::: Sicherheitsmaßnahmen DEESKALATION :::

Hier werden die Sicherheitsmaßnahmen für SexarbeiterInnen gesammelt, welche später auf unserer Webseite veröffentlicht werden. Wer Tipps zum Thema hat, oder Links kennt, bitte hier posten!
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Marc of Frankfurt
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::: Sicherheitsmaßnahmen DEESKALATION :::

#1

Beitrag von Marc of Frankfurt » 2010-04-06, 13:57

De-Eskalation = Prävention von Gewalt


Im Nachbar-Thema "Selbstverteidigung" wird Sexworkern asiatisch-europäische Kampfkunst empfohlen.
Das hat zweifellos körperlich-emotional aufbauende Effekte solche Kurse -und wenn dann regelmäßig- zu besuchen, um Kondition und Geist fit zu halten:
viewtopic.php?t=3448
viewtopic.php?t=6224 (SW-only)

Eine häufige Diskussion darüber ist jedoch kurzsichtig und zweischneidig. Erstens hat Sexwork per se nicht mehr mit Gewalt zu tun als andere Berufe (Gewalt kommt vor ist aber nicht Teil der Jobbeschreibung;-), d.h. es besteht hier die Gefahr der Selbststigmatisierung oder es ist als persönlichen Angstabwehr nur ein Trick der individuellen Psychohygiene (Gefahr der Selbsttäuschung über reale Kompetenzen im Gefahrenfall). Die wirklich extremen Fälle teilweise von Psychopathen sind nur schwerstens im Voraus zu entlarven (siehe Profiling Jack the Ripper). Daher folgt in politischer Konsequenz und Gegenwehr der intl. Sexworker-Movement zu fordern "Gebt uns Rechte gegen Unrecht - Only Rights can stop the Wrongs!" (siehe auch Menschenrechte-Diskurs):
viewtopic.php?t=803





Deswegen hier mehr Bewustseinsbildung (Awarness) zu Deeskalations-Techniken und Psychologie.

Und da stehen wir Sexworker nicht allein. Z.B. auch in Pflegeeinrichtungen ist das Thema inzwischen erkannt:
http://www.oegkv.at/uploads/media/Harald-Stefan.pdf

Deeskalation für Sozialarbeiter:
http://www.baer-sch.de/download/Deeskalation-Sa.pdf
http://www.baer-sch.de/rabe-training/service.php





Sammlung von Tipps und Links DEESKALATION:
  • Gemeinsam Arbeiten (siehe: Cover Circle im SW-only)
  • Arbeiten im "Safer Work Environment" (sichere Umgebung)
    von Etagenbordell, Club, Laufhaus etc.
  • Sicheres eigenes Auftreten
    (nur arbeiten wenn es einem gut geht)
    (energetischer Schutzschild)
    (sich privaten Ausgleich schaffen)
  • Gewaltfreie Kommunikation
    nach Marshall B. Rosenberg
  • Kommunikation PRO Kondomanwendung
    safer sex work
  • Frühzeitiges entschiedenes Handeln
    Unwohlsein nicht zum Konflikt anwachsen lassen
    Eigene Körperwahrnehmung (Bauchgefühl) trainieren
    Selbsterkenntnis und pers. Wachstum (eigene Psychofallen kennen)
    Sofort ein klares deutliches lautes Statement abgeben
    Sich im Sexworker Forum fortbilden, um Wissen über mögliche Konfliktsituationen zu erlangen
  • Geld zurückerstatten
    als ultima ratio (als letztes Mittel)
  • Was vorher getan werden kann
    (Siehe auch allgemeine Sicherheitstipps...)
  • Panik Alarm Gerät
    (Schlüsselanhänger)
  • Detachment
    Auf Abstand gehen (um nicht selber Täter zu werden oder dem Konflikt Feuer zu geben)
  • Support
    Die Kundenwünsche vorher und intuitiv erkennen
    Klar aussprechen und erfragen was geleistet werden soll
    Sagen was es nicht geben wird (Abgrenzungskompetenz)
    Dem Kunden geile Alternativen bieten (evt. ablenken)
    Menschenkenntnis und non-verbale Kommunikation (Body Language)
  • Adaption
    Sich clever angepaßt situationsgemäß verhalten wie ein organisches Fluidum (Flüssigkeit)
    (Wasser höhlt den stärksten Steinbrocken)
    Sexworker-Kompetenzen

    Bild
    mehr von SExpertin Aoife
  • ...
http://de.wikipedia.org/wiki/Deeskalation





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Zuletzt geändert von Marc of Frankfurt am 2012-03-08, 23:01, insgesamt 1-mal geändert.

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#2

Beitrag von Marc of Frankfurt » 2010-04-07, 11:29

Sammelthema: Arbeitspsychologie:

viewtopic.php?t=397

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Prävention - Selbstorganisation

#3

Beitrag von Marc of Frankfurt » 2012-03-08, 23:20

Aufgrund der Stigmatisierung und Heimlichtuerei (Zwang zum Doppelleben) vieler Leute in der Prostitution, kann die Polizei nicht immer eine Hilfe in Notfällen sein. Hinzu kommen Polizeiübergriffe und Korruptionserfahrungen aus der Vergangenheit, die tief im kollektiven Unterbewußtsein bei Sexworkern eingegraben sind (Siehe auch die Schattenberichte an die UNO vom Sexworker-Forum). Früher wurde die Polizei im Bordellviertel verständlicherweise "Schmiere" genannt. Die staatliche Prostitutionskontrolle und heutige Razzienpolitik ist auch nicht gerade geeignet hier ein neues Vertrauensverhältnis aufzubauen. Evt. wird es in Zukunft an einigen Orten Kontaktbeamte geben, die von Polizeigewerkschaft und Sexworkergewerkschaft gemeinsam benannt werden, so wie es die GLBIT-Communities vorgemacht haben. Nur eine konsequente Entkriminalisierung von Sexarbeit wie in Neuseeland, oder Legalisierung wie in Deutschland, Niederlande und Schweiz sind m.E. funktionierende Schritte auf dem Weg zu mehr Akzeptanz von Prostitution d.h. ehrliche Integration von Sexworkern.


  1. Bisher war uns das indische Konzept der Self-Regulatory Boards (Selbstverwaltungsgremien) bekannt. Sie sorgen im Rotlichtviertel von Sonagashi Kalkutta mit seinen ca. 10.000 Sexworkern dafür, dass keine minderjährigen Mädchen in den Bordellen mitarbeiten und keine Ofper von Menschenhandel und Zwangsprostitution sich im Viertel befinden.

    Bild
    Link


    durbar.org
  2. Hier ein ähnliches Selbstorganisations-Konzept aus Kanada bei marginalisierten Communties wie Women of Color oder indianisch transsexuellen Menschen:

    Konzept:
    Community Accountabbility (CA)


    Gemeinschaftliche Selbstverantwortung zur Gewaltprävention - Community accountability is a community-based strategy, rather than a police/prison-based strategy, to address violence within our communities. Community accountability is a process in which a community – a group of friends, a family, a church, a workplace, an apartment complex, a neighborhood, etc – work together.

    Bild
    Link


    incite-national.org



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