Sexarbeit- Über Sexkauf-Verbot

Beiträge betreffend SW im Hinblick auf Gesellschaft bzw. politische Reaktionen
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Kasharius
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Re: Sexarbeit- Über Sexkauf-Verbot

#141

Beitrag von Kasharius »

Danke lieber @Eddy für den tollen Beitrag.

Die Erklärung von RA Dr. Theben wurde vom Nachrichtenportal kobinet übernommen

https://kobinet-nachrichten.org/2019/10 ... ion-wohin/

Dieses Portal lesen auch viele MdB´s, die sich für Teilhabe und Inklusion einsetzen (darunter auch Frau Breymaier!). Vielleicht geht manchen ein Licht auf....

Kasharius grüßt solidarisch

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Tilopa
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Re: Sexarbeit- Über Sexkauf-Verbot

#142

Beitrag von Tilopa »

Klasse, lieber Kasharius!
Und danke an Eddy für die informativen Dokumente.

Gemeinsam sind wir stark! 🙂

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deernhh
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Re: Sexarbeit- Über Sexkauf-Verbot

#143

Beitrag von deernhh »

Diese Sexarbeiterin hat Angst, dass ihr Beruf bald kriminalisiert wird

In Berlin wird zurzeit das sogenannte "Schwedische Modell" diskutiert, das einem Sexkaufverbot gleichkommen würde.
Von Yannah Alfering

15 Oktober 2019, 5:45pm

FOTO: PRIVAT

BDSM-Sessions, Blowjobs und Restaurantbesuche mit Happyend sind in Deutschland leichter zu kriegen als ein Zehner Gras – noch. Das könnte sich ändern, wenn das sogenanntes Sexkaufverbot kommen sollte.

Politikerinnen und Politiker unterschiedlicher Parteien diskutieren zurzeit ein Modell, das den Kauf von Sex verbietet: das Schwedische Modell, auch bekannt als Nordisches Modell. Dieses System würde Sexarbeitende zwar nicht direkt kriminalisieren, dafür aber ihre Kunden und Kundinnen. Initiiert wurde der Arbeitskreis "Prostitution – wohin?" von Frank Heinrich (CDU) und Leni Breymeier (SPD).

Aya Velázquez arbeitet als Escort und als Sklavin in einem BDSM-Studio. Sie hat Angst, dass es Sexarbeitenden in Deutschland bald so gehen könnte wie in Schweden. Dort wurde das Schwedische Modell 1999 eingeführt. Laut dem Berufsverband erotische und sexuelle Dienstleistungen (BesD), in dem Velázquez Mitglied ist, bedeutet das Sexkaufverbot auch, dass "jegliche Unterstützung von Sexarbeitenden illegal ist". Dazu zähle zum Beispiel auch der Fahrservice zu einem Escort-Date. "Es können einem die Kinder weggenommen werden. Erwachsene Kinder können der Zuhälterei angeklagt werden, wenn sie Geld von ihren Müttern bekommen", sagt Velázquez. In Schweden habe das Sexkaufverbot für viele Sexarbeiterinnen sogar dazu geführt, dass sie ihre Wohnung verloren hätten. Wir haben mit Aya Velázquez darüber gesprochen, was ein Sexkaufverbot in Deutschland für sie bedeuten könnte.

Aya Velázquez
AYA VELÁZQUEZ ARBEITET ALS HIGHCLASS-ESCORT. FOTO: UWE HAUTH

VICE: Was würde das Schwedische Modell für deine Arbeit bedeuten?

Aya Velázquez: Ich will mir das ehrlich gesagt gar nicht vorstellen. Ich bin Highclass-Escort. Es könnte sein, dass mich Hotels aus Angst vor strafrechtlichen Konsequenzen nicht mehr reinlassen, wenn sie mich wiedererkennen. Ich habe viele Kunden aus dem gehobenen Managementbereich, die ebenfalls aus Angst vor Strafe wegbleiben könnten. Mein Escort-Portal Hetaera müsste schließen, da Hosting-Provider ebenfalls nicht das Risiko eingehen können, die Prostitution zu fördern. Alle Webseiten, die Sexarbeit bewerben, müssten vom Markt verschwinden.

Auch alle Bordelle werden schließen müssen. Die Betreiber würden "Prostitution fördern" – und das wäre unter dem Schwedischen Modell illegal. Davon wäre auch das Dominastudio Lux betroffen, in dem ich arbeite.

Unsere Arbeit würde in unsaubere, unsichere, dunkle Ecken verschoben werden: Wald, Feld, Flur, Parkplatz. Sichere Arbeitsorte würden komplett wegfallen. Die guten Kunden würden aus Angst, sich strafbar zu machen, wegbleiben – die schlechten und skrupellosen Kunden nicht.

Für wie realistisch hältst du es, dass das Schwedische Modell nach Deutschland kommt?

Schwer zu sagen. Momentan kippt in der Politik einiges. Die Grünen sind im Aufwind. Ich hoffe, dass das Gesetz mit den Grünen nicht zu machen ist – auch nicht unter Schwarz-Grün. Die SPD ist in der Selbstfindungskrise, da weiß man momentan nicht, wer sich durchsetzt: die pietistischen Schwaben oder das aufgeklärte, liberale Berlin? Die CDU will sich momentan nicht von rechts von der SPD überholen lassen. Deswegen sind einige Politiker und Politikerinnen von der CDU ganz schnell nachgerückt, als Leni Breymaier (SPD) das Schwedische Modell befürwortet hat. Momentan ist noch alles offen, aber die moralisch motivierten Abgeordneten machen zurzeit den lautesten Lärm und gewinnen an Einfluss. Vor ein paar Jahren wäre ein Diskurs über ein Sexkaufverbot in Deutschland noch undenkbar gewesen.

Glaubst du, dass die Kriminalisierung von Prostitution zu Zwangsprostitution führt?

Nein, aber sie wird Prostitution für alle Prostituierten prekärer machen. Ich spreche auch bewusst nicht von Zwangsprostitution – Prostitution im eigentlichen Sinne ist immer freiwillig. Opfer von Menschenhandel hingegen sind Opfer von Menschenhandel. Die prostituieren sich nicht, sondern werden vergewaltigt. Die Frauen, die ich kenne, die das freiwillig und gerne machen, haben noch nie eine Frau gesehen, die Opfer von Menschenhandel wurde. Diese zwei Welten berühren sich nicht. Es wird aber immer so getan, als ob es zwischen Prostitution und Menschenhandel einen fließenden Übergang gäbe – das ist schlichtweg falsch.


Durch das Schwedische Modell werden die Frauen sehr viel schlechtere Arbeitsbedingungen haben. Wo immer ein Schwarzmarkt entsteht, entstehen auch neue Geschäftsmodelle für organisiertes Verbrechen. Ähnlich wie bei der Alkoholprohibition oder dem Cannabisverbot könnte es daran wachsen. Der Menschenhandel würde bleiben. Hauptsächlich wird die momentan noch legale Prostitution von dem Gesetz betroffen sein.

Wie oft wirst du mit dem Vorwurf konfrontiert, dass du deinen Job nicht freiwillig machen würdest?

Sehr selten. Meine Erfahrung ist: Je intelligenter die Menschen sind, desto weniger haben sie ein Problem mit unserem Job. Hin und wieder habe ich einen Kunden, der mich fragt, ob ich mir mal Gedanken über zukünftige Probleme gemacht hätte, weil ich mit einem Gesicht im Internet zu sehen bin. Ich definiere mich aber schon lange nicht mehr darüber, was die Gesellschaft von mir denkt.

Beschneidet das Schwedische Modell deine Selbstbestimmung?

Auf jeden Fall. Ich fühle mich in meinen Grundrechten verletzt und zwar ganz konkret in Bezug auf die Artikel 1 und 12 unseres Grundgesetzes. Aus dem Artikel 1 leitet sich das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung ab, Artikel 12 gewährt ein Recht auf freie Berufswahl. Ich arbeite sehr gerne als Sexarbeiterin, habe mich frei für diesen Beruf entschieden. Es ist Teil meiner sexuellen Identität, mich auf diese Weise zu erfahren. Es kann nicht sein, dass für das Ziel, den Menschenhandel zu bekämpfen, unzähligen freiwillig in der Sexarbeit tätigen Menschen ihre Grundrechte abgesprochen werden.

2016 wurde das Gesetz zum Schutz von in der Prostitution tätigen Personen erlassen. Was denkst du darüber?

Das ist leider an der Umsetzung gescheitert. Die Registrierung von Prostituierten hat nicht funktioniert. Vielen Frauen ist eine Erfassung aus privaten oder beruflichen Gründen unmöglich. Außerdem ist das Gesetz eine Bevormundung. Ich muss zum Beispiel jetzt jedes Jahr zu einer Gesundheitsberatung - gezwungenermaßen. Das heißt, ich muss mir jedes Jahr aufs Neue wie ein Kleinkind ganz viel über Gesundheit und ansteckende Krankheiten von einer Sozialarbeiterin anhören. Wenn ich da nicht hingehe, verliere ich meine offizielle Arbeitserlaubnis. Ich kenne viele Kolleginnen, die gerne in einem Studio oder in einem Bordell arbeiten würden – das geht aber nicht, weil sie keine Registrierung möchten. Dafür gibt es unterschiedliche Gründe, unter anderem Datenlecks. Eine Kollegin wurde mal auf der Autobahn von einem Polizisten kontrolliert. Der wusste genau, was sie tat und sprach ihren Beruf an, obwohl ihr Beifahrer nichts davon wissen durfte. Wir können diesem Staat also nicht vertrauen. Unter dem Prostituiertenschutzgesetz gibt es jetzt zwei Klassen von Sexarbeiterinnen, die angemeldeten und die nicht angemeldeten.

Warum glaubst du, dass die Gesetzeslage sich derzeit verschärfen könnte?

Der CDU-Mitbegründer und ehemalige Bundespräsident der BRD Gustav Heinemann hat mal gesagt: "Man erkennt den Wert einer Gesellschaft daran, wie sie mit den Schwächsten ihrer Glieder verfährt". Wir Prostituierten gehören zu den am stärksten marginalisierten Gliedern der Gesellschaft. Dass ausgerechnet wir jetzt so heuchlerisch indirekt angegriffen werden, ist ein Symptom unserer Zeit und ein Zeichen dafür, wie weit sich CDU und SPD vom Geist ihrer Gründerväter entfernt haben. In meinen Augen ist das ein reaktionärer Trend. Die AfD hat die Grenze des Sagbaren verschoben und die SPD und die CDU versuchen jetzt auf dem Rücken von gesellschaftlichen Randgruppen, ihre konservative Stammwählerschaft zu mobilisieren. Durch die Unsicherheiten der globalisierten Welt erscheinen einfache Lösungen attraktiv: Burkas verbieten, Nutten verbieten. Für mich ist das eine faschistoide Tendenz, die wir gerade erleben.

Was würdest du dir von der Politik im Umgang mit dem Thema Sexarbeit wünschen?

Redet mit uns und nicht über uns. Der Berufsverband für sexuelle Dienstleistungen ist offen für Gespräche.


Du bist Mitglied im Berufsverband für erotische und sexuelle Dienstleistungen. Macht ihr Lobbyarbeit?

Ja, wir sind ein sehr diverses Bündnis, vom Tantra-Masseur über die Straßenhure bis zur Domina, und haben konkrete Ziele an die Politik formuliert. Wir wollen weder das Prostitutionsschutzgesetz noch das Schwedische Modell in Deutschland. Wir fordern ein flächendeckendes Beratungsnetz. Wir wollen Gesundheitsangebote, aber freiwillig. Wir fordern eine Professionalisierung für den Beruf, das bedeutet Ausbildungsmöglichkeiten, zum Beispiel Deutschkurse für Migranten und Migrantinnen. Außerdem möchten wir zumutbare Umstiegsmöglichkeiten.

Keine Frau hört mit der Sexarbeit auf, wenn man ihr einen Putzjob für 1,50 Euro die Stunde anbietet. Wir haben auch einen sehr ketzerischen Vorschlag: Die Frauen, die umsteigen wollen, haben eine unglaubliche Expertise im erotischen Bereich. Wir könnten uns vorstellen, diese Frauen im Bildungsbereich einzusetzen. Das könnte in der Erwachsenenbildung sein, aber auch im Sexualkundeunterricht an Schulen. Auf der kulturellen Ebene wünschen wir uns eine Entstigmatisierung und eine Aufwertung des Berufes. Wir wünschen uns, dass Sexarbeit als eine soziale und künstlerische Tätigkeit wertgeschätzt wird, dass sie unter den „freien Berufen“ gefasst wird.


https://www.vice.com/de/article/kz4x99/ ... hes-modell

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Re: Sexarbeit- Über Sexkauf-Verbot

#144

Beitrag von friederike »

Frank Heinrich MdB (CDU) ist ein besonders abstoßender Typ von Menschenretter. Er war schon beteiligt am ProstSchG und vertritt die Auffassung, dass die Highclass-Escorts eben Nachteile hinnehmen müssten, damit den vielen Zwangsprostituierten Heil gebracht werden kann. Soviel zum Grundgesetzverständnis unserer Politiker.

Evangelischer Theologe, Heilsarmeeoffizier, MdB für Chemnitz.

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Re: Sexarbeit- Über Sexkauf-Verbot

#145

Beitrag von Kasharius »

Man muss auch berücksichtigen, dass ggf. im Falle eines Sex-Kaufverbotes all jene, die im "Vertrauen" auf den Bestand des Prostituiertenschutzgesetzes investitionen getätigt haben, auch Regressansprüche hätten. Ich sehe hier grundsätzlich Parallelen zum Atomausstieg und den Ansprüchen der Kernkraftbetreiber; wenngleich nicht in diesen finanziellen Dimensionen. Ergo: So ein generelles Berufsverbot läßt sich nicht übers Knie brechen. Da gibt es sehr vieles zu bedenken...

Kasharius grüßt

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Re: Sexarbeit- Über Sexkauf-Verbot

#146

Beitrag von Tilopa »

@Friederike: Ja, der ist mir auch schon aufgefallen...
Man kann noch ergänzen: Wurde im tiefsten Südwesten sozialisiert, hat vor ein paar Jahren ein moralisch indigniertes Buch gegen Sexarbeit geschrieben. Das ganze ****-Paket. So besessen muss man von einem Thema erstmal sein, dass man ein Buch schreibt. Und vor allem die Zeit haben. Bei ihm offensichtlich aus Steuergeldern bezahlt.

@Kasharius: Interessanter Aspekt!

Und deshalb fand ich die Intervention von Dona Carmen durchaus klug:
In den nächsten Jahren wird es in deren Strategie letztlich (aller schrillen Maximalforderungen zum trotz) darum gehen, die Repression zu verschärfen:
SexarbeiterInnen das Leben noch schwerer zu machen, Handlungsspielräume und Rechte weiter einzuschränken, Bordelle zu schließen, usw. Da arbeiten professionelle Lobbyisten in Vollzeitstellen und es ist wichtig, die Netzwerke weiter aufzudecken.

Was hilft dagegen? Wahrscheinlich das, was Dona Carmen sagt: Abstrakte Moraldiskussionen im christlich-feministisch-reaktionären Frame eher meiden - die bürgerlichen Medien stehen drauf, aber sie berichten in der Regel nicht fair. (Oder, wie ich es versuche: sie lächerlich machen).
Stattdessen den Kampf gegen die aktuellen Prostitutionsgesetze/Diskriminierungen verstärkt in die Öffentlichkeit tragen (und, Ergänzung von mir: Die Einheit aller Menschen und insbesondere die Rechte und Freiheiten aller Minderheiten verteidigen und ausbauen).

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Re: Sexarbeit- Über Sexkauf-Verbot

#147

Beitrag von Kasharius »

@Tilopa

über Deine Ergänzung freue ich mich besonders :)!

Zusätzlich sollte auch der Einfluss auf gemäßigtere bzw. liberale Abgeordnete verstärkt werden. Neben den vielen Gründen, die gegen ein Sexkauf-Verbot sprechen, machen weitere Verschärfungen auch vor der im ProstSchG angelegten Evaluation bbzw. auf der Grundlage valider Zahlen zur tatsächlichen Ausbeutung und der Lebens- und Arbeitswirklichkeit von SW keinen Sinn.

Nach meiner persönlichen Meinung sollten auch wieder verstärkt konkrete Gesetzesinitiativen zur Stärkung der Rechte von SW diskutiert werden; etwa die Abschaffung der Regelung von Sperrgebietsverordnungen oder Anpassungen der Baunutzungsverordnung.

Es gibt also weiter viel zu tun.

Ich bleibe dran!

Kasharius grüßt

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Re: Sexarbeit- Über Sexkauf-Verbot

#148

Beitrag von Tilopa »

Hier ein zusammenfassender Bericht über die aktuelle Lage mit Politiker-Zitaten aus allen großen Parteien. Der Schreiber ist mal wieder unfair gegen uns (schon die Überschrift ist eine Frechheit) und völlig unkritisch der Verbotslobby gegenüber, aber trotzdem ist das politische Gesamtbild einigermaßen beruhigend. Prima, dass es die Demo gegeben hat und danke an alle TeilnehmerInnen, die vor Ort waren!

Vielleicht auch dank eures Engagements scheint der großspurig angekündigte Parlamentskreis eher ein Griff ins Klo zu sein:
Letztlich sind 20 Leute gekommen (der Bundestag hat 709 "Insassen"), davon auch einige (wie Cornelia Möhring), um ihn kritisch zu beobachten, nicht um ihn zu unterstützen. Übrig bleibt dann vermutlich der gleiche "harte Kern" an fanatischen Politikern mit entsprechendem Lobbykontakt, der uns schon lange hasst und das Leben immer schwerer machen will.

https://www.welt.de/politik/deutschland ... itten.html
(Die URL legt nahe, dass da später jemand an der vormals neutralen Überschrift "nachjustiert" hat, um für maximale Aufmerksamkeit zu sorgen)

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Re: Sexarbeit- Über Sexkauf-Verbot

#149

Beitrag von Kasharius »

Danke @Tilopa,

auch für die fokkusierte Analyse.

Hier noch ein Artikel des ND am Tage der Veranstalltung des Parlamentskreises

https://www.neues-deutschland.de/artike ... nsatz.html

und ein allgemeiner Artikel in der Taz von gestern über einen genderqueeren SW in Berlin

https://taz.de/Archiv-Suche/!5630284&s= ... men=Print/

Kasharius grüßt

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Re: Sexarbeit- Über Sexkauf-Verbot

#150

Beitrag von Tilopa »

Hier noch ein paar tolle Photos von der Demo gestern:

https://www.facebook.com/media/set/?set ... 1424921770


Das hat wirklich eine neue Qualität und ich bin stolz auf euch und dankbar für eure mutige Aktion, die richtig Hoffnung macht auf die Zukunft! Ihr seid stark und bunt und schön und eine tolle Inspiration für alle SexarbeiterInnen, die sich noch nicht getraut haben. Auf dass wir immer mehr werden, die mit raus kommen!

(Ich gelobe: Bald bin ich auch dabei, ihr geilen #lobbyhuren! :003 Ich habe mir bis jetzt immer gesagt, dass ich das nicht machen kann (Denn: Was sollen denn die Leute denken? Vor ein paar Jahren bin ich sogar mal nach Frankfurt gefahren und habe mich dann doch nicht getraut...), aber ihr zeigt mir: Klar geht das! Einfach mitmachen! Lass die Spießer meckern! Das macht sogar Spaß! :001 Notfalls trag ich halt ne Sonnenbrille... :004 )

:love :041 :023 :007 :Mel1 :iloveyou :toothy2 :016 :039 :049 :wav :danke

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Re: Sexarbeit- Über Sexkauf-Verbot

#151

Beitrag von Kasharius »

@Tilopa

danke für den Link und nur Mut. Vor meiner allerersten Demo (Bus und Bahn für alle, 1988) war ich auch mega nervös...und dass bei SW die Hemmschwelle vielleicht noch größer ist, verstehe ich nur all zu gut.

Daher RESPEKT all jenen, die Gesicht zeigen. NICHTS ÜBER UNS, OHNE UNS!

Wir bleiben dran.

Kasharius grüßt

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Re: Sexarbeit- Über Sexkauf-Verbot

#152

Beitrag von Boris Büche »

"Schutz fordern sie (die Sexkaufbefürworter) nur verbal. Sonst stünden auf ihrer Agenda zumindest auch Forderungen wie:"
(Auflistung folgt im Beitrag oben / 7te Seite)

!!! Es fehlt: Streichung des §184f StGB, und damit zusammenhängender OWiG-Paragrafen.

Wir lassen viel zu oft "Legalisierung der Prostitution" unkommentiert stehen. Es ist zwar richtig, dass jede gesetzliche Regelung, wie restriktiv auch immer, "Legalisierung" heißt - der Normalmensch versteht darunter aber "erlaubt", und nicht "ausnahmsweise straffrei".

Eine "Entkriminalisierung von Prostituierten" (von der die Antis ständig reden, ohne sie zu meinen) müsste diese Streichung beinhalten. Ein Ansatz, sie argumentativ zu zwingen, Farbe zu bekennen?

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Re: Sexarbeit- Über Sexkauf-Verbot

#153

Beitrag von Boris Büche »

@Tilopa: "Auf dass wir immer mehr werden, die mit raus kommen! "

Wenn so pro 100.000 Einwohner ein/e Sexarbeiter/in öffentlich sichtbar, und bekannt ist, haben die Miesepeter verloren, glaube ich!

Die miese Nummer der SW-Gegner funktioniert nur durch das Stigma, unter voller Nutzung des öffentlichen Ungleichgewichts, das es mit sich bringt. Sexworker, deren Freunde und Kunden sind zusammengenommen mehr Köpfe als jede Freikirche, oder die Auflage der EMMA.

Dazu (2015): http://www.bsd-ev.info/downloads/trug_und_lug_3_.pdf

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Re: Sexarbeit- Über Sexkauf-Verbot

#154

Beitrag von Tilopa »

Das sind wie immer kluge und hilfreiche Beiträge, lieber Boris. :001
Verteidigen wir nicht bloß den Status Quo, denn Sexarbeiter wollen völlige Entkriminalisierung und keine repressive "Legalisierung". Dahinter steckt immer ein Verbotsregime, das Sexarbeit schwächen und eindämmen soll. Mehr konkrete Forderungen in Richtung Entkriminalisierung! Weg mit den Sperrgebieten! Kampf gegen alle regulatorische Hürden, mit denen Sexarbeiter gegängelt werden. Selbstbewusstes Aufstehen gegen das Huren-Stigma und diese miese, unredliche Deutungshoheit der Verbotslobby.

Die Verbotslobby hat keine emanzipatorische Perspektive zu bieten. Sondern nur jede Menge problembehaftete Sexualfeindlichkeit, ein durch ständige Wiederholungen und Ausländerfeindlichkeit perpetuiertes Lügengebäude bzgl. "Menschenhandel", unappetitliche Nähe zu den rückständigsten Teilen des politisch-medialen Establishments und die von krankhaftem Verfolgungswahn getriebene gesellschaftliche "Utopie" eines autoritären Unrechtsstaates, der seine Bürger strafrechtlich bis ins Bett verfolgt.

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Re: Sexarbeit- Über Sexkauf-Verbot

#155

Beitrag von Tilopa »

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Boris Büche
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Re: Sexarbeit- Über Sexkauf-Verbot

#156

Beitrag von Boris Büche »

Na dann bis bald auf einer weiteren Demo der #lobbyhuren , liebe Tilopa!
(Ich habe mich diesmal getraut, eine unvorbereitete Rede zu halten)

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Re: Sexarbeit- Über Sexkauf-Verbot

#157

Beitrag von Kasharius »

@Tilopa

super und Gratulation zum (erneuten) politischen Aufbegehren. Sollten Dir daraus mal irgendwelche rechtlichen Nachteile entstehen, stehe ich Dir als Informationsquelle, gerne auch per pn, zur Verfügung; aber laß Dich dadurch bitte nicht abschrecken, auch öffentlich für Eure Rechte einzustehen!

@Boris

die unvorbereiteten Reden sind eh immer die Besten (nach meiner Erfahrung jedenfalls). Kann man sie irgendwo nachlesen...?

Kasharius grüßt Euch solidarisch

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Re: Sexarbeit- Über Sexkauf-Verbot

#158

Beitrag von Kasharius »

Hier noch ein sehr lesenswerter Text zur sog. Loverboy-Methode der auch zeigt, dass sich die SW-Selbstvertretungsorganisationen sehr wohl deutlich gegen auch diese Form von Zwang und Ausbeutung in der Prostitution aussprechen:

https://berufsverband-sexarbeit.de/inde ... phaenomen/

Gleichzeitig verwahrt sich der Text imposant gegen die politische Instrumentalisierung dieser Ausbeutungsstrukturen durch die SW-Gegner.

Kasharius grüßt solidarisch

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Re: Sexarbeit- Über Sexkauf-Verbot

#159

Beitrag von Kasharius »

Hier ein aktueller Artikel der Mittelbayrischen Zeitung zum Thema

https://www.presseportal.de/pm/62544/4431014

Kasharius grüßt

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Re: Sexarbeit- Über Sexkauf-Verbot

#160

Beitrag von Kasharius »

Hier ein weiterer Artikel zum Sexkauf-Verbot, in dem sich Praktiker sehr kritisch dazu verhalten

https://www.presseportal.de/pm/14407/4443971 .

Gleichzeitig setzen Politikerinnen in der Kommune die Kampagne für ein Sexkauf-Verbot fort
https://www.tagblatt.de/Nachrichten/Die ... 35612.html

Kasharius grüßt

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