Veroeffentlichungen der Studienabschlussarbeiten der Student*innen

Beiträge betreffend SW im Hinblick auf Gesellschaft bzw. politische Reaktionen
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deernhh
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Veroeffentlichungen der Studienabschlussarbeiten der Student*innen

Beitrag von deernhh »

Immer wieder wenden sich Student*innen an sexworker.at, mit der Bitte um Hilfe bei ihren Studienarbeiten zum Thema Sexwork.

In Oesterreich hilft unser Zwerg ja auch mal gerne.
Aber ich stelle fest, dass wenn die Studienarbeiten fertig abgegeben sind, das Forum sexworker.at dann als abgeschrieben und vergessen gilt.
Sexworker.at weiss dann nicht, was geworden ist, ein "Danke" gerade hinterher und die Veroeffentlichung der Studienabschlussarbeiten scheint bei den Student*innen nicht noetig zu sein.
Sehr bedauerlich und schade, ging es doch dabei um Sexwork.

In DEUTSCHLAND muessen Studienabschlussarbeiten (Lizentatsarbeit, Diplomarbeit, Magisterarbeit, Bachelorarbeit, Masterarbeit) (anders als Dissertationen) nicht veroeffentlicht werden.
Der/die Studierende kann sie aber veroeffentlichen bzw. kommerziell verwerten. Der/die Studierende hat das alleinige Urheberrecht und Nutzungsrechte wie z.B. Erstveroeffentlichung, Verbreitung, Vervielfaeltigung, Online-Nutzung usw.. Will jemand Rechte erwerben, ist sie auf vertragliche Vereinbarungen mit den Studenten oder Diplomaten angewiesen.
Studienarbeiten, die in einem Unternehmen angefertigt wurden, unterliegen auf Wunsch des Unternehmens oft der Geheimhaltung. Solche Arbeiten duerfen nur mit Genehmigung des Unternehmens veroeffentlicht werden.

In OESTERREICH sind Diplomarbeiten grundsaetzlich durch Uebergabe eines Exemplares an die zustaendige Universitaetsbibliothek und an die Oesterreichische Nationalbibliothek zu veroeffentlichen. § 86 Abs. 1 Universitaetsgesetz (UG)2002.
Begruendete Ausnahmen aus rechtlichen und wirtschaftlichen Gruenden sind moeglich, allerdings nur fuer einen Zeitraum von maximal 5 Jahren ("Sperrfrist"), § 86 Abs.2 UG2002, wenn die/der Studierende glaubhaft macht, dass wichtige rechtliche oder wirtschaftliche Interessen der/des Studierenden gefaehrdet sind.

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Zwerg
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Re: Veroeffentlichungen der Studienabschlussarbeiten der Student*innen

Beitrag von Zwerg »

deernhh hat geschrieben:
22.08.2018, 21:47
Aber ich stelle fest, dass wenn die Studienarbeiten fertig abgegeben sind, das Forum sexworker.at dann als abgeschrieben und vergessen gilt.
Sexworker.at weiss dann nicht, was geworden ist, ein "Danke" gerade hinterher und die Veroeffentlichung der Studienabschlussarbeiten scheint bei den Student*innen nicht noetig zu sein.
Sehr bedauerlich und schade, ging es doch dabei um Sexwork.
Ich muss da leider widersprechen: Im Laufe des letzten Jahrzehntes habe ich etliche Arbeiten begleitet bzw. teilweise unterstützt. Der Aufwand für uns (speziell das Wiener Team) ist dabei beträchtlich. Jedoch: Wir erhalten in vielen Fällen Feedback in Form von Arbeiten (ich habe jetzt gerade 2 aktuelle Masterarbeiten am Tisch) - den Wunsch nicht auf sexworker.at zu veröffentlichen respektiere ich - genauso wie die Leute respektieren müssen, dass manchmal etwas "off records" geschieht, oder auch gesagt wird.

Es ist auch so, dass wir nicht die Einzigen sind, welche in diversen Arbeiten zitiert werden - sie alle müssten hier Einverständnis geben, außer man würde die gesamte Arbeit anonymisieren - das ist für mich nicht erstrebenswert. Nicht weil ich so gerne meinen Namen wo lese, sondern weil ich denke, dass wir so weit wie möglich offen agieren sollen (kein Outing von SexarbeiterInnen! Niemals! Jedoch so weit wie möglich offen, wer wir sind und wofür wir einstehen! Das geht bei einer Anonymisierung unweigerlich verloren.

In einigen (seltenen) Fällen haben sich auch unter den Suchenden "AktivistInnen vor Ort" gefunden. Wir treffen so manchen Kontakt regelmäßig auf Veranstaltungen welche wir besuchen - und erhalten auch entsprechende Unterstützung. Dieses gegenseitige Respektieren ist für mich unerlässlich.

Klar wäre es schön, wenn StudentInnen selbst ihre Arbeiten hier posten würden, jedoch ist zumeist die Ehrfurcht vor unserer Kompetenz und das Gefühl nicht genug Einblicke gewonnen zu haben ein Hinderungsgrund. Wer kann schon behaupten Sexarbeit verstanden zu haben? Keines Falls Jemand der sich wenige Monate damit beschäftigt. Zu groß ist das Thema, zu zahlreich die Möglichkeiten.

Für mich persönlich gilt Folgendes: Ich werde so lange es möglich ist wissenschaftliche Arbeiten unterstützen - nicht zuletzt deshalb, da wir oft die Einzigen sind, welche gewisse Themen nicht nach Mainstream betrachten. Wir sind oft die Einzigen welche gewisse ExpertInnenmeinungen hinterfragen oder auch widersprechen. Hiermit aufzuhören würde Einiges zulassen, was wir bisher nicht zugelassen haben.

Eine Verpflichtung zur Veröffentlichung ist keines Falls eine Option (wenn ich die Unterstützung anbiete) - das gilt für mich und auch für das Wiener Team welches uns hier dankenswerter Weise (oft und vor Allem außerhalb des Forums) mit hilft. Es hat auch was mit der Forenanonymität zu tun - die Suchenden erfahren selten wer da aus dem Forum vor Ihnen sitzt. Ich möchte das aus Erfahrung und Überzeugung beibehalten.

Natürlich werde ich, falls die Community dies wünscht die Unterstützung von wissenschaftlichen Arbeiten einstellen - es ist Euer Wissen welches ich einbringe und mein Anteil ist eher bescheiden und wird immer der eines engagierten Außenstehenden bleiben. Ich beziehe meine Kompetenz, sofern man dies so nennen möchte, durch Euch. Ich hoffe, dass mir dies nicht auferlegt wird.

Liebe Grüße und die Bitte meinen Standpunkt in Erwägung zu ziehen. Ich würde diesen Teil der Öffentlichkeitsarbeit zum Thema nur ungern auslassen. Vergesst bitte nicht, dass eine gelungene Arbeit (auch wenn sie nicht auf sexworker.at zu lesen ist) ein Multiplikator für neue Arbeiten und auch für politische Ansätze steht.

christian

Als Nachsatz: Wir vermitteln ohnehin keine Gespräche mit SexarbeiterInnen. Es kommt aber manchmal vor, dass Jemand aus dem Team sagt "das Thema interessiert mich" ich bin dabei. Das geschieht aber niemals durch meine Vermittlung oder auf meine Anregung. Auch da sind Personen dabei, welche nicht öffentlich auf sexworker.at ihre Zitate lesen wollen. Nicht weil sie was zu verbergen haben, sondern weil sie unerkannt bleiben wollen. Nicht umsonst regen wir an, dass UserInnen hier im Forum Nicknamen verwenden, welche nicht unbedingt gleich auf die Arbeitsidentität schließen lassen.

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Lucille
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Re: Veroeffentlichungen der Studienabschlussarbeiten der Student*innen

Beitrag von Lucille »

Die Kritik des fehlenden Feedbacks zielt einzig auf die Autoren der unterstützten Arbeiten, nicht auf ‚unsere‘ Unterstützung !

Ja, es ist nicht nur die tägliche Doppelmoral, es ist meist einfach nur die moderne Unhöflichkeit der gedankenlosen Profilierungssucht oder auch -angst eine Hilfe und Unterstützung nicht adäquat zu würdigen.

Ein Gedankenansatz, eine Anregung wäre noch mehr auf Zugang, Verlinkungsmöglichkeit der sicher irgendwo in Studienarchiven und Blogs hinterlegten Arbeiten mit Überzeugungsarbeit zu drängen - meist scheitert es jedoch schlicht daran, dass die anfängliche Euphorie der Studenten zu schnell einer gesellschaftskonform angepassten Zukunftsangst weicht.

„Steter Tropfen höhlt den Stein“ - Multiplikatoren sind auch mit kleinen Zahlen auf Dauer erfolgreich ;-)

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deernhh
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Re: Veroeffentlichungen der Studienabschlussarbeiten der Student*innen

Beitrag von deernhh »

@ Zwerg Christian
Danke fuer Deine ausfuehrliche Antwort!
Hatte nur das Gefuehl, dass alles an uns SW "unsichtbar" vorbei laeuft, wir SW "keine Kontrolle" haben.
Aber wir vertrauen Dir uneingeschraenkt.
Selbstverstaendlich kannst/sollst/darfst Du weiterhin die Student*innen bei ihren Arbeiten unterstuetzen.
Schliesslich kann man nur so versuchen, "draussen" mit Vorurteilen und Klischees aufzuraeumen, und auf unsere prekaere Lage durch die Gesetzgebung usw aufmerksam machen.
Gott bewahre! Selbstverstaendlich soll die Anonymitaet auf beiden Seiten gewahrt bleiben!
Und natuerlich sollst Du auch keine Gespraeche zwischen SW und Student*in vermitteln.
Fuer solche Faelle bist Du ja fuer uns da, unser Sprachrohr.
Nur, das Feedback, laesst dennoch zu wuenschen uebrig, wenn alles abgeschlossen ist und wir SW wissen nicht, wie die Student*innen das Sexwork abschliessend in ihren Augen sehen bzw. reflektiert haben, da ist ihre Angst fehl am Platz.
Ein/e Student*in koennte ja hier im Forum z.B. schreiben: "Danke Zwerg! Die Arbeiten sind abgeschlossen. Ich bitte um Verstaendnis, dass ich meine Arbeit nicht im sexworker.at veroeffentliche. (Oder wenn doch). Einen Teil meiner Arbeit oder kleinere Passagen kann man hier oder da (z.B. Blog) lesen, die Namen und auch mein eigener Name sind selbstverstaendlich anonymisiert."

@ Lucille
Auch Dir danke ich fuer Deine gute Antwort.
Stimme dem zu.

Meinungen haben wir alle, und es ist gut, dass man das hier austragen kann und mal "Butter bei die Fische" sagen kann.

Danke schoen und
ganz liebe Gruesse aus dem hohen Norden
von deernhh