::: Sicherheit und Qualität der SERVICES für Sexworker :::

Hier werden die Sicherheitsmaßnahmen für SexarbeiterInnen gesammelt, welche später auf unserer Webseite veröffentlicht werden. Wer Tipps zum Thema hat, oder Links kennt, bitte hier posten!
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Marc of Frankfurt
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Fachveröffentlichung

#61

Beitrag von Marc of Frankfurt » 2012-11-27, 19:03

Hier kommt ein neues Highlight
Fachwissen aus dem Infrastruktur-Umfeld zur Sexarbeit:


Methodenhandbuch
Aufsuchende Straßen-Sozialarbeit für Sexworker die out-door arbeiten



Insbesondere für Romafrauen aus Ungarn, die in der Banken-Metropole Zürich anschaffen (Internationale Pendlermigration).


Es geht um:
- Sozialhilfe / Berufskodex
- Sexarbeit / Marktgesetze
- Zürich, Schweiz - 3 Orte in Ungarn
- Straßenprostitution
- Zuhälter
- Roma
- Migration
- Prekariat / Armut
- Trauma (PTBS)
- Selbsthilfe / Arbeitsorganisation
- EU-Politik
- Globalisierung
- ...



Dies ist für unser intl. Sexworker Forum das erste "Lehrbuch" zur Sozialarbeit für Sexworker.
Es ist somit indirekt auch ein Lehrbuch für Sexwork d.h. für uns Sexworker.
Und es ist auch ein Lehrbuch für alle Helfer im Sexworker Forum, die Vorort-Straßensozialarbeit und Notfallhilfe leisten.


Ich habe hier eine kommentierte Version eingestellt, weil ich viele Defizite oder Verbesserungsbedarf festgestellt habe.

Aber Achtung für alle Sexworker beim Lesen: WARNUNG Trigger-Gefahr.


Hier gibt es die zugehörige Studie und den Strichplan (Sperrgebiet) Zürich:
www.sexworker.at/phpBB2/viewtopic.php?t=2388

Es geht um 4 Hilfprojekte, die von den reichen Schweizern finanziert wurden, weil die Sexworker-Migrantinnen, die am Straßenstrich in Zürich auftauchen aus 3 Orten in Ungarn stammen und zumeist Roma sind... Eine internationale Kooperation der Helfer-Industrie zugunsten von Sexworker-Migrantinnen.
Dateianhänge
Methodenhandbuch - Aufsuchende Straßensozialarbeit für Out-door Sexworker in Zürich - kommentiert.pdf
– Methodenhandbuch –

Aufsuchende Sozialarbeit
für ungarische Strassenprostituierte
in ungarischen Städten und in Zürich

kommentierte Version
74 Seiten
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Sexworker an Helferindustrie

#62

Beitrag von Marc of Frankfurt » 2013-04-01, 14:41

Aus Kanada:


Werkzeugkasten - Toolbox:

Was für Sexworker funktioniert - What Works for Sex Workers



An expanded toolkit of information, strategies and tips
for service providers working with sex workers.

Tips for Social Service and Community Workers
Tips for Health Care Professionals
Tips for Police Officers
Tips for Media Professionals
Tips for Criminal Justice Personnel
Tips for Policy Makers . . .



Edited by Frederique Chabot
for POWER (Prostitutes of Ottawa/Gatineau Work Educate Resist)
Canada:

www.powerOttawa.ca/POWER_Report_TheToolbox.pdf

76 pages



TEN REASONS TO FIGHT FOR THE
DECRIMINALIZATION OF SEX WORK


Nengeh Mensah and Chris Bruckert
Seiten 62-66

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Handbuch f. Sozialarbeit

#63

Beitrag von Marc of Frankfurt » 2013-07-05, 11:41

Hand book of (European) Harm Reduction
(community organising / outreach / aufsuchende Straßensozialarbeit / Gassenarbeit: drugs, sex work, party scene, prison setting...)


Deutscher Dachverband in diesem EU geförderten Netzwerk:
Akzept e.V. Bundesverband Berlin www.akzept.org

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Projekt der Sex Worker Open University

#64

Beitrag von Marc of Frankfurt » 2013-09-05, 15:53

Sexworker in England gründen selbst ihre Beratungs-Hotline:

Confide: sex worker community support




Bild




www.confideInfo.com

www.facebook.com/confidesupport

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Marktkräfte der Hilfe

#65

Beitrag von Marc of Frankfurt » 2013-09-30, 15:32

Die Grenzen der Sozialarbeit


Sie hängen für Sexworker mit dem Prostitutionsstigma zusammen.

Das Stigma markiert die Tabugrenze und ist die softe Variante der Kriminalisierungsgrenze, die erst durch einen formalen Gesetzgebungs- oder Rechtsprechungsprozess gezogen wird. Es sind diese Grenzen der Mainstream- oder Mehrheitsgesellschaft zur Außenwelt, zwischen dazugehören und draußen sein. Alice Schwarzer hat die wg. Prostitution (Sexarbeit, Pay6konsum, Drittpartei-Management) nicht zur Gesellschaft gehörenden -jedenfalls nach ihrer fundamentalistisch-feministischen Lehre- daher einmal sehr krass abwertend als "sozial Tote" bezeichnet.

Sozialarbeit ist nur diejenige erst vor wenigen Jahrzehnten neuerfundene und inzwischen akademisch charakterisiserte und auch regulierte Arbeit, die das Soziale fördern oder abgetrennte, ausgegrenzte und daher benachteiligte, leidende Bereiche "heilen" will (Inklusion durch Empowerment).

(Die Ausgrenzung und seine Wirkung auf Sexworker als Menschen und Wirtschaftstreibende ist für mich anschaulich vergleichbar mit dem Embargo vom Staat USA gegen Kuba. Dieses zerschnittene Kommunikations- und Wirtschaftsband zwischen den Menschen und Nationen, hat auf der Seite von Kuba prekäre wirtschaftlich-sozialen Verhältnisse wesentlich verschärft, wenn nicht gar verursacht. Ganz anders zwischen Nationen, wo gemeinsam ausgehandelter freier oder bedarfsweise geschützter Handel möglich ist.)

Um soziale Verbindungen und Prozesse wieder in Gang zu bringen, kann die Sozialarbeit nur von dem offiziellen Verständnis von Gesellschaft und Lebensweisen ausgehen, was von der Mehrheitsgesellschaft und den die Sozialarbeit finanzierende Geldgeber/Entscheidungsträger auch akzeptiert wird (Machtfrage). Ausgegrenzte Minderheiten oder Randgruppen haben jedoch häufig ihren abweichenden Lebenspraxen entsprechend andere Wertvorstellungen, sonst gäbe es sie und ein Problem möglicherweise gar nicht.

Insofern ist Sozialarbeit nur möglich und erfolgversprechend, wenn es keine dagegenstehenden Gesetze gibt (kriminalisierter Drogengebrauch, illegalisierte Migration, verbotene Prostitution...) und darüberhinaus auf der soften Ebene die potentiell-hilfeempfangenden Außenstehenden den Anschluß oder Wechsel hin zum Mainstream auch akzeptieren oder wirklich wollen. Laura Agustin hat dazu folgendes Meme gefunden:

Bild

Wenn aber die Stigmagrenze oder Kriminalisierungsgrenze nicht überwunden werden können durch Bewustseinswandel (Gehirnwäsche/Konvertierung) oder Statuswechsel (Legalisierung, Heirat, Exit), sieht es schlecht aus. Dann ist Sozialhilfe mehr eine kontrollierende Begleitung der real existierenden Verhältnisse und Problemzonen. Sozialhilfe wird dann zu einer Instanz, wo die Gesellschaft ihren Anteil der Verantwortung für die zugrundeliegenden Trennungsprozesse delegieren kann und ein Restmaß von Kontrolle oder Informationsgewinnung stattfinden kann (Servicestatistiken oder Prostitutionsstudien am Beratungsstellenklientel). Das hat dann jedoch eine Re-Stigmatisierung, also eine Bekräftigung des Stigmas zur Folge, weil jeder Außenstehende sofort sieht, aha es gibt viele Sozialberatungsstellen für Prostituierte, also muß bei der Prostitution ein besonderer Bedarf aufgrund einer gesteigerten Problemlage vorhanden sein.


___


Social-work projects fail sex workers despite helping-hands image

http://www.lauraagustin.com/social-work ... hands-imag





Wir Sexworker und Kaufleute kennen dieses Grundgesetz der Attraktion (Anziehung) aus einer anderen, der wirtschaftlichen Perspektive. In den meisten Fällen und Sexarbeits-Settings warten wir, bis der Kunde auf uns zu kommt (er muß als erster etwas wollen), bevor wir ihm unser Dienstleistungsangebot schmackhaft machen (kobern; Ausnahmen bestätigen die Regel;-).

Kaythi Win hat das in ihrer Plenarrede in Istanbul treffend ausgedrückt: "It is sex workers who make money. And by understanding men and what it is they want from us, we usually end up walking away from them with more money than they agreed to give us at the beginning."
AWID 2012 www.sexworker.at/phpBB2/viewtopic.php?p=114598#114598

In der Betriebswirtschaftslehre ist das das Hooker-Prinzip
www.sexworker.at/phpBB2/viewtopic.php?p=131317#131317
Dahinter steht eine Machtfrage, die sich im richtigen Timing konkretisiert.
Macht insofern, als hier Leistung gegen Geld verkauft wird (Marktmacht, Kontrahierungs-, Vertragsmacht).

Aber auch bei dem sozialarbeiterischen Austausch von Hilfeleistungen ohne Bezahlung gibt es ein notwendiges Machtgefälle. Sonst gäbe es keine professionellen Anbieter mit hochentwickelten genau definierten Leistungen.

Zum Problem bei der Sozialarbeit kommt jedoch hinzu, dass Hilfe ehrenamtlich, pro bono, für lau zu erfolgen hat (und das entgegen der Volksweisheit "was nichts kostet ist auch nichts"). Das ist so sowohl weil der Hilfsbedürftige evt. nichts hat, aber auch weil es hier wie in der Politik/Interessensvertretung ein Geld/Geschäftemachen-Tabu gibt (Tabu der Käuflichkeit).

Ohne Geld läßt sich allerdings keine professionelle Hilfe organisieren, es wäre ohne Gehälter nie ein Feld von Berufstätigkeit entstanden (gut gebildete weiße christliche Mittelschichtsfrauen in kirchlischen Hilfsorganisationen haben sich so über Berufstätigkeit die ersten Frauenrechte erkämpft, wie Laura in ihrem Standardwerk so treffend analysiert hat). Also fließt das notwendige Geld über einen 3ten Weg und kommt von Spendengebern oder vom Staat, die dadurch einflußreich werden. Das hat zur Folge, dass sich die Sozialarbeiter teilw. mehr nach den Anforderungen der Geldseite als der Bedürfnisseite richten (Informationsmaterial ist teilweise aufwendiger bei Rechenschaftsberichten als bei Infomaterial für das eigene Klientel). Zumindest in den Aspekten wem die Angestellten sich rechenschaftspflichtig und entgegenkommenpflichtig fühlen ("wesen Brot ich esse, dessen Lied ich singe"). Gegenüber Sexworkern entwickelt sich so unbewußt ein paternalistisches Gehabe ("wir wissen schon was ihr braucht. Wir haben das 4 Jahre lang studiert, auch wenn wir über Sexwork nur ne Vorlesung oder Wochenendseminar hatten").

Bei der gemeinsamen Arbeit von Sexworker-Aktivisten mit Sozialarbeitern kommt noch ein Abgrenzungsproblem hinzu zwischen den Kompetenzen im Feld Sexarbeit, im Feld Sozialarbeit und um die wenigen Stellen und spärlichen Finanzierungen mit oftmals geteilten und zeitlich befristeten Jobs.





Vergleicht man nun die angesprochenen Themenaspekte Sozialarbeit - Prostitutionsstigma - Machtfrage, so stellt man fest, dass sie allesamt verknüpft sind, wenn sie nicht sogar dieselbe Wurzel haben (Chancen- und Ressourcenverteilungsfrage). Diejenigen, die von den normalen Machtverteilungsprozessen ausgeschlossen sind, die sammeln sich in Randgruppen, die suchen sich alternative Überlebens- oder Tätigkeitsfelder, wozu auch die Migration und Sexarbeit gehören. Und da ist dann auch das Tätigkeitsfeld der Sozialhilfe, welche weder am gesellschaftlichen Machtgefüge, noch an den Prostitutionsursachen oder -verhältnissen Wesentliches beeinflussen kann.

Möglicherweise haben wir aber auch einfach nur ein zu hohes Erwartungniveau, wenn wir uns nicht damit zufriedengeben wollen, dass Sozialarbeit in weiten Bereichen nicht mehr als ein Pflaster auf bestehende Wunden gesellschaftlicher Widersprüch sein kann, sondern insgeheim glauben gemacht wurden, dass "sozial Tote" wieder zum Leben zu erwecken wären. *lol* Was für ein Aberglaube.


__
Wie sich Ungleichheit auf die Gesellschaft auswirkt, wurde vor ein paar Jahren empirisch nachgewiesen
Richard Wilkinson und Kate Pickett www.sexworker.at/phpBB2/viewtopic.php?p=76189#76189

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Best Practice Beispiele

#66

Beitrag von Marc of Frankfurt » 2013-10-07, 00:38

Bild


Implementing Comprehensive HIV/STI
Programmes with Sex Workers

www.who.int/hiv/pub/sti/sex_worker_impl ... index.html

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Interessenvertretung selbst organisieren

#67

Beitrag von Marc of Frankfurt » 2013-10-07, 00:54

Wenn die Meinung der NGO-Beratungsstellen nicht mit der der von ihnen betreuten Sexworkern übereinstimmt:

The Ambivalence of Advocacy: Representation and Contestation in Global NGO Advocacy for Child Workers and Sex Workers


Hahn, Kristina & Anna Holzscheiter (Free University Berlin)
2013

"The ascription of identities by advocacy NGOs to their beneficiaries is an empirically contested phenomenon."

"When the allegedly weak and “voiceless” persons whom advocacy NGOs claim to represent start to defend their own interests and publicly contradict the positions advocated on their behalf, conflict between these groups arises. We observe this dynamic particularly concerning the “abolition” of harmful practices, such as child work and prostitution. Child workers and prostitutes contest the way in which they are portrayed by their advocates in public discourse and especially resist the ascription of a “victim” identity."

www.polsoz.fu-berlin.de/polwiss/forschu ... vocacy.pdf

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Strategic Plan

#68

Beitrag von Marc of Frankfurt » 2013-10-30, 14:01

Visionsentwicklung:

Im Land mit den besten Sexwork-Arbeitsbeingungen, in NSW Australien, wo Prostitution 1995 entkriminalisiert wurde, da leistet SWOP Hilfe für Sexworker und stellt nun sein Leitbild und Zukunftspläne vor:


Bild
SWOP's Executive Director Kylie Tattersall


Strategischer Plan und Leitbild von SWOP - Sex Worker Outreach Project


www.swop.org.au/sites/default/files/str ... 13_Web.pdf


SWOP Sydney
www.swop.org.au/node/361/


Per on-line Fragebögen an die Sexworker und in internen Beratungsrunden ist dieses Dokument gemeinsam erarbeitet worden. Vorbildlich.

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