"Freierpass"

Beiträge betreffend SW im Hinblick auf Gesellschaft bzw. politische Reaktionen
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BurningRoxy
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"Freierpass"

Beitrag von BurningRoxy »

Je mehr ich über das Prostitutionsschutzgesetz nachdenke, desto mehr frage ich mich, wieso gerade diejenigen, die es ohnehin sehr schwer haben, noch mehr einstecken müssen als alle anderen. Thema Hurenpass! Dieser Pass, samt Registrierung und pipapo, ist so ein Punkt, der mich rasend macht! Wo bleibt die Gerechtigkeit, wenn alles, wirklich ALLES auf dem Rücken der DLs ausgetragen wird? Um überhaupt die Steuer für das Finanzamt, die Kosten für eine Terminwohnung/LH oder die Werbeanzeigen bezahlen zu können, muss eine DL erstmal ca. 2000-3000€ "erwirtschaften", um hinterher über andere Lebenshaltungskosten nachzudenken. Oder irre ich mich, wenn ja, korrigiert mich bitte.
Jetzt zu den Freiern... weshalb um alles in der Welt sind die zu 1000% raus und dürfen in aller Seelen Ruhe schalten und walten, wie sie wollen. Ganz einfach, der Staat lässt sie in Ruhe, weil sie die Kassen voll spülen und es sich um Beträge in Milliardenhöhe handelt. Manche von ihnen haben Frau und Kinder zu Hause, haben ungeschützt Sex und spielen mit dem Leben anderer. Nicht zuletzt deswegen sollte es den Freierpass geben, der bei verheirateten Leuten vorsieht, den Ehepartner darüber zu informieren, was der werte Herr da vor hat. Klar könnte man jetzt sagen, zu schwammig, die holen sich beim Fremdgehen mit der Nachbarin auch keine Erlaubnis, aber das ist mit dem Milieu nicht gleichzusetzen, weil manch verheirateter Freier z.Bsp. gezielt AO mit einer drogenabhängigen DL sucht oder oder oder... Zudem sollten Freier die Hälfte von der Steuer übernehmen, zumindest einen Betrag, der die DLs entlastet. Wenn Pass, dann für alle. Oder wie seht ihr das?

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Re: "Freierpass"

Beitrag von friederike »

Über die zahllosen Gemeinheiten, Ungerechtigkeiten und Schikanen, die dieses missglückte Prostituierten-Schutz-Gesetz über die Sexarbeiterinnen ausgießt, kann es ja keinen Zweifel und keine Diskussion geben.

Aber ob die Lösung darin liegt, zum Ausgleich auch die Kunden niederträchtig zu behandeln? Freierpass, steuerliche Belastung und all das zu fordern sollten wir uns doch zweimal überlegen. Ohne die Verheirateten wäre es ziemlich leer auf den Fluren ...

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Re: "Freierpass"

Beitrag von Zwerg »

Der/die KundIn muss genauso sein/ihr Einkommen versteuern wie SexarbeiterInnen auch. Es wird genauso Einkommensteuer oder auch Lohnsteuer abverlangt.

Auch ich halte den Weg grundsätzlich für falsch, wenn Jemand diskriminiert oder kriminalisiert wird und als Reaktion darauf auf andere zeigt. Dies kann nur noch mehr Schaden verursachen. Registrierungen von SexarbeiterInnen lehnen wir (sowie eigentliche alle Organisationen welche sich mit dem Thema seriös beschäftigen) ab. Ebenso Zwangsberatungen und Zwangsuntersuchungen an SexarbeiterInnen.

Das sollte der gemeinsame Nenner sein.

Liebe Grüße

christian

Sabine Bauer
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Re: "Freierpass"

Beitrag von Sabine Bauer »

Weil etwas nicht gut ist , alles für alle schlechter machen, ist sicherlich nicht der richtige Ansatz. Dieser Ansicht kann ich nichts abgewinnen

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Re: "Freierpass"

Beitrag von Archie_deckt »

Zwerg hat geschrieben:
22.01.2020, 00:39
Der/die KundIn muss genauso sein/ihr Einkommen versteuern wie SexarbeiterInnen auch. Es wird genauso Einkommensteuer oder auch Lohnsteuer abverlangt.
Danke, Christian, fuer diese Zurechtrueckung, und danke auch an die anderen, die ein reines Fingerpointing (auf die Freier) als Reaktion fuer nicht angemessen halten.

Abgesehen vom Steuerthema: Es gibt genug Berufstaetigkeiten, bei denen seitens der Behoerden besondere Anmeldungs-, Ausbildungs-, Nachweis-, Melde- usw -pflichten bestehen - wann immer halt die oeffentlichen Hand ein besonderes Sicherheitsbeduerfnis sieht (wobei ich nicht immer sage, zurecht).
Beispiele sind so unterschiedliche, wie die Handwerke im Installationsbereich (Konzession nach Ausbildungsnachweis), niedergelassene Aerzte (mit Weiterbildungsverplichtung), Wurstverkaeufer bzw Lebensmittelindustrie (das hiess einmal, sehr diskriminierend "Bazillenausscheider-Test"), "fit & proper"-Test fuer Bankdirektoren usw.

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Re: "Freierpass"

Beitrag von xtabay »

Ein "Freierpass" wie oben beschrieben würde die Zahl der Kunden verringern. Das ist nicht in unserem Interesse.
(Abgesehen von den eh schon erwähnten Aspekten)

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Re: "Freierpass"

Beitrag von Zwerg »

Archie_deckt hat geschrieben:
24.01.2020, 10:17
Es gibt genug Berufstaetigkeiten, bei denen seitens der Behoerden besondere Anmeldungs-, Ausbildungs-, Nachweis-, Melde- usw -pflichten bestehen - wann immer halt die oeffentlichen Hand ein besonderes Sicherheitsbeduerfnis sieht (wobei ich nicht immer sage, zurecht).
Beispiele sind so unterschiedliche, wie die Handwerke im Installationsbereich (Konzession nach Ausbildungsnachweis), niedergelassene Aerzte (mit Weiterbildungsverplichtung), Wurstverkaeufer bzw Lebensmittelindustrie (das hiess einmal, sehr diskriminierend "Bazillenausscheider-Test"), "fit & proper"-Test fuer Bankdirektoren usw.
Bei diesem Thema sind wir (nach etlichen, immer gleichlautenden Diskussionen) aufgrund unserer Einblicke und unserer Erfahrungen eindeutig positioniert - und haben uns genau überlegt, wo wir stehen.

Unsere Grundsätze sind hier zu finden: declaration

christian

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Re: "Freierpass"

Beitrag von friederike »

@Archie_deckt,

Dein Einwand übersieht den wesentlichen Unterschied. In den von Dir genannten Beispielen geht es um die messbare Qualifikation des Antragstellers, das Schutzbedürfnis der Öffentlichkeit besteht im Schutz vor mangelnder Qualifikation desjenigen oder derjenigen, der/die den betreffenden Beruf ausübt.

Das ist im Fall des Hurenpasses anders. Es geht hier nicht um die Eignung der Prostituierten und auch nicht um den Schutz der Öffentlichkeit vor unqualifizierten Prostituierten.

Irsprünglich ging der Referentenentwurf des Ministeriums vom 25.11.2015 noch weiter und schrieb vor, dass die Anmeldebescheinigung zu verweigern sei, wenn die Behörde im "Beratungsgespräch" (genauer: Ausforschungsgespräch) den Eindruck gewinnt, dass der/dem Prostituierten die "Einsichtsfähigkeit" fehlt (§ 8 (2) des Referentenentwurfs). Das konnte immerhin vermieden werden. Man wundert sich, dass ein Ministerium solcherlei zu Papier bringt.

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"Freierpass"

Beitrag von floggy »

Dem Philosophen ist ja bekanntlich nichts zu doof, ist ein Zitat von einem Rechtsgelehrten, gemacht bei einer dieser süffisanten Anhörungen von sogenannten Experten vor Ausschüssen. Freierpass, das muß man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Freierspass, das verstehe ich. War das ein Schreibfehler?

Ach nein, es fehlt wieder einmal das Fragezeichen. Lieber Themenersteller, hättest mich halt zuerst gefragt.

Zitat: "Jetzt zu den Freiern... weshalb um alles in der Welt sind die zu 1000% raus und dürfen in aller Seelen Ruhe schalten und walten, wie sie wollen. Ganz einfach, . . . . ."

Stattdessen wird gleich die Antwort gegeben. Was soll man da noch drauf antworten. Der Mensch weiß doch schon alles. Und er weiß es besser. Aber er weiß es nur als Alleiniger. Darum heischt er nach Nachahmern. Ach ja, die gibt es sicherlich genug.

Frag mich als Freier, äh zahlender Kunde.

Also wenn Du zu einer Frau gehst, weil Du an Sex denkst, dann mußt Du fragen können, und das Selbstbestimmungsrecht achten können. Aber letztlich darfst Du das Zahlen nicht vergessen. Und in der Öffentlichkeit Position beziehen, und nicht den Schwanz einziehen.

Wenn Du das in einem Pass festgehalten haben möchtest, gibt es dennoch bei 100 Punkten keinen Preisnachlaß. Aber vielleicht eine Schmähung von den Abolitionisten.

Mitgefangen, mitgehangen. Ist doch auch schön. Auf Ewig Eins.

Lieber Themenersteller, Dir fehlt die Poesie. Kannst Du einen neuen Versuch starten, aber diesmal etwas poetischer? Danke.

@Archie_deckt: Hallo, Sexdienstleistende bekommen in ihrem Hurenpass keine Qualifikation oder Ausbildung oder Fortbildung bestätigt, sondern vollumfänglich, dass sie bereit sind, sich einem Kontrollregime zu unterwerfen. Dass sie auf einen Teil ihrer Rechte verzichten, und das machen, was der Herr Wachtmeister anordnet.

In München hat das mit "Belehrung" angefangen (ein DIN 4 Blatt der Sittenpolizei - die Frau die mir das Blatt zeigte, hatte es auf 5 x 5 cm zusammengefaltet gehabt - so was vergißt man nicht). Ein Hurenpass heutzutage ist auch nichts anderes, als dass man sich hat belehren lassen (und sich kontrollieren läßt). Das gibt es auch für Mitarbeiter an Flughäfen, samt Sicherheitsüberprüfung und Führungszeugnis. Wo aber ist der Unterschied? Ein Flughafen hat sicherheitskritische Bereiche mit Auswirkungen für Dritte. Ein Bordell hat keine entsprechenden Auswirkungen (vor denen man sich nicht selbst schützen könnte) auf Dritte.

Aber der Zeitgeist verlangt, dass man vor sich selbst geschützt wird. Letztlich will man aber wieder nur alle Frauen vor sittlichem Verfall schützen, die Armen. Denn das können sie nicht alleine, die Armen. Davor müssen sie vom Staat geschützt werden, die Armen. Ich hoffe es ist einiges Klarer geworden.
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Re: "Freierpass"

Beitrag von Lucille »

Danke @floggy

… dem ist Nichts hinzuzufügen …

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Re: "Freierpass"

Beitrag von Zwerg »

Lucille hat geschrieben:
25.01.2020, 21:43
Danke @floggy

… dem ist Nichts hinzuzufügen …
Somit ist der Thread geschlossen

Liebe Grüße

christian