annainga:
verstanden @fraences
allerdings sehe ich nicht, weshalb eine kondombenutzung als arbeitsschutzmaßnahme, zwangsuntersuchungen nach sich zieht. 
angedacht ist, dass betreiber ähnlich der jugendschutzverordnung in gaststätten mit einem plakat auf die verpflichtende kondombenutzung hinweisen müssen, zumindest in nrw.
hast du weitergehende informationen über die fälle, in denen so ein hohes bußgeld verhangen wurde?
ich wüsste gern auf welcher grundlage die nicht eingehaltene kondompflicht kontrolliert wurde.
lieben gruß, annainga

Marc of Frankfurt:
Wieso die Fälle oder Denkmodelle ziviler Arbeitsschutz/Sicherheit im Straßenverkehr einerseits und Kondompflicht mit Polizeikontrolle im Bett von Sexworker und Kunde andererseits so unvergleichlich sind, es aber so unglaublich schwer fällt sich in die jeweils andere Position hineinzudenken und fühlen, wenn man seine Entscheidung längst emotional getroffen hat...
...das kann ich mir nur mit der jeweiligen persönlich-biographischen Verortung im sozialen Gesamtgesellschaftssystem erklären. Das ist das Kennzeichen einer Identitätsfrage und die wirken vielfach wie ideologische Glaubenspositionen. Hier kommt man argumentativ nicht mit knappen Schlagwörtern oder Postings weiter. Es müßten entweder tiefenpsychologische Analysen oder wissenschaftlich-juristische Gutachten angefertigt werden oder alternativ eine Urabstimmung der Sexworker stattfinden. 
Das zeigt einmal mehr wie wichtig es ist die Sexworker überhaupt ersteinmal organisiert zu bekommen, bevor die Sexworker-Interessen überhaupt politisch vertreten werden können. Das ist daher eine Kernforderung: Die Politik muß die Sexworkerinteressen-Selbstvertretung unterstützend organisieren.
Wenn Politik und Institutionen sich ihnen nahestehende Personen einbindet (2 Sexworker Experten von 36.000 in NRW), ist das problematisch und steht jeder späteren Akzeptanz im Wege.


Warum die Männer Kondom-Muffel sind
ist Forschungsthema im Kinsey-Institut:
www.sexworker.at/phpBB2/viewtopic.php?p=63063#63063
Gerade hier sollte Aufklärung und Fortbildung ansetzen.
Ich denke zu Aufklärung, Fortbilung, Verteilung und Bereithalten von Kondomen, dazu können die Leute durchaus verpflichtet (gezwungen) werden so wie zum Sicherheitsgurt und Helm tragen. Die Regelungsgrenze ist und bleibt die menschliche Intimsphäre. Womit wir wieder bei Fundamentalproblem Prostitution wären, welche auf der Grenze privat-öffentlich verortet ist und damit zum Tabubruch wird, was wiederum die Hüter der Ordnung auf den Plan ruft, was zu Menschenrechtsverletzungen führt...
Der politisch weise Karl Kraus schreibt sinngemäß: &quot;Die Probleme beginnen erst da, wo versucht wird die Probleme zu beseitigen&quot;.


:icon_eyes Fortbildungsmodul 
Kondomanwendungsmarketing für Sexworker oder
&quot;wie sag ich's meinem Kunden&quot;:
www.sexworker.at/phpBB2/viewtopic.php?p=17196#17196 (SW-only)

Marc of Frankfurt:
Im Freispruch im Münchner Pascha-Prozess wegen mutmaßlicher Zuhälterei wg. FO als Betriebsvorgabe ist m.E. die Kondomverordnung grundsätzlich gescheitert:
www.sexworker.at/phpBB2/viewtopic.php?p=91766#91766

Präventions-Plakate im Bordell aufzuhängen, ist aber dem Worte nach keine Kondompflicht sondern Plakatpflicht bzw. Aufklärungs- und Informationspflicht... und die ist zweifelsohne zu befürworten. (Da haben wir evt. aneinander vorbeigeredet.)



Aoife:
          annainga hat folgendes geschrieben:den vergleich verstehe ich nicht. es gilt ja die allgemeine helmpflicht und gurtpflicht, um im fall eines unfalls die gemeinschaft und den einzelnen bestmöglich zu schützen.
Ja eben, genauso meine ich es ja auch. Wenn es darum ginge, die Gemeinschaft und den Einzelnen bestmöglich zu schützen, so bräuchte es dazu eine allgemeine Kondompflicht. Die Beschränkung der Diskussion auf eine Kondompflicht nur für den Prostitutionsbereich würde unter dieser Voraussetzung so wenig Sinn machen wie die Beschränkung der Helmpflicht auf professionelle Motoradfahrer.
annainga hat folgendes geschrieben:ich verstehe nicht, inwieweit eine kondompflicht (warum wird immer von zwang gesprochen?) in der sexarbeit menschenrecht einschränkt.
Ich denke nicht, dass die Einschränkung des Rechts auf sexuelle Selbstbestimmung in Zweifel steht. Die Frage ist vielmehr, ob es einen hinreichenden Grund für diese Menschenrechtseinschränkung gibt, der sie rechtfertigt. Und bei einem bezahlten Anteil von 2% von allen Sexkontakten ist nicht nachvollziehbar, wieso die Menschenrechtseinschränkung ausschließlich für diesen Bereich gerechtfertigt sein soll.
Deshalb der Vergleich mit dem Motoradhelm: Wenn es um den Gesundheitsschutz der Bevölkerung geht, wird die Beschränkung der Helmpflicht auf die ganz wenigen professionellen Motoradfahrer sich kaum positiv auswirken können. Ebenso ist es mit der Kondompflicht &quot;nur für SW&quot;. Wenn eine positive Auswirkung jedoch fehlt, so ist auch eine Einschränkung des Rechts auf Selbstbestimmung nicht zu rechtfertigen.
annainga hat folgendes geschrieben:schade, dass dir das bauarbeiterbeispiel nicht gefällt. mache ich beruflich bauarbeiten, bin ich verpflichtet einen helm zu tragen, mache ich daheim umbauarbeiten privat, ist es meine eigene sache, ob ich einen helm trage oder nicht. sobald es um einen zweiten geht, (die tochter, die die leiter stützt), habe ich besondere verantwortung.
Ich sage doch garnicht, dass es nicht gefällt:002 
Es ist nur nicht das optimale Beispiel, weil es völlig andere Hintergründe hat. Bei der Helmpflicht für Bauarbeiter geht es ja nicht primär um den Schutz des Arbeiters, dieser ist nur Mittel zum Zweck, um die Berufsgenossenschaft vor finanziellen Belastungen zu schützen. Und deshalb besteht kein Interesse daran, bei privaten Umbauten den gleichen Sicherheitsstandart zu verlangen. Ginge es darum, die Zahl der Kopfverletzungen an sich zu reduzieren, so wäre diese Pflicht nicht auf Profis beschränkt - wie eben auch beim Motoradfahren.
Die Argumentation bei der Kondompflicht im Paysex ginge es um Gesundheitsvorsorge ist also unglaubwürdig. Und solange hier mit unehrlichen Argumenten von politischer Seite gearbeitet wird, sollten wir IMHO noch mißtrauischer sein als wenn offen zugegeben würde, dass es nur um Kontrollvorwände geht. Weil wir ja garnicht wissen können, ob nicht noch eine ganz andere Absicht dahintersteckt, die uns bisher verborgen geblieben ist. Wenn jemand sich gezwungen sieht, etwas mit offensichtlich unwahren Argumenten anzupreisen, ist höchste Vorsicht angesagt.
Liebe Grüße, Aoife

Aoife:
          Maya28 hat folgendes geschrieben:Zumindest um die dritte Person zu schützen, finde ich die Kondompflicht gut. In Bayern funktioniert es doch auch.
Stimmt das wirklich?
Aus den Zahlen des Robert Koch Instituts für 2010 kann ich nicht entnehmen, dass Bayern eine signifikant geringere Neuinfektionsrate mit HIV hätte als andere Bundesländer.
Was funktioniert also in Bayern? Zumindest nicht der Schutz vor HIV.
Liebe Grüße, Aoife

Aoife:
          Maya28 hat folgendes geschrieben:Die Busgelder muss keine Frau bezahlen, wenn sie es mit Kondom macht. Da sehe ich kein Problem. Wenn sie es trotzdem macht, selbst Schuld.
In einem Staat, der Freierforenphantasien als gerichtstaugliche Beweismittel wertet, ist das allenfalls eine schöne Utopie.
Liebe Grüße, Aoife

fraences:
@Annaiga
Ich bin für Komdombenutzung, nicht aber für staatlich auferlegten Reglementierung , mit darauf folgende Strafbemessung.
Denn wenn es eine Ordnungsverfügung gibt, dann resultiert das daraus.
Wir leben in einer Zeit, wo viel zu viel durch Verbotsschilder geregelt wird.
Ich glaube, das man den Menschen nicht ihre Eigenverantwortung absprechen sollte.
Sicherlich sind Gebote letztendlich heilsame, als Verbote.
So ist die Bergpredigtnicht als Verbot zusehen ,sondern als eine Sammmlung von Hinweisschildern aus denen sich jeder freiwillig nehmen kann, oder nicht.
Wer mit dem Finger auf Andere zeigt, verrät nur etwas über seine eigenen Ängsten und Unfertigtkeiten.
Diese Staat , damit meine ich jeden einzelnen Bürger sollte sich hüten in der Art unsägliche Projektionsketten zu verfallen.
Wir sollten nicht ein Ander verfluchen, sondern uns hilfreich zur Seite stehen auf dem gemeinsamen Weg.
Liebe Grüße
Fraences

Jupiter:
Maya28 hat folgendes geschrieben:Ich befürworte das ganze, weil es das Arbeiten hoffentlich leichter macht. Es gibt &quot;leider&quot; viele Frauen die AO anbieten und auch viele Männer die darauf stehen.
 fraences hat folgendes geschrieben:Ich habe bis heute noch keine Möglichkeit gefunden, ein Gast am Telefon mit Argumenten des Gesundheitsbewusstmachung umzustimmen.
Habe auch gar keine Lust und Nerven mich mehr mit ihm auseinander zusetzen, da es wenig erfolg verspricht.

In diesen Fällen hilft doch nur ein eindeutiges &quot;Nein&quot;, wofür noch eine Begründung. Es ist doch auch mit den verschiedenen Sexpraktiken so, wenn du da um etwas gefragt wirst, was du nicht machen willst, kommt doch ein klares &quot;Nein&quot;.
Egal ob Kondompflicht, es wird immer Männer geben, die versuchen AO zu bekommen (meist indem sie dich finanziell ködern) und sich dann in Internetforen damit brüsten.

Gruß Jupiter

fraences:
@jupiter So.ist es. Da hilft kein Pille und Medizinund reden auch nicht.
Was er will und was ich leisten kann, sind für mich zwei paar Schuhe
Liebe Grüße
Fraences

fraences:
Als Vergleich NRW und Baden Württemberg/Schweiz, so mach ich hier die Erffahrung , das es wenig Diskussionen mit Gästen über ohne Komdom gibt.
Ich kann im Moment nicht konkret begründen, wieso das so ist.
Ob es an der vielfältige Angebot in NRW liegt, ob die Gäste hier nicht so viele Ansprüche stelllen, ob hier wenige Ausländerinnen (bitte nicht falsch verstehen) ich versuch es grad im Moment zu ermitteln.
Liebe Grüße
Fraences

fraences:
Grad las ich von Xenia ein sehr schönen Satz, zwar in Zusammenhang mit Jugendprostitution in der Schweiz, aber passt auch zu diesem Thread:
Präventionsarbeit, also basisnahe Arbeit von Nichtregierungs-Organisationen
Liebe Grüße
Fraences

Maya28:
In diesen Fällen hilft doch nur ein eindeutiges &quot;Nein&quot;, wofür noch eine Begründung. Es ist doch auch mit den verschiedenen Sexpraktiken so, wenn du da um etwas gefragt wirst, was du nicht machen willst, kommt doch ein klares &quot;Nein&quot;.
Das ist schon klar. Ich denke dabei eher an sowas wie den Straßenstrich in bestimmten Regionen. Okay ich kenne das nur von Reportagen, nicht persönlich...... da haben sich oft Sexworker beschwert, dass es viele osteuropäische Frauen gibt, die für paar Euro alles ohne machen. Aus diesem Grund erwarten viele Freier das auch von ihnen, sonst gehen sie zur nächsten. So wird das Arbeiten für sie sehr hart und sie bekommen nicht mehr viele Kunden, da leider viele so dumm im Kopf sind und es ohne verlangen, obwohl bekannt ist, dass die HIV-Rate unter den Sexworkerinnen dort hoch ist.
Wenn es so ein Gesetz gebe, wo nicht nur die Sexworker sondern auch die Freier bestraft werden, wenn sie es ohne machen, dann wäre es nicht mehr so verbreitet.
Klar wird es immer welche geben, die es heimlich machen und von heute auf morgen lässt es sich mit Sicherheit nicht gleich in die Praxis umsetzen. Aber meiner Meinung nach wird es mit der Zeit nur positiv sein.
Es ist einfach meine Meinung. Ich selbst halte die Kondompflicht nicht schlimm, es schadet ja nicht. Für mich ist es nichts anderes wie eine Sicherheitsvorschrift, wie es die in anderen Berufen auch gibt. Ob man Sicherheitsschuhe, oder ähnliches tragen muss, bei uns wären es halt die Kondome.

Aoife:
Natürlich spielen solche wirtschaftlichen Aspekte eine Rolle.
Das finde ich auch völlig o.k., wenn man dazu steht, und nicht gesundheitliche Argumente vorschiebt, bei denen jeder Zwang erwiesenermaßen kontraproduktiv ist.
Nur müssen wir auch unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten die Vor- und Nachteile vernünftig abwägen. Eine Frau, die wegen einer (möglicherweise sogar falschen) Behauptung in einem Freierforum ein hohes Bußgeld bezahlen muss, hat vielleicht gar keinen finanzellen Vorteil gegenüber dem Ist-Zustand, muß nur mehr arbeiten (und sieht sich möglicherweise sogar gezwungen das gesundheitliche und juristische Risiko von ohne-service einzugehen) um am Ende das selbe Geld zu haben.
Auch sollten wir in solchen Dingen nicht zu kurzsichtig denken, wer den Staat zu Hilfe ruft wird ihn so schnell nicht wieder los, selbst wenn die Bedingungen sich geändert haben.
Liebe Grüße, Aoife

Maya28:
Natürlich sollte man schon etwas genauer ermitteln und sich nicht auf einen Beitrag im Forum berufen. Bei anderen &quot;Straftaten&quot; braucht man ja auch Beweise und nicht einen anonymen Beitrag im Internet. An Orten wo es jetzt wirklich schon zur Kondompflicht gekommen ist, sollten sich die Behörden vielleicht überlegen, auch die Freier zu bestrafen. So dass beide die Hälfte zu tragen haben. In diesem Fall überlegen sie sich evtl. zweimal, bevor sie falsche Behauptungen im Internet veröffentlichen, da sie dann selbst dran sind.
Das mit dem selbst schuld von vorhin war auf Frauen bezogen, die es bewusst ohne machen, obwohl sie wissen, dass es strafbar ist.

Aoife:
          Maya28 hat folgendes geschrieben:Natürlich sollte man schon etwas genauer ermitteln ...
Ja, das wäre schon wünschenswert.
Aber in einem Land, in dem das bekanntlich eben nicht so gehandhabt wird, muß man sich doppelt genau überlegen, ob staatliches Eingreifen wirklich eine Hilfe darstellt.
Liebe Grüße, Aoife

Maya28:
Ja irgendwie hat alles Vor- und Nachteile. ;-)
Oh auf Vox läuft eine Reportage über unsere Branche. Schau ich mir mal an und sage jetzt gute Nacht meine Lieben. Bussiiii

fraences:
Bei mir entsteht der Eindruck, das es gar nicht um Gesundheit geht, sondern um rein wirtschaftliche Gesichtspunkte, wo Kosten und Nutzen gegeneinander abgewogen werden.
Meine Berufserfahrung zeigt, das nach einem neuen Werbeangebot immer zuerst die Gäste anrufen, die nach AO fragen.
Es ist die Sorte Gast, die regelrecht die Zeitung nach Neulingen durchforsten, welche aus Erfahrungsmangel das eigene mit dem Job verbundene Gesundheitsrisiko noch nicht gecheckt haben.
Darum hat der Betreiberdiesen Neuerlingen gegenüber eine besondere Aufklärungspflicht, der er unbedingt nachkommen sollte. Langjährige, erfahrene Sexworker dürfen sichgegenüberNeueinsteigern dieser Fürsorgepflicht nicht entziehen.
Wenn wir so miteinander arbeiten und umgehen lernen, brauchen wir das Regulativ Staat nicht.
Liebe Grüße
Farences

Lupus:
Die Kondompflicht soll nur in den &quot;Prostitutionsstätten&quot; überwacht werden. Und die Betreiber in die Pflicht genommen werden.
Ich bin dafür, dass wie beinm Jugendschutz in allen Bordellen Hinweise auf Kondombenutzung angebracht werden müssen. Und darüber hinaus entsprechendes Infomaterial ausgelegt werden muss. Es geht den Staat und seine Organe nichts an, was zwei erwachsene Menschen ohne Druck in einem intimen Zusammensein machen - egal, ob dabei Geld fliesst oder nicht.
Statt Kontrollen nuss die Aufklärung stärker in den Vordergrund rücken. Warum nicht auch durch Präsenz des Gesundheitsamtes auf Märkten und Ausstellungen, Stadtfesten, in Bordellen etc. zum Thema &quot;safer Sex&quot;? 
Ich verstehe, dass SexdienstleisterInnen genervt sind von ständigen Nachfragen nach &quot;ohne Gummi&quot;.. Umgang mit solchen Fragen könnte doch in Seminaren (des Gesungheitsamtes) angeboten werde, damit solche Fragen niemanden die Laune vermiesen.

Ariane:
          fraences hat folgendes geschrieben:Bei mir entsteht der Eindruck, das es gar nicht um Gesundheit geht, sondern um rein wirtschaftliche Gesichtspunkte, wo Kosten und Nutzen gegeneinander abgewogen werden.
Meine Berufserfahrung zeigt, das nach einem neuen Werbeangebot immer zuerst die Gäste anrufen, die nach AO fragen.
Es ist die Sorte Gast, die regelrecht die Zeitung nach Neulingen durchforsten, welche aus Erfahrungsmangel das eigene mit dem Job verbundene Gesundheitsrisiko noch nicht gecheckt haben.
Darum hat der Betreiberdiesen Neuerlingen gegenüber eine besondere Aufklärungspflicht, der er unbedingt nachkommen sollte. Langjährige, erfahrene Sexworker dürfen sichgegenüberNeueinsteigern dieser Fürsorgepflicht nicht entziehen.
Wenn wir so miteinander arbeiten und umgehen lernen, brauchen wir das Regulativ Staat nicht.
Liebe Grüße
Farences
Danke!! Ein schönes und wahres Statement; auch meine Erfahrung. Übrigens: finde den offenen Brief von Dona Carmen auch sehr erhellend. Manchmal muss man einfach laut sein. 
schöne Grüsse
Ariane 
PS: und Gruss an Günni

Aoife:
          Lupus hat folgendes geschrieben:Statt Kontrollen nuss die Aufklärung stärker in den Vordergrund rücken. Warum nicht auch durch Präsenz des Gesundheitsamtes auf Märkten und Ausstellungen, Stadtfesten, in Bordellen etc. zum Thema &quot;safer Sex&quot;? 
Ich verstehe, dass SexdienstleisterInnen genervt sind von ständigen Nachfragen nach &quot;ohne Gummi&quot;.. Umgang mit solchen Fragen könnte doch in Seminaren (des Gesungheitsamtes) angeboten werde, damit solche Fragen niemanden die Laune vermiesen.
Danke, Lupus!
Unter dem Gesichtspunkt des Gesundheitsschutzes ist das sicherlich der bessere Weg.
Übrigens der Weg, den wir bei unseren internen Fortbildungen auch gehen, dass die Gesundheitsämter dieser Aufgabe im allgemeinen nicht gerecht werden, heißt ja nicht, dass wir uns nicht selbst darum kümmern dürften.
Liebe Grüße, Aoife

fraences:
Nur das mir die Gesundheitämter (zumindesten Köln oder Düsseldorf) , die sehr gute Aufklärungs- und Präventationsarbeit leisten, hier nicht die nötige Fachpraxis im Umgang mit solchen nervigen Gäste haben.
Nach dem in Düsseldorf die Zwangsuntersuchung abgeschafft wurde,(Köln hat die Zwangsuntersuchung nie eingeführt, weil der damalige und jetzige Gesundheitsleiter es immer abgelehnt haben und diese Politik konsequent vertrat).
prasselte es von den Gesundheitsämter mit vehementer Anrufe Mit der Bitte ins Haus zukommen um Aufklärungsgespräche zu führen.
Es entstand schon fast den Eindruck sie hätten keine Arbeit mehr.
Während wir wöchentlich zum Amt mussten, erfolgte ihrerseits nie eineNachfrage.
Eine andere Sache, die völlig neben der Kappe war, ob ich schon lange anschaffte oder nicht, so musste man beim ersten Melden, die Sozialarbeiterin aufsuchen zum Erstgespräch, die eine aufklärten sollte.
Mir ist es oft passiert, aufgrund der häufige Personalwechsel an eine junge grad von der Uni erlassener Soziailarbeiterin, die mir theorietisch vermitteln wollte, wie ich am besten arbeiten soll.
Es gab Zeiten, wo die Puffmutter,einen die Regeln des Hauses erklärten, sprich Kondombenutzung, damals noch wie man Falle schiebt und sonstige Tipps die sehr hilfreich waren.
Dies ist leider verloren gegegangen.
Liebe Grüße
Fraences

annainga:
so langsam verstehe ich die andere sicht, die ablehnende sicht zur kondomverordnung.
vor einiger zeit hörte ich mal von einem experiment in einer mittelgroßen stadt, die sich vom &quot;schilderwald&quot; im straßenverkehr befreien wollten. radikal wurden alle schilder entfernt. selbst halteverbots- und einbahnstraßenschilder, ampeln und weil man auf die vernunft der straßenverkehrsteilnehmer setzte.
http://de.wikipedia.org/wiki/Shared_Space
inzwischen gibts auch ergebnisse:
http://www.rp-online.de/auto/news/D....sschilder_aid_589859.html
ok, ich weiß, diese übertragungen auf sexarbeit sind umstritten.
aber was die berufsgenossenschaft angeht (ich bin mitglied bei der vbg) stelle ich mir vor, ich hätte mich mit einer geschlechtskrankheit infiziert. bei der klärung, ob es sich um einen arbeitsunfall handelt, ist es wesentlich besser ich weise nach, dass ich die kondomverordnung aushängen habe und mich daran halte, als auf meine sexuelle selbstbestimmung zu pochen. (ok, ein super-fiktives bsp, es gibt bisher keine sexarbeiterin, die einen arbeitsunfall angab bzw. ich kenne keine).
mich würde auch ein fall interessieren, in dem eine sexarbeiterin aufgrund eines forenbeitrags zu einer geldstrafe verurteilt wurde. gibt es dazu informationen?
lieben gruß, annainga

Jupiter:
          annainga hat folgendes geschrieben:
mich würde auch ein fall interessieren, in dem eine sexarbeiterin aufgrund eines forenbeitrags zu einer geldstrafe verurteilt wurde. gibt es dazu informationen?

Es gibt den Fall einer Münchner Escortagentur, welche wg. eines Internet-Berichtes über ein Date mit &quot;franz. ohne&quot; Schwierigkeiten hatte (Bay. Hygenieverordnung). Diese Agentur hat dann verstärkt im Internet-Forum hierauf aufmerksam gemacht.
Gruß Jupiter

Jupiter:
Ich habe gerade im Thread zu Madonna e. V. gelesen:
annainga hat folgendes geschrieben:aus zweiter (oder auch dritter) hand hat mir mechthild eickel der beratungsstelle madonna erzählt, einige sexarbeiterinnen aus bayern sähen ihre arbeit dadurch erleichtert. ich selbst habe meine meinung ja bereits in dem anderen thread erläutert, ich sehe sie als arbeitsschutz.

Können nicht entsprechend bewanderteSW über die Auswirkungen der bayr. Hygenieverordnung, welche ja eine Kondompflicht ist, berichten?
Gruß Jupiter

Jason:
Und warum fängt man nicht erst mal mit einem Werbeverbot für AO,FT usw. an? Das lässt sich wesentlich leichter überwachen. 
Mittlerweile wird ja jedem durch Anonncen in der Zeitung oder Internetportalen suggeriert das &quot;ohne Kondom&quot; schon normal ist und man muß schon sehr suchen bis man jemand findet der explizit &quot;alles nur mit Schutz&quot; bzw. &quot;nur mit Kondom&quot; anbietet.
Wie soll man als Kunde extra danach fragen ohne die Dame in Bedrängniss zu bringen und gleich schief angeguckt zu werden?
Jason

Aoife:
          Jason hat folgendes geschrieben:Und warum fängt man nicht erst mal mit einem Werbeverbot für AO,FT usw. an?
Weil das nicht der politischen Absicht entspricht.
Während wir hier diskutieren, welche positiven und negativen Auswirkungen eine Kondompflicht real haben könnte, interessiert das die diese Sache betreibenden Politiker offensichtlich nicht im Geringsten.
Und der eigentliche Zweck der Übung, die rechtlichen Voraussetzungen dafür zu schaffen, kleine Betriebe und Einzelfrauen kaputt zu kontrollieren um die finanzkräftigen Großbetriebe zu fördern, ist durch ein Werbeverbot nun einmal nicht erreichbar.
Liebe Grüße, Aoife

Marc of Frankfurt:
          Doña Carmen hat folgendes geschrieben:haben sich Prostituierte nur vereinzelt und bestenfalls aus Gründen der Abgrenzung zur Konkurrenz in Zeiten schlechter Geschäfte für eine Kondompflicht ausgesprochen. Jedoch nie mit dem Wunsch, der Staat möge den Kondomgebrauch von Prostitutionskunden per Zwang und Dekret verfügen, um ihn anschließend polizeilich zu überwachen. Das war nie ein Thema in meiner langjährigen Beratungs- und Betreuungsarbeit. Nicht zuletzt deshalb lehnen wir bei Doña Carmen e.V. eine Politik des staatlich verordneten Zwangs ab, die in Fragen der Gesundheitsvorsorge erfahrungsgemäß ohnehin zum Scheitern verurteilt ist.

Das Konkurrenzargument können wir höchstwahrscheinlich bestätigen, wenn wir ehrlich zu uns selbst und unsereins sind.
Sexworker geniessen ordnungspolitisch leider keinen Berufs- und Gebietsschutz, wie z.B. Ärzte, deren Diplome aus dem fernen Ausland hier einfach nicht anerkannt werden, was zur Rechtsfolge hat: Arbeitsverbot für Ausländer. Sexworker stehen dadurch in einem extrem verschärften merkantil-frühkapitalistischen Wettbewerb (modernes Präkariat).
Die Kondomanwendung steht und fällt mit der Selbstsicherheit-Notlage in der sich eine Sexarbeiterin befindet. Und am niedrigpreisigen Straßenstich oder Laufhaus können durchaus die jungen schönen ausländischen Frauen die selbstsichereren sein, die keinesfalls ohne Kondom arbeiten, entgegen oft wiederholten Vorurteilen:
www.sexworker.at/phpBB2/viewtopic.php?p=82334#82334
@Jupiter
Andererseits habe ich bereits hier im Forum gelesen und gelernt, wie WanderarbeiterInnen berichten, dass gerade in Regionen mit Kondomzwang sie mit vielen Nachfragen nach Tabulos-Service bedrängt und belästigt werden. Das verweist darauf, wie kontraproduktiv gesetzliche Regeln in diesem schwer kontrollierbaren Intim-Bereich sind. 
Analog zur abzulehnenden Zwangsuntersuchung werden Kunden verleitet, naiv ihre eigene Selbstverantwortung zur Prävention zu vernachlässigen und triebgesteuert(?) der Illusion keimfreier Sexworker-Körper anheim zu fallen.

Jupiter:
          Marc of Frankfurt hat folgendes geschrieben: Andererseits habe ich bereits hier im Forum gelesen und gelernt, wie WanderarbeiterInnen berichten, dass gerade in Regionen mit Kondomzwang sie mit vielen Nachfragen nach Tabulos-Service bedrängt und belästigt werden. Das verweist darauf, wie kontraproduktiv gesetzliche Regeln in diesem schwer kontrollierbaren Intim-Bereich sind. 

Marc sehe ich ja ähnlich.
Nur, da dies in NRW in Erwägung gezogen wird und man sich ggf. auf die &quot;guten Erfahrungen&quot; in Bayern beziehen will, sollten wir Gegenargumente in der Hinterhand haben.
Deswegen meine Bitte hierzu. Frei nach dem Motto, wer schießen will, braucht auch Munition.
Gruß Jupiter

Aoife:
          Jupiter hat folgendes geschrieben:Frei nach dem Motto, wer schießen will, braucht auch Munition.
... and a clip of ammunition for me little armalite ...:002 
Schau doch mal weiter oben in diesem thread:
http://www.sexworker.at/phpBB2/viewtopic.php?p=94647#94647
Zumindest die Zahlen des RKI können keinen bayerischen &quot;Erfolg&quot; belegen. Ist das die Art von Munition, die du suchst?
Zu Marc's Feststellung:
          Marc of Frankfurt hat folgendes geschrieben: Andererseits habe ich bereits hier im Forum gelesen und gelernt, wie WanderarbeiterInnen berichten, dass gerade in Regionen mit Kondomzwang sie mit vielen Nachfragen nach Tabulos-Service bedrängt und belästigt werden. Das verweist darauf, wie kontraproduktiv gesetzliche Regeln in diesem schwer kontrollierbaren Intim-Bereich sind.
eine mögliche psychologische Erklärung für dieses Phänomen findet sich hier:
http://www.sexworker.at/phpBB2/viewtopic.php?p=94708#94708
Liebe Grüße, Aoife

fraences:
@Jason 
Warum Werbeverbot, wenn wir den bereits haben §119/§120 OWiG
Grob anstößige und belästigende Handlungen;Verbotene Ausübung der Prostitution;Werbung für Prostitution
Vor 25 Jahren dürfte man im Express nur Gesellschaftsdame, Fotomodell, Begleiterin in der Anzeige schreiben.
Ansonsten hätten die Zeitung von der Staatsanwaltschaft eine Anzeige wegen Förderung und Verherrlichung der Prostitution bekommen.
In der Marktwirtschaft ist es nur mal so, das Angebot und Nachfrageden Preisniveau beeinflussen.
Gebe Dir Recht, das tabulose Anzeigen schon sehr überhand genommen haben.
Liebe Grüße
Fraences
Fraences

Lupus:
          Maya28 hat folgendes geschrieben:Für mich ist es nichts anderes wie eine Sicherheitsvorschrift, wie es die in anderen Berufen auch gibt. Ob man Sicherheitsschuhe, oder ähnliches tragen muss, bei uns wären es halt die Kondome.
Das Tragen von Sicherheitsschuhen wird aber weder polizeilich überwacht, noch ist es gesetzlich vorgeschrieben. Ein Verstoss hat &quot;nur&quot; arbeitsrechtliche Folgen (Kündigung bei beharrlichem weigern) bzw. als freier Mitarbeiter darf ich qua Hausrecht die Baustelle nicht betreten. Nicht-an-die-Vorschrift-HalterInnen werden nicht kriminalisiert, bei Unfällen gibts keine Sanktionen/Mitschuld.
Oder anders formuliert:
Die Regierungen streben ein Gesetz an, das das Tragen von Helmen auf Baustellen vorschreibt mit der Begründung, nur so könne die Polizei auf Baustellen überwachen, ob Opfer von Menschenhandel beschäftigt werden.

fraences:
Hab mir grad mal von Robert-Koch-Institut den letzten Epidermiologische Bulletin Nr.46 Stand vom 17.11.2010
Bezugnehmend auf Hepatitis C: 
Bayern984
BW 711
NRW 641
Berlin546
Hessen259
Niedersachsen240
Rheinland-Pfalz 241
Sachsen214
Hamburg128
Schleswig-Holstein126
Thüringen124
Brandenburg63
Bremen 26
Detaillerte Zahlen habe ich zu Hiv nicht gefunden, vielleicht kann sie jemand noch reinstellen.
Mich hat diese Zahlen doch sehr überrascht.
Liebe Grüße
Fraences

Lupus:
          Marc of Frankfurt hat folgendes geschrieben:  
Andererseits habe ich bereits hier im Forum gelesen und gelernt, wie WanderarbeiterInnen berichten, dass gerade in Regionen mit Kondomzwang sie mit vielen Nachfragen nach Tabulos-Service bedrängt und belästigt werden. 
vielleicht Beamte als Scheinfreier?
Es ist doch in der öffentlichen Gesundheitserziehung etwas total schief gelaufen, wenn Prostitutionsnachfrager diese Frage überhaupt stellen!
FO wird doch zwischenzeitlich fast von niemand mehr als Gesundheitsrisiko gesehen, die Grossbetriebe (FKK-Clubs) haben doch vor Jahren damit begonnen, diesen &quot;Service&quot; den Männern schmackhaft zu machen. In den Clubs müssen die Frauen, die kein FO anbieten, von sich aus darauf hinweisen, ansonsten hat der Gast das Recht, die Bezahlung zu verweigern (wenn er ohne Verkehr die sexuellen Handlung abbricht).
Hier ist doch Handlungsbedarf, die Betriebe haben sich aus dem Einzelgeschäft der SDL komplett rauszuhalten. Solche Gesetzespräzisierungen werden aber von den Verantwortlichennicht einmal in Erwägung gezogen.

Aoife:
          fraences hat folgendes geschrieben:Detaillerte Zahlen habe ich zu Hiv nicht gefunden, vielleicht kann sie jemand noch reinstellen.
Die Zahlen für die Bundesrepublik und die einzelnen Bundesländer 2010 finden sich hier:
http://www.rki.de/cln_151/nn_196014..../Eckdaten.html?__nnn=true
Die beste Aussage zur Wirksamkeit von Schutzmaßnahmen bekommt man, wenn man die Zahl der Neuinfektionen mit HIV zur Einwohnerzahl in Beziehung setzt. Auf der verlinkten Seite finden sich nur .pdf mit Absolutzahlen, man muß also selbst rechen, jedoch gibt das RKI immerhin den Vertrauensbereich an. Wenn man das tut, so zeigt sich, dass Bayern keinen signifikanten Vorteil hat, die Kondomverordnung also keine gesundheitsschützende Wirkung hat.
Darüber hinaus zeigen schon die Absolutzahlen, dass der heterosexuelle Übertragungsweg nur ca. 20% der Gesamtzahl an Neuinfektionen ausmacht, und hiervon auch nur den verhältnismäßig unbedeutenden Anteil der Sexkontakte mit Geldfluß ansprechen zu wollen kann überhaupt keine messbare Wirkung entfalten.
Somit zeigen die offiziellen Zahlen des RKI, dass die Behauptung die bayerische Kondomverordnung diene dem Gesundheitsschutz unwahr ist. Mit solch unehrlichen Aussagen beim Wähler punkten zu wollen stellt eine massive Beleidigung eines jeden mündigen Bürgers dar.
Liebe Grüße, Aoife

Jupiter:
Danke Aoife für den Link zu den RKI-Daten.
Hier sehe ich z. B. für Bayern in Gegenüberstellung B-W welche etwa gleiche Einwohnerzahl haben keine signifikanten Unterschiede.
Ich werde an Hand der Einwohnerdaten (Quelle Fischer Weltalmanach 2011) mal eine Tabelle zusammenstellen. Ggf. ist es sinnvoller, die Anzahl der Wahlberechtigten (Erwachsen) zu nehmen. Mal schaun was ich finde.
Gruß Jupiter

Marc of Frankfurt:
Jutta Ditfurth kritisch über die grüne Partei und Politik des runden Tisches:
www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,745943,00.html

Malachit_Man:
Ich kenne drei Clubs im Saarland, die ungeschützten Verkehr anbieten. Die Damen sind alles Rumänninen.
Ich hab mich letzte Woche mit der Hausdame des einen Clubs unterhalten. Dort arbeiten 5 - 7 Rumäninnen. Sie sagte, sie hätte gestern 48 Kunden gehabt, die ausnahmslos ungeschützten Verkehr haben wollten (und ihn auch bekommen haben).
Es wäre immer das Gleiche: Die Kunden, die anrufen, stellen immer als erstes die Frage &quot;Gibt es bei Euch auch Verkehr ohne?&quot; Was sie bejaht.
Die zweite Frage ist auch immer die gleiche: &quot;Sind Eure Damen gesund?&quot; Aber ja mein Lieber, natürlich.
Ich finde, man macht es sich zu leicht, Kondomzwang abzulehnen und solche Zustände achselzuckend zu ignorieren. Wer achtet auf die Würde der Rumäninnen?

Aoife:
          Malachit_Man hat folgendes geschrieben:Ich finde, man macht es sich zu leicht, Kondomzwang abzulehnen und solche Zustände achselzuckend zu ignorieren. Wer achtet auf die Würde der Rumäninnen?
Lieber Malacht_Man,
du bringst hier 3 Dinge in einen Zusammenhang, den ich nicht nachvollziehen kann.
Was hat den Kondomzwang aufgrund eindeutiger wissenschaftlicher Beweise seiner Schädlichkeit abzulehnen mit &quot;achselzuckend ignorieren&quot; zu tun? Könntest du das bitte erklären?
Und wie bringst du die Idee Würde der Rumäninnen zu achten mit deinem Wunsch nach staatlicher Bevormundung ihrer Sexualität in Einklang?:017 
Liebe Grüße, Aoife

Malachit_Man:
Liebe Aoife, lieber Lupus,
ich bezog mich auf die schwächsten Mitglieder der europäischen SW, die Rumäninnen (auch die Ungarinen).
Rumänien und Ungarn sind die Armenhäuser der EU. Ich schätze daß 90% der rumänischen und ungarischen Frauen Armutsprostitution betreiben.
Lupus, du hast geschrieben, &quot;die Betriebe haben sich aus dem Geschäft der SDL herauszuhalten.&quot; Dies ist ein frommer Wunsch. Meinem Einblick nach ist es anders herum - die Betriebe schreiben den Frauen vor, welchen Service sie zu machen haben. Falls sie dem nicht folgen wollen, kein Problem: vor der Tür steht die nächste Rumänin, die es macht.
Die Sexualität dieser Frauen wird nicht vom Staat bevormundet. Auch nicht vom Betrieb - wenn sie keinen ungeschützten Verkehr anbietet, muß sie halt gehen.
Das ist Kapitalismus: es steht jedem frei, seinen Körper in jeder Form auszubeuten, wie er es möchte.
Aoife: der Staat hat bestimmte Geschäfte verboten, um die Schwächsten der Gesellschat vor Ausbeutung zu schützen, z.B. Organhandel, Kinderarbeit, Wuchergeschäfte etc. Staatliche Bevormundung?
Meinem Einblick nach bieten nur 5% der Frauen in meinem Bundesland ungeschützten Verkehr an. Die restlichen 95% würden nicht im Traum daran denken.

Lupus:
@Malachit_Man
Natürlich ist es ein &quot;frommer&quot; Wunsch, dass sich Betriebe raushalten. Kein freier Masseur in einer Praxisgemeinschaft würde sich jemals so gängeln lassen. 
Das liegt doch aber auch an uns Freiern - weil viele nicht akzeptieren wollen, dass ein Bordell ein Marktplatz ist, das Geschäft von den AnbieterInnen selbst gestaltet wird. So ist es übrigens auch vom Gesetzgeber vorgesehen.
Wenn die Betriebe schon Vorschriften machen nach dem Motto &quot;friss oder stirb&quot;: dann sollen sie gefälligts die Frauen anstellen, mit allen Konsequenzen: Arbeitgeberbeiträge, Kündigungsschutz, Lohnfortzahlung.
Es ist doch ein Verstoss gegen die Menschenwürde, Kondomzwang einzuführen. Jede(r) soll Sex so praktizieren, wie sie/er es für richtig hält, Sex ist das intimste zwischen zwei Menschen und geht staatliche Organe nichts an!
In BaWü gibt es ein Alkoholverkaufsverbot zwischen 22 und 6 Uhr. Das hat erstens nichts gebracht und zweitens werden Menschen, die mit Alkohol verantwortungsvoll umgehen können, dadurch gegängelt. Ich kann nicht feststellen, dass weniger volltrunkene Jugendliche unterwegs sind.
Rauchen unter 18 in der Öffentlichkeit ist verboten. Wird der Bahnvorstand bestraft, wenn unter 18jährige in den Raucherecken der Bahnhöfe rauchen?

Ariane:
Kondomzwang ist menschenrechtswidrig und davon ab praktisch nicht kontrollierbar und kann es auch nicht sein, siehe Beispiel Bayern. Man muss nicht erst Rumäninnen oder Bulgarinnen herbeizitieren, es ist ein Bildungs- und Armutsproblem, AO wird seitens der Kunden auf der ganzen Welt gewünscht, auch in Deutschland oder England, und leider allzu oft erfolgreich eingefordert. Hier in England ist die Anfrage nach AO weit verbreitet, leider gibt es sehr viele Frauen in desolaten sozialen Umständen, die Bareback für Handgeld anbieten, sexuelle Selbstbestimmung hin oder her; Aufklärung von Streetworkern oder unser Forum erreicht die meisten Mädels nicht und kann es meist auch nicht. Der Gedanke, das sie für sich selbst Sexwork als Arbeit anerkennen, mit allen Verantwortlichkeiten, Rechten, Bewusstsein sich selbst und anderen gegenüber etc. geht an ihnen vorbei. Genau wie an vielen Kunden. Die meisten Sexworker sind überhaupt nicht in der privilegierten Situation, sich darüber auch nur Gedanken machen zu &quot;können&quot;. Dennoch ist die einzige Möglichkeit, die bleibt, Aufklärung, Aufklärung, Aufklärung und der Aufbau einer starken Sexworker Rights Bewegung, die durch kluge Pressearbeit und Vernetzungen vor Ort noch das letzte Dorf erreicht.

Aoife:
          Malachit_Man hat folgendes geschrieben:ich bezog mich auf die schwächsten Mitglieder der europäischen SW, die Rumäninnen (auch die Ungarinen).
...
Aoife: der Staat hat bestimmte Geschäfte verboten, um die Schwächsten der Gesellschat vor Ausbeutung zu schützen, z.B. Organhandel, Kinderarbeit, Wuchergeschäfte etc. Staatliche Bevormundung?
Malachit_Man: Nicht nur staatliche Regelungsversuche, selbst schon reine Abschreckungskampagnen fördern wissenschaftlich nachgewiesen die Ausbreitung von STIs und HIV. Weshalb Staaten wie beispielsweise Malta, Portugal und Großbritannien diese Strategie aufgegeben haben.
Wenn es dir also um den Schutz der Schwächsten in der Gesellschaft geht, warum forderst du dann eine Maßnahme, die genau diesen Personen nachgewiesenermaßen schadet?
Sorry wenn ich etwas hart klinge, aber insbesondere bei HIV geht es um Menschenleben, das ist IMHO kein Spielplatz auf dem jeder seine weltfremden Phantasien ausleben sollte. Natürlich kann ich nachvollziehen, dass jemand glaubt eine gesetzliche Kondompflicht könne die Schwächsten der Gesellschaft schützen, aber da wir wissen dass das Gegenteil der Fall ist verlangt gerade der Respekt vor den anderen Menschen, dass wir unsere Phantasien was staatliche Vorschriften bewirken könnten im Zaum halten und nicht nachgewiesenermaßen schädliche Maßnahmen einfordern nur weil wir uns vorstellen könnten dass sie nützlich wären.
Insofern kann ich deine rhetorische Frage &quot;staatliche Bevormundung?&quot; im Fall von HIV nur mit JA beantworten, weil in diesem Bereich klar ist, dass der vorgebliche Schutz von Schwachen nicht den Tatsachen entspricht.
Vielleicht eine etwas metaphysische Erlärung (für definitiv bewiesene Fakten) aber vielleicht kann diese ja zum Verständnis führen: HIV ist wie der Name schon besagt ein Virus. Und Viren sind keine Lebewesen mit eigenem Lebenswillen der zum Nachteil anderer durchgesetzt werden kann, sondern reine Information, die die befallenen Zellen umprogrammiert.
Und Fehlinformation kann weder mit Waffengewalt noch mit Gefängnissen in den Griff gebracht werden, sondern nur durch verbreiten der richtigen Information. Vielleicht führt dieses Bild zu etwas mehr Verständnis, warum HIV nur mit Information eingedämmt werden kann und jeder Cent der nicht in das Verbreiten der richtigen Information sondern in staatliche Regulationen gesteckt wird zwar den damit entlohnten Staatsdienern zugutekommt, der Bekämpfung von HIV jedoch nicht nur verlorengeht, sondern sie sogar sabotiert.
Dass auch diese Staatsdiener nicht verhungern wollen kann ich übrigens auch akzeptieren, aber das mit &quot;Eindämmung von HIV&quot; oder gar dem &quot;Schutz der Schwächsten in der Gesellschaft&quot; begründen zu wollen ist ganz offen gesagt verlogen.
Liebe Grüße, Aoife

Malachit_Man:
Aoife: Kleines Mißverständnis hier: ich meinte, ob du auch das Verbot von Organhandel, Kinderarbeit und Wuchergeschäften als staatliche Bevormundung siehst.
Aoife, du hast geschrieben: &quot;Nicht nur staatliche Regelungsversuche, selbst schon reine Abschreckungskampagnen fördern wissenschaftlich nachgewiesen die Ausbreitung von STIs und HIV. Weshalb Staaten wie beispielsweise Malta, Portugal und Großbritannien diese Strategie aufgegeben haben. &quot;
Interessante These, hast du dazu einen Nachweis? Link?
Ich hab was anderes gelesen über STI, z.B. beim Robert-Koch-Institut (RKI), aber nicht nur da. Der allgemeine Tenor ist, daß das Problembewußtsein zurückgegangen ist in den letzten 10 Jahren und gerade die Ziffern für die &quot;klassischen&quot; Geschlechtskrankheiten steigen, aber schwer nachzuweisen sind für z.B. Deutschland, da die Meldepflicht abgeschafft wurde. RKI spricht von einer Dunkelziffer von 85%
Lupus, du schriebst: &quot;Es ist doch ein Verstoss gegen die Menschenwürde, Kondomzwang einzuführen. Jede(r) soll Sex so praktizieren, wie sie/er es für richtig hält, Sex ist das intimste zwischen zwei Menschen und geht staatliche Organe nichts an!&quot; Andererseits ist es für 400.000 SW in Deutschland der Beruf. Genausogut könntest du fordern, jeder darf Häuser bauen, Bier brauen etc wie es ihm gefällt, das geht staatliche Organe nichts an. 
Und zum Thema Menschenwürde, ich finde es wesentlich unmenschlicher, wenn man nach Leuten sucht, die nichts zu verlieren haben und sie ungeschützten Verkehr machen läßt.
Das Wunschbild von dem freien, selbstbestimmten SW stimmt hier nicht. Das sind Frauen aus bildungsfernen, verarmten bzw verwahrlosten Schichten, auf denen ein hoher Druck lastet.
Dazu paßt übrigens auch, daß sowohl die rumänischen als auch die zwei deutschen SW, die ungeschützten Verkehr anbieten und die ich persönlich kenne, sich keinerlei Gedanken über Verhütung machen, und dementsprechend auf mindestens eine Abtreibung im Jahr kommen.
Aber ich will das nicht überdramatisieren. Wie ich schon vorher geschrieben habe, denken 95% der SW, die ich kenne, nicht im Traum daran, ungeschützten Verkehr anzubieten.
Andererseits: noch vor 30 Jahren war FO ein No Go, und unter dem Angebotsdruck der osteuropäischen SW ist das mittlerweile Standard. Vielleicht nimmt der ungeschützte Verkehr den gleichen Weg.
@ Ariane: Amen zu allem was du schreibst.
Übrigens, ich hab seit letzter Woche mit den SW, die ich fotographierte, über das Thema gesprochen. Ich hab mit 21 SW gesprochen und bekam 21 Stimmen FÜR Kondomzwang (interessanterweise sogar von der einen Deutschen, die ungeschützten Verkehr anbietet). Ich weiß, das ist eine etwas kleine Referenzgruppe, aber sie zeigt die Richtung. Von daher sollte jeder, der die Interessen von SW vertritt und gegen Kondomzwang ist, sich fragen ob er in Übereinstimmung mit seiner Basis ist.

Zwerg:
Ich erlaube mir, im Zusammenhang mit den oben angeführten Ratschlägen, auf die Tatsache hinzuweisen, dass wir den Punkt bereits in unserem Manifest eindeutig geklärt haben. Wir stehen hier im Einklang mit allen internationalen Organisationen, welchen wir angehören, oder mit welchen wir zusammen arbeiten. Wir geben auch nicht vor &quot;alle SexarbeiterInnen vertreten zu wollen&quot; - der Rückhalt von unserer Basis ist für uns entscheidend und der steht außer Frage. Wer mit uns zusammen arbeiten möchte, kann dies kostenlos und freiwillig tun - ohne Verpflichtung. Wenn wir &quot;so daneben&quot; wären, würden wir keine derart rege Gemeinde von SexarbeiterInnen hier vorfinden.
Das wir &quot;unseren&quot; Standpunkt vertreten und argumentieren, sehen wir als unsere Aufgabe. Zurufe von FotografInnen, welche (für uns nicht nachvollziehbare Umfragen durchführen) nehmen wir natürlich zur Kenntnis, sehen aber keinen Grund darin, deshalb unsere eigenen Erfahrungen (ein Großteil der hier vertretenen UserInnen (und auch die Adminas) sind SexarbeiterInnen) und Rechte (!!!) aufzugeben.
Es erscheint mir auch noch wichtig zu betonen: Gegen Zwangsmaßnahmen gegen SexarbeiterInnen zu sein - und gleichzeitig aber &quot;safer&quot; als sinnvoll und notwendig anzusehen, ist kein Widerspruch! Denn genau das ist unsere Botschaft. Wir haben die Erfahrungen der Aids-Prävention - Aufklärung und Selbstbestimmung ist der Schlüssel - begriffen. 
Wenn die Behauptung &quot;Zwangsmaßnahmen würden Geschlechtskrankheiten verhindern&quot; stimmen würde, dann hätte man in Österreich (dort gibt es nach wie vor die Zwangsuntersuchung an SexarbeiterInnen) ja kein Problem damit haben..... - Genau das Gegenteil ist der Fall. 
christian

Aoife:
          Malachit_Man hat folgendes geschrieben:Aoife, du hast geschrieben: &quot;Nicht nur staatliche Regelungsversuche, selbst schon reine Abschreckungskampagnen fördern wissenschaftlich nachgewiesen die Ausbreitung von STIs und HIV. Weshalb Staaten wie beispielsweise Malta, Portugal und Großbritannien diese Strategie aufgegeben haben. &quot;
Interessante These, hast du dazu einen Nachweis? Link?
http://www.sexworker.at/phpBB2/viewtopic.php?t=5418
Malachit_Man hat folgendes geschrieben:Ich hab was anderes gelesen über STI, z.B. beim Robert-Koch-Institut (RKI), aber nicht nur da. Der allgemeine Tenor ist, daß das Problembewußtsein zurückgegangen ist in den letzten 10 Jahren und gerade die Ziffern für die &quot;klassischen&quot; Geschlechtskrankheiten steigen, aber schwer nachzuweisen sind für z.B. Deutschland, da die Meldepflicht abgeschafft wurde. RKI spricht von einer Dunkelziffer von 85%
Malachit_Man, ich vermute du vermischtst hier wissenschaftliche Problembeschreibung und ideologische Lösungsvorschläge. Mir zumindest ist keine Stelle bekannt, an der das RKI als Lösung für die festgestellten Probleme einen Kondomzwang fordert.
Und gerade die ja auch von dir unbestrittene Tatsache, dass dieser Anstieg nicht durch einen Fehler im neuen deutschen Infektionsschutzgesetz von 2001 seine Ursache hat, sondern in der Osterweiterung, wodurch (auch) Deutschland von diesbezüglich uninformierten Menschen &quot;überschwemmt&quot; wird legt doch nahe alle zur Verfügung stehenden Gelder in die Aufklärung zu investieren.
In Deutschland sind nach wissenschaftlicher Schätzung ca 2% der Sexkontakte mit Geldfluß verbunden - eine Armee von Beamten mit polizeiähnlichen Befugnissen zur Überwachung eines Kondomzwangs im Paysex aufzubauen ist unter infektionsprophylaktischen Gesichtspunkten nichts anderes als ein Mißbrauch der vorhandenen Ängste in der Bevölkerung vor Geschlechtskrankheiten um den Überwachungsstaat weiter auszubauen.
Malachit_Man hat folgendes geschrieben:Übrigens, ich hab seit letzter Woche mit den SW, die ich fotographierte, über das Thema gesprochen. Ich hab mit 21 SW gesprochen und bekam 21 Stimmen FÜR Kondomzwang (interessanterweise sogar von der einen Deutschen, die ungeschützten Verkehr anbietet). Ich weiß, das ist eine etwas kleine Referenzgruppe, aber sie zeigt die Richtung. Von daher sollte jeder, der die Interessen von SW vertritt und gegen Kondomzwang ist, sich fragen ob er in Übereinstimmung mit seiner Basis ist.
Gute Frage - die letzlich aber nur die Realitätsferne der demokratischen Nomenklatur beweist.
Hast du deine Informantinnen denn danach befragt, ob ihnen überhaupt bekannt ist dass durch staatliche Einmischung die Ausbreitung von HIV gefördert wird?
Ansonsten wären wir ja wieder bei dem Punkt, dass eine wissenschaftlich nachgewiesenermaßen schädliche &quot;Lösung&quot; nichts von ihrer Schädlichkeit verliert wenn viele (die Mehrheit?) glauben, dass sie vorteilhaft wäre. Infektionsprophylaxe ist nun einmal keine Glaubenssache, sonst gäbe es gar kein AIDS.
Den Wink mit dem Zaunpfahl &quot;Basis&quot; finde ich in doppelter Hinsicht erschreckend.
Zum einen beweist er, dass *wir* die Aufgabe übernehmen, die eigentlich der Politik zufallen würde, nämlich das Wohlergehen Aller im Auge zu behalten. Es ist nicht meine Absicht die Wünsche von SW gegen den Rest der Gesellschaft durchzusetzen. Aus einem ganz einfachen Grund: Diese Schubladisierung ist purer Wahnsinn, dient nur dem &quot;teile und herrsche&quot;.
Zuerst sind wir doch alle Menschen, die dann eben auch nebenbei noch verschiedene Rollen innehaben. Es ist doch nicht so, dass ich als SW zu meinem vermeintlichen Vorteil (Behinderung der Konkurrenz o.ä.) gewissenlos einen Kondomzwang fordern könnte, weil mit egal wäre ob dadurch die Durchseuchung der Bevölkerung ansteigt. Ich, meine Freunde, meine Kinder und meine Gäste, wir sind doch alle Teil dieser Bevölkerung.
Gut, dann ist es eben so, wenn die Politik ihre Aufgabe nicht erfüllt, dann müssen wir das eben übernehmen.
Besonders erschreckend finde ich vor diesem Hintergrund jedoch die zugrundeliegende Haltung. Wie tief sind wir als Gesellschaft eigentlich gesunken, wenn wir von einem Außenstehenden gesagt bekommen. &quot;Es ist falsch dass ihr *für* die Gesundheit Aller euch einsetzt, eure Aufgabe wäre doch die falschen Phantasien einer (eurer) kleinen Minderheit *gegen* alle Anderen zu vertreten!&quot;?
Liebe Grüße, Aoife

Lupus:
@Malachit_Man
Es gibt bestimmt Gründe, warum manche STIs, (HIV und Syphilis gehören nicht dazu) auch nicht anonym, ans RKI gemeldet werden müssen. Die Liste der meldepflichtigen Krankheiten/Erreger wurde von Fachleuten erstellt. Für andere STIs werden Sentinel-Erhebungen durchgeführt.
Sex mit dem Bau von Häusern zu vergleichen, ich fass es nicht. Übrigens, Bier darf ich brauen (sofern eine bestimmte Menge nicht überschritten wird). 
Menschenwürde kann nicht genommen werden, sie gehört zum Mensch qua Geburt. Staatliches Handeln muss sicherstellen, dass diese Würde nicht missachtet wird. Menschenrecht ist Abwehrrecht gegen die öffentliche Gewalt selbst (Judikative, Exekutive, Legislative).
Der Staat hat dafür zu sorgen, dass Freier gar nicht erst die Armut etc. von Frauen ausnutzen, dass Freier die Würde der Frauen achten! Dass Bordellbetreiber und Agenturen Sexarbeiter nicht ausbeuten. Der Kondomzwang soll doch nur der Exekutiven einen Vorwand für Kontrollen liefern die von Haus aus in die intimste Privatsphäre zweier oder mehrerer Menschen eingreifen müssten. Und das auch noch ohne jeglichen richterlichen Beschluss. 
Ich habe noch nie gehört, dass z.B. die Gurtpflicht für Autofahrerdeshalb eingeführt wurde um der Polizei zu ermöglichen, Autofahrer zu kontrollieren. Wenn nicht eindeutig nachgewiesen worden wäre, dass das Anlegen von Gurten vor massiven (volkswirtschaftlichen) Schäden schützt hätte die Gurtpflicht nie eingeführt werden können.

sylviacc:
das kommt bestimmt AO wird ja schon angeboten von vielen . Zwangskondomisierung bräuchte man nicht , wenn alle vernünftig wären männer genauso wie SW

Aoife:
          sylviacc hat folgendes geschrieben:Zwangskondomisierung bräuchte man nicht , wenn alle vernünftig wären männer genauso wie SW
Leider wird diese eine Unvernunft nicht durch die weitere der Zwangskondomisierung aufgehoben, sondern noch veschlimmert.
Wenn also &quot;Unvernunft&quot; schon ganz richtig diagnostiziert wurde, dann kann ich wirklich nicht nachvollziehen wie jemand ein anderes Gegenmittel als Aufklärung auch nur in Betracht ziehen kann.
Liebe Grüße, Aoife

sylviacc:
die männer wo sowas wollenAO oder FO das sind für mich Geisteskrankesorry es ist aber so

Malachit_Man:
Aoife: du hast geschrieben, es wäre bewiesen, daß anonyme freiwillige Beratung effizienter der Ausbreitung von STI vorbeugt als eine Pflichtuntersuchung, und hast einen Link gepostet. Dem bin ich nachgegangen und bin irgendwann gelandet bei 
https://www.thieme-connect.de/ejour....doi/10.1055/s-2006-939602
wo unter der Überschrift &quot;Anonyme Untersuchungsangebote versus Untersuchungspflicht für Prostituierte - was ist effektiv in der STD-Prävention?&quot; genau diese zwei Modelle vorgestellt wurden. Das Ergebnis: &quot;Eine umfassende ärztliche Betreuung, die anonym und kostenlos aufgesucht werden kann, erreicht ein breites Spektrum an Personen mit hohen Risiken für STD auch außerhalb der klassischen Prostitutionsmilieus. Die große Zahl festgestellter akuter und chronischer STD beweist die Effektivität eines solchen Angebotes.&quot;
Allerdings fehlt mir hier eine genauere Evaluation, z.B. wieviel Personen wurden 1994 untersucht, wieviele 2004? Darüber hinaus kann man die Ergebnisse aber auch genausogut dahingehend interpretieren, daß zu Zeiten der Untersuchungspflicht die Anzahl der diagnostizierten STIs wesentlich geringer war im Vergleich zu 2004 - was ja ein Argument FÜR die Untersuchungspflicht darstellt.
Hast du noch einen anderen Link, der den deiner Meinung nach unwiderlegbaren Vorteil von freiwilligen Untersuchungen im Vergleich zur Untersuchungspflicht nachweist?
Hier übrigens ein Artikel, der das Gegenteil behauptet:
http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-47282141.html
Abgesehen davon: ich habe nie geschrieben, ich wäre für die Kondompflicht. Ich habe auf bestimmte Zustände hingewiesen, die ich beobachtet habe. Und wenn dann gesagt wird, ich als Außenstehender hätte ja keine Ahnung, okay, dann muß ich das akzeptieren. (Ein Außenstehender, der jeden Tag mit drei-vier verschiedenen SW telephoniert, mit ihnen über Gott und die Welt quatscht, Krankenbesuche macht, ihnen Medikamente bringt, ihren Kindern fotographieren beibringt, zu ihren Geburtstagsparties eingeladen wird, beim Umzug hilft, ihr Auto überbrückt -- 80% meines Tagesablaufes habe ich in irgendeiner Form Kontakt zu SW. Aber ich hab keine Ahnung, ja klar)
Dabei bin ich in vielem einer Meinung mit Aoife, z.B. wenn sie sagt, wenn man dem Staat erst einmal Einlass gewährt, kriegt man ihn nicht mehr los.
Andererseits ist es meiner Meinung nach reines Wunschdenken bzw kontraproduktiv, wenn man fordert der Staat müsse sich absolut aus dem Gebiet der Prostitution heraushalten. Und die regelmäßig zitierte Begründung, Sexualität sei Privatsache, folglich sei Prostitution Privatsache, wird vom Rest der Bevölkerung (und auch von allen SW die ich kenne) schlicht und ergreifend nicht geteilt.
Aoife, du interpretierst das u.a. aus Art. 14 EMRK. Ich hab in einigen Kommentaren dazu recherchiert, aber keinen Autor gefunden, der daraus den Schluß zieht, der Staat dürfe SW nicht reglementieren. Hast du einen Link dazu?

Lupus:
@M_M
In dem Zitat wir doch unterstellt, dass Prostituierte ein erhöhtes Riskiko haben sich mit STI anzustecken. Und gerade das ist doch der Trugschluss. Für das Risiko ist es doch egal, ob für Sex Geld genommen wird oder nicht. Es gibt nicht nur Prostituierte mit häufig wechselnden Sexpartnern! 
Den anderen Satz (anonyme Untersuchung) unterstreiche ich voll.

Malachit_Man:
@ Lupus: Natürlich gibt es nicht nur SW mit häufig wechselnden Sexpartnern. Hab mal schnell gegoogelt, und mein erster Treffer war &quot;Das Bundesland mit der höchsten statistischen Zahl von Sexualpartnern ist Hamburg, mit durchschnittlich 10,4 Partnern im gesamten Leben&quot;.
http://de.wikipedia.org/wiki/Promiskuit%C3%A4t#Soziologie
Nun ja. Das dürften SW locker in einer Woche erreichen, oder?

malin:
@malachit ^ nö, nicht unbedingt.
ich bin z.b. SW, und habe ca. 10 - 20 verschiedene sex partner...im jahr.
bei escort übrigens nicht ganz ungewöhnlich.
und dass dabei alles safe abläuft um sowohl meinen kunden als auch mir grösstmöglichen schutz zu gewähren versteht sich von selbst.
viele meiner freundinnen und bekannten - alles nicht SW - kommen auf eine flotte anzahl von affären, ONS und kurzzeit beziehungen, ein kondom verwendet kaum eine/r.
das persönliche risiko am beruf fest zu machen und zusätzlich durch erniedrigende pflicht untersuchungen zu sanktionieren wäre wirklich absurd.
und die durchschnittliche zahl von 10.4...naja, solche zahlen kommen durch befragungen zustande, und da wird erfahrungsgemäss gelogen wie hulle.
männer übertreiben, frauen untertreiben, aber eigentlich ist so ne zahl ja auch relativ egal und sagt gar nichts über das persönliche risiko profil aus.
wer sowohl willens als auch fähig ist verantwortungsvoll mit seinem körper und seinem partner umzugehen, wird ausserhalb einer festen beziehung ein kondom verwenden.
völlig unabhängig davon ob dieser kontakt bezahlt oder nicht bezahl stattfindet.
ich bin absolut der meinung dass da mehr dem je aufkärungsbedarf in der gesamten! gesellschaft besteht, aber es ärgert mich ungemein dass nach wie vor gerne die SW als kontroll- und reglementierungsbedürftige risikogruppe angesehen wird.

fraences:
@malin
Super Beitrag. Du sprichst mir aus der Seele.
Liebe Grüße, Fraences

Lupus:
@Malin
Treffend ausgedrückt! Sehe ich genauso.

Malachit_Man:
@Malin: interessanter Beitrag, darf ich den zu Ende denken?
Du schreibst: &quot;wer sowohl willens als auch fähig ist verantwortungsvoll mit seinem körper und seinem partner umzugehen, wird ausserhalb einer festen beziehung ein kondom verwenden.&quot;
Drei Sätze vorher hast du geschrieben: &quot;viele meiner freundinnen und bekannten - alles nicht SW - kommen auf eine flotte anzahl von affären, ONS und kurzzeit beziehungen, ein kondom verwendet kaum eine/r. &quot;
Also sind viele deiner Freundinnen und Bekannten nicht willens oder fähig, verantwortungsvoll mit seinem Körper und seinem Partner umzugehen.
Und wenn man davon ausgeht, daß SW ein repräsentativen Querschnitt der Gesellschaft abbilden, sind ergo auch viele SW nicht willens oder fähig, verantwortungsvoll mit seinem Körper und seinem Partner umzugehen.
Das ist alles in allem ein Argument für die Kondompflicht, oder?

malin:
nein, ist es nicht.
ausser dir schwebt eine kondompflicht für alle bundesbürger, die sex ausserhalb einer beziehung praktizieren, vor?
wie wärs mit einer spontanen polizei kondom-kontrolle nach dem kennen lernen in der disco, und der frage &quot;zu dir oder zu mir?&quot;
fändest du das gut?
was ich mit meinem beispiel eigentlich verdeutlichen wollte: dummheit und ein gewisser laissez-faire stil in bezug auf die eigenen gesundheit ist in der gesellschaft weit verbreitet, in allen schichten, in allen berufsgruppen.
das alleine ist mehr als schade, kann aber nur durch nimmermüde aufklärung auf ein erträgliches mass reduziert werden.
aber warum soll dann genau eine berufsgruppe, die der SW, herausgepickt und mit extra gesetzen belegt werden?
weil sie besonders dumm sind?
besonders reglementierungsbedürftig?
meine erfahrung zumindest ist eine ganz andere...

Malachit_Man:
@ Malin: du schriebst: &quot;das alleine ist mehr als schade, kann aber nur durch nimmermüde aufklärung auf ein erträgliches mass reduziert werden.&quot;
Abgesehen davon, daß Aufklärung nur einen bestimmten Prozentsatz erreicht; daß bestimmte Gruppen aufklärungsresistent sind; daß ab einem bestimmten Grad diese Aufklärung genau das Gegenteil hervorruft (Trotzreaktionen); abgesehen von all diesen Sachen, wann kommt denn diese vielgerühmte Aufklärung endlich?
Außerdem schriebst du: &quot;aber warum soll dann genau eine berufsgruppe, die der SW, herausgepickt und mit extra gesetzen belegt werden?&quot;
Weil es die einzige Berufsgruppe ist, deren Beruf sexuelle Dienstleistungen sind? Und weil sie per definition eine exponentiell höhere Anzahl von Sexpartnern als der Rest der Bevölkerung hat? 
Und bevor du mit deinen Freundinnen kommst, die mehr Sexpartner haben als du: um bei meinem auf Seite 3 gebrachten Beispiel zu bleiben, die 7 Rumäninnen hatten zusammen 48 Kunden an einem Tag, das macht rund 7 Sexpartner für jede SW, mit der sie ungeschützten Sex hatten. Anderes Beispiel, bei Wohnungsprostitution gilt ein Kunde am Tag als schlechter Tag. In den Flatrateclubs hingegen kommt eine SW auf ca 10 Sexpartner pro Tag. 
Es ist irre schwierig, aus all diesen Zahlen einen Durchschnitt zu bilden. Trotzdem bezweifle ich, daß das deine nicht-SW-Freundinnen toppen können.

malin:
malachit, ich bestreite doch gar nicht dass es auch im bereich des bezahlten sex untragbare zustände gibt, dein von dir genanntes beispiel mit den 7 ungeschützten kontakten pro tag gehört da sicherlich dazu.
aber, so etwas passiert im nicht bezahlten kontakt genauso, und das kannst du durch kein gesetz der welt eindämmen, es ist einfach nicht möglich.
zum sex gehören in der regel allerdings immer noch (mindestens) zwei, und verdammt noch mal, da ist auch der kunde/kurzzeit partner/whatever gefragt sich auf so einen schwachsinn einfach nicht einzulassen.
da immer nach neuen gesetzen zu rufen, dem angeblich vernunftbegabten menschen keine eigenständigkeit mehr zuzugestehen, kann einen leicht in die situation des zauberlehrlings bringen, der die geister die er rief nicht mehr los wird.
und bitte glaube mir, die intention solcher gesetze ist ganz sicher nicht die gesundheit der kunden und frauen zu schützen.
da geht es im wesentlichen nur um die legitimation von noch mehr kontrollen, verdeckten ermittlungsaktionen und dergleichen spielchen mehr.
wenn du einmal das zweifelhafte vergnügen hast in eine solche kontrolle zu geraten (das kann dir auch als kunde passieren) weisst du wovon ich spreche.
ich wünsche es dir nicht.
und auch auf die gefahr hin mich zu wiederholen: die anzahl der sexpartner im monat oder jahr, sagt nichts, aber auch gar nichts, über das risiko aus sich mit einer STD zu infizieren.
das ist einzig und alleine abhängig von der persönlichen bereitschaft sich zu schützen!

Marc of Frankfurt:
hier sind weitere argumente und studien gesammelt:
www.sexworker.at/phpBB2/viewtopic.php?p=5171#5171

Malachit_Man:
Kleines Mißverständnis, ich bin kein Kunde, ich bin Photograph.
Ich hab deine Meinung schon gecheckt, daß Gesetze nichts bringen. 
Nur: sag das nicht mir, sag das dem deutschen Gesetzgeber. 
Andere Berufsgruppen oder Geschäftszweige, die sich in der Gefahr sehen, vom Staat kontrolliert zu werden, wehren das in der Regel erfolgreich ab, in dem sie sich im Vorfeld eine Selbstverpflichtung bzw Selbstkontrolle auferlegen. Die haben ja auch eine Innung, Kammer, Genossenschaft etc. 
Daran fehlt es ja leider bei den SW.

Aoife:
          Malachit_Man hat folgendes geschrieben:Nur: sag das nicht mir, sag das dem deutschen Gesetzgeber.
Der Gesetzgeber weiß das.
Wenn er sichtrotzdem nicht daran hält, so weil er die Gesundheit, gerade auch der sozial Schwächsten, für andere, polizeistaatliche, Ziele zu opfern bereit ist. Das Ganze als sozial und der allgemeinen Gesundheit dienend zu geklarieren ist leere Propaganda.
Und da du, Malachit_Man, in deinem ersten post hier im tread zu erkennen gegeben hast, dass du genau dieser Propaganda erlegen bist und ihre angestrebten Maßnahmen in der besten Absicht vertreten hast, ist es IMHO durchaus angebracht, diese Zusammenhänge auch und gerade dir zu sagen. Eben weil ich davon ausgehe, dass du im Gegensatz zum Gesetzgeber die wissenschaftlichen Zusammenhänge nicht gekannt hast und es wirklich nur gut gemeint hast.
Liebe Grüße, Aoife

Lupus:
Malachit_Man
In Bayern gibt ews eine Kondompflicht. Denkst Du wirklich, dass in Bayern kein ungeschützter Verkehr stattfindet? In dieser HYgieneverordnung steht auch was von Tatoo-Studios und medizinischen Berufen. Ich habe noch nie gehört, dass die Ordnungsbehörden bei einem Arzt eine Razzia gemacht haben um zu prüfen, ob er die Hygieneverordnung einhält! Oder &quot;Scheinpatienten&quot; in Praxen geschickt werden um Verstösse zu provozieren und dann mit Bussgeldern zu belegen.
Warum arbeiten die Dir bekannten Rumäninnen ohne? Glaubst Du wirklich, eine Kondompflicht würde daran was ändern?

Marc of Frankfurt:
KondomZwang Prostitution
Modell Bayern
www.sexworker.at/phpBB2/viewtopic.php?p=22584#22584

malin:
          Lupus hat folgendes geschrieben:Ich habe noch nie gehört, dass die Ordnungsbehörden bei einem Arzt eine Razzia gemacht haben um zu prüfen, ob er die Hygieneverordnung einhält! Oder &quot;Scheinpatienten&quot; in Praxen geschickt werden um Verstösse zu provozieren und dann mit Bussgeldern zu belegen.
ich stelle es mir gerade bildlich vor :005 
SCHEIN-PATIENT: können wir bei der grippe-impfung auch auf die handschuhe verzichten?
ARZT: nein, das ist aus hygienischen gründen nicht möglich
SCHEIN-PATIENT: aber es würde unter uns bleiben, und ich würde ihnen 200 euro extra dafür bezahlen.
ARZT (verwirrt): ????
SCHEIN-PATIENT: aaah, sie haben nicht eindeutig abgelehnt!
dann bekomme ich jetzt ihren ausweis, und die kollegen werden in der zwischenzeit ihre praxis auf links drehen.
(das halbe wartezimmer, voll mit schein-patienten, steht auf und macht sich an die arbeit...)

Arum:
Die Argumente gegen Zwangskondomisierung halte ich für sehr gut nachvollziehbar. Besonders da wo es um den Einbruch in die Intimsphäre geht. Da bin ich völlig einer Meinung.
Nur sollte man nicht so tun, alsob jetzt SW sich im Falle einer gesetzlichen Zwangskondomisierung plötzlich als einzige Berufsgruppe einen Kopf um die Gesundheit ihrer Kunden machen sollten. 
Zum Beispiel: Ärzte kann man verklagen, wenn die gesundheitsschadend gehandelt haben, eine SW, die AO anbietet, nicht. Und Ärztekammer gibt es ja auch nicht umsonst.
Darüberhinaus gibt es für zulassungspflichtige handwerkliche Berufe in Deutschland auch noch so etwas wie den Großen Befähigungsnachweis, umgangssprachlich: den Meisterzwang, der dazu dient 
&quot;Gefahren für die Gesundheit oder das Leben Dritter' abzuwehren.&quot;
http://de.wikipedia.org/wiki/Großer_Befähigungsnachweis
Dieser Meisterzwang gilt, wenn ich's richtig verstehe, für:
1. Maurer und Betonbauer
2. Ofen- und Luftheizungsbauer
3. Zimmerer
4. Dachdecker
5. Straßenbauer
6. Wärme-, Kälte- und Schallschutzisolierer
7. Brunnenbauer
8. Steinmetz und Steinbildhauer
9. Stuckateure
10. Maler und Lackierer
11. Gerüstbauer
12. Schornsteinfeger
13. Metallbauer
14. Chirurgiemechaniker
15. Karosserie- und Fahrzeugbauer
16. Feinwerkmechaniker
17. Zweiradmechaniker
18. Kälteanlagenbauer
19. Informationstechniker
20. Kraftfahrzeugtechniker
21. Landmaschinenmechaniker
22. Büchsenmacher
23. Klempner
24. Installateur und Heizungsbauer
25. Elektrotechniker
26. Elektromaschinenbauer
27. Tischler
28. Boots- und Schiffbauer
29. Seiler
30. Bäcker
31. Konditor
32. Fleischer
33. Augenoptiker
34. Hörgeräteakustiker
35. Orthopädietechniker
36. Orthopädieschuhmacher
37. Zahntechniker
38. Friseure
39. Glaser
40. Glasbläser und Glasapparatebauer
41. Vulkaniseure und Reifenmechaniker
http://de.wikipedia.org/wiki/Großer_Befähigungsnachweis
Aber: Solange in der Politik wohl niemand daran denkt, SW solch einen Nachweis, mitsamt vorbereitende Ausbildung, abzuverlangen, SW im Endeffekt als zulassungspflichtige Handwerker einzustufen, gibt es da eine wesentliche Schranke, und kann man dergestalt auch keine Zwangskondomisierung auferlegen.
