Rechte statt Almosen

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fraences
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Rechte statt Almosen

#1

Beitrag von fraences »

Doña-Carmen-Report zu fragwürdigen Corona-Hilfsfonds für Sexarbeiter*innen

TEIL I: Abolitionistische Prostitutionsgegner*innen

Im Zusammenhang der Corona-bedingten Schließung von Prostitutionsstätten sind
von verschiedenen Seiten „Nothilfe-Fonds“ speziell für Sexarbeiter/innen gefordert
bzw. ins Leben gerufen worden. Was auf den ersten Blick den Anschein einer
Parteinahme und selbstlosen Hilfe für die „Ärmsten der Armen“ hat, ist bei näherem
Hinsehen mit ausgesprochen fragwürdigen Botschaften verbunden, die den
Interessen der Betroffenen direkt zuwiderlaufen.
In aller Regel initiieren Deutsche diese „Hilfen“ und sie glänzen dabei als mildtätige
Kümmerer. Migrantische Sexarbeiter*innen dagegen, die eigentlichen Adressaten
dieser Hilfsaktionen, erscheinen in zweifelhaftem Licht. Allenthalben bedient man sich
des fragwürdigen Konstrukts der „Armutsprostitution“. Dieser Kampfbegriff zum
Zwecke der Stigmatisierung von Sexarbeit, erfährt zurzeit ungeahnte Konjunktur.

Hier weiter lesen: https://www.donacarmen.de/wp-content/up ... nisten.pdf
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Re: Rechte statt Almosen

#2

Beitrag von fraences »

Rechte statt Almosen! (Teil 2)

Doña-Carmen-Report zu fragwürdigen Corona-Hilfsfonds für Sexarbeiter*innen

TEIL II: Diakonie und Beratungsstellen


Diakonie und Beratungsstellen
– falsches Spiel unter dem Deckmantel christlicher Hilfsbereitschaft
Am 25. März 2020 berichteten Medien, dass rund 70 Sexarbeiter/innen nicht in ihre Heimat
zurückreisen könnten und nunmehr „festsitzen“. Wo genau sie festsaßen, wurde nicht
mitgeteilt. Doch es hieß: „In ihrer Verzweiflung wenden sie sich an das kirchliche Hilfswerk
(Diakonie Baden, d. V.). Das unterstützt sie.“1 Die Medien berichteten: „Die Diakonie will jetzt
einen Hilfsfonds auflegen“. 2

Hier weiter lesen:
https://www.donacarmen.de/wp-content/up ... akonie.pdf
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Re: Rechte statt Almosen

#3

Beitrag von Kasharius »

Soweit in den Stellungnahmen von Dona Carmen e.V. auch auf den Sozialleistungsbezug für (EU)-Ausländer eingegangen wird, verweise ich ergänzend auch auf die Darstellung der bisher nicht abschließend geklärten Rechtslage in dem Beschluss des Bundesverfassungsgerichtes vom 12. Februar 2020 hin

https://www.bundesverfassungsgericht.de ... 24619.html Randziffern 16 ff.

Es geht dabei um die Regelung in § 23 Abs. 3 Nr. 3 SGB XII (Sozialhilfe für Ausländer) https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_12/__23.html

Kasharius grüßt

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Re: Rechte statt Almosen

#4

Beitrag von fraences »

Doña-Carmen-Report zu fragwürdigen Corona-Hilfsfonds für Sexarbeiter*innen
TEIL 3/I:

Der BesD, die Corona-Krise und der Nothilfefond


Im Zusammenhang der Corona-bedingten Schließung von Prostitutionsstätten sind von verschiedenen Seiten „Nothilfe-Fonds“ speziell für Sexarbeiter/innen gefordert bzw. ins Leben gerufen worden. Was auf den ersten Blick den Anschein einer Parteinahme und selbstlosen Hilfe für die „Ärmsten der Armen“ hat, ist bei näherem Hinsehen mit ausgesprochen fragwürdigen Botschaften verbunden, die den Interessen der Betroffenen direkt zuwiderlaufen.

Hier weiter lesen: https://www.donacarmen.de/wp-content/up ... Abs.-1.pdf
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Re: Rechte statt Almosen

#5

Beitrag von Kasharius »

Danke liebe @fraences.

Ich darf mich als insoweit Aussenstehender in der Sache im Detail nicht zu dem 3. Teil des Dona-Carmen-Report und der darin enthaltenden sehr deutlichen Kritik am BeSDe.V. äussern.

Vielleicht aber seien mir die nachfolgenden Erwägungen erlaubt:

Mich erinnert das aber an die Vorwürfe der radikalen Krüppelbewegung an der Spendenpraxis der damaligen Aktion Sorgenkind (heute Aktion Mensch) und demBild, das von Menschen mit Behinderungen damals propagiert wurde. Hier ein typischer Fernsehspot aus den 80zigern



Ich möchte nur bescheiden nachfragen,ob der Vorwurf vor diesem Hintergrund wirklich trägt ?

Und nützt es den Abolitionistinnen nicht, wenn die inhaltlichen Differenzen innerhalb der PRO-SW-Bewegung hier (wiederum) so offen ausgebreitet werden?

Schließlich möchte ich fragen, was dieser hier aufgeworfene Dissenz den tatsächlich betroffenen SW nützt?

Ich bitte meine Fragen als wahrhafte und nicht rethorische Fragen zu verstehen.

WER MEINE FRAGEN FÜR ILLEGETIM ODER POLITISCH SCHÄDLICH HÄLT, MÖGE DAS LÖSCHEN MEINES POST VERANLASSEN!

Kasharius grüßt

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Re: Rechte statt Almosen

#6

Beitrag von Lucille »

Nun, ich wüßte nicht, dass sich Sexworker von politisch tätigen Einzelnen oder solchen Vereinen das eigene Handeln oder gar Denken nehmen lassen.
Als außenstehende Beratungsstelle sich eine Deutungshoheit anzumaßen über die Art und Weise wie Sexworker sich zu organisieren haben und angeblich agieren dürften - das ist, sehr höflich formuliert, …wieder mal einfach anmaßend übergriffig schräg.

Wie heißt es so passend:“es gibt sogenannte Freunde, da braucht man keine Feinde mehr“

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Re: Rechte statt Almosen

#7

Beitrag von certik »

Ich kann mich Kasharius nur anschließen.
Ich habe den 3. Teil von Dona Carmen gelesen und es macht mich einfach nur traurig...
Können solche Differenzen (und z. T. sicher auch Missverständnisse) nicht intern - ohne Öffentlichkeit - geklärt werden? Ist die Außenwirkung egal, Hauptsache man hat recht / profiliert sich / oder was auch immer?
Das ganze Gewerbe ist von den momentanen Einschränkungen extrem betroffen, jedes Segment und jede Seite leidet. Die Protagonisten sind so unterschiedlich, wie Menschen nun mal sind - aber m. E. sollten wir jetzt nach außen nicht zeigen, dass wir uns uneins sind, sondern dass wir alle wollen, dass unter der Berücksichtigung des Gesundheitsschutzes möglichst bald wieder relativ normaler Betrieb laufen soll.
Über den 3. Teil des Dona-Carmen-Reports lacht sich meiner Meinung nach in erster Linie die wirkliche Gegenseite ins Fäustchen...
* bleibt gesund und übersteht die Zeit der Einschränkungen *

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Re: Rechte statt Almosen

#8

Beitrag von fraences »

Rechte statt Almosen!

Doña-Carmen-Report zu fragwürdigen Corona-Hilfsfonds für Sexarbeiter*innen
Teil 3 / Abschnitt II


Der BesD, die Corona-Krise und der Nothilfefond
Im Zusammenhang der Corona-bedingten Schließung von Prostitutionsstätten sind von verschiedenen Seiten „Nothilfe-Fonds“ speziell für Sexarbeiter/innen gefordert bzw. ins Leben gerufen worden. Was auf den ersten Blick den Anschein einer Parteinahme und selbstlosen Hilfe für die „Ärmsten der Armen“ hat, ist bei näherem Hinsehen mit ausgesprochen fragwürdigen Botschaften verbunden, die den Interessen der Betroffenen direkt zuwiderlaufen.

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Re: Rechte statt Almosen

#9

Beitrag von Kasharius »

Danke liebe @fraences.

Der Report verwendet redlicherweise sehr viel Mühe darauf, die einzelnen Behauptungen oder aus Sicht des Vereins, kritische Aussagen des BeSD e.V. mit Belegstellen zu substantiieren. In der Passage betreffend der Eindämmungsverordnungen fehlt dies. Es wird so nicht klar, auf welche Fassung der Eindämmungsverordnungen sich die Aussagen beziehen (ich meine DC-Ausführungen auf den Seiten 3. und 4 ). So könnte sich Dona Carmen e.V. seinerseits des Vorwurfes der Desinformation aussetzen, was ja wohl keinesfalls beabsichtigt ist. Inhaltlich wird an der Stelle auch nicht klar, welche Position Dona Carmen e.V. vertritt. Das man in anderen Publikationen für eine Öffnung der Bordelle eintritt, oder nach meiner Erinnerung selbst gegenüber SW geraten hat, keine Sexarbeit in jedeweder Form zu praktizieren hindert ja nicht daran, auch in diesem Report klar Stellung zu beziehen. Genau dasvermisse ich aber. So bekommt das ganze nach meiner persönlichen Meinung etwas rechthaberisches. Davon hat aber keine (migrantische) Sexarbeiterin, oder Sexarbeiter etwas, wenn den dieser Report überhaupt von der von Dona Carmen e.V. indendierten Zielgruppe wahrgenommen wird.

Mir gefällt das z.T. sehr radikale, oft aber auch sehr fundierte aufklärerische politische Wirken von Dona Carmen e.V. Aber mich irritiert der offen zu Tage getragene Konflikt mit jenen aus den eigenen Reihen (was ja durchaus zugestanden, dass eigentlich der gleichen Sache gedient wird...) wenn man oft genug deren Solidarität eingefordert und wohl auch erhalten hat (Entzug der Gemeinnützigkeit, Verfassungsbeschwerde).


Möge man mir diese vielleicht anmaßend-naiv klingenden kritischen Zeilen vergeben. Seht sie als erneute Solidaritätsbekundung mit Euch Allen und gerade auch mit @fraences und Dona Carmen e.V.

Ich danke und diene weiter.

Kasharius grüßt

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Re: Rechte statt Almosen

#10

Beitrag von lust4fun »

Geht Dona Carmen e.V. vielleicht von einer anderen Rechtslage aus als der BesD, was zu der Kritik von Dona Carmen führt, der BesD würde sich der abolitionistischen Position ohne Sachnotwendigkeit andienen?
Somit ist die Prostitutionsausübung jenseits Betreiber geführter Prostitutionsgewerbe definitiv nur in sieben Bundesländern verboten, in dreien dürfte es möglicherweise strittig sein, in sechs Bundesländern (Baden-Württemberg, Bayern, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und das Saarland) ist sie aufgrund der vorliegenden Verordnungen keinesfalls untersagt. Denn dort enthalten die einschlägigen Verordnungen weder im Hinblick auf „Dienstleistungsbetriebe“, noch in Bezug auf „körpernahe Dienstleistungen“ spezifische restriktive Regelungen gegenüber der Prostitutionstätigkeit als solcher.

Folglich ist die vom BesD-Vorstand vertretene Auffassung, man müsse in ganz Deutschland „derzeit von einem faktischen Verbot jeglicher Art der Sexarbeit mit körperlichem Kundenkontakt ausgehen“, nicht korrekt und eine Falschinformation derjenigen, die man vorgibt zu vertreten. Man bindet ihnen einen Bären auf und entmutigt sie, im Falle einer ungerechtfertigten Strafandrohung rechtlich dagegen vorzugehen.
(Dona Carmen e.V., Rechte statt Almosen!, Teil 3, Absatz 2, S. 5)
Doch die fragliche Verordnung des Landes Baden-Württemberg vom 9. Mai 2020 (in der ab 18. Mai gültigen Fassung) lautet:
§ 4 Einschränkung des Betriebs von Einrichtungen
Der Betrieb folgender Einrichtungen wird bis zum 5. Juni 2020 für den Publikumsverkehr untersagt:
(…)
7. Prostitutionsstätten, Bordelle und ähnliche Einrichtungen; untersagt ist auch jede sonstige Ausübung des Prostitutionsgewerbes im Sinne von § 2 Absatz 3 des Prostituiertenschutzgesetzes
https://km-bw.de/site/pbs-bw-km-root/ge ... 200518.pdf
Kann der BesD diese Landesverordnung derart „politisch-ideologisch“, quasi in vorauseilendem Gehorsam gegenüber dem Staat so missverstehen, dass die derzeitige Beratungstätigkeit des BesD nur als abolitionistische Andienung verstanden werden kann? Oder was erklärt ein solches Beispiel von sachlichen Widersprüchlichkeiten? Es irritiert…

Hermeneutische Fragen tun sich auf, wenn Zitate (Abolitionist:innen – BesD) ohne ihren jeweiligen Kontext synoptisch gegenübergestellt werden. Das Argumentationsmuster ist als Lektüre interessant, überzeugt mich aber in der Konnotationsabsicht nicht. Nun mag das daran liegen, dass ich mich für einen einigermaßen mitlesenden Beobachter halte, dem die jeweiligen Positionen in ihrem Zusammenhang und in ihrer Genese etwas bekannt sind. Ob da journalitische Leser:innen mit weniger Verwurzelung in der Debatte für die Botschaft empfänglicher sind, dass sich BesD und Abolitionist:innen gleichen wie „ein Ei dem anderen“? Vielleicht, aber dann trägt Dona Carmen möglicherweise gerade dazu bei, dass sich Abolitionist:innen bestätigt fühlen.

Susanne Bleier-Wilp (Ariane) verändert durch ihren Auftritt als Sprecherin des BesD offensichtlich den Diskurs. Das hat auch mit den jeweiligen Kommunikationsstrukturen zu tun. Dona Carmen tritt als namenlose Kollektivperson des Vereins auf. Die Autorin tritt als individuelle Person nicht in Erscheinung, es gilt nur die Position. Ariane kommuniziert auf vielen Ebenen und Kanälen mit jeweils eigenem Kontext parallel und lässt dabei immer ihre Person und ihre Lebensgeschichte darin transparent sein. Die „prostitutionskritische“ Susanne Bleier-Wilp ist eben immer auch die Ariane, die im Vorfeld des P-Gesetzes in atemlosen Nächten unfassbar starke und unmissverständliche Texte rausgehauen - und seitdem nicht revidiert - hat.

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Re: Rechte statt Almosen

#11

Beitrag von deernhh »

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Re: Rechte statt Almosen

#12

Beitrag von Kasharius »

@deernhh

lieben Dank. Gerade dieser Artikel und eine später darauf aufbauende Dokumentation im ZDF (die hier auch sehr kritisch diskutiert wurde) war sehr umstritten und sollte die Seriosität des BeSD e.V. und seine Legitimation in Frage stellen.

Kasharius grüßt

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