Länderberichte THAILAND:

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nicole6
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Re: Länderberichte THAILAND:

#101

Beitrag von nicole6 »

als ich heute die Sprachschule verließ,
fragte mich ein Fernsehteam vom lokalen Sender in Chiang Mai,
ob ich ihnen ein Interview geben würde.
Das Thema war: sexuelle Belästigungen durch Männer.
Sie fragten nach meinen Erfahrungen und Einstellungen.
Erst vor einer Woche erlebte ich es direkt vor mir.
Ich war um die Mittagszeit in einem Bazar um Stoffe zu kaufen.
Eine Verkäuferin beriet mich dabei.
Da sah ich einen älteren Mann kommen, welcher der Verkäuferin
von hinten an die Genitalien griff, und dann einfach weiterging!
Solche Sachen sin für Frauen in Thailand fast normal!
In Bangkok fahren jeden Tag um die 200.000 Frauen mit
öffentlichen Verkehrsmitteln. Die Hälfte davon gab an, pro Monat
mindestens einmal von Männern sexuell belästigt zu werden.
Jetzt werden in allen Bussen Videokameras installiert.

Beim Sprachkurs bin ich gerade beim Schreiben lernen.
so einfach wie die Grammatik, so schwierig ist das Schreiben.
die Männer, welche an der Schrift herumgemurkst haben,
müssen sehr dumm gewesen sein.
Ich habe aufgegeben, fehlerfrei Schreiben zu können.
Kinder hier beginnen mit 3 Jahren zu schreiben, und wenn sie in
die Schule gehen, brauchen sie weitere drei Jahre, und sie
können ihre Sprache schon reden. Da bilde ich mir nicht ein,
es in zwei Monaten zu beherrschen.
Es wäre an der Zeit, dass die Thai ihre absurde Art zu schreiben,
reformieren, wie es schon in Vietnam geschah, in Korea, und
auch in China wurden die Zeichen erneuert. Für Ausländische
Investoren ist die Thai-schrift ein ernstes Hindernis.
Ein Beispiel für den Schwachsinn der Konstruktion:
Thai schreiben die Wörter ohne Lücken.
So weiß man nicht, wo Wörter anfangen und aufhören.
Da erfanden sie die sogenannten Endkonsonanten.
Dazu benutzen sie aber schon existierende Zeichen.
Das hat das ursprüngliche Problem noch vergrößert!
Ein R im Wort wird am Ende ein N, ein S wird ein T, usw.
Da sie aber immer noch ohne Lücken schreiben, weiß man
jetzt nicht, ob ein Zeichen im inneren des Worts steht,
oder am Ende! Dabei wäre eine Lücke so einfach gewesen!
Was die Tonmarken angeht, ist es noch absurder!
Das Schreiben werde ich nun so nebenher machen, und mich nun
nur noch aufs Sprechen lernen konzentrieren.

Morgen werde ich das Nationalmuseum besuchen.
Bin gespannt, was mir da angeboten wird!
Was Kunst angeht, so erlebte ich bisher international gesehen,
untersten Standard. Hier gibt es eine Akademie.
Was machen die Leute blos, wenn sie die Akademie verlassen?
In den Tempeln sieht man ordentliche handwerkliche Objekte,
aber keine Kunst, so wie in vielen Kirchen Europas.
In dem Bereich wird sich mittelfristig nichts ändern,
denn die Gesellschaft ist starr hierarchisch geschichtet,
wobei Geld die Zugehörigkeit zur Schicht bestimmt.
Die Milliardäre an der Macht entschieden, dass es keine
Erbschaftssteuer gibt. So werden die Familien, welche mit ihren
korrupten Geschäften reich wurden, durch erben noch reicher.
Die Stadtstruktur von Chiang Mai isst ein Spiegelbild davon.
Direkt neben 5-Sterne Hotels stehen Blechhütten.‘
Eine Freundin von mir arbeitete in einer Mall in einer Cafe-Bar
von Morgens 20 bis nachts um 10. Sie allein machte dabei einen
Tagesumsatz im Wert von 300-400 Euro. Sie musste 7 Tage
pro Woche anrücken, für 200 Euro im Monat!
Die Sexarbeiterinnen vorne an der Straße stehen vor den Lokalen
herum, und sollen Männer in die Bars locken. Sie werden nicht bezahlt.
Um zu Geld zu kommen, müssen sie einen Kunden finden.
Die meisten dieser Bars in der Loi-Kroh-Straße sind innen sehr dunkel.
Ich fragte eine Freundin über den Grund.
Sie wuchs in dieser Straße auf, und arbeitet jetzt in einem Buchladen.
Sie meinte, das ist wegen dem Drogenhandel, dass man ihn nicht sieht.
Ich bin hier im Gästehaus die einzige Frau. So bekomme ich in der
Nacht meist mit, wenn die Männer ihre Frauen für die Nacht mitschleppen.
An den Lauten, welche die Frauen von sich geben, wenn sie die Treppe
heraufkommen und auf dem Gang gehen, kann man vermuten, dass sie
entweder besoffen sind, oder high.
Mit den Frauen habe ich ein gutes Verhältnis,
außer mit den sogenannten Ladyboys.
Sie verhalten sich sehr arrogant und hochnäsig.
Die Bar, in der sie auf Männer warten, ist die dunkelste in der Straße.

Sawat dii kha!
Anna

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Re: Länderberichte THAILAND:

#102

Beitrag von nicole6 »

Gerade haben sie im Radio gebracht, dass die Polizei
einen Mann festgenommen hat, der seine Frau im Wald
entsorgen wollte. Waldarbeiter sahen den Mann, wie er
von der Ladefläche seines Pickups den Leichnam in die
Büsche kippte. Nachbarn des Mannes gaben an, es habe
“Beziehungsprobleme“ gegeben.

Vor zwei Tagen wurde ein Deutscher festgenommen.
Es war ein Fall von “cold case“ : der Mann hatte vor sieben
Jahren ein siebzehnjähriges Mädchen ermordet. Er wurde
auf Grund einer DANN-Probe überführt.

Gestern Nacht gab es hier im Gästehaus einen sehr heftigen
Streit zwischen einer Sexarbeiterin und ihrem Kunden aus den USA.
Da ich im Zimmer gegenüber wohne bekam ich alles mit.
Danach sprach ich mit Kim. Der Mann hatte den üblichen Trick
drauf: er buchte Kim einige Tage hintereinander, manchmal
auch für eine Nacht. Und dann machte Kim einen Fehler:
Sie lieferte vor der Bezahlung! Danach wollte der Mann nicht<
zahlen, Er redete sich heraus, er liebe sie, und deswegen
braucht er nicht zu zahlen. Typisch für Männer. Wenn sie
eine Gelegenheit zum Betrügen sehen, tun sie es!
sawat dii kha!
Anna

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Re: Länderberichte THAILAND:

#103

Beitrag von nicole6 »

Einwohner von Chiang Mai, die in einem gewissen Stadtteil wohnen,
beschweren sich, weil sich in einem leeren Gebäude der Verwaltung
sich in der Nacht homosexuelle Männer treffen.
https://www.chiangmaicitylife.com/news/ ... -concerns/
Wie gesagt, sie treffen sich dort nachts, es ist dunkel,
das Haus steht in einem Park, und man muss extra hingehen, um etwas zu sehen.

Das Paysex-Geschäft ist seit Wochen stark eingebrochen.
Ich gehe jeden Abend in die Altstadt zum Essen, und passiere somit
zweimal den Rotlichtbezirk. Ich sah keine Bar, welche mehr Kunden hatte als Animationsfrauen!
Die Regierung hat also Wort gehalten als sie versprach, dass sie es für Besucher
schwerer machen wird, ein Visum zu erhalten.
Begründung: Ausländer würden Einheimischen Arbeitsplätze wegnehmen!
Stundenlohn hier in Thailand: 1,50 Euro!
Kommentar überflüssig.
Anna

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Re: Länderberichte THAILAND:

#104

Beitrag von Ursa Minor »

@nicole6

Danke für deine Berichte!

LG ursaminor

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Re: Länderberichte THAILAND:

#105

Beitrag von nicole6 »

Ich lebe nun seit einem Monat in Siri, einem Dorf in der Nähe zur Grenze nach Birma.

Letztes Wochenende gab es nebenan eine Hochzeit.
Da musste ich flüchten, und nahm ein Zimmer in einem Hotel.
Der Lärm war unerträglich! Sie hatten eine Leif-Gruppe,
die spielten mit 1000 Watt von morgens bis tief in die Nacht,
und sangen dabei unsäglich falsch! Der Lärm war schon schrecklich,
aber dazu das Falschsingen war noch schrecklicher!
Wenn das der beste Tag im Leben war, was kommt danach?

Die Gewalt der Männer gegen Frauen ist hier so üblich, wie überall.
Männer sehen Frauen auf einer Stufe weit unter ihnen.
Da es aber inzwischen viele gut ausgebildete Frauen gibt,
leben diese meist ohne Ehe, um nicht abhängig zu werden.
Schwierig wird es, wenn Kinder da sind.
Aber die Situation der Frauen ist hier noch viel besser als in Japan.
Japanische Männer können es nicht fassen, wie viele Geschäftsfrauen
es in Thailand gibt, die selbstständig ihr Geschäft führen!

Ich hoffte, hier Thai praktizieren zu können, aber sie reden hier Lanna.
Der Unterschied ist wie Hannover-deutsch zu Niederbayrisch.
Aber ich komme trotzdem weiter.
Einmal pro Woche nehme ich ein Sammeltaxi nach Chiang Mai.
Das sind 100km, und kostet 2 Euro.
Wenn ich das Fahrrad mitnehme, sind es 3,50 Euro.
Mit dem Rad fahre ich nachmittags 5km zu einer Bungalowanlage.
Da kann ich in einem 25m-Pool schwimmen, meist etwa 1km.

Das Leben hier unterscheidet sich stark von Chiang Mai,
mehr als zwischen München und einem Dorf.
Hier bestimmen noch die Mönche das Leben der Leute,
wie im Mittelalter die Kirche in Europa.
Mit Buddhismus hat das aber nichts zu tun.
Da geht es nur um Geld und Macht.
Die Mönche sind hier faul und tun nichts, sind Parasiten der Gesellschaft.
Um an Geld zu kommen, stimulieren sie Neid und Angebertum.
Über Lautsprecher geben sie dem Dorf bekannt, wieviel Geld jemand
den Mönchen geschenkt hat, damit jeder es im Dorf weiß.
Sie verkaufen an die Leute weiße Schnüre, meterweise.
Die sollen sie dann von ihrem Haus aus zu Bäumen spannen.
Das soll böse Geister davon abhalten, ins H aus zu kommen
und den Leuten Unglück zu bringen. Wenn dann so ein böser Wicht kommt,
und er sieht die Schnur, dann erschrickt er und sagt sich; oh! Wie schrecklich!
eine weiße Schnur! Wie ich mich fürchte!
Die Christen benutzten dazu die Gargoyls.

Die Sexualmoral ist wie in Deutschland in den 50er Jahren.
Ein Tabu ist für Frauen, ohne BH unter der Kleidung auf die Straße zu gehen!
Mann könnte ja die Brustwarzen sehen!
Frauen haben hier meist eh Dup A-minus, ein BH ist sinnlos,
aber wer ohne BH ausgeht, wird als Hure angesehen.
Ich bin hier, um für ein Projekt Statuen herzustellen,
unter anderem auch eine Venus. Aber die Brüste darf man nicht sehen,
und erst recht keine Vulva! Da käme die Polizei!
In Zeiten mit Internet, ist das schwer zu begründen.

Lottospielen ist sehr populär.
Manche setzen ein halbes Monatseinkommen, das sind 150Euro!
Ich diskutierte das mit einigen Thai.
Als ich ihnen sagte, wenn sie jeden Woche einmal spielen,
müssen sie 3 Millionen Jahre spielen, um eine Chance zu haben,
500.000 Jahre, wenn sie es jeden Tag tun, verzogen sie ihr Gesicht.
Das wollten sie nicht hören. Eine Frau meinte, sie habe auch gespielt,
aber als sie ein Kind hatte, hörte sie damit auf, um Geld fürs Essen zu haben.

Da wir nahe der Grenze nach Birma sind, gibt es auf den Straßen Polizeisperren.
Sie suchen nach Drogendealern. Das sind meist Rohinjas aus Birma.
Geschmuggelt wird Cannabis und Acid.
Oft werden die Kontrollen auch von paramilitärischen Gruppen gemacht.
Die fackeln nicht lange, Sehen sie einen Rohinja, wird er erschossen.
Ich konnte das anfangs nicht glauben, aber es wurde mir mehrfach bestätigt.
das passiert sogar mitten in der Kleinstadt Phrao.
Das beste Marihuana soll man von der Polizei bekommen.
Woher diese es haben, ist unschwer zu erraten.
Ein Kilo bestes Cannabis kostet 50 Euro.

Hier ist der thailändische Winter eingekehrt,
das heißt. Am Tag um die 30 Grad, nachts kühlt es auf 20 ab.
Im nächsten Monat wird es morgens 12-15 Grad haben, mittags 28-30 Grad.
Viele Häuser hier haben deswegen Heizungen eingebaut.
Anna

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Re: Länderberichte THAILAND:

#106

Beitrag von nicole6 »

vor einem Jahr verstand ich kein Wort Thai.
Jetzt kann ich Thai lesen und schreiben und kenne etwa 800 Wörter.
Für eine Small-Talk-Unterhaltung braucht man etwa 2000, um Artikel zu lesen 5000.
Es ist also noch genügend Luft nach oben, Aber unter Berücksichtigung, dass Thai
als asiatische Sprache und als tonale Sprache, sich in allem von indo-germanischen
Sprachen unterscheidet, bin ich zufrieden, mit dem, was ich bisher erreichte.
Ich kann selbstständig Sätze formen, die sogar richtig sind,
und sie richtig aussprechen. Nach einem Jahr lernen ist das ok für mich.
Noch ein Jahr, und ich will die Alltagssprache beherrschen.

Wenn ich gewusst hätte, wie kalt es in Phrao im Winter werden kann,
hätte ich meine warmen Sachen mitgenommen. So aber musste ich
mir heute eine warme Fließ-Jacke kaufen, um morgens nicht zu frieren!
Jeden Morgen hat es um 6 Uhr6-8 Grad, um 9 Uhr 10 Grad!,
und mittags wird es zur Zeit nur 25 Grad!
In der Nacht schlafe ich mit drei Decken übereinander!
Chiang Mai ist jetzt 4-5 Grad wärmer.
Hier im Tal von Phrao wird Reis angebaut.
Viele Felder stehen deshalb unter Wasser, morgens hat es oft Nebel,
und am Tag kann sich deshalb der Boden nicht erwärmen.
In Chiang Mai hingegen speichern die Häuser die Sonnenenergie vom Tag,
da es immer wolkenlos blau ist.
Diese Wetterlage ist typisch, wenn über China ein starkes Hoch steht,
welches Polarluft aus Sibirien in den Süden transportiert.
In Europa passiert das bei einem Hoch über Russland.

Wenn man als Ausländerin allein mitten in einer so fremden Kultur lebt,
so bleibt es nicht aus, dass man kulturelle Fehler macht.
Da gibt es den bekannten Thai-Gruß mit gefalteten Händen vor der Brust,
verbunden mit einer leichten Verneigung. Die Handposition symbolisiert
eine Lotosblume, und diese steht für Erleuchtung. Der Gruß bedeutet also,
ich wünsche dir die Erleuchtung. Der Gruß ist aber auch ein Ritual im
Königshaus, und das steht für patriarchale Gewalt im Staat, Ausbeutung
von Frauen und Bauern, also der Mehrheit der Leute in Thailand.
Als ich so Phla, eine Feministin, grüßte, verzieh sie mir den Gruß, wies mich aber
darauf hin, dass fortgeschrittene moderne Frauen in Thailand so nicht grüßen!
Plah machte in Indien ihrem Master in Gender-Forschung.
Sie sagte mir, dass die Regierung von Thailand in den Schulen
Sexualerziehung plante, da so viele Mädchen schwanger werden,
und weder etwas von ihrem Leib verstehen, noch von Sex oder Verhütung.
Doch die Muslime im Süden wehren sich vehement gegen Sexualerziehung
in der Schule, mit der Behauptung, das würde Sex vor der Ehe fördern.

Die Hierarchien sind hier inhärent in allen Lebensbereichen.
Alter geht vor Jugend, reich vor arm, Arbeitgeber vor Arbeiter.
In der Familie bin ich eigentlich eine Fremde. Da ich aber mit fast 71 die
älteste Person am Tisch bin, gebührt mir die Stirnseite des Tisches.
Es ist gewissermaßen ein Ehrenplatz, den zuvor die Eltern innehatten.
Die Kinder haben einen eigenen Tisch, an dem sie essen, der auch für
die Angestellten vorgesehen ist.

Wenn jemand an einer Person vorbeigeht, die im sozialen Rang höher steht,
muss sich ein Thai bücken, um sich physisch kleiner zu machen.
Eine gut erzogene Thai-Angestellte zieht also ihren Kopf ein, wenn sie
an einem Fremden vorbeigeht. Warum? Antwort: reich steht über arm!
Die angestellte verdient etwa 250-300 Euro im Monat.
Das geben manche Touristen in ein bis zwei Tagen aus!

Die Hierarchien erstrecken sich auch auf den physischen Leib.
Thai verachten die Beine, mit denen sie gehen, auf denen sie stehen.
In einem Tempel ist es eine Sünde, einer Buddha-Statue seine
Füße entgegen zu strecken. Das soll bedeuten, die Person
verachtet Buddha.

In Europa sind die gesetzlichen Feiertage, wie zum Beispiel Weihnachten,
Ostern und Pfingsten, auch die des Volkes. In Thailand ist das nicht so!
Da gibt es35 gesetzliche Feiertage, die das Volk nicht interessiert.
Viele wissen oft nicht, dass ein gewisser Tag ein Feiertag ist, und noch
weniger wissen sie, um was es geht!
Und dann gibt es die Volks-Feiern, wie Loi-Krathong oder Songkhran,
Mitte April. Da wird gefeiert, was der Geldbeutel herhält, wer am Tag
arbeiten muss, feiert nach Arbeitsschluss. Die sogenannte Elite des
Landes erkennt aber diese feste nicht an. Sie sind fürs Volk.

Im Westen sind sozialer Rang und politische Macht innerhalb einer
Gesellschaftsschicht vereint, im Machtblock.
In Thailand ist das nicht so. Da ist es wie in Indien, wo die Mönche
glauben, sie seien die besseren Menschen, und würden über dem Volk stehen.
Die politische Macht aber haben die Milliardäre des Landes.
Die Mönche werden, wie Sai, eine Freundin es ausdrückte, als Briefträger
für Botschaften ins Jenseits angesehen.
Sai nannte mir ein Beispiel.
ihre Schwester starb vor zwei Jahren, weil sie betrunken mit dem Scooter
in einen Graben fuhr. Zu ihren Lebzeiten mochte sie Pizza.
Um ihrer Schwester im Jenseits etwas Gutes zu tun, und um ihr eigenes
Karma zu verbessern, übergibt sie den Mönchen eine Pizza.
Wenn diese dann die Pizza essen, essen die Mönche
die Pizza stellvertretend für ihre Schwester,
und sie, die Gebende, tut etwas für ihr Karma.
Das ist das gleiche wie der Ablasshandel im Mittelalter!

Diese Klassengesellschaft in Thailand wurde sogar in die Schrift umgesetzt!
Ich forschte darüber nach, wer das getan hat,
konnte aber noch keine Antwort finden.
Auch Mr. Google konnte mir da nicht weiterhelfen,
und die Thai selbst wissen, was Sprachgeschichte angeht,
noch weniger, als ich es mir angeeignet habe!
Thai-Schrift ist eine Konsonantenschrift.
Vokale sind abhängige Anhängsel, die man auch manchmal weglassen kann.
Die Konsonanten stehen dabei für den Mann, die Vokale für Frauen.
Die Konsonanten wurden nun in drei Klassen geteilt:
Oberklasse, Mittelklasse und Unterklasse.
Die Unterklasse ist die größte, die anderen sind kleiner.
Da Thai eine tonale Sprache ist, benötigt man Zeichen für den Tonverlauf.
Die Mittelklasse-Konsonanten folgen allen Regeln der Zeichen für Tonhöhen.
Die Oberklasse aber folgt nur der Hälfte!
Und was gilt für die Unterklasse? Die folgen auch nur der Hälfte,
und dazu noch gegen die allgemeinen regeln!
Umgesetzt auf die Gesellschaft: die Unterklasse ist zu dumm,
um den Regeln zu folgen. Wie aber bringt man sie dazu?
Die Antwort ist klar: man benutzt dazu das Zeichen für H aus der
Oberklasse, und stellt es vor den Konsonanten der Unterklasse.
Das H-Mitglied der High-Society gebietet dem Mitglied der Unterklasse,
was es zu tun hat! Das sind aber nicht die einzigen Absurditäten
in der Thai-Schrift! Man kann physisch ein S nur in einer Weise aussprechen.
Jetzt haben sie schon drei verschiedene S-Zeichen, und dann schreiben
sie bei einigen Wörtern statt einem S die Buchstaben TR!
Würde man den Satz.
“die Sekretärin kommt mit der Arbeit gut voran“
nach den Regeln der Thai-Schrift schreiben, so käme folgendes heraus:
“DIETREKRÄTEEIRRZ°KMMTMITEDROAREIBTGUTOVRARY°.
Kurze Erklärung dazu:
Thai schreiben ohne Lücken zwischen den Wörtern.
das E und O kommt vor dem Konsonanten,
Das N am Wortende wird meist als R geschrieben.
Kurzes O wird meist weggelassen.
Ein A kann am Wortanfang nicht allein stehen,
da muss man zuvor ein O schreiben, das zwar ein Vokal ist,
aber in dem Fall als Konsonant anzusehen ist.
Das Ä besteht aus zwei E vor dem Konsonanten..
Die Zeichen mit dem ° bedeuten, dass sie sinnlos sind!
Thai schreiben in ihrer Schrift sinnlose Zeichen am Wortende!
Nach Wikipedia ist die Thai-Schrift die schwierigste der Welt.
Kinder fangen mit drei Jahren an, schreiben zu lernen.
Mit 10 bis 12 Jahren kommen sie damit einigermaßen zurecht.
ansonsten schaffen sie es nicht mehr, 19 verschiedene Weisen
zu lernen, wie man ein T schreiben kann!

Heute war ich in einer Bar und fragte Freunde, wie man einen
gewissen Satz auf Thai schreibt, und gab einem mein Heft zu schreiben.
Er war sich aber nicht sicher, und gab es an einen zweiten Freund.
Der gab es an einen dritten, der mir dann den Satzkorrekt auf Thai
schreiben konnte. Viele reiche Thai schicken ihre Kinder auf
Privatschulen, wo sie Englisch lernen. Das führte dazu, dass diese
Kinder nun fehlerfrei Englisch schreiben können, aber nicht Thai!
Thai, welche gut Englisch können, sagten mir, sie sprechen lieber Englisch,
da kann man mit dem YOU alle Leute anreden, ohne die Thai-Floskeln
für die Hierarchien verwenden zu müssen!
Wenn sie Englisch mit jemandem reden, dann haben sie das Gefühl,
mit der anderen Person auf gleicher Ebene zu stehen,
gewissermaßen auf Augenhöhe miteinander zu reden.
Diesen ganzen Ballast an Regeln, Vorschriften, und Hierarchien
nehmen Thai-Frauen mit, wenn sie in Deutschland Sexarbeit machen!
Diese Barrieren sind im Kopf, da kann man als Außenstehende
wenig anrichten! Der Wille zur Änderung muss von innen kommen!

sawat di kha!
Anna

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Re: Länderberichte THAILAND:

#107

Beitrag von Harsch »

Liebe Anna,
vielen Dank für diese tollen und sehr interessanten Berichte aus Thailand!!!! Ich habe sie mit Begeisterung gelesen. Im Juli diesen Jahres war ich zum ersten Mal mit meiner thailändischen Freundin in Thailand und in Chang Mai. Deshalb verstehe ich sehr gut, über was Du schreibst.
Liebe Grüsse,
Harald
Nichts passiert aus Zufall. Du schaffst die Realität in der Du lebst und bist dafür voll verantwortlich!

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Re: Länderberichte THAILAND:

#108

Beitrag von nicole6 »

Ich kam heute wieder aus Chiang Mai zurück.
Der Preis fürs Sammeltaxi hat sich seit letztem Jahr erhöht,
von vorher 2 Euro für die 100KM auf 2,5 Euro.
Das Fahrrad kostet extra, 1 Euro mehr.

In Chiang Mai traf ich mich mit Freunden.
Ein Künstler, Sanguan, hat mich eingeladen, bei seiner Ausstellung
in Nationalmuseum mit einem meiner Bilder mitzumachen.
Das Thema ist “der König“.
Sanguan malte dazu Bilder der vergangenen Perioden,
darunter auch eine Königin vom Anfang des 20. Jahrhunderts.
Wie alle Frauen in dieser Zeit, war ihre Kleidung ohne Oberteil.
Frauenkleidung begann erst ab der Gürtellinie nach unten.
Die Ausstellungsleitung hat Sanguan verboten, das Bild auszustellen!
Obelix würde sagen, die spinnen, die Thai, besonders die Politiker!

Die Regierung hatte beschlossen, Touristen die Einreise nach Thailand
schwer zu machen. Sie dachten, es kommen zu viele Rucksack-Touristen,
und deswegen kommen die Millionäre nicht nach Thailand zum Urlaub.
Ein großer Teil der Touristen gehen jetzt nach Vietnam, Laos,
Cambodia, Malaysia, Birma, oder Philippinen.
Die Millionäre sind bisher nicht zu sehen.
Das Geschäft in Chiang Mai ist zu 50% eingebrochen.
Hotels und Geschäfte schließen.
In diesen ökonomischen Wettstreit greifen jetzt auch die Mönche ein.
Sie arbeiten nicht, weil sie sich als etwas Besseres ansehen,
müssen arber essen, und ihre vergoldeten Tempel bauen.
Das heißt, sie brauchen Geld, geschenkt.
Um mehr Gläubige anzulocken, und ihnen Ablass im Nirvana und im Rad
des Karma zu versprechen, geben sie Essen an alle Leute gratis ab.
Personen, welche sich bisher mit Streetfood versorgten, essen nun in den
Tempeln, wo das Essen kostenlos ist. Die Streetfood-Verkäufer haben
dadurch kein Einkommen mehr!

Als weitere Folge geht es den Sexarbeiterinnen in Chiang Mai schlechter.
Sie leben ausschließlich von Touristen.
Thai-Männer fliegen zum Sex nach Bangkok oder Pattaya.
Da kostet der Sex mehr!
Das ist kein Witz! Sie denken, wenn der Sex in Chiang Mai
so billig ist, dann taugt er nichts, dann wird nichts geboten.
Viet-Air, eine Kopie von Ryan-Air, bietet CM-Bangkok für 20 Euro an.
Hier zeigt sich eine allgemeine Thai-Mentalität, eine
Hierarchie des Geldes. Was wenig kostet, und wer arm ist,
ist nichts wert.

Dazu kommt ein ausgesprochener Jugendwahn.
Sanguan stellt in seiner Galerie Portraits von Frauen und Männern
der Bergvölker aus, der Urbevölkerung von Thailand, also die
Aka, Hmong, Karyan, usw., die von den Thai verachtet werden.
Europäer interessieren sich nur für die Portraits der alten Leute,
Thai nur für junge Mädchen mit makelloser glatter Haut.
Sie würden sich nie ein Gemälde einer alten Person in die
Wohnung hängen, das soll Unglück bringen.
Hier passt gut die Witzfrage:
was ist das: alle wollen es werden, aber keiner will es dann sein?

Die Alten werden zwar geehrt, aber es ist eine Asymmetrie in der
Beziehung, denn es ist eher eine Folge der Autoritätshörigkeit.
Frauen werden immer noch so erzogen, dass sie glauben,
ihr einziger Sinn im Leben sei, für den Mann da zu sein.

Im Siri-Projekt, für das ich hier Skulpturen mache, haben sie auch
Landwirtschaft, Reis, Kartoffel, Salate, Kohl, und auch Blumen.
Im Gegensatz zu allen Bauern hier, verwenden sie kein Gift.
Das führt dazu, dass man gegen Abend hunderte von Libellen sieht!
Ich kenne das nur aus meiner Kindheit!

Wenn Thai-Frauen zu einem Vertrauen entwickeln, ist eine Berührung
völlig normal. Das ist etwa so, wie in Süd-Italien.
Thai-Frauen reden auch offen darüber, wenn sie menstruieren.
Da haben sie keine Probleme damit.

Allgemein gesehen, sind Thai sicher die saubersten und reinsten Personen
in Asien! Sich waschen und duschen ist auch dreimal am Tag normal.
Niemand verwendet Toilettenpapier. In jeder Toilette ist ein Wasserschlauch
mit einem Ventil, das mit Druck Wasser spritzt, mit dem man sich säubert.
Im krassen Gegensatz zu Indien, gibt es in Thailand überall WCs.
Interessanterweise kommt diese Tugend aus einer Untugend heraus,
aus der Absicht, Gepflogenheiten der Reichen zu imitieren!
Sauber zu sein, gilt als Zeichen für einen höheren sozialen Stand!
Thai fegen jede Stunde ihre Wohnung, die man nur ohne Schuhe betreten darf.

Die besondere Beziehung zu Wasser zeigt sich auch in den beiden
einzigen Thai-Gottheiten, der Göttinnen Nang Kwak und Pra Mae Thoranie,
welche beide in einem Wasserbecken sitzen.
“Fluss“ heißt auf Thai: “Mae Nam“, “Mutter des Wassers“.

Verachtet wird im hierarchischen Denken der Thai alles, was unten ist,
also Füße, Schuhe und Besen. Wenn man einen Thai schwer beleidigen will,
braucht man nur mit einem Fuß zu ihm zu zeigen, statt mit der Hand.
In dieser Logik werden Landarbeiter verachtet, weil sie mit der Hand
unten, in der Erde arbeiten. Deswegen sind Landarbeiter meist
Leute aus Birma. Birma gilt als der Erzfeind Thailands.
So wird das noch heute in den Schulen gelehrt, wie früher Frankreich
als Erzfeind Deutschlands propagiert wurde.
In dieser Geschichtsfälschung wird ausgelassen, dass die Thai zwischen
1500 und 1800 gegen alle Völker ringsum Eroberungskriege führten.
Die Gewalttätigkeit der Thai war gefürchtet. In einer patriarchalen
Gesellschaft wie dieser, ist Mord ein akzeptiertes Mittel, um Gegner los zu werden.
König Rama IV ließ alle Familien der Aristokratie ermorden, die seine Macht
gefährden konnten. Rama VI wurde von der Aristokratie Thailands ermordet,
weil er eine Landreform durchsetzen wollte, bei der die Großgrundbesitzer
enteignet werden, und das Land an die armen Bauern gegeben
werden sollte.


In letzter Zeit kommt bei Frauen eine neue Haarmode auf:
sie formen ihre Haare rechts und links zu kleinen Hörnern,
dass sie wie Teufelchen aussehen! Es gibt inzwischen sogar
für Motorradhelme Aufsätze mit diesen Hörnchen!
Thai haben eine völlig andere Ansicht über das, was in
christlichen Kulturen als Teufel angesehen wird.
Für sie ist der europäische Teufel ein Dämon wie jeder andere,
einer unter vielen. Dämonen sind weder gut noch böse, denn
sie haben keine moralischen Absichten Menschen zu schaden.
Ein Tiger oder eine Cobra bewegt sich auch nicht in der Natur
herum, mit dem Gedanken: ich will den Menschen Schaden zufügen.
So feiern sie alle Feiertage, welche die Welt-Kulturen ihnen bieten!

Übrigens, Cobras gibt es auch hier, wo ich wohne,
habe aber noch keine gesehen. Im Gegensatz zu den Thai,
habe ich vor Schlangen keine Angst.
In Italien hatte ich mehrmals Begegnungen mit Vipern.
Ich habe mit ihnen geredet. Sie haben mir nichts getan.
Anna

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deernhh
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Re: Länderberichte THAILAND:

#109

Beitrag von deernhh »

Liebe nicole,

ich danke Dir für Deine tollen Berichte aus Thailand.
Immer wieder schön zu lesen.

Liebe Grüße von mir

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Re: Länderberichte THAILAND:

#110

Beitrag von nicole6 »

Thai lieben Feste feiern, sie nehmen alles mit, was die Welt bietet, auch Weihnachten.
Die Bedeutung ist unwichtig. Diese Einstellung haben sie auch mit Religionen.
Bedeutungen werden ihren eigenen Ansprüchen angepasst.
Neben dem Weihnachtsmann findet man auch den Teufel, und die Masken dazu,
wie im Karneval, oder einem Kostümfest.

In der Kombination von Militärdiktatur und Monarchie, in Verbindung mit einer
kleptokratischen Aristokratie, hat die Frau nichts zu sagen,
Gesetze machen Männer für Männer.
Im Parlament sitzen gerade 4% Frauen.
Am schlimmsten haben es Frauen aus Birma.
Sie werden doppelt diskriminiert, als Birmaninnen und als Frauen.
Thai bezeichnen sie als Tiere! Das ist keine Übertreibung von mir!
Die AFD würde hier viele Wähler haben!
Dazu kommt der Machtanspruch der Mönche.
Die Aristokratie weiß, dass Religion Opium fürs Volk ist, wie Marx schrieb.
So benennt der König die Obermönche jeder Provinz, um die Kontrolle zu behalten.
Mönche sehen sich generell als Übermenschen.
Arbeiten, vor allem mit den Händen, ist weit unter ihrem Stand.
Als Parasiten sind sie auf Unterstützung der Leute angewiesen.
So reden sie den Leuten ein, dass Geldspenden dem Spender ein gutes Karma verschafft.
Der Vatikan hatte den Spruch:
wenn das Geld im Beutel klingt, die Seele aus dem Feuer springt.
So ähnlich ist es auch hier.
Seit einer Woche ist im Kloster nebenan ein Mönchstreffen.
Um den Neid zu fördern, verkünden sie über 1000 Watt Lautsprecher
Namen und Spendenhöhe der Leute im Dorf. Nervig!

Ich gebe täglich weiter Englischkurs.
Heute lernten sie Begrüßungen in verschiedenen europäischen Sprachen,
darunter auch Schwedisch, da ich mal ein wenig Schwedisch konnte.
Die typische Begrüßung dort ist: hey do!
Da mussten alle lachen. Ich fragte, was los ist.
Da sagten sie mir, das in Thai ´do´ den Penis meint.

Anna

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Re: Zuhälterfreie-Zone

#111

Beitrag von Ariane »

Hallo Nikole,
kennst du die „can do bar“ in chiang mai? Marc hat früher mal drüber geschrieben. Ist die einzige von Sexworkern geführte Bar weltweit!

viewtopic.php?p=94006#p94006

Lg susi
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Re: Länderberichte THAILAND:

#112

Beitrag von nicole6 »

Als Tourist kann man nicht bemerken, wie stark das System der
Gehirnwäsche in Thailand ist. Hier im Dorf wird es sehr offen ausgeübt:
Thailand ist eine Fake-Demokratie. Die Macht teilen sich Polizei, Militär und König.
Rein dem Gesetz nach, dürfte der König nichts zu sagen haben.
Aber er kontrolliert über die Mönche das Leben der Leute.
Er bestimmt, welcher Obermönch in einer Provinz das Sagen hat.

Die Obermönche kontrollieren die Chefs der Tempelbezirke.
Die einzelnen Tempelherren wiederum, haben in einem gewissen Maße
Freiheit über die Ausübung der Riten, der Form, und der Zeiten.
Das Dorf hier, Siri Muang Phrao, hat etwa 150 Häuser,
dazu gibt es ein paar Fraktionen. Insgesamt etwa 1500 Personen.
Im Ortskern selbst gibt es schon 3 Tempelbezirke!
Jede noch so kleine Fraktion hat einen eigenen Tempel.
Die Mönche der Tempel sind im Konkurrenzkampf um Einnahmen.
So verkünden sie, morgens um 6, über 1000 Watt-Lautsprecher,
Namen und Beträge der Spender.
So kann sich der Spender gegenüber dem Nachbarn profilieren.
Es ist das rein kapitalistische Prinzip der Werbung.
Armani, Gucci, Ferrari, Boss, und wie sie alle heißen, leben vom Neid.

Mit Buddhismus hat das alles nichts zu tun.
Die Mönche sind faul, arbeiten nicht, tragen nichts für die Gemeinschaft bei,
sind also soziale Parasiten, erheben aber den Anspruch,
dessere Menschen zu sein, als alle anderen.
Mit ihren Zaubersprüchen verwandeln sie Bananen, Schnüre, Stoffe, und sso weiter,
in heilige Objekte. Die verzauberten Schnüre werden dann von den Häusern
zu den nächstliegenden Bäumen gespannt, um böse Geister zu verjagen.

Wenn dann trotzdem ein Familienmitglied krank wird,
bezweifeln sie nicht die Wirkung der Zauberschnüre,
sondern sie glauben, die Macht des Gespenstes war einfach stärker,
oder, sie haben nicht genug Schnüre gekauft.
Das ist so wie bei einigen Sekten, die wegen einem bevorstehenden
Weltuntergang sich auf einer Bergspitze treffen, um schneller
in ihren Himmel zu kommen. Wenn dann der Weltuntergang ausbleibt,
dann waren es ihre Gebete, welche die Welt gerettet haben.

Bisher konnte mir kein Thai sagen, warum die Mönche hier so arrogant
und überheblich sind. Sie grüßen nie zurück. Sie ignorieren einen,
außer, man gibt ihnen Geld oder Essen. Dann murmeln sie ihre
Zaubersprüche, und gehen weiter. In den ganzen Jahren seit ich hier bin,
traf ich nur4 freundliche Mönche. Einer davon ist der Chef vom Tempel
hinter dem Haus, wo ich wohne.

Ein anderer ist ein sehr junger Mönch in einem Tempel in Vientianne, Laos.
Ich saß an einem Tisch und lernte Thai.
Er musste den Hof fegen. Ich spürte sofort, dass er Kontakt will.
Ich hatte das im Gefühl, und wunderte mich, denn eigentlich ist es
ihnen nicht erlaubt, eigenmächtig mit anderen Personen zu reden.
In sorgfältig gewählten Worten fragte er mich in Englisch, wo ich herkomme,
was ich mache, ob mir Laos gefällt, und so weiter,
Er hatte English im Tempel gelernt, was ungewöhnlich ist,
denn in Laos ist die erste Fremdsprache Französisch.
Alle schauen Thai-TV, so verstehen sie auch Thai.
Mit Englisch kommt man hier nicht weiter.
Nur Taxifahrer und Tuktuk-Fahrer können Tenglisch (Thai-Englisch).

Wie stark die Kontrolle des Militärs ist, sah man letzten Samstag.
Da war der sogenannte Tag des Kindes.
In Thailand wurde er unter anderem so gefeiert:
Kinder konnten in Kasernen gehen, und dort mit scharfen Waffen ballern!
Das hat mich an meinen Aufenthalt in Israel erinnert.
Ich war mal dort in der Zeit des Osterfestes.
Auf dem Jahrmarkt gab es für Kinder massenhaft Wasser-Maschinengewehre
zu kaufen, um sie früh ans Mordhandwerk zu gewöhnen.
Im Staatsfernsehen von Thailand sieht man bi den Nachrichten im Hintergrund
einen Militärhubschrauber mit laufenden Rotoren.


In ihrem Reinlichkeitsfimmel entwickelten die Thai einen sehr
wirkungsvollen Besen. Ich war anfangs skeptisch, als ich das Ding sah.
Aber die Thai-Besen fegen wirklich viel besser, als irgendeiner aus Deutschland!

Heute fand ich auf dem Dorfmarkt eine neue Delikatesse.
Ich habe keine Ahnung, aus was sie ist, aber sie schmeckt sehr gut!
Es ist etwa wie ein fester Pudding oder Käsekuchen, mit Joghurtgeschmack,
und oben drauf Kokosraspeln! Verkauft werden die Schnitten,
eingewickelt in Streifen von Bananenblättern. Es gibt sie auch mit Kakao.
Eine Hausfrau, Khun Naang, verkauft die Nachspeisen vor ihrem Haus.
8 Schnitten, 5cm x 5 cm x 3cm kosten 20 Baht = 60 Cent.^

Letzte Woche gab es in Chiang Mai eine Protestaktion,
an der über 500 Personen teilnahmen.
Sie protestierten gegen die Militärdiktatur von Thailand,
welche die Wirtschaft zu Grunde richtet.

Heute sprach ichlängere Zeit mit einer Thai-Freundin über Liebe und Sex.
Sie meint, die meisten Thai-Frauen werden so erzogen,
dass sie nicht darüber reden können.
Wenn eine Thai-Frau einen Mann kennenlernt, und er redet von Liebe,
dann schalten die meisten Frauen um, brechen jeden Kontakt ab.
Das entspricht nicht dem Bild, das Ausländer von Thailand haben,
ist aber die andere Seite des Sex-Tourismus, der übrigens sehr nachlässt.

Ein anderes Problem für Thai-Frauen ist, die Wahrheit zu sagen,
besonders dann, wenn sie in einer Situation sind, in der sie Nein-Sagen sollten.
Dann lügen sie irgendetwas zusammen, oder sie verstummen, und sagen nichts.
Das verschlimmert natürlich die Situation.
Was sie erreichen wollten, ihr Gesicht zu wahren, wandelt sich ins Gegenteil.
Diese Freundin eröffnet demnächst ein Restaurant.
Dazu muss sie das Personal trainieren, wie man mit Gästen aus Europa umgeht.
Ein Problem dabei sei, wie kann man einem Europäer nein sagen,
ohne dass er zutiefst beleidigt ist?
Einem Europäer mag das seltsam vorkommen, und ist es auch,
aber das sind die Früchte einer streng Hierarchischen Gesellschaft.

Hunde haben es da einfacher.
Sie kämpfen kurz darum, wer das Sagen im Revier hat, und dann ist alles ok.
Hier in Siri, wie in anderen Dörfern und Städten in Thailand,
leben die Hunde ein ziemlich freies Leben.
Sie sind so selbstsicher, wie ich sie nur noch bei Strandhunden in Spanien kenne.
Einen Hund mitten auf einer Kreuzung liegen zu sehen, ist Alltag!

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Re: Länderberichte THAILAND:

#113

Beitrag von Sabine Bauer »

Danke für Deinen umfangreichen Bericht, wie immer sehr interessant .

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Re: Länderberichte THAILAND:

#114

Beitrag von nicole6 »

Liebe Heidi,

heute Morgen, als ich von meinem Haus nach Siri fuhr,
stand wieder der Hahn mitten auf der Straße und schaute mich an,
ging aber nicht zur Seite. Ich musste um ihn herumfahren,
Ich war neugierig und hielt an. Was macht er, wenn ein Auto kommt?
Schon eine Minute später kam eines. Er hörte es von weitem,
und ging langsamen Schrittes zur Seite. Seine Weibchen aber rannten
wie der Blitz über die Straße. Er folgte ihnen gemächlich, wobei er
ein beruhigendes Gaaaaag gaaaaaag gaaaag verlauten ließ.
Dann sah ich einen großen Vogel in etwa 6 Meter Höhe vorbeifliegen.
Ich wunderte mich, was das wohl für eine Spezies ist.
Bei der Landung entpuppte das Tier sich als gewöhnliches Huhn!
Da sie den ganzen Tag frei herumtollen, sind sie auch so fit, dass sie
dreißig Meter locker fliegen können!
Ich dachte dabei an die Hühner in Legefabriken.

Eine alleinerziehende Thai-Frau gibt mir nun Nachhilfe in Thai.
Sie hat mich in ihr Haus eingeladen.
Das Haus besteht aus vier Wänden, 6x6 Meter, und einem Eternit-Dach-
Innen ist ein 3x3m großer Raum abgetrennt.
Da schläft ihr Vater und ein Bruder. Sie schläft im offenen Bereich
mit ihrem Sohn. Es gibt keinen Tisch noch Stühle.
Schränke sind aus Second-hand-Läden.
Herd, Waschmaschine und Abstellregale sind in einem Anbau, 2x3 Meter.
Daneben Toilette mit Dusche. Ich glaube, in Deutschland würde man
den Raum nicht einmal als Werkstatt akzeptieren.
Für sie ist alles ok. Es ist ihr Haus.

Sie ist sehr gläubig. Doch ist es falsch, sie als Buddhistin zu kennzeichnen.
Eigentlich wird in Thailand ein modifizierter Hinduismus praktiziert.
Auch die Mönche wissen wenig vom Buddhismus.
Das ist leicht zu verstehen. Wenn eine Familie ihren Sohn in den Tempel
schickt, dann ist es oft. Weil sie ihn nicht mehr durchfüttern wollen,
oder können. Der Sohn wuchs mit animistischen Praktiken auf, die er
nicht deshalb ablegt, nur weil er nun die Mönchskutte anhat.

Wenn sich ein Mönch in eine Frau verliebt, dann kann er jederzeit
den Tempelbezirk verlassen und Sex haben. Falls er später wieder Mönch
sein will, ist das auch möglich, Nur, Sex im Tempelbezirk ist nicht gestattet.

Wie im Westen besteht eine Kluft zwischen der offiziellen Religion des
Machtapparats, und dem praktizierten Glauben der Leute.
Niemand fürchtet Buddha, oder irgend eine der männlichen Gottheiten.
Diese Götter sind zu entrückt. Sie haben kein Interesse an den täglichen
Problemen der Bäuerin oder Marktfrau. Die Leute fürchten böse Geister.
Hier meine ich Geister (Ghosts), nicht Elfen und Naturwesen (spirits).
Deswegen hat der Geister-Doktor eine so hohe Stellung.
Alle Grundstücke haben irgendwo, meist in der Nähe
des Eingangs, einen kleinen Modellbau-Tempel auf einem
Holzpfahl. Darin sollen die Geister leben, und das Haus
verschonen. Man gibt ihnen zu Essen und Trinken, und
kleine Opfergaben, um sie milde zu stimmen.

Es gibt zwei Thai-Gottheiten, Nang Kwak, und Pra Mae Thorani.
„“Pra“ kommt aus dem Indischen, und bezeichnet eine heilige Person,
“Mae“ ist Thailändisch für “Mutter“, und “Thorani“ ist ihr Name.
Sie war ziemlich sicher eine prä-arische Göttin des Lebens, weil sie
Macht über alles Wasser hat. Dem Mythos nach, sah sie, wie sich die
Feinde Siddharthas ihm näherten, als er versuchte die Erleuchtung
zu erlangen. Sie wusch sich gerade die Haare. Da wrang sie das Wasser
aus ihren Haaren, und alle Feinde ertranken.
Jetzt konnte Siddjartha die Erleuchtung bekommen, und wurde zum Buddha.
Die Erleuchtung erhielt Buddha also nur durch die Hilfe einer Frau.

Es gibt noch eine Variation: die Königin der Schlangen, die Königskobra,
beschützte Siddharta beim Meditieren während eines Gewitters, und er
wurde erleuchtet. Auch hier brauchte er die Hilfe eines weiblichen Wesens.
Man kennt aus der Bibel eine ähnliche Geschichte mit Moses.
Pra Mae Thoranie wird in Thailand mehr verehrt als Buddha.

Eine ähnliche Verehrung erfährt Nang Kwak. Sie war eine historische Person,
die berühmt wurde, weil sie mit ihrem Geld der Gemeinschaft half.
Später nutzten die Mönche ihre Bekanntheit aus, und machten aus ihr
eine Göttin. Man sieht sie vor den meisten Geschäften, da sie einem
Erfolg im Geldverdienen bringen soll.

Bei ihrem Sauberkeitsfimmel ist es kein Wunder, dass die Thai einen Besen
entwickelten, der gut funktioniert. Er ist sehr flach und breit, in der Form
eines Dreiecks, mit sehr langen und weichem Besenhaaren. Da ich nur
europäische Besen kannte, war ich anfangs skeptisch. Aber damit fegt man
sehr gründlich, ohne dabei Staub aufzuwirbeln. Sand, kleine Steine, Staub,
alles nimmt der Besen mit. Wenn r nicht so groß wäre, würde ich einen nach
Deutschland mitbringen.

Grundsätzlich esse ich erst alles einmal, wenn es mir vorgesetzt wird.
Ansonsten, wenn ich die Wahl habe, greife ich zum Bekannten.
Aber bei Nachspeisen probiere ich alles aus.

Sex und Liebe ist in Thailand, wie auch in China, ein großes Tabu-Thema.
Diktaturen fördern das, weil man mit Sex Schuldgefühle erzeugen kann,
und dann sind die Leute leicht manipulierbar. Alle Religionen basieren darauf.
In Städten und Dörfern leben viele Lady-boys und Tom—boys, Mädchen,
die als Jungs leben wollen. Sie werden toleriert, aber verachtet.
Militär und Polizei brauchen Machos, die spontan Rohinjas erschießen,
und Aus F16 Bomben abwerfen.

Gestern sprach ich mit einer Thai-Freundin. Ich wollte wissen, was passiert,
wenn eine Thai ohne BH auf die Straße geht. Sie meinte, dann sehen die
Männer die Brustwarzen und meinen, die Frau sei eine Hure und suche einen
Kunden. Ich fragte daraufhin, ja, ok, und wo ist das Problem?
Die Männer sollen doch denken was sie wollen! Sie lächelte verlegen.

Thai-Frauen, die in Deutschland als Sexarbeiterinnen tätig sind,
kommen meist aus landwirtschaftlichen Provinzen.
Wenn sie auf dem Land jeden Tag 10 Stunden auf dem Feld arbeiten,
erhalten sie am Monatsende um die 200 Euro.
Das Leben kommt auf 50 Euro im Monat, wenn man selbst kocht.
Landarbeiterinnen bekommen meist ein Mittagsmahl gestellt.
Das Haus, in dem ich hier wohne, kostet 50 Euro im Monat.
Ich lebe hier allein. Normalerweise lebt darin eine ganze Familie.
Mit 100 Euro hat man also sein Leben gesichert.
Wenn dann jemand kommt und verspricht, 2oo Euro am Abend zu machen,
dann fallen einige darauf hinein, denn sie rechnen nicht mit dem
Kosten fürs tägliche Leben in Deutschland.
Wenn ich da nur die Transportkosten bedenke!
Eine 50km-Fahrt von Weilheim nach München kostet 25 Euro.
In München kommt dazu eine Streifenkarte für 15 Euro.
Hier hingegen kostet ein Sammeltaxi über eine Strecke von
100 km zwei Euro, wenn ich das Fahrrad mitnehme. 1 Euro mehr.

Hier ist jetzt stabiles Winterwetter, rü duu nao = die kalte Jahreszeit.
Das heißt, morgens um die 17 Grad, mittags 31-33 Grad bei wolkenlosem Himmel.
Ab Februar wird es dann wärmer, mit dem Maximum im April.
Dann wird es nachts auf 28 -30 Grad abkühlen, bei 40 Grad nachmittags.
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Re: Länderberichte THAILAND:

#115

Beitrag von nicole6 »

an Ariane,
die Cab Do Bar kenne ich nicht indem ich drin war,
weiß aber wo sie ist. Sie ist etwa 2km südlich von der Rotlicht-Zone in Chiang Mai,
der Loi-Kroh-Road.
Ich wohnte mehrere Jahe in Loi_kroh,
bin aber jetzt in Phrao, 100km nördlich, für ein soziales Projekt tätig, für das ich Skulpturen mache.
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Re: Länderberichte THAILAND:

#116

Beitrag von nicole6 »

Ich überlegte mir. Was der Name “can do“- Bar bedeuten kann,
denn er ist für thailändische Verhältnisse ungewöhnlich.
Wenn es Englisch sein soll. Fehl^t das Subjekt.
Soll es eine latinisierung von Thailändisch sein,
kann es alles mögliche bedeuten, da die Tonalität fehlt.
Latinisiert ausgesprochen, also „kan doo“, kann es “.Apartment“
heißen, eine Kurzform von dem Begriff “.Condominium“,
oder “.Korb voller Blumen“, je nach Tonhöhe ausgesprochen.
Berücksichtigt man aber auch den lokalen Dialekt, da bedeutet
“gan“ ein Treffen von Personen, und “do“ ist ein Slang-Wort für Penis.
Spricht man “can doc“ Englisch aus, also “kän duu“,
so bedeutet das in Thai: “sei liebevoll“.
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Re: Länderberichte THAILAND:

#117

Beitrag von nicole6 »

Die Gegend wäre eigentlich ideal für den Rad-Tourismus,
Eigentlich.
Das Problem sind einige Hunde von Privatleuten.
Diese Leute haben ihre Hunde darauf abgerichtet, jeden Fremden anzugreifen.
Die Köter kommen dann wie der Blitz, geifernd und krächzend, aus dem
Hof angerannt, und wollen mir ins Bein beißen.
Jetzt habe ich vor diesen Scheißkerlen keine Angst, und ich weiß mich zu wehren,
aber was ist, wenn da eine Familie mit Kindern vorbeiradeln würde?
In jedem Dorf werde ich mindestens einmal angegriffen.

Das ist nicht lustig! Kein Wunder, dass es hier keine Besucher gibt!
Für Projekte wie Siri, für die ich hier Skulpturen mache,
ist das ein gravierendes Problem!
Sie wollen Fremde in ihr Restaurant bringen, und für ihre Gästehäuser.
Leute, welche die Stadt lieben, verirren sich nicht nach Phrao.
Menschen, welche gerne in der Natur sind,
wollen auch mit dem Rad die Gegend erkunden.
Hier geht das nur unter der realen Gefahr, von einem Hund gebissen zu werden.

Ich wurde erst vor einer Woche von einem Köter ins Bein gebissen.
Da seine Besitzerin, eine etwa 80-jährige Frau dabei war,
nahm ich an, sie würde den Kläffer zurückhalten.
Die anderen Male haben die Besitzer ungerührt zugeschaut, wie ihre Hunde
mich angriffen. Zweimal waren es Mönche, die nicht eingriffen,
als 5-6 Hunde mich umzingelten und beißen wollten!
Scheißtypen, diese Mönche! Ich verachte sie zutiefst!
Ich konnte mich nur verteidigen, da ich mein Fahrrad dabeihatte,
mit dem ich auf die Hunde einschlug.
Hätte ich eine Waffe gehabt, ich hätte sie alle erschossen.
Das ist nicht jedermanns sache, und auch kein Ansporn zu Besuch zu kommen.

Das Problem mit den Hunden ist in ganz Thailand akut.
Hier kommt die Erziehung zur Verantwortungslosigkeit zur Blüte.
Diktaturen brauchen Menschen, die kritiklos Kommandos ausführen.
So werden durch ständige Gehirnwäsche, vom Kindergarten über die
Grundschule bis zu Hochschule, Menschen geformt, welche das
System als solches nicht in Frage stellen.
So häufen sich in den Personen Ärger und Frust an.
An Festen wie Songkhran, wird die gespeicherte Gewaltbereitschaft ausgelebt.
Da es auch unter Touristen viele Personen gibt, welche Frust angehäuft haben,
nehmen diese Typen an den Kriegsspielen in Chiang Mai teil.
Dann laufen sie in Horden mit Wasser-Maschinengewehren durch die Straßen,
um Menschen“ abzuschießen“, darunter auch Motorradfahrer.
Dass es dadurch schwere Unfälle gibt, wird in Kauf genommen!
Songkhran ist immer Mitte April. An den drei Tagen bleibe ich sicher Chiang Mai fern!

Eine Bekannte erzählte mir einen typischen Fall:
Der Hund einer Familie hatte die Angewohnheit,
aufs Auto des Nachbarn zu klettern und auf dem Dach sich niederzulassen.
Der Nachbar ermahnte den Hundebesitzer, da der Hund den Lack zerkratzte.
Der Hundebesitzer meinte, das sei ihm egal, das sei nicht sein Hund.
So erschoss der Nachbar den Hund.
Aber jetzt zeigte der Hundebesitzer den Nachbarn an.
Anklage wegen: zerstören eines Objekts in Privatbesitz!
In Thailand sind Tiere keine Lebewesen, sondern Gegenstände.

In diesem Fall hat man viel von der Gesellschaft Thailands zusammengepackt.
Leute halten sich Hunde, geben ihnen zu essen,
lassen sie aber meist nicht ins Haus.
Stellt der Hund etwas an, ist es nicht ihr Hund.
Geschieht dem Hund etwas, wie im obigen Fall, war es ihr Hund.

Pon gibt mir Thai-Unterricht.
Sie lebt in einem winzigen Haus auf den Hügeln.
Pon hat auch Hühner,
Ich konnte mir dort diese Vögel näher anschauen.
Sie sehen ganz anders aus, als ich Hühner in Europa kenne.
Sie sehen eher aus wie eine Krähe.
Abends schlafen sie auf Bäumen.
Ich wunderte mich schon, da überall in den Dörfern Hühner herumtollen,
aber man sieht keinen Hühnerstall!
Um oben auf die Bäume zu kommen, müssen sie fliegen können.
Jetzt weiß ich auch, warum sie so fit sind!
Die Eier schmecken fabelhaft gut!
Sie sind etwas kleiner als die Eier in Europa, aber besser!
Während ich mit Pon Thai lernte, kam ein Huhn ins Haus,
schaute mich eine Weile an, und legte sich dann neben mir zum schlafen hin.

Um zu Pon zu kommen, muss ich durch Reisfelder mit dem Rad fahren.
Ohne Brille geht das nicht!
In Deutschland war das noch vor 50-60 Jahren so,
Da hatten die Bauern noch nicht die ganze Natur vergiftet,
und es gab Milliarden von Insekten.
Wenn ich in den 60ern mit dem Auto nach München fuhr,
musste man an jeder Raststätte Windschutzscheibe und Kühlergrill
von Fliegen reinigen. Hier ist es immer noch so, obwohl die
Reisbauern auch nicht zimperlich sind, was Giftspritzen angeht,

In den Reisfeldern sieht man zahllose Störche, Kraniche, Ibise, und Kormorane.
Aber sie sind schwierig zu fotografieren.
Solange ich mit dem Rad fahre, stehen sie herum.
Sobald ich aber anhalte, fliegen sie weg!
In den Reisfeldern finden diese Vögel tausende Frösche,
die von hunderten Millionen Fliegen leben.

Hier ein Foto von meiner letzten Tour in die Berge,
Anna

ext/dmzx/imageupload/files/80c0fabd2470 ... 2510d8.jpg

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Re: Länderberichte THAILAND:

#118

Beitrag von nicole6 »

Lieber Franz,
Ich frage mich nicht täglich, aber doch oft, was ich hier zu suchen habe.
Ich weiß es noch nicht.
Ich vermisse in Phrao eine Menge, z.B. gutes Essen, guten Kaffee, Wärme,
meine Freunde von Chiang Mai. Allgemein vermisse ich windsurfen, die
schönen Berge von Südtirol. Aber das habe ich in Deutschland auch nicht.

Wenn ich Anfang Mai nach Deutschland komme, weiß ich eventuell mehr.
Die akademische Wissenschaft hat das Dogma erfunden, dass es
Kausalität nur in eine Richtung gibt, dass also die Ursache vor der Wirkung ist.
Dem widerspricht jedoch das wichtigste Experiment in der Quantenoptik.
Das zeigt, dass eine Entscheidung in der Gegenwart die reale Vergangenheit ändert.
Anders gesehen, die Gegenwart kann aus der Zukunft Informationen erhalten,
welche die Gegenwart so ändert, dass in der Zukunft die entsprechende
Entscheidung getroffen wird. Es ist also eine in der zeit rückwärtsgewandte
Kausalität. Der Physiker, welcher 1982 das Experiment machte, Alan Aspect,
bekam 1984 dafür den Nobelpreis.
Ich habe Quantenphysik studiert, im speziellen, Quantenoptik, und kann
deshalb diese Fakten nicht ignorieren.
Das heißt, praktisch angewendet, in meiner Zukunft treffe ich eine Wahl, deren
Effekt in der Gegenwart so ist, dass ich hier in Phrao landete.
Irgendwann werde ich dann sehen, welche zukünftige Ursache die Wirkung
in die Vergangenheit schickte.
Keine Sorge! Ich bin nicht übergeschnappt! Ich habe nur Physik studiert
und auch verstanden. Das kommt nicht immer zusammen!

Im Mittelalter hielten sich Könige Clowns, die ihnen die Wahrheit sagen konnten,
ohne dadurch im Gefängnis zu landen, oder das Leben zu verlieren.
In Thailand ist man sparsam mit dem Personal.
Da mimt der König selbst diese Rolle.
Dafür landet man nun im Gefängnis, wenn man über den Clown lacht!
Die Videos auf YouTube bei der Krönung zeigen es.
Wenn ich das öffentlich sagen würde, landete ich sofort im Gefängnis.

Die militaristische Erziehung in Thailand, und der Wahn, der König
sei gottgleich, beginnt in der Praxis schon im Alter von 4 Jahren!
Das ist das Alter, in dem Kinder in die Schule gehen.
wenn sie nicht mit 4 Jahren anfangen würden, könnten sie nicht
in 6-8Jahren die absurden und unsinnigen Schreibregeln lernen.

Welche Entwicklung hätte wohl Europa genommen, wenn ein paar
Idioten an der Macht sich Schreibregeln ausgedacht hätten, wo die
Kinder im Kindergartenalter schreiben lernen müssen, damit sie es
als Jugendliche einigermaßen können?

Schon die 4-Jährigen müssen in der Schule Uniform tragen.
Das hat das thailändische Schulministerium bestimmt.
Ich fragte Bekannte hier, was geschieht, wenn jemand ohne Uniform kommt.
Sie sagte, das traut sich niemand.
Weitere Frage: was ist, wenn sich eine Familie die Zwangsuniform
nicht leisten kann? Kommt sie ins Gefängnis?
Dazu gibt es Spenden, damit arme Familien der Militarisierung
der thailändischen Gesellschaft nicht entkommen können.
Familien, die sich die Uniform nicht leisten können,
werden an den Pranger gestellt. Die Schule macht dann
von den Kindern Fotos, welche veröffentlicht werden,
mit der Bitte um Spenden. Das mag auf den ersten Blick
als Hilfe angesehen werden, ist es aber nicht, da die
Gesellschaft hier extrem kapitalistische Hierarchien schuf,
bei dem Geld den sozialen Wert der Person darstellt.
Deswegen geben reiche Eltern ihren Kindern pro Tag
manchmal1000 - 3000 Baht (30-90 Euro) in die Schule mit.
Ein Kind, das um eine Spende für die Uniform betteln muss,
wird so an den Rand der Gesellschaft gedrängt.

Um den extremen Nationalismus weiter zu fördern,
müssen die Schulkinder alle morgens die Nationalhymne singen,
und ein Loblied auf den gottgleichen König, der nicht einmal
in Thailand lebt, sondern in Deutschland!
Bei diesen Lobeshymnen, müssen die Kinder wie in einer Kaserne
in Reih und Glied stramm stehen. So lernen sie, gehorsame und
kritiklose Untertanen des Königs zu werden, und gleichzeitig
Soldaten, welche sich gut für das Mordhandwerk eignen.

Im Geschichtsunterricht werden nur gefälschte Inhalte vermittelt.
Das geschieht wiederum so dilettantisch, dass selbst die Schüler
merken, dass sie indoktriniert werden. Da werden manchmal von
einem Jahr aufs andere in den Schulbüchern andere Inhalte als
vermeintlichê Fakten dargestellt. Am schlechtesten kommen dabei
die Birmanen weg, welche Rama VI als Erzfeind erfand.
Birmanen, welche nach Thailand kommen, wissen mehr über die
reale Geschichte Thailands, als die Thai selbst.
,
Als ich heute Abend von Pon mit dem Rad durch die Reisfelder
nach Hause fuhr, versuchte ich zu schätzen, wie viele Mücken mir
pro Sekunde auf den Leib prasseln. Das sind mindestens 10 pro Sekunde!
Ein Vogel braucht hier also nur den Schnabel aufmachen,
und immer nur geradeaus fliegen. Im Nu ist der Bauch voll!

Am Nachmittag war ich wieder schwimmen.
Das letzte Mal war vor einer Woche.
Das Wasser im Becken war aber so kalt,
dass ich nach 200 Metern aufgeben musste.
Inzwischen sind die Temperaturen morgens von einstelligen Werten
auf erträglichere zweistellige 14-15 Grad gestiegen.
Ich konnte deshalb heute einen halben Kilometer schwimmen,
bevor mir die Zehen zu kalt wurden.
Ich denke, in zwei bis drei Wochen wird der Pool 25-26 Grad haben,
und im März werden es um die 30 Grad werden.
Nachts brauche ich nur noch drei Decken übereinander,
und keinen warmen Pullover dazu, wie die Wochen vorher.

Eine meiner Favoriten bei den Früchten ist Guava,
Die Guava Frucht, auf Thai heißt sie “Farang“, was “Fremder“ bedeutet
“farang“ wiederum, ist kein Thai-Wort. Es stammt aus der Kolonialzeit.
Die Thai konnten “France“ nicht aussprechen, sie machten daraus “farang“.
Guava hat eine Konsistenz wie eine Birne, und einen Geschmack wie eine
Mischung aus einem leicht sauren Apfel und Erdbeeren.
Die Bäuerin im Dorf, wo ich meine Bananen kaufe, und die guten Krapfen,
hat mir eine neue ihrer Kreationen vorgestellt. Es sind auch diese
Mini-Krapfen, etwa so groß wie eine Nuss, mit einer Füllung aus
Kokosraspeln in Schokoladencreme! Hmmmmmmmmm! Fabelhaft gut!

Thai im Norden mögen keine Moslems.
Der Süden Thailands wird hauptsächlich von Moslems bewohnt.
Das hat historische Gründe. Der Süden gehörte zu Malaysia
und wurde von den Thai besetzt.
Einer der Hauptgründe für die Unbeliebtheit der Moslems,
ist deren Borniertheit und Engstirnigkeit.
Eine Freundin, die eine Muslimin als Nachbarin hat, erzählte mir,
dass sie diese Frau einmal zum Abendessen eingeladen hat.
Die Freundin versicherte der Nachbarin, kein Schweinefleisch zu verwenden.
Die Muslimin lehnte ab. Grund:
Sie kann nicht sicher sein, dass in der Vergangenheit in der Pfanne
irgendwann einmal Schweinefleisch gebraten wurde.
Damit ist die Pfanne für alle Zeiten infiziert, und vergiftet alle Speisen.
Dass man sich mit solchem Schwachsinn keine Freunde macht,
liegt auf der Hand!
Anna

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Re: Länderberichte THAILAND:

#119

Beitrag von nicole6 »

gestern Abend war ich mit Pon im Tempel neben Siri.
Am Wochenende wird eine Bestattungszeremonie stattfinden,
bei der sie die Leiche des letzten Abts kremieren werden.
Er starb mit 58 im letzten Jahr am 16. Mai. Seither liegt die Leiche im Sarg.
Das wird ein großes Spektakel werden!
Einer der Mönche hat mir den Sarg mit der Leiche im Tempel gezeigt.
Er steht im Hauptgebäude direkt neben der großen Buddhastatue,
in einem Seitenteil, das mit einem Vorhang abgetrennt ist.
Ich hatte erwartet, dass mich ein Totenkopf anstarrt, etwa so, wie man es
in den Horrorfilmen sieht. Immerhin liegt die Leiche ohne Kühlung
bei tropischem Klima seit einem dreiviertel Jahr im Sarg!
Aber die Leiche war nicht einmal schrumpelig wie eine Mumie,
nur sehr weiß, und hatte einen schwammigen Eindruck.
An beiden Seiten war sie mit zahllosen Kräutern eingebettet.
In Büchern las ich mehrfach, dass Leichen von buddhistischen Mönchen
nicht verwesen, oder von Würmern und Maden zerfressen werden.
Ich hielt das für Aberglauben und erfundene Geschichten der Gläubigen.
Jetzt aber sah ich e^s mit eigenen Augen!

Ein paar Mönche holten die Leiche aus dem Sarg,
und legten sie auf ein mit wertvollen Tüchern belegtes Brett.
Mit den Tüchern wurde der Leichnam eingewickelt.
Etwa 30 anwesende Gläubige robbten sich auf den Knien zur Leiche.
und verbeugten sich vor ihr. Dann robbten sie wieder auf den Knien zurück.
Eine Kapelle spielte dabei typische Lanna-Musik.
Ich machte von allem Fotos, Videos und Tonaufnahmen.
Bisher sah ich so etwas nur in Filmen.
Es in Realität zu erleben, ist aber viel interessanter!
Morgen Nachmittag geht es weiter.
Der Aufwand ist enorm! Mit Worten kann man es kaum beschreiben!
Später werde ich Fotos schicken.

Am Wochenende war ich in Chiang Mai, um den Umzug
des Dogmai-Festes zu filmen. Das Video muss ich noch schneiden.
Die Wägen im Umzug haben mich nicht beeindruckt.
Die Regierung hat jeden der 20 Wägen mit 7000 Euro gesponsert.
Nach meiner Einschätzung wurden da maximal 1000 Euro pro Wagen
verbraucht, meist viel weniger, Die Differenz von 6000 Euro pro Wagen,
versickerte wohl in diversen Beratungshonoraren.

Der Tag des Umzugs ist auch der Geburtstag Buddhas.
Alle Bars sind geschlossen. Alkoholausschank ist verboten.
Die Jugend hat vorgesorgt.
Selbst Bierbrauen ist groß in Mode.
So laden die privaten Bierbrauer ihre Freunde ein,
in den Bergen, in einer Hütte, wo niemand sie sieht,
ein Saufgelage zu veranstalten.

Wer gut mit Pflanzen umgehen kann, dem wird ein sogenannter
grüner Daumen nachgesagt. Was ist das Gegenteil?
Wohl ein roter großer Zeh!
Den muss ich wohl haben!
Jetzt waren die Wunden gerade dabei abzuheilen,
da stolperte ich in Ching Mai wieder über Schrauben, die nach oben ragten.
Dieses Mal waren sie nicht auf dem Gehweg montiert, wie in Vientianne,
sondern auf der Straße. In Thailand gibt es zwar so etwas, das man mit
viel gutem Willen in die Kategorie “Gehweg“ einordnen könnte,
ein besserer Name ist allerdings “geh weg!“, denn der Streifen wird
entweder von den Anwohnern zur Verkaufsfläche eigener Waren benutzt,
oder es stehen Telefon- und Strommasten mitten auf dem Weg,
der oft nur einen halben Meter breit ist. Gehen kann man nur auf der Straße.
Und da parken die Autos. Motorräder werden immer so abgestellt,
dass sie rechtwinklig in die Fahrbahn stehen!
Sie blockieren so mehr Straße, als ein Auto!
Keine Ahnung, was da mal mitten auf der Straße montiert war.
Die Autoreifen haben zumindest das Schraubengewinde rund abgefahren,
so dass die Vorderseite des Zehs nicht mehr zerfetzt wurde.
Ich bin in Thailand, nicht in Europa.

Von einer Pussa-Frucht habe ich bisher noch nie gehört.
Sie ist etwa groß wie eine Walnuss, hat eine Lederhaut wie ein Avocado,
einen dicken Kern, umgeben von einem wohlschmeckenden Fleisch.
Meine Freunde suchten im Internet nach einem Namen auf Englisch,
fanden aber nur den Japanischen: “dschub dscha“, und ,mussten lachen.
Als ich sie fragte, was daran so lustig ist, erklärten sie mir, dass der
japanische Name in Thai “ich werde dich küssen“, bedeutet.

In Thailand bestimmt ein Massaker eines Soldaten, der am Wochenende
wahllos 28 Menschen ermordete, immer noch die Gesprächsthemen.
Der Soldat, also ein vom Staat ausgebildeter Massenmörder, tat das,
wozu er ausgebildet war. Was in diesem Zusammenhang in Thailand nicht
diskutiert wird, ist die militarisierte Erziehung, die Aufforderung an Kinder,
zum Kindertag in die Kasernen zu kommen, und mit scharfen Waffen
herumballern. Wie lustig das ist, zeigte nun der Soldat.
Heute findet man in der Bangkok-Post noch einen Artikel, in dem ein
13-jähriger einen Gleichaltrigen mit der Waffe seines Vaters erschoss.
Ob diese Jungs vorher in der Kaserne waren, sagt der Artikel nicht.

Von Woche zu Woche steigen die Temperaturen leicht an,
In der Nacht brauch ich nur noch drei Decken übereinander,
und morgens kann ich meine Kleidung auf 2 T-shorts, 2 Pullover,
und warmer gefütterter Jacke reduzieren.
Um 9 Uhr kann ich dann die warme Jacke ausziehen,
um 11 den Pullover, und ab 14 Uhr reicht bei 30 Grad im Schatten ein Shirt.
Nächste Woche wird es morgens 17 Grad, und spät Nachmittags 33 Grad.

Mit der Sprache geht es langsam weiter-
Was mir fehlt, ist das Vokabular. Das braucht Zeit.
In Thailand gibt es so viele Dialekte wie in kedem anderen Land.
Dazu gibt es noch weitere Sprachen, den die Thai sind hier als Unterdrücker und
Ausbeuter, Sklavenhalter, und Kriegstreiber eingefallen.
Die anderen Sprachen werden immer noch praktiziert,
aber nicht anerkannt, wie zum Beispiel in Südtirol, das die Italiener
den Österreichern geraubt haben. So wie es in Südtirol Leute gibt,
die kein Italienisch können, so leben hier Volksgruppen,
die kein Thai sprechen. Hier in Siri wird Lanna gesprochen.
Das ist eine eigene Sprache. Ein Beispiel:
Auf Thai heißt “einen Moment, bitte!“ = “ruu sakruu“,
auf Lanna ist es “lo dam na dschau“.
Ich mache mir keine Mühe, Lanna zu lernen. Mir reicht es, wenn ich mal
Thai besser reden kann. Da ich Anfang März wegen dem Visum nach
Vietnam fliege, habe ich mir einen Sprachführer Vietnamesisch besorgt,
damit ich zumindest ein paar Ausdrücke kenne, wie das Grüßen,
die Zahlen, was man zum Einkaufen braucht, in Restaurants, und so.
Anna

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Harsch
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Re: Länderberichte THAILAND:

#120

Beitrag von Harsch »

Liebe Anna,
Danke für diesen schönen Bericht!
Liebe Grüsse,
Harald
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