Du hast noch keinen Account? Klicke hier um Dich jetzt kostenlos zu registrieren!

SEXWORKER - Forum für professionelle Sexarbeit Foren-Übersicht SexarbeiterInnen ForumPortal
Forum  •  Portal  •  FAQ-SW  •  Sicher  •  Tour  •  SuchG  •  SuchF  •  Registrieren  •  Login  Chat ( )
Die Registrierung im und die Nutzung des SexarbeiterInnen Forums ist selbstvertändlich kostenlos
Nächstes Thema anzeigen
Vorheriges Thema anzeigen

Neues Thema eröffnenNeue Antwort erstellen Vorheriges Thema anzeigenDieses Thema verschickenZeige Benutzer, die dieses Thema gesehen habenDieses Thema als Datei sichernPrintable versionNächstes Thema anzeigen
Autor Nachricht
 fraences fraences setzt sich aktiv für die Rechte von SexarbeiterInnen ein
Admina
Admina





Ich bin...: SexarbeiterIn
germany.gif
BeitragVerfasst: 2017-10-02, 11:06  Beitrag #1/2     Titel:  Kampf dem "Dirnenunwesen" im Gießen der 50er Jahre  Nach untenNach oben

Kampf dem "Dirnenunwesen" und Zunahme der "Besatzungskinder" im Gießen der 50er Jahre

GIESSEN - Mit den Amerikanern kamen kurz nach dem Zweiten Weltkrieg nicht nur Zigaretten und Schokolade nach Gießen - auch die Liebe, ob käuflich oder echt, und ihre Auswirkungen prägten das Miteinander der 1950er Jahre. Und das begann für die US-Verbände zunächst mit einem Verbot: "Do not fraternise!" Jedweder Kontakt zu Deutschen, sogar Unterhaltungen, waren den Soldaten untersagt. Die Armeeführung wollte klarstellen, dass man nicht als Befreier kam, sondern Deutschland der besiegte Feind war. Allerdings wurde dieses Verbot schrittweise gelockert - bis zu seiner Abschaffung am 1. Oktober 1945.

Der Großteil der Gießener Bevölkerung hielt sich an die neuen Regeln, für manche stellte die Nachkriegszeit jedoch einen Ausnahmezustand mit vielen Tabubrüchen dar. "Man muss an dieses Thema ganz behutsam herangehen, in der Zeit unmittelbar nach dem Krieg mussten Viele ums Überleben kämpfen", versucht Karl-Heinz Reitz, Experte für die Amerikaner in Gießen, die Geschehnisse zu erklären. Bei einer Frau mit drei kleinen Kindern, deren Mann in Kriegsgefangenschaft geraten war, ergebe sich das zwangsläufig. Die Amerikaner hatten diesen Frauen einiges zu bieten, allen voran konnten sie die Versorgung sichern. Dabei waren die Arten der Beziehungen vielfältig: über die reine Prostitution und eben Versorgungspartnerschaften bis hin zur echten Liebe. Mit der Zeit entwickelten sich durchaus sehr enge Bindungen zwischen Gießenern und Amerikanern. "Schokolade, Zigaretten und Kaffee waren alles Luxusartikel, die sie mitbrachten. Zugleich trugen die Soldaten aber dazu bei, dass überall, wo sie stationiert waren, die Prostitution stark anstieg", so Reitz. Weder den Stadtvätern noch der Besatzungsmacht gefiel diese Entwicklung. Im Februar 1953 berichtete der Anzeiger über ein Zusammentreffen des "Deutsch-Amerikanischen Ausschusses". Demnach sollte ein besonderes Augenmerk darauf gelegt werden, neben dem umfangreichen "Schwarzmarktunwesen" auch "das Problem des überhandnehmenden Dirnenunwesens zu bekämpfen". Die Militärpolizei, die deutsche Polizei und das Gesundheitsamt wurden angeleitet, gemeinsame Maßnahmen zu ergreifen. "Infektionskrankheiten, Geschlechtskrankheiten und viele heimliche Abtreibungen sowie das heimliche Weggeben von Kindern waren in den 1950er Jahren sehr präsent", erklärt der Amerika-Experte. Die Besatzungsmacht gibt diesen Frauen den verächtlichen Beinamen "Veronika Dankeschön", was als satirische deutsche Übersetzung für "Veneral Diseases" ("Sexuell übertragbare Krankheiten") gilt. Damals prägte die Zeitschrift "Quick" die Kosebezeichnung für Gießen als "Shanghai an der Lahn". Denn die Ausgaben, um Geschlechtskrankheiten einzudämmen, seien 15 Mal höher als in vergleichbaren Orten. Ganz zu schweigen von der immensen Prostituiertendichte.

"GI-Babys"

Brennpunkt der Prostitution war die Bahnhofstraße. Reitz schmunzelt, wenn er sich daran erinnert, wie bemüht die Militärpolizei darum war, Ordnung zu gewährleisten. "Als Schüler in der seinerzeit noch in der Ludwigstraße gelegenen Herderschule bin ich mit meinen Freunden immer in Richtung Bahnhofstraße gelaufen und habe mir dort angeschaut, wie die Soldaten hollywoodreif aus den Etablissements geholt wurden." Vor allem an den "Paydays" der GIs sei das häufig vorgekommen. Welch geringe Handhabe die Armeeführung gegen die "Veronikas" hatte, zeigte sich jedoch im November 1954, als es im Anzeiger hieß, dass man die festgenommenen "leichten Mädchen" nicht ihrer persönlichen Freiheit berauben könne, indem sie beispielsweise in geschlossenen Häusern untergebracht würden.

"Resultat" dieser unterschiedlichen Beziehungen zwischen US-Soldaten und Gießener Frauen waren häufig die sogenannten "GI-Babies" beziehungsweise "Besatzungskinder". Ihre Zahl wurde im April 1955 im Anzeiger auf 317 beziffert - für ganz Westdeutschland wird sie auf etwa 400 000 geschätzt. Dieses Phänomen barg aber häufig ein Problem: Die Väter weilten oft nur für eine begrenzte Zeit vor Ort und waren bereits in die Heimat zurückgekehrt, bevor ihr Nachwuchs zur Welt kam. So konnten sie sich leicht ihrer Pflicht entziehen. "Fest steht, dass in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle die Väter sich nicht um ihre Kinder kümmern", ist in dem Artikel zu lesen.Folglich mussten die Mütter oder Verwandte für den Unterhalt aufkommen. Bei aller gegenseitig versicherten Wertschätzung, wird das als drückend und demütigend empfunden. "Die 'Amis' benahmen sich schlecht, fuhren rücksichtslos Auto, schwängerten deutsche Mädchen und ließen sie dann sitzen", fasst Dr. Ludwig Brake in seinem Beitrag in "800 Jahre Gießener Geschichte 1197-1997" die damalige Stimmung zusammen.

Es gab weder Vaterschaftstests noch Rechtswege für die Frauen, wenn die Männer sich außerhalb der Bundesrepublik aufhielten. Über 100 der Kinder in Gießen mussten von der öffentlichen Wohlfahrt unterstützt werden. Viele von ihnen litten gleich in mehrfacher Hinsicht darunter. Sie kannten teils ihre Väter nicht, fühlten sich im Stich gelassen und waren in der Gesellschaft als uneheliches Kind eines Besatzers stigmatisiert. Hinzu kamen bei sogenannten "Brown Babies" - also dem Kind einer weißen Mutter und eines schwarzen Vaters - die offensichtliche "Andersartigkeit"

http://www.giessener-anzeiger.de/lo....r-50er-jahre_18215872.htm


 Geschlecht*:Weiblich  Offline
 Sexworker Forum Team
Hinweis für Gäste





Verfasst: 2017-10-02, 11:06  Beitrag #     Titel:  Nach untenNach oben

Willkommen als Gast im Sexworker Forum! Wir freuen uns, wenn Du Dich (kostenlos/anonym) registrierst. Den Link findest Du oben im Menu!
Nach der Registrierung stehen Dir zusätzliche Funktionen zur Verfügung

Das Sexworker-Team


  
 Doris67 Doris67 setzt sich aktiv für die Rechte von SexarbeiterInnen ein
PlatinStern
PlatinStern





Ich bin...: SexarbeiterIn
france.gif
BeitragVerfasst: 2017-10-13, 17:46  Beitrag #2/2     Titel:  (Kein Titel)  Nach untenNach oben

Das heißt, mal ganz deutlich formuliert: Es gab noch zehn Jahre nach dem Krieg überall Armuts-/Elendsprostitution in Deutschland. Und dann wundert man sich heute, daß Frauen aus armen Ländern (ganz zu schweigen von durch unsere Kriege zerstörten Ländern) hier anschaffen kommen? Und macht auf "Opferrettung" und "Befreiung"? Die Heuchelei ist offensichtlich eine Meisterin aus Deutschland.


 Geschlecht*:Weiblich  Versteckt
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:      
Neues Thema eröffnenNeue Antwort erstellen Vorheriges Thema anzeigenDieses Thema verschickenZeige Benutzer, die dieses Thema gesehen habenDieses Thema als Datei sichernPrintable versionNächstes Thema anzeigen


Nächstes Thema anzeigen
Vorheriges Thema anzeigen
Du kannst keine Beiträge in dieses Forum schreiben.
Du kannst auf Beiträge in diesem Forum nicht antworten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht bearbeiten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du kannst an Umfragen in diesem Forum nicht mitmachen.
Du kannst Dateien in diesem Forum nicht posten
Du kannst Dateien in diesem Forum nicht herunterladen

Kampf dem "Dirnenunwesen" im Gießen der 50er Jahre


Ähnliche Beiträge
Thema Autor Forum Antworten Verfasst
Keine neuen Beiträge "Sexarbeit:Ausbeutung–Gewalt geg... fraences Sexarbeit in Gesellschaft und Politik 2 2017-08-10, 11:52 Letzten Beitrag anzeigen
Keine neuen Beiträge "Meine nackte Wahrheit" Sina Card Bücher 0 2017-08-05, 08:59 Letzten Beitrag anzeigen
Keine neuen Beiträge Ist "Nutte" kein Schimpfwor... friederike Sexarbeit in den Medien 1 2017-06-20, 01:37 Letzten Beitrag anzeigen

Sitemap - der Überblick über unsere Foren


Impressum www.sexworker.at



Sexworker Forum - das Forum von Profis für Profis aus der Sexarbeit
Die Registrierung und Nutzung des Sexworker Forums ist kostenlos!
Diskussion Tipps und Information
Ein- bzw. Um- und Ausstiegsberatung
Hilfe für Prostituierte

Wir sehen nicht jede SexarbeiterIn automatisch als Opfer an!
Aber wenn es notwendig ist, versuchen wir zu helfen!
---------
Alle Zeiten sind GMT + 1 Stunde

Pagerank: PAGERANK-SERVICE
:: BDSM Profis :: BDSM Ratgeber :: Erotikportal von und für SexarbeiterInnen :: kostenlos inserieren :: Tantra Escort

[ Zeit: 0.6374s ][ Queries: 38 (0.2600s) ]