D - Positionen politischer Parteien zur Sexarbeit

Beiträge betreffend SW im Hinblick auf Gesellschaft bzw. politische Reaktionen
Benutzeravatar
Aoife
Senior Admin
Senior Admin
Beiträge: 7068
Registriert: 2008-09-20, 21:37
Wohnort: Ludwigshafen am Rhein
Ich bin: Keine Angabe
Kontaktdaten:

#61

Beitrag von Aoife » 2009-09-24, 19:07

Jason hat geschrieben:Mit "Nichtstun" wurde noch nie etwas erreicht, ...
Da schließe ich mich 100% an :006

Nur sehe ich halt in der Formel "Wer nicht wählt, tut nichts" eine typisch Watzlawick'sche Scheinalternative.
Mein Weltbild ist schon etwas bunter, ich denke, da gibt es noch ganz andere Möglichkeiten, als einfach nur jemanden
mit meiner parlamentarischen Vertretung zu beauftragen, der nach aller Erfahrung aus der Vergangenheit
sowieso nur sein eigenes Süppchen kocht, sobald er den angestrebten Parlamentssitz hat.

Liebe Grüße, Eva
It's not those who inflict the most, but those who endure the most, who will conquer. MP.Vol.Bobby Sands
'I know kung fu, karate, and 37 other dangerous words'
Misspellings are *very special effects* of me keyboard

Benutzeravatar
Marc of Frankfurt
SW Analyst
SW Analyst
Beiträge: 14097
Registriert: 2006-08-01, 14:30
Ich bin: Keine Angabe
Kontaktdaten:

Re: RE: Wahlen

#62

Beitrag von Marc of Frankfurt » 2009-09-24, 21:51

Herr Dr.Hermann Scheer (SPD) hat geschrieben:Menschen gibt es nicht gegen Flatrate, egal wo und in welchem Gewerbe.

Wer Prostitution/Sexwork so definiert, indem er unreflektiert die herrschenden veralteten putophoben Definitionen "sich und seinen Körper verkaufen" zur Anwendung bringt, kann m.E. gar keine menschenwürdig, sachgerechte Politik im Sinne von Sexarbeitern machen, aufgrund von Sachverstandsdefiziten.



p.s.
Traditionelle Formen von Flatrate sind Brautgeld/Morgengabe/Mitgift ...

Auch die meisten Sexdienstleistungen werden irgendwie "pauschal" weil nämlich zuvor bezahlt, bei oftmals recht unkonkreten Absprachen über Durchführung, Intimitätsgrad, emotionaler Aufwand, Risiko des Unbekannten etc.
Und dennoch hat die SexarbeiterIn gerade durch die Konstruktion Vorkasse gestärkt durch ProstG Einklagbarkeit eine starke Position und kann die Dienstleistungserbringung steuern.
D.h. sie ist es die entscheidet über die sexuelle Mikrokommunikation [Ahlemeyer] und damit den tatsächlichen Grad der intimen Hingabe unabhängig von selbst von den eigenen Werbeaussagen.
Damit bleibt sie frei und nicht käuflich.
Dies gelingt Sexarbeitern allerdings nur, wenn sie stark sind, weil jung, begeht, mobil, schlau und in guter Verfassung, weil guter Verdienst, Lebensverhältnisse und nicht verfolgt wg. Sperrgebiet, Ausländergesetze, Steuerfahndung etc. und gut vorbereitet weil gut ausgebildet, erfahren, vernetzt und sicherer Arbeitsplatz, weil legal und nicht stigmatisiert, kriminalisiert ...
-> Sexworkerkompetenzen
viewtopic.php?t=3608
-> Strukturelle Sicherheit für Sexwoker
...



Linkübersicht Flatrate:
viewtopic.php?p=61383#61383 (Brief an Kanzlerin, Anzeige DC)
viewtopic.php?p=61942#61942 (Razzia Blog)
viewtopic.php?p=58196#58196 (Lokalnachrichten Stuttgart & Baden-Württemberg)
viewtopic.php?t=4860 (Lokalnachrichten Wuppertal)
viewtopic.php?t=4900 (Tanja's Besuch im Pussy Club)
viewtopic.php?t=4880 (Ihre Planung)
viewtopic.php?t=4892 (PC, SW-only)
viewtopic.php?t=4812 (Flatrate, SW-only)





.

Benutzeravatar
Marc of Frankfurt
SW Analyst
SW Analyst
Beiträge: 14097
Registriert: 2006-08-01, 14:30
Ich bin: Keine Angabe
Kontaktdaten:

#63

Beitrag von Marc of Frankfurt » 2009-09-24, 22:33

Warum Stimmen für kleine oder neue Parteien oder unabhängige Kandidaten nicht verloren sind.

Warum wählen besser ist als nichtwählen.





- Kandidaten/Parteien werden schrittweise bekannter und damit (hoffentlich) wählbarer.

- Der Sprung über die 5 % Hürde gelingt erst nach mehreren Wahlen.

- Themen werden bedeutsamer, weil sie in den großen Parteien evt. nur Scheinbefürwortungen/Randthemen sind, die politisch dort nicht umgesetzt werden.

- "Wahlkampfkostenerstattungen" ermöglicht zu Professionalisieren und gleichzeitig in mehreren Wahlkreisen anzutreten.

- Verhindern von Direktmandaten der großen Parteien (Stimmwegnahme-Effekte) lenkt zusätzliche Aufmerksamkeit auf die Themen der Kleinen.

- Nichtwähleranteil der Wahlboykotteure führt nicht zu einem geringeren Mandatsanteil, sondern wird proportional vereinnahmt. (Erst ab Wahlbeteiligung < 30 % wird eine Wahl international als problematisch eingestuft.)



http://www.heise.de/tp/r4/artikel/31/31189/1.html

Benutzeravatar
Tschepi
verifizierte UserIn
verifizierte UserIn
Beiträge: 213
Registriert: 2009-09-04, 19:07
Wohnort: Bayern
Ich bin: Keine Angabe

#64

Beitrag von Tschepi » 2009-09-24, 22:39

Hallo Marc

kann Dir nur beipflichten.

LG
Willi
Das Glück Deines Lebens hängt von der Beschaffenheit Deiner Gedanken ab.

(Marc Aurel)

Benutzeravatar
Dreibeiner
aufstrebend
aufstrebend
Beiträge: 19
Registriert: 2009-07-25, 16:05
Wohnort: Waiblingen
Ich bin: Keine Angabe

RE: Wahlen

#65

Beitrag von Dreibeiner » 2009-09-24, 23:05

gleiche Frage, Antwort heute von Hartfrid Wolff (FDP):
vielen Dank für Ihre Frage. Ich lehne ein Flatrate-Bordell, wie das in Fellbach frühere Etablissement ab. Menschen sind keine Ware. Insofern muss überprüft werden, ob gesetzgeberischer Handlungsbedarf besteht.

siehe: http://www.abgeordnetenwatch.de/hartfri ... ml#q227516


"Menschen sind keine Ware" - ja, das ist ein Argument:
siehe: http://de.wikipedia.org/wiki/Argument

Zitat:
"Scheinargumente
Während bei Fehlschlüssen noch versucht wird, rational (wenn auch fehlerhaft) zu argumentieren, benötigt ein Scheinargument keinen logischen Aufbau. Dennoch können Scheinargumentationen oft sehr wirkungsvoll sein.
...
Ethisches Argument
Das Argumentum e consentu/consensu gentium zielt gerade bei ethischen Debatten die Aufmerksamkeit auf Prinzipien, die praktisch von allen Menschen geteilt werden und hier von der Zuhörerschaft übernommen werden sollen. Beispiel: „Bei allen Kulturen dieser Welt gilt der Mord an einem gleichberechtigten Menschen als schweres Verbrechen. Auch hier unter uns ist Mord immer ethisch verwerflich.“
Auch manipulierend als das Herausstellen einer Position als eine so allgemein anerkannte Wahrheit, dass ein Widerspruch absolute Unwissenheit und Weltfremdheit suggeriert.
„Jeder (Schuljunge) weiß doch, dass jede Verbrennung Flammen erzeugt.“
Mittels dieser typischen Einleitung versucht der Argumentierende kritisches Nachfragen seiner Position zu verhindern, indem er Angst und Scham vor der eigenen Unwissenheit erzeugt."

... aber so recht zufrieden bin ich nun mit meiner Einordnung dahin noch nicht ... wenn ich Wolffs Aussage lese, so steht halt (für mich) unmissverständlich da: Flatrate ist Menschenhandel ... war diese These aus meiner Fragestellung schon so rauszulesen?

Hanna
PlatinStern
PlatinStern
Beiträge: 908
Registriert: 2007-10-08, 19:06
Ich bin: Keine Angabe

#66

Beitrag von Hanna » 2009-09-25, 23:09

zur Entscheidungshilfe sei hier nochmal der "Wahl-o-Mat" im internet empfohlen!

A propos: den "Piraten" traue ich einen Überraschungserfolg zu obwohl ich sie nicht wähle

Benutzeravatar
Tschepi
verifizierte UserIn
verifizierte UserIn
Beiträge: 213
Registriert: 2009-09-04, 19:07
Wohnort: Bayern
Ich bin: Keine Angabe

#67

Beitrag von Tschepi » 2009-09-26, 07:21

Hallo Hanna
habe den "Wahl-o-Mat" ganz übersehen. Danke für den Hinweis.
Als Entscheidungshilfe nicht schlecht. Auswertung war ganz interessant. Habe schon richtig gewählt.
LG
Willi
Das Glück Deines Lebens hängt von der Beschaffenheit Deiner Gedanken ab.

(Marc Aurel)

Benutzeravatar
Marc of Frankfurt
SW Analyst
SW Analyst
Beiträge: 14097
Registriert: 2006-08-01, 14:30
Ich bin: Keine Angabe
Kontaktdaten:

Verhalten von Wählern und Nichtwählern seit Gründung

#68

Beitrag von Marc of Frankfurt » 2009-09-26, 12:10

% von Wählern und Nichtwählern in der Bundesrepublick Deutschland


Bild


Die "Volkspartei" der Nichtwähler hat jedoch keinen Einfluß.

http://frontal21.zdf.de





.
Zuletzt geändert von Marc of Frankfurt am 2009-09-26, 16:38, insgesamt 1-mal geändert.

Benutzeravatar
Marc of Frankfurt
SW Analyst
SW Analyst
Beiträge: 14097
Registriert: 2006-08-01, 14:30
Ich bin: Keine Angabe
Kontaktdaten:

#69

Beitrag von Marc of Frankfurt » 2009-09-26, 16:33

Was ist das denn für eine Focus-Nachricht:

Merkwürdig formatierte Pflichtveröffentlichung?

http://kurse.focus.de/news/DGAP-Media-D ... 62074.html

Wahlwerbung?

Benutzeravatar
Marc of Frankfurt
SW Analyst
SW Analyst
Beiträge: 14097
Registriert: 2006-08-01, 14:30
Ich bin: Keine Angabe
Kontaktdaten:

Letzte Prognosen vom Abend vor der Wahl

#70

Beitrag von Marc of Frankfurt » 2009-09-27, 00:08

Ergebnis letzte Bundestagswahl 2005:

%
35,2 CDU/CSU
34,2 SPD
09,8 FDP
08,1 Grüne
08,7 Linke





Prognosen 2009

BILD Forsa Umfrage vom 20.9.9:
http://www.bild.de/BILD/politik/wahlen/2009.html
36 CDU
26 SPD
12 FDP
10 Grüne
11 Linke
05 Sonstige

Weitere Telefonumfragen (sog. sonntagsfrage):
http://www.wahlrecht.de/umfragen/index.htm

Abstimmung TV-Total Wahlshow 26.9.9:
http://tvtotal.prosieben.de/tvtotal/spe ... 05314.html
26,6 CDU/CSU
17,7 SPD
19,9 FDP
15,4 Grüne
20,5 Linke

Daraus berechnete Prognose von TV-Total für die Bundestagswahl:
31,5 -4,5 CDU/CSU
16,8 -9,2 SPD
14,5 +2,5 FDP
14,5 +4,5 Grüne
16,8 +5,8 Linke

google Suchabfragenstatistik:
http://www.google.de/landing/elections09/
34,2 CDU/CSU
33,2 SPD
19,2 FDP
06,8 Grüne
12,9 Linke
10,9 Piraten

Xing Wahlbarometer:
http://wahl.xing.com/wahlbarometer/aktuelle-woche
06,2 CDU/CSU
13,0 SPD
07,0 FDP
08,4 Grüne
11,1 Linke
51,6 Piraten
02,7 Sonstige

studiVZ.net Ergebnis der Sonntagsfrage (6. Woche vom 14. bis 20. September 2009:
http://www.studivz.net/wahlzentrale
Bild
älteres Bild
http://sexworker.at/phpBB2/viewtopic.php?p=65923#65923


Sexworker.at Umfrage:
00 CDU/CSU
00 SPD
07 FDP
35 Grüne
42 Linke
00 REP, BüSo, PSG, DKP, DVU, Die VIOLETTEN, Die Tierschutzpartei, ödp
14 Piraten
00 Ungültige
Wahlbeteiligung
14 von 20.000 visits/day = 7,0 x 10^-4 oder
14 von 3.454 Mitgliedern = 0,000.289
:-((





.

Benutzeravatar
Marc of Frankfurt
SW Analyst
SW Analyst
Beiträge: 14097
Registriert: 2006-08-01, 14:30
Ich bin: Keine Angabe
Kontaktdaten:

Vorläufiges Endergebnis

#71

Beitrag von Marc of Frankfurt » 2009-09-27, 20:45

Die Wahl scheint jetzt bereits entschieden, auch wenn der Bundeswahlleiter bisher noch keine amtlichen Endergebnisse hat:
http://www.bundeswahlleiter.de/de/bunde ... rgebnisse/

Die kommende Bundesregierung wird nach 15 Jahren wohl wieder von einer bürgerlichen schwarz-gelben Mehrheit gebildet werden.

Die Sozialdemokraten haben über 10 % verloren und ca. 2 Millionen ihrer Wähler haben die Wahl verweigert.





Aufgrund des nicht wie vom Bundesverfassungsgericht zwar angemahnt aber bisher nicht reformierten Wahlrechtes, ist die Mehrheit nicht anhand der Stimmverteilung der Parteien durch die Zweitstimmen abzulesen:

% (ARD/DIMAP-Hochrechnung 20 Uhr):

33,9 -1,3 Union CDU/CSU (27,4 CDU; 6,5 CSU in Bayern)
23,1 -11,1 SPD
14,5 +5,0 FDP
10,5 +2,4 Grüne
12,1 +3,4 Linke
_5,9 +2,0 Sonstige (darin 2,0 Piraten)

77,6 -5,0 Wahlbeteiligung
48,4 Union+FDP


Die siegreiche Mehrheit der neuen tiegerentenfarbenen-schwarz-gelben Koalition ergibt sich erst aus der komplizierten Berechnung der Sitzverteilung aus Wahlkreisdirektmandaten der Erststimmen plus Landeslistenplätzen der Zweitstimmenverteilung:

231 CDU/CSU
147 SPD
_92 FDP
_67 Grüne
_77 Linke

614 Sitze insgesamt (vorläufig)
308 erforderliche Mehrheit
323 Union+FDP (52,6 %)


Überhangmandate:
http://de.wikipedia.org/wiki/%C3%9Cberh ... ite_ref-10

Die neue Piratenpartei hat die 5 % Hürde deutlich verfehlt. Ihr hohes Abbild in der virtuellen Welt insbesondere den on-line Medien entsprach offensichtlich nicht der deutschen Wirklichkeit. Die gehypte Macht des Internets als außerparlamentarischem Bürgermedium muß deutlich relativiert werden (Internetblase?).
Die Ergebnisse der unabhängigen Erststimmenkandidaten für das Bedinungslose Grundeinkommen werden hier gesammelt:
http://aktuelles.archiv-grundeinkommen. ... Ergebnisse





Die Mehrheit der Bürger hat sich in der Rezession für die Rückbesinnung auf konservative Werte, die große Mitte und Wirtschaftskompetenz entschieden. Dass das für Prostitution nicht zwangsläufig Gutes bedeutet ist wohl allen klar. Auch dringt prostitutionsfeindliche Politik aus Schweden inzwischen immer näher bis an unsere nördliche Landesgrenze heran. Die Zukunft bleibt sehr ungewiß aber zumindest spannend.

[Zahlenangaben ohne Gewähr.]





"WENN WAHLEN ETWAS ÄNDERN WÜRDEN; WÜRDEN SIE VERBOTEN WERDEN...!!!!"
-Facebook User





.

Benutzeravatar
nina777
Senior Admin
Senior Admin
Beiträge: 5026
Registriert: 2008-05-08, 15:31
Wohnort: Minden
Ich bin: SexarbeiterIn

Antrag im Kreisverband, die Grünen

#72

Beitrag von nina777 » 2009-10-02, 13:24

Verbote sind nur Schein- Prostitution progressiv gestalten

28.09.2009: AntragstellerInnen: Maximilian Pichl (Mitglied im Bundesvorstand, KV Bad Kreuznach)

Einleitung

Die Prostitution gilt als eines der umkämpftesten Politikfelder in feministischen Diskursen. Einige Gruppen lehnen die Prostitution kategorisch ab und verweisen auf die patriarchalen Strukturen innerhalb des Sex-Gewerbes und die strukturelle Ausbeutung der Frauen. Andere feministische Gruppen möchten durch eine Legalisierung eine stärkere staatliche Kontrolle des Gewerbes und bessere Bedingungen für die Prostituierten erreichen. Gemeinsam ist den Debatten, dass sie sehr stark durch moralisierende Argumente und Vorwürfe geprägt sind. Klar ist, dass die Prostitution die Würde der Frau sehr stark verletzt. Eine Verletzung der Menschenwürde, abgeleitet aus Art. 1 des Grundgesetzes, liegt mithin dann vor, wenn ein Mensch zu einem reinen Objekt degradiert wird. Zweifellos passiert dies im Prostitutionsgewerbe und ist immanenter Bestandteil eines solchen Systems, welches den Körper der Frau zu einem Lustobjekt für den Mann konstruiert. Die GRÜNE JUGEND sieht in der Würde des Menschen einen unveräußerlichen Wert der gegen jeden Eingriff geschützt werden muss. Unsere Vorstellung einer Gesellschaft der größtmöglichen Freiheit geht jedoch auch von der Prämisse aus, dass es entweder eine komplett freiwillige Prostitution gibt oder gar keine Prostitution. Solange wir jedoch in keiner freiheitlichen Gesellschaft leben, muss unser Bestreben darin liegen, die jetzige Situation von Prostituierten deutlich zu verbessern. Daher lehnen wir Verbotskampagnen, wie sie dem Schwedischen Modell entsprechen, ab und fordern eine Legalisierung der Prostitution unter den im Folgenden genannten Bedingungen.

Es gibt keine einheitliche Prostitution

Prostitution wird gemeinhin in Filmen und Nachrichten per se in immer wiederkehrenden Konstellationen dargestellt. Die Rollenverteilung von Täter (dem Freier) und dem Opfer (der Prostituierten) sind klar gezogen und unverrückbar im gesellschaftlichen Diskurs. Jedoch wird dies dem realen Bild der Prostitution nicht gerecht. Eine emanzipatorische Herangehensweise an dieses Feld lässt sich nicht über Moralkeulen erreichen, sondern sollte eine Enttabuisierung dieses Gewerbes im Fokus haben. Als Pole werden in der Debatte zumeist die Prostitution als freiwillig ausgeübte Dienstleistung einerseits und die sexuelle Ausbeutung andererseits gesehen. Sicher ist es nicht einfach von Freiwilligkeit in einer bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft zu sprechen, welche Menschen dazu zwingt ihren Körper als Verkaufsobjekt zur eigenen Existenzsicherung darzubieten. Ein ökonomischer Zwang besteht immer. Zu kurz gegriffen ist ebenfalls die These, dass die Frauen keine andere Wahlmöglichkeit hätten. Viele Prostituierte sind sehr gut ausgebildet und tatsächlich bietet der derzeitige Arbeitsmarkt, gerade für Frauen, oftmals keine Jobalternativen. Dennoch gibt es einige Prostituierte, die sich bewusst für diese Tätigkeit entscheiden, selbstbestimmt in ihrem Gewerbe ohne Zuhälter arbeiten und sich in kleineren Gemeinschaften (sogenannten Stundenwohnungen) organisieren.
Für einen Großteil der Frauen trifft dies jedoch leider nicht zu. Gerade im Zuge der EU-Osterweiterung hat sich das Problem der Prostitution erheblich verschärft. Ein reger Frauenhandel findet an den Grenzen statt. In solchen Zwangsverhältnissen haben die Frauen keinerlei Wahlmöglichkeit und sind eingebunden in ein gewaltsames System der Ausbeutung. Jedoch glauben wir als GRÜNE JUGEND nicht, dass sich die Lebensbedingungen dieser Frauen durch ein Verbot verbessern ließe. Solange es eine bestehende Nachfrage nach solchen Dienstleistungen gibt wird es auch einen Markt geben, auf dem sich Frauen dazu gedrängt sehen ihren Körper zu verkaufen. Jegliche Kriminalisierungen würden gegenüber den Frauen einen Bärendienst leisten, da die Prostitution in den Untergrund verlagert werden würde. Dort haben die Frauen keinerlei Möglichkeiten mehr ihre Lage zu verbessern und sich Lebensperspektiven zu erhalten. Auch bestehende Gesetzesmodelle, wie das Prostituiertengesetz (ProstG) aus Deutschland oder das Schwedische Modell haben nur unzureichende Veränderungen herbeigeführt und das Problem nicht in der Gänze erfasst.

Das Prostitutionsgesetz (ProstG)

Im Jahr 2002 verabschiedete die damalige rot-grüne Bundesregierung das ProstG. Freiwillige Prostitution sollte legalisiert und reguliert werden. Dem Gesetz waren Entscheidungen verschiedener Gerichte vorangegangen, die die Prostitution unter den Schutz von Art. 12 GG (Berufsfreiheit) gestellt hatten. Die Ziele des ProstG waren hoch gesteckt: Prostitution gilt seit dem ProstG nicht mehr als sittenwidrig und Prostituiere können sich bei der Kranken-, Renten- und Arbeitslosenversicherung anmelden. Den Prostituierten ist weiterhin freigestellt, ob sie selbstständig oder als Angestellte arbeiten wollen, ihnen steht ein Recht auf Umschulung zu und bessere Ausstiegsmöglichkeiten sollten geschaffen werden. Die heutige Situation von Prostituierten ist jedoch bei weitem nicht so gut, wie von dem Gesetz bezweckt. Kriminelle Netzwerke haben sich im Rotlichtmilieu etabliert, durch die Regulation des Arbeitsverhältnisses zwischen Prostituierten und den Bordellbetreibern wurde gerade die Rolle der Bordellbetreiber gestärkt und die gesellschaftliche Akzeptanz für dieses Gewerbe hat sich in keinster Weise verbessert.

Das Schwedische Modell

In Schweden ist man einen anderen Weg als in Deutschland gegangen. Das Schwedische Modell gilt seit dem Jahr 1999 und bis auf die Prostituierten werden alle Beteiligten der Prostitution verfolgt und die Freier werden mit hohen Strafen belegt. In Deutschland wird dieses Modell vor allem von feministischen Kreisen aus dem Umfeld der EMMA befürwortet. Das Gesetz hat jedoch auch immense Schwächen. Seit Inkrafttreten des Gesetzes ist vor allem die Straßenprostitution aus dem öffentlichen Leben verschwunden, jedoch kann bis heute nicht nachgewiesen werden, inwieweit die sexuelle Ausbeutung von Frauen durch Zuhälter abgenommen hat. Alles lässt darauf schließen, dass die Illegalisierung der Prostitution diese vor allem in den Untergrund verlagert hat. So gab es im Jahre 2005 einen erstaunlichen Anstieg von registrierten Strafverfahren gegen Freier (460 Verfahren wurden eingeleitet). Dieser Anstieg ist jedoch vor allem deshalb zu erklären, weil zu diesem Zeitpunkt gezielte Razzien der Strafverfolgungsbehörden in Geheimbordellen durchgeführt wurden. Das Sexkaufverbot hat sich lediglich gegen die freiwillige Sexdienstleistung gewendet, die Zwangsprostitution floriert weiter und die Anzahl von Zuhältern steigt, denn die Frauen haben ohne die Zuhälter praktisch keine Chance an Kunden heranzukommen. Seitdem Freier in Schweden bestraft werden, gibt es zudem einen großen Sextourismus ins Baltikum. Der Film „Lilja 4-ever“ hat eindrücklich gezeigt, dass der Mädchenhandel nach Schweden weiterhin erfolgreich durchgeführt wird und die Frauen über keinerlei Rechte mehr verfügen.
Die Kriminalisierung hat dem Gewerbe in keinster Weise geschadet. Staatliche Verbote sind immer wieder ins Leere gelaufen, wie der Verbot von Alkohol oder Drogen eindrücklich zeigen. Der Begleiteffekt solcher Gesetze ist eine heuchlerische Doppelmoral, die gesellschaftliche Realitäten verschweigt und den Prostituierten nicht dienlich ist. Der Sex mit den Frauen findet vielleicht nicht mehr im öffentlichen Raum statt, dafür weicht dieser auf die unkontrollierbaren Campingplätze oder in Geheimbordelle aus. Eine Kriminalisierung von Prostitution fördert zudem eine gesellschaftliche Stigmatisierung der Frauen, die diesem Gewerbe nachgehen. Ein Ausstieg aus diesem Gewerbe wird ihnen daher sogar noch erschwert.

Patriarchale Strukturen aufbrechen!

Eine Kriminalisierung löst nur die Probleme am Gipfel des Eisbergs. Die Wurzeln der sexuellen Ausbeutung haben ihren Ursprung in einer strukturell patriarchalen Gesellschaft und einem entwürdigenden Frauenbild, welches sich in den Medien und der Öffentlichkeit stets aufs Neue reproduziert. Im Prostitutionsgewerbe findet diese gesellschaftliche Realität ihren krassesten Ausdruck. Vor allem im Verhältnis zwischen Prostituierten und den Zuhältern spiegelt sich die männerdominierte Ausbeutung wieder. Diese setzen die Frauen unter Druck und zwingen sie Dinge zu tun, die die Frauen niemals freiwillig machen würden.
Gerade die neueren Formen der Prostitution in Form der Flatratebordelle zeigen das Problem auf. Der Besucher eines Flatratebordells zahlt einen einmaligen Tageseintritt und darf dann sooft er will die Frauen sexuell ausbeuten. In solchen Bordellen dürfen sich Frauen oft gar nicht bekleiden, keinen Kontakt zu den anderen Prostituierten halten und müssen alles tun was der Freier möchte. Der Kaufvertrag wird zwischen dem Freier und dem Bordellbetreiber geschlossen, die Frau kann an diesem nicht mitwirken.
Solche Bordelle sind die Manifestation von ungerechten Geschlechterverhältnissen. Das Ziel einer emanzipatorischen Politik muss es daher sein gerade diese Geschlechterverhältnisse aufzudecken und für deren Abschaffung zu sorgen. Nur eine Gesellschaft der Gleichberechtigung kann männerdominierte Strukturen nachhaltig zerstören.

Unser Ziel: die progressive Prostitution


Prostitution wird nie frei sein von gesellschaftlichen Machtstrukturen. Aber in einer Gesellschaft wie dieser ist jedes Verbot kontraproduktiv für die Frauen und verschlechtert ihre Situation. Als GRÜNE JUGEND streiten wir daher für eine progressive Prostitution.

Wir wollen:

- die vollständige Entkriminalisierung der Prostitution - Die Abschaffung der abhängigen Beschäftigung von Prostituierten. Ein Weisungsrecht sollte es bei der Sexualität nicht geben. - Nur direkte Verträge zwischen den Freiern und der Prostituierten sollen Gültigkeit haben. Verträge, die über Dritte, z.B. den Zuhälter laufen, sind als unwirksam anzusehen. Die rechtliche und soziale Stärkung der Prostituierten. Sie brauchen einen gesetzlich geregelten Mindestlohn, müssen sich gewerkschaftlich organisieren dürfen und vollen Anspruch auf Sozialleistungen haben.- Bordelle müssen als Gewerbe angemeldet werden. Nur wenn für Bordelle Konzessionen benötigt werden, kann eine Regulation und Kontrolle seitens der Gewerbeaufsicht erfolgen. Migrantische Prostituierte müssen einen sicheren Aufenthaltsstatus haben. Prostitution ist oft auch Folge einer Migrationspolitik, die Menschen illegalisiert und zu jeder Arbeit nötigt.- Das Schutzalter muss auf 21 Jahre erhöht werden. Regelmäßige Pflichtuntersuchen für alle Prostituierten! Die Präventionsmöglichkeiten für Geschlechtskrankheiten müssen deutlich ausgebaut werden. In Bordellen darf es nur geschützten Verkehr geben. HIV-Tests für Freier müssen zur Pflicht werden.- Eine stärkere Beachtung des Thema Prostitution in allen gesellschaftlichen Bereichen, gerade auch in der Schule. - Eine selbstbestimmte Sexualität und die uneingeschränkte Verfügungsgewalt der Frau über ihren eigenen Körper. - Das oberste Ziel muss der Ausstieg bleiben. Kostenlose Aussteigerinnenprogramme und Umschulungsmaßnahmen müssen angeboten werden. - Letztendlich setzen wir uns für eine emanzipatorische Gesellschaft ein, die eine freie Lebensgestaltung fernab von ökonomischen Sachzwängen ermöglicht.

http://www.gruene-jugend.de/show/618988.html
I wouldn't say I have super-powers so much as I live in a world where no one seems to be able to do normal things.

Benutzeravatar
Aoife
Senior Admin
Senior Admin
Beiträge: 7068
Registriert: 2008-09-20, 21:37
Wohnort: Ludwigshafen am Rhein
Ich bin: Keine Angabe
Kontaktdaten:

#73

Beitrag von Aoife » 2009-10-02, 14:22

Habe ihnen mal folgendes feed back gegeben:

Sehr geehtre Damen und Herren,

auf der Seite http://www.gruene-jugend.de/show/618988.html
haben Sie folgendes geschrieben:

"Wir wollen:
- die vollständige Entkriminalisierung der Prostitution - Die Abschaffung der abhängigen Beschäftigung
von Prostituierten. Ein Weisungsrecht sollte es bei der Sexualität nicht geben. - Nur direkte Verträge
zwischen den Freiern und der Prostituierten sollen Gültigkeit haben. Verträge, die über Dritte, z.B.
den Zuhälter laufen, sind als unwirksam anzusehen. Die rechtliche und soziale Stärkung der Prostituierten.
Sie brauchen einen gesetzlich geregelten Mindestlohn, müssen sich gewerkschaftlich organisieren dürfen
und vollen Anspruch auf Sozialleistungen haben.- Bordelle müssen als Gewerbe angemeldet werden. Nur wenn
für Bordelle Konzessionen benötigt werden, kann eine Regulation und Kontrolle seitens der Gewerbeaufsicht
erfolgen. Migrantische Prostituierte müssen einen sicheren Aufenthaltsstatus haben. Prostitution ist oft
auch Folge einer Migrationspolitik, die Menschen illegalisiert und zu jeder Arbeit nötigt.- Das Schutzalter
muss auf 21 Jahre erhöht werden. Regelmäßige Pflichtuntersuchen für alle Prostituierten! Die
Präventionsmöglichkeiten für Geschlechtskrankheiten müssen deutlich ausgebaut werden. In Bordellen darf
es nur geschützten Verkehr geben. HIV-Tests für Freier müssen zur Pflicht werden.- Eine stärkere Beachtung
des Thema Prostitution in allen gesellschaftlichen Bereichen, gerade auch in der Schule. - Eine
selbstbestimmte Sexualität und die uneingeschränkte Verfügungsgewalt der Frau über ihren eigenen Körper.

- Das oberste Ziel muss der Ausstieg bleiben. Kostenlose Aussteigerinnenprogramme und Umschulungsmaßnahmen
müssen angeboten werden. - Letztendlich setzen wir uns für eine emanzipatorische Gesellschaft ein, die eine
freie Lebensgestaltung fernab von ökonomischen Sachzwängen ermöglicht."

Hiergegen protestiere ich als selbstbestimmte und unabhängige Prostituierte auf's Schärfste.
Da Sie sich unter dem Deckmantel der von uns Prostituierten in die Diskussion eingebrachten Themen
(vollständige Entkriminalisiereung der Prostitution) für eine reaktionäre Prostitutionspolitik stark machen.

Schon Ihre Seitenüberschrift *Fight for Your Rights* ist angesichts der von Ihnen vertretenen
Inhalte nur als blanker Hohn zu verstehen.

Eine abhängige Beschäftigung von Prostitierten mit Weisungsrecht des Arbeitsgebers existiert in
Deutschland derzeit nicht, siehe ProstG. Da haben Sie anscheinend unkritisch die Deutungen der
Finanzverwaltung übernommen. Diese versucht natürlich solche Beschäftigungsverhältnisse zu
unterstellen, um Zugang zu den dann fälligen Sozialabgaben zu bekommen.
Ebenso ist die von Ihnen geforderte Vertragsstruktur schon seit 2001 gesetzliche Realität.

Das Schutzalter auf 21 Jahre anheben? Wo leben Sie denn? Hier in Deutschland beträgt das Schutzalter
exakt 21 Jahre. Was durchaus einen Nachteil für die 18 bis 20jährigen darstellt, da sie hierdurch
in die mit besonderen Schwierigkeiten belastete Strassenprostitution gedrängt werden.
Wieso wollen Sie ausgerechnet dieser Personengruppe das Recht absprechen, mit (und somit auch unter
dem Schutz) erfahrener Kolleginnen im Innenbereich zu arbeiten?

Regelmäßige Pflichtuntersuchungen für alle Prostituierten? Nennen Sie das "Eine selbstbestimmte
Sexualität und die uneingeschränkte Verfügungsgewalt der Frau über ihren eigenen Körper."?
Unter welchen Schlagworten noch wollen Sie denn uns ihre rückschrittliche Einstellung
schmackhaft machen.
Ganz abgesehen davon, dass Sie mit der Forderung nach Zwangsuntersuchungen nicht nur politisch
sich in Gegensatz zu UNO und WHO stellen, geade hier in Deutschland wurde die Zwangsuntersuchung
ja von den Gesundheitsämtern schon lange abgeschafft, bevor die Politik dieser vernünftigen
Maßnahme dann folgte. Weil die Zwangsuntersuchung letztendlich die Ausbreitung der Geschlechts-
krankheiten nur fördert. Übrigens auch die Zwangsuntersuchung von Freiern, wenn es nicht ihre
Absicht ist, die Volksgesundheit zu gefährden, sollten Sie dieses Thema ganz schnell vergessen.

Zuletzt aber, sozusagen als Krönung, Ihre Forderung: "Das oberste Ziel muß der Ausstieg bleiben."
Was bilden Sie sich eigentlich ein? Eine Schande, dass selbst Ihre angeblich doch so progressive
Partei einen solchen altbackenen Paternalismus in ihren Reihen duldet!
Es ist und bleibt meine (und NUR meine) Entscheidung, ob ich aussteigen will oder nicht.
Sie haben da keinerlei "Ziele" zu formulieren.
"Uneingeschränkte Verfügungsgewalt der Frau über ihren eigenen Körper" nur dann, wenn sie sich
Ihren Moralvorstellungen unterwirft - NEIN DANKE!

We Fight for Our Rights - und wir sind solche Bevormundungsversuche zum ... gewohnt.
Insofern nichts Neues. Aber das jetzt auch aus Ihren Reihen zu lesen, das enttäuscht gewaltig.

Hochachtungsvoll, ....


Liebe Grüße, Eva
It's not those who inflict the most, but those who endure the most, who will conquer. MP.Vol.Bobby Sands
'I know kung fu, karate, and 37 other dangerous words'
Misspellings are *very special effects* of me keyboard

Benutzeravatar
Arum
verifizierte UserIn
verifizierte UserIn
Beiträge: 961
Registriert: 2009-06-01, 13:35
Wohnort: Niederländische Grenzregion
Ich bin: Keine Angabe

#74

Beitrag von Arum » 2009-10-02, 18:17

          Bild


@ Aoife: Gut geschrieben!


Und wie ich so mal kurz im Überblick sehe, haben die keinen blassen Schimmer wovon sie eigentlich reden:
nina777 hat geschrieben: Der Besucher eines Flatratebordells zahlt einen einmaligen Tageseintritt und darf dann sooft er will die Frauen sexuell ausbeuten. In solchen Bordellen dürfen sich Frauen oft gar nicht bekleiden, keinen Kontakt zu den anderen Prostituierten halten und müssen alles tun was der Freier möchte.
So ein Blödsinn.

Man kann nur schliessen: wer sich politisch über Bordelle/Prostitution äussern möchte, sollte er erst selber mal hingehen!
Guten Abend, schöne Unbekannte!

Joachim Ringelnatz

Benutzeravatar
Aoife
Senior Admin
Senior Admin
Beiträge: 7068
Registriert: 2008-09-20, 21:37
Wohnort: Ludwigshafen am Rhein
Ich bin: Keine Angabe
Kontaktdaten:

#75

Beitrag von Aoife » 2009-10-02, 18:42

Arum hat geschrieben:Man kann nur schliessen: wer sich politisch über Bordelle/Prostitution äussern möchte, sollte er erst selber mal hingehen!
Oder zumindest nicht sein Unwissen durch krankhafte Phantasien ersetzen.

Was mich zu folgendem OT-Gedanken verleitet:
Wenn Politiker bezüglich eines Thema's, das wir kennen (also Prostitution) solch einen Schwachsinn verzapfen,
was soll uns denn dann das Vertrauen geben, dass sie sich in anderen Bereichen, die wir nicht so unmittelbar
kontrollieren können, besser auskennen?
Müssen wir nicht vernünftigerweise damit rechnen, dass Finanz-, Wirtschafts-, Arbeitsmarkt- & Verteidigungspolitik
(um nur einige wenige Beispiele zu nennen) ganauso laienhaft und realitätsfremd gehandhabt werden?

Liebe Grüße, Eva
It's not those who inflict the most, but those who endure the most, who will conquer. MP.Vol.Bobby Sands
'I know kung fu, karate, and 37 other dangerous words'
Misspellings are *very special effects* of me keyboard

Benutzeravatar
Tschepi
verifizierte UserIn
verifizierte UserIn
Beiträge: 213
Registriert: 2009-09-04, 19:07
Wohnort: Bayern
Ich bin: Keine Angabe

#76

Beitrag von Tschepi » 2009-10-02, 18:51

Liebe Aoife

Dein Text:
"Was mich zu folgendem OT-Gedanken verleitet:
Wenn Politiker bezüglich eines Thema's, das wir kennen (also Prostitution) solch einen Schwachsinn verzapfen,
was soll uns denn dann das Vertrauen geben, dass sie sich in anderen Bereichen, die wir nicht so unmittelbar
kontrollieren können, besser auskennen?
Müssen wir nicht vernünftigerweise damit rechnen, dass Finanz-, Wirtschafts-, Arbeitsmarkt- & Verteidigungspolitik
(um nur einige wenige Beispiele zu nennen) ganauso laienhaft und realitätsfremd gehandhabt werden?"

Liebe Grüße, Eva

Da hast Du vollkommen recht;;;;;;

Liebe Grüße
Willi
Das Glück Deines Lebens hängt von der Beschaffenheit Deiner Gedanken ab.

(Marc Aurel)

Benutzeravatar
Arum
verifizierte UserIn
verifizierte UserIn
Beiträge: 961
Registriert: 2009-06-01, 13:35
Wohnort: Niederländische Grenzregion
Ich bin: Keine Angabe

#77

Beitrag von Arum » 2009-10-02, 20:51

          Bild
Aoife hat geschrieben:
Müssen wir nicht vernünftigerweise damit rechnen, dass Finanz-, Wirtschafts-, Arbeitsmarkt- & Verteidigungspolitik
(um nur einige wenige Beispiele zu nennen) ganauso laienhaft und realitätsfremd gehandhabt werden?
Stimmt mindestens in Sachen Energie- und Umweltpolitik, und deren Zusammenhang mit der Wirtschaftspolitik. Es werden, wissentlich oder nicht, gefährliche Märchen erzählt. Aber das führt hier jetzt zu weit..
Guten Abend, schöne Unbekannte!

Joachim Ringelnatz

Benutzeravatar
Arum
verifizierte UserIn
verifizierte UserIn
Beiträge: 961
Registriert: 2009-06-01, 13:35
Wohnort: Niederländische Grenzregion
Ich bin: Keine Angabe

#78

Beitrag von Arum » 2009-10-02, 21:34

Ein schöner Zufall...

Dank Aoife's Link (viewtopic.php?p=66665#66665) stosse ich auf dieses wunderbare Zitat

(http://www.sexcoaching.com/SexSocialPolitical1.php):

....

In a nutshell, it comes down to this - as long as we can't talk about sex as pleasure and spiritual connection, as long as we are afraid of sex, it will continue to be our biggest problem. And out of that avoidance and fear grow all kinds of global repercussions, such as a population which has doubled since the year I was born (1960), an AIDS epidemic, food shortages, the daily burning of the Amazon forest, dwindling resources, increasing societal violence and never-ending wars.

Here are three primary reasons that sex and the destruction of the planet are linked:
1.
Over-Population and AIDS
(sex does not have to be procreative or dangerous)

2.
Competition for Resources
(sex-positive cultures tend to share resources)

3.
Consumerism
(tends to be a substitution for sexual/spiritual fulfillment)

...

Die Prostitution wäre da ein unentbehrliches Bestandteil einer Lösung... Aber wie geht das in die politischen Hirne hinein?
Guten Abend, schöne Unbekannte!

Joachim Ringelnatz

Benutzeravatar
Marc of Frankfurt
SW Analyst
SW Analyst
Beiträge: 14097
Registriert: 2006-08-01, 14:30
Ich bin: Keine Angabe
Kontaktdaten:

#79

Beitrag von Marc of Frankfurt » 2009-10-03, 01:28

die Linken

planen ProstG für Bremen



- Zwangsprostituierte, die als Zeuginnen vor Gericht aussagen, sollen ein langfristiges Aufenthaltsrecht bekommen, so die Forderung der Linken.

- Außerdem sollen betroffenen Frauen generell gesetzlich krankenversichert werden.

http://sexworker.at/phpBB2/viewtopic.php?p=66675#66675

Benutzeravatar
nina777
Senior Admin
Senior Admin
Beiträge: 5026
Registriert: 2008-05-08, 15:31
Wohnort: Minden
Ich bin: SexarbeiterIn

#80

Beitrag von nina777 » 2009-10-05, 20:30

Prostitutionsantrag

05.10.2009: Antragstellerinnen: Johanna Kutsche, Theresa Reintke, Nele Peerenboom, Dorothée Zombronner

"Die Würde des Menschen ist unantastbar" – Artikel 1 GG


Die GRÜNE JUGEND verurteilt jegliche Form der Prostitution. Der menschliche Körper ist keine Ware. Wir stellen uns gegen den Erklärungsansatz, der die Existenz der Prostitution mit dem Verhindern von Vergewaltigungen bzw. mit dem unbezwingbaren männlichen Trieb nach Geschlechtsverkehr rechtfertigt. Prostitution ist eine Form von Gewalt, gegen die der Rechtsstaat Mittel braucht.

Das Prostitutionsgesetz, von der rot-grünen Mehrheit im Bundestag 2002 verabschiedet, hat leider nicht die erhofften Ergebnisse erzielt. Prostitution floriert in Deutschland (was gerade an der Diskussion um Flatratebordelle gut zu beobachten ist), Prostituierte konnten weder aus der Illegalität geholt noch de facto anderen ArbeitnehmerInnen in Deutschland gleichgestellt werden. Die Motivation für dieses Gesetz war sinnvoll und richtig, leider hat die Realität gezeigt, dass es in weiten Teilen gescheitert ist. Deshalb bedarf es einer neuen Gesetzesinitiave, um dieser Problematik zu begegnen. Die Wiedereinführung einer "Sittenwidrigkeit" kann dabei nicht Ziel sein. Es ist naiv zu glauben, dass die Macht der Rotlichtkartelle und der Menschen, die viel Geld durch die Illegalität dieses Gewerbes machen, leicht zu brechen ist.

95% aller Prostituierten sind weiblich, täglich besuchen eine Millionen Männer (!) in Deutschland eineN ProstituierteN. Ein beliebtes Argument gegen die Illegalisierung von Prostitution kennen wir aus der Debatte über Atomkraft: dann gehen die Freier eben nach Ostdeutschland bzw. dann kriegen wir den Atomstrom aus Frankreich. Die Verlagerung der Problematik nach Osteuropa kann nicht Ziel einer sinnvollen Kampagne gegen Prostitution in Deutschland sein. Deshalb fordern wir nicht nur die Einführung des so genannten Schwedischen Modells in Deutschland, sondern auch eine kohärente Politik der Europäischen Union, um Prostitution und Menschenhandel zu bekämpfen:

Das Verbot des Kaufs und der Vermittlung von sexuellen Dienstleistungen!

Bedingungslose Aufenthaltsgenehmigungen für migrantische Prostituierte und Menschen, die Opfer von Menschenhandel geworden sind!

Aufklärung in Schulen Umfangreiche und qualitativ hochwertige AussteigerInnenprogramme, besonders nach der Umsetzung der Gesetzesänderung, um Prostituierten Alternativen zu geben!

Eine gesamteuropäische Initiave gegen Prostitution und Menschenhandel!

Eine befreite Sexualität für alle Menschen!

Hintergrund

Das schwedische Modell


Die Stigmatisierung und Kriminalisierung von Prostituierten (Prohibition) war und ist genauso Teil eines patriarchalen Machtapparats wie die absolute Objektivierung von Frauen in der Sexindustrie. Diese Art, gegen Prostitution vorzugehen, ist und bleibt heuchlerisch, unemanzipatorisch und frauenverachtend.

Das Verbot, Sex zu kaufen und zu vermitteln, wie es in Schweden seit 1999 Gesetz ist,(Abolition) zielt allerdings nicht auf die Verfolgung der Prostituierten, sondern auf Freier sowie Zuhälter ab und macht somit deutlich, wer in diesem System zur Verantwortung gezogen werden muss. Prostituierten darf zu keinem Zeitpunkt ein Nachteil durch das Gesetz entstehen. Ihr Schutz und ihre Selbstbestimmung müssen immer im Mittelpunkt der Umsetzung des entsprechenden Gesetzes stehen.

Dass Zuhälter und Menschenhändler dabei mit hohen Strafen zu rechnen haben, ist zu begrüßen (in Schweden: Zuhälter bis zu sechs Jahre, Menschenhändler bis zu zehn Jahren). Freier können in Schweden mit bis zu sechs Monaten Freiheitsentzug bestraft werden, was bis dato allerdings selten umgesetzt wurde. Meist bleibt es bei Geldstrafen.

Antragsbegründung

Wir leben in einer Gesellschaft, die stark von Machtungleichheit gekennzeichnet ist. Eine dieser Machtasymmetrien zeigt sich in der Geschlechterhierarchie, die wir jeden Tag erleben und beleben. Zum Beispiel verdienen Frauen in Deutschland weniger als Männer und sind in Machtebenen wie Politik und Wirtschaft untervertreten. Dieses patriarchale System ist nicht absolut, das heißt, es ist nicht bruchlos oder gar unüberwindbar, dennoch ist es allgegenwärtig und eines der herrschenden Dominanzmomente neben anderen in unserer Gesellschaft.

Ein Kernbereich patriarchaler Macht war und ist die Verfügungsgewalt über den weiblichen Körper und weibliche Sexualität. Fortpflanzung wurde lange Zeit als Argument herangezogen, um Frauen zu entmündigen und gesellschaftlich zu entmachten. Seit 1968 erleben wir eine Befreiung weiblicher Sexualität von der Norm der Fortpflanzung, zunehmend wird weibliche Sexualität auch in ihrem Lustaspekt ernster genommen. Sicher, weibliche Sexualität gilt immer noch als das größte Rätsel der Menschheit, die Diskurse allerdings haben sich verändert.
Auf vielen Ebenen gibt es eine Aufweichung der oben geschilderten Mechanismen. Der Weg hin zu einem emanzipierten Umgang mit weiblicher und männlicher Sexualität ist noch weit, aber erste Schritte wurden in den letzten Jahrzehnten gemacht.

Umso schwieriger bleibt die Auseinanersetzung mit der Prostitution. Neben dem Zweck der Fortpflanzung hatte weibliche Sexualität immer eine zweite Dimension – die Befriedigung männlicher Lust, über die bestimmte Maskulinitätsstereotypen produziert und reproduziert wurden und werden.

Das System des marktförmigen Austausches sexueller Dienstleistungen von Frauen an Männer hat somit Einfluss auf das Leben aller Frauen und Männer in einer Gesellschaft, weil es vorherrschende Geschlechterstereotypen reproduziert und männliche Macht über Frauen gewaltförmig fassbar macht.

Patriarchale Macht ist somit immer inhärent in dem Kauf von Prostitution enthalten und wird dadurch reproduziert. Mit Befreiung hat die Vermarktwirtschaftlichung menschlicher Sexualität nichts zu tun, sondern ist ein Rückschritt in alte Zeiten, die wir längst hinter uns lassen wollten!

Make capitalism herstory? - Nachfrage wird geschaffen

In unserer Gesellschaft steht neben der sexistischen Ausbeutung von Prostituierten die kapitalistische Wertschöpfung innerhalb der "Sexindustrie". Viele Menschen haben ein lebendiges Interesse daran, dass Prostitution ein florierendes Geschäft ist und bleibt. Diese Tatsache kann niemals im Sinne emanzipatorischer Politik sein!

Sexualisierte Macht und Gewalt

Dementsprechend ist jeder Argumentationsansatz, dass die Situation von Prostituierten ohne eine legale Prostitution noch schlechter wäre, problematisch. Realpolitisch betrachtet ist dies zudem eine schwer einzuschätzende Komponente. Zwangsprostitution zum Beispiel kann in Deutschland nicht mehr effizient bekämpft werden, weil der Tatbestand der Prostitution keiner mehr ist.
Razzien in Bordellen werden heute zumeist wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetzes, Geldwäsche oder Verdachts auf Organisierte Kriminalität vorgenommen. Dabei ist das Ziel der ermittelnden BeamtInnen meist, Zwangsprostituierte zu finden. Die Gewerkschaft der Polizei hat sich gegen diese Art der Ermittlung schon länger ausgesprochen, im GdP-Heft vom März 2009 stellen BeamtInnen fest, dass ihnen die Bekämpfung der Zwangsprostitution seit der Verabschiedung des Gesetzes über die Legalisierung von Prostitution ungleich schwerer fällt.

Seit die Prostitution in Schweden strafbar ist, denken auch andere Länder über entsprechende Gesetze nach, zum Beispiel Norwegen. Der Erfolg gibt ihnen recht: die Prostitution in Schweden ist zurückgegangen, auch wenn natürlich die Verlagerung in die illegale Szene nicht vernachlässigt werden darf. Ein viel interessantes Argument ist es, dass auch der Frauenhandel in Schweden zurückgegangen ist. In Schweden werden heute zwischen 400 und 600 Frauen aus dem Ausland zur Prostitution ins Land geschleppt, im Vergleich zu 10.000 bis 15.000 in dem nur halb so großen Finnland. In der Hauptstadt Stockholm gibt es zwischen 105 und 130 Prostituierte im Vergleich zu 5.000 in der norwegischen Hauptstadt Oslo.
[Bundesministerium für Gesundheit, Dezember 2008] Einig sind sich alle ExpertInnen, dass die schwedische Gesetzgebung zu einem Paradigmenwechsel in der Gesellschaft geführt hat.

http://www.gruene-jugend.de/show/620932.html
I wouldn't say I have super-powers so much as I live in a world where no one seems to be able to do normal things.

Antworten
  • Vergleichbare Themen
    Antworten
    Zugriffe
    Letzter Beitrag