Die aktuelle Debatte um Prostitution wird von uralten Klischees geprägt. Es mangelt an Respekt vor den Frauen, die Sex-Dienstleistung als Arbeit betrachten. Ein Plädoyer für Selbstbestimmung. Von Clemens Meyer[/I]
Wie halten wir es mit der Prostitution? Der Schriftsteller Clemens Meyer hat für seinen Bordellroman „Im Stein“ (S.Fischer) fünfzehn Jahre lang recherchiert. Der Roman, der im Rotlichtmilieu einer an Leipzig erinnernden ostdeutschen Großstadt spielt, stand auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis. Seinen Beitrag verfasste er exklusiv für die „Literarische Welt“.
Wie halten wir es mit der Prostitution? Der Schriftsteller Clemens Meyer hat für seinen Bordellroman "Im Stein" (S.Fischer) fünfzehn Jahre lang recherchiert. Der Roman, der im Rotlichtmilieu einer an Leipzig erinnernden ostdeutschen Großstadt spielt, stand auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis. Seinen Beitrag verfasste er exklusiv für die "Literarische Welt".
Es beginnt und begann mit Respekt. Und mit Zuhören. Mit Schauen. Mit dem Versuch einer Einfühlung. Mit dem Versuch, Menschen zuzuhören. Nun, das sollte einfach sein. Dachte ich, denke ich. Und der Zurücknahme des ICH. Meiner Vorurteile, allgemeiner Vorurteile. Hatte ich die überhaupt? War ich der Gefahr ausgeliefert zu romantisieren, zu verallgemeinern? Sollte ich nicht diese großen Fragezeichen zurücknehmen, mich selbst zurücknehmen? Einfach nur erst mal zuhören? Wieder Fragezeichen, und wieder ICH ICH ICH.
HIER WEITERLESEN:
www.welt.de/kultur/literarischewelt/art ... ch-zu.html
Hört den Huren endlich zu!
-
fraences
- Admina

- Beiträge: 7515
- Registriert: 07.09.2009, 04:52
- Wohnort: Frankfurt a. Main Hessen
- Ich bin: Keine Angabe
Hört den Huren endlich zu!
Wer glaubt ein Christ zu sein, weil er die Kirche besucht, irrt sich.Man wird ja auch kein Auto, wenn man in eine Garage geht. (Albert Schweitzer)
*****
Fakten und Infos über Prostitution
*****
Fakten und Infos über Prostitution
-
Glorialoa
- engagiert

- Beiträge: 122
- Registriert: 07.06.2013, 21:58
- Wohnort: München
- Ich bin: SexarbeiterIn
Ein guter Artikel.
Eigentlich sollten wir schon alle den Mut haben uns offen zu zeigen.
Ich meine wer soll denn mit uns sprechen wenn wir uns nicht wie Menschen zeigen? Entweder uns gibt es nur im Verborgenen, oder nur sichtbar in irgendeinem Fummel.
Eigentlich wäre das das einzig Gescheite, aber ich bin selbst noch nicht soweit, sehe aber auch, dass es so eigentlich nicht weitergehen kann..
Gerade googel ich Domenica Niehoff.
Ich habe so ein bisschen das Vorurteil, dass sie deshalb so stark in den Medien vertreten war, weil sie auch eine gewisse Opferrolle inne hatte.
Halt wieder nur so nach dem Motto: Eine SW wird nur dann akzeptiert, wenn Sie schon wieder nur das kleine Hascherl ist.
Aber eben mal zum Thema Authentizität.
( Link den ich grad lese: http://de.wikipedia.org/wiki/Domenica_Niehoff)
Eigentlich sollten wir schon alle den Mut haben uns offen zu zeigen.
Ich meine wer soll denn mit uns sprechen wenn wir uns nicht wie Menschen zeigen? Entweder uns gibt es nur im Verborgenen, oder nur sichtbar in irgendeinem Fummel.
Eigentlich wäre das das einzig Gescheite, aber ich bin selbst noch nicht soweit, sehe aber auch, dass es so eigentlich nicht weitergehen kann..
Gerade googel ich Domenica Niehoff.
Ich habe so ein bisschen das Vorurteil, dass sie deshalb so stark in den Medien vertreten war, weil sie auch eine gewisse Opferrolle inne hatte.
Halt wieder nur so nach dem Motto: Eine SW wird nur dann akzeptiert, wenn Sie schon wieder nur das kleine Hascherl ist.
Aber eben mal zum Thema Authentizität.
( Link den ich grad lese: http://de.wikipedia.org/wiki/Domenica_Niehoff)
Niemals aufgeben. Heute ist hart, morgen wird es schlimmer, aber übermorgen wird die Sonne scheinen.
Jack Ma
Jack Ma
-
Marc of Frankfurt
- SW Analyst

- Beiträge: 14095
- Registriert: 01.08.2006, 14:30
- Ich bin: Keine Angabe
Opfer - Stigma - Emanzipation
Glorialoa, kennst du diesen Diskussionsfaden schon: www.sexworker.at/phpBB2/viewtopic.php?t=4046 da findest du mehr über das Leben und Vermächtnis von Domenica.
Tatsächlich war Domenica eine Helferin und Gründerin der Beratungsstelle für Drogengebrauchende Sexworker in Hamburg St. Georg RAGAZZA (siehe Hamburg www.sexworker.at/lokal )
Ja Outing wäre gut, für Sexworker, und auch für Kunden (siehe Veranstaltung Deutsche AIDS-Hilfe). Aber da stecken Sexworker und unsere Kunden ja gerade in der Falle.
Weil Sex intim und diskret gehandhabt wird wie überall auch privat, deswegen wollen wir auch nicht zeigen, dass wir Sex für Geld machen. Ausnahme gegenüber der Gruppe der potentiellen Kunden (=Werbung z.B. im "Fummel" wie du sagst;-)
(Anm.: Bei Sex gibt es ein Konkurrenzproblem so wie bei Geld und Einkommenerzielung. Es heißt SEXUELLE SELEKTION und ist ein Evolutionsmechanismus oder Prinzip in der Biologie. Wir würden es als sexuellen Marktwert oder Sex Appeal bezeichnen;-)
D.h. die Stigma-Falle Prostitution ist verkettet mit der kollektiven Bewertung von Intimität von Sexualität !!!
Da kommt man nur raus durch ganz spezielles Training in SEX-POSITIVITÄT (Coming-Out-Gruppen) wie z.B. Frau Dr. Annie Sprinkle es uns allen vorlebt/vorgelebt hat, denn sie ist jetzt keine aktive Sexarbeiterin mehr, aber sie hält Vorträge... und hat ihre Doktorarbeit über Fortbildungen für Sexworker geschrieben (Link hier im Forum - Sammelthema Fortbildungen). Oder KING-KONG-THEORIE/PRAXIS von Viginia Despentes (fz. Autorin, Ex-Sexarbeiterin)... mehr dazu auch im SW-only...
Allein das Öffentlich-Machen von intimer Sexualität erzeugt einen Anschein von Opfer-Dasein !!!
Denn in der öffentlichen Wahrnehmung und den und vererbten Denk-Klischees ist Sex nur hinter verschlossenen Türen zwischen sich liebenden und auf ewig treuen Partnern zum Zwecke der Fortpflanzung sittlich statthaft... bla... bla... bla
Da liegt die Kernursache. Da rauszukommen erfordert Emanzipation. Emanzipation der Frau, der Sexarbeiterin, der Emanzipationsbewegung.
Leider haben wir die Situatuion, dass sich die alte Emanzipationsbewegung gegen oder auf kosten d.h. ohne die Sexworker emanzipieren will. Schwarzer sieht uns Sexworker ja als eine Bedrohung für die Emanzipation der Frau.
Wir kommen aus der Falle nur heraus, wenn alle verstehen können, dass die Emanzipation der Sexworker, die Emanzipation und Freiheit aller Frauen, aller Menschen bedeutet.
Das ist harter Tobak für die Leute heutzutage gerade in einer Zeit der Rezession und sittlich-moralischen Wende hin zu konservativen Werten.
Tatsächlich war Domenica eine Helferin und Gründerin der Beratungsstelle für Drogengebrauchende Sexworker in Hamburg St. Georg RAGAZZA (siehe Hamburg www.sexworker.at/lokal )
Ja Outing wäre gut, für Sexworker, und auch für Kunden (siehe Veranstaltung Deutsche AIDS-Hilfe). Aber da stecken Sexworker und unsere Kunden ja gerade in der Falle.
Weil Sex intim und diskret gehandhabt wird wie überall auch privat, deswegen wollen wir auch nicht zeigen, dass wir Sex für Geld machen. Ausnahme gegenüber der Gruppe der potentiellen Kunden (=Werbung z.B. im "Fummel" wie du sagst;-)
(Anm.: Bei Sex gibt es ein Konkurrenzproblem so wie bei Geld und Einkommenerzielung. Es heißt SEXUELLE SELEKTION und ist ein Evolutionsmechanismus oder Prinzip in der Biologie. Wir würden es als sexuellen Marktwert oder Sex Appeal bezeichnen;-)
D.h. die Stigma-Falle Prostitution ist verkettet mit der kollektiven Bewertung von Intimität von Sexualität !!!
Da kommt man nur raus durch ganz spezielles Training in SEX-POSITIVITÄT (Coming-Out-Gruppen) wie z.B. Frau Dr. Annie Sprinkle es uns allen vorlebt/vorgelebt hat, denn sie ist jetzt keine aktive Sexarbeiterin mehr, aber sie hält Vorträge... und hat ihre Doktorarbeit über Fortbildungen für Sexworker geschrieben (Link hier im Forum - Sammelthema Fortbildungen). Oder KING-KONG-THEORIE/PRAXIS von Viginia Despentes (fz. Autorin, Ex-Sexarbeiterin)... mehr dazu auch im SW-only...
Allein das Öffentlich-Machen von intimer Sexualität erzeugt einen Anschein von Opfer-Dasein !!!
Denn in der öffentlichen Wahrnehmung und den und vererbten Denk-Klischees ist Sex nur hinter verschlossenen Türen zwischen sich liebenden und auf ewig treuen Partnern zum Zwecke der Fortpflanzung sittlich statthaft... bla... bla... bla
Da liegt die Kernursache. Da rauszukommen erfordert Emanzipation. Emanzipation der Frau, der Sexarbeiterin, der Emanzipationsbewegung.
Leider haben wir die Situatuion, dass sich die alte Emanzipationsbewegung gegen oder auf kosten d.h. ohne die Sexworker emanzipieren will. Schwarzer sieht uns Sexworker ja als eine Bedrohung für die Emanzipation der Frau.
Wir kommen aus der Falle nur heraus, wenn alle verstehen können, dass die Emanzipation der Sexworker, die Emanzipation und Freiheit aller Frauen, aller Menschen bedeutet.
Das ist harter Tobak für die Leute heutzutage gerade in einer Zeit der Rezession und sittlich-moralischen Wende hin zu konservativen Werten.
-
Snickerman
- verifizierte UserIn

- Beiträge: 365
- Registriert: 26.07.2009, 15:16
- Ich bin: Keine Angabe