Femen gründen Nackt-Zentrale in Hamburg

Beiträge betreffend SW im Hinblick auf Gesellschaft bzw. politische Reaktionen
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nicole6
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#41

Beitrag von nicole6 » 2013-02-19, 15:42

nun, das mit den "lupenreinen" Demokratien stimmt schon!
Diese politischen Systeme sind rein von "Lupen" !
Schau mal, "Pestizidfrei" heisst ja auch, "frei von Pestiziden"!
Das heisst, man kann sie nicht genau von der Nähe und im
Detail untersuchen, denn "Lupen" sind dort verboten!

Nicole

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fraences
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RE: Femen gründen Nackt-Zentrale in Hamburg

#42

Beitrag von fraences » 2013-02-27, 01:30

Prostitution boomt in Deutschland – Femen macht Geschäft


Die selbsternannten Feministinnen, die stolz auf den Straßen vor Sexshops demonstrieren, gehen nicht gegen die Berliner Ministerien, die die Prostitution im Jahr 2002 legalisiert haben. Die Zahl der Wohnungen, die zu Bordellen umgewandelt werden, steigt in deutschen Städten. Abends sieht man die vielen kleinen roten Lichter in den Fenstern. Diese bedeuten, dass die Wohnung ein Ort für Sex ist. Aber die Femen-Aktivistinnen, denen in der deutschen Presse nun Rassismus und Sexismus vorgeworfen werden, gehen nicht gegen die zuständigen Ministerien vor!
Krise und Verkauf. Mit der Krise ist in Deutschland die Zahl der Männer und Frauen gestiegen, die ihren Körper verkaufen. Sexarbeit ist zu einer freiberuflichen Beschäftigung geworden und öffnet Rechte zur Arbeitslosen- und Krankenversicherung. Man braucht nur bei dem Finanzamt deklariert zu sein. Jeder kann ein kleines Schild an sein Fenster anhängen. Dann kommen die Kunden. Girlanden und helle rote Herzen verwandeln die Wohnungen um. Das lukrative Geschäft zählt mehr als 500.000 Prostituierten oder über 500.000 Menschen, die nicht eine normale Arbeit finden können, um anständig zu leben. Dagegen sind es 15.000 bis 30.000 in Frankreich.

Sklaverei, Sexismus, Rassismus. „Deutschland hat sich in eines der größten Bordelle Europas verwandelt“, berichtet die EU-Abgeordnete der Grünen-Partei, Franziska Brantner. Zu oft erhalten Junge Arbeitslose vom deutschen Arbeitsamt das Angebot, im Bordell zu arbeiten. Am 6. Februar berichtete die Augsburger Allgemeine Zeitung über den Fall einer jungen Frau, die ins Bordell vermittelt wurde. Aus dem Artikel erfährt man, dass acht Frauen zeitgleich Stellenangebote in einem großen Bordell in Augsburg erhielten. Eine 19-jährige junge Frau spricht über den Vorfall. Ihre Mutter schrie los, als sie den Brief von der Arbeitsagentur las. Im Artikel steht nichts davon, dass die Arbeitslosen das Angebot oft einfach nicht ablehnen können. Wenn sie es tun, können sie die Sozialdienstleistungen verlieren. In Deutschland wird Sklaverei, Sexismus und Rassismus institutionalisiert. Der Fiskus stellt Ticketautomaten für Prostituerte auf. Sechs Euro pro Nacht sollen sie als Steuer bezahlen. „Im Geschäft der Prostitution werden Ausländer und besonders Afrikaner niedriger bezahlt als deutsche Prostituierte“, erklärt uns eine Mitarbeiterin der Organisation FIM, die gegen Meschenhandel agiert. Wenn man von der Femen-Gruppe ewartet, dass sie zur Abschaffung des Menschenhandels beiträgt, so wird man sehr schnell enttäuscht. In einem Bericht der Bild-Zeitung kann man lesen, dass Femen unter Sexismus und Rassismus-Vorwürfen steht, weil die Frauen, die von der Gruppe angeworben werden, "weiß und gut aussehen müssen."

Organisiert durch den Staat. Im Juni 2012 hat die Femen-Gruppe in Hamburg im Prostituierten-Viertel demonstriert. Sie stehen nicht vor den Ministerien für Arbeit und Familie in Berlin, wo die wirklichen Verantwortlichen für diese Missbräuche sitzen. In Deutschland ist es der Staat, der die erste Instanz, die für die Organisation der Prostitution steht. Laut einem Bericht des deutschen Fernsehsenders WDR1 http://www.wdr.de/tv/bab/sendungsbeitra ... handel.jsp habe Deutschland mittlerweile dern Ruf der Puss Europas zu sein. Oft kommt es hierzulande zu Zwangsprostitution.Mit seinem Prostituzionsgesetz, das eines der weltweit liberalsten ist, wurde Deutschland ein Eldorado für Zuhälter. In der Tat sind es nur sehr wenige Prostituierten, die versichert sind und die für die Rente zahlen. Die Bordellbesitzer reiben sich die Hände. „Nur eine verschwindend geringe Zahl von Prostituierten ist heute versichert. Dafür erfreuen sich die Bordellbetreiber glänzender Profite. Großbordelle wie das Pascha in Köln oder das Paradise in Stuttgart schießen wie Pilze aus dem Boden. Der Trend geht zu Flatrate-Clubs, wo Männer ab 69 Euro so viel Sex haben können, wie sie wollen. Einige Bordellbesitzer riesiger Sexburgen in Grenznähe planen gerade ihren Börsengang“, so der WDR1-Beitrag.

Die deutsche Regierung und das Ministerium für Familie sagen, dass Prostitution eine Arbeit wie jede andere ist. Da ist kein Problem, wenn eine Mutter als Prostituierte arbeiten darf.

Femen-Geschäft. Die Beobachter decken das Geschäft der Femen-Gruppe auf und beurteilen es wie folgt: "Femen mangelt es an Ehrgeiz, sie sollten höhere Ziele haben. Sie wissen nicht, wie man kommuniziert. Sie denken nur an die Marketing-Strategie und an das Geschäft". Auf der Femen-Website kann man T-Shirts und ähnliche Waren mit der Femen-Marke für 25 bis 100 Euro kaufen. Kurioserweise hat das Kleid, in dem sie erscheinen nichts zu den Prostituierten zu unterscheiden. Femen braucht das Geld und verdient es als Prostitution- Avatar.

http://german.ruvr.ru/2013_02_26/Prosti ... -Geschaft/
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Re: RE: Femen gründen Nackt-Zentrale in Hamburg

#43

Beitrag von annainga » 2013-02-27, 14:50

die presse legt sich penetrant die sachen so aus, wie sie sie haben wollen.

Bild
fraences hat geschrieben:Die deutsche Regierung und das Ministerium für Familie sagen, dass Prostitution eine Arbeit wie jede andere ist.
genau das gegenteil steht auf der internetseite des ministeriums:

"Prostitution ist kein Beruf wie jeder andere."

steht dort als erster satz.

http://www.mgepa.nrw.de/emanzipation/fr ... /index.php

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RE: Femen gründen Nackt-Zentrale in Hamburg

#44

Beitrag von fraences » 2013-03-04, 03:27

Jetzt ist es mal andersherum:

Ukrainische Feministinnen bringen ihren deutschen Mitstreiterinnen moderne Protestformen bei.


Oben ohne gegen Nazis, Sexismus und Prostitution

http://vavideo.de/video/207508/oben-ohn ... ution.html
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Re: RE: Femen gründen Nackt-Zentrale in Hamburg

#45

Beitrag von Fragender » 2013-03-13, 17:08

          Bild
fraences hat geschrieben:Wer FEMEN nicht braucht: Betroffene von Menschenhandel und Sexarbeiter_innen
Die unhistorische Verwendung des Satzes „Arbeit macht frei“ erfüllt in Deutschland den Straftatbestand der Volksverhetzung.
Sicher? Man könnte das also nicht einmal als sarkastische Antwort verwenden, wenn mal wieder in irgendeinem Forum Erwerbstätigkeit als Weg zur Selbstverwirklichung glorifiziert wird, obwohl sie das für die meisten Menschen nicht ist, sondern schlicht und einfach eine Notwendigkeit zum Geldverdienen?

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#46

Beitrag von Doris67 » 2013-03-14, 11:29


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#47

Beitrag von ehemaliger_User » 2013-03-22, 20:25

http://www.taz.de/%21113307/

Die Femen-Frauen in Deutschland

Inglourious Breasterds

Sie ziehen blank, malen mit Acryl Parolen auf ihre Brüste und schreien "Fuck off NPD!" Die Femen-Frauen sind in Deutschland angekommen.
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#48

Beitrag von Marc of Frankfurt » 2013-04-03, 00:23

Körperliche Gewalt von FEMEN gegen Sexworker erstmals auf Video dokumentiert:

Femen-Aktivistin wirft 2 Porno-Darsteller zu Boden, während sie die Bühne erstürmen und deren Erotik-Performance gewaltsam aber nur vorläufig beenden



Bild
Femen-Aktivistin (links) hat gerade von hinten kommend die Pornodarstellerin und ihren Partner umgeworfen (rechts). Der männliche Darsteller saß mit dem Rücken vor seiner Partnerin auf der Bühne bei einer Performance und Erotik-Show, während seine Partnerin ihm Liebeskugeln präsentierte. Die Femen-Aktivistin kam von hinten, während ihre Truppe die Bühne erstürmte.


Weitere 13 Bilder von der Aktion auf der Femen-FB-Page:

From their picture series of a event in France showing the transparent "sex industry rape culture" - "go rape yourself": www.facebook.com/photo.php?fbid=500523196682218

Femen activists taking the stage and one was punching actress Hally Thomas and her male partner, while she was showing him loveballs. Video: www.femen.org/en/news/id/304

Erotik-Messe Paris 23. March 2013: www.eropolis.fr

More pictures: www.demotix.com/news/1900795/femen-stor ... e-eropolis.

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RE: Femen gründen Nackt-Zentrale in Hamburg

#49

Beitrag von Melanie_NRW » 2013-04-03, 00:58

Und nun werden sie auch schon EU-Politikern gegenüber handgreifllich:

http://www.bild.de/politik/ausland/feme ... .bild.html

"Die wackelige Video-Aufnahme, die im Internet kursiert, zeigt, wie die Femen-Aktivistin Alexandra Shevchenko (24) auf den Vorsitzenden des Ausschusses für Auswärtige Angelegenheiten im EU-Parlament in Brüssel, Elmar Brok (66, CDU), losgeht.

Sie packt ihn an der Krawatte, schlägt mit den Fäusten auf ihn ein, schreit immer wieder kaum verständliche Parolen. Ein Sicherheitsmann stellt sich zwischen den Politiker und die tobende Frau, hält sie von ihm fern.

Was war da los? Elmar Brok, gerade beim EU-Außenminister-Treffen im irischen Dublin, ist sauer: „Das war eine Falle“, sagt er."

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Re: RE: Femen gründen Nackt-Zentrale in Hamburg

#50

Beitrag von Aoife » 2013-04-03, 01:48

          Bild
Marc of Frankfurt hat geschrieben:Femen-Aktivistin (links) hat gerade von hinten kommend die Pornodarstellerin und ihren Partner umgeworfen (rechts).
          Bild
Melanie_NRW hat geschrieben:Elmar Brok, gerade beim EU-Außenminister-Treffen im irischen Dublin, ist sauer: „Das war eine Falle“, sagt er."
Pornodarsteller und Politiker im selben Boot?

Da bin ich mal gespannt, ob die Unterstützer beider Seiten sich wenigstens dahingehend solidarisieren können, dass hinterhältige körperliche Angriffe keine angemessene "Meinungsäußerung" darstellen ... zu hoffen wäre es.

Liebe Grüße, Aoife
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#51

Beitrag von bettyboop » 2013-04-03, 02:00

Gut das man nun alles auf Video hat...von wegen friedliche Protest mit Blumen in die Haare. Ich sagte schon...der Swastika war nur der Anfang...absolut kein Respekt noch Ahnung von die Symbole die sie angeignet haben. Wirklich Dumme Weiber!
Prostitution policy is plagued by bad numbers. Bad numbers and wild estimates. If there are millions of trafficking victims who counted them and where are they?

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#52

Beitrag von Snickerman » 2013-04-04, 20:27

Und die Kommentare auf der Facebook-Seite dazu zeigen wieder mal, dass sich Dummheit und Internet-Zugang nicht ausschließen...
Ich höre das Gras schon wachsen,
in das wir beißen werden!

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#53

Beitrag von Martin* » 2013-04-04, 21:23

Hallo allerseits. Mein erster Beitrag.

Heute als Ankündigung in der taz entdeckt

Die Femen stellen sich morgen in Berlin zum Gespräch

"Freitag, 05.04.2013, 19.00 Uhr - Interkulturelles Frauenzentrum S.U.S.I, Linienstr. 138
Die Frauenrechtsorganisation FEMEN, 2008 in der ukrainischen Hauptstadt Kiew gegründet, wurde durch zahlreiche Aktionen weltweit bekannt.
Alexandra Shevchenko, Gründerin der FEMEN-Bewegung aus Kiew, sowie Irina Khanova, Mitbegründerin von FEMEN Germany, stellen in Berlin zusammen mit weiteren Aktivistinnen die Frauenrechtsorganisation vor und laden zum Gespräch ein.
Die Veranstaltung ist auf Englisch, Russisch und Deutsch und wird begleitet von einem 15minütigen Film über FEMEN"

Ich finde es schon etwas erstaunlich, dass die FEMEN sich der "Öffentlichkeit" stellen, dies aber in ganz kleinem publik gemacht wird. Bei ihren Aktionen wimmelt es nur vor Presse.
Mir gehen ihre Aktionen z.T. gehörig auf den Wecker und würde ihnen gerne die Meinung sagen z.B. zur Aktion in der Herbertstr!

Gruß
Martin*

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RE: Femen gründen Nackt-Zentrale in Hamburg

#54

Beitrag von Tilopa » 2013-04-12, 22:09

Femen: Moderner Feminismus oder nur Show?

"Wo sie auch auftreten, der Protest der Femen-Aktivistinnen ist laut und barbusig. Sie kämpfen unter anderem für Frauenrechte - doch einige Frauen fühlen sich von ihnen weniger unterstützt als bevormundet. [...]
Auch die Schriftstellerin und Journalistin Hilal Sezgin sieht die schrillen Nacktproteste der Femen insgesamt kritisch. 'Mich wundert, dass diese Form von Brutalo- und Simpelfeminismus 2013 überhaupt noch existieren kann', so Sezgin im DW-Gespräch. Als sie Anfang der 90er Jahre feministisch aktiv gewesen sei, habe es auch Aktionen gegen Prostitution gegeben. 'Schon damals fragten wir uns, wie man das machen kann, ohne die Frauen zu bevormunden oder sie an den Pranger zu stellen.'
Moderner Feminismus habe mit Solidarität gegenüber Frauen zu tun und dazu erkundige man sich, worum es jenen gehe, mit denen man sich vermeintlich verbünde. 'Das ist genau, was die Femen-Frauen nicht machen. [...]'''


Artikel: http://www.dw.de/femen-moderner-feminis ... a-16737859


Wer aufgrund ihrer obigen Zeilen jetzt denkt, Frau Sezgin sei inzwischen einigermaßen zur Vernunft gekommen, liegt allerdings falsch. Noch im Oktober durften wir folgende Weisheiten von ihr in der taz lesen:
"Die Frauenbewegung wurde für ihre Kritik der Prostitution oft kritisiert, und doch ist eines ja wohl unstrittig: Bei solchem Sex muss die Frau nicht von sich aus wollen, nicht empfinden, nicht genießen. Ein Mann zahlt, und eine Frau stellt sich zur Verfügung. Es reicht, wenn sie geschehen lässt. Diese Form von unilateraler Sexualität wird nicht nur, aber auch in der Prostitution institutionalisiert, normalisiert und eingeübt. Auch ganzen Generationen von (Ehe-)Frauen wurde ja einst empfohlen, sich hinzulegen und 'ans Vaterland zu denken'." ( http://www.taz.de/!104620/ )
Eine derartige sexualfeindliche und pseudolinke Haltung zur Sexarbeit würde ich eigentlich genau als "Simpelfeminismus" bezeichnen. Vom "Brutalofeminismus" unterscheidet der sich lediglich in der Ausdrucksform - der eine eben schön im Feuilleton, der andere grölend mit Fackeln und Hakenkreuzen durch die Herbertstraße.

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RE: Femen gründen Nackt-Zentrale in Hamburg

#55

Beitrag von Fragender » 2013-04-23, 14:11

Ein Bericht über die Femen-Ansiedlung in Deutschland, mit angeschlossenem Forum für Lesermeinungen:

http://www.spiegel.de/politik/deutschla ... 95768.html

Vielleicht möchte sich an der Diskussion dort jemand von den hier aktiven Sexworkern beteiligen, hier sind Anbieter und Kunden ja im Wesentlichen nur unter sich.

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#56

Beitrag von ehemaliger_User » 2013-05-31, 12:43

Ein weiterer interessanter Beitrag von Merle Stöver:

http://merlestoever.blogspot.de/2013/05 ... l?spref=tw

Warum ich mich nie mit FEMEN solidarisieren werde.

Beim Finale von Germanys Next Topmodel hat FEMEN Deutschland für Aufsehen gesorgt. “Heidi’s Horror Picture Show” stand auf den nackten Oberkörpern, als sie auf die Bühne sprangen und für einen kurzen Moment die Aufmerksamkeit an sich reißen konnten. Ja, Kritik an Sendungen wie GNT ist mehr als berechtigt. Das kann und darf aber nicht heißen, dass man sich mit FEMEN auch nur im Entferntesten solidarisiert. Irgendwie führte dieser Auftritt dazu, dass FEMEN und ihre Aktionen in meiner Facebook-Timeline von einem Moment auf den anderen abgefeiert wurden, als sei alles toll und richtig, was FEMEN so macht.

FEMEN, das sind doch die Frauen, die nackt gegen die Sexualisierung und Ausbeutung von Frauen protestieren, oder? Ja, genau. Das sind auch die, die Faschismus-Vergleiche anstellen, Frauen, die nicht ihrem Frauenbild entsprechen, entmündigen und verurteilen und irgendwie doch nur eine Reproduktion heteronormativer Verhältnisse anstreben.

Dass eine Solidarisierung von FEMEN-Aktionen nicht möglich sein kann, war spätestens seit der Aktion auf der Reeperbahn in Hamburg klar. Es sollte eine Aktion gegen Sexarbeit sein. Allein dagegen ist schon genug einzuwenden, trotzdem mag es gerade noch so als Provokation durchgehen. Nackt mit einem Fackelzug durch die Herbertstraße zu laufen ist schon hart an der Grenze. Dann aber Transparente mit der Aufschrift “Arbeit macht frei” und “Prostitution ist Genozid” auszupacken und anzubringen, ist geschichtsrevisionistisch und scheiße. Sexarbeit mit Faschismus gleichsetzen? Morde mit Prostitution vergleichen? Da, wo schon die Nazis mit Fackeln marschiert sind, mit den gleichen Parolen langzulaufen? FEMEN sind geschichtsrevisionistisch und scheinen nicht begriffen zu haben, dass man mit dem Faschismus-Begriff nicht leichtfertig umgehen sollte.

Gefordert wurden die Illegalisierung der Freier und Zuhälter. Kurz gesagt: Sexarbeiterinnen werden entmündigt, es wird aberkannt, dass diese Arbeit wie jede andere Lohnarbeit frei gewählt werden kann. Anstatt Sexarbeiterinnen eine besser Lobby und stärkeren rechtlichen Rückhalt zu verschaffen, fordert FEMEN die Illegalisierung ihrer Arbeit und spricht ihnen Selbstbestimmung und eigene Handlungsfähigkeit ab. Und zu Recht riefen die in der Herbertstraße arbeitenden Frauen den Aktivistinnen hinterher, dass sie diese Form der Lohnarbeit aus freien Stücken gewählt hätten. Sicherlich kann man darüber streiten, inwiefern die Wahl einer Lohnarbeit im kapitalistischen System überhaupt aus freien Stücken passiert. Aber allen Sexarbeiterinnen vorzuhalten, dass man sie mit solchen Aktionen befreie, ist Teil eines antifeministischen und patriarchalen Frauenbildes, gegen das wir Tag für Tag kämpfen und das FEMEN ohne es zu hinterfragen reproduziert.

Mit ihren Aktionen stoßen FEMEN genau diejenigen Frauen vor den Kopf, mit denen wir uns solidarisieren wollen. Während wir alle Frauen mit dem dazugehörigen Lebensentwurf als Individuen und Teil unserer Bewegung verstehen, drängen FEMEN ein festgefahrenes Frauenbild auf und schaffen es mit jeder ihrer Aktionen, Frauen zu demütigen und zu entmündigen. Sie reproduzieren in ihrer geschlossenen Gruppe ein (nacktes) Frauenbild und wollen dieses allen anderen Frauen als “Befreiung” verkaufen. Noch ein Beispiel dafür? FEMEN-Aktivistinnen liefen mit dem Schriftzug “Muslim Women let’s get naked!” auf ihren nackten Oberkörpern durch ein migrantisches Viertel in Paris und nahmen Kopftuchverbrennungen vor. Das wird wohl kaum eine muslimische Frau, die ihr Kopftuch gern und aus freien Stücken trägt (Überraschung, sowas gibt’s!) dazu verleiten sich dieser Bewegung anzuschließen. Vielmehr werden muslimische Frauen diskreditiert, FEMEN wollen ihnen ein nacktes Frauenbild auferlegen und ihnen wird klar gemacht: So wie ihr seid, könnt ihr niemals Teil unserer Bewegung werden. Auch hier verstanden FEMEN sich als die großen Retterinnen der armen, unterdrückten Frauen. FEMENs Kampf mag nackt sein. Der Kampf vieler anderer Frauen ist es nicht. Und das ist auch richtig so.

FEMEN geben ein klares Frauenbild vor. Die Aktivistinnen sind jung und schlank. Die Aktivistinnen tragen kein Kopftuch. Die Aktivistinnen müssen sich ausziehen. Andere dürfen nicht mitmachen. Ihr Freiheitsbegriff bedeutet, dass Frauen erst frei sind, wenn sie ihren Glauben nicht mehr leben (weil laut FEMEN ja alle muslimischen Frauen dazu gezwungen werden) und wenn sie bereit sind, sich auszuziehen. Mit ihren Aktionen reproduzieren FEMEN den Sexismus, unter dem Frauen überall täglich leiden. Sie beschreiben sich mit “hot boobs, cool heads”. Hot boobs? Wer definiert das eigentlich? Können Frauen ohne Brüste FEMEN sein? Wieso muss man sich, wenn man von sich glaubt, einen feministischen Kampf zu kämpfen, auf genau die sexistischen und lookistischen Bilder einlassen, die wir Feminist_innen zu überwinden versuchen? Ich habe keine Lust auf Feminismus, wenn dabei ein so heteronormatives und sexistisches Frauenbild vorgegeben wird, dass die Mehrzahl aller Frauen* ausgrenzt und entmündigt werden.

Natürlich waren die Aktivistinnen, die bei GNT auf die Bühne stürmten schlank. Was sonst? Wie hätten die Medien auch auf Nacktheit bei nicht der Norm entsprechenden Körpern reagiert?

Ja, Nacktheit kann als Waffe verwendet werden. Während des refugee-camps in Berlin 2012 bekam das Camp erst Aufmerksamkeit, als einige Frauen angekündigt hatten, ihre Brüste zu zeigen. Das hat die deutschen Medien, die auf einmal bei dem Camp vertreten waren, bloßgestellt. Sensationsgeilheit über dem Schicksal der Menschen, denen dort eigentlich alle Aufmerksam gelten sollte. Das hat diese Aktion gezeigt. FEMEN würden niemals so viel Aufmerksamkeit bekommen, wenn sie sich nicht ausziehen würden. Deshalb frage ich: Inwiefern ist Ausziehen selbstbestimmt, wenn nur dadurch Aufmerksamkeit erreicht wird? Und vor allem: Inwiefern ist das sinnvoll, wenn die Aktionsform immer Nacktheit heißt und der Grund für den Protest erst danach gesucht wird?

Der Kampf gegen den Kapitalismus ist richtig. Der Kampf gegen das Patriarchat ist auch richtig. Aber im Umkehrschluss das Matriarchat als Ziel zu sehen, halte ich für genauso falsch. Denn auch das setzt eine Unterdrückung voraus, die Unterdrückung von Menschen, die in einem ebenso hierarchischem System keinen Platz finden. Jegliche sexistische Hierarchie setzt ein festes unveränderbares Zweigeschlechtersystem vor. Kann das das Ziel sein? Kann es Freiheit in der Unterdrückung geben?

Ja, eine Aktion gegen GNT ist super. Aber das heißt noch lange nicht, dass irgendwer FEMEN abfeiern sollte, nur weil sie besonders provokant auftreten. Oder wie es e*vibes aus Dresden im Januar so schön formulierten:

“Wir wären nicht überrascht euch am 13. Februar in Dresden zu sehen, mit euren Fackeln, Seite an Seite mit Alt- und Neonazis, in Gedenken an die vielen durch die Alliierten getöteten Frauen.”

Bitte, Leute. Feiert den Feminismus. Feiert die internationale Solidarität. Aber doch nicht FEMEN. Und hört auf, Frauen nicht zuzutrauen, dass sie Dinge freiwillig tun und dass sie eigene Entscheidungen treffen können. Auf Geschichtsrevisionismus, Sexismus und Rassismus können wir wirklich gut verzichten.
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RE: Femen gründen Nackt-Zentrale in Hamburg

#57

Beitrag von Fragender » 2013-06-06, 18:51

Ich verstehe die Aktion von Femen gegen GNTM nicht, insbesondere nicht, wenn ich Femen an dem Bild auf dieser Seite messe:

https://magazin.spiegel.de/reader/index ... a=97012808

Don't fear freedom?

Was bedeutet denn Freiheit? Dass andere Menschen immer nur so frei sein dürfen, wie es einem selbst gerade passt? Natürlich gibt es gute Gründe, eine Sendung wie GNTM zu kritisieren, aber bedeutet das, innerhalb der Sendung zu randalieren, um eine Fortsetzung zu verhindern, wenn man nur könnte?

Meine Vorstellung von Freiheit ist das jedenfalls nicht. Nach meiner Auffassung muss man in so einem und auch anderen Fällen versuchen, andere Personen durch Argumente zu überzeugen, ihr Verhalten zu ändern. Falls das misslingt, muss man halt akzeptieren, dass es Menschen gibt, die die eigene Vorstellung vom Leben nicht teilen und man sollte nicht versuchen, durch Störaktionen oder Verbote andere Menschen auf den "richtigen" Weg zu zwingen.

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Beitrag von ehemaliger_User » 2013-06-10, 15:09

Schwarzer findets gut:

Femen, #Aufschrei und die Neofeministinnen

Die Frau ist 30 Jahre alt, ist für höhere Boni für Hedgefondmanager, für einen Spitzensteuersatz von 20 Prozent und für die Senkung der Sozialhilfe. So weit, so banal. Das gibt es: Frauen, die so denken. Und das sollte in einer Demokratie auch erlaubt sein. Die Überraschung ist: Die Frau bezeichnet sich als „Sozialistin“. Und der Spiegel stellt sie gar als Verkörperung eines jungen neuen Sozialismus, als „Neosozialistin“ vor. -

Und dann ist da noch eine Frau. Sie ist auch 30, findet Pornos geil, OPs zur Verschönerung der Vagina problemlos und das Betreuungsgeld für Hausfrauen mit Kindern ideal (worüber sich selbst die CDU/CSU Frauen wundern dürften, denn die sind eigentlich dagegen, nur CSU-Seehofer ist wirklich dafür). So weit, so banal. Das gibt es: Frauen, die so denken. Und das sollte in einer Demokratie auch erlaubt sein. Die Überraschung ist: Die Frau bezeichnet sich als „Feministin“ – und der Spiegel stellt sie als Verkörperung eines jungen neuen Feminismus, als „Neofeministin“ vor.

Absurd? Stimmt. Zumindest was das erste Konstrukt angeht. Einen Menschen mit solchen Ansichten würde man mindestens als „konservativ“ bezeichnen, wohl eher als „rechtskonservativ“. Und sie oder er würde selbstverständlich von einem Blatt wie dem Spiegel nicht als „Neosozialistin“ bezeichnet werden. Das wäre einfach nur lächerlich.

Soweit zum Sozialismus. Zum Beispiel. Mit dem Feminismus sieht das schon anders aus. Da geht so was. In dessen Namen kann in der aktuellen Ausgabe die 30-jährige Anna-Katharina Meßmer sprechen und wird dazu tatsächlich von Spiegel-Reportern nicht nur interviewt, sondern sogar zitiert. Denn sie ist eine der Aktivistinnen der durchaus sinnvollen Twitter-Aktion #aufschrei gegen den Sexismus. Was sie nun in Sachen Feminismus umfassend zu legitimieren scheint.

Hätte die Doktorandin (Thema: Vaginal-OPs!) einfach nur so darüber geplaudert, wie geil sie Pornos, Designer-Vaginas und Betreuungsgeld findet – kein Hahn hätte danach gekräht. Auch keiner vom Spiegel. Erst das selbstverpasste Etikett „Feministin“ macht die Musik. Ah... eine Feministin, die Pornos geil findet. Wie geil ist das denn!

Ich erinnere mich gut: In den 70er Jahren hat mir der Playboy mehrfach sehr viel Geld dafür geboten, dass ich, nein, nicht mich ausziehe, sondern ihm ein Interview gebe. Das hätte schon genügt. Die Feministin in dem Pornoblatt – wie geil ist das denn! Es sind eben die immerselben Muster.

Das Spiel mit dem Feminismus war von Anfang an, ihn zu unterlaufen, ihn umzudrehen, ihn lächerlich zu machen. Und dieses Spiel spielten auch immer schon gewisse Frauen mit, die sich als Feministinnen deklarierten. Aus den unterschiedlichsten Motiven. Das gab ihnen eine Stimme. So ist es bis heute. Sie konnten – und können - im Namen des Feminismus sprechen. Und ihn kalt lächelnd ad absurdum führen.

Sicher, der Feminismus ist seit über zwei Jahrhunderten eine politische Theorie und Praxis (von Olympe de Gouges über Louise Otto-Peters und Hedwig Dohm, Virginia Woolf und Simone de Beauvoir, bis zu den Neuen Feministinnen). Seine zentralen Inhalte sind quasi jedem Kind geläufig: Menschenrechte und Menschenwürde auch für Frauen, gleiche Chancen für beide Geschlechter, Abschaffung der Geschlechtsrollenzuweisung. Aber der Feminismus ist keine Partei und keine geschützte Marke. Jede Frau kann im Namen des Feminismus agieren – wer will das verbieten? Hauptsache Frau.

In demselben Spiegel-Artikel ist von weiteren „Neofeministinnen“ die Rede: Von den Femen. EMMA-Leserinnen sind diese Aktivistinnen bestens bekannt. EMMA berichtete mehrfach und titelte bereits im Dezember 2010 erstmals mit den Feministinnen aus der Ukraine. Die inzwischen in aller Munde sind. Zu recht. Denn die Femen kämpfen auf wirklich subversive Art und Weise für zentrale feministische Anliegen: Gegen Pornografie und Prostitution, gegen religiösen Fundamentalismus und gegen Diktatoren.

Inzwischen haben sich unter Anleitung der Ukrainerinnen in mehreren Ländern Femen-Gruppen gebildet, auch in Deutschland. Die vom Spiegel befragten deutschen Aktivistinnen, Klara Martens und Zana Ramadani, sind beide EMMA-Leserinnen und fanden auf diesem Weg zu den Femen. Was kein Zufall ist. Schließlich sind die zentralen Anliegen von EMMA und Femen identisch. Auch wenn EMMA nicht zwingend jede Femen-Aktion befürwortet. Es kann schließlich auch unter Feministinnen unterschiedliche Einschätzungen geben. Der Feminismus hat viele Facetten und entwickelt sich Tag für Tag weiter. Aber es können nicht im Namen des Feminismus ihm konträr entgegengesetzte Ziele vertreten werden.

Die Femen liegen mit ihren Methoden und Zielen im Kern des Feminismus! Auch, ja wie sie sich ausziehen! Sie führen mit ihren Aktionen den Status der Frau als Objekt ad absurdum und werden zum handelnden Subjekt. Sie entblößen ironisch ihre Busen und schon klicken die Kameras – die jedoch gleichzeitig mit der nackten Haut zwangsläufig die handfesten Slogans im Bild haben: Gegen Prostitution und Islamismus, oder auch gegen die „Heidi Horror Picture Show“ in Germanys Next Top Model! Das verstehen nicht nur die Medien, das verstehen auch die Menschen. Und es ist vermutlich kein Zufall, dass die so kreativen wie radikalen Femen aus einem Land kommen, in dem das Wort „Sexarbeiterinnen“ unbekannt, der brutalste Frauenhandel aber allgegenwärtig ist.

Nur die Berliner Szene-Feministinnen von #aufschrei oder „Mädchenmannschaft“ scheinen es nicht zu verstehen. Oder wollen sie es nicht verstehen? Sie überziehen jedenfalls die Femen seit Wochen mit Nörgeleien und Distanzierungen, würden sie wohl am liebsten umerziehen: Die Methoden seien peinlich und ihre Ziele politisch nicht korrekt. Konkurrenz? Neid? Sprachverwirrung? Die Femen sprechen in der Tat die Sprache des Lebens, diese Szene-Feministinnen das entpolitisierte Kauderwelsch ihrer Gender-Seminare, das das Leben eher verdeckt als benennt. Und es ist vor allem eine Frage der Inhalte. Klar, dass es zwischen Anti-Prostitutions-Aktivistinnen und Pro-Porno-Befürworterinnen oder Kritikerinnen des Islamismus und Kopftuch-Befürworterinnen nicht nur wenig Gemeinsamkeiten gibt, sie stehen sich politisch diametral gegenüber.

Längst sind die Wortführerinnen dieser Szene-Feministinnen in eine Art political correctness abgedriftet, mit der sie andere Feministinnen, unabhängig von der Generationszugehörigkeit, einzuschüchtern versuchen. In ihrer Welt gilt es z.B. schon als unkorrekt, von „Frauen“ und „Männern“ zu reden, „Gender“ ist angesagt. Ein Muss ist der Unterstrich – statt des Binnen Is oder der männlichen und weiblichen Form - damit soll Raum sein für alles, was sich zwischen den Geschlechtern bewegt.

Überhaupt ist es sowieso daneben, sich als „weiße, privilegierte Mittelschichtsfrau“ über irgendwas zu äußern, ohne nicht im gleichen Atemzug die „people of colour“ sowie alle Benachteiligten der Welt mitzunennen. Es hat groteskte Formen angenommen und vor allem: Es verdeckt die eigentlichen feministischen Anliegen. Inna Shevchenko, eine der Initiatorinnen der Femen, hält dem entgegen: „Es gibt keinen ‚weißen Feminismus’. Die Menschenrechte sind universell. Warum sollten die Rechte der Frauen in Nordafrika sich unterscheiden von denen der Amerikanerinnen oder Europäerinnen?“

Ich erinnere mich gut: Das war schon bei Aufbruch der Frauenbewegung so. Damals kamen selbsternannte Feministinnen, die am liebsten dem Feminismus Sprechverbot erteilt hätten, aus der Linken und hieß das „Haupt- und Nebenwiderspruch“. Wir Feministinnen waren der „Nebenwiderspruch“ und durften das Wort „Frauen“ gar nicht erst aussprechen, ohne vorher aller Proletarier der Welt zu gedenken – und das Wort Frauenbewegung schon gar nicht, ohne vorher gebetsmühlenartig den Klassenkampf befürwortet zu haben.

Angeblich geht es heute, vierzig Jahre später, um einen Generationenkonflikt zwischen „Altfeministinnen“ und ihren Töchtern oder gar „Enkelinnen“. Doch die politischen Fronten sind keine Frage des Alters, sie verlief schon immer zwischen allen Generationen.

Übrigens: Auch die EMMA-Macherinnen sind mehrheitlich zwischen 30 und 40, also im Alter der so gern gegen sie zitierten „Enkelinnen“.

Alice Schwarzer

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Beitrag von Svea » 2013-06-10, 16:30

Ich hatte bei einer Diskussion auch schon mal Bekanntschaft mit einer Femen Aktivistin machen dürfen, viel unzusammenhängend und polemisch, es wurde nicht wirklich das Thema angesprochen sondern nur eine Parole hinausgeworfen und Statistiken vor getragen ohne jegliche Grundlage, wenigstens war sie nicht nackt....

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Beitrag von ehemaliger_User » 2013-06-13, 22:38

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