Tantra-Massage-Studio als Prostitution eingestuft

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fraences
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Tantra-Massage-Studio als Prostitution eingestuft

Beitrag von fraences »

OERLINGHAUSEN

"Vermieter war von Anfang an genau informiert"
Betreiberin des "Belle de Jour" zieht vor Gericht / Am Montag wird Klage eingereicht

VON SIGURD GRINGEL


Oerlinghausen. Die Betreiberin des Massage-Salons "Belle de Jour" fühlt sich zu Unrecht ins Rotlichtmilieu gerückt. Sie sieht ihren Ruf beschädigt und will den wieder reinwaschen. Sie will klagen. Gegen die Stadt und gegen den Vermieter.

Am Donnerstag hatte die Stadt den Betrieb dicht gemacht. Zeitgleich ging die fristlose Kündigung des Vermieters bei der Betreiberin ein, die zum Schutz der Familie nicht namentlich genannt werden will. Dass das Ordnungsamt die angebotene Tantra-Massage als Prostitution einstuft, kann sie verstehen. "Aus Unwissenheit", sagt sie. "Vielen Männern fällt es schwer, (...) zwischen Tantra-Massage und (...) Sex zu unterscheiden", schreibt sie im Internet. Unter dem Deckmantel Tantra werde in manchen Etablissements auch Sex angeboten. Aber nicht in ihrem Salon, betont sie. "Natürlich gibt es schwarze Schafe."

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Einen Kompromiss wird es nicht geben. Ohne die Praktiken Yoni und Lingam sei die Tantra-Massage unvollständig und sinnlos, sagt die Betreiberin, mit sei es Prostitution, sagt das Ordnungsamt. Das Gericht wird entscheiden müssen. Die Betreiberin meint, dass die Stadt im Gegenzug echte Prostitution geduldet habe und immer noch dulde. Sie nennt zwei Clubs, die erst in den 90er Jahren geschlossen wurden, obwohl Oerlinghausen seit 1984 Sperrgebiet sei. Tatsächlich werben mehrere Damen in der Südstadt unverblümt im Internet mit Telefonnummer und kompletter Adresse.


Die Betreiberin ist ausgebildete Tantra-Masseurin, eine Shakti, wie sie sagt. Sie hatte bereits Läden in Jöllenbeck und Gütersloh. Stets ohne Probleme, versichert sie. Ihre bald sechs Angestellten im "Belle de Jour" leitet sie persönlich an. Sie sagt, sie ziehe vor Gericht, um die Angestellten und sich selbst aus der Schmuddelecke herauszuholen. Am Montag wird ihr Anwalt Klage beim Verwaltungsgericht in Minden einreichen. Das "Belle de Jour" soll wieder öffnen, und zwar am gleichen Standort. Ihr Anwalt will den Fall (noch) nicht kommentieren. Pikant: Am 19. November, wenige Tage nach der Eröffnung, hat die Stadtverwaltung die Betreiberin darauf hingewiesen, dass die Verwaltung die Massagen als Prostitution ansieht und es keine Nutzungsänderung für die gemieteten Räume und somit keine Gewerbeanmeldung gebe. Das Schreiben liegt der Redaktion vor. "Warum hat die Stadt erst im Dezember gehandelt", fragt die Betreiberin. Empört ist sie darüber, dass der Vermieter vorgebe, er sei getäuscht worden. Sie zeigt ein Schreiben, dass im Vorfeld an den Vermieter gegangen ist. Darin wird die Tantra-Massage beschrieben, mit den Begriffen Lingam und Yoni, die die Stadt unter anderem als sexuelle Handlung wertet. Für die Betreiberin steht fest, dass der Vermieter von Anfang an genau informiert gewesen ist. Er sei auch am Eröffnungstag oder einen Tag zuvor, persönlich im "Belle de Jour" gewesen. Das würden zwei Hausdamen auch vor Gericht bezeugen. "Da will jetzt einer seinen Kopf aus der Schlinge ziehen", behauptet sie. Der Vermieter will sich mit dem Hinweis auf das bevorstehende Verfahren offiziell nicht äußern.

www.lz.de/home/nachrichten_aus_lippe/oe ... miert.html
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Beitrag von Doris67 »

Nuja, "Belle de jour" spielt sehr eindeutig auf Sexarbeit und Rotlichtmilieu an (es handelt sich um einen berühmten Film mit Catherine Deneuve als Luxushobbyhure). Diese Namenswahl erscheint mir sehr ungeschickt wenn man vermeiden möchte, daß ein Massagesalon als Bordell angesehen wird.
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Beitrag von nicole6 »


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RE: Tantra-Massage-Studio als Prostitution eingestuft

Beitrag von Emma-Gutversteckt »

Einen Kompromiss wird es nicht geben. Ohne die Praktiken Yoni und Lingam sei die Tantra-Massage unvollständig und sinnlos, sagt die Betreiberin, mit sei es Prostitution, sagt das Ordnungsamt. Das Gericht wird entscheiden müssen.


Das Urteil könnte ziemliche Wellen schlagen, wenn entschieden wird, dass Tantra keine Prostitution ist, weil es keinen Verkehr dabei gibt. Dann wären nämlich z.B. alle Dominas, die keinen Geschlechtsverkehr anbieten, auch nicht mehr zu den Prostituierten zu rechnen - was dann wiederum "sexfreie" Dominastudios zu etwas anderem als einem Bordellbetrieb werden ließe (um nur mal ein Bespiel zu nennen).

Da bin ich sehr gespannt, wie das entschieden wird.
Liebe Grüße
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Beitrag von LadyTanja »

Dann kommen auch die Escort-Damen, weil es ja in erster Linie nicht um Sex, sondern um niveauvolle Unterhaltung im Beisein schöner Frauen geht.

Und dann kommen die Erotikmassagestudios, in denen es ja um Massage geht.

Und dann kommen die Sexclubs, wo es ja nur um das Trinken von Champagner geht.

...

Und uups, auf einmal gibt es dann gar keine Prostitution mehr.

Das klappt nie.

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RE: Tantra-Massage-Studio als Prostitution eingestuft

Beitrag von Emma-Gutversteckt »

Ich habe erst später gesehen, dass der ursprüngliche Beitrag schon älter ist, aber bei Google nicht wirklich etwas gefunden (nur etwas vom Verwaltungsgericht in Stuttgart, welches meint, dass es immer Prsotitution ist).

@ Tanja:
Eben, das hab ich mir auch gedacht.

Hat jemand einen Link zu dem Urteil?
Liebe Grüße
Emma Gutversteckt

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Beitrag von fraences »

Hier der Zeitungsbericht im Spiegel zum dem Urteil.

http://www.spiegel.de/wirtschaft/sozial ... 82098.html

http://www.juragentur.de/meldungen/meldung/id/5211

Das komplette Urteil müsste bald Abruf sein. Das dauert immer eine Zeit bis die Urteile online sind. Vielleicht kann uns Kasharius da behilflich sein, wenn er wieder da ist.
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RE: Tantra-Massage-Studio als Prostitution eingestuft

Beitrag von fraences »

Und das in München, ich komm aus dem Staunen nicht raus.


Einzige Praxis im Raum München

Entspannung im Sperrbezirk

Gerhard Mühlbauer und Elvira Malinovskaa bieten seit Jahren Tantra-Massagen an. Sie sind nicht nur Geschäftspartner, sondern auch privat ein Paar.


Eine jahrtausendealte indische Entspannungstherapie ist auch in Bayern angekommen. Doch bietet Tantra sexuelle Befriedigung wie ein Bordell? Umstritten, auch nach diversen Gerichtsurteilen. Besuch in einer Münchner Praxis.


Von Anna Fischhaber
Bunte Tücher verhüllen die Fenster, überall stehen indische Götterstatuen, in der Luft liegt Räucherstäbchenduft: Die Praxis erinnert an ein Yogastudio. An der Wand allerdings hängen intime Fotos. Federn sind zu sehen und viel nackte Haut. Zumindest so viel, dass man sich den Arbeitsalltag von Gerhard Mühlbauer und seiner Geschäftspartnerin und Lebensgefährtin Elvira Malinovskaa vorstellen kann. Bei der Tantra-Massage sind nicht nur die Kunden, sondern auch die Masseure nackt. Und genau hier liegt das Problem.

Für Behörden und für die Polizei, die das Tantra-Institut als Prostitutionsbetrieb einstuften. Und für Mühlbauer und seine Partnerin, die jahrelang am Rande der Legalität gearbeitet haben. Schließlich wurde ihre Praxis sogar verboten. Erst seitdem sie erfolgreich gegen den Freistaat Bayern geklagt haben, können die beiden in Ruhe arbeiten.

Mühlbauer, 50, hat einst Theologie studiert, war katholischer Pfarrer in Franken, bis er merkte, dass er mit dem Zölibat nicht leben will. Fast 20 Jahre ist das her. Er machte eine Therapeutenausbildung, arbeitete einige Jahre als Sozialarbeiter in einer Suchthilfe. Heute ist er freier Theologe, Therapeut und Tantra-Masseur. "Tantra ist die einzige Therapieform, die mit dem Körper und der Sexualität direkt arbeitet", sagt Mühlbauer.

Sexuelle Befriedigung - Ja oder Nein?

Eigentlich ist Tantra eine jahrtausendalte indische Tradition. Den Tantrikern von damals ging es um die Ausschaltung böser Geister, um göttliche Energie. In den Sechzigerjahren etablierten sich Tantra-Schulen auch im Westen. Hier konzentriert man sich hauptsächlich auf Massagen, die den Intimbereich mit einschließen. Aber bietet eine Tantra-Praxis damit eine sexuelle Dienstleistung wie ein Bordell? Nein, sagt Mühlbauer. Natürlich werde ein Bedürfnis nach Berührung gestillt, aber die sexuelle Befriedigung stehe eben nicht an erster Stelle. Ja, entschied gerade ein Gericht in Stuttgart. Dort muss eine Masseurin deshalb Sexsteuer zahlen.


Nicht nur Wellness, sondern ein Sexerlebnis: Weil Tantra-Massagen nach Auffassung eines Gerichts mehr als ein ganzheitliches Sinnerlebnis sind, scheitert eine Masseurin mit ihrer Klage gegen die Sexsteuer. Nun zieht sie weitere Schritte in Erwägung.

In Bayern sieht man das ähnlich. Die Tantra-Massage gilt als "sexuelle Handlung gegen Entgelt", für die die gleichen Bestimmungen gelten wie bei Prostitution, erfährt man beim Polizeipräsidium München. Natürlich laufe es in einer Tantra-Praxis anders ab als im Bordell, sagt ein Sprecher. Aber es könne eben auch zum Orgasmus kommen. Masseure müssen sich bei der Polizei registrieren. Praxen sind im Sperrbezirk, also etwa in der Münchner Innenstadt oder in Wohngebieten, nicht erlaubt. Wie Bordelle sollen sie sich im Rotlichtmilieu niederlassen.

Mühlbauer und seine Partnerin wollten das nicht so hinnehmen. "Viele erotische Massagestudios werben mit Tantra, haben aber gar keinen Bezug zur tantrischen Heilarbeit", sagt der 50-Jährige. Seit drei Jahren betreibt er in der Nähe des Riemer S-Bahnhofs, aber jenseits der Stadtgrenze auf Aschheimer Gebiet mit Malinovskaa die Praxis. Wie in allen Gemeinden mit weniger als 30 000 Einwohnern ist hier jedoch Prostitution grundsätzlich verboten. Aber stört die Praxis wirklich? Vor der Tür gehen schließlich keine leichtbekleideten Frauen auf Freiersuche. Hier steht nur eine haushohe nackte Männerstatue in Gold - doch die wirbt für die Eventfirma nebenan.

Kurz nach Eröffnung stand zum ersten Mal die Sittenpolizei vor der Tür, um die Personalien zu kontrollieren. Nach einer Anzeige der Polizei begann auch das Landratsamt München zu ermitteln. "Wir hatten zunächst den Eindruck, dass es sich nicht um Prostitution handelt", heißt es bei der Behörde. Dann jedoch seien neue Hinweise eingegangen - und das Landratsamt untersagte den Betrieb. Man habe sich an den Bildern auf der Website gestört, erklärt eine Sprecherin. Inzwischen sind dort keine intimen Fotos mehr zu sehen.

Das Landratsamt habe sich nicht recht entscheiden können, sagt dagegen Mühlbauer. "Wir wurden hin- und hergeworfen wie ein Spielball. Die Unsicherheit bis hin zu dem Verbot war eine ständige Bedrohung unserer beruflichen Existenz." Wenn er von den Besuchen der Polizei erzählt, wird er wütend. Der Mann mit der bedächtigen Sprechweise und den nackten Füßen redet nun lauter. "Warum muss man uns kriminalisieren, uns an der Arbeit hindern?", fragt Mühlbauer. In der Sauna begegne man sich schließlich auch nackt - und falle deshalb nicht übereinander her.

Viele Kollegen von Mühlbauer sind inzwischen abgewandert. "Weil sie hier überwacht und gegängelt wurden", sagt der 50-Jährige. Mühlbauer und seine Partnerin blieben und reichten Klage beim Verwaltungsgericht München ein. In anderen Bundesländern reagierten Kollegen oft verwundert, wenn sie hörten, wie streng es hier zugeht, sagt auch Pamela Behnke vom Tantra-Massage-Verband. Während es in Berlin und in Köln zahlreiche seriöse Praxen gebe, fällt ihr im Raum München nur die Praxis von Mühlbauer und Malinovskaa ein.

"Orgasmus kein Ziel der Massage"

Hierher kommen vor allem Paare. Manche Kunden haben körperliche Probleme, anderen fehlt es an Erfahrung. Wieder andere wollen sich einfach nur entspannen. Zu jeder Massage gibt es Vor- und Nachgespräche. Mindestens 90 Minuten dauert eine Sitzung. Kosten: ab 170 Euro. Und was, wenn Kunden kommen, die eben doch nur Sex wollen? Das komme sehr selten vor, sagt Mühlbauer und verweist auf seine Internetseite. Seitenlang werden hier Fragen zum Tantra beantwortet. "Orgasmus ist kein Ziel der Massage", steht dort. Und: "Wenn du versucht sein solltest, uns zu berühren, zu streicheln oder zu grapschen, so müssen wir dir leider unsere Grenzen zeigen." Ziemlich eindeutig eigentlich.

Doch das Verwaltungsgericht München interessiert sich - anders als das Gericht in Stuttgart - gar nicht dafür, welche Art von Behandlung denn nun in der Tantra-Praxis stattfindet. Entscheidend sei nur, wie das Institut in Erscheinung trete. Und ob die öffentliche Ordnung gestört werde. Und das sei nicht der Fall. Zu einem Urteil kommt es nicht. Das Landratsamt München zieht daraufhin das Verbot zurück. "Die Polizeikontrollen allerdings gingen weiter. Erst nach einer weiteren Klageandrohung können wir jetzt ungestört arbeiten", erzählt Mühlbauer.

Seit kurzem bieten er und Malinovskaa ihre Massage ganz legal an. "Tantra ist endlich in Bayern angekommen", sagt Mühlbauer. Beim Landratsamt München formuliert man es ein wenig vorsichtiger. Dort heißt es: Sollte sich an der Behandlungspraxis des Tantra-Instituts nichts geändert haben, entspricht der Betrieb den gesetzlichen Voraussetzungen.
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