Prostituierte mischen Aids-Konferenz mit Lack und Strapsen

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fraences
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Prostituierte mischen Aids-Konferenz mit Lack und Strapsen

Beitrag von fraences »

Prostituierte mischen Aids-Konferenz mit Lack und Strapsen auf

Eine Wissenschaftskonferenz mit erotischen Korsetts gibt es nicht alle Tage. Bei der Welt-Aids-Konferenz treten Prostituierte aber ins Rampenlicht. Und stehlen auch das Mikrofon.

Ein roter BH unter schwarzer Spitze, lange Beine in Netzstrümpfen unter einem Lack-Minirock: So steht Emy Fem aus Berlin auf einer Bühne bei der Welt-Aids-Konferenz. In einer Performance über Sexarbeit fordert sie Stereotypen heraus: «Sind Sexarbeiterinnen Sklaven, Drogenabhängige, verkaufen sie ihre Seele? Oder sind es Menschen mit Gefühlen? Ich ficke für Geld, aber ich bin kein Opfer, ich schäme mich nicht für meinen Job», ruft sie.
Aids: In vielen Länder sind Prostituierte mit HIV infiziert
Prostituierte stehen bei der Welt-Aids-Konferenz im Rampenlicht wie nie zuvor. In diesem Jahr widmet die medizinische Fachzeitschrift «Lancet» dem Thema zur Konferenz ein ganzes Heft. In vielen Ländern sind überdurchschnittlich viele Sexarbeiterinnen mit dem HI-Virus infiziert, weil sie in der Illegalität oft keine Kondome, keine HIV-Tests und keine Medikamente bekommen. Die «Lancet»-Botschaft: Wenn auf den Menschenrechten von Prostituierten herumgetrampelt wird, ist die Aids-Epidemie niemals in den Griff zu bekommen.
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Es mag zwar das älteste Gewerbe der Welt sein, aber in vielen Ländern der Welt ist es verboten, gegen Geld Sex anzubieten. Das zwingt Prostituierte in Hinterhöfe und abgelegene Bezirke und öffnet Missbrauch, Ausnutzung und Gewalt Tür und Tor. Polizeigewalt ist üblich, wie die bisexuelle Daisy Nakato aus Uganda berichtet. «Sie stürmten in mein Zimmer, nahmen mich und meinen Partner mit den Worten fest: Wir jagen Homos, bis sie ausgerottet sind.»
«Ich werde ständig überwacht und mir droht die Einweisung in ein Umerziehungslager», berichtet Ye Haiyan aus China. Ihr Pass wurde einbehalten, sie konnte nicht nach Melbourne reisen. Ihre Geschichte wird von Freunden verlesen. «Wir können zwar zum HIV-Test gehen, aber in der Klinik sitzt man vor dem Zimmer wie auf dem Präsentierteller - da wird mit dem Finger auf uns gezeigt», sagt Angkis aus Osttimor.
Die Gesellschaft und die Huren-Phobie
«Wir brauchen uns in Deutschland nicht zu verstecken», sagt Emy Fem. Prostitution ist nicht verboten. «Aber es ist das Gewerbe mit den meisten Razzien.» Bordelle gälten als Gefahrenbezirke, da habe die Polizei Sonderbefugnisse. Prostituierte würden auch auf der Straße öfter kontrolliert. «Es müssen alle Paragrafen abgeschafft werden, mit denen Sexarbeiterinnen verfolgt werden», verlangt sie. Was nichts an der gesellschaftlichen Ablehnung des Gewerbes ändere. «Aber die gesellschaftliche Huren-Phobie wird gesetzlich noch untermauert», sagt Fem.
Fem ist Transsexarbeiterin, wie sie sagt. Trans, erklärt sie, sind «Leute, die einen Bruch mit dem ihnen bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht gemacht haben.» Sie hat zwei Kinder. Mit ihrer 16-jährigen Tochter hat sie schon mal gemeinsam eine Sexarbeiter-Performance gemacht. «Sie sagt offen, dass ihre Mutter Sexarbeiterin ist, sie kann damit umgehen», sagt Fem.
Freiheit feiern auf der Welt-Aids-Konferenz
So selbstverständlich wie Fem von Beruf und Arbeit zu reden, können sich nur wenige Prostituierte leisten. Die, die nach Melbourne gekommen sind, feiern die Freiheit. Wie Monica Jones, eine Aktivistin aus dem US-Staat Arizona. Sie sei unter einem archaischen_Gesetz verurteilt worden, weil sie so aussah, als fördere sie die Prostitution. Auf der Bühne zieht sie im erotischen Korsett vor johlendem Publikum eine Domina-Show mit Mann an der Leine ab.
Das alles findet im «Globalen Dorf» statt, wo Aktivisten aus aller Welt Stände haben. Die Wissenschaftler tagen anderswo. Am Dienstag kreuzten Fem und ein paar Kolleginnen aber auch dort auf: Sie gingen ungefragt ins Plenum, schnappten sich das Mikrofon und beschwerten sich, dass viel zu wenig Geld für die Beteiligung von Prostituierten an solchen Konferenzen zur Verfügung steht. Es gab verhaltenen Applaus.
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http://www.augsburger-allgemeine.de/pan ... 27682.html


" Und stehlen auch das Mikrofon."

Manchmal denke ich, das wir ein Megaphon brauchen!
Wer glaubt ein Christ zu sein, weil er die Kirche besucht, irrt sich.Man wird ja auch kein Auto, wenn man in eine Garage geht. (Albert Schweitzer)

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