Eine die mal Tacheles redet

Beiträge betreffend SW im Hinblick auf Gesellschaft bzw. politische Reaktionen
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JustMy2cent
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Beitrag von JustMy2cent »

Es war hier auch von Zwangsprostituierten die Rede. Ich kenne welche die müssen alles machen. Nicht jede Prostituierte darf machen was sie will.
Und wenn der Zuhälter oder "Loverboy" genug Geld verdienen will, wird er mit einer SW die alles nur mit Schutz macht kaum was verdienen. Oder viel weniger. Zumindest nicht in Österreich. Und schon gar nicht wenn neben dieser SW noch 10 weitere Kolleginnen stehen die alles ohne anbieten für 40 Euro.
Und das gilt im übrigen auch für andere Sexworkerinnen die keinen Zuhälter haben. Wennst zum Beispiel 10 Kolleginnen neben dir stehen hast die alle Naturfranzösich anbieten und du die einzige bist die beim Französich einen Gummi nimmt, dann gehst entweder mit 0 Euro heim oder hattest vielleicht das Glück das du wenigstens einen Gast erwischt hast den die Gesundheit doch noch was wert war.
Das sind meine Erfahrungswerte.

Ich kenne diesen Job so,- das von 10 Gästen garantiert 8 keinen Gummi nehmen wollen. Dann kannst du dir überlegen ,- will ich was verdienen oder such ich mir einen anderen Job. (Ich bin dann auf selbstständiges Arbeiten umgestiegen).
Und jetzt sag mir bitte: Was sollen die tun die sich keinen anderen Job suchen können?

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fraences
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Beitrag von fraences »

Was Du da erzählst ist der Beweis das die menschenunwürdige und diskriminierende Zwangsuntersungen speziell nur für Sexarbeiter Null Ergebnisse bringen!

Es ist wissenschaftlich belegt, das die Pflichtuntersuchungen( in Deutschland abgeschafft wurden, das es Kontraproduktiv ist und auch nicht bewiesen, das Sexarbeiterin mehr gefährdet sind als der Rest der Bevölkerung.

In Übrigen hat sich bei der Tagung DSTIG die gesamte Fachwelt gegen Pflichtuntersuchung ausgesprochen hat.

Pflichtuntersuchungen
- dienen weder der Gesundheit des Individuums noch der Gesellschaft
- beeinträchtigen die Förderung der sexuellen Gesundheit
- sind grundgesetzwidrig und verletzen die Würde der Menschen
- erfüllen den Tatbestand der Körperverletzung
- verhindern weder Menschenhandel noch sexuelle Ausbeutung.


http://www.dstig.de/images/Akteulles_Ne ... 1.2013.pdf

Zwangskontrollen sind kontraproduktiv und nur durch die Stärkung der Rechte von Sexarbeiterin und den Schwerpunkt auf Prävention und auf Aufklärung stärkt das eigene Gesundheitsbewusstsein.
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JustMy2cent
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Beitrag von JustMy2cent »

Liebe fraences,

ohne hier jemand persönlich beleidigen oder jemanden zu nahe treten zu wollen, kann ich dir hier wieder rum sagen, auch aus Erfahrungswerten,- dass es viele viele Male gegeben hat wo ich mit Kolleginnen beim Arzt war und gesehen haben wieviele KEINEN Stempel bekommen haben weil sie irgendwelche Geschlechtskrankheiten hatten. (Den Stempel brauchen sie um legal arbeiten zu dürfen)

Weiters hatte ich erst kürzlich ein (fast) privates Gespräch mit einem der Ärzte die in meiner Heimatstadt zuständig sind für die Gesundheitskontrollen der SWs und darin gings um Geschlechtskrankheiten. Seine Aussage war diese: "Ganz schlimm mit den Krankheiten ist es besonders bei den Mädchen die aus Deutschland kommen. Da frage ich mich jedesmal was ich heute wieder finde." (Das war wortwörtlich was er gesagt hat)

Ich weiss nicht ob ich den Namen des Arztes veröffentlichen darf, aber gerne gebe ich ihn per PN weiter damit ihr mal selber nachfragen könnt.

Ähnlich Aussagen habe ich auch von anderen Ärzten in diesem Arbeitsbereich gehört. Nur manche meinen wiederrum das Mädchen aus Rumänien die meist infizierten Frauen sind.
Auch Ärzte scheinen hier verschiedene Erfahrungswerte zu haben.

Und ich persönlich habe nicht nur einmal eine SW in Österreich erlebt der das arbeiten wegen Krankheiten verboten wurde. Und ich persönlich finde das auch gut so. Ich habe natürlich auch bedenken wenn einer meiner Gäste vorher bei einer infizierten SW war und danach zu mir kommt.

Natürlich gibt es Gott sei Dank auch gesunde Frauen aus diesen Ländern. Aber die Tendenz zu Krankheiten ist steigend, allgemein. Wie soll es auch anders sein bei "alles ohne" Services, welche (leider) gängige Praktiken sind.

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RE: Eine die mal Tacheles redet

Beitrag von Melanie_NRW »

War da zufällig die Rede davon, das 95% aller SexarbeiterInnen aus Deutschland Geschlechtskrankheiten haben?

Ich glaub dann kenne ich den Namen der Ärzt(in) :D

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Beitrag von JustMy2cent »

Es ist ein Doktor der in Österreich in Traun bei Linz arbeitet. Der andere war direkt in Linz. Falls ich das nicht sagen darf - bitte an den admin zum löschen. Und nein das sind keine Ärzte die sich hier um irgendwelche Gesetzte kümmern. Sind beide ganz normale und sehr kompetente Frauenärzte die übrigens auch schon lange die Untersuchungen für SW´s machen.

Und hier in Österreich sehen viele der SWs die Gesundheitskontrollen als gar nicht schlimm an. Sicher ist es manchmal lästig jede Woche zum Arzt zu müssen, aber man gewöhnt sich dran und meist ist es nur eine Dauer von 10min. Also ich persönlich bin froh das es sie gibt und viele meiner Kolleginnen auch.
Ist ja nicht schlecht wenn man weiss das Muschi gesund ist :003

Edit: @fraences Und warum das nicht förderlich für die SW oder die Gesellschaft sein soll, entzieht sich hier völlig meinem Verständnis. Schleppst Du lieber eine (nicht bemerkte) Krankheit nur ein paar Tage herum oder doch lieber ein paar Wochen oder Monate und steckst noch 300 andere Leute an???

Und warum eine wöchentliche 10min Untersuchung hier unter Körperverletzung oder gar Nötigung fällt ist der grösste Blödsinn überhaupt.
Eine Gewerbliche SW hat meiner Meinung nach eine gesunde Muschi zu haben, sonst hat sie in diesem Job nichts verloren. Und um zu wissen dass sie gesund ist muss sie nun mal zum Arzt gehen. Regelmässig. Wie solls denn sonst funktionieren?

Ein bisschen Verantwortungsgefühl sollte man als SW schon haben.

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malin
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Beitrag von malin »

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JustMy2cent hat geschrieben:
Aber das mit der Arbeit einer (Zwangs)Prostituierten zu vergleichen find ich ein bisschen merkwürdig .
Der Denkfehler liegt darin, dass du Zwangsarbeit mit Arbeit gleichsetzt.
Zwangsarbeit ist aber keine Arbeit, sondern ein Verbrechen.

Und ich wage mal zu behaupten, dass es per se eher gesundheitsschädlich ist, Opfer eines Verbrechens zu sein.


Ansonsten muss ich mich doch sehr über deine Wortwahl (vor allem im letzten Posting) zum Thema menschenrechtswidrige Zwangsuntersuchung wundern.
Davon ab, scheinen die von Dir geschilderten Zustände eher den Rückschluss nahe zu legen, dass eine solche Zwangsmassnahme zur verstärkten Nachfrage nach ungeschützten Praktiken führt.
liebe grüsse malin

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Beitrag von ehemaliger_User »

und was machen dann die "Zwangsprostituierten" denen der Stempel verweigert wird? Brav Pause?

Und es verbietet doch niemand, sich regelmässig beim Arzt des Vertrauens untersuchen zu lassen.
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Beitrag von JustMy2cent »

Schau liebe Malin,

ich kann schon verstehen dass viele selbstbestimmte Sexworkerinnen fürchten dass ihnen ihre Lebensgrundlage entzogen wird. Ist auch völlig berechtigt.
Ich als Österreicherin verfolge natürlich auch interessiert was hier gerade in Deutschland passiert weil es oft ja so ist dass unser Nachbarstaat Deutschland gerne zu Vergleichen oder als Vorbild herangezogen wird. Das heisst das wenn ein Verbot in Deutschland ausgesprochen wird,- sich auch der Österreichische Staat an diesem eventuell orientiert oder vielleicht sogar in ein paar Jahren gleichzieht. Oder vielleicht auch nicht.

Das ein Verbot keinesfalls die Lösung aller Probleme ist - ist auch klar. Und das das alles noch schlimmer machen würde ist auch nicht schwer nachzuvollziehen. Und das Sexworkerinnen auch ihre Daseinberechtigung haben wollen ist ganz verständlich. Ich bin ja selbst auch eine.

Aber jetzt so zu tun, als würde es keine Probleme geben und so zu tun als würde es die "Gruppe" der völlig ausgebeuteten Mädchen nicht geben oder Arbeitsbedingungen die nichts mehr mit Menschenwürde zu tun haben auch nicht existieren, finde ich mehr als verlogen.
Und wenn ich Aussagen höre von Sexworkerinnen die behaupten sie hätten nie solche Mädchen gesehen und das ist alles nur eine von den Behörden erlogene Lüge, dann stellt es mir dabei die Haare auf. Ich habe mehr als genügend solche gesehen und auch mit ihnen zusammengearbeitet. Und das war alles andere als schön.

Und zu deiner eigentlichen Frage ob Zwangsuntersuchungen dazu führen das vermehrt nach UNSAFE-Sexpraktiken gefragt wird, kann ich nur sagen: "Nein". Völlige Überschwemmung des Marktes hat zu Unsafe Praktiken geführt. Grossbordelle haben zu Unsafe Praktiken geführt. Der extreme Konkurrenzdruck hat zu Unsafe Praktiken geführt. Weil wenn ich hier auf unsere illegalen Studios, Bordelle etc. schaue (wo auch vermehrt Unsafe-Praktiken angeboten werden), wo alle Kundschaften wissen das diese Mädels dort keine Untersuchungen haben und eine grosses Risiko sind, und wenn ich schaue wie die nahezu überschwemmt werden mit Gästen, dann läuft es mir kalt über den Rücken. Weil eben diese Freier sind auch Gäste die zu mir kommen. Und wenn ich auch noch schaue zu welchen Dumping-Preisen solche Praktiken angeboten werden möchte ich anfangen zu weinen. Aber oftmals ist es so wenn die Mädels was verdienen wollen bleibt ihnen gar nichts anderes über anhand der übermächtigen Konkurrenz.

Versteht mich richtig, ich teile schon auch eure Sorgen und Bedenken. Aber ich teile zu gewissen Teilen auch die Bedenken der "normalen" Bevölkerung. Und ich kann auch eine Alice Schwarzer in manch ihren Grundgedanken durchaus verstehen.

Ich wünsche mir hier nicht nur ein Umdenken der Bevölkerung und der Freier, sondern auch ein Umdenken der Sexworkerinnen.
Das finde ich persönlich sogar sehr wichtig.

Einfach alles zu tun wie es einem gerade Spass macht, ohne an die Folgen zu denken, und einfach alles ohne Regulierung laufen zu lassen, wo ich auch auf Jugendschutz, Gesundheit und Menschenrechte hinweisen möchte, geht einfach nicht. Diese Einstellung wird immer wieder zu Konflikten mit den Behörden und der Bevölkerung führen. So wird man uns nie in Ruhe arbeiten lassen. Und so wird man auch immer die einschlägige Vorstellung einer Prostituierten haben. Und zwar nämlich die - die verboten gehört.
Zuletzt geändert von JustMy2cent am 20.11.2013, 08:54, insgesamt 1-mal geändert.

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Beitrag von JustMy2cent »

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ehemaliger_User hat geschrieben:und was machen dann die "Zwangsprostituierten" denen der Stempel verweigert wird? Brav Pause?

Und es verbietet doch niemand, sich regelmässig beim Arzt des Vertrauens untersuchen zu lassen.
Ja lieber ehemaliger_User, die müssen Pause machen. Bis sie wieder gesund sind.
Und natürlich verbietet niemand den Mädels eine freiwillige Untersuchung. Nur sie machen sie halt nicht. Das funktioniert alles nur in der Theorie, aber nicht in der Praxis. Bis auf wenige Ausnahmen vielleicht.

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Beitrag von malin »

viewtopic.php?p=136732#136732

Bezüglich der Sinnhaftigkeit einer Zwangsuntersuchung, halte ich die Einschätzung der DSTIG eigentlich für sehr sinnvoll.
Und mal ehrlich Justmy2cent, wenn Zwang und Repressalien so viel bringen würden, hättet ihr in Österreich nicht die auch von Dir geschilderten Zustände.

Ich glaube übrigens kein bisschen, dass es hier in Deutschland aktuell darum geht Prostitution zu verbieten.
Ich vermute vielmehr, dass der Sinn hinter den ganzen lancierten Kampagnen und moralingeschwängerten Grundsatzdiskussionen darin zu suchen ist, einen weiteren Schritt in Richtung Überwachung/Registrierung/Kontrolle/Repression zu gehen, in der Hoffnung so die Bürgerrechte scheibchenweise wieder aushebeln zu können.

Diesmal halt nicht unter der Prämisse "Terrorgefahr" sondern eben "Menschenhandel", klingt auch gut und ordentlich bedrohlich.

In irgend einer Philosophischen Sendung zum Thema Sexualität auf 3sat meinte letztens ein Mensch sinngemäss "kontrollierst du die Sexualität, kontrollierst du den ganzen Menschen".

Ich denke, er hatte Recht.
liebe grüsse malin

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RE: Eine die mal Tacheles redet

Beitrag von fraences »

@malin

Stimme ich dir voll zu.

Die Sexualität als Urtriebfeder der Evolution, diese natürliche, energetische Ressource, verlockte immer schon dazu, sie zu kanalisieren in Kreativität und Schaffungskraft. Dies kann für den Einzelnen ungeahnte schöfferische Momente freisetzen. Es droht auch immer die Gefahr, das diese Urkraft im Sinne von Herrschaftstechnik und Allmachtsphantasie, zu Unterdruckung und Unfreiheit führt. Heute leben wir in Strukturen, in denen Wenige einer Mehrheit Lebensformen und Strukturen auf diktieren über Kontroll- und Sicherheitssysteme. Die Sexualität jedoch bedeutet permanente Erneuerung, trägt somit die Rebellion und die Revolte gegen das Alte natür gemäß in sich selbst. Sie ist nicht zu beherrschen und das ist auch gut so.
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Beitrag von Kasharius »

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JustMy2cent hat geschrieben:Hmmmh...Der Vergleich zwischen Zwangsprostituierte und einem Zwangsarbeiter oder Zwangsanwalt der hier beschrieben wurde ist wie der Vergleich von Äpfeln und Birnen.

Eine Zwangsprostituierte muss Praktiken nachgehen die nicht nur äusserst gesundheitsgefährdend sind sondern sehr oft auch noch extrem widerlich und psychisch belastend.

Ich kenne keinen Normalberuf in dem man ohne Gummi ficken und blasen muss ,- oder zum Teil noch viel schlimmere Dinge.
Natürlich muss man in jedem normalen Job auch mal Dinge machen die einem nicht gefallen und oft ist man auch dort psychisch belastet. Aber das mit der Arbeit einer (Zwangs)Prostituierten zu vergleichen find ich ein bisschen merkwürdig .

Oder vielleicht denke nur ich ein bisschen merkwürdig. Wer weiss...:017
@ JustMy2cent

nein, Tust Du nicht. Mein Posting war ein, sicher nicht so gelungener schlechter (Anwaltsscherz) Ähnlich wie @freances und anderen wir man bei der Schwarzer-Kampagne gegen Prostitution auch mal zynisch. Wer mich und meine Beiträge im Forum kennt weiß, wie ich zu selbstbestimmter SExarbeit und Zwangsprostitution stehe: Ich unterstütze leidenschaftlich das eine und verachte das andere ohne dessen Existenz zu verleugnen oder gar zu verharmlosen. Sollte ich Dich oder andere daher verletzt oder einen entsprechenden Eindruck vermittelt haben, möchte ich mich hier im Forum in aller Form entschuldigen. Bei allem Zynismus gibt es Grenzen.

Kasharius grüßt entschuldigend

Klaus Fricke
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RE: Eine die mal Tacheles redet

Beitrag von Klaus Fricke »

Hallo, @ JustMy2cent

vielen Dank für Deinen Beitrag. Ich finde er macht auf die prekären Verhältnisse unter denen Sexarbeit stattfindet und die daraus entstehenden - nicht nur gesundheitlichen - Gefährdungen aufmerksam. Tatsächlich ist es so, das viele (junge) Frauen in die Sexarbeit gehen, um schnell Geld zu verdienen. Es stimmt, dass nicht wenige dieser Frauen aus prekären sozialen und ökonomischen Situationen kommen. Die Konkurrenz um die Kunden ist groß und die Bereitschaft in der Konkurrenz durch erweiterten Service zu Punkten ist nicht gering. Das führt in mehr als nur einigen Fällen zu Arbeitsbedingungen und -praktiken, die inakzeptabel sind.

Was kann dagegen getan werden?


In der öffentlichen Diskussion, ich hab das an anderer Stelle schon gesagt, wird ein Programm bevorzugt, das ich als "Primat der Repression" bezeichne und das ich für systematisch krank (machend) halte. Der Menschenhandels- und Zwangsprostitutionsdiskurs, der derzeit geführt wird, soll den Terrorismusdiskurs in seiner Wirkung unterstützen oder ersetzen. Die Botschaft ist: Zwang und Kontrolle müssen her, nur Zwang und Kontrolle können das Biest Mensch domestizieren. Diese Botschaft halte ich für einen gefährlichen Irrtum und einen zivilisatorischen Rückschritt. Ich glaube, dem Gemeinwesen und der Sexarbeit ist mit einer Restaurierung autoritativer Lenkungsmodelle nicht geholfen.

Aber weg von der abstrakten Diskussion. Was könnte anstelle von Zwang und Kontrolle zu einer Verbesserung der Situation in der Sexarbeit und in der Selbstregulation von Gemeinwesen führen?

Ich träume einmal:


Die finanziellen Ressourcen, die der staatlichen Kontrolle der Sexarbeit zufließen werden in Massnahmen umgelenkt, die Selbsthilfepotentiale in der Sexarbeit stärken. Sieht man sich einmal den Aufwand an, der bei Razzien etc betrieben wird, kommt da einiges an Geld zusammen. Multiplikatorinnen aus der Sexarbeit werden aus diesen Ressourcen finanziert (das langt für reichlich von uns), um neben ihrer Arbeit Netzwerke zu Sexarbeitenden aufzubauen, und diese dabei zu unterstützen, gesundheitsbewusst und ohne Selbstausbeutung zu arbeiten (soll möglich sein, siehe SWOP, Australien: http://www.swop.org.au/sites/default/fi ... 13_Web.pdf). Weitere Ressourcen werden aufgewandt, um Gäste anzusprechen, damit diese in ihren Communities auf gesundheitlich förderliche Praktiken hinweisen und z.B. über die angemessene Honorare zu diskutieren (und Bundespräsident Gauck macht den Schirmherren). Und es wird Geld ausgegeben, um BetreiberInnen ins Boot zu holen, die ebenfalls im Sinne einer Sexarbeit unterwegs wären, die weder gesundheitlich prekär noch ökonomisch (selbst-) ausbeutend wäre. Die würden zertifiziert, die Kunden wüssten: keine Schmuddelbude, sondern der nette Herr, der jeden Morgen seine Brötchen kauft und gerne über seine Firma fachsimpelt. Übrigens alles Empfehlungen, die in der Untersuchung des dt. Bundesministeriums für Familien, Senioren, Frauen und Jugend aus dem Jahr 2005 zur Fortentwicklung des Prostitutionsgesetzes enthalten sind, ohne dass diese je ernsthaft politisch diskutiert wurden (http://www.bmfsfj.de/doku/Publikationen ... onsgesetz/, ab Seite 288). Also nichts, was nicht durch Expertise begründet für sinnvoll und machbar gehalten wurde. Politisch mehrheitlich gewollt war es allerdings nie. Es wurde vielmehr poltisch ignoriert und seine Umsetzung sabotiert.

Ich denke, wir haben als ProSexWorkAktive eine große Chance in der augenblicklichen Diskussion. Nur wir wissen, was wirklich los ist. Wir sind die Experten. Wir wissen auch genau, was zu tun wäre, um Verbesserungen herbeizuführen. Wir haben Zeit, neben unserem Broterwerb, aktiv zu sein. Wir sind es, die andere SW, Betreibende, Gäste erreichen können. Ohne den erhobenen Zeigefinger. Wir tun das mit Lust und Freude und aus eigenem Interesse.

Wenn es uns gelingt, einige Leuchtürme von Sex-Work-Selbstorganisation und -Hilfe in Betrieb zu bringen, wer kann dagegen argumentieren?

Wenn Du neben 10 jungen Frauen stehst, die prekär tätig sind, was wäre nötig, um diese solidarisch zu erreichen? Das ist die Frage, die zu beantworten ist.

Erst nur als ein Leuchtturm. Die zuchtmeisternde Kripo, Staatsanwalt und Amtsärzteschaft, brauchen wir nicht. Im Gegenteil, die sind im Weg. Wir haben uns! Wir sind stark! Wir können uns organisieren! Wir werden es ihnen zeigen!

Die individuelle Lust, die individuelle Art des Begehrens, sind unsere Kraft! Sie verbinden uns mit den Menschen, die sie zu leben bereit und zu uns unterwegs sind. Sie macht uns zu Verbündeten der Menschen, die sie zu Leben noch nicht gelernt haben und sie in sozialen Konventionen gefangen halten. Sie bei Menschen freizusetzen, die dazu dressiert wurden, sie zu leugnen, ist emanzipatorisch gesehen, die Arbeit an der Zivilisierung unseres gemeinsamen Lebens. Da stehen wir weit vorne in der Geschichte der emanzipatorischen Praktiken. Lust - bewusst - professionell - dem Gegenüber ganzheitlich zugewandt - in Distanz und Nähe - das gegenüber und sein individuelles Begehren wertschätzend annehmend, fördernd und freilegend - eigene Grenzen kennend und achtend - Wollen. Wer schafft das sonst? Die Ehe als Institution? Der Zwang zur Einheit von Begehren und Liebe? Wohl kaum - eher eine professionalisierte Sexarbeit.

Grüße
Klaus

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Beitrag von ehemaliger_User »

@Jsutmy2Cent "nur machen sies halt nicht" - das gilt doch auch für die Zwangspause, oder? Wer Geld braucht, wird dann im Untergrund weiterarbeiten, das haben die Erfahrungen gezeigt als der "Bockschein" auch in Deutschland noch Pflicht war.
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Beitrag von JustMy2cent »

Guten Morgen.

vielen lieben Dank für das Feedback eurerseits.

Liebe Malin,

dass wir in Österreich trotzdem auch noch das Problem der Gesundheit haben liegt an den illegal beschäftigten Sexworkerinnen die nicht zur Gesundheitskontrolle gehen.
Unsere registrierten Prostituierten mit regelmässiger Kontrolle gehören in Österreich zu den gesündesten Berufsgruppen.

Natürlich soll und darf hier jeder seine eigene Meinung zu dem Thema haben, aber ich bin der Meinung dass man alles im Leben von einer positiven oder negativen Seite sehen kann.
In erster Linie tut ihr euch mit der Gesundheitskontrolle nur selbst einen Gefallen und in zweiter Linie damit natürlich auch der öffentlichen Gesundheit. Ich sehe hier auf beiden Seiten nur eine win/win Situation. Aber gut, jeder mag das anders sehen.

Bei deinem zweiten Punkt gebe ich dir durchaus recht, auch ich glaube nicht dass um ein Verbot der Prostitution geht, sondern eher eine Regulierung. Aber in der realen Welt ist es nun mal so das Gesetze nicht für eine kleine Minderheit gemacht werden, sondern für die breite Masse.
Ich halte euch jedenfalls die Daumen dass die Regulierung für euch annehmbare Gesetzeslagen mit sich bringt und wünsche den deutschen Kolleginnen viel Glück. :006

Lieber Kasharius,

vielen Dank auch für dein Feedback, keine Sorge ich habe mich keinesfalls verletzt gefühlt, da gehört schon etwas mehr dazu. Da ich auch immer wieder solche Vergleiche in diversen Freierforen lese, wundere ich mich halt manchmal. Aber ich habe schon angenommen dass es nicht böse gemeint war :002

Lieber Klaus Fricke,

vielen lieben Dank auch für deinen durchaus interessanten Beitrag. Ich finde es immer toll wenn es Menschen gibt die sich für die Sache der Sexworkerinnen einsetzen und sich durchaus sinnvolle Gedanken machen, mehr möchte ich dem gar nicht hinzufügen. :001

Last but not least lieber ehemaliger_User,

ja natürlich gilt das auch für die Zwangspause und du hast schon recht, viele gehen halt dann illegal weiterarbeiten.
Da sind wir schon beim nächsten Problem.

Wie traurig ist es dass eine Sexworkerin nicht mal ein paar Tage Pause machen kann um Muschi auszukurieren weil sie so pleite ist ???
"Wer" hat das Geld, dass sie verdient hat, das oftmals ja gar nicht so wenig ist? Oder warum hat sie zu wenig verdient? (Schlechter Service mal ausgeschlossen). Oder wer lässt sie nicht Pause machen ?
Auf diese Frage gibts natürlich jede Menge Antworten und auch jede Menge weitere Fragen die den Rahmen hier jetzt sprengen würden.
Aber ich nehme an Du verstehst was ich meine...:006

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Beitrag von Marc of Frankfurt »

Zur Gesundheits-politischen Debatte haben wir viele Studien gesammelt hier

www.sexworker.at/phpBB2/viewtopic.php?t=552

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Beitrag von Lycisca »

Noch ein paar Ergänzungen zur Gesundheitsdiskussion:
JustMy2cent hat geschrieben:Seine Aussage war diese: "Ganz schlimm mit den Krankheiten ist es besonders bei den Mädchen die aus Deutschland kommen. Da frage ich mich jedesmal was ich heute wieder finde."
Objektive Statistiken widersprechen diesen Aussagen krass:
1.) Die Durchseuchung mit HIV ist in Österreich doppelt so hoch, wie in Deutschland (Quelle: UNAIDS 2012, Report on the Global AIDS Epidemic)
2.) Syphilis ist in Österreich signifikant verbreiteter, als in Deutschland (Robert Koch Institut 2009, Epidemiologisches Bulletin).

Die Pflichtuntersuchung für Sexarbeiter in Österreich hat also keinen wissenschaftlich nachweisbaren Nutzen für die Gesundheit. Im Gegenteil, in Deutschland mit ähnlichen gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, aber ohne Pflichtuntersuchungen, ist die Lage signifikant besser.

Dass die registrierten Sexarbeiter durchwegs gesund sind, ist übrigens durch eine systematische Verzerrung der Stichprobe verursacht: Kranke lassen sich beurlauben und gehen nicht zur Untersuchung ... das erspart ihnen unheimlich viel Bürokratie.

Darüber hinaus nützt das Wissen, dass registrierte Sexarbeiter gesund sind, primär ihren Freiern, die dann unbesorgt vor einer Infektion Sex ohne Kondom verlangen können ... das wird auch in Dokumenten der Bundesregierung zugegeben.

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Beitrag von malin »

Danke Lycisca, für dieses klare Statement.
liebe grüsse malin

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Beitrag von ehemaliger_User »

@Justmy2cent, natürlich verstehe ich Dich!

Ich habe aber nun mal was gegen "Gängelung" und Überwachung. Zumal wenn die Begründung "Schutz der Betroffenen" lautet. Es gab mal eine Zeit, da wurden andersdenkende/anderslebende Menschen in "Schutzhaft" genommen.
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Beitrag von Arum »

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ehemaliger_User hat geschrieben:Es gab mal eine Zeit, da wurden andersdenkende/anderslebende Menschen in "Schutzhaft" genommen.
In irgendeinem Diskussionsstrang zum Schwarzer-Appell, an dem ich mich beteiligt habe, gab es eine Prostitutionsgegnerin, die ernsthaft meinte, Freier sollten äusserlich erkennbar gekennzeichnet durch die Welt gehen, damit man sie gesellschaftlich ausgrenzen könne. Ich hab's da dann nicht lange mehr ausgehalten. Diese ganze Prostitutionsdebatte legt bei manchen Feministinnen die schlimmst möglichen Seiten bloss, und sie merken nicht mal, wie nahe sie den alten faschistischen Denkmunstern sind ...
Guten Abend, schöne Unbekannte!

Joachim Ringelnatz