Von der Sexarbeiterin zur Sozialarbeiterin

Du willst aus dem Sexbusiness aussteigen und einen "bürgerlichen" Job annehmen - oder noch besser: dich gemeinsam mit anderen Aussteigern selbstständig machen? Möglicherweise wirst du hier entdeckt...
Kasharius
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Re: Von der Sexarbeiterin zur Sozialarbeiterin

#41

Beitrag von Kasharius » 2019-02-21, 21:12

@annainga

und ich freue mich über Deine neue Stelle und wünsche Dir Spass und Erfolg. Und auch hier gilt wieder meine Losung: Bei Fragen, einfach fragen!

Kasharius grüßt herzlich und freut sich heute Abend über das Urteil des Bundesverfassungsgericht zum (verfassungswidrigen) Wahlrechtsausschluss von Menschen mit umfassender rechtlicher Betreuung. Mögen SW dereinst auch mal mit entsprechenden Urteilen des Bundesverfassungsgericht gesegnet werden...aber ich schweife ab

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Re: Von der Sexarbeiterin zur Sozialarbeiterin

#42

Beitrag von annainga » 2019-02-24, 20:13

danke @Kasharius, auch für die Erklärung zu dem Video. Das fand ich so skurril - ich habs gar nicht gecheckt, denn irgendwie dachte ich, dass die Frau doch ein wenig beeindruckt ist.

Das mit dem Wahlrecht habe ich auch mitbekommen und freue mich auch, dass dort zukünftig genauer hingesehen wird.

Schade, dass Sexarbeit diese krasse Außenseiterstellung als Arbeit hat. Je länger ich Sozialabeiterin bin, desto mehr fehlt mir mein alter Beruf. Hätte ich niemals gedacht, dass ich mit "einem anständigen Beruf" so denken würde. Aber als Sexarbeiterin zu arbeiten ist soviel weniger ungewöhnlich und so viel weniger anstrengend als mit manch anderem Beruf, es ist sehr merkwürdig wie sehr stigmatisiert Sexarbeit ist. Das sehe ich mit meinem neuen "bürgerlichen" Beruf noch klarer als vorher. Wir leben echt in ner verrückten Welt.

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Re: Von der Sexarbeiterin zur Sozialarbeiterin

#43

Beitrag von annainga » 2019-03-30, 21:24

Jetzt arbeite ich seit einigen Wochen an meinem 2. Arbeitsplatz als Sozialarbeiterin und bisher ist alles prima. Ich mag meine neue Stelle sehr und freue mich jeden Tag auf die Arbeit. Es ist ein tolles Gefühl morgens zur Arbeit zu fahren und gespannt zu sein, welche Aufgaben auf mich warten und meistens zufrieden nach Hause zu fahren und den restlichen Tag zu genießen.
Ich habe wesentlich bessere Bedingungen, was die Arbeitszeiten, die Arbeitsbelastung, den Austausch mit Kolleg*innen und die Arbeitsinhalte betrifft, verdiene etwas mehr und bin sehr froh, dass ich so konsequent war, meine alte Stelle aufzugeben.
In der Rückschau fühle ich mich ausgenutzt und ungerecht behandelt - die Überforderung seitens meines Arbeitgebers und das Arbeitszeit-Ausbeutungs-Modell, in dem ich arbeiten sollte. Das kann ich nach wie vor nicht fassen, welche merkwürdigen Konstrukte das sind, die erst seit kurzem von Arbeitsgerichten beurteilt werden und als nicht vereinbar mit den Arbeitsschutzgesetzen gelten, wie z.B. 24-Std-Dienste, die nur für 14 Stunden vergütet werden, weil man in einer "wohngemeinschaftsähnlichen" Situation arbeitet.
Das ist so als hätte man als Sexarbeiterin eine Over-Night-Buchung und der Kunde wollte die Schlafenszeit davon abziehen. Diese Argumentation habe ich öfter gehört. Dass man im Preis etwas runter geht oder Pauschalpreise macht finde ich ok, aber gar nicht zu rechnen ist wohl ein Unding und in der Sexarbeit gehts ja zudem nicht um 20 € Stundenlohn, sondern um ein Vielfaches.
Ich bin gespannt, ob ich in einem halben Jahr immer noch so zufrieden bin.

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Re: Von der Sexarbeiterin zur Sozialarbeiterin

#44

Beitrag von friederike » 2019-03-31, 01:44

Liebe @annainga,

gerad heute hab ich mich gefragt wie es wohl bei Dir weitergegangen ist!

Herzlichen Glückwunsch zur "2. Stelle" und weiter viel Freude und Erfolg!

LG,
Friederike

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Re: Von der Sexarbeiterin zur Sozialarbeiterin

#45

Beitrag von Kasharius » 2019-03-31, 14:17

@annainga

möchtest Du (hier) verraten in welchem Bereich der Sozialarbeit Du jetzt arbeitest. Ich kam seinerzeit, Mitte der 90ziger, aus der Schulsozialarbeit und der Jugendgerichtshilfe.
Weiterhin viel Spass und Kraft wünscht

Kasharius grüßt

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Re: Von der Sexarbeiterin zur Sozialarbeiterin

#46

Beitrag von annainga » 2019-03-31, 21:46

Ja, klar, ich arbeite in der Jugendhilfe. Meine erste Stelle war die Betreuung einer Jugendlichen, die eine 24-Std-Betreuung benötigte. Sie war meiner Meinung nach falsch untergebracht, denn in meinen Augen war sie ein psychiatrischer Fall und kein pädagogischer. Deshalb fühlte ich mich auch so unwohl, weil das einfach nicht passte und ich nicht mit ihr etwas bearbeiten oder erreichen konnte. Ich bin auch sehr überrascht in welcher Art der Umgang mit Menschen ist, die intensiv psychiatrisch betreut werden müssten.
Es war falsch mich als Anfängerin in eine solche Maßnahme einzubinden, aber ich war so glücklich darüber sofort im Anschluss an mein Studium und mit meinem problematischen Lebenslauf eine Vollzeitstelle zu bekommen, zudem wusste ich nicht wie unpassend dieser Arbeitsplatz für mich als Anfängerin war. Das laste ich auch eher meinem ehemaligen Arbeitgeber an als mir.
Meine jetzige Arbeit ist ungleich einfacher - es handelt sich zwar auch um Sozialarbeit im Zwangskontext, aber ist wesentlich entspannter, weil die Menschen diese "Zwangshilfe" zwar "zähneknirschend", aber teilweise auch dankbar annehmen. Ich arbeite in einer Einrichtung, die sich um Ein-Eltern-Familien mit Kind unter 6 Jahren kümmert, die entweder aus der Wohnungslosigkeit, der Überforderung der Alleinerziehung, der Armut, der Drogenabhängigkeit, der Prostitution oder einer Mischung aus allem kommen. Oft sind es junge Frauen, die mit den Kindern und ihrer Situation überfordert sind und auf die das Jugendamt aufmerksam wurde oder die sich selbst an das Jugendamt gewandt haben. Um einen geregelten Tagesablauf zu erreichen und eine Kindeswohlgefährdung zu vermeiden, können diese jungen Mütter und Väter dies in unserer Einrichtung üben, in der sie einige Monate leben, bis sie wieder eine eigene Wohnung und Haushalt führen können.
Ich finde, das ist eine sehr angenehme und sinnvolle Tätigkeit, diese Eltern darin zu unterstützen. Mein arbeitgeber hat noch einige andere Handlungsfelder (unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, ambulante Erziehungshilfen, Kita´s, Clearingstellen, mobile Betreuung), in denen ich überall hospitiert habe, selbst in der Verwaltung. Die erste Betriebsversammlung habe ich auch erlebt und bisher fand ich alles prima - die Kultur und das Klima dieser Organisation gefällt mir sehr.

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Re: Von der Sexarbeiterin zur Sozialarbeiterin

#47

Beitrag von Kasharius » 2019-04-01, 11:02

Na dann weiterhin viel Kraft und FReude liebe @annainga

Kasharius grüßt

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