Kunde zahlt mit Falschgeld

Wer mit Menschen zu tun hat, hat oft genug auch mit Dummköpfen zu tun. Macht eurem Ärger Luft. Es bleibt unter euch. Ebenso sollen hier aber auch vorbildliche Klienten aufgeführt werden. Wie sieht der ideale Klient aus?
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deernhh
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Kunde zahlt mit Falschgeld

#1

Beitrag von deernhh » 2018-09-10, 22:25

FREIER DRUCKT GELD AUS, UM PROSTITUIERTE ZU BEZAHLEN
9. September 2018

Die Entlohnung mit eigens fuer den Bordellbesuch gefertigtem Falschgeld macht sich nicht wirklich bezahlt. Am 25.04.2018 verurteilte die zustaendige Strafrichterin am Amtsgericht Muenchen einen 32-jaehrigen Ingolstaedter Maler wegen Geldfaelschung und versuchten Betrug zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr zur Bewaehrung.

2017 stellte der Verurteilte mithilfe seines Druckers zwei falsche 50-Euro-Banknoten her, wobei er die einzelnen Kopieblaetter mit Malerleim halbwegs zu beidseitig bedruckten Scheinen verklebte. Am Abend des 19.08.2017 uebergab er in einem Bordell in Obersendling in Muenchen die falschen unter einem echten 50 Euro-Geldschein an eine Prostituierte fuer einen mit ihr vereinbarten 45-minuetigen vaginalen Verkehr. Bevor es zum Geschlechtsverkehr kam, erkannte sie aber, dass die uebergebenen Geldscheine unecht waren und verstaendigte die Polizei.

Der Verurteilte hatte in der Hauptverhandlung wie bereits gegenueber der Polizei die Tat vollstaendig eingeraeumt: "Es stimmt alles, ich habe die 50 € Geldscheine mit dem Drucker hergestellt. Ich wurde neugierig. Es war eine riesige Dummheit. Ich habe einen Leim zum Kleben genommen. Ein paar Ecken waren noch offen. Die Geldscheine waren speziell fuer den Besuch im Bordell angedacht. Ich habe einen echten 50-er auf den Drucker gelegt."

Die zustaendige Strafrichterin am Amtsgericht Muenchen folgte dem Gestaendnis und hielt neben der Verhaengung der Bewaehrungsstrafe auch eine Geldauflage von 500 € in monatlichen Raten von je 50 € fuer geboten:

"Trotz der dilettantischen Vorgehensweise des Angeklagten handelt es sich um keinen Bagatellfall. Zwar war die Qualitaet der gefaelschten Geldscheine eine solche, dass ihre Unechtheit bei naeherem Hinsehen problemlos erkennbar war. Mangels einer ordnungsgemaessen Verklebung hafteten die Scheine auch nicht nahtlos aneinander. Sie hatten jedoch Originalgroesse und waren auch mit den Originalfarben einer 50 Euro Banknote versehen. (...)

Zugunsten des Angesklagten sprach dabei sein vollumfaengliches Gestaendnis, welches von Reue und Schuldeinsicht gepraegt war. Weiter wurde zugunsten des Angeklagten seine dilettantische Vorgehensweise beruecksichtigt, sowie die verhaeltnismaessig geringe kriminelle Energie, die die Tat aufweist.

Zu Lasten des Angeklagten sprach, dass es sich um zwei gefaelschte Scheine und insgesamt 100 EUR, einen nicht unerheblichen Betrag handelte. Strafschaerfend wurde weiter beruecksichtigt, dass der Angeklagte ueberdies ein weiteres Delikt in Tateinheit verwirklicht hat, den versuchten Betrug. Zu seinen Lasten wurden weiter die Vorstrafen des Angeklagten beruecksichtigt, auch wenn diese nicht einschlaegig waren und es sich zum groessten Teil um Kleinkriminalitaet handelte. (...)

Nach Einschaetzung des Gerichts handelte es sich hier um eine einmalige Verfehlung. Durch die ausgesprochene Strafe ist der Angeklagte daher hinreichend zu zukuenftigem normkonformen Verhalten motiviert und es ist davon auszugehen, dass er zukuenftig - auch ohne die Einwirkung des Strafvollzuges - keine weiteren Straftaten mehr begeht.

Das Urteil wurde nach allseitigem Rechtsmittelverzicht noch in dieser Verhandlung rechtskraeftig.

Video zum Artikel (siehe ganz unten)
In Zusammenarbeit mit wbs-law.tv praesentieren wir diesen Artikel als Video.

Quellen:
Urteil des Amtsgerichts Muenchen vom 25.04.2018, Aktenzeichen 1111 Ls 245 Js 196316/17
Pressemeldung des Amtsgerichts Muenchen vom 30.07.2018

https://justillon.de/2018/09/freier-dru ... -bezahlen/


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Re: Kunde zahlt mit Falschgeld

#2

Beitrag von Kasharius » 2018-09-10, 22:50

Kennt noch jemand die BR-Serie Königlich Bayrisches Amtsgericht...?

Daran erinnert mich dieser Fall hier. Aber für die Betroffene SW ein schwacher Trost und mehr als ärgerlich.

Danke @deernhh für dieses Kuriosum

Kasharius grüßt

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Re: Kunde zahlt mit Falschgeld

#3

Beitrag von Rose » 2018-09-11, 23:22

Hat bei mir vor Jahren auch einer probiert. Seit dem weiß er, daß Stöckelschuhe nicht nur zum Laufen gut sind :-)

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Re: Kunde zahlt mit Falschgeld

#4

Beitrag von Kasharius » 2018-09-11, 23:42

@Rose

richtig so...

Kasharius grüßt Dich

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Re: Kunde zahlt mit Falschgeld

#5

Beitrag von EmilyH » 2018-09-12, 00:20

Also manche Kunden denken wirklich, wir sind etwas dämlich.

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Re: Kunde zahlt mit Falschgeld

#6

Beitrag von Zwerg » 2018-09-12, 00:50

EmilyH hat geschrieben:
2018-09-12, 00:20
Also manche Kunden denken wirklich, wir sind etwas dämlich.
Nicht nur Kunden - die Retterindustrie denkt auch, dass SexarbeiterInnen nicht selbstständig denken können.

Wenn man hier die Beiträge der SexarbeiterInnen liest, weiß man dass sie falsch liegen!

Liebe Grüße

christian

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Re: Kunde zahlt mit Falschgeld

#7

Beitrag von Ursa Minor » 2018-09-12, 16:48

Zwerg hat geschrieben:
2018-09-12, 00:50
EmilyH hat geschrieben:
2018-09-12, 00:20
Also manche Kunden denken wirklich, wir sind etwas dämlich.
Nicht nur Kunden - die Retterindustrie denkt auch, dass SexarbeiterInnen nicht selbstständig denken können.

Wenn man hier die Beiträge der SexarbeiterInnen liest, weiß man dass sie falsch liegen!

Liebe Grüße

christian
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Re: Kunde zahlt mit Falschgeld

#8

Beitrag von deernhh » 2019-02-28, 14:48

Prostituierte mit Falschgeld bezahlt

Wegen Geldfälschung und schweren Betruges ist am Dienstag ein 19-jähriger Mann am Landsgericht Feldkirch verurteilt worden. Der Mann hatte im Internet Falschgeld bestellt und damit eine Prostituierte bezahlt. Das Urteil ist rechtskräftig.

Er hat im Internet 50 Stück falscher 100 Euro Scheine für drei Euro bestellt. Es handelt sich nicht um professionelle Fälschungen, sondern eher um Fantasiegeld. Die Scheine sind nämlich mit chinesischen Schriftzeichen versehen. Dennoch: Geschickt gefaltet sind sie nach Angaben der österreichischen Nationalbank täuschungsfähig.

So ist es dem Angeklagten auch gelungen, einer Frau im Bregenzer Nachtleben den falschen Geldschein unterzujubeln. Ihr ist der Betrug zunächst nicht aufgefallen. Erst als die Geschädigte selbst mit dem Geldschein in einem Supermarkt bezahlen wollte, ist ihr aufgefallen, dass der Schein nicht echt ist. Die Spur zum Angeklagten habe sich schnell zurückverfolgen lassen.

Vor dem Landgericht in Feldkirch bekannte sich der Mann schuldig. Sein Geständnis sowie seine Unbescholtenheit hat das Schöffengericht mildernd gewertet. Der Strafrahmen beträgt bis zu zehn Jahre Haft. Der junge Mann kommt mit einer bedingten Haftstrafe von sieben Monaten davon. Zusätzlich muss er 1.000 Euro Strafe zahlen. Das Urteil ist rechtskräftig.

https://vorarlberg.orf.at/news/stories/2965451

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