Hure als Ausbildungsberuf - Für und Wider

Beiträge betreffend SW im Hinblick auf Gesellschaft bzw. politische Reaktionen
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Zwerg
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Re: Hure als Ausbildungsberuf - Für und Wider

Beitrag von Zwerg »

informator hat geschrieben:Als Außenstehender finde ich das schon etwas merkwürdig. In Deutschland braucht man zum Glück noch nicht für alles einen Befähigungsnachweis.
Wenn Du mit uns auf Außendienst wärst und das sehen würdest, was wir teilweise sehen, bzw. hören. Wenn Du nur einen Tag lang mein Telefon beantworten müsstest, dann hättest Du Verständnis.

Wenn definitiv falsche Aussagen getätigt werden, dann kann doch der Ruf nach "Ausbildung" nicht unterbleiben. Sollen wir zusehen, wenn zum Beispiel Jemand aus "Unwissenheit" eine infektiöse Krankheit als "unwichtig" und "ungefährlich" erklärt? Gehört da nicht Aufklärung geschaffen?

Sollen wir zusehen, wenn Jemand großartig posaunt, dass etwas nur dann strafbar ist, wenn ein bestimmter Prozentsatz überschritten wird und Andere, die das lesen, nicht entsprechend informieren (auf Österreich bezogen (dort geschehen) ist die Aussage absolut falsch)? Auch der Jenige, der die Aussage getroffen hat, gehört entsprechend geschult.

Dieser Ansatz bedeutet für mich "bereit sein, Verantwortung mitzutragen - und zwar dort, wo sie getragen gehört - damit Niemand zu Schaden kommt - und zwar auch dann, wenn der Schaden nicht unmittelbar durch mich verursacht wird"

Auch von Kundenseite sollte das Projekt doch zu bejahen sein! Kann doch nur gut sein, wenn die SexarbeiterIn weiß was sie tut. Alleine der richtige Umgang mit einem Kondom (von der Auswahl bis zur Handhabung bzw. auch Entsorgung) gehört erklärt. Zum Schutz der SexarbeiterIn - und auch zum Schutz des Kunden.

Ich selbst spreche von einem "Angebot" für SexarbeiterInnen - aber auch von einer "Verpflichtung" für BetreiberInnen. Wenn man Jobs vermittelt, sollte man wissen, worum es geht.

Christian

informator
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Re: Hure als Ausbildungsberuf - Für und Wider

Beitrag von informator »

Hallo Christian, hatte doch selber geschrieben:

informator hat geschrieben:Also zum Eingangspost:

....

Was anderes wäre es vielleicht, wenn sich irgend ein Amt o.ä. dafür zuständig fühlen würde und irgendwelche BASIC's in ein paar Tageskursen (kostenlos) vermitteln und dafür dann Scheine ausstellen würde, ohne die Teilnehmer selber zu registrieren.

...
Etwas merkwürdig finde ich z.B. auch, daß in Deutschland der "Bockschein" abgeschafft wurde. Man könnte ja z.B. die Ausstellung eines "Bockscheins" zusätzlich von der Vorlage des Teilnahmenachweises über o.g. Kurse abhängig machen.

Aber gleich 'nen Ausbildungsberuf fordern ?

Liegt jetzt zwar etwas anders: Zumindest eine größere Gruppe von Ärzten muß z.B. in Bayern zur Verlängerung ihrer Approbation den Nachweis über die Wahrnehmung bestimmter Weiterbildungsveranstaltungen erbringen. In einem eingeschränkten Umfang könnte sowas bei oben bezeichnetem Thema ggf. praktikabel sein.

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Jason
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Beitrag von Jason »

Den Gedanke von Certik finde ich gar nicht mal so abwegig, wenn auch Anfangs sehr übertrieben. Ein Crash-Kurs ist aber durchaus realistisch.

Nehmen wir doch mal den Beruf eine Gaststättenbetreibers als Beispiel. Da gibt es auch keine Ausbildung im herkömmlichen Sinne. Was aber sein muss ist eine Gaststättenbescheinigung die man bei einem eintägigen Kurs bekommt. Darin geht es z.B. um hygienische Mindestanforderungen, Hackfleisch- u. Speiseeisverordnungen etc. Dieser Kurs ist kostenlos, wird bei uns vom Gesundheitsamt durchgeführt und muss beim Antrag auf Gewerbe vorgelegt werden. Egal ob man am Straßenrand nur Bockwurst verkauft oder ein Nobelrestaurant führt.
Das schließt zwar nicht alle schwarzen Schafe aus, gibt aber eine gewisse Grundsicherheit denen gegenüber die diesen Schein haben und konkrete Ansätze zur Strafverfolgung gegen diejenigen die dagegen verstoßen. So können auch Kunden belangt werden die nur nach dem billigsten Angebot streben und sich nicht an Verordnungen halten. ( siehe die letzten Gammelfleischskandale )

Weiterbildende Maßnahmen können ja gemacht werden wenn das Unternehmen läuft. Und sollten meiner Meinung nach auch in regelmäßigen Abständen gemacht werden.

Warum könnte etwas ähnliches nicht auch im Bereich der Sexarbeit Einzug halten?

Die Sexarbeiter haben allerdings den Nachteil, das sie keine Interessengemeinschaft haben die anerkannt ist und kontrollierend eingreift, wie z.B. irgendwelche Innungen oder Kammern wie Handwerker, Ärzte oder Anwälte.
Somit ist die Kommunikation untereinander nur unter denen möglich die gezielt danach suchen. Die Anderen bleiben leider außen vor und machen ihren eigenen Stiefel.
> ich lernte Frauen zu lieben und zu hassen, aber nie sie zu verstehen <

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sweetlady
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Beitrag von sweetlady »

mal ne frage..sorry,bin halt nen blondes plotscherl,lach u weiss es echt nich..was is denn eigentlich dieser bockschein???
also..ich seh das so..meiner meinung nach wäre es absolut begrüssenswert u zwar für beide seiten..wenn die sw anfangs einen kurs belegen müsste,indem sie über die notwendigkeiten dieser branche informiert wird(krankheiten,wie man sie vermeidet-woran man sie erkennt,verhütung,psychologische vorgehensweisen in verschiedenen typischen problemsituationen mit dem kunden).
das sind gebiete,wo anfängerinnen oft im dunkeln tapsen u nich weiter kommen oder nur durch bittere erfahrungen,die man zumindest teilweise verhindern könnte,wüde ihr anfangs bereits ein gewisses hintergrundwissen vermittelt.
eine ausbildung im sinne von techniken,methoden usw.würde ich allerdings nur auf freiwilliger basis zusätzlich anbieten..das als muss wäre meiner meinung nach nich angemessen u schreckt manche ab..

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Morpheus
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Beitrag von Morpheus »

Interessante Aspekte die da aufgeworfen werden.

Wo herrscht meiner Erfahrung nach das größte Defizit an Wissen bei SW. Es sind meisten rechtliche und gesundheitiche Aspekte. Für beides, speziell in A wo es eine Registrierungspflicht gibt, wäre eine Beratung angebracht. In welcher Form auch immer durch Sozialarbeiter oder Fachleute aus dem Thema Recht und Gesundheit.

Mir ist schon klar, dass dies keine Welt bewegen wird weil den EH-Kurs bei Absolvierung eines Führerscheins gibt's in fast allen Ländern und wirklich viel mehr Hilfe erfährt man bei einem Unfall dann auch nicht, aber ich glaub halt zumindest noch immer daran, dass es engagierte Damen gibt und wenn auch nur ein paar Inhalte hängen bleiben, hat man einen Benefit erreicht.

Prostituierte als Lehrberuf halte ich doch ziemlich überzogen, weil es für mich schon mal definitiv kein Ausbildungsziel gibt. Nicht nur das keine eine mehrjährige Ausbildung absolvieren würde, frag ich mich, wer solch eine lange Zeit in Anspruch nehmen würde um dann nach ein paar Jahren, was das erklärte Ziel 99% aller SW ist, wieder "auszusteigen".


Da bin ich schon eher dafür, dass Betreiber einer gewissen "Zertifizierung" unterzogen werden sollten. Sie sind es ja meistens, die die Erstansprechparter von Damen sind und da hängt dann IMHO schon ziemlich viel Verantwortung daran, ehrlich, offen und nicht profitgierig den Newbies die realen Bedingungen von Sexwork, was definitiv nicht immer Milch und Honig bedeutet klarzulegen.

Andererseits vielleicht ein Extrembeispiel aber seit vielen Jahren ein Thema für das es auch keine allumfassende Lösung gibt ist z.B. geschweige denn Ausbildung oder Zeritfizierung: Elternschaft.

Kein Mensch bereitet einem darauf vor und trotzdem werden immer wieder Generationen großgezogen.
Viele Leute hinterlassen Spuren, nur wenige Eindrücke!

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Beitrag von Zwerg »

sweetlady hat geschrieben:was is denn eigentlich dieser bockschein???
Aus Wikipedia

Bockschein ist ein umgangssprachlicher Ausdruck für das amtsärztliche Gesundheitszeugnis, das Personen mit häufig wechselndem Geschlechtsverkehr (amtsdeutsche Bezeichnung für Prostituierte) vielerorts bis etwa zum Jahr 2000 in Deutschland regelmäßig vorweisen mussten. Die Bezeichnung Bockschein ergab sich aus dem Bock, dem gynäkologischen Untersuchungsstuhl, auf den sich die Probandinnen zwecks Anfertigung der erforderlichen Scheidenabstriche begeben mussten.

Die Legitimation des Bockscheins wurde aus dem Gesetz zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten (GeschlKrG) vom 23. Juli 1953 abgeleitet, das die Gesundheitsämter ermächtigte, zum Zweck der Bekämpfung sexuell übertragbarer Erkrankungen die Grundrechte auf körperliche Unversehrtheit und Freiheit der Person einzuschränken. Da die Ausführungsbestimmungen des Gesetzes bei den Bundesländern lagen, gab es je nach Land unterschiedliche Vorschriften über die Durchführung der Untersuchungen, die meist zweiwöchentlich oder monatlich zu erfolgen hatten. Einige Bundesländer ermächtigten auch die einzelnen Gesundheitsämter zu selbstverantwortlichen Regelungen, so dass in manchen Kommunen die Zwangsuntersuchungen bereits in den 1980er Jahren abgeschafft wurden

Am 1. Januar 2001 trat das Gesetz zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten außer Kraft und wurde durch das Infektionsschutzgesetz (IfSG) ersetzt, das in Bezug auf die Bekämpfung von Infektionskrankheiten statt behördlicher Kontrolle und Zwangsmaßnahmen auf freiwillig wahrzunehmende Hilfsangebote der Gesundheitsämter setzt. Bedingt durch diese Gesetzesänderung mussten die verpflichtenden Gesundheitsuntersuchungen für Prostituierte bundesweit abgeschafft werden. Als letzte Bundesländer setzten Baden-Württemberg, Bayern und Sachsen im Jahr 2001 ihre landeseinheitlichen Vorschriften außer Kraft. Kurz nach Abschaffung des Bockscheins führte Bayern in seiner Verordnung zur Verhütung übertragbarer Krankheiten mit Wirkung zum 16. Mai 2001 einen Kondomzwang für weibliche wie männliche Prostituierte und deren Freier ein

mehr noch:
http://de.wikipedia.org/wiki/Bockschein

in Österreich gibt es den Begriff "Kontrollprostituierte" noch - es ist eine staatliche Registrierung mit den oben beschriebenen verpflichtenden (wöchentlichen!) Untersuchungen notwendig, um den Beruf der SexarbeiterIn legal ausüben zu können.

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sweetlady
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Beitrag von sweetlady »

von herzen dankeschön für die ausführliche aufklärung,du lieber!

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Beitrag von Zwerg »

Morpheus hat geschrieben:Da bin ich schon eher dafür, dass Betreiber einer gewissen "Zertifizierung" unterzogen werden sollten. Sie sind es ja meistens, die die Erstansprechparter von Damen sind und da hängt dann IMHO schon ziemlich viel Verantwortung daran, ehrlich, offen und nicht profitgierig den Newbies die realen Bedingungen von Sexwork, was definitiv nicht immer Milch und Honig bedeutet klarzulegen.

Andererseits vielleicht ein Extrembeispiel aber seit vielen Jahren ein Thema für das es auch keine allumfassende Lösung gibt ist z.B. geschweige denn Ausbildung oder Zeritfizierung: Elternschaft.
Ein wahres Wort zur rechten Zeit - Es sollte zumindest ein gewisser Grundstock "Wissen" vorhanden sein, bevor man einen Club, Escort oder was auch immer eröffnen kann.

Das von Dir angesprochene Beispiel "Eltern" steht auch in meinen Überlegungen zum Thema ganz oben - Für mich war die Einführung des "Mutter Kind Passes" ein ganz großer Schritt in die richtige Richtung - durch die damit verbundenen Annehmlichkeiten hat sich Dieser in kürzester Zeit durchgesetzt. Natürlich kann man einem Betreiber nicht Gelder in Aussicht stellen, damit er seine eigene Ausbildung forciert, aber ein "Zuckerl" sollte es schon geben - wobei wir hier wieder beim "Gütesiegel" sind. Und zugleich bei der bisher unlösbaren Problematik, wie die Kriterien hierfür aussehen könnten.

Christian