Ein Beispiel der Niedertracht

Beiträge betreffend SW im Hinblick auf Gesellschaft bzw. politische Reaktionen
Boris Büche
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Ein Beispiel der Niedertracht

#1

Beitrag von Boris Büche » 2018-11-13, 14:38

Ende letzten Jahres wurde Salomé Balthus, Hetäre aus Berlin, klar: Es konnte nicht mehr lange dauern, und sie flöge auf.

Sie beschloss die Flucht nach vorn, und gab bekannt, dass sie identisch ist mit Hanna Lakomy - Künstlerkind (Ost), Schriftstellerin, studierte Philosophin. Und eben: Prostituierte aus Leidenschaft. Und Überzeugung, die sie verteidigen würde.
Wo ist der Drachen? En garde!

Ich sah sie zum ersten Mal im Dezember, am Rande einer Veranstaltung unserer GegnerInnen – sie ging hinein. Salomé hat über diese Begegnung in ihrem Blog berichtet. Salomé schrieb auch bald darauf in der WELT, inzwischen regelmäßig als Kolummnistin. Eine Hure, die stolz ist, sichtbar stolz - das provoziert.

Vor ein paar Tagen gab sie öffentlich kund, dass frau sie denunziert hat. Eine Abolitionistin aus der zweiten Reihe, Gunhild Mewes, erstattete bei der Staatsanwaltschaft Berlin Anzeige gegen sie wegen „Verbreitung pornografischer Schriften“. Was mit Kindern! und Tieren!! - na, in Wirklichkeit gibt es da ein paar Manga-Schnipsel auf Salomés privater Website, alles andere als offensichtlich, und nicht ohne weiteres einsehbar. ICH weiß noch nicht mal, welche website . . .

Die Staatsanwaltschaft Berlin hat denn das Verfahren auch eingestellt. Sie sah da nix verbotenes.

Die Verliererinnen sehen das anders, und treten nach . . .

(und verraten dabei ungewollt Details über ihren Verfolgungsehrgeiz)

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Re: Ein Beispiel der Niedertracht

#2

Beitrag von Kasharius » 2018-11-13, 15:37

Ja in der Tat ein weiterer Tiefschlag der Abolitionisten denen es wohl doch um die Beschädigung einer Person und nicht um einen Sachdiskurs geht.

Das fordert m.E. Beistandsbekundungen gegenüber Salomé Balthus ein. Ich erkläre mih hier eindeutig solidarisch mit ihr.

Kasharius grüßt

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Re: Ein Beispiel der Niedertracht

#3

Beitrag von deernhh » 2018-11-13, 16:24

@Boris Bueche

Danke fuer Deine Einstellungen!
Sehr gute Konter und Beitraege von Salome´ Balthus. Danke, Salome´ Balthus.

Liebe Gruesse von deernhh

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Re: Ein Beispiel der Niedertracht

#4

Beitrag von Tilopa » 2019-04-11, 18:15

Schon wieder wurde ihr übel mitgespielt. Für bestimmte Kreise kann einfach nicht sein, was nicht sein darf...
Ich hoffe, sie führt ihre Kolumne anderswo fort. Vielleicht sogar ohne Paywall, dann bekommt sie auch richtig Reichweite. :001

Schawinski-Talk führt zu Entlassung in Deutschland
https://www.tagesanzeiger.ch/kultur/fer ... y/24780126

Schawinski, die Prostituierte und das mediale Old-Boys-Network
https://www.watson.ch/leben/kommentar/9 ... ys-network

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Re: Ein Beispiel der Niedertracht

#5

Beitrag von deernhh » 2019-04-11, 19:39

Danke Tilopa!
Hier die beiden Artikel, die Tilopa eingestellt hat.


Dienstag 9. April 2019 13:14
Schawinski-Talk führt zu Entlassung in Deutschland

Ihre Kolumne nach der Aufzeichnung zur Sendung wird der Philosophin, Autorin und Prostituierten Salomé Balthus zum Verhängnis.

An ihr orientieren sich finanzstärkere Männer im Hochpreissegment der Prostitution: Salomé Balthus. (Bild: Screenshot SRF)

Die vor wenigen Tagen im Fernsehstudio des Schweizer Fernsehens aufgezeichnete Sendung «Schawinski» hat bereits vor der Ausstrahlung am Montagabend für einen Eklat in Deutschland gesorgt.

Zu Gast in der Sendung war Salomé Balthus. Die in Ostberlin geborene Tochter des Künstlerpaares Monika Ehrhardt und Reinhard Lakomy wird als Aushängeschild ihres eigenen Escortservices Hetaera in Berlin beschrieben. Doch Balthus, die Philosophie und Literatur studiert hat, sieht sich in erster Linie als Autorin. Sie verfasste regelmässig Kolumnen («Das Kanarienvögelchen») in der deutschen Tageszeitung «Die Welt». Nun ist sie wegen eines nicht ausgesprochenen Zitats ihren Kolumnistenjob los.

Balthus veröffentlichte am Sonntag einen mittlerweile wieder gelöschten Text über ihre Erlebnisse bei «Schawinski». So habe der Moderator einen Clip eingespielt, in dem die Frauenrechtlerin Alice Schwarzer erklärt habe, dass alle Prostituierten von ihren Eltern missbraucht worden seien. Balthus schrieb: «Und kaum dass man diese Aussage richtig verarbeiten könnte, auch ihre Absurdität erkennen, stoppt der Clip, und Schawinski stellt mir seine nächste Frage: ‹Hat Ihr Vater Sie als Kind sexuell missbraucht?›»


Salomé Balthus
@Salome_herself
Wie übergriffig ist es bitte, mir einreden zu wollen ich sei als Kind sexuell missbraucht worden? Nur weil ich Prostituierte bin? #aufschrei #prochoice #sexwork #fighstigma Missbrauch bei Schawinski via @welt Missbrauch bei Schawinski via @welt https://www.welt.de/kultur/das-kanarien ... inski.html
131
18:06 - 7. Apr. 2019
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Das Kanarienvögelchen: Missbrauch bei Schawinski - WELT
Wie mich der Schweizer Talkmaster Roger Schawinski in seiner Late-Night-Show in meine Einzelteile zerlegen wollte. Ohne Plan, wie man mich danach wieder richtig zusammensetzt.
welt.de
64 Nutzer sprechen darüber
«Dass ich nicht ausrastete, nicht den Faden verlor, nicht Herrn Schawinski mein Wasserglas ins Gesicht schüttete. Dass ich nicht aufstand und die Sendung verliess»: Balthus sei selbst ob ihrer Reaktion erstaunt gewesen, schrieb sie.

Das Interview schien die 34-jährige Berlinerin derart mitgenommen zu haben, dass sie sich am Flughafen Zürich «zielstrebig betrunken» und deshalb ihren Rückflug nach Berlin verpasst habe.

Nach der Veröffentlichung der Kolumne wendete sich Roger Schawinski an den Chefredaktor der «Welt»-Gruppe, Ulf Poschardt. Laut Schawinski stelle Balthus’ Kolumne eine «arge Verunglimpfung meiner Person und meiner Integrität als Journalist» dar.

Dass das oben erwähnte Zitat nie in der Sendung gefallen und erfunden sei, bewies er anhand eines Protokolls mit dem Gesprächsverlauf in der Sendung. So habe er nach dem Clip von Alice Schwarzer gefragt: «Ist das bei Ihnen auch der Fall gewesen? Oder würden Sie mir gestehen, wenn es so gewesen wäre?»


Das hat Schawinski Salomé Balthus in der Sendung gefragt. (Video: SRF)

Gegenüber dem «Blick» sagte Oliver Michalsky, Chefredaktor von «Welt digital», dass man festgestellt habe, dass die zentrale Passage der neuen Kolumne unzutreffend sei. Die Schawinski zugeschriebene Frage sei von diesem nicht gestellt worden. «Frau Balthus baute aber darauf die gesamte Kolumne auf. Dies können wir nicht tolerieren, denn so ein Vorgehen entspricht nicht unseren journalistischen Leitlinien. Deswegen haben wir den Artikel gelöscht und auch die Zusammenarbeit mit Frau Balthus beendet. Bei Herrn Schawinski haben wir uns per Mail entschuldigt», so Michalsky.

Noch in diesem Jahr sollen die Balthus-Kolumnen in einem Roman erscheinen. Die Werbetrommel dazu wurde bereits gerührt.

Quelle: nag




LebenKommentar
Schawinski, die Prostituierte und das mediale Old-Boys-Network
1514035835387323.jpg
Ohne Ton sieht das wie ein sehr zivilisiertes Gespräch aus. bild: screenshot srf

Salomé Balthus war zu Gast bei «Schawinski». Er versuchte es mit einer Unterstellung. Sie schlug in einer Kolumne zurück. Danach wurde sie entlassen. Ein Lehrstück in strukturellem Sexismus.


10.04.19, 13:07 11.04.19, 13:30
Simone Meier

Roger Schawinski hatte eine junge Frau in seine Sendung eingeladen und danach wurde sie entlassen. Okay, nicht aus ihrem eigentlichen Beruf, dem der High-Class-Escort-Lady. Aber aus ihrem Nebenjob, dem einer Kolumnistin in der deutschen «Welt».

Schawinski fühlte sich durch ihre Kolumne, die sie über ihre Erfahrung bei ihm geschrieben hatte, blossgestellt. Der Narzisst traf auf eine Narzisstin. Blöd für ihn.
Dabei hatte er versucht, Salomé Balthus – dies das Arbeitspseudonym seines Gastes – vor laufender Kamera blosszustellen. Hatte Alice Schwarzer eingespielt, die sagte, dass «eine überwältigende Mehrheit von Frauen, die freiwillig in der Prostitution sind, noch häufiger als im statistischen Durchschnitt in der Kindheit sexuellen Missbrauch erfahren haben».

Alice Schwarzer begegnet jüngeren Frauen zuverlässig mit dem Habitus der maternalistischen Gouvernante und ist im deutschsprachigen Gender-Zirkus das Pendant zum weissen alten Mann.

Salomé Balthus benennt sich nach der biblischen Salome, die vor ihrem Vater Herodes strippte und dafür mit dem Kopf von Johannes dem Täufer entlöhnt wurde. Und nach dem umstrittenen Maler Balthus. bild: screenshot srf

Gerade deshalb wird sie von alten oder alternden Männern jeder politischen Couleur noch immer als die einzig wahre feministische Instanz wahrgenommen. Egal ob von Roger Köppel oder Roger Schawinski. Weshalb Schawinski nach dem Schwarzer-Statement fragt: «Ist das bei Ihnen auch der Fall gewesen? Oder würden Sie's mir gestehen, wenn es so wäre?»

Salomé Balthus bleibt bewundernswert gelassen. Sagt: «Ich nehme an, wenn ich jetzt Nein sage, was ich tue, dann kommt bestimmt als nächstes jemand, der behauptet, ich hätte es verdrängt. Ich könnte Ihnen dieselbe Frage stellen, Herr Schawinski.» Ein eleganter Konter. Ein Entlarven der Falle, in die Schawinski sie locken will.

Er unterstellt ihr, dass sie auf keinen Fall die Wahrheit sagen wird. Ein rhetorischer Missbrauch.
«Ja? Welche Frage?», fragt Schawinski zurück. «Diese Frage, ob man als Kind missbraucht worden ist, ob man verdrängte Traumata hat.» – «Aha, nee, aber... Sie sagen, Sie können sich nicht daran erinnern?» – «Es ist nicht der Fall.» – «Ah, es ist nicht der Fall!» – «Ich glaube, ich kenne genügend Leute, die mir das auch sagen würden, wenn das der Fall wäre.» Schawinski wechselt das Thema.

Roger Schawinski hüpft wie immer sehr schnell von Thema zu Thema, doch ab und zu bleibt halt auch etwas sehr unangenehm hängen.

Danach rächt sie sich. Schreibt eine Wutkolumne: «Wie mich der Schweizer Talkmaster in seiner Late-Night-Show in meine Einzelteile zerlegen wollte.» Beschreibt die Verletzung, die sie während der Sendung empfunden hat.

Salomé Balthus paraphrasiert Schawinskis Frage als «Hat Ihr Vater Sie als Kind sexuell missbraucht?».
Das ist nicht falsch. Das ist genau, was Schawinski, der sie vor dem Schwarzer-Einspieler über ihren Vater, einen in der DDR bekannten Künstler, ausfragte, auch meinte. Die emotionale Assoziation ist allen, die zuschauen, klar. Und auch, dass Schawinski hier gerade die Familie seines Studiogasts beleidigt.

Schawinski meldet sich umgehend bei Ulf Poschardt, dem ehemaligen Auto-Kolumnisten der «Weltwoche» und aktuellem Chefredaktor der «Welt». Man dürfte sich kennen. Schliesslich war Schawinski jahrelang Geschäftsführer von Sat 1 und selbst ein Medienboss in Deutschland. Poschardt gegenüber redet er von einer «argen Verunglimpfung meiner Person und meiner Integrität als Journalist».

Im nächsten Augenblick werden sowohl die Kolumne als auch Salomé Balthus aus der «Welt» entfernt.
Hinter diesem Link findet sich nichts mehr

Salomé Balthus
@Salome_herself
Wie übergriffig ist es bitte, mir einreden zu wollen ich sei als Kind sexuell missbraucht worden? Nur weil ich Prostituierte bin? #aufschrei #prochoice #sexwork #fighstigma Missbrauch bei Schawinski via @welt Missbrauch bei Schawinski via @welt https://www.welt.de/kultur/das-kanarien ... inski.html
131
18:06 - 7. Apr. 2019
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Das Kanarienvögelchen: Missbrauch bei Schawinski - WELT
Wie mich der Schweizer Talkmaster Roger Schawinski in seiner Late-Night-Show in meine Einzelteile zerlegen wollte. Ohne Plan, wie man mich danach wieder richtig zusammensetzt.
welt.de
64 Nutzer sprechen darüber

Statt sich hinter die eigene Autorin zu stellen und den aufgebrachten Schweizer abzukühlen, statt das beanstandete Zitat aus der Kolumne dem Wortlaut der Sendung anzupassen, was gerade online kein Problem dargestellt hätte, wird Salomé Balthus gefeuert und die «Welt» entschuldigt sich auch noch schriftlich bei Roger Schawinski. Die Beteiligten: Schawinski (73), Ulf Poschardt (52) und Oliver Michalsky (55), Chefredaktor der «Welt digital».

Drei Männer jenseits der 50 in Chefpositionen. Auf der Verliererseite: die gemassregelte Frau. Ein krasser Klassiker des strukturellen Sexismus. Männer reichen sich die Hand. Ein Schulterschluss der Bros. Eine Mechanik, die so lange greifen wird, bis eine jüngere Generation übernimmt. Gerade auch in der Medienwelt. Da können sich vornerum noch so viele Journalistinnen und Journalisten engagiert den Arsch abschreiben. Dahinter ist viel zu vieles beim Uralten.

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Re: Ein Beispiel der Niedertracht

#6

Beitrag von Kasharius » 2019-04-11, 21:16

Schlimme Sache.

Hier weitere berichte zum Thema

http://www.taz.de/!5584921/
https://www.inforadio.de/programm/schem ... 26620.html

Ich bin weiterhin solidarisch mit Salomé Balthus.

Kasharius grüßt

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Re: Ein Beispiel der Niedertracht

#7

Beitrag von Tilopa » 2019-04-11, 21:19

Ich auch!
Gut, dass die "Diskurs"strategien der Prohibitionisten so eine gewisse kritische Beachtung finden.

Hier auch noch einer:
https://uebermedien.de/37195/unerhort-e ... e-balthus/

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Re: Ein Beispiel der Niedertracht

#8

Beitrag von Kasharius » 2019-04-11, 21:42

Jetzt könnte sich diese mir gänzlich fremde Frau Schwarzer mal echt feministisch-solidarisch zeigen...

aber darauf kann Salomé Balthus wohl verzichten .

Man möchte gen Himmel schrein: Herr/Frau wirf Hirn herab...

Kasharius grüßt

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Re: Ein Beispiel der Niedertracht

#9

Beitrag von Boris Büche » 2019-04-12, 09:47

"Gut, dass die "Diskurs"strategien der Prohibitionisten so eine gewisse kritische Beachtung finden."

Worin erkennst Du denn das, @Kasharius?
Ich finde in keinem der vorliegenden Texte auch nur eine Erwähnung von Prohibitionisten, oder Diskursstrategien. Geschweige denn kritische Be(tr)achtung des einen, oder anderen. "Alter weißer Mann" und sowas finde ich.

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Re: Ein Beispiel der Niedertracht

#10

Beitrag von Kasharius » 2019-04-12, 11:10

@Boris

das Zitat stammt von @Tilopa, nicht von mir...

Kasharius grüßt

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Re: Ein Beispiel der Niedertracht

#11

Beitrag von Kasharius » 2019-04-12, 12:56

Tja,

nischte is mit Solidarität - EMMA versagt erneut...

https://www.emma.de/artikel/prostitutio ... eiz-336659

Kasharius grüßt

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Re: Ein Beispiel der Niedertracht

#12

Beitrag von Zwerg » 2019-04-12, 13:52

Schawinski, die Prostituierte und das mediale Old-Boys-Network

Salomé Balthus war zu Gast bei «Schawinski». Er versuchte es mit einer Unterstellung. Sie schlug in einer Kolumne zurück. Danach wurde sie entlassen. Ein Lehrstück in strukturellem Sexismus.

Roger Schawinski hatte eine junge Frau in seine Sendung eingeladen und danach wurde sie entlassen. Okay, nicht aus ihrem eigentlichen Beruf, dem der High-Class-Escort-Lady. Aber aus ihrem Nebenjob, dem einer Kolumnistin in der deutschen «Welt».

Schawinski fühlte sich durch ihre Kolumne, die sie über ihre Erfahrung bei ihm geschrieben hatte, blossgestellt. Der Narzisst traf auf eine Narzisstin. Blöd für ihn.

Dabei hatte er versucht, Salomé Balthus – dies das Arbeitspseudonym seines Gastes – vor laufender Kamera blosszustellen. Hatte Alice Schwarzer eingespielt, die sagte, dass «eine überwältigende Mehrheit von Frauen, die freiwillig in der Prostitution sind, noch häufiger als im statistischen Durchschnitt in der Kindheit sexuellen Missbrauch erfahren haben».

Alice Schwarzer begegnet jüngeren Frauen zuverlässig mit dem Habitus der maternalistischen Gouvernante und ist im deutschsprachigen Gender-Zirkus das Pendant zum weissen alten Mann.

Gerade deshalb wird sie von alten oder alternden Männern jeder politischen Couleur noch immer als die einzig wahre feministische Instanz wahrgenommen. Egal ob von Roger Köppel oder Roger Schawinski. Weshalb Schawinski nach dem Schwarzer-Statement fragt: «Ist das bei Ihnen auch der Fall gewesen? Oder würden Sie's mir gestehen, wenn es so wäre?»

Salomé Balthus bleibt bewundernswert gelassen. Sagt: «Ich nehme an, wenn ich jetzt Nein sage, was ich tue, dann kommt bestimmt als nächstes jemand, der behauptet, ich hätte es verdrängt. Ich könnte Ihnen dieselbe Frage stellen, Herr Schawinski.» Ein eleganter Konter. Ein Entlarven der Falle, in die Schawinski sie locken will.

Er unterstellt ihr, dass sie auf keinen Fall die Wahrheit sagen wird. Ein rhetorischer Missbrauch.

«Ja? Welche Frage?», fragt Schawinski zurück. «Diese Frage, ob man als Kind missbraucht worden ist, ob man verdrängte Traumata hat.» – «Aha, nee, aber... Sie sagen, Sie können sich nicht daran erinnern?» – «Es ist nicht der Fall.» – «Ah, es ist nicht der Fall!» – «Ich glaube, ich kenne genügend Leute, die mir das auch sagen würden, wenn das der Fall wäre.» Schawinski wechselt das Thema.

Danach rächt sie sich. Schreibt eine Wutkolumne: «Wie mich der Schweizer Talkmaster in seiner Late-Night-Show in meine Einzelteile zerlegen wollte.» Beschreibt die Verletzung, die sie während der Sendung empfunden hat.

Salomé Balthus paraphrasiert Schawinskis Frage als «Hat Ihr Vater Sie als Kind sexuell missbraucht?».

Das ist nicht falsch. Das ist genau, was Schawinski, der sie vor dem Schwarzer-Einspieler über ihren Vater, einen in der DDR bekannten Künstler, ausfragte, auch meinte. Die emotionale Assoziation ist allen, die zuschauen, klar. Und auch, dass Schawinski hier gerade die Familie seines Studiogasts beleidigt.

Schawinski meldet sich umgehend bei Ulf Poschardt, dem ehemaligen Auto-Kolumnisten der «Weltwoche» und aktuellem Chefredaktor der «Welt». Man dürfte sich kennen. Schliesslich war Schawinski jahrelang Geschäftsführer von Sat 1 und selbst ein Medienboss in Deutschland. Poschardt gegenüber redet er von einer «argen Verunglimpfung meiner Person und meiner Integrität als Journalist».

Im nächsten Augenblick werden sowohl die Kolumne als auch Salomé Balthus aus der «Welt» entfernt.

Statt sich hinter die eigene Autorin zu stellen und den aufgebrachten Schweizer abzukühlen, statt das beanstandete Zitat aus der Kolumne dem Wortlaut der Sendung anzupassen, was gerade online kein Problem dargestellt hätte, wird Salomé Balthus gefeuert und die «Welt» entschuldigt sich auch noch schriftlich bei Roger Schawinski. Die Beteiligten: Schawinski (73), Ulf Poschardt (52) und Oliver Michalsky (55), Chefredaktor der «Welt digital».

Drei Männer jenseits der 50 in Chefpositionen. Auf der Verliererseite: die gemassregelte Frau. Ein krasser Klassiker des strukturellen Sexismus. Männer reichen sich die Hand. Ein Schulterschluss der Bros. Eine Mechanik, die so lange greifen wird, bis eine jüngere Generation übernimmt. Gerade auch in der Medienwelt. Da können sich vornerum noch so viele Journalistinnen und Journalisten engagiert den Arsch abschreiben. Dahinter ist viel zu vieles beim Uralten.


https://www.aargauerzeitung.ch/schweiz/ ... -134330693

Es lohnt sich auch die Kommentare zu lesen....

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Re: Ein Beispiel der Niedertracht

#13

Beitrag von Tilopa » 2019-04-13, 10:59

Boris Büche hat geschrieben:
2019-04-12, 09:47
"Gut, dass die "Diskurs"strategien der Prohibitionisten so eine gewisse kritische Beachtung finden."

Worin erkennst Du denn das, {@Tilopa}?
Ich finde in keinem der vorliegenden Texte auch nur eine Erwähnung von Prohibitionisten, oder Diskursstrategien. Geschweige denn kritische Be(tr)achtung des einen, oder anderen. "Alter weißer Mann" und sowas finde ich.
Hallo Boris,

Bei meinen bescheiden gewordenen Ansprüchen fand ich gut, dass die Lüge "SexarbeiterInnen sind in ihrer Kindheit alle sexuell missbraucht worden" durch Personalisierung jetzt öffentlich als der Skandal dasteht, der er schon immer war.
Und dass durch übertriebene Anwendung auch die Grundstrategie der Prohibionisten, uns bei vorgefasster Meinung im Minutentakt mit einer krassen Behauptung nach der anderen mürbe zu machen, ein Stück weit entlarvt ist.

Ich sehe das ansonsten wie du: Es gäbe in diesem Beispiel noch sehr viel mehr zu kritisieren, aber die Medien tun es in ihrer (zeit)geistigen Beschränktheit natürlich nicht.

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Re: Ein Beispiel der Niedertracht

#14

Beitrag von Ursa Minor » 2019-04-13, 12:41

@Zwerg
Danke für den Hinweis auf die Kommentare. Es ist immer wieder ermutigend wie Menschen mit freiem Blick und eigener Meinung gegen den mainstream Müll anschreiben.

Ich hab mir nur ein Teil der Sendung bei Schawinski angetan. Ich blieb auch nur hängen weil Salome Balthus Gast war. Schwawinski und seine Sendung sind unterste Schublade.

Zum K..... sowas!

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Re: Ein Beispiel der Niedertracht

#15

Beitrag von Kasharius » 2019-04-13, 22:41

@Ursa Minor

dachte mir schon, dass das nischt seriöses ist; sowie in D früher Friedmann, bevor den osteuropäische "Zwangs-SW" zur Strecke brachten - sagte und las man damals.

Im übrigen lernte ich bei EMMA den Begriff der "Profiteuse" in Bezug auf Salomé Balthus kennen...das ist auch juristisch schon grenzwertig...

Kasharius grüßt

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Re: Ein Beispiel der Niedertracht

#16

Beitrag von Kasharius » 2019-04-15, 21:02


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Re: Ein Beispiel der Niedertracht

#17

Beitrag von Kasharius » 2019-04-16, 21:08

Und hier die gesamte Sendung



Kasharius grüßt

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Re: Ein Beispiel der Niedertracht

#18

Beitrag von deernhh » 2019-04-17, 00:08

@Kasharius

Danke sehr für die Einstellung des Videos!

Liebe Grüße von deernhh

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Re: Ein Beispiel der Niedertracht

#19

Beitrag von Kasharius » 2019-05-06, 16:23

Und hier nicht mehr ganz, aber fast neues von Salomé Balthus


Kasharius grüßt

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Re: Ein Beispiel der Niedertracht

#20

Beitrag von Zwerg » 2019-05-30, 14:43

Schawinski hat Menschenwürde von Balthus verletzt

Der SRF-Talker wird vom Ombudsmann für die Sendung mit der Edel-Prostituierten gerügt. Diese reagiert dankbar auf den Schlussbericht.

TV-Moderator Roger Schawinski hat in einer SRF-Talksendung mit der deutschen Prostituierten Salomé Balthus nach Auffassung des Ombudsmanns deren Menschenwürde verletzt. Schawinski hatte sie vor laufenden Kameras gefragt, ob sie als Kind sexuell missbraucht worden sei.

In seinem Schlussbericht zur Sendung «Schawinski» vom 8. April unterstützt SRG-Deutschschweiz-Ombudsmann Roger Blum Beanstandungen von zehn Zuschauerinnen und Zuschauern. Diese hatten nach der Ausstrahlung des Interviews mit der 34-jährigen Edelprostituierten Klara Johanna Lakomy alias Salomé Balthus ihren Unmut über die Gesprächsführung des 74-jährigen Moderators geäussert.

Blum bilanziert in seinem 16-seitigen Kommentar, der gemeinhin als angriffig geltende Schawinski habe diesmal bei seinem Fragestil zu wenig berücksichtigt, dass ein journalistisches Interview für die Öffentlichkeit bestimmt sei und dass die direkte persönliche Frage, ob jemand in der Kindheit sexuell missbraucht worden sei, nicht an die Öffentlichkeit gehöre, auch dann nicht, wenn die Person nicht missbraucht worden sei.

«Verächtlicher Tonfall»

Weiter habe Schawinski nicht bedacht, dass der prominent ins Spiel gebrachte Vater von Balthus und das Gespräch über das Verhältnis seiner Tochter zu ihm dazu führte, dass das Publikum sofort an den Vater dachte, als die Frage nach dem sexuellen Missbrauch in der Kindheit kam. Damit sei möglicherweise auch die Menschenwürde des Vaters verletzt worden, wenn auch unabsichtlich, schrieb Blum.

Weiter kritisierte der Ombudsmann einen «leicht verächtlichen Tonfall durch die ganze Sendung hindurch» gegenüber der Berliner Philosophin und Escort-Service-Betreiberin als «unangemessen».

Man werde den Eindruck nicht los, dass der Moderator das Interview nicht aus einem Erkenntnisinteresse geführt habe, sondern den Lebensentwurf seines Gastes als «schlechten» von einem «guten» habe abgrenzen wollen, schrieb Blum. «Das hatte eine diskriminierende Tendenz. Das war auch gegenüber dem Publikum nicht fair.»

Schawinski verteidigt kritische Fragen

Schawinski sieht keine Verletzung der SRG-Konzession. Das Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) verteidigte in einer Eingabe gegenüber dem Ombudsmann die Sendung und die kritischen Fragen rund um Prostitution und Missbrauch.

Balthus mache ihre Erfahrungen als Prostituierte gezielt öffentlich und breche damit Grenzen auf, hiess es. Sie suche Aufmerksamkeit durch Provokationen in ihren Beiträgen als Autorin. Die Verantwortlichen räumten jedoch ein, dass man dem Publikum zu Beginn der Sendung mehr Hintergrund zu dem in der Schweiz kaum bekannten Talkgast hätte liefern sollen.

Der Auftritt von Balthus bei «Schawinski» sorgte im Nachgang für einige Schlagzeilen. Einerseits wurde der Moderator in Medien harsch kritisiert, eine Prostituierte am TV blossgestellt zu haben. Andererseits verlor Balthus ihren Job als Kolumnistin bei der deutschen Zeitung «Die Welt» nach nur neun Monaten, nachdem sie sich in einer Kolumne über die umstrittene Sendung beschwert und Schawinski im Artikel falsch zitiert hatte.

Anderer Fragestil erfordert

Es ist dies nicht die erste Rüge der SRG-Ombudsstelle gegen den langjährigen Radio- und TV-Talker Schawinski. Beanstandet wurden in der Vergangenheit auch seine Interviews 2018 mit SVP-Politikerin Magdalena Martullo-Blocher als einseitig und 2014 mit Satiriker Andreas Thiel als gehässig und unsachgemäss.

Talkmaster und Radio-Unternehmer Roger Schawinski sei in vielen seiner Talksendungen zu Recht angriffig, heisst es im Fazit des 15-seitigen Schlussberichts. Mit gutem Grund nehme er Personen mit leitender Funktion in Politik und Wirtschaft auseinander. Doch das Interview mit Balthus hätte einen anderen Fragestil erfordert.

Salomé Balthus, die in Ostberlin geborene Tochter des Künstlerpaares Monika Ehrhardt und Reinhard Lakomy wird als Aushängeschild ihres eigenen Escortservices Hetaera in Berlin beschrieben. Doch Balthus, die Philosophie und Literatur studiert hat, sieht sich in erster Linie als Autorin. Sie verfasste regelmässig Kolumnen («Das Kanarienvögelchen») in der deutschen Tageszeitung «Die Welt».

«Mit Solidarisierung nicht gerechnet»

Balthus reagiert auf den Schlussbericht des SRG-Ombudsmanns dankbar, wie 20min.ch berichtet: Sie sei überwältigt, mit welchem Engagement und welcher Solidarität sich die Schweizer Öffentlichkeit für sie eingesetzt hätte. «Nicht nur Frauen, auch Männer haben sich für mich stark gemacht. Das bedeutet mir sehr viel.» Ohne dieses unterstützende Publikum wäre es ihr ganz anders ergangen, ist sich Balthus sicher.

«Es fühlt sich deshalb nicht mehr wie die Verletzung meiner Menschenwürde an, sondern eher wie ein Sieg», so Balthus. «Mit einer solch starken Solidarisierung habe ich sowohl als Prostituierte, als auch als Frau nicht gerechnet.»

Bekanntheitsgrad gestiegen

Im Nachhinein ist Balthus froh, die Kolumne über ihr Erlebnis bei Schawinski in der «Welt» veröffentlicht zu haben, auch wenn diese zu ihrer Entlassung geführt habe. «Ich konnte darauf aufmerksam machen, wie Prostituierte von Infantilisierung, Viktimisierung und dem Absprechen ihrer Rechte betroffen sind.»

Auch wenn sie selber kein Missbrauchsopfer sei, habe ihr Fall ausserdem gezeigt, wie häufig sexuell misshandelten Frauen abgesprochen werde, Entscheidungen über ihren eigenen Körper treffen zu können, so Balthus. «So wie nicht jede sexuell missbrauchte Frau sich prostituiert, so ist nicht jede Prostituierte sexuell missbraucht worden.»

Trotz ihrer Entlassung steht es laut Balthus beruflich nicht schlecht um sie: «Meine Bekanntheit in der Schweiz und Deutschland ist gewachsen durch die vielen prominenten Stimmen, die sich für mich eingesetzt haben. Das Interesse an mir ist gross und Anfragen kommen herein.»

Quelle: red/sda

https://www.derbund.ch/kultur/fernsehen ... y/13511256

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