Zwangsuntersuchung Schnirchgasse wird immer schlimmer

Abgesehen vom Fehlen der nötigen Hilfsinstitutionen für Sexworker findet hier auch alles Platz, was ihr an bestehenden Einrichtungen auszusetzen habt oder loben wollt
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Lycisca
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#301

Beitrag von Lycisca » 2011-01-13, 09:38

UNGARN SCHAFFT DIE ZWANGSUNTERSUCHUNGEN VON SEXARBEITERINNEN AB!
Das ist auch für Österreich eine sehr erfreuliche Nachricht: Durch das Urteil des ungarischen Verfassungsgerichtshofs wurde anerkannt, dass die UN Konvention von 1950 gegen Menschenhandel und die Ausnützung der Prostitution anderer Menschenrechte für SexarbeiterInnen definiert. Zwar ist die Konvention von Österreich nicht ratifiziert, doch sie ist von der Mehrzahl der Mitgliedsstaaten des Europarats ratifiziert (wobei diese Mehrzahl auch einen überwiegenden Anteil der Bevölkerung repräsentiert) und stellt somit im Fall eines Verfahrens vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte eine Gemeinsamkeit der europäischen Wertvorstellungen dar, die vom Gerichtshof berücksichtigt wird und der sich Österreich unterordnen muss.

Darüberhinaus begründet der Verfassungsgerichtshof das Urteil mit der Menschenwürde der SexarbeiterInnen, die durch die Registrierung verletzt wird, weil sie die Grundlage für Stigmatisierung liefert. Insofern, als die Praxis in Österreich diese Menschenwürde bereits in Bezug auf fundamentale absolute Grundrechte der Europäischen Menschenrechtskonvention verletzt, wie das Verbot erniedrigender Behandlung (UN Fachausschuss gegen Folter, 2010), ist es nur mehr eine Frage der Zeit (10 Jahre), bis entweder Österreich wegen der Registrierungspflicht vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte verurteilt wird, oder der Verfassungsgerichtshof die entsprechenden gesetzlichen Bestimmungen und Verordnungen im Zuge eines Gesetzprüfungsverfahrens aufhebt, Das wahrscheinlichste Szenario, wie es dazu kommt, ist eine Anzeige wegen illegaler Prostitution, die im Instanzenweg bekämpft wird (und die sowohl die Legitimation zur Verfassungsbeschwerde als auch zur internationalen Beschwerde liefert).

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Zwangsuntersuchung ist Diskriminierung und bringt nichts !!!

#302

Beitrag von Marc of Frankfurt » 2011-04-02, 14:52

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"Geschlechtskrankheitenuntersuchungen Wien und Sonstwo":
www.sexworker.at/phpBB2/viewtopic.php?p=96531#96531




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sexual_health_testing.pdf
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RE: Zwangsuntersuchung Schnirchgasse wird immer schlimmer

#303

Beitrag von Zwerg » 2011-04-02, 20:59

Wenn ich in dem Beitrag höre, dass die Zwangsuntersuchung in Österreich nicht "diskutierbar" ist, so kann ich nur feststellen: Menschenrechte sind tatsächlich nicht diskutierbar! Und die Abschaffung von Zuständen, die zweifelsohne als menschenverachtend und auch verletzend gelten, sollte ein dringliches Thema für jeden Politiker dieses Landes sein!

Die "ExpertInnen", welche sich für die Beibehaltung der bisherigen Übel aussprechen, muss man sich einmal genauer ansehen.... Man fragt genau die Leute, welche diese Untersuchungen durchführen, ob sie sinnvoll wären. Um diese Antwort vorweg zu nehmen, hätte es keiner Arbeitsgruppe Prostitution gebraucht - und die Antwort auf die Frage "Warum in dieser Arbeitsgruppe keine einzige Prostituierte zugelassen wurde" - ist man uns bisher auch schuldig geblieben.

SexarbeiterInnen wollen weder vom Gesundheitsamt, noch von Polizei, Ministerium oder auch SozialarbeiterInnen vertreten werden. Sie wollen ihre eigenen Belange selbst mitbestimmen. Dieses Recht darf ihnen nicht vorenthalten werden!

Wenn SexarbeiterInnen am Tisch mit dabei wären, hätten einige ExpertInnen mit ihrer Einschätzung der Lage ein Problem - deshalb boykottiert man die wahren ExpertInnen zum Thema.

Es erscheint mir noch Etwas wichtig: Das sich SexarbeiterInnen wünschen würden, falls die Abschaffung der Zwangsuntersuchungen nicht "disktutierbar" sei, nicht mehr wöchentlich in die Schnirchgasse pilgern zu müssen - hinterlässt bei mir einen bitteren Nachgeschmack! Eine Frau zu Fragen, ob sie lieber einen Fausthieb oder eine Ohrfeige hätte und dann die Ohrfeige als Wunsch anzunehmen ist für mich nicht nachvollziehbar! Niemand soll/darf geschlagen werden! Nicht der leichtere Schlag ist das Ziel!

Auch für SW ist nicht das Ziel seltener zwangsuntersucht zu werden. Es ist der Wunsch vielmehr das Verlangen, dass jegliche kriminalisierende, stigmatisierende und erniedrigende Behandlung sofort eingestellt wird.

christian

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Re: RE: Zwangsuntersuchung Schnirchgasse wird immer schlimme

#304

Beitrag von Aoife » 2011-04-02, 22:36

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Zwerg hat geschrieben:Die "ExpertInnen", welche sich für die Beibehaltung der bisherigen Übel aussprechen, muss man sich einmal genauer ansehen.... Man fragt genau die Leute, welche diese Untersuchungen durchführen, ob sie sinnvoll wären.
Auch an MedizinerInnen im öffentlichen Gesundheitsdienst sind gewisse ethische Forderungen zu stellen. Und dass hier für die eigene Arbeitsplatzsicherung die Gesundheit der Bevölkerung geopfert wird, ist nicht nur moralisch unanständig, sondern gehört nach Auffassung der WHO Europa vor Gericht gestellt und als Verbrechen abgeurteilt.

Liebe Grüße, Aoife
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Re: RE: Zwangsuntersuchung Schnirchgasse wird immer schlimme

#305

Beitrag von ehemaliger_User » 2011-04-03, 08:22

Zwerg hat geschrieben:Man fragt genau die Leute, welche diese Untersuchungen durchführen, ob sie sinnvoll wären.
Das ist nicht von vornherein negativ. Wer soll sonst gefragt werden? In Deutschland waren es gerade Leute aus den Gesundheitsämtern, die die Abschaffung des "Bockscheins" forderten. Und es waren Politiker in Bayern, die daraufhin die "Hygieneverordnung" erliessen.

Ich könnte auch argumentieren (wenn denn SexarbeiterInnen zu diesem Thema mit am Tisch sitzen würden): "Man fragt genau die Leute, die das nicht wollen"

Die Zwangsuntersuchung als Mittel zur Erhaltung der "Volksgesundheit" ist für mich total unsinnigl, denn sonst müssten die KundInnen der SexdienstleiterInnen ebenfalls zwangsuntersucht werden.

Danke Marc für obige (Nr. 302) Argumentationshilfe.

Ich muss mich an meinem Arbeitsplatz auch regelmässig zwangsuntersuchen lassen. Vom Betriebsarzt. Es geht dabei um das rechtzeitige Erkennen von berufsbedingten Erkrankungen oder Beeinträchtigungen (z.B. Sehkraft bei Staplerfahrern).

Das einzige Argument, das mir für die Beibehaltung einer Untersuchungspflicht für SexarbeiterInnen einfällt: So werden wenigstens SDL, die nicht auf ihre Gesundheit achten wollen oder keine Ahnung von Gesundheitsrisiken haben, erreicht. Das reicht als Argumentationshilfe aber nicht aus.

Findet sich kein(e) SexarbeiterIn in Österreich, die/der ein Gerichtsverfahren anstrengen kann?
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Re: RE: Zwangsuntersuchung Schnirchgasse wird immer schlimme

#306

Beitrag von Zwerg » 2011-04-03, 11:24

          Bild
ehemaliger_User hat geschrieben:Das einzige Argument, das mir für die Beibehaltung einer Untersuchungspflicht für SexarbeiterInnen einfällt: So werden wenigstens SDL, die nicht auf ihre Gesundheit achten wollen oder keine Ahnung von Gesundheitsrisiken haben, erreicht. Das reicht als Argumentationshilfe aber nicht aus.
Nicht einmal das könnte gelten: Wir können anhand uns zur Verfügung gestellter Befunde einer SW belegen, dass STD ignoriert werden - ja nicht einmal die SexarbeiterIn aufmerksam gemacht wurde, dass etwas nicht in Ordnung ist! Im konkreten Fall handelt es sich um (deutlich sichtbare) Feigwarzen (Condylomata acuminata) im äußeren Schamlippenbereich. Die Karte wurde weder eingezogen, noch entsprechende Information erteilt - von einer (dringlich notwendigen) Behandlung ganz zu schweigen!

So frei nach dem Motto: Steht nicht auf unserem Aufgabenzettel - also ignorieren wir es. Um die Gesundheit der SexarbeiterInnen (oder wie es so schön heißt: Die Volksgesundheit) kann es bei der Zwangsuntersuchung nicht gehen! Davon abgesehen: Eine Krankheit zu einem Zeitpunkt nicht feststellen zu können (oder wie im obigen Absatz erwähnt: nicht feststellen zu wollen) heißt nicht, dass der/die Untersuchte gesund ist! Und genau dies wird aber versucht zu vermitteln. In den meisten Bundesländern Österreichs nennt man die Karte auch "Gesundheitsbuch" - was natürlich total schwachsinnig ist.

christian

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#307

Beitrag von Zwerg » 2011-04-03, 11:45

Wahrscheinlich bedeutet "nicht diskutierbar" sich nicht hinterfragen lassen zu wollen - weil man keinerlei Argumente vorbringen kann, welche die gemachten Vorwürfe entkräften!

Wie kann man zum Beispiel die menschenverachtende Tatsache erklären, dass man eine SexarbeiterIn in Österreich in Handschellen, öffentlich vorführen und auf den Gynostuhl zwingen kann - und dies auf den Verdacht hin, sie könnte (!) möglicher Weise eine STD haben?!? Und dies, weil sie vielleicht ein Brief nicht erreicht hat - sie auf Grund sprachlicher Probleme den Inhalt nicht verstanden hat... Uns wurden Fälle berichtet, wo Frauen nicht einmal die Zeit gegeben wurde, vor der Durchsuchung die Unterwäsche zu wechseln, geschweige denn zu duschen! Und dann vor den Augen der Passanten - und auch der wartenden KollegInnen - in das STD-Ambulatorium gezerrt wurden.

Und dies soll Alles nicht diskutierbar sein?

Ich drücke es einmal drastisch aus: Da wir vom Sexworker Forum aus gutem Grund und eigener Überzeugung heraus nicht staatlich finanziert sind müssen wir auch die staatliche Keule "nicht diskutierbar" nicht hinnehmen! Wir fordern die Arbeitsgruppe Prostitution auf, unsere Anliegen und Beschwerden nicht nur zur Kenntnis zu nehmen, sondern dafür umgehend zu Sorgen, dass derartige Vorfälle, wie sie in diesem Thread geschildert wurden nicht mehr vorkommen können.

Wir fordern einen Stopp der Zwangsregistrierungen und Zwangsuntersuchungen von/an SexarbeiterInnen!

christian

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Liste der Argumente

#308

Beitrag von Marc of Frankfurt » 2011-04-03, 21:27

Von den Australischen KollegInnen zum obigen Dokument hier noch eine Ergänzung:


Briefing Paper / Argumentationshilfe:

Mandatory or compulsory testing of sex workers for HIV and/or
sexually transmissible infections in the Australian context

Zwangsuntersuchung von Sexworkern zu HIV und STDs in Australien


  1. Zwangsuntersuchung entwertet das Safer Sex Verhalten
  2. Es gibt keine wissenschaftlichen Belege für höhere Gesundheit durch Zwangsmaßnahmen
  3. Zwangstest ist invasiv intime Gewaltanwendung
  4. Zwangstests stellen eine fragwürdige Sonderbehandlung dar etwa im Vergleich zu anderen pflegenden oder medizinischen Berufen
  5. Zwangstests sind öffentliche Geldverschwendung
  6. Sexworker werden unsozialerweise als Infektionsherde stigmatisiert
  7. Ansteckung Mann > Frau ist 3 x höher als umgekehrt, dennoch werden Männer als Prostitutionkunden nicht getestet
    [edit Lycisca: Bei HIV ist das Verhältnis sogar 1:10]
  8. Zwangstestung suggeriert falsche Sicherheit und unterminiert Safer Sex Botschaften und damit die Safer Sex Verhandlungs- und Durchsetzungmöglichkeiten der Sexworker
  9. Zwangstest unterminiert Sexworker Autonomie und Empowerment
  10. Zwangstests widersprechen einem nationalem Bekenntnis zu den universellen Menschenrechten
  11. Zwangstestung ignoriert, dass Sexworker besser über Safer Sex informiert sind als die Durchschnittsbevölkerung
Dateianhänge
Compulory testing - briefing paper.pdf
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RE: Zwangsuntersuchung Schnirchgasse wird immer schlimmer

#309

Beitrag von Zwerg » 2011-04-06, 13:31

Zu dem anonymen Anrufer (da mir mitten im Satz aufgelegt wurde, erlaube ich mir meine Anmerkung öffentlich zu posten):

Es ist nicht sonderlich höflich, bei einer Notrufnummer für SexarbeiterInnen mit unterdrückter Nummer anzurufen und den eigenen Namen zu verschweigen.... Aber gut, damit kann ich leben - es sollte aber ein Mindestmaß an Höflichkeit gewahrt bleiben! Ich verstehe durchaus, dass man die Meinung von sexworker.at nicht teilt - Uns jedoch die Meinung verbieten zu wollen, sogar zu drohen, weil wir unsere Meinung/Forderung artikulieren, ist äußerst schwach.... - und wird im Wiederholungsfall zur Anzeige gebracht werden! Das die Durchsetzung der Rechte von SexarbeiterInnen von einem (mutmaßlichen) Betreiber als negativ empfunden wird, mag schon so sein - dies jedoch in Form einer Drohung zu formulieren, ist nicht nur unakzeptabel, sondern auch äußerst kurzsichtig.

Das was hier in diesem Thread gepostet wird ist nicht meine Meinung bzw. nicht nur meine Beobachtung! Es sind SexarbeiterInnen, die sich direkt an uns wenden, oder aber selbst posten. SexarbeiterInnen welche sich die seit Jahren unerträglichen Zustände nicht mehr gefallen lassen wollen.

Die Forderung, Zwangsuntersuchungen einzustellen und statt Dessen ein (tatsächlich) anonymes, also niederschwelliges Angebot zu erarbeiten, ohne polizeiliche Registrierung, stellt die Mehrzahl der von uns vertretenen SexarbeiterInnen. Nehmen wir uns doch ein Beispiel an unseren Nachbarländern - dort hat man es begriffen - oder hören wir auf die WHO!

Es geht es uns auch nicht darum Jemand anzugreifen - uns geht es um das Aufzeigen von Missständen! Wenn diese beseitigt sind, wird kein Grund mehr vorhanden sein sich zu beklagen.

christian (dessen Wohnadresse im Impressum des Forums zu finden ist)

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RE: Zwangsuntersuchung Schnirchgasse wird immer schlimmer

#310

Beitrag von Rose » 2012-10-29, 17:01

DAS IST NICHT MEHR AUSZUHALTEN!!!

Mehr als 4 Stunden Wartezeit ohne Sitzgelegenheit, denn da gibt es zu Wenige. Gefangen im babylonischen Sprachgewirr! Wie komme ich dazu??? Wenn ich schon gezwungen werde mich wöchentlich auf den Stuhl zu setzen, dann muss es in einem halbwegs erträglichen Rahmen geschehen!

Was will man von uns? Wir zahlen Steuern und wir zahlen Sozialversicherung! Wir bemühen uns die Gesetze einzuhalten. Warum behandelt man uns so?

Ich war nicht immer gegen die Untersuchung! Doch jetzt bin ich davon überzeugt, dass dieser Schei.. nichts bringt! Außer das Sexarbeiterinnen erniedrigt werden!

Ich hoffe der Ton verstößt nicht gegen die Forenregeln! Ich kann aber einfach nicht mehr anders

Eure Rose

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RE: Zwangsuntersuchung Schnirchgasse wird immer schlimmer

#311

Beitrag von Zwerg » 2012-10-31, 00:41

Heute kamen mehrere Anrufe rein, die das oben Gesagte nicht nur bestätigen, sondern teilweise noch übertreffen. Eine SexarbeiterIn schätzte, dass Gestern mehr als 400 Frauen bei der Untersuchung waren bzw. stundenlang warteten bis sie dran kamen! Eine SW ist um 8:15 vor Ort gewesen und wurde erst nach 12:45 aufgerufen!

Die Stadt Wien sollte sich dringlich überlegen, ob sie diesen Zustand noch aufrecht erhalten will/darf/kann! Die Zwangsuntersuchung, deren Sinnlosigkeit von vielen Seiten (nicht zuletzt von der Weltgesundheitsorganisation WHO und auch den meisten anderen europäischen Staaten als menschenrechtswidrig eingestuft wurde) weiterhin durchzuführen ist besonders unter diesen Umständen unakzeptabel!

Es ist auch hier nur eine Frage der Zeit bis es eskaliert!

christian knappik
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#312

Beitrag von Lucy » 2012-10-31, 10:15

ich werde nie verstehen, warum man das ganze nicht menschenwürdiger gestalten kann. es wäre ja schon ein schritt in die richtige richtung, daß alle frauen sich einen arzt suchen könnten, der diese untersuchung durchführt, wenn es denn überhaupt sein muß. so könnte man die wartezeit auf ein minimum beschränken, die damen könnten ihrem beruf anständig nachgehen und die schnirchgasse wäre entlastet. wieso geht das eigentlich nicht?

lg lucy

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#313

Beitrag von Zwerg » 2012-10-31, 10:22

@Lucy

Früher gehörte dies zu unseren Forderungen. Die Antwort darauf war: Da die Kontrollkarte im Falle einer Geschlechtskrankheit eingezogen wird, so ist dies eine Amtshandlung - diese darf jedoch nur ein Amtsarzt durchführen.... - das es viel klüger wäre, die Betroffenen zu behandeln, anstatt ihnen nur die Lebensgrundlage zu entziehen, konnte man nicht verstehen.

Wir kennen Fälle, wo die SexarbeiterInnen nicht einmal wussten, warum ihnen die Karte abgenommen wurden. Sie bekamen nur mit, dass sie ab jetzt noch schneller vor der Polizei flüchten müssen. Mit ein Grund, warum es vielleicht ÜbersetzerInnen am Gesundheitsamt geben sollte - oder ausreichend Informationsmaterial in den gängigen Sprachen. Und natürlich auch ÄrztInnen die behandeln.

Traurige Grüße

christian

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#314

Beitrag von malin » 2012-10-31, 13:13

waas, die frauen werden dort nicht mal, im fall der fälle, behandelt?

das heisst also, nur damit ichs richtig verstehe: wenn eine infektion festgestellt wurde, wird mehr oder minder kommentarlos die kontrollkarte eingezogen und die betroffene marschiert uninformiert und unbehandelt da raus...ohne medikamente, ohne hilfe?

mich hauts um!
liebe grüsse malin

eventuell fehlende buchstaben sind durch meine klemmende tastatur bedingt :-)

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#315

Beitrag von Lucy » 2012-10-31, 13:56

das ist in der tat heftig. und wirklich schlimmes unrecht.

lg lucy

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#316

Beitrag von Zwerg » 2012-10-31, 13:57

Ja nicht nur das: Es werden manche sexuell übertragbare Krankheiten schlichtweg ignoriert! Da sie nicht auf der "Speisekarte" stehen.... Nicht mal auf die direkte Frage "was untersuchen sie genau?" bekommt man eine Antwort. Von der gesetzlich vorgeschriebenen Auskunftspflicht sind wir damit weit entfernt.

Auch auf lebensbedrohliche Wucherungen (Unterleibskrebs) macht Niemand aufmerksam. Viele Frauen glauben, dass sie von GynäkologInnen untersucht werden... man lässt sie in dem Glauben. Das führt dazu, dass es vorkommen kann, dass Frau, da ja ohnehin wöchentlich untersucht nicht mehr zu ihrem Gynäkologen geht. Eine unserer früheren ModeratorInnen kann hiervon ein sehr trauriges Lied singen. Man hätte ihr die Radikaloperation sparen können, wenn sie früher gekommen wäre... nur: Es hat ihr Niemand gesagt...

Auch da kann man nur mit kopfschütteln reagieren - oder besser mit dem Aufschrei: Schafft diesen menschenrechtsverletzende Vorgehensweise sofort ab!!!

christian (knappik)

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#317

Beitrag von Kasharius » 2012-10-31, 17:08

@malin
@Zwerg

ich kann nicht anders:

Diese so beschriebenen Zustände stehen weder de facto noch de iure mit eurpäischen noch mit österreichischem Verfassungsrecht in Einklang. Da muss es doch engagierte Juristinnen geben, die den Betroffenen gemeinsam mit Euch zu ihrem Recht verhelfen. Gibt es in Österreich das Instrument des öffentl-rechtlichen Schadensersatzanspruch? In Deutschland verankert in § 839 BGB i.v.m. Art. 34 GG! Gibt es in Österreich das Institut des einstweiligen Rechtschutzes ? In Deutschland für das Verwaltungsrecht § 123 VwGO. Ich frage mich ohne die Zustände in Deutschland beschönigen zu wollen, ist Österreich insoweit noch ein Rechtsstaat?!

Kasharius grüßt solidarisch und wendet sich ob der Zustände mit Grausen - für heute entgültig.

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#318

Beitrag von malin » 2012-10-31, 19:20

ähm, von welchen ärzten werden die frauen denn untersucht, wenn nicht von gynäkologen?
von allgemeinmedizinern?

ihr seht mich fassungslos...!
Zuletzt geändert von malin am 2012-11-01, 04:44, insgesamt 1-mal geändert.
liebe grüsse malin

eventuell fehlende buchstaben sind durch meine klemmende tastatur bedingt :-)

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#319

Beitrag von Zwerg » 2012-10-31, 20:00

@malin

Dermatologen - also HautärztInnen

wobei: eine Zeit lang gab es auch eine HNO-ÄrztIn vor Ort

Liebe Grüße - und ich verstehe Deine Fassungslosigkeit

christian

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#320

Beitrag von Jupiter » 2012-10-31, 20:54

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Zwerg hat geschrieben:Ja nicht nur das: Es werden manche sexuell übertragbare Krankheiten schlichtweg ignoriert! Da sie nicht auf der "Speisekarte" stehen.... Nicht mal auf die direkte Frage "was untersuchen sie genau?" bekommt man eine Antwort. Von der gesetzlich vorgeschriebenen Auskunftspflicht sind wir damit weit entfernt.

Auch auf lebensbedrohliche Wucherungen (Unterleibskrebs) macht Niemand aufmerksam.
Ich kenne zwar die Berufsordnung für Heilberufe Österreich nicht, denke aber, dass sie etwa der deutschen gleicht. So ein Verhalten sollte dazu führen, dass dieser Person die ärztl. Zulassung entzogen wird.

Gruß Jupiter
Wenn du fühlst, dass in deinem Herzen etwas fehlt, dann kannst du, auch wenn du im Luxus lebst, nicht glücklich sein.

(Tenzin Gyatso, 14. Dalai Lama)

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