Danke @Thorja für diese Solidaritätsadresse. Hoffen wir für AT das Beste.
Hier der Wortlaut einer Erklärung des BeSD e.V.:
Der Beschluss der Bundesregierung für einen neuen Lockdown ist gefallen. Das Zauberwort lautet nun nicht mehr Systemrelevanz, sondern diesmal heißt es „Freizeitaktivitäten einschränken“. Für Prostitutionsstätten gilt dies genauso wie für Kinos, Restaurants, Sportvereine usw. Ob diese Maßnahme richtig oder falsch ist, soll in diesem Beitrag nicht debattiert werden.
Ab dem 2.11. werden nun alle Freizeiteinrichtungen geschlossen für vier Wochen. Die Betonung liegt hier auf ALLE. Wir befürchten jedoch, dass es bei den Wiedereröffnungen dieses ALLE nicht mehr geben wird und die Sexarbeitsbranche wie beim letzten Mal ausgenommen wird.
Wir mussten uns nach dem ersten Lockdown in jedem Bundesland durch die Instanzen klagen, um das Geschäft wieder aufnehmen zu dürfen. Erst die Gerichte sorgten für Sachlichkeit und Gleichbehandlung. Unsere Branche steht grundsätzlich unter Generalverdacht, doch entgegen der Annahmen funktionieren die Corona-Maßnahmen bei uns gut.
Mundschutz, Unterarmlänge zwischen den Köpfen und auch die Kontaktdaten sind durchsetzbar – sogar besser als wir selber erwartet haben. Für den Straßenstrich wurde zum Beispiel in Köln ein Hygienekonzept entwickelt: Die Sexarbeitenden schreiben Autokennzeichen, Uhrzeit und ihren Namen auf und werfen diesen Zettel in einen Briefkasten der dortigen Beratungsstelle.
Unsere Branche hat ihren Beitrag geleistet, und so möchten wir auch behandelt werden, wenn es um die Auflösung der Schließungen geht.
Ein weiteres Problem unserer Branche ist, dass wir über einen sehr hohen Anteil an Menschen verfügen, die durch alle Maschen der sozialen Netze durchfallen. Diese leben oft von der Hand in den Mund und waren schon beim letzten Shutdown gezwungen illegal weiter zu arbeiten.
Der Berufsverband hatte hier sehr schnell reagiert und einen Nothilfefonds eingerichtet. In Zusammenarbeit mit Beratungsstellen wurden fast 150.000 Euro ausgeschüttet um die schlimmste Not zu lindern. Der Topf ist leer, und es ist eigentlich eine Schande, dass hier unser Verband eingreifen muss, was eigentlich Aufgabe des Staates sein sollte.
Genau diese Bedürftigen trifft das erneute Arbeitsverbot extrem hart. Unser Nothilfe-Fond kann HIER unterstützt werden.
Das kann aber nicht die Lösung für diese Personengruppe sein.
Eine Regierung, die gegen sämtliche Expertenmeinungen sogenannte ProstituiertenSchutzGesetze verabschiedet, läßt die zu Schützenden in Krisen alleine.
Autorin: Johanna Weber (politische Sprecherin des BesD)
https://berufsverband-sexarbeit.de/inde ... n-heissen/
Und ein aktueller Bericht auf Spiegel-Online
Nirgendwo galten die scharfen Corona-Beschränkungen so lange wie im Prostitutionsgewerbe. In Berlin etwa durften Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter erst Mitte August wieder ihrem Job nachgehen - und das auch nur unter strengen Vorschriften. In anderen Bundesländern wurden die Verbote noch später gelockert. Hygienekonzepte müssen erstellt, Termine verabredet, die Kontaktdaten hinterlassen werden - und beim Geschlechtsverkehr herrscht Maskenpflicht.
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Mehr als 40.000 Menschen gingen laut dem Statistischen Bundesamt Ende 2019 offiziell der Prostitution nach - und das sind nur die gemeldeten Gewerbe. Sollte sich der Bund mit dem angestrebten November-Shutdown durchsetzen, steht die Branche nun erneut vor dem Nichts. In der Beschlussvorlage, die an diesem Mittwoch mit den Ministerpräsidenten diskutiert werden soll, wird das Rotlichtmilieu ausdrücklich genannt. "Prostitutionsstätten, Bordelle und ähnliche Einrichtungen" seien zu schließen, heißt es.
Für die Branche wäre das ein schwerer Schlag - zumal die strengen Auflagen in der Zwischenzeit das Geschäft ohnehin erschwerten. "In der kurzen Öffnungszeit war das Kundenaufkommen deutlich geringer als in der Zeit vor Corona", sagt die Prostituierte Hanna vom Aktionsbündnis "Sexy Aufstand Reeperbahn".
Das Bündnis hatte sich in den vergangenen Monaten für die schnellstmögliche Öffnung der Bordelle eingesetzt und mangelnde staatliche Unterstützung beklagt. "Der Staat fickt uns, aber zahlt nicht" - war einer der Slogans.
"Mit einem neuen Shutdown kommt eine riesige finanzielle Not auf uns zu", sagt Hanna. "Keiner hat mehr Geld. Einen zweiten Shutdown schafft hier keiner mehr." Viele Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter seien selbstständig, bei einem Verbot verdienen sie keinen Cent. Das Geschäft werde sich noch weiter in die Illegalität verlagern, vermutet Hanna. Das sei schon beim ersten Mal so gewesen.
"Großes Drama für die Branche"
Auch Stefanie Klee vom Bundesverband Sexuelle Dienstleistungen, der Dutzende Bordelle, Laufhäuser und Nachtklubs vertritt, sieht neue Gefahren für die Betroffenen. "Wenn die Prostituierten illegal anschaffen gehen und sich auf der Straße oder in Hotels verabreden, steigt das Risiko, dass es gewalttätig wird oder sie beim Preis gedrückt werden", glaubt sie. Bordelle böten Sicherheit.
"Das wird ein großes Drama für die Branche", sagt auch Klee. Sie befürchtet etliche Pleiten - wie beim Kölner Großbordell "Pascha". Das angeblich größte Bordell Europas hatte Anfang September die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragt. Die Rücklagen des Betriebes seien durch die Corona-Beschränkungen im ersten Shutdown aufgebraucht, hieß es damals.
Klee findet das gesonderte Verbot von Prostitution "ungerecht und diskriminierend". Ihr sei kein einziger Fall bekannt, bei dem es durch Sexarbeit zu Corona-Infektionen gekommen wäre. Die Gefahr einer Ansteckung beim Sex sei unter den aktuellen Auflagen vergleichbar mit dem Risiko eines Friseurbesuchs. Friseursalons dürfen laut der Beschlussvorlage jedoch unter den geltenden Hygienekonzepten geöffnet bleiben.
Die Prostituierte Hanna blickt derweil auch mit Sorge auf das Ende der Beschränkungen - wann immer es kommt. Wenn die Zahl der Neuinfektionen sich irgendwann wieder auf niedrigerem Niveau befinde, habe sie eine Bitte an die Politik, sagt sie: "Sie sollen uns bei den Öffnungen diesmal nicht vergessen."
https://www.spiegel.de/panorama/gesells ... 6e3261f4f8
Kasharius grüßt und bleibt dran