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BeitragVerfasst: 2011-04-07, 21:55  Beitrag #41/43     Titel:  (Kein Titel)  Nach untenNach oben

07.04.2011

Domenica aus Wachs

Hamburg. (dpa) Deutschlands bekannteste Ex-Prostituierte Domenica ist als Wachsfigur auf "ihren" Hamburger Kiez zurückgekehrt. Das Panoptikum auf St. Pauli setzte ihr mit der lebensgroßen Figur am Donnerstag ein Denkmal


Im schwarzen, tiefdekolletierten Abendkleid, mit strengem Zopf und Samthalsband sieht die Wachs-Domenica der echten zum Verwechseln ähnlich. Erst in der vergangenen Woche hatte das St.-Pauli-Museum eine Ausstellung über die 2009 gestorbene Ex-Hure und Streetworkerin eröffnet.

"Ja, das ist Domenica!", sagte der Kiezfotograf und langjährige Weggefährte der ehemaligen Prostituierten, Günter Zint, nach der Enthüllung der Wachsfigut. Zint hatte dem Bildhauer Gottfried Krüger, der mehr als ein Jahr lang an seinem Werk arbeitete, Fotos und Kleider aus dem Nachlass Domenicas zur Verfügung gestellt. In der Nachbildung sollten die zwei Seiten der Domenica sichtbar werden: die erotisch anziehende Frau, die viele Jahre als Prostituierte arbeitete, und die nachdenkliche Frau, die immer den Blick für das Elend anderer Menschen hatte.

Damit Bildhauer Krüger die Wachsfigur möglichst originalgetreu gestalten konnte, habe er eine Frau mit Domenica-Maßen gesucht, berichtete Zint. "In einem Bordell in Berlin habe ich dann eine russische Prostituierte gefunden, die genau dem entsprach. Sie kannte Domenica sogar und empfand es als große Ehre", sagte der Fotograf. Im mehr als 130 Jahre alten Panoptikum gehört Domenica nun zu rund 120 nachgebildeten Personen aus Geschichte, Kultur, Show und Sport - von US-Präsident Barack Obama bis zu Komiker Otto Waalkes.



http://www.general-anzeiger-bonn.de....10895&detailid=872738



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Verfasst: 2011-04-07, 21:55  Beitrag #     Titel:  Nach untenNach oben

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BeitragVerfasst: 2012-04-04, 14:08  Beitrag #42/43     Titel:  (Kein Titel)  Nach untenNach oben

4.4.2012

Günter Zint: Fotobuch über Domenica

Hamburg (dpa) - «Was kann man über Domenica noch schreiben, was noch nicht geschrieben ist? Domenica ist fast zu Tode fotografiert, gefilmt und beschrieben worden.» Kaum jemand weiß das besser als Fotograf Günter Zint, der mit diesen Worten sein jetzt erschienenes Fotobuch über die einstige Hure und Streetworkerin beginnt.


Drei Jahrzehnte lang begleitete er das Leben der legendären Frau, die zuletzt schwer krank in einer Sozialwohnung auf dem Hamburger Kiez lebte und vor drei Jahren in Hamburg starb. Zint, Fotograf im «Star-Club» und Begründer der «St. Pauli Nachrichten», hat Domenica selbst oft im Bild festgehalten: «Ihr Gesicht faszinierte mich.»

Und nicht nur das Gesicht der Frau, die Zint zuerst als Nachbarin auf St. Pauli kennengelernt hatte. Unter dem Titel «Ein Leben, das nicht reichte» hatte das St. Pauli Museum auf dem Kiez ihr bereits im vergangenen Jahr eine Ausstellung gewidmet. Den privaten Menschen hinter dem Medienstar zeigte die Schau, die mit Klischees über die Ex-Prostituierte aufräumen wollte. Einige Fotos, Briefe, Berichte hat Zint nun in seinem 80-seitigen Buch zusammengetragen. «Ich war nicht schön, ich war schlimmer» - unter diesem Titel zeichnet er Domenicas Biografie noch einmal nach.

«Ich glaube, der Anfang meines Elends war eigentlich meine Eitelkeit. Ich mochte gerne Fotos von mir», wird Domenica darin zitiert. Die Bilder, die aus ihrem eigenen Nachlass sowie von Zint stammen, zeigen sie in ganz frühen Jahren: von der Schulaufführung bis zum Bewerbungsfoto der jungen Frau, die eine kaufmännische Lehre begonnen hatte. Man sieht sie mit Hanne Kleine - einst Inhaber der Kiezkaschemme «Ritze» - für den Domenica Anfang der 70er Jahre nach Hamburg gezogen war, für den sie anschaffen ging und bei dem sie stets hoffte, seine «erste Frau» zu werden.

«Der hat mich eiskalt als Geldmaschine gesehen», sagte die Frau, die 1980 schließlich ihr eigenes Studio in der Herbertstraße pachtete. «Das war dann endlich selbstständiges, selbst verdientes Geld.» Aufnahmen aus der Herbertstraße gibt es, aber auch aus ihrem privaten Schlafzimmer in der Hein-Hoyer-Straße. «Hier hatte kein Freier Zutritt, Platz nehmen durfte nur, wer dazu aufgefordert wurde», heißt es daneben. Ihren Freiern habe sie gerne mal zugehört, wenn sie nett erzählen konnten, und nicht auf die Uhr geschaut: «Es ist doch so: Im Endeffekt kommen die Männer nicht nur auf die Brüste wieder. Brüste haben keine Seele.»

In Domenicas Nachlass fanden sich Kisten voller Dokumente und Briefe von Freiern, Häftlingen, verzweifelten Müttern und Ehefrauen, Huren, Prominenten, berichtet Zint. Die dunkelhaarige Frau mit der strengen Frisur und dem großen Herz hatte sich nach ihrer Zeit auf dem Strich als Streetworkerin für Prostituierte engagiert. «Huch, waren die alle stolz und haben sich gegenseitig auf die Schultern geklopft: Wir haben eine Hure anständig gemacht. Das war das Allerschärfste», wird sie zitiert. «Da kamen die feinsten Leute zu mir, an Vernissagen oder so, und es hieß: Ist es nicht großartig, dass wir Domenica jetzt solide gemacht haben...»

(Günter Zint (Hg.): Domenica. Das Fotobuch - Ich war nicht schön, ich war schlimmer, Dölling und Galitz Verlag, München/Hamburg, 80 S., Euro 19,90, ISBN 3-86218-016-6)

http://www.wn.de/Welt/Kultur/Kultur....t-Fotobuch-ueber-Domenica


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BeitragVerfasst: 2012-04-09, 16:10  Beitrag #43/43     Titel:  RE: DOMENICA - Deutschlands bekannteste Hure gestorben  Nach untenNach oben

Fotograf Günter Zint
Der Voyeur von St. Pauli


Die Kiez-Originale sterben aus, was bleibt sind die Bilder aus den großen Tage zwischen Reeperbahn und Herbertstraße: Günter Zint hat Erinnerungen an Domenica und das erloschene Hamburger Rotlichtmilieu veröffentlicht.


"Kannst ja mal durchgehen, da ist nichts mehr los", sagt Günter Zint, "geht keiner mehr hin, nur noch Touris." Und die zählen hier nicht richtig. "Die Herbertstraße lebt von ihrem alten Ruf. Die wirklichen Freier gehen da nicht mehr hin." Zint ist Fotograf, über Jahrzehnte hat er auf St. Pauli Menschen aufgenommen. Nun sitzt er in einem alten Sessel im St. Pauli-Museum, das er eingerichtet hat, nicht weit von der Reeperbahn. Er erzählt von der vergangenen Zeit, die auch nicht besser war als heute, in der er sich aber wohl fühlte. Damals hatte Domenica Niehoff ihr Studio in der Herbertstraße, die in Hamburg zwischen der Reeperbahn und den Landungsbrücken am Hafen liegt. Zint hat es ihr damals vermittelt.


Die Frau mit der mächtigen Oberweite und dem eindringlichen Blick war damals, in den achtziger Jahren, zunächst eine von vielen Huren in der Straße. Dann wurde sie für ein paar Jahre ein Medien-Star, eine Art Heidi Kabel der Hamburger Nacht. Promis besuchten sie im Studio und schmiegten sich in Talkshows bei ihr an. Sie wurde benutzt, und sie ließ sich benutzen. "Sie wusste", sagt Zint, "mit was für Rüpeln sie sich einließ. Es war ein Geben und Nehmen. Sie wusste, dass sie Schmuckwerk war." Domenica nutzte ihre Prominenz und war eine der Ersten, die dafür kämpften, dass auch Prostituierte Rechte bekamen. Als sie auftrat, wurde plötzlich über das Leben von Huren gesprochen. Einige Jahre lang betreute sie nach ihrem Ausstieg aus der Herbertstraße noch als Sozialarbeiterin junge Huren.

"Ich war nicht schön, ich war schlimmer"

Nun hat Zint eine eindrucksvolle Foto-Biographie über sie gemacht, die heißt nach einer Selbstbeschreibung: "Ich war nicht schön, ich war schlimmer." Erzählt wird das Leben einer öffentlichen Frau, die im Februar 2009 starb, an den Folgen einer Bronchitis. Und von einem verschwundenen St. Pauli: Wenn Domenica durch das Viertel ging, habe sie ständig Leuten zugehört, als seien sie ihre nächsten Menschen. "Hunderte hatten das Gefühl, dass sie Freunde waren, weil sie sich auf jeden eingelassen hat." Über den Fotografen Zint schrieb sie in ihr Tagebuch, er verdiene "als Voyeur auf St. Pauli beim Spazierengehen sein Geld". Heute fände er schwer Motive im Quartier. Auch die Herbertstraße, sagt Zint, sei nur noch ein Museum, auch wenn noch immer Huren auf Freier warten.

Er ist weggezogen von St. Pauli, aufs Land, auf die andere Seite der Elbe. Auf der Reeperbahn mag auch er nicht mehr sein, wenn am Wochenende die Jugendlichen aus Pinneberg und anderen Hamburger Vororten durch die längst nicht mehr verruchten Straßen ziehen, oft schon betrunken, bevor sie aus der S-Bahn aussteigen. Er redet über Originale des Viertels wie Domenica, von denen es immer weniger gibt. "Die sterben weg", sagt er, "die gibt es nicht neu."

http://www.sueddeutsche.de/kultur/f....ur-von-st-pauli-1.1328196


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