Das Erotikgewerbe stellt für das Volk absolut keine Bedrohun

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fraences
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Das Erotikgewerbe stellt für das Volk absolut keine Bedrohun

Beitrag von fraences »

«Das Erotikgewerbe stellt für das Volk absolut keine Bedrohung dar»
Von Selina Stucki.



Jacqueline Suter von der Fachstelle Sexarbeit Xenia über die Idee, das Sexgewerbe aus der Stadt zu drängen.
Sie ist seit 16 Jahren dabei und weiss, wo bei Prostituierten der Schuh drückt: Jacqueline Suter, Beraterin der Fachstelle Xenia.

Sie ist seit 16 Jahren dabei und weiss, wo bei Prostituierten der Schuh drückt: Jacqueline Suter, Beraterin der Fachstelle Xenia.
Bild: Manu Friedrich
Xenia: 30 Jahre Sexarbeit

Die Fachstelle Sexarbeit Xenia feiert heuer ihr 30-jähriges Bestehen. Zu diesem Anlass schafft das Kornhausforum in einer Foto­ausstellung Einblick ins Berner Rotlicht­milieu. Drei Fotografen haben mit der Linse eindrückliche und detailreiche Bilder aus Berns Hinterzimmern und Gassen eingefangen. Die Ausstellung öffnet morgen Donnerstag und dauert bis am 16. August.

Gegründet wurde der Verein Xenia 1984. Seither berät die Fachstelle Sexarbeitende, Behörden und Betreiber von Etablissements. Neben der Beratung sucht Xenia die Sex­arbeitenden auch im Feld auf, zudem betätigt sich die Fachstelle politisch, indem sie sich in Arbeitsgruppen engagiert und mit Behörden und sozialen Institutionen im In- und Ausland zusammenarbeitet. Bis 2009 war der Verein nur für die Sexarbeitenden in der Stadt Bern zuständig. Heute betreut die Beratungsstelle Sexarbeitende aus dem ganzen Kanton.

Frau Suter, kürzlich haben Sie im «DerBund.ch/Newsnet» die Altstadtbewohner aufgerufen, sich gegenüber Prostituierten in der Altstadt toleranter zu verhalten. Hat die Gesellschaft ein Problem im Umgang mit Prostituierten?
Es ist schwierig zu sagen, ob die Gesellschaft im Generellen ein Problem hat. Die Gefahr besteht jedoch, dass man Sexarbeit per se mit Menschenhandel vermischt. Deshalb bekommt das Gespräch schnell eine moralische Komponente. Die Gesellschaft ist zwar äusserst tolerant, was die Sexualität angeht, aber sobald es um Sex und Geld geht, hört die Toleranz auf.

Das Sexgewerbe wird immer mehr an den Rand der Gesellschaft gedrängt, Stichwort Sexboxen in Zürich. Ist dies eine Auswirkung dieser moralischen Überlegungen?
Das Erotikgewerbe stellt für das Volk ­absolut keine Bedrohung dar, deshalb habe ich Mühe mit dieser Tendenz. ­Zudem ist das Gewerbe im Kanton Bern äusserst diskret, es gibt im ganzen Kanton keine Stadt, die ein Rotlichtviertel wie beispielsweise Amsterdam oder ­Paris hätte.

Durch das kantonale Prostitutionsgesetz, welches im April 2013 in Kraft trat, werden früher oder später viele Salons aus den belebten Gebieten der Stadt Bern verschwinden. Dieses Bestreben ist aus Ihrer Sicht also überflüssig?
Aus meiner Sicht ja. Es ist jedoch die logische Konsequenz davon, dass Etablissements, wenn sie als Gewerbe wie jedes andere angesehen werden – was wir von Xenia auch fordern –, auch gewisse Auflagen erfüllen müssen. Bis jetzt konnten auch Kleinstbetriebe existieren, doch dies wird in Zukunft schwieriger sein, weil sich kleine Betriebe ein Etablissement in den erlaubten Gewerbe- und Dienstleistungszonen möglicherweise nicht mehr leisten können. Das heisst nicht, dass das Sexgewerbe verschwinden wird, aber unter Umständen werden die Frauen einfach in die Illegalität gedrängt.

Trotzdem plädieren Sie dafür, dass das Sexgewerbe dem anderen ­Gewerbe gleichgestellt wird.
Unbedingt. Wir von Xenia sagen ja, Sexarbeit sei einfach eine Arbeit. Deshalb sollen für Sexarbeitende die gleichen Rechte und Pflichten gelten wie für andere auch. Im Moment haben die Sexarbeitenden jedoch mehr Pflichten als Rechte.

Zum Beispiel?
Sexarbeitende aus der EU unterliegen der 90-Tage-Regel. Da sie für diese 90 Tage einen Businessplan, einen Mietvertrag und eine AHV-Anmeldung vor­legen müssen, läuft dies faktisch auf eine Bewilligungspflicht hinaus. Das entspricht nicht dem Freizügigkeitsabkommen, welches für die 90-Tage-Regelung nur ein Meldeverfahren vorsieht. Aus ­unserer Sicht sind diese administrativen Schritte für die Frauen eine Schikane – der Kampf gegen Menschenhandel wird lediglich als Vorwand benutzt. Durch dieses langwierige Verfahren werden viele Frauen in die Schwarzarbeit gedrängt, was sie eigentlich gar nicht wollen.

Mit dem neuen Prostitutionsgesetz wird die Sexarbeit neu als nicht mehr sittenwidrig anerkannt. Somit ist Sexarbeit ein Beruf wie andere auch. Ein Erfolg aus Ihrer Sicht?
Vorneweg muss ich sagen: Die Sittenwidrigkeit wurde zwar im Kanton Bern abgeschafft, auf nationaler Ebene müssen aber noch gesetzliche Anpassungen ­gemacht werden, damit im Kanton Bern Rechtsklarheit herrscht. Das Kantonsparlament überwies zu diesem Thema auf Antrag der FDP-Grossrätin Katrin Zumstein eine Standesinitiative. Grundsätzlich begrüsst Xenia, dass Frauen im Kanton Bern nun wählen können, ob sie als Selbstständigerwerbende arbeiten möchten oder im Anstellungsverhältnis – mit allen Vorteilen, wie die Möglichkeit von Taggeldbezug bei Arbeitslosigkeit oder der gesicherten beruflichen Vorsorge. Wichtig ist uns: Die Frauen sollen die Wahl haben.

Sie sagen, Sexarbeit sei dem anderen Gewerbe gleichzustellen. Dies impliziert, dass Prostitution auf freiwillige Basis geschieht.
Ich habe Mühe mit dem Ausdruck «freiwillig», denn wer arbeitet schon freiwillig? Es ist diskriminierend, dass man im Sexgewerbe diese Freiwilligkeit so hochhält, in anderen Berufen aber nicht. Es ist zwar legitim, wenn jemand kein Verständnis für Frauen hat, die im Sex­gewerbe arbeiten. Die logische Kon­sequenz daraus ist aber nicht, dass Verbote resultieren müssen, weil man die Frauen aus der Öffentlichkeit verdrängen oder angeblich schützen will.

Einerseits sehen Sie die Sexarbeit als normale Arbeit, andererseits setzt sich Xenia für die nach wie vor schwierigen Arbeitsbedingungen der Frauen ein. Ist das nicht ein Widerspruch?
Man muss alles immer in einem Verhältnis sehen. Auch bei der privaten Spitex oder der Landwirtschaft herrschen prekäre Arbeitsbedingungen. Wichtig ist, dass man auch im Sexgewerbe wertfrei diskutieren kann. Es bringt nichts, die Frauen in eine Opferrolle zu drängen.

Trotzdem braucht es Xenia, um die Frauen zu unterstützen.
Das sicher. Doch die Frauen nur als Opfer zu sehen, ist falsch. Stellen Sie sich vor: Wie viele Frauen hier in der Schweiz wurden schon Opfer von einem sexuellen Übergriff? Wie wäre es, wenn man diese Frauen alle nur noch als Opfer ansehen würde? Wenn Frauen in einer Notlage sind, bekommen sie bei uns Hilfe, keine Frage. Aber es ist unsere Aufgabe, auch die anderen Ressourcen unserer Klientinnen zu sehen.

Mit welchen Bedürfnissen kommen die Frauen zu Ihnen?
Ein Teil der Anfragen betrifft die Sex­arbeit, so etwa Fragen rund um die Gesund­heit. Viele Fragen könnten aber auch in anderen Beratungsstellen in anderen Bereichen gestellt werden. So haben viele Betroffene beispielsweise aufenthaltsrechtliche Fragen, wollen wissen, was sie alles machen müssen, damit sie legal in der Schweiz arbeiten können.

Hat sich die Beratungsarbeit während der 30 Jahre, die Xenia nun existiert, verändert?
Die Arbeit hat sich massiv verändert, ja. Früher machten wir ausschliesslich Beratungs­arbeit eins zu eins mit den Sexarbeitenden. Heute kommt viel mehr politische Arbeit dazu. Dadurch, dass Xenia eine so grosse Erfahrung hat und als Fachstelle akzeptiert wird, haben wir auch Einsitz in Fachkommissionen und Arbeitsgruppen auf städtischer, kantonaler, aber auch auf Bundesebene. Diese Arbeit bedeutet für uns zwar einen Mehraufwand, sie ist uns aber extrem wichtig. Damit wir auch die Rechte der Sexarbeitenden vertreten können, müssen wir auf den politischen Prozess Einfluss nehmen können.

http://www.derbund.ch/bern/nachrichten/ ... y/31747032
Wer glaubt ein Christ zu sein, weil er die Kirche besucht, irrt sich.Man wird ja auch kein Auto, wenn man in eine Garage geht. (Albert Schweitzer)

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nicole6
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Ich bin: ehemalige SexarbeiterIn

Beitrag von nicole6 »

wenn es um "Sex ohne Geld" geht, dann ist es wichtig, die
richtige Umgebung zu wählen, sonst geht es einem wie dieser
Frau aus Österreich:
http://web.de/magazine/nachrichten/pano ... me.585.653

Nicole