Der Freier als Kunde

Wer mit Menschen zu tun hat, hat oft genug auch mit Dummköpfen zu tun. Macht eurem Ärger Luft. Es bleibt unter euch. Ebenso sollen hier aber auch vorbildliche Klienten aufgeführt werden. Wie sieht der ideale Klient aus?
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lust4fun
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RE: Der Freier als Kunde

#81

Beitrag von lust4fun »

Dokumentarfilm "Tilman im Paradies"

Tilman ist ein stattlicher Mann, aber er traut sich nicht, Frauen anzusprechen. Ein Psychotherapeut rät ihm zum Bordellbesuch. Davon kommt Tilman nicht mehr los.
Ein Dokumentarfilm von Julian Vogel. (2012, 27 Min., Ort ist Stuttgart)

http://www.spiegel.tv/filme/opendoku-ti ... -paradies/

*****

Tilman:
"Mir geht es mehr um die Zärtlichkeit als um den Sex."

Filmautor:
"Aber du gehst in Bordelle. Warum findest du da die Zärtlichkeit?"

Tilman:
[Fängt an, von seinem Leben zu erzählen - statt einfach zu sagen: Es ist so!]

...

Filmautor:
"Tilman, ich werde aus dir nicht schlau: Außer Sex und Zärtlichkeiten - was willst du von Frauen?"

Tilman:
[Langes Schweigen] ... "Nix..."

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Melanie_NRW
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RE: Der Freier als Kunde

#82

Beitrag von Melanie_NRW »

Das ist kein Kunde sondern ein selbstverherrlichendes Arschloch

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Hamster
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RE: Der Freier als Kunde

#83

Beitrag von Hamster »

03. November 2016
"WIE ICH EUCH SEHE" MIT EINER SEXARBEITERIN
"MAENNER KOENNEN UND WOLLEN NICHT TREU SEIN"

Bei Prostitution denken viele an Zuhaelter und Gewalt. Das alles gab es auch bei Sexarbeiterin Ramona. Sie kritisiert ihre Kunden heftig - und mag ihren Job trotzdem.

Weiterlesen auf:
http://www.sueddeutsche.de/leben/wie-ic ... -1.3205281

Edit: Habe den Link korrigiert. LG Hamster

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Ursa Minor
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RE: Der Freier als Kunde

#84

Beitrag von Ursa Minor »

@Hamster

Danke fürs einstellen. Ich finde den Artikel sehr interessant. Er beschreibt die verschiedenen Facetten der SW aus Sicht einer SW und die Entwicklung der SW. Aber auch die "Entwicklung" der Gäste und ihr Verhalten. Ich denke es kommt immer auf die Einstellung an die ein Gast mitbringt. Das man eine Dienstleistung in Anspruch nimmt bei einem anderen Menschen. Und diesem Menschen mit dem nötigen Respekt begegnet und beide Parteien auf gleicher Augenhöhe sind. Das man zusammen spricht und Abmachungen trifft oder fragt was und wie. Für mich persönlich kann es auch nur so ein gutes Treffen werden. Und wenn ich akzeptiere, dass es eine Dienstleistung ist und den nötigen Abstand wahre, auch wenn es noch so toll war.
Daher bin ich auch froh über jede selbstbewusste und Selbstbestimmte SW und solche Unterstützung wie dieses Forum hier.

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MaryAthens
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RE: Der Freier als Kunde

#85

Beitrag von MaryAthens »

Hallo!

Als ehemalige Sexarbeiterin habe ich einen pikanten, unbeschwerten, teils heiteren und erotischen Roman geschrieben, in dem ich auf der einen Seite lückenlos und offen Einblick in den Beruf des Callgirls gebe, aber auch einen ehrlichen und urteilsfreien Einlbick in die Sexualität der Männer, die als Freier zu uns kommen. Das war mir ganz wichig!

Da ich immer versucht habe, meinen Kunden eine schöne Zeit zu bereiten, habe ich hauptsächlich sehr gute Erfahrungen mit meinen Freiern gemacht. Wir haben uns meist gegenseitig respektiert und wussten, was wir aneinander hatten. So hat die Arbeit auch Spass gemacht.

Wer Lust hat, meinen Roman zu lesen oder zumindest in die gratis Leseprobe bei AMAZON hineinzusehen:

Der Titel: "Von Höhepunkt zu Höhepunkt"
Autorin: Maria van Daarten

Liebe Grüße, Mary

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deernhh
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Re: Der Freier als Kunde

#86

Beitrag von deernhh »

Wenn Männer für Sex bezahlen: «Vielleicht habe ich es gemacht, um Frauen zu erniedrigen», sagt ein Freier

Der Sexmarkt ist ein Milliardengeschäft. Was sind das für Männer, die für Sex bezahlen? Was geht in ihnen vor? Drei Freier erzählen.

Katharina Bracher, Regula Freuler, Melanie Keim
31.01.2020, 11.45 Uhr


Terry Vlisidis
Im Notfall kauft man sich Sex. In dieser Gewissheit wachsen Männer dort auf, wo Prostitution legal ist. Zum Beispiel in der Schweiz. Gemäss einer Umfrage aus dem Jahr 2015 bezahlen hierzulande 5 Prozent der Männer regelmässig für Sex, laut einer Studie von 2016 sind es rund 14 Prozent. Je nach Art, Ort und Dauer der sexuellen Dienstleistung kostet es durchschnittlich zwischen 50 und 250 Franken. Die Männer können auswählen zwischen verschiedenen Nationalitäten, die meisten Prostituierten stammen aus Osteuropa.

Wissenschaftliche Studien über Prostitution in der Schweiz gibt es nur wenige, genaue Zahlen keine. Schätzungen gehen von jährlich 13 000 bis 20 000 Frauen in der Prostitution aus. Umstritten ist die Frage, wie viele Frauen sich freiwillig – aus Spass oder weil sie es für leicht verdientes Geld halten – oder aber aus der Not heraus prostituieren.

Eine Befragung ungarischer Prostituierter auf dem Strassenstrich in Zürich ergab, dass alle diese Frauen aus finanzieller Not und aus wirtschaftlichem Zwang handeln sowie die Prostitution als enorme psychische und physische Belastung empfinden. Fast 18 Prozent prostituierten sich zudem schon als Minderjährige, einige bereits mit 12 Jahren, um überleben zu können. Ausserdem konsumieren viele der Frauen Beruhigungsmittel und Amphetamine, synthetische Drogen und Kokain. Diese Frauen arbeiten bis zu 70 Stunden pro Woche und befriedigen bis zu 30 Männer pro Tag.

Wer sind ihre Kunden? Und was geht in diesen vor? Drei Männer erzählen.

Philipp, 35
Hat Frauen in der Prostitution ausgenützt und erniedrigt. Er bereut heute vieles. Sein Verhalten führt er auf die Zurückweisung einer Frau zurück.

Ficken habe ich von Nutten gelernt. Mein erstes Mal hatte ich in einem Puff im Zürcher Kreis 4. Ich war Anfang 17, ein befreundeter Dealer lud mich ein. Ich hatte damals wenig Selbstvertrauen, wusste nicht, wie man Frauen anspricht und fühlte mich unwohl in meinem etwas dicklichen Körper mit diesen Haaren auf dem Rücken. Die Prostituierte merkte, dass ich zuvor noch nie Sex gehabt hatte und war sehr nett zu mir. Aber natürlich wollte sie, dass es möglichst schnell vorbei ist. Beim Oralsex musste ich mich total konzentrieren, damit ich nicht sofort kam. Ich wollte ja richtigen Sex haben.

Danach war ich stolz darauf, dass ich mein erstes Mal Sex mit einer Prostituierten hatte. Ich war der Einzige mit dieser Erfahrung, ich war der knallharte Typ, der im Puff war. Den sportlichen Typen, die bei den Frauen erfolgreich waren und eine hübsche Freundin hatten, erzählte ich natürlich nichts davon. Nur bei meinen Kifferfreunden gab ich an damit.

Erst in der RS, mit 20, ging ich wieder in den Puff, dann aber exzessiv. Die Idee kam von einem Zimmerkameraden, der zwar verheiratet war und ein Kind hatte, aber alle Locations in der Gegend kannte. Eines Abends erzählte er mir von einem «Schwedenpuff» mit hübschen Blondinen und schlug mir vor, in der Nacht auszubrechen. Ich war sofort dabei. Dass wir in Schwierigkeiten hätten geraten können, machte es umso spannender.

Wir fanden uns geil in unseren Tarnanzügen und dachten, dass die Frauen sicher Freude hätten an uns jungen, gut aussehenden Männern – inzwischen sah ich echt nicht schlecht aus. Bei den jungen Schwedinnen am ersten Abend hatte ich auch das Gefühl, dass sie Spass hatten und froh waren, dass kein alter, ekliger Kunde kommt, das ist mein Bild des Freiers. Wir hatten zu viert ein Bett und teilten uns die Frauen – aber nicht, dass wir etwas Schwules gemacht hätten. Es war wunderschön, der Ort war gepflegt, die Frauen waren hübsch und haben sich richtig gut um uns gekümmert. Später sind wir diesem Erlebnis wohl nachgejagt.

«Die Orte waren schmuddelig, die Frauen waren ungepflegt und abgelöscht. Es machte ihnen keinen Spass, sie gaben sich keine Mühe.»
In den folgenden drei Monaten brachen wir mindestens zwei- bis dreimal pro Woche aus. Wir wollten noch schönere Frauen als die ersten, waren richtig getrieben. Wir klingelten, wo «Tropical» oder «Exotic» an der Haustüre stand, einmal gingen wir in einer Wohnsiedlung mitten in der Nacht durch eine offene Verandatür. Im Zimmer sassen ein Vater und sein etwa 13-jähriger Sohn an der Bar. Ich fragte mich: Wo sind wir da gelandet? Das ist sicher nicht legal. Doch dieses Illegale gefiel mir. Da ich zuvor schon mit Drogen und Waffen zu tun gehabt hatte, war ich auch so einiges gewohnt.

Für 100 Franken erhielten wir überall das gleiche Standardprogramm: Oralsex und Penetration, meistens ging es nicht länger als 20 Minuten. Es war nie mehr dasselbe wie am ersten Abend. Die Orte waren schmuddelig, die Frauen waren ungepflegt und abgelöscht. Es machte ihnen keinen Spass, sie gaben sich keine Mühe, und viele dachten wohl auch, sie könnten uns verarschen, weil wir noch jung sind.

Das machte mich wütend. So habe ich einer Frau ins Gesicht gespritzt, obwohl sie das nicht wollte, einer anderen meinen Penis ins Gesicht geschlagen, einmal habe ich sogar auf ein Bett gepisst. Wir hatten schliesslich bezahlt, also mussten sie machen, was wir sagten – so dachte ich damals. Die Prostituierten waren für mich da, um gebraucht zu werden. Bei Frauen, die nicht gut rochen, Mundgeruch hatten, konzentrierte ich mich auf irgendetwas wie die Nippel, um zu kommen. Dafür hatte ich ja bezahlt, dafür war ich da.

Eigentlich war ich immer froh, wenn es fertig war. An vieles erinnere ich mich auch gar nicht mehr, weil ich so drauf war. Während mein Kollege ständig Viagra schluckte, um Nebenwirkungen seiner Steroide auszugleichen, trank ich immer viel, irgendwann kam zum Alkohol Kokain dazu.

«Ich verbinde heute noch harten Sex mit Erniedrigung. Wenn ich eine Frau gerne bekomme, kann ich nicht mehr dominant sein, der Chef sein. Das haben auch viele Frauen schon bemängelt.»
Mit allem Drum und Dran hatten wir zu zweit aber immer unseren Spass. Manchmal haben wir uns auch daran aufgegeilt, wie übel diese Orte waren. Und am Wochenende gab ich bei meinen Kollegen mit meinen Storys an. Je krasser die Geschichte, desto besser. «Du krasse Sau» war ein Kompliment. Ich weiss nicht, ob wir es wirklich wegen der Frauen machten oder des Kicks, dass wir jederzeit erwischt werden konnten. Wir waren als Köche für die Verpflegung verantwortlich und konnten damit alle in der Kaserne bestechen. In dieser Machtposition fühlten wir uns wie die krassesten Protze.

Gewissensbisse hatte ich nur einmal bei einem Mädchen, das wahrscheinlich noch minderjährig war und sich unter der Bettdecke versteckte. Zu dieser Zeit war Prostitution in der Schweiz mit Mädchen ab 16 Jahren erlaubt. Aber ich hatte Mitleid mit ihm und bot ihm von meinem Kokain an, damit es wenigstens ein bisschen Spass hatte. Obwohl ich bezahlt hatte, sassen wir nur da, die 15 Minuten waren schnell vorbei. Da überlegte ich mir, ob wir das wirklich weitermachen sollen.

Aufgehört haben wir wenig später, aber nur, weil wir beide an unterschiedliche Orte versetzt wurden. Danach ging ich nur noch zweimal in einen Puff. Allein war es kein Abenteuer mehr, und nach dem Militär hatte ich auch kein Geld mehr für Prostituierte, weil ich Probleme mit Alkohol und Drogen hatte. Das war hängen geblieben aus dieser Zeit.

Heute würde ich diese Frauen nicht mehr so ausnützen und erniedrigen. Mit Ausnahme der Schwedinnen, die vielleicht einen coolen Sommerjob hatten, haben es die Prostituierten sicher nicht freiwillig gemacht. Das merkt man schnell, an einem Fake-Lachen, dunklen Augenringen oder an einer schlechten Körperhygiene. Und wenn die Puffmutter schon schäbig aussah, bekamen die Girls sicher auch nicht viel vom Geld.

Vielleicht habe ich bei ihnen meine Enttäuschung kompensiert, dass ich zuvor nie positive Erlebnisse mit Frauen gehabt hatte. Jetzt, wo ich darüber nachdenke, frage ich mich auch, ob es damit zusammenhing, dass ich als Jugendlicher über Jahre auf ein Mädchen stand, das immer nur mit mir spielte.

Vielleicht habe ich es gemacht, um Frauen zu erniedrigen. Gleichzeitig bin ich froh, dass ich diese Erfahrung gemacht habe und diese Orte gesehen habe. Ich habe es gern, wenn ich weiss, wie die Dinge laufen.

Nach der RS konnte ich auch anders auf Frauen zugehen. Wahrscheinlich fühlte ich mich besser, weil ich so viele sexuelle Erfahrungen gemacht hatte. Allerdings verbinde ich noch heute harten Sex mit Erniedrigung. Wenn ich eine Frau gerne bekomme, kann ich nicht mehr dominant sein, der Chef sein. Das haben auch viele Frauen schon bemängelt.

Balz, 73
Hat in jungen Jahren für die Rechte der Frauen gekämpft und war ein linker Parteifunktionär. Der Gang zur Prostituierten gehörte für ihn über Jahrzehnte zur Normalität. Heute masturbiert er lieber.

In meinem Leben habe ich schon Hunderttausende von Franken für Sex bezahlt. Lassen Sie mich eine Schätzrechnung versuchen. Ich habe ab achtzehn Jahren etwa einmal pro Monat eine Hure aufgesucht. Im Alter zwischen dreissig und fünfzig Jahren war es deutlich häufiger, etwa einmal pro Woche. Sagen wir: fünfzigmal pro Jahr. Jeder Besuch kostete etwa 100 Franken – mal deutlich mehr, mal weniger. Konservativ geschätzt, gab ich also schon eine Viertelmillion für Sex aus.

Ich stamme aus einem bürgerlichen Haus. In jungen Jahren war ich ein linker Aktivist und arbeitete später in leitender Funktion der politischen Linken. Ich bin geschieden und Vater eines Kindes.

Der Gang zu Prostituierten fand in einer Parallelwelt zu meinem Eheleben statt. Ich habe schon immer lieber im Aussen gelebt, ich bin nicht der häusliche Typ. Ausser Haus, das heisst, ausserhalb meiner Kernexistenz, bin ich ein anderer.

«Ich weiss natürlich, dass viele Huren zugedröhnt sind. Als Mann, der seit Jahrzehnten Sex kauft, ist mir bewusst: Der Anteil der Frauen, die ihren Körper freiwillig verkaufen, ist verschwindend klein.»
Besonders häufig habe ich die Frauen auf der Strasse aufgesucht. Früher fand man den Strassenstrich bei der Landiwiese in Zürich Wollishofen, im Seefeld, eigentlich in der ganzen Stadt Zürich. Als ich noch sehr jung war, wollte ich vor allem billigen Sex, egal mit wem. Das waren dann natürlich überwiegend Ausländerinnen, mit denen kann man sich nur schlecht verständigen.

Später habe ich darauf geachtet, möglichst zu Schweizer Huren zu gehen. Man sagt, dass sie eher auf eigene Rechnung arbeiten. Als Ende der 1980er, Anfang 1990er noch die offene Drogenszene existierte, waren viele Schweizer Drogenprostituierte unterwegs. Die habe ich möglichst gemieden. Aber die sind halt nicht angeschrieben, ich kann darum nicht ausschliessen, dass ich nicht auch mit Drogenabhängigen Sex hatte.

Ich weiss natürlich, dass viele Huren zugedröhnt sind. Als Mann, der seit Jahrzehnten Sex kauft, ist mir bewusst: Der Anteil der Frauen, die ihren Körper freiwillig verkaufen, ist verschwindend klein. Als Sexkäufer kann man ohnehin nicht richtig beurteilen, ob die Frau in einer Zwangslage ist. Die Prostituierten werden natürlich immer sagen: Danke, das war schön, komm bitte wieder. Das sind ja auch Geschäftsfrauen.

Eine Zeit lang war ich mehrmals bei einer aufgestellten, noch jungen Frau. Irgendwann habe ich bemerkt, dass sie sich verändert hatte. Als ich das letzte Mal bei ihr war, wirkte sie nervös, bedrückt. Wenig später habe ich in der Zeitung gelesen, dass eine junge Prostituierte umgebracht worden war. Möglicherweise von ihrem Zuhälter. Ich bin fast sicher, dass es sie war.

«In den Zeiten, als der Preisdruck auf die Frauen besonders hoch war, konnten man Geschlechtsverkehr ohne Kondom für 50 Franken haben. Stehend, neben dem Auto.»
Ich bin ein sehr anständiger Freier. Ich bin mir sicher, dass die Frauen gut über mich reden. Ich weiss aber auch, dass in diesem Milieu viel Gewalt gegen Frauen passiert. Deswegen fühlte ich mich oft schlecht, nachdem ich bei einer Prostituierten war. Aber dieses schlechte Gefühl wegen der Frauen hat mich schliesslich doch nie davon abgehalten, weiterhin Sex von ihnen zu kaufen.

Ich ging oft zu Huren, um Dampf abzulassen. Ich stand über Jahre unter grossem beruflichem Druck, musste jeden Tag viel leisten. Da musste ich mich irgendwo abreagieren. Eine besondere sexuelle Vorliebe hatte ich eigentlich nicht. Transfrauen gefielen mir besonders gut, aber die waren seltener und darum teurer. Auch Analsex mochte ich, aber auch das ist eine höhere Preisklasse. In den Zeiten, als der Preisdruck auf die Frauen besonders hoch war, konnten man Geschlechtsverkehr ohne Kondom für 50 Franken haben. Stehend, neben dem Auto.

Eine Zeit lang habe ich versucht, von den Huren loszukommen und habe nur noch Pornos geschaut. Das hat aber nicht geholfen. Dann bin ich einmal bewusst in ein grosses Bordell in Oberengstringen gegangen, weil ich gedacht habe: Da erkennt mich bestimmt irgendein anderer Freier. Ich wollte auffliegen. Doch nichts passierte.

Nach der Pensionierung wurde ich gelassener, ich kann meine Zufriedenheit mit Masturbation genügend steuern, damit komme ich über die Runden. Daneben gehe ich noch zu älteren Masseusen, die auch sexuelle Dienstleistungen anbieten.

«Natürlich ist es einfacher, Sex von einer Hure zu bekommen als von einer normalen Frau. Man muss keine Verantwortung übernehmen für gar nichts. In 100 bis 150 Stutz ist die Verantwortung inbegriffen, die trägt die Frau allein.»
Natürlich ist es einfacher, Sex von einer Hure zu bekommen als von einer normalen Frau. Es kommt direkt zum Geschäft. Man hat vorher kein «Gschleik» und nachher auch nicht, man muss keine Verantwortung übernehmen für gar nichts. In 100 bis 150 Stutz ist die Verantwortung inbegriffen, die trägt die Frau allein.

Ja, ich sehe den Widerspruch zwischen meiner politischen Gesinnung und meiner heimlichen Existenz als Freier. Ich meine, ich habe schon den ersten Frauenstreik unterstützt. Aber Prostitution ist nun einmal ein Bestandteil des Patriarchats – das ist eine Tatsache, keine Entschuldigung. Dass man den Körper einer Frau für eine kurze Zeit kaufen und gebrauchen kann, findet unsere Gesellschaft ohnehin normal. Es ist ein Ausdruck des Machtgefälles zwischen den Geschlechtern.

Bis heute fällt es mir schwer, über meine Sexualität zu sprechen. Ich glaube, dass Frauen offener über ihre Bedürfnisse sprechen können. Ich würde den Unterschied so beschreiben: Frauen sind, Männer machen. Der Mann hat die Idee, er muss etwas tun, er ist der aktive Part. Frauen sind die Natur, Männer wollen die Natur verändern. Damit meine ich diese Aktiv-Passiv-Schablone: Sex ist etwas, was Männer mit Frauen machen. Prostitution war eine riesige Unehrlichkeit meinem Leben gegenüber. Schuldig fühle ich mich deswegen aber nicht.

Martin, 59
Meistens seien Prostituierte desinteressiert, gelangweilt und abgelöscht. Auch Hass und Verachtung strahlten die Frauen ihm gegenüber aus.

Mein erster Puff-Besuch ist über 40 Jahre her. Ich war Anfang 20 und hatte schon einige sexuelle Erfahrungen gemacht. Ich ging in einen Massage-Salon an der Zürcher Langstrasse, über das Telefonbuch war ich an die Adresse gelangt. Eine rundliche Frau öffnete mir. Die fünfzig Franken bezahlte ich im Voraus. Es machte mir Eindruck, wie selbstverständlich die Frau sich auszog. Bei der Arbeit dann – ich lag auf einem Bett, sie sass an meiner Seite – war sie sichtlich gelangweilt. Nach dem Ereignis wischte sie den Samen von meinem Bauch und murmelte unbeteiligt «Sssssso». Das gab exakt meine Empfindung wieder.

Seither habe ich viele Prostituierte besucht. Die Besuche verlaufen stets ähnlich, vor allem in der entscheidenden Sache: Ich habe zwar einen Samenerguss, aber keine Lustgefühle. Ich spüre keine Befreiung danach. Es ist, als ob ich mir dabei zusehen würde. Beim Sex schüttet der Körper normalerweise eine Menge Hormone aus, die für das Glücksgefühl sorgen und das Gefühl der Befriedigung und der seelischen Nähe zur Partnerin. Doch mein Gehirn scheint mir das zu verweigern. In meinem Schädel läuft etwas schief. Die Selbstkontrolle ist immer stärker.

«Könnte es – als perfektem Mann – mein Auftrag sein, den Samenerguss bei mir selbst zu verhindern? Sobald sich jeweils die Ejakulation anzukündigen begann, geriet ich in den Katastrophenmodus.»
In meinem Elternhaus war Lust eine Unbekannte. Ich kann mich an kein herzhaftes Lachen erinnern. Aufgeklärt wurden wir Kinder nicht, meine Erektionen hielt ich bis über das zwölfte Altersjahr hinaus für eine Fehlbildung. Die zahlreichen Albträume, die mich weit über 20 begleiteten, hatten viel mit dem eigenen, plötzlich viel zu grossen Glied zu tun.

Anfang der 1960er Jahre konnte man diese Ratgeberheftchen am Kiosk kaufen. Der mittlere Bund war jeweils noch nicht aufgeschnitten. In den Tipps, die er enthielt, ging es oft darum, wie ein Mann eine Frau befriedigen kann. Sinngemäss lauteten sie: «Männer, denkt an etwas anderes beim Sex! Ans Geschäft! Ans Wetter! Ans Rasenmähen!» Sie müssen mich mächtig beeindruckt haben, denn sie begleiten mich bis heute.

Schon beim ersten Sex hielt ich mich daran. Ich war 17, sie 25, ich hielt mich die ganze Nacht zurück – und kam aus Rücksicht überhaupt nicht. Es war sehr anstrengend. Ganz anders ist es mit Prostituierten: keine Verführung, keine Angeberei, keine Versprechen, keine Angst vor dem Verlassenwerden. Du trittst ins Etablissement ein, und die erste Frage gilt deinen Wünschen.

Als ich ein junger Mann war, gab es diesen feministischen Bestseller aus den USA, in dem die Autorin mit dem abendländischen Liebesleben abrechnete. Sie belegte die rücksichtslose Libido der Männer, die am Leid der Frauen schuld sei. Das musste es sein!, dachte ich damals, und begann mich auf den Gegenbeweis zu trimmen. Könnte es – als perfektem Mann – mein Auftrag sein, den Samenerguss bei mir selbst zu verhindern? Sobald sich jeweils die Ejakulation anzukündigen begann, geriet ich in den Katastrophenmodus.

Meine erste Ehefrau war äusserst lustvoll und offen. Einige Male beim Sex blieb mein Fluch tatsächlich aus. Ich war verrückt vor Glück und dachte, ich sei geheilt. Doch das erwies sich als Täuschung. Ich begann immer wieder Therapien, brach sie aber jeweils nach kurzer Zeit wieder ab.

«Ich habe selten eine Prostituierte mehr als einmal besucht. Was mich trieb, war die fixe Idee eines Neubeginns. Doch es ist wie eine Droge, die den entscheidenden Wirkstoff über die Jahre des Konsums verloren hat.»
In den einschlägigen Sexanzeigen werden «Wunder» versprochen, «echte Highlights», ja «alles, was der anspruchsvolle Kunde begehrt». Die einzelnen Sexarbeiterinnen verstehen unter «Service» freilich unterschiedliche Dinge. Einige scheren sich um Freundlichkeiten, sobald die Rechnung beglichen ist. Aber ich bin nicht da, um Vorwürfe zu machen, und nach meinen Erfahrungen gibt es viele Prostituierte, die ihren Beruf mit Hingabe ausüben. Es gibt auch eine Hingabe ans Geschäft. Vielleicht spekulieren sie ja auf Stammkundschaft, wenn sie sich nett geben.

Ich habe selten eine Prostituierte mehr als einmal besucht. Was mich trieb, war die fixe Idee eines Neubeginns. Doch es ist wie eine Droge, die den entscheidenden Wirkstoff über die Jahre des Konsums verloren hat. Allein der nackte Lebenswille hindert einen daran, sich die Aussichtslosigkeit des Ganzen einzugestehen. Millionen von Menschen katapultieren sich jede Sekunde rund um den Erdball in den Augenblick höchster Verzückung. Warum ist mir das nicht vergönnt?

Inzwischen bin ich das zweite Mal verheiratet. Es ist eine liebevolle Freundschaft. Unser Sexualleben ist nicht ungewöhnlich, doch es scheint, dass ich ihre Wünsche erfüllen kann. Von meinem «Defekt» erzählte ich ihr nie.

Ich weiss natürlich, dass viele Prostituierte diesen Job aus einer gewissen Not heraus machen. Das kennt man ja aus Reportagen oder Dokumentarfilmen. Zum Teil habe ich wirklich Mitgefühl mit den Frauen. Es ist keine Arbeit wie jede andere und wohl manchmal auch eklig, wenn sie einen groben, ungepflegten Mann bedienen müssen. Aber das blende ich natürlich aus, wenn ich dort bin. Ich bin dann so im «Theater» drin, dass ich keine schlechte Befindlichkeit zu erkennen geben will.

«Einmal massierte mich eine und telefonierte dabei mit einer Freundin. Ich fand das sehr respektlos, immerhin hatte ich bezahlt.»
Ich spürte auch schon viel Verachtung und Hass. Einmal merkte ich zu spät, dass sie voller Drogen war, und als ich das Zimmer fluchtartig verliess, rief sie mir wilde Beschimpfungen nach. Ich war wohl eine Art Verarbeitungsinstrument. Immer nach einer schlechten Erfahrung wollte ich aufhören. Das kommt aber selten vor.

Meistens sind die Frauen einfach desinteressiert, gelangweilt, abgelöscht und manchmal auch ruppig. Mir ist es schon lieber, wenn eine Prostituierte vorspielt, es sei gut für sie, als wenn sie abwesend ist. Einmal massierte mich eine und telefonierte dabei mit einer Freundin. Ich fand das sehr respektlos, immerhin hatte ich bezahlt. Mit Zuhältern hatte ich nie Kontakt, die sah ich auch nie.

«Die Austauschbarkeit von einem selbst ist schon frustrierend. Eigentlich möchte ich als Mensch wahrgenommen werden, aber das geht allein schon aus organisatorischen Gründen nicht: Früher blieben die Frauen länger im selben Puff, jetzt wechseln sie wochenweise.»
Ich habe schon alles ausprobiert: Strassenstrich, Puff, Escort. Letzteres ist zwar sehr teuer, aber es gibt einem am ehesten die Illusion, dass man ein Paar ist und dass das jetzt alles echt ist. Es gibt Websites, wo man Frauen finden kann, und Freier-Foren, auf denen sie beurteilt werden. Aber danach suche ich keine aus.

Die Austauschbarkeit von einem selbst ist schon frustrierend. Eigentlich möchte ich als Mensch wahrgenommen werden, aber das geht allein schon aus organisatorischen Gründen nicht: Früher blieben die Frauen länger im selben Puff, jetzt wechseln sie wochenweise. Ein paar Schweizerinnen hat es, aber sie sind eindeutig in der Minderheit.

Meine Ehefrau weiss nichts von all dem. Es macht mir Kummer, weil ich das Gefühl habe, ihr etwas wegzunehmen. Wir hätten vermutlich mehr Sex.

Oft schwanke ich zwischen Neid auf jene, die Lustgefühle empfinden, und Selbstmitleid. Ich hadere mit meinen Prostituierten-Besuchen. Freier sind keine Helden. Innerlich sträube ich mich nach Kräften, zu «denen» gezählt zu werden. In den Treppenhäusern von Etablissements kreuzen sich bisweilen unsere Wege. Man tut das so achtlos wie möglich – der Ehrenkodex der Unehrenhaften, so kommt es mir vor.

Zurzeit gehe ich noch etwa einmal pro Monat zu einer Prostituierten. Eine halbe Stunde kostet bei ihr rund 150 Franken, das fällt finanziell nicht ins Gewicht, und weil meine Frau und ich getrennte Konten haben, kann es ihr auch nicht auffallen. Erzählen möchte ich es ihr nicht, das gäbe einen Bruch in der Vertrautheit. Ich fürchte, sie würde sich verraten fühlen.

Aber eigentlich möchte ich aufhören und mein Schattenleben loswerden. Was mich hindert am Aufhören? Es würde schon etwas fehlen: die Verfügbarkeit, das Überraschende, die Abwechslung, die Unkompliziertheit.

Alltag für Prostituierte
Freier im Bordell Paradise in der Nähe von Stuttgart. Fotografiert von Bettina Flitner

Es war 2013, als die deutsche Fotografin Bettina Flitner eine Idee hatte: Freier porträtieren. Die Leute aus dem Milieu, die sie als Erstes kontaktierte, schüttelten den Kopf. Aber sie wollte es trotzdem versuchen. Also sprach sie den Inhaber des Stuttgarter Grossbordells Paradise an, ob sie die «Gäste» fotografieren könne, und er sagte tatsächlich Ja. Und so stand sie nun eines Tages da und war neben der Barkeeperin die einzige angezogene Frau im Raum. Alle Männer, die sie ansprach, hatten erwartungsgemäss keine Lust, fotografiert zu werden. Nach dem ersten Tag hatte sie keine einzige Foto. Dann hatte sie noch eine Idee. Sie verteilte Flyer, auf denen sie jeder Frau, die ihr einen Freier vermittelte, 50 Euro versprach. Das brachte die Sache zum Laufen. Nach einer Weile nahmen die Herren, zuweilen auch nackt, vor ihr Platz, «als wären sie beim Friseur». Frauensolidarität ist auch im Sexgewerbe nützlich. (cz.)

https://nzzas.nzz.ch/magazin/freier-ueb ... ld.1536828

Was sind das denn für Freier, die so über SW reden? :021

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Re: Der Freier als Kunde

#87

Beitrag von Veraguas »

"Was sind das denn für Freier, die so über SW reden?"

Im Text wird die Arbeit von Bettina Flitner erwähnt.
An anderer Stelle finden sich Informationen über die Zusammenarbeit der Autorinnen mit Melissa Farley.
Möglicherweise ist die Auswahl der Interviews durch diese "Expertinnen" beeinflusst worden.
Bettina Flitner hat als Fotokünstlerin auf skandalöse Weise Freier portraitiert und veröffentlicht und ist die Ehegattin von Alice Schwarzer.
Melissa Farley ist eine Anti-Prostitutionsaktivistin aus den USA.

Was in den Köpfen von Freiern alles so abgeht, spiegelt den gesellschaftliche Status von Sexarbeit, Zärtlichkeit, Liebe und Machtdenken wieder. Wenn die lustfeindlichen Abolistinnen an Einfluss gewinnen, werden sich die seelische Abgründe im Bewusstsein der Männer mit Sicherheit verschärfen.
Welches Problem auch immer in der Gesellschaft besteht-
der Staat weiss eine völlig irre Problemlösung die niemandem nützt, aber Arbeitsplätze im Beamtenapparat schafft. H.S.

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Re: Der Freier als Kunde

#88

Beitrag von friederike »

An die Authentizität solcher Geschichten glaube ich keine Sekunde. Danke, @Veraguas, für die Verweise auf die Hintergründe.

Es ist so surreal, so etwas zu lesen: es soll eine Realität darstellen, die ich selbst tagtäglich erlebe - nur eben ganz anders.

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Re: Der Freier als Kunde

#89

Beitrag von deernhh »

Leserdiskussion zum Thema Prostitution
Freier: «Sexualität hat das Leben lebenswert gemacht»

Das Interview mit Buchautorin Aline Wüst über Prostitution hat viele Reaktionen ausgelöst. Wir haben einige Kommentare herausgepickt.

Dominik Galliker
Publiziert heute um 09:48 Uhr

Die Journalistin Aline Wüst hat mit hundert Prostituierten gesprochen und zwei Jahre recherchiert, um in ihrem Buch «Piff, Paff, Puff. Prostitution in der Schweiz» das Rotlichtmilieu zu porträtieren. Im Interview mit dieser Zeitung beschreibt sie Situationen von Zwang und Missbrauch und sagt: «Wir hören lieber den wenigen Sexarbeiterinnen zu, die sich für Prostitution starkmachen, anstatt den Prostituierten, die sie anprangern.»

Über zweihundertmal wurde das Interview kommentiert. Hier sind sechs Kommentare und Antworten, welche die Diskussion widerspiegeln:

1. «Für mich als Mann beschämend»
Danke für diesen super Artikel! Ich selber arbeite hin und wieder (als männlicher Osteopath) mit Frauen aus diesem «Dienstleistungssektor» – und glaubt mir, der Körper einer solchen Frau erzählt Geschichten, die mich als Mann beschämen. Kommentar von Edward Muntinga

«Es ist komisch, dass wir in unserer Gesellschaft einen solchen Machtmissbrauch dulden und verteidigen.»

Jacqui Wirz
2. «Das ist ignorant»
«Männer tun es, weil sie können.» – Das ist der klassisch einseitige Blick von Prostitutionskritikern (-innen). Den banalsten Grund erwähnt die Journalistin mit keinem Wort. Viele Männer haben ein starkes physisches Bedürfnis nach Sex, aber keine Partnerin. Diesen pauschal Missbrauch zu unterstellen, ist ignorant. Kommentar von Dan Harver

@Dan Harver: Das hormonelle Bedürfnis über die Menschenwürde zu stellen, finde ich schon ein starkes Stück. Kommentar von Mina Peter

@Dan Harver: Selbstbefriedigung ist nicht mehr verboten wie in früheren Zeiten, als die Kirche noch mehr moralisiert hat. Kommentar von Carmen Siegrist

Journalistin Aline Wüst: «Ich habe mit hundert Frauen gesprochen, die sich prostituieren oder prostituiert haben. Alle erzählen dasselbe: von Schmerz, Leere, Gewalt, von Alkohol und Drogen, um all dies auszuhalten.»
Journalistin Aline Wüst: «Ich habe mit hundert Frauen gesprochen, die sich prostituieren oder prostituiert haben. Alle erzählen dasselbe: von Schmerz, Leere, Gewalt, von Alkohol und Drogen, um all dies auszuhalten.»
Foto: Andrea Zahler
3. «Sex hat das Leben lebenswert gemacht»
Ich habe Erfahrung mit der Prostitution. Einerseits als Freier. Aber ich habe auch hinter die Kulissen der Prostitution gesehen. Ich habe für Prostituierte Websites erstellt, Computer repariert und Katzen gehütet. Prostitution ist extrem heterogen. Vom Strassenstrich über Sexclubs bis hin zu Luxus-Escorts. Was im Artikel geschrieben ist, ist nicht falsch, aber es gibt das Phänomen Prostitution völlig unvollständig wieder. In vielen Clubs arbeiten Frauen selbstbestimmt und einfach, weil es ein lukrativer Job ist. Meine Einschätzung ist, dass dies eine grosse Mehrheit ist. Als Mann fühle ich mich vom Artikel nicht ernst genommen. Ich habe Prostituierte besucht, weil ich ein starkes Bedürfnis hatte, meine Sexualität ausleben zu können. Das hatte nichts mit Macht zu tun. Sexualität ausleben zu können, hat mich extrem entspannt, hat das Leben lebenswert gemacht. Folgenden Spruch kann ich für mich voll unterschreiben: «Sex ist nicht alles im Leben, aber ohne Sex ist alles nichts.» Ich befürworte, dass Probleme rund um die Prostitution aufgedeckt werden. Nachhaltige Lösungen erfordern aber ein sachliches und umfassendes Herangehen an diese Thematik. Kommentar (gekürzt) von «Ein Freier»

«Das Gefühl, erniedrigt zu werden, ist sehr individuell, und auch der Konsument kann es haben.»

Kevin Balmer
4. «Männer können sich untergeben fühlen»
Was ist mit Männern, die sich eigentlich nur nach Zuneigung sehnen, sich aber bewusst sind, dass ihnen die Prostituierte diese nur gegen Bezahlung gibt? In anderen Branchen (z. B. Handys, Autos, Lebensmittel) gilt der Konsument auch eher als Opfer, der sich etwas kauft, weil er glaubt, es sei gut, es sich zu leisten. Hier fehlt die Sicht der Männer, die schliesslich nicht alle gleich sind. Männer können sich der Prostituierten auch untergeben fühlen, weil diese bestimmt, wie viel Geld er zu zahlen hat, und weil sie etwas hat, das er gern möchte. Prostituierte können auch sehr bestimmt auftreten – in manchen Fällen sogar auf den Mann als Bedürftigen herunterblicken. Das Gefühl, erniedrigt zu werden, ist sehr individuell, und auch der Konsument kann es haben. Zudem ist dieses Gefühl absolut nicht abhängig vom Geschlecht. Kommentar (gekürzt) von Kevin Balmer

@Paolo Martinoni: Interessante Gedanken. Ich würde allerdings «Begehren» und «Lieben – geliebt werden» nicht gleichsetzen. Es gibt auch den Schmerz vieler Frauen, die wegen ihres weiblichen Körpers von Männern begehrt werden, doch geliebt werden sie damit nicht unbedingt. Dabei sehnen sich alle Frauen nach Liebe. Im Artikel geht es um Migrantinnen, die zumeist im Frauenhandel von Menschenhändlern gefangen sind. Kommentar (gekürzt) von Carmen Siegrist

5. «Damen könnten andere Berufe lernen»
Es ist immer von Zwang die Rede. Aber wer zwingt wen eigentlich? Diese Damen könnten durchaus einen anderen Beruf lernen oder an einer höheren Schule studieren oder anderswo arbeiten oder einen finanziell bessergestellten Mann heiraten, wie das ihre Altersgenossinnen tun, die ihren Körper nicht für Sex vermieten («verkaufen» ist nicht das treffende Wort). Wieso tun sie das nicht? Es ist sicher evident, dass man als Prostituierte in der Schweiz sehr viel Geld in relativ kurzer Zeit verdienen kann, mit dem man locker ein halbes Jahr in Rumänien oder Ungarn leben kann. Könnte das nicht ein Grund sein, der viele der Frauen bremst, ihr Leben anders zu gestalten? Kommentar von Carmelo Di Stefano

@Carmelo Di Stefano: Wo genau erlernen Sie als Roma in Ungarn einen Beruf oder besuchen eine höhere Schule, wenn nicht mal der Grundschulbesuch möglich ist? Als was arbeiten Sie auf dem Land in Thailand oder Kamerun «anderswo»? Ist Ihnen klar, dass etliche dieser Frauen eine ganze Familie ernähren? Kommentar von Astrid Meier

6. «Sex sollte kein Geschäft sein»
Auch ich vertrete die Ansicht, dass Frau über ihren Körper frei entscheiden darf, aber Prostitution nicht eine freie Entscheidung ist. Es ist komisch, dass wir in unserer Gesellschaft einen solchen Machtmissbrauch dulden und verteidigen und ihn hinstellen, als gings um ein Geschäft wie jedes andere. Sex sollte kein Geschäft sein! Einer Frau es so einfach zu machen, sich selbst zu verkaufen, ist… das stammt noch aus einer Zeit mit frauenverachtenden Strukturen. Ja, die gibt es noch, und ich schäme mich dafür vor meiner Tochter! Kommentar von Jacqui Wirz

@Jacqui Wirz: «Einer Frau es so einfach zu machen, sich selbst zu verkaufen, ist…» – also sollte man Frauen die Freiheit nehmen, etwas zu tun? Das ist sexistisch und abwertend. Sind denn Frauen keine selbstständigen Wesen? Kommentar von Danilo Schlumpf

Publiziert heute um 09:48 Uhr

https://www.bernerzeitung.ch/freier-sex ... 6270329884

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Re: Der Freier als Kunde

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Beitrag von deernhh »

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