Chronik der Wiener Rotlichtkriminalität

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Lovara
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Chronik der Wiener Rotlichtkriminalität

#1

Beitrag von Lovara » 2005-07-30, 08:02

habe mir gedacht das es vielleicht manche interessiert. ein guter bekannter von mir hat sich die arbeit gemacht, einiges zum thema "rotlicht", wer dahintersteckt, zusammen zu schreiben. dieser artikel wurde in einem anderen forum gepostet, weil einige user nachfragten wer den der "Gschwinde", der "rote" odgl. sei.
ist recht gut geworden. der verfasser dieser zeilen kommt übrigens auch darin vor.
machen wir ein rätsel daraus.
wer rausfindet wer der besagte verfasser ist, bekommt bei unserem treffen etwas spendiert. :002
kleiner tipp: er ist in der branche recht bekannt. :001

Chronik
Von den Banden
1930
Johann "Der Dragoner" Breitwieser gründet Banden "Breitwieser-Bande" Breitwieser: von Polizei bei Ausbruchsversuch erschossen Nachfolger: Karl Kopetzky
1932
18. Nov. Fritz Berger erschießt Karl Kopetzky vor "der Gulaschhütte" in Wien/Ottakring Fritz Berger wird von Josef Pecha angeschossen
1936
Fritz Berger erhängt sich in München bis z. Weltkrieg - Josef Pecha "Bandenführer" während z. Weltkrieg - kein Bandenwesen Besatzungszeit: Benno Blum organisiert Transporte ungarischer Zigaretten "Blum Bande"
1949
Messerstecherei mit Josef Turian im Cafe "Titania",Wien/Hernals
1950
Blum vom CIA erschossen nach z. Weltkrieg Ära Josef Pecha setzt fort
1957
Schießerei mit Walter Lintner im Cafe "Pernfuß"
1960
Josef Pecha stirbt 50erKarl "Klaus Karl" Mzik (Deutscher) übernimmt von
Josef Pecha Mzik gründet die "Klaus-Platte" Adjudanten: Josef Angerler
"Der G'schwinde" Josef Krista "Notwehr-Krista"
1954
11. Nov. Josef Krista erschießt
Stoß-Capo Karl Ludwig "Sechser weiße"
1945 bis 1955 sog.
"Kalter Krieg" Ablöse der "Großen Galerie" durch die "Kleine Galerie"
1955
Beginn der blutigen Zeit der Wiener Unterwelt über die Platten
1959
Ausbruch der "Platten-Kriege" um Kontrolle am Stoß Parteien: Josef "Notwehr" Krista "Notwehrspezialist" Josef "Der G'schwinde" Angerler "Revolverheld" Karl "Klaus Karl" Mzik "Plattenchef Mathias "Unger Motzl" Unger "Spezialist fürs Grobe" Heinz Karrer "Ausbrecherkönig"
1961
Karl Mzik von Josef Krista gestürzt
Mzik wegen Schießerei mit Krista aus Österreich ausgewiesen Krista führt die Platte vom 14. Mai bis 21. Juli Krista und Unger wegen Messerstecherei gegen Friedrich Oswald verhaftet Josef Angerler übernimmt Führungsrolle
1963
Erste Auseinandersetzung: Heinz
Karrer gegen Josef Angerler
1964
Höhepunkt der Auseinandersetzungen zwischen Angerler und Karrer sowie aufstrebenden Platten: Alois u. Norbert Schmutzer "Schmutzer Buam" Oswald Stanka, Anton Österreicher
1964
7. Okt. "Serenade für zwei Pistolen" Schießerei im Cafe "Jo, Jo" Wien/Prater Heinz Karrer 18 Monate Haft gegen Josef Krista 10 Monate Haft Josef Angerler 2 Jahre schwerer Kerker (Urteil vom 13.3.65)
1967/68
Silvesterschießerei" vor Cafe Domingo" Wien/Meidling
Beteiligte: Anton Österreicher vis Alois u. Norbert Schmutzer
Hans Bauer vis Karl Kolar
Oswald Stanka (ex.) vis Karl Pekarek
1968
Schießerei Cafe "Kolonitz"
Josef Angerler mit Sohn u dessen Verlobte(ex.) gegen Josef Krista
1968
18. Jan. Johann Pokorny erschießt Norbert Schmutzer im "Bergheim Stüberl"
Ende des Interregnums der "Schmutzer Buam"
1969
Johann "Pokerl" Pokorny zu 15 Jahren Haft verurteilt
1968
5. Aug. Überfall auf Geldbriefträger Alois Schmutzer 10 Jahre Kerker
18 Monate wegen Randalierens verschäfter Kerker
Gustav Adolph 12 Jahre Haft Leopold Lutz beteiligt als Fluchwagenfahrer
1970
13. März Prozeß nach Schießerei Cafe "Kolonitz" (1968) Urteile: Josef Krista 4 Jahre Kerker ex. 14. Mai 1970 Selbstmord in Zelle Josef Angerler 10 Jahre Haft ex. 1970 in Haftanstalt Stein (Herzinfarkt)

Zur Organisation

70er
Heinz B. kontrolliert den Stoß
1971
Heinz Karrer von Polizei in Düsseldorf bei Einbruch erschossen
1971
Ende der Platten-Kriege
1973
Verfahren gegen Karl Pekarek (Silvesterschießerei) eingestellt Zeuge Karl Kolar nimmt Schuld auf sich. Anklage fallen gelassen. (Notwehr)
1974
13. Jun. Karl Kolar schießt im Cafe "Michelbeuern" auf Ferdinand Polacek. Polacek bleibt gelähmt
29. April Willibald Sch. (kontrolliert Wien/Max Winter-Platz) erschießt im Cafe "Traude" Wien/ Prater Josef Hawlicek
1978
3. Okt. Prozeß gegen Heinz B. Urteile: Heinz B. 2,5 Jahre Haft (Entlassung 1983) Mitangeklagter Waldemar G. 3,5 Jahre Haft

Mitte 70er ausländische Familien (Jugoslawen, Türken) organisieren sich.
Ende 70er Wiener Ost- und Westpartie schließen Frieden

1983
Eduard H. "erobert" Wiener Innenstadt Helmut B. und Jolly L. Anklage wg. Notzucht: Freispruch
1985
Mai Bernhard Wesely stirbt

80er Reinhard Stepanek kauft Miethäuser am Wiener Gürtel und vermietet an Prostituierte

1985 Eduard H. verdrängt Stepanek und übernimmt Wiener Gürtel Strich 90er nach Ostblocköffnung entstehen neue ausländische Verbrecher-Banden

1990
Peter P. vor Lokal "Sexy Follies"( danach "C'est la vie")
Wien/Währing niedergeschossen

1991
Peter E. im City-Lokal "Take Five" wegen Rauschgifthandels festgenommen

1993
Heinz B. Chef der "Ostpartie" und Großteil des Stoß Eduard H. Chef der "Westpartie" Willibald Sch. Chef am Max Winter-Platz Anton Ö. und Karl H. beaufsichtigen den Stoß unter Heinz B. Harald H. Adjutant Heinz B.s Leopold G. Kontrolle Spiel in Salzburg für B. Waldemar G. ehemals Kontrolle Innsbruck für B.


anm.: es gibt geteilte meinungen, aber Egon H. der bär war einer der wenigen freunde vom löwinger. leider schon das zeitliche gesegnet. - a guter bursch, teilten wir uns so manches flascherl, manches weib und manche vorstrafen, lol.


und no a bisserl was zum lesen


Der Krieg um die Vorherrschaft im Geschäft mit dem Stoß endete in den 70er Jahren mit der gegenseitigen Ausrottung der einflußreichen Platten. Alle führenden Köpfe waren eines gewaltsamen Todes gestorben: der G`schwinde, Josef Angerler, 51, der Notwehr-Krista, Josef Krista, 46, Oswald Stanka, 45, Norbert Schmutzer, 28, und Heinz Karrer, 31. Der Thron des Unterweltkönigs war über Nacht verwaist, die Kronprinzen hatten sich im Streit um das Zepter gegenseitig massakriert. Nach und nach gelang es jedoch einem Mann, alle bedeutenden Partien unter seiner Führung wieder zu vereinen. Bis heute kontrolliert Heinz B. das Geschäft mit dem Stoß; er bestimmt wer wann wo ein Spiel eröffnen darf, und wer ein solches einstellen (Ganovensprache für: ein Spiel auflassen, beenden) muß. Während in Wien früher mehrere Partien liefen, gibt es heute lediglich vier, bestenfalls fünf bedeutende Stoß-Lokale: in Ottakring in einem Cafe in der Wilhelminenstraße, in Meidling in einem ehemaligen Bordell am Gaudenzdorfer Gürtel, in Favoriten in einem Gasthaus in der Laxenburgerstraße, in der Josefstadt in einem Etablissement am Lerchenfelder Gürtel und in der Leopoldstadt in einem Verein von Philatelisten im Wurstel Prater. Außerdem gibt es eine Vielzahl kleiner Partien. Da der Staat allein das Monopol für Glücksspiele inne hat, ist das Stoßspiel als solches verboten. Weswegen es zumeist in versteckten Hinterzimmern abgehalten wird. Der Lokalbetreiber - soferne der Laden nicht ohnehin der Partie gehört - kassiert für ein solches Spielzimmer Miete. Üblicher Satz: 2.000 Schilling - nicht im Monat, in der Stunde selbstverständlich. Ein kleines Entgelt für die möglichen Schwierigkeiten mit den Behörden, die er ohnehin nie haben wird. Denn obwohl die Exekutive daran interessiert sein sollte, das Verbot aufrecht zu erhalten, bemüht sie
sich keineswegs, das illegale Kartenspiel einzustellen. Beim Stoßspiel treffen sich viele große Ganoven, erklärt der Chef des Wiener Sicherheitsbüros Max Edelbacher seine Strategie. Die großen Ganoven sind für uns daher dort leicht erreichbar, während wir die kleinen oft lange suchen müssen. Zum Stoßspiel haben ausschließlich Männer Zutritt. Ganoven, Strizzis und einige auserwählte Frankisten, meistens Industrielle und reiche Geschäftsleute. Sogenannte Schlepper sorgen dafür, daß der Nachschub an zahlungskräftigen Kunden nicht abreißt. So mancher Industrielle wurde hier als willkommene goldenen Gans gerupft, wobei er in wenigen Minuten alles verspielt hatte, wofür er ein Leben lang schuftete. Frauen dürfen die Zimmer während des Spiels nicht betreten. Ausnahmefall ist mir kein einziger bekannt.


Was für den braven Bürger die Hack`n ist, bedeutet für den Zuhälter das illegale Spiel mit den Karten, nämlich Arbeit. Zumindest versuchen dies manche Strizzis ihren Mädchen weis zu machen. Folgende Anekdote beweist, daß sie dabei recht erfolgreich sind: Vor einiger Zeit begleitete ich einen befreundeten Strizzi, dessen Mädchen vorm Club Senat am Währinger Gürtel steht. Er lud sie in sein Mercedes Coupe 500 SE ein, um eine Zigaretten-Pause zu machen. Daneben stand das Mädchen Franz K.s. Mein Freund lud sie ebenfalls ein, eine kleine Pause zu machen und mit uns eine Runde um den Häuserblock zu drehen. Doch die langbeinige Blondine lehnte strikt ab.

Na, des kummt ja überhaupt net in Frage, wenn der Franz am Stoß sitzt und arbeit, werd a i kane Pausen machen. Fahrt's ihr ruhig ohne mi.

Vorsichtig geschätzt werden beim Stoßspiel in Wien in einer Nacht etwa drei Millionen umgesetzt, das sind im Monat nahezu 100 Millionen Schilling. Also ein Vielfaches dessen, was beispielsweise am Gürtel horizontal hereingebracht wird. Das Folgegeschäft mit verschuldeten Spielern noch nicht mal gerechnet.

Der Geldverleiher oder sogenannte Saugerl ist am Wiener Stoß eine Institution, weit mehr als eine stets kreditgewährende Begleiterscheinung. Er beschließt den Ruin des Spielers. Wie ein Priester, der das letzte Amen im Stoßgebet eines zum Tode Verurteilten spricht. Das von ihm geliehene Geld ist der Glaube an ein Leben danach, das heißt: nachdem man das ganze eigene Geld verloren hat, spendet er die Hoffnung, wieder aufzuerstehen, mit einem (Kartenauf-)Schlag so reich werden zu können wie der Kreditgeber selbst. Wobei die Spieler meist vergessen, daß der Sauger sein Vermögen nicht am Spieltisch verdient hat. Zumindest nicht als Spieler.

Der Eismann, der Zauberer und der Grazer - um nur einige der prominentesten zu nennen - haben ihr Kapital in der Regel meist aus Einnahmen als Zuhälter oder als Hehler aufgebaut und es schließlich in ihrer Funktion als Saugerl mit Wucherzinsen fruchtbar vermehrt.

Anders als die etablierten Banken und Geldinstitute gewähren die Blutsauger vom Stoß fast immer Kredit. Wer gesund ist oder zumindest mit einem bürgenfreudigen gesunden Freund aufwarten kann, kommt mit ihnen ins Geschäft. Selbstverständlich ziehen sie einen Porsche oder einen goldgefaßten Solitair als Sicherheit vor, aber zur Not tun's zwei Oberschenkelknochen genauso gut. Grob über den Daumen gelten folgende Zinssätze: für kleinere Summen (bis 100.000 Schilling) zehn Prozent pro Tag, für größere Summen hundert Prozent pro Monat. Daher darf es nicht verwundern, daß nicht der ursprünglich ausgeliehene Betrag, sondern stets die entstandenen Zinsen die weit größere Summe ausmachen, die zurückzuzahlen ist. Beispielsweise der Fall einer drogenabhängigen Prostituierten, die sich vom stadtbekannten Wiener Lokalbesitzer und Sauger Hans R., 43, 30.000 Schilling ausgeliehen hatte, diese bereits wenige Wochen danach zurückerstattete, jedoch drei Monate später mit einer Rückzahlaufforderung von 180.000 Schilling Zinsen konfrontiert wurde. Wer mit den Rückzahlungen in Verzug gerät, wird spürbar ungalanter daran erinnert, daß noch was ansteht, zunächst geht derjenige seiner Haarpracht (oben und unten) verlustig, danach bricht er sich einen oder mehrere Finger, will die Erinnerung auch nach einem gebrochenen Arm nicht wiederkehren, kommt es mitunter sogar vor, daß er an Amnesie stirbt.

Im Gegensatz zu den übrigen Ganoven, die entweder arm und vorzeitig gealtert verkommen oder vorher eines unnatürlichen Todes sterben, beschließen Sauger ihr Leben in der Regel steinalt, steinreich und vor allem: hochseriös. Der Zauberer, einst berüchtigter Sauger und Stoßspieler, ist Eigentümer eines Strandcafes an der Alten Donau, welches den Wienern als erste Adresse für die besten Spare Ribs weit über die Stadtgrenze hinaus gilt, und der Eismann, heute ein kalmierter Charakter, an dessen wilde Zeiten nur mehr sein nom de guerre erinnert, lebt zurückgezogen in einer riesigen Villa an der Peripherie. Nachbarn erzählen, daß sich hier der leitende Direktor einer Versicherungsanstalt zu Ruhe gesetzt hätte, womit sie der Wahrheit wahrscheinlich sehr nahe kommen.
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#2

Beitrag von Elisabeth » 2005-07-30, 09:30

Also ich blick da ja überhaupt net durch. Was sind Platten? Bezirke? Ebenen in der Organisation? Wieso fängt die Chronik in Deutschland an? (Kommt etwa doch alles böse aus Deutschland?) 10% Zinsen/Tag? Ich jammer nie wieder über meine Bank!

Bei dem Rätsel kann ich nicht mitraten, wie gesagt, ich blick da nicht durch.

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#3

Beitrag von Lovara » 2005-07-30, 10:01

hallo Elsiabeth!
stimmt ist recht schwer durchzublicken.

dies ist auch nur gedacht als, ein kleiner einblick, ins geschehen und entstehen des "rotlichtsmilieus", bei uns in wien.

"Platten" nannte man die massgebenden in den verschiedenen bezirken. heute würde man gang's dazu sagen.

"Bezirke" darunter versteht man die aufgeteilten sprengel, wo, wer, was zu sagen hat. ist nach wie vor so.

"Ebenen in der Organisation", ist wie in einer firma. oben sitzt der chef, unten der arbeiter. nur das es hier vier organisationen gibt.
nord, süd, ost und west. wobei der ost bezirk der größte und einflußreichste ist.

begonnen, wie wir es heute kennen, hat alles beim "Dragoner".

ist fast ein bisschen wiener geschichte.
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#4

Beitrag von Lovara » 2005-07-30, 13:38

only 4you liebe Elisabeth!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

ich stelle dir hier einen link rein, bezüglich "rotlicht".
allerhand interessantes und wissenswertes:

http://www.wiener-rotlicht.info/index.htm

puhhh, woar des ah oarbeit!
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#5

Beitrag von Elisabeth » 2005-07-30, 20:21

Okay, also lehrreich war das allemal, auch wenn ich noch nicht weiß, was Platten jetzt sind. Der Begriff taucht im Genovenlexikon nämlich nicht auf. Faszinierend, das...
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#6

Beitrag von Lovara » 2005-08-02, 17:51

"PLATTEN" im volksmund auch PLODARN genannt.
eine gruppierung aus personen, die ein gewisses gebiet kontrollieren.

manche nennen auch ein auftauchen einer grösseren anzahl familienangehöriger als "de plodarn kummt".
oder auch eine ansammlung von jugendlicher.

dieser oder diese formulierung wurde früher verwendet.
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RE: Chronik

#7

Beitrag von EdlerWalther » 2011-04-06, 02:10

Breitwieser der "Dragoner" wurde bereits 1919 von der Polizei „tödlich verhaftet“ und aufm Meidlinger Friedhof beigesetzt. :006

Der stets hilfsbereite „Eisenschlitzer“ und „König von Meidling“ Schani Breitwieser („Die Banken, die Pülcher haben eh zu viel, wir haben zu wenig …“) wurde von der Bevölkerung geliebt und beschützt. Seinen letzten, spektakulären Coup landet er 1919 in der Hirtenberger Waffen- und Munitionsfabrik. Dabei kann er eine halbe Million Goldkronen erbeuten.

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#8

Beitrag von EdlerWalther » 2011-04-07, 02:38

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Lovara hat geschrieben:hallo Elsiabeth!
stimmt ist recht schwer durchzublicken.

dies ist auch nur gedacht als, ein kleiner einblick, ins geschehen und entstehen des "rotlichtsmilieus", bei uns in wien.

"Platten" nannte man die massgebenden in den verschiedenen bezirken. heute würde man gang's dazu sagen.

"Bezirke" darunter versteht man die aufgeteilten sprengel, wo, wer, was zu sagen hat. ist nach wie vor so.

"Ebenen in der Organisation", ist wie in einer firma. oben sitzt der chef, unten der arbeiter. nur das es hier vier organisationen gibt.
nord, süd, ost und west. wobei der ost bezirk der größte und einflußreichste ist.

begonnen, wie wir es heute kennen, hat alles beim "Dragoner".

ist fast ein bisschen wiener geschichte.
Der Schani "Dragoner" war aber kein Strizzi obwohl er mit einer Prostituierten befreundet war, damals haben die Plattenbrüder "Grammeltreiber" dazu gesagt, sondern ein "Bärenreisser" =Schränker. Auf die Frage eines Polizeikommissars nach seiner Schulbildung hat er mal geantwortet "A Aff war mei Lehrer und a Bär mei Proffessor. Und zwar deshalb weil er im Tiergarten die Verhaltensweisen von Affen und Bären bis ins Detail studiert hat. Oft trieb er sich auchn noch als Junger,auf dem Meidlinger Friedhof herum, wo er von den Gräbern alle Namen wußte und über das Wunder des Todes staunte und nachdachte,heute würde man sagen "er meditierte" darüber. Auch legte er sich oft ausgestreckt auf ein Grab, die Arme ausgebreitet schaute er in den Himmel und meinte,dass er damit dem Toten seine Augen zum sehen leihte.
Kurz gesagt war er, wenn auch etwas eigenartig, schweigsam und nachdenklich, a leiwander Bua der den "Bruch" und das Tresoröffnen eingehend studiert hat.

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#9

Beitrag von Ariane » 2011-04-12, 22:03

Das ist ja wirklich eine interessante Historie, dank an Lovara, aber auch EdlerWalther, dass du den Thread hochgeholt hast, war mir bis dato alles unbekannt. Auch wenn ich ganzen Figuren nicht kenne, liest sich das alles sehr spannend. Mehr davon!
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#10

Beitrag von EdlerWalther » 2011-04-13, 08:11

A oides weaner Pülcherliad, vielleicht versuchts jemand zu übersetzen?

Bockvalat und Straunznstaad
Bockvalat und Straunznstaad Ka Stautn und kaa Panier
Ka Ratschn, net amoi an Gadern und des alles passiert mir

Ja, so ist des halt im Leben Ja, so ist des halt im Leben

Den Mura hat der Fuchserer Und da Fuchserer is hin,
da Kimmler hat an Brimsen baut, Was hat des für an Sinn?

Jo so is...

Dreizehn Meter hab i abogn, i hab glaubt, er is a Frankist
Aber der Anstauber hat mi anglogn, wias halt oft im Leben is,

Ja, so ist des halt im Leben

Ein Artist war ich scho immer, jetzt muaß i wieder d´Hatz verdiena,
mit dem Joker bei da Nacht, hab ich den Joker aufgebracht!

Ja, so
Ja, so ist des halt im Leben Ja, so ist des halt im Leben

Doch a Sittich hat mi am Markt g´haut Jetzt muaß i wieder mit´n Scheckl gehen
I hab dem Sittich aber nie traut Ja so is des halt im Leben :034 :002

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#11

Beitrag von Zwerg » 2011-04-13, 09:05

Kein Geld und kein Bett
Kein Geld und kein Bett und keine Kleidung
Keine Uhr, nicht einmal einen Ring - und das geschieht mir

Ja so ist es halt im Leben

Den Schmuck hat der Juwelier (Hehler???) und der ist tot
Der Mistkerl hat betrogen, was macht das für einen Sinn?

Ja so ist es halt im Leben

Dreizehn Monate war ich im Gefängnis, ich dachte er wäre ehrlich
Aber der Gauner hat mich angelogen, wie es so oft im Leben ist

Ja so ist es halt im Leben

Ein Künstler (Einbrecher?) war ich schon immer, jetzt muss ich wieder Geld verdienen
Mit dem Brecheisen in der Nacht, habe ich den Tresor geöffnet!

Ja so ist es halt im Leben

Doch eine weibliche Plaudertasche hat mich verraten, jetzt bin ich wieder im Gefängnis
Ich habe der Plaudertasche nie vertraut, ja so ist es halt im Leben...

---------------

Sollte so ungefähr hinkommen - denke ich
Ist schon lange her, dass ich diverse Ausdrücke gehört habe

Wobei: Das Wienerische bzw. die wienerische Gaunersprache kann schon was: Panier (Pannade) für Kleidung oder auch die "Ratschn" für eine Uhr macht schon Sinn :-) und der Sittich ist ohnehin auf der Hand liegend (sitzend)

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#12

Beitrag von EdlerWalther » 2011-04-13, 11:52

@chris, gut is gaunga :041

Total mittellos und ohne Unterkunft
Kein Hemd und keinen Anzug
Keine Uhr und keinen Ring
Und das alles passiert mir
Den Schmuck hat der Juwelier
Und der Juwelier is tot
Der minderwertige Mensch hat einen Freund betrogen
Was hat das für einen Sinn
13 Monate saß ich im Gefängnis
ich habe geglaubt, er ist ein ehrlicher Mensch
aber der Betrüger hat mich angelogen
wie das oft im Leben ist
Ein Lebenskünstler war ich schon immer
Und muß wieder Geld verdienen
Mit dem Brecheisen in der Nacht
Habe ich den Tresor aufgebracht
Ein geschwätzig, dummes Mädchen hat mich verraten
Jetzt muss ich im Gefängnis wieder mit der Eßschale gehen
Aber ich habe diesem geschwätzigen dummen Mädchen nie getraut
Ja, so ist das halt im Leben! :002

Servus, ich muss mich wieder abmelden,einen Haberer nach Neunkirchen führen.

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#13

Beitrag von EdlerWalther » 2011-04-13, 18:16

Neulich bin i gaunga, es war schon in der fruah, in an Gulaschüttn, auf a Suppn nur, olle haum mich kennt, der Schmäh, der Stoß ist grennt, i bin und bleib a "Tschent" und ahob olles brennt.

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#14

Beitrag von IsabellaH » 2011-10-25, 07:50

@ lovara
Der Text stammt doch aus dem Buch unterösterreich von Günther zäuner in Zusammenarbeit mit Richard St.

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RE: Chronik der Wiener Rotlichtkriminalität

#15

Beitrag von queeny » 2012-01-19, 22:36

:006 halöchen!
brauche eure Hilfe weis irgendjemand was mit karl pekarek geschah? Ist er tod? lebt er noch?

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Re: RE: Chronik der Wiener Rotlichtkriminalität

#16

Beitrag von EdlerWalther » 2012-01-22, 09:34

          Bild
queeny hat geschrieben::006 halöchen!
brauche eure Hilfe weis irgendjemand was mit karl pekarek geschah? Ist er tod? lebt er noch?
Hab auch keine Ahnung. Komm auch selten nach Wien und weiß nicht mal ob sein ehem. Freund Kollar Karl Senior noch lebt.
Früher war ich noch regelmäßig in der Vinothek (Alserstr. 14) aber das heißt nun KA u. KO hat verm. der Junior übernommen.
Voriges Jahr ist der Hauke Harry Senior verstorben. Das war der Vater vom ehem. Gürtl Harry den der Richard St. verdrängt hat.
Ich hab mich aufs Land in die Berge zurückgezogen.
lg Walther :angel13

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#17

Beitrag von queeny » 2012-01-23, 12:39

EdlerWalther hat geschrieben:          Bild
queeny hat geschrieben::006 halöchen!
brauche eure Hilfe weis irgendjemand was mit karl pekarek geschah? Ist er tod? lebt er noch?
Hab auch keine Ahnung. Komm auch selten nach Wien und weiß nicht mal ob sein ehem. Freund Kollar Karl Senior noch lebt.
Früher war ich noch regelmäßig in der Vinothek (Alserstr. 14) aber das heißt nun KA u. KO hat verm. der Junior übernommen.
Voriges Jahr ist der Hauke Harry Senior verstorben. Das war der Vater vom ehem. Gürtl Harry den der Richard St. verdrängt hat.
Ich hab mich aufs Land in die Berge zurückgezogen.
lg Walther :angel13
danke walter!
karl pekarek war mein Vater, ich denke ich werde ihm sicher nicht mehr finden, aber danke trotzdem

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