Neuerlicher Lockdown für Sexarbeit

Beiträge betreffend SW im Hinblick auf Gesellschaft bzw. politische Reaktionen
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Kasharius
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Neuerlicher Lockdown für Sexarbeit

Beitrag von Kasharius »

Nach den heutigen Bund-Länder-Beschlüssen wird es wohl auch bundesweit wieder zu Bordell-Schließungenkommen. Hausbesuche scheinen danach aber Möglich zu sein. Die konkrete Ummsetzung erfolgt durch die Länder.

Gleichwohl kein einfacher Tag heute für SW und Betreiber. In diesem Threat könnt Ihr gerne aus Euren Herzen keine Mördergrube machen, Fragen fragen oder Euch einfach austauschen - wie gewohnt.

Kasharius ist heute besonders mit dem Herzen bei Euch grüßt und......bleibt dran :006

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Thorja
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Re: Neuerlicher Lockdown für Sexarbeit

Beitrag von Thorja »

Ich würde gern irgendwas "konstruktives" sagen können. In dieser Situation bleibt mir jedoch nur übrig, mein Erschrecken vor oder meine Trauer über diesen neuen/neuerlichen Alptraum kundzutun, auch wenn man ihn irgendwie eh kommen gesehen hat. Es tut mir leid für die KollegInnen in Deutschland. Und ich hab natürlich Angst davor, was uns in AT möglicherweise noch bevorsteht. Ich hoffe, dass es irgendwann mal eine Zeit geben wird, wo man auf all dies als überstandene Krise zurückschauen kann. :(
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Kasharius
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Re: Neuerlicher Lockdown für Sexarbeit

Beitrag von Kasharius »

Danke @Thorja für diese Solidaritätsadresse. Hoffen wir für AT das Beste.

Hier der Wortlaut einer Erklärung des BeSD e.V.:



Der Beschluss der Bundesregierung für einen neuen Lockdown ist gefallen. Das Zauberwort lautet nun nicht mehr Systemrelevanz, sondern diesmal heißt es „Freizeitaktivitäten einschränken“. Für Prostitutionsstätten gilt dies genauso wie für Kinos, Restaurants, Sportvereine usw. Ob diese Maßnahme richtig oder falsch ist, soll in diesem Beitrag nicht debattiert werden.
Ab dem 2.11. werden nun alle Freizeiteinrichtungen geschlossen für vier Wochen. Die Betonung liegt hier auf ALLE. Wir befürchten jedoch, dass es bei den Wiedereröffnungen dieses ALLE nicht mehr geben wird und die Sexarbeitsbranche wie beim letzten Mal ausgenommen wird.
Wir mussten uns nach dem ersten Lockdown in jedem Bundesland durch die Instanzen klagen, um das Geschäft wieder aufnehmen zu dürfen. Erst die Gerichte sorgten für Sachlichkeit und Gleichbehandlung. Unsere Branche steht grundsätzlich unter Generalverdacht, doch entgegen der Annahmen funktionieren die Corona-Maßnahmen bei uns gut.
Mundschutz, Unterarmlänge zwischen den Köpfen und auch die Kontaktdaten sind durchsetzbar – sogar besser als wir selber erwartet haben. Für den Straßenstrich wurde zum Beispiel in Köln ein Hygienekonzept entwickelt: Die Sexarbeitenden schreiben Autokennzeichen, Uhrzeit und ihren Namen auf und werfen diesen Zettel in einen Briefkasten der dortigen Beratungsstelle.

Unsere Branche hat ihren Beitrag geleistet, und so möchten wir auch behandelt werden, wenn es um die Auflösung der Schließungen geht.

Ein weiteres Problem unserer Branche ist, dass wir über einen sehr hohen Anteil an Menschen verfügen, die durch alle Maschen der sozialen Netze durchfallen. Diese leben oft von der Hand in den Mund und waren schon beim letzten Shutdown gezwungen illegal weiter zu arbeiten.

Der Berufsverband hatte hier sehr schnell reagiert und einen Nothilfefonds eingerichtet. In Zusammenarbeit mit Beratungsstellen wurden fast 150.000 Euro ausgeschüttet um die schlimmste Not zu lindern. Der Topf ist leer, und es ist eigentlich eine Schande, dass hier unser Verband eingreifen muss, was eigentlich Aufgabe des Staates sein sollte.
Genau diese Bedürftigen trifft das erneute Arbeitsverbot extrem hart. Unser Nothilfe-Fond kann HIER unterstützt werden.
Das kann aber nicht die Lösung für diese Personengruppe sein.
Eine Regierung, die gegen sämtliche Expertenmeinungen sogenannte ProstituiertenSchutzGesetze verabschiedet, läßt die zu Schützenden in Krisen alleine.

Autorin: Johanna Weber (politische Sprecherin des BesD)
https://berufsverband-sexarbeit.de/inde ... n-heissen/

Und ein aktueller Bericht auf Spiegel-Online


Nirgendwo galten die scharfen Corona-Beschränkungen so lange wie im Prostitutionsgewerbe. In Berlin etwa durften Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter erst Mitte August wieder ihrem Job nachgehen - und das auch nur unter strengen Vorschriften. In anderen Bundesländern wurden die Verbote noch später gelockert. Hygienekonzepte müssen erstellt, Termine verabredet, die Kontaktdaten hinterlassen werden - und beim Geschlechtsverkehr herrscht Maskenpflicht.
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Mehr als 40.000 Menschen gingen laut dem Statistischen Bundesamt Ende 2019 offiziell der Prostitution nach - und das sind nur die gemeldeten Gewerbe. Sollte sich der Bund mit dem angestrebten November-Shutdown durchsetzen, steht die Branche nun erneut vor dem Nichts. In der Beschlussvorlage, die an diesem Mittwoch mit den Ministerpräsidenten diskutiert werden soll, wird das Rotlichtmilieu ausdrücklich genannt. "Prostitutionsstätten, Bordelle und ähnliche Einrichtungen" seien zu schließen, heißt es.

Für die Branche wäre das ein schwerer Schlag - zumal die strengen Auflagen in der Zwischenzeit das Geschäft ohnehin erschwerten. "In der kurzen Öffnungszeit war das Kundenaufkommen deutlich geringer als in der Zeit vor Corona", sagt die Prostituierte Hanna vom Aktionsbündnis "Sexy Aufstand Reeperbahn".



Das Bündnis hatte sich in den vergangenen Monaten für die schnellstmögliche Öffnung der Bordelle eingesetzt und mangelnde staatliche Unterstützung beklagt. "Der Staat fickt uns, aber zahlt nicht" - war einer der Slogans.

"Mit einem neuen Shutdown kommt eine riesige finanzielle Not auf uns zu", sagt Hanna. "Keiner hat mehr Geld. Einen zweiten Shutdown schafft hier keiner mehr." Viele Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter seien selbstständig, bei einem Verbot verdienen sie keinen Cent. Das Geschäft werde sich noch weiter in die Illegalität verlagern, vermutet Hanna. Das sei schon beim ersten Mal so gewesen.
"Großes Drama für die Branche"

Auch Stefanie Klee vom Bundesverband Sexuelle Dienstleistungen, der Dutzende Bordelle, Laufhäuser und Nachtklubs vertritt, sieht neue Gefahren für die Betroffenen. "Wenn die Prostituierten illegal anschaffen gehen und sich auf der Straße oder in Hotels verabreden, steigt das Risiko, dass es gewalttätig wird oder sie beim Preis gedrückt werden", glaubt sie. Bordelle böten Sicherheit.

"Das wird ein großes Drama für die Branche", sagt auch Klee. Sie befürchtet etliche Pleiten - wie beim Kölner Großbordell "Pascha". Das angeblich größte Bordell Europas hatte Anfang September die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragt. Die Rücklagen des Betriebes seien durch die Corona-Beschränkungen im ersten Shutdown aufgebraucht, hieß es damals.



Klee findet das gesonderte Verbot von Prostitution "ungerecht und diskriminierend". Ihr sei kein einziger Fall bekannt, bei dem es durch Sexarbeit zu Corona-Infektionen gekommen wäre. Die Gefahr einer Ansteckung beim Sex sei unter den aktuellen Auflagen vergleichbar mit dem Risiko eines Friseurbesuchs. Friseursalons dürfen laut der Beschlussvorlage jedoch unter den geltenden Hygienekonzepten geöffnet bleiben.

Die Prostituierte Hanna blickt derweil auch mit Sorge auf das Ende der Beschränkungen - wann immer es kommt. Wenn die Zahl der Neuinfektionen sich irgendwann wieder auf niedrigerem Niveau befinde, habe sie eine Bitte an die Politik, sagt sie: "Sie sollen uns bei den Öffnungen diesmal nicht vergessen."
https://www.spiegel.de/panorama/gesells ... 6e3261f4f8

Kasharius grüßt und bleibt dran

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Kasharius
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Re: Neuerlicher Lockdown für Sexarbeit

Beitrag von Kasharius »

Auch der Frankfurter Verein Dona Carmen e.V. hat mittlerweile eine Presseerklärung zu den geplanten Boedellschließungen veröffentlicht. Hier der Wortlaut der ERklärung von heute:

Pressemitteilung –
Nein zum erneuten Lockdown!
Erklärung von Doña Carmen e.V. aus Anlass der erneuten bundesweiten Schließung von Prostitutionsstätten


Doña Carmen e.V., Verein für die sozialen und politischen Rechte von Prostituierten, lehnt die erneute bundesweite Schließung von Prostitutionsstätten entschieden ab.

In allen 14 Bundesländern, in denen die Wiedereröffnung der Bordelle durch rechtliche Schritte und/oder politische Proteste in den letzten Monaten wieder erstritten werden konnte, gilt die für das Prostitutionsgewerbe typische „1:1-Konstellation“ bei der Erbringung sexueller Dienstleistungen. Das heißt: Kontaktbeschränkung ist sexuellen Dienstleistungen per se immanent. Das Prostitutionsgewerbe ist auch aus diesem Grund nicht als Treiber der Corona-Pandemie in Erscheinung getreten.

Erneute bundesweite Bordellschließungen im Namen einer „Einschränkung von Kontakten“ sind daher absurd und in keiner Weise nachvollziehbar. Sie sind grober politischer Unfug und im Hinblick auf Corona-Eindämmung gänzlich unverhältnismäßig. Sie verdanken sich ganz anderen Motiven als legitimen gesundheitspolitischen Erwägungen zur Eindämmung von Neuinfektionen.

Denn die Neuauflage der Verbotspolitik gegenüber dem Prostitutionsgewerbe ist bekanntermaßen gesundheitspolitisch kontraproduktiv, da sie die Abdrängung von Sexarbeit in informelle Strukturen zur Folge hat, wo im Unterschied zu Prostitutions-stätten sinnvolle Standards im Hinblick auf Arbeitsbedingungen und Gesundheitsschutz nicht zu gewährleisten sind.

Die erneute bundesweite Schließung von Prostitutionsstätten wird aber, das lässt sich voraussagen, den wirtschaftlichen Ruin vieler Betreiber/innen und damit den Verlust regulärer Beschäftigungsmöglichkeiten für Sexarbeiter/innen zur Folge haben.

Tatsache ist:
Das Prostitutionsgewerbe gehört hierzulande neben dem Veranstaltungsgewerbe zu jenen Branchen, die durch eine als unverhältnismäßig und verfehlt zu bewertende staatliche Schließungspolitik systematisch ausgeblutet wird. Vom ersten Lockdown war das Prostitutionsgewerbe überproportional betroffen.

Bezogen auf alle 16 Bundesländer dauerte der erste Lockdown in jedem Bundesland im Schnitt 179 Tage. In Hessen und Mecklenburg-Vorpommern wurde der erste Lockdown sogar bis heute nicht aufgehoben und währt bereits 231 Tage, wenn am 2. Nov. 2020 der zweite Lockdown beginnt, in den man nahtlos hineinschliddert.

Ende November wird das Prostitutionsgewerbe bundesweit im Schnitt 208 Tage oder 57 % des Jahres 2020 im Lockdown verbracht haben – mit Aussicht auf Verlängerung, da der Dezember 2020 dabei noch gar nicht berücksichtigt ist.

Daran wird ersichtlich: Die Corona-Lockdown-Politik der Bundesregierung und der Landesregierungen betreibt eine systematische Existenzvernichtung im Prostitutionsgewerbe und beschleunigt so eine Tendenz, die bereits mit dem 2017 in Kraft getretenen Prostituiertenschutzgesetz begonnen wurde: Die Zahl der (nicht nur vorläufig und somit nur fiktiv) genehmigten Prostitutionsstätten wird seitdem gezielt nach unten gedrückt und Sexarbeiter/innen durch eine repressive Politik der Zwangsregistrierung, der Zwangsberatungen und der Stigmatisierung mittels Hurenpässe unter Druck gesetzt und in die Illegalität getrieben.

Genau diese Politik rächt sich jetzt in Corona-Zeiten, wo es eigentlich um eine sinnvolle und durchdachte Politik der Zurückdrängung von Neu-Infektionen gehen müsste. Doch die Prostitutionspolitik der Großen Koalition leistet nach wie vor nur eines: Sie befördert informelle Strukturen, die sinnvoller Regulierung weitgehend unzugänglich sind.

Doña Carmen e.V. verurteilt daher aufs Schärfste nicht nur die erneute Schließung von Prostitutionsstätten, sondern die gesamte perspektivlose Lockdown- und Repressionspolitik, die den politischen Rahmen für die Schließung der Bordelle bildet.

Denn immer offensichtlicher wird: Eine Eindämmung des Corona-Virus kann nicht gelingen, wenn sie auf Grundlage von Maßnahmen erfolgt, die auf einen Polizei- und Überwachungsstaat zielen.

Anstatt der Aufrechterhaltung einer verpflichtenden, staatlich verordneten, aber längst gescheiterten „Kontaktdatennachverfolgung“, anstatt des Einsatzes von Militär in Gesundheitsämtern und von Bundespolizei in den Städten, anstatt der geplanten Schleierfahndungen, die die Bevölkerung hierzulande zum Feind erklärt und nichts bewirkt, außer ein Klima der Angst zu schüren, sollte endlich der Schutz der wirklich gefährdeten Menschen durch eine ausreichende personelle und finanzielle Ausstattung des Gesundheitssystems im Vordergrund stehen.

Als Prostituiertenselbsthilfeorganisation wird Doña Carmen e.V. auch im bevorstehenden erneuten Lockdown nicht schließen, sondern seine Beratungen unvermindert fortführen. Das sind wir den über 300 Sexarbeiter/innen schuldig, die wir gegenwärtig betreuen und unterstützen, aber auch den mehr als 100 Frauen, die mit Hilfe von Doña Carmen e.V. gegenwärtig ALG-II-Leistungen beziehen und Termine einhalten müssen. Wir werden diese Frauen nicht auf der Straße und im Regen stehen lassen.

Der erneute oder (in Hessen) fortgesetzte Bordell-Lockdown verschärft deren Situation.

Deshalb fordert Doña Carmen e.V. mit Nachdruck:
Weg mit dem Lockdown!

https://www.donacarmen.de/pressemitteilung-9/

Kasharius grüßt weiter solidarisch

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Re: Neuerlicher Lockdown für Sexarbeit

Beitrag von Kasharius »

Nunmehr hat auch der BSD e.V. eine Presseerklärung zum Sexwork-Lockdown veröffentlicht:

Katastrophe - Bordelle sind nicht die Treiber der
Pandemie!
Die Prostitutionsbranche war von dem 1. Corona-Lockdown – im Gegensatz zu
vergleichbaren Branchen – unverhältnismäßig hart betroffen:
 Die Prostitutionsstätten blieben länger geschlossen (in Hessen und
Mecklenburg-Vorpommern bis heute). Dafür mussten fast überall die
Gerichte bemüht werden.
 Die staatliche Unterstützung war für viele Betriebe nicht ausreichend zur
Deckung der Kosten: Geschäftsaufgaben und Insolvenzen waren die Folge.
 Sexarbeit war z. T. generell verboten – aber nicht überall. Ein
Flickenteppich von Landesregelungen machte alles unübersichtlich.
 Bordellbetreiber*innen und Sexarbeiter*innen wurden verwiesen auf
staatliche Grundsicherung. Und auch die wurde z. T. verwehrt.
 Aufgrund der finanziellen Not arbeiteten viele Sexarbeiter*innen weiter,
aber nicht mehr im geschützten Rahmen eines Bordells, sondern in
ungewohnten und unsicheren Situationen, in einer schwächeren Position
gegenüber dem Kunden und riskierten Gewalt, Ausbeutung und Bußgelder.
Mit Corona-Schutzmaßnahmen war dies alles nicht zu rechtfertigen!
Alle verbreiteten Lügen wurden seit der Öffnung der Bordelle ab Mitte
Juli widerlegt:
 In allen Bordellen finden ausschließlich 1 : 1 Kontakte statt - keine
Orgien.
 Sexarbeiter*innen, Bordellbetreiber*innen und Kunden halten sich an alle
Corona-Hygienemaßnahmen – ja, Sex mit Maske geht!
 Kunden geben zu 100 % ihre Kontaktdaten ab – Gerichte und Behörden
urteilten weltfremd!
 Bis heute ist kein einziger Infektionsfall in einem Bordell bekannt
geworden!
Die erneute Schließung aller Bordelle ist unverhältnismäßig, verstößt
insbesondere gegen die Berufsfreiheit von Art. 12 Grundgesetz und stellt auf
keinen Fall eine wirksame Maßnahme gegen die Ausbreitung der Pandemie dar.
Wir fordern alle unsere Mitglieder auf, die rechtlichen Möglichkeiten gegen die
neuen Corona-Verordnungen zu prüfen und unterstützen sie bei diesem
juristischen Weg.
Sexarbeit ist systemrelevant – die Folgeschäden der Schließung müssen
auch beachtet werden!
https://bsd-ev.info/wp-content/uploads/ ... trophe.pdf

Boris Büche
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Re: Neuerlicher Lockdown für Sexarbeit

Beitrag von Boris Büche »

"Ob diese Maßnahme richtig oder falsch ist, soll in diesem Beitrag nicht debattiert werden." (BesD)

Dem Wielerschen Diktum: "Die Regeln dürfen nie hinterfragt werden" gemäß sich zu verhalten, war vielleicht nicht so fruchtbar?

"Sex mit Maske geht!" war zunächst unumgänglich. Keine Frage. Dabei blieb es dann aber auch. Die erstmal genauso pauschal betroffene Gastronomie hat Hygienestandards entwickelt und eingehalten, war damit erfolgreich - das RKI bestätigte dies ausdrücklich vergangene Woche - und, was ist der Lohn? Hohn!

Jede/r möge sich heutzutage mal besinnen, ob sie, oder er der moralisierenden Gebetsmühle der veröffentlichten Meinung erlegen ist, oder lediglich taktisch mit Anpassung an die "Regeln" reagiert hat, im Geiste das Narrativ aber nicht übernahm.

Eine "Pandemie" ist zu wesentlichen Teilen ein gesellschaftliches, und nicht rein medizinisches Geschehen. Die Fixierung des Denkens und Handelns auf das "nackte Leben" (Giorgio Agamben) wurde uns von den Publizierenden und Regierenden vorgeprägt, und viel zu viele Mitmenschen sind darauf geistig eingestiegen. Auf dieser Ebene ist ein Ende der "Pandemie" nicht zu hoffen, bevor der Blick geweitet wird.

Leben ist mehr als schlichte Existenz!
Was über physisches Leben hinausgeht, werden wir uns allerdings wohl wieder erkämpfen müssen.
Um die gesellschaftliche Lage ist es weit ernster bestellt als um die gesundheitliche, und grundsätzlicher.
Der STERN titelte heute:
"Der neuerliche Lockdown funktioniert nur, wenn die Leute ihr logisches Denken ebenfalls beschränken"
- es liest sich, als sei dies der Erklärung der Kanzlerin entnommen (nicht geprüft).

Dies ist nichts geringeres als die Absage an mindestens 500 Jahre (europäischer) Kulturgeschichte.
Der Aufruf, ein neues Zeitalter des Glaubens, die postfaktische Welt, zu betreten, und die Tür zu schließen hinter sich.

P.S.: Ich bin Wissenschaftler, und Unlogik ist mir ein Greuel. Von daher ist es selbstverständlich, dass ich keinerlei Verschwörungsglauben anhänge.
Es gibt keine Illuminaten.
Was es hingegen nachgewiesenermaßen gibt: Die grundsätzliche Fähigkeit menschlicher Communities zur Massenhysterie; einen als Rest unserer Affennatur erstmal vorhandenen Hang zur Anpassung an die Alphatiere der Gruppe; Medien, die immer schneller agieren und immer weniger recherchieren, dabei stets mögliche Sensationen im Auge haben; sowie unfähige politische Akteure, deren Weltverständnis so klein ist wie ihr Narzissmus groß. Diese Kombi reicht vollkommen aus, das Geschehen zu erklären.

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Tilopa
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Re: Neuerlicher Lockdown für Sexarbeit

Beitrag von Tilopa »

Mir geht es genauso @Boris! Der Beitrag ist brilliant!

Ich gehe nach den jüngsten politischen Entscheidungen jetzt umso mehr in den Widerstand.
(Ist ja auch ein Leichtes, denn heutzutage ist man ja schon nicht mehr systemkonform, wenn einem Mitmenschlichkeit noch irgendwie wichtig ist oder man auf grundlegendste wissenschaftliche Prinzipien besteht. :003 )

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MademoiselleRuby
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Re: Neuerlicher Lockdown für Sexarbeit

Beitrag von MademoiselleRuby »

Hallo,
Also ich bin da etwas anderer Meinung:
Ich finde die steigenden Infektionszahlen sehr beängstigend und bringe dem Slogan: "Öffnet die Bordelle" in dieser Pandemie immer weniger Sympathie entgegen.
Für mich zählt Infektionsschutz und eine zentrale Forderung ist für mich ein bedingungsloses Grundeinkommen für ALLE, egal ob registriert oder nicht. Dringend müssen auch Themen wie Unterkünfte für Obdachlose und Drogengebrauchende Sexworker:innen, frewillige Beratung und Schutz vor Abschiebung thematisiert werden.

Ich bin ehrlich gesagt leid, mich für die Betriebe einzusetzen, als hätten wir keine anderen Themen. Die Prostitutionsstätten müssen in meinen Augen unterstützt werden, aber aus Sexwork-Sicht gibt es gerade wichtigeres zu tun als wieder endlose Klageverfahren einzuleiten und in der Folge dann auf den illegalisierte Kolleg:innen herunzuhacken, die sich selbst organisieren und nicht in die Bordelle "zurückkehren".

Die Medien spielen in der Eskalation eine große Rolle. Aber ich möchte in den kommenden Wochen die Gelegenheit von Interviews nutzen um auf die Bedürfnisse von Sexarbeitenden egal ob legal oder illegal hinzuweisen.

Grüße,
Ruby
www.mademoiselleruby.com
Podcast: www.whoroscope.eu

Twitter: @KF_SW_aktivsm

Boris Büche
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Re: Neuerlicher Lockdown für Sexarbeit

Beitrag von Boris Büche »

"Ich finde die steigenden Infektionszahlen sehr beängstigend"

Dann klappt es ja bestens!

Drum im Frühjahr die Verwendung absoluter, kumulierter Zahlen - über drei Monate wurde scheinbar niemand wieder gesund - , von großzügigst addierten Sterbeziffern ohne Relation zum "Normal", und jetzt der sogenannten Infektionszahlen.
Diese sind eine Zählung positiver Ergebnisse von über 500 verschiedenen Testkits die am Markt sind, mit unbekannter Genauigkeit und Aussagekraft, und in der Regel wird nicht dokumentiert, welches Produkt wo, wann, bei wem angewendet wurde.

Was sich offensichtlich beißt, ist der Alarmismus und die daraus abgeleitete Maskenpflicht, gegenüber dem gleichzeitigen Versäumnis, eine Qualitätskontrolle sogenannter Alltagsmasken vorzunehmen - es wäre schließlich im öffentlichen Interesse zu wissen, welche Modelle mehr, und welche weniger brauchbar wären - FALLS derlei Wissen von Nutzen wäre. Unsere Behörden und die Stiftung Warentest sind seit Monaten untätig.
Es gibt lediglich eine Bewertung des Bundesamts für Medizinprodukte vom 26. Juni, in der Hersteller und Anbieter von modischen Gesichtstextilien (Zitat BAfM) darauf hingewiesen werden, dass sie das Wort "Schutz" im Zusammenhang mit diesen Produkten nicht verwenden dürfen.

etceteracetera . . .

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Re: Neuerlicher Lockdown für Sexarbeit

Beitrag von Boris Büche »

Es ist ja offenbar zunehmend wichtiger, ob man "seriös" oder ein Corona-Leugner" ist.
Diese Sortierung wird uns noch lange begleiten - wenn wir sie mitmachen.

Mein Tipp als Biologe: Bis April wird Lockdown sein. Für Sexarbeit sicher länger.
Vor dieser Perspektive möchte ich mal an was erinnern: Am 14. März 2020 verbreitete das Bundesgesundheitsministerium über Twitter:

"Es wird behauptet und rasch verbreitet, das Bundesministerium für Gesundheit/die Bundesregierung würde bald massive weitere Einschränkungen des öffentlichen Lebens ankündigen. Das stimmt NICHT! Bitte helfen Sie mit, ihre Verbreitung zu stoppen.“

Am 22. März 2020 einigten sich Bund und Länder auf eine umfassende "Beschränkung sozialer Kontakte". Für Bayern lagen zwischen der Warnung vor der "Falschmeldung" und ihrem Eintreten nur zwei Tage.
Berlin hat ein Hühott dieser Art vergangenen Freitag, bezogen auf die Wiederöffnung der Schulen, binnen 57 Minuten geschafft - sollte Rekord sein!

KANN MAN SOLCHEN MENSCHEN / INSTITUTIONEN TRAUEN?

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Re: Neuerlicher Lockdown für Sexarbeit

Beitrag von Boris Büche »

P.S.:
Ich habe gestern dem Ordnungsamt Berlin persönlich angezeigt, täglich und vorsätzlich gegen unserere geltende Verordnung verstoßen zu wollen.
Ist ja nicht schwer. Sich verantwortlich, ansonsten normal zu verhalten reicht vollkommen aus.

Ja, und ich "leugne" einiges in dem Zusammenhang. Z.B. dass 2020 in Deutschland mehr Menschen gestorben wären, als 2019 geschätzt wurden.
Basis meiner Leugnung sind die Daten des statistischen Bundesamts. Muss von der AfD unterwandet sein . . .

Ich leugne weiterhin, dass 2020 mehr Menschen in Deutschland schwer erkrankt sind als 2019, mehr einer intensivmedizinischen Pflege bedurft, oder beatmet hätten werden müssen als 2019. Ich leugne SOGAR, dass in 2020 mehr Menschen als in 2019 aus dem Grund einer schweren akuten Lungeninfektion (SARI) in diese bedauerliche Lage geraten sind.

So als Wissenschaftler stehe ich halt mehr auf messbare Tatsachen, denn Behauptungen. Daten zu rund 4 Mio. (2019) bzw. 3,5 Mio. (2020) Krankenhausaufnahmen sollten einigermaßen repräsentativ sein, sind immerhin 20% der deutschen Krankenhauslandschaft:
https://www.initiative-qualitaetsmedizi ... 9-pandemie (ab Abb. 4 wird's interessant)
https://www.helios-gesundheit.de/filead ... 210112.pdf
(tagesaktuell ab Ende Oktober, abrufbar im grünen Kasten. Teildatenbestand, dafür pro Standort einzeln einsehbar)

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Re: Neuerlicher Lockdown für Sexarbeit

Beitrag von malin »

Danke für die Links. Ich kann auch nur jedem empfehlen sich selbst mit den aktuellen Zahlen und Statistiken zu versorgen - das RKI und Divi bieten da z.B. Erhellendes. Ist ein bisschen mühsam, da man sich durch z.T. unübersichtliche Tabellenberge und Zahlenreihen wühlen muss und dann alles noch selbst in einen sinnigen Kontext setzen sollte.

Aber es lohnt sich für alle die gerne eine realistische Einschätzung der aktuellen Lage hätten.

Dass der aktuelle Lockdown bis ca. Mitte/Ende März dauern wird fürchte ich auch - ab Mitte März werden jedenfalls die Zahlen saisonal bedingt sinken.
liebe grüsse malin

eventuell fehlende buchstaben sind durch meine klemmende tastatur bedingt :-)

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Re: Neuerlicher Lockdown für Sexarbeit

Beitrag von Kasharius »

Was das Berliner Hüh-hot hinsichtlich der Schulöffnungen angeht, weiß ich als Vater von mehreren schulpflichtigen Kindern ein Klagelied davon zu singen...Jedenfalls hat diese in sich nicht (mehr) stimmige Politik mit dem sonst so hochgehaltenen Kindeswohl nichts mehr zu tun. Nein ich leugne nicht, dass wier eine Corona-Pandemie haben und ich bin auch besorgt! Aber die Regierungspolitik tut gerade sehr vieles dafür, dass Leugner oder andere Populisten, denen es nicht so sehr um die Sache geht es leicht haben, sich in Ansichten bestätigt zu fühlen. Beispielshaft sei der jüngste bayrische Testballon hinsichtlich der Impflicht genannt. Und nicht jeder, der die Maßnahmen kritisiert ist ein populistischer Quertreiber. Davon zeugen schon die diversen stattgebenden Gerichtsurteile...

Kasharius grüßt

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Re: Neuerlicher Lockdown für Sexarbeit

Beitrag von Kasharius »

Wegen meines Beispiels zum Impfzwang für Pflegekräfte hier ein beachtenswerter Kommentar einer Betroffenen


https://www.n-tv.de/panorama/Wir-sind-k ... 87864.html

Kasharius grüßt

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Re: Neuerlicher Lockdown für Sexarbeit

Beitrag von Boris Büche »

@kasharius: "Was das Berliner Hüh-hot hinsichtlich der Schulöffnungen angeht . . ."

Ja, das war Rekord!
Von Eilmeldung: "Ab 11.01. Rückkehr in den Präsenzunterricht" zu Eilmeldung: "Vorerst keine Rückkehr in den Präsenzunterricht"
in sage und schreibe 53 Minuten!!!

Man KANN, man DARF solchen Menschen nicht vertrauen, Gebot der Vernunft. Das teile ich der Schule meines Kindes auch so mit. Für mich ist nur noch das Finanzamt eine legitime Institution - alle am Coronazirkus Beteiligten müssen erstmal beweisen, dass sie auf den Boden des Rechts zurückgekehrt sind.
Mein Kind geht seit September freiwillig in den Unterricht (wenn er denn stattfindet) - von mir aus braucht er sich das nicht antun. Die Schulsimulation via WEB hätte ich mir mit 14 auch nicht bieten lassen, also: Braucht er nicht. In einer "Bildung", die von Anhängern des Zwiedenk und Neusprech vermittelt werden könnte (Anhaltspunkte dafür liegen mir vor), in einer solchen "Bildung" erkenne ich nichts wertvolles.

Und sollte man auf die Idee verfallen, Testungen an den Schulen zur Vorraussetzung des Präsenzunterrichts zu machen,
dann verbiete ich ihm den Schulbesuch.

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Kasharius
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Re: Neuerlicher Lockdown für Sexarbeit

Beitrag von Kasharius »

...na ja, so krass sehe ich es nicht. Aber es nervt und Frau Scheeres ist die schlimmste Schulsenatorin ever...Wir bespassen drei Kinder im Home-Dingens und meine Frau noch ihre eigenen Schüler...demFA traue ich.....auch einiges zu...

Kasharius grüßt