Projekt SXA-Info

Kompetente Beratungsstelle aus Graz/Stmk! Seit 2009 bietet SXA-Info Beratung, Information und auch Hilfestellung für SexarbeiterInnen. Das palaver_connected (Griesgasse 8, 8020 Graz) ist ein Internetcafé für Frauen. Hier gibt es PC-Arbeitsplätze, gemütliche Kaffeehausatmosphäre und verschiedene Veranstaltungen. Eine Empfehlung von sexworker.at!
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Projekt SXA-Info

#1

Beitrag von palaver_connected » 2009-07-20, 11:27

Wer wir sind
SXA-Info: Information und Beratung für Sexarbeiterinnen und MultiplikatorInnen, das ist unser - zugegeben etwas sperriger - Projektname.
Nach einiger Anlaufzeit haben wir im Mai 2009 unsere Arbeit begonnen.

Wer hinter uns steht
SXA-Info ist ein Projekt des Verein FRAUENSERVICE Graz ( www.frauenservice.at ).
Das FRAUENSERVICE gibt es seit 25 Jahren. Kerninhalte unserer Arbeit sind Bildung und Beratung für Frauen. Das Projekt selbst ist im Internetcafé palaver_connected angsiedelt.
Von 1999-2001 gab es im FRAUENSERVICE das Projekt "Gesund anschaffen" ( http://www.frauenservice.at/index.php?o ... 59&lang=de ), d.h. wir sind in Bezug auf Sexarbeit kein ganz unbeschriebenes Blatt.

Was wir anbieten
Informationen zu Sozialversicherung, Neue Selbstständigkeit, Aufenthalt, Gesundheit, etc.
Beratung für persönliche Anliegen

Das Informations- und Beratungsangebot ist anonym und kostenlos. Unsere Mitarbeiterinnen besuchen Bordelle und Laufhäuser in der Steiermark um vor allem SW in den Regionen einen einfachen Zugang zu ermöglichen.
Wir geben Präventionsartikel wie Kondome, Gleitgel, etc. zu sehr günstigen Preisen weiter.

Das palaver_connected (Griesgasse 8, 8020 Graz) ist ein Internetcafé für Frauen ( http://www.frauenservice.at/index.php?o ... 58&lang=de ). Hier gibt es PC-Arbeitsplätze, gemütliche Kaffeehausatmosphäre und verschiedene Veranstaltungen. Das palaver_connected dient auch als Anlaufstelle für SW, wenn sie bestimmte Informationen suchen.

Die Frauenberatungsstelle (Idlhofgasse 20, 8020 Graz) informiert und unterstützt Frauen in persönlichen und beruflichen Entwicklungsprozessen durch Rechtsberatung, psychologische Beratung, Arbeits- und Sozialberatung ( http://www.frauenservice.at/index.php?o ... 56&lang=de ).
Alle Beratungsangebote sind vertraulich und kostenlos. Bei Bedarf kann auch eine Dolmetscherin angefordert werden. Bitte unbedingt einen Termin vereinbaren!
Beratungen sind persönliche, telefonisch und per eMail möglich.
( http://www.frauenservice.at/index.php?o ... 83&lang=de )

Der Bereich ZiB - Zurück in den Beruf ( http://www.frauenservice.at/index.php?o ... 36&lang=de ) bietet Kurse für Wiedereinsteigerinnen nach Karenz, Frauen ohne klare berufliche Ziele, Arbeit suchende Frauen und SW, die "aussteigen" wollen, an.
In den ZiB Kursen haben die Teilnehmerinnen die Möglichkeit individuelle Hürden für einen erfolgreichen Einstieg in den Arbeitsmarkt zu bearbeiten und mit unserer Unterstützung zu überwinden. Ziel ist der Entwurf von realistischen Karriereplänen unter der Berücksichtigung der persönlichen und familiären Situation.

Was wir vorhaben
Vorerst ist für uns wichtig uns gut zu Vernetzen, Erfahrung zu sammeln und das Projekt für die Steiermark (v.a. finanziell) abzusichern um längerfristig arbeiten zu können.
Die wichtigsten Vereinsziele des FRAUENSERVICE sind die Chancengleichheit und Gleichstellung von Frauen und Männern in allen Bereichen unserer Gesellschaft und die Stärkung von Autonomie, Selbstbestimmung und Existenzsicherung von Frauen. D.h. auch, dass wir SW solidarisch bei der Durchsetzung ihrer Rechte unterstützen wollen.

Kontakt:
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Griesgasse 8
8020 Graz
Infos zum Projekt
birgit.mayerhofer@frauenservice.org
+43 316 712448 12
+43 699 122 62 319
Streetwork:
michaela.langeder@frauenservice.org
petra.gugler@frauenservice.at
+43 681 10305868
BildFrauenserviceFRAUENSERVICE

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#2

Beitrag von Zwerg » 2009-07-20, 11:34

Herzlich Willkommen auf sexworker.at :-)

Ich freue mich in diesem Fall ganz besonders, da ich Euer Projekt schon seit längerer Zeit beobachte und Euch gerne in jeder erdenklichen Weise unterstützen möchte!

Fühlt Euch auf alle Fälle wohl bei uns! Für Fragen oder sonstige Anliegen stehen unsere ModeratorInnen und auch meine Minimalität gerne zur Seite.

Liebe Grüße

Christian

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Begrüßung

#3

Beitrag von Marc of Frankfurt » 2009-07-20, 18:32

Hallo Birgit, Michaela und Petra,



danke für Eure Projektvorstellung. Das Konzept mit Internetcafé-Beratungsangeboten-Sexworkthemen klingt sehr zeitgemäß und gut.

Ich wünsche Euch viele Kontakte und Hilfsmöglichkeiten mit den örtlichen Sexworkern, viel Erfolg mit längerfristiger Finanzierung und daß Ihr hier auch ab und an vorbeischaut und evt. Tipps und Links postet.



Auf gute Vernetzung.
LG,
Marc

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#4

Beitrag von nina777 » 2009-07-20, 20:40

Hallo

Auch von mir einen herzlichen Willkommensgruß!

Liebe Grüße Nina
I wouldn't say I have super-powers so much as I live in a world where no one seems to be able to do normal things.

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#5

Beitrag von Zwerg » 2009-07-21, 11:17

Ich habe den Beitrag in den öffentlichen Bereich verschoben - damit auch nicht eingeloggte SexarbeiterInnen entsprechende Einblicke bekommen. :-)

Liebe Grüße

Christian

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#6

Beitrag von Zwerg » 2010-03-04, 11:37

Blanca und meine Minimalität hatten Gestern die Ehre bei SXA-Info im Cafe palaver_connected, Griesgasse 8 in 8020 Graz "dabei sein zu dürfen"....

Was soll ich sagen? Ich bin zutiefst beeindruckt - und gleichzeitig ein wenig eifersüchtig, dass es einen derartigen Treffpunkt in Wien nicht/noch nicht gibt!

Frau Birgit Mayerhofer und ihre MitarbeiterInnen, erwiesen sich als überaus kompetente engagierte GesprächspartnerInnen, welche uns nicht nur Einblicke in die Arbeitsweise der Beratungs- bzw. Gesprächsstelle (dort ist man nicht nur willkommen, wenn man Beratung sucht) gewährte, sondern auch recht deutlich die Unterschiede zum "Wiener Modell" aufzeigten.

Für mich persönlich war es überraschend wie herzlich das Gespräch verlief und ich kann mir durchaus vorstellen bzw. würde mir wünschen, die eine oder andere Geschichte gemeinsam anzudenken und auch umzusetzen. Wir werden auf alle Fälle bemüht sein, dass es dazu kommt.

Noch ein Wort zu den örtlichen Gegebenheiten: Das Cafe selbst lässt sich am Besten so beschreiben: Wohlfühleinrichtung - funktionell (es ist ein (nur für Frauen zugänglicher) Bereich zur Internetnutzung, genauso wie Gesprächszonen vorhanden) - mit anderen Worten - Ein Ort auf dem man "auf einen Kaffee" vorbeischaun sollte! Für mich persönlich ist Eines klar - wenn "wir" in Zukunft Gespräche/Verifizierungen/Beratungen in Graz haben, dann ist das Cafe Palaver Connected die erste Adresse vor Ort!

Was bleibt noch zu sagen? Viel! Ich würde mich ehrlich freuen, wenn sich hier eine Zusammenarbeit bei dem einen oder anderen Anliegen der SexarbeiterInnen ergeben würde...

Ich freu mich schon auf das nächste Gespräch und ich bedanke mich, im Namen unserer Gemeinde, für die Gastfreundschaft!

Liebe Grüße

christian

(PS.: Wenn wer vom SXA-INFO-Team nach Wien kommt, meldet Euch bitte - Ihr seid herzlich eingeladen!)
Zwerg

Kontakt per PN oder über das Kontaktformular:
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Notfälle: ++43 (0)676 413 32 23

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#7

Beitrag von Blanca » 2010-03-04, 11:43

Auch ich möchte mich diesem positiven Eindruck und dem Dank anschließen. Es war ein sehr bereichernder, interessanter und herzlicher Abend.
Es ist schön, daß es diese Einrichtung gibt. Die Menschen dort machen das Café zu einem Ort, wo man/frau sich wirklich wohl fühlt.
Ich freue mich auf eine gute Zusammenarbeit und wünsche euch viel Erfolg!

Liebe Grüße,

Blanca

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Grundsätze, die unser Handeln leiten

#8

Beitrag von palaver_connected » 2010-07-29, 12:01

Liebe Community!
Wir, das Team von SXA-Info (Steiermark), haben basierend auf dem Leitbild (http://www.frauenservice.at/files/verei ... d_2010.pdf) unserer Trägerorganisation FRAUENSERVICE versucht "Grundsätze, die unser Handeln leiten" zu erstellen. Transparenz ist uns wichtig. Deshalb möchten wir auch veröffentlichen, wofür wir stehen.
Da wir aus unserem Alltag heraus eine bestimmte Perspektive haben, möchten wir diese hier zur Diskussion stellen und ggf. unseren Blickwinkel erweitern.
Wir freuen uns auf Feedback, Kritik, Anregungen, ...
Herzliche Grüße,
Michi, Mischa, Birgit, Astrid

Zum Dokument Grundsätze, die unser Handeln leiten: http://www.frauenservice.at/dmdocuments ... leiten.pdf

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RE: Projekt SXA-Info

#9

Beitrag von Aoife » 2010-07-29, 17:24

Hallo,

euer Grundsatzdokument gefällt mir richtig gut :001

Allenfalls der Passus mit "sexistische Werbung" wäre eventuell nochmals zu überdenken. Ich denke ich verstehe schon, was *ihr* damit meint, jedoch wird der Vorwurf "sexistisch" von anderer Seite so undifferenziert gegen jede Form von Prostitution und Porno angebracht, dass ich befürchte, an einer solchen Formulierung könnten sich jede Menge nicht weiterführender Debatten entzünden. Was beispielsweise eine devot orientierte Frau als duchaus zu ihr passende Werbung empfinden kann, kann von NoPorn-Feministinnen als unerträglicher Sexismus dargestellt werden. Und somit befürchte ich, dass ihr mit dieser Formulierung in euren Grundsätzen Gefahr lauft, gegen das Recht der sexuellen Selbstbestimmung mancher Frauen instrumentalisiert zu werden.

Liebe Grüße, Aoife
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RE: Projekt SXA-Info

#10

Beitrag von palaver_connected » 2010-07-30, 09:24

Liebe Aiofe!
Danke für die Rückmeldung.
In der Tat ist das für uns einer der schwierigsten Punkte.
Wir haben versucht Werbung von Sexarbeiterinnen, wie wir sie aus Zeitschriften, Laufhäusern, etc. kennen anhand des Kriterienkatalogs für sexistische Werbung des DOKU Graz ( http://doku.at/cms/uploads/Kriterien%20 ... erbung.pdf ) zu diskutieren. Sind aber noch nicht sehr weit gekommen, weil die üblichen Kriterien hier meist nicht funktionieren. Das zu diskutieren wird wohl unser nächster Antrag ans Forum hier :002
Klar ist, dass wir davon ausgehen, dass jede Frau für sich entscheidet, wie sie werben will!
Uns interessiert die gesellschaftliche Auswirkung, z.B. inwiefern Klischees durch bestimmte Darstellungsformen zementiert werden.
Manche Inputs von diversen "Medientheorien" könnten vielleicht auch hilfreich sein (z.B. wie werden durch Blickrichtungen bestimmte Stimmungen inszeniert, ...).
In jedem Fall nehme ich deine Anregung auf, dass wir diesen Punkt in unseren Leitlinien spezifizieren müssen. Danke!
LG
Birgit*

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SW-Medientheorie muß noch geschrieben werden

#11

Beitrag von Marc of Frankfurt » 2010-07-30, 10:37

Medientheorien sind sicher hilfreich um den Blick zu weiten auf das gesammte akademische Wissen des Feldes. Ob das was bringt kann ein Vergleich verdeutlichen z.B. wie hilfreich es ist die Gender- und Geschlechtertheorien zur Sexarbeit zu befragen. Da sieht man wie karg und defizitär das Wissen (bis auf löbliche Ausnahmen) doch immer noch ist.

Das liegt daran, weil es bisher kaum Sexworker und Ex-Sexworker unter den ForscherInnen gibt. Also eine Situation wie bei Frauen, Gynäkologie und Feminismus vor vielen Jahren. Da mußte erst erkämpft werden, daß Frauen studieren und Ärzte und Wissenschaftler werden konnten, bevor sich materiell und inhaltlich was änderte.

Wichtig bei der Werbefrage ist die Metaebene und die strukturelle Frage. Wer macht die Werbung, wer hat die Produktionsmacht, wer hat die gesellschaftliche Diskursmacht...

Auf diese Weise nähert man sich dann über die Detailfrage Werbung unwillkürlich den Kernfragen und Tabus der Sexarbeit. Darf sich der Mensch auf einen rein sexuellen Reiz reduzieren und sich quasi selbst zur Ware und fungiblen erotischen Illusion stilisieren, nur um abspaltbare menschliche Triebe zu stimulieren, indem sie/er sich zum Medium macht, um als Medium zu wirken, um sexuelle Befriediung zu ermöglichen, um nachgefragte Sexdienstleistungen funktionierend vermarkten zu können, um damit für eine gewisse Zeit ein hohes Einkommen zu erzielen, um so ein unabhängiges, selbstbestimmtes Leben führen zu dürfen... Darf man das alles dürfen?

Ferner: Was ist mit freiwilliger Selbstkontrolle und Werberäten im Feld der Sexarbeit und zugehörigem Marketing. Wollen wir die Bewertung in den Händen fundamentalistischer Feministen und kirchlicher Moralwächter mit starkem Medienzugang belassen oder etwas mehr demokratisieren und liberalisieren und in die Hände der Akteure ein Stück weit zurückgeben. Sind die reif dafür und ist die Öffentlichkeit reif genug dafür das zu erkennen?

...

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Re: SW-Medientheorie muß noch geschrieben werden

#12

Beitrag von Aoife » 2010-07-30, 11:45

Darf ich hier diskutieren?

          Bild
Marc of Frankfurt hat geschrieben:Wichtig bei der Werbefrage ist die Metaebene und die strukturelle Frage. Wer macht die Werbung, wer hat die Produktionsmacht, wer hat die gesellschaftliche Diskursmacht...
Hier gehst du gleich exemplarisch media in res auf diese Metaebene, Marc, denn die Formulierung:
Marc of Frankfurt hat geschrieben:..., nur um abspaltbare menschliche Triebe zu stimulieren, ...
ist ja der zentrale Ausdruck der sichtbar gegen uns, grundsätzlich aber gegen jeden Menschen gerichteten gesellschaftlichen Diskursmacht der Moralisten. Neurobiologisch und psychodynamisch gehören Sexualität und Triebe des Menschen zu seinen am wenigsten abspaltbaren Eigenschaften. Sie im Diskurs für abspaltbarer als beispielsweise Moral, Anstand, religiöse Überzeugungen zu erklären ist für einen Großteil des gesellschaftlich verursachten Leidens verantwortlich.

Hier wurzeln die Versuche uns für schutzbedürftig vor uns selbst zu erklären genauso wie die zwangsläufig auftretenden Mißbrauchsfälle in den Kirchen. Denn wer Regeln aufgrund einer falschen Theorie über das Wesen des Menschen aufstellt, wird diese Ansprüche selbst ebensowenig erfüllen können wie die *anderen*, für die er diese Regeln eigentlich aufgestellt hat.

Liebe Grüße, Aoife
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#13

Beitrag von Marc of Frankfurt » 2010-07-30, 12:43

Danke für diesen Hinweis über internalisierte falsche Konzepte.


Das hilft und ist Voraussetzung das Prostitutions-Stigma zu dekonstruieren.
Nur so wird Stigma-Management für Sexworker erst erfolgreich möglich.
(Das geht dann über bloses Achtsamkeitstraining weit hinaus;-)



Zur professionellen Shamelessness / Schamlosigkeit
viewtopic.php?p=76425#76425 (sw-only)

darin etwas weiter unten auch die beachtenswerte KingKong-Strategie für Sexworker! ...

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RE: Projekt SXA-Info

#14

Beitrag von palaver_connected » 2010-07-30, 13:38

Hallo!
Ich gestehe, ich bin ein bisschen aufgeregt ... möchte ja nicht bei *euch* "durchfallen" ... beim ersten "inhaltlichen Auftritt".
Das vorab gepostete Anliegen war ja, die Positionen des SXA-Teams zur Diskussion zu stellen. Wir arbeiten theoriegeleitet, aber sehr stark praxisorientiert.
Keine von ist/war selbst Sexarbeiterin, d.h. wir können nur im Austausch mit Profis lernen. Jemanden zu bevormunden widerspricht sowohl unserem Leitbild, als auch unseren persönlichen politischen Überzeugungen.
Ich persönlich bezeichne mich als Feministin, augenzwinkernd oft als "Berufsfeministin". Der Begriff ist stark besetzt, oft abgelehnt, vielfältig interpretiert, ...
Darum möchte ich noch etwas zu meinem Verständnis von "Feminismus" sagen: Grundsätzlich begreife ich Feminismus in erster Linie als Herrschaftskritik, weil Feministinnen ein vielfältiges Instrumentarium entwickelt haben, Machtbeziehungen zu analysieren, zu hinterfragen und (im Besten Fall) Widerstand zu leisten. Auf einer theoretischen Eben finde ich Queertheorien, (De-)Konstruktionsansätze, Diversity etc. sehr interessant - auf einer beruflichen und/oder politischen Ebene sehe ich mich aber größtenteils als "Differenzfeministin". Für politische Forderungen muss man m.E. von (z.B.) "Frauen" sprechen können.
Feministinnen sind wohl ebenso wenig eine homogene Gruppe wie z.B. Sexarbeiterinnen. Ich denke genauso wie man von Frauenbewegungen sprechen muss, muss auch Feminismus in den Plural gesetzt werden.
Der Begriff "fundamentalistische Feministinnen" ist mir zu polemisch. Ich denke, ich verstehe, was damit zum Ausdruck gebracht werden soll, aber m.E. sollte man auch mit Kritiker_Innen, Gegner_Innen (wie immer man sie nennen mag) Dialog anstreben (und ich weiß wie schwierig das ist!). Dazu muss man aber genauer Benennen, wo die Auffassungsunterschiede liegen.

ad wissenschftliche Theoriebildung
(sorry, ich kann das Zitieren irgendwie nicht) "Das liegt daran, weil es bisher kaum Sexworker und Ex-Sexworker unter den ForscherInnen gibt." Dem stimme ich voll zu. Das Problem trifft die meisten "Beforschten", das wissenschaftliche Forschung tendenziell elitär ist und universitäre Systeme (in Österreich) wenig durchlässig für Quereinsteiger_Innen sind. Als wirklich tolle Ausnahme möchte ich die Britin Maggie O'Neil erwähnen, die mit Sexarbeiterinnen zu Sexarbeit forscht (und für diesen Ansatz auch kritisiert wird).

ad strukturelle Ebene(n)
"Wichtig bei der Werbefrage ist die Metaebene und die strukturelle Frage. Wer macht die Werbung, wer hat die Produktionsmacht, wer hat die gesellschaftliche Diskursmacht ... "
Auch hier stimme ich zu. Mein Anliegen war jedoch jenen Bereich zu beleuchten, wo es (unmittelbare) individuelle Handlungsmacht gibt.

"Darf sich der Mensch auf einen rein sexuellen Reiz reduzieren und sich quasi selbst zur Ware und fungiblen erotischen Illusion stilisieren, nur um abspaltbare menschliche Triebe zu stimulieren, indem sie/er sich zum Medium macht, um als Medium zu wirken, um sexuelle Befriediung zu ermöglichen, um nachgefragte Sexdienstleistungen funktionierend vermarkten zu können, um damit für eine gewisse Zeit ein hohes Einkommen zu erzielen, um so ein unabhängiges, selbstbestimmtes Leben führen zu dürfen ... Darf man das alles dürfen?"
Wenn es nach mir ginge, darf man das alles dürfen. Meine Frage war, ob man das will und was es (gesellschafts-)politisch bedeutet. (nicht mehr und nicht weniger, ich möchte betonen, dass es um eine interessierte Frage und nicht um eine Wertung geht).
Ich denke es ist schwierig "am Individuum zu diskutieren". Jede_R triff für sich die als richtig empfundenen Entscheidungen. Um als politisches Kollektiv handlungsfähig zu werden, braucht es aber Austausch und Einigung. Das könnte z.B. in Bezug auf Werbung passieren. Die Idee mit der freiwilligen Selbstverpflichtung finde ich gut!

Liebe Grüße
Birgit*

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#15

Beitrag von palaver_connected » 2010-07-30, 13:41

PS: beim Durchschau'n ist mir aufgefallen, dass der Letzte Absatz mit "darf man das dürfen" mißverständlich sein könnte - meine Frage bezieht sich ausschließlich auf Werbeformen.

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#16

Beitrag von sexy22 » 2010-07-30, 14:21

Ich finde das sehr gut das es solche anlaufstellen für frauen gibt

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#17

Beitrag von Marc of Frankfurt » 2010-08-04, 14:03

Hallo Birgit,


ich hätte evt. besser den Terminus "abolutionistische Feministinnen" nutzen sollen, wie ich gerade durch diese Diss erinnert werde:
http://sexworker.at/phpBB2/viewtopic.php?p=84998#84998

Manche etablierten Feministen z.B. Alice S. sind für uns Sexworker wie Brandstifter gegen die man besser demonstriert.

Danke für den Link zu feministischen Werbe-Analyse. Hier das klassisches Gegenbeispiel: Sexworker-Tipps zur Selbst-Inszenierung von Dr. Annie Sprinkle:
viewtopic.php?p=63621#63621

Also besteht noch Bedarf beide antithetischen Sichtweisen in einer höherliegenden Synthese zu vermählen...


Die Britin Maggie O'Neil war mir bisher nicht so bekannt aber ihre Kollegin Teela Sanders, die hier im Forum oft zitiert wird und mit der sie gemeinsam einen 'Klassiker' über Sexwork verfasst hat.

Ich hoffe wir lernen uns über die Zeit via SW Forum besser kennen.


LG nach Linz,
Marc

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#18

Beitrag von Aoife » 2010-08-06, 19:02

Hallo,

nachdem ich das oben verlinkte .pdf http://doku.at/cms/uploads/Kriterien%20 ... erbung.pdf durchgelesen habe, scheint mir eine Diskussion über sexistische Werbung (nach den dort zugrundegelegten Kriterien) in der Prostitution grundsätzlich unmöglich zu sein.

Die verwendete Definition von "sexistisch" beruht ja auf der Unterscheidung von (biologischem) sex und (sozial konstruiertem) gender. Alleine schon diese Unterscheidung ist höchst hypothetisch. Aber selbst einmal angenommen, sie sei eine tragfähige Diskussionsgrundlage, so wird sie bei der Sexismus-Debatte ja auf Situationen angewandt, in denen gender-Kriterien benutzt werden, um Produkte zu bewerben, die weder mit sex noch mit gender zu tun haben. So ist schon das erste der "Gegenargumente aus feministischer Sicht" (Bei der Kritik an sexistischen Darstellungen geht es nicht um die Kritisierung von Sexualität und Nacktheit per se, sondern um die Kritik an der Benutzung der weiblichen Sexualität für Werbezwecke und der damit verbundenen Herabwürdigung der Frau, S.13, Punkt 4.1) nicht anwendbar ohne Prostitution an sich zu verurteilen. Wenn eine Kritik dadurch gerechtfertigt werden soll, dass sie sich nicht gegen Sexualität per se, sondern nur gegen das Benutzen von Sexualität zu Werbezwecken richtet, so richtet sie sich unvermeidbar eben doch gegen Sexualität, wenn der Werbezweck ist, die Sexualität zu bewerben. Die a priori unterstellte Behauptung, das Benutzen von weiblicher Sexualität zu Werbezwecken sei mit einer Herabwürdigung der Frau verbunden, wird durch das Experiment diese Aussage auf Prostitutionswerbung anzuwenden als prostitutionsfeindlich erkennbar. Und auch die Aussage, diese Sexismusdefinition richte sich "nicht gegen Sexualität per se" wird offenkundig unrichtig. Sofern es sich dabei nicht nur um ein Lippenbekenntnis zur Sexualität handelt, um den antizipierten Vorwurf der Blaustrümpfigkeit bereits im Vorfeld rhetorisch zu entkräften, *muß* in diese Sexismusdefinition die Aussage aufgenommen werden, dass sie auf Prostitutionswerbung nicht anwendbar ist.

Und all das gilt wie bereits erwähnt nur unter der Bedingung, dass die Unterscheidung zwischen biologischem sex und sozial konstruiertem gender überhaupt belastbar ist, woran deutliche Zweifel bestehen.

Liebe Grüße, Aoife
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#19

Beitrag von Marc of Frankfurt » 2011-05-17, 13:16

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