Lokalnachrichten: HAMBURG

Hier findet Ihr "lokale" Links, Beiträge und Infos - Sexarbeit betreffend. Die Themen sind weitgehend nach Städten aufgeteilt.
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Marc of Frankfurt
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#221

Beitrag von Marc of Frankfurt » 2014-01-04, 23:37

Rotlichtviertel HH St. Pauli ist jetzt Teil des Gefahrengebiets mit Polizei-Sonderbefugnissen


Seit den gewaltsamen Konflikten um die von der Polizei eskalierte Protestdemo um die Zukunft des Spekulationsobjekts und linke Kulturzentrum Rote Flora. Die Medien und Youtube-Videos haben darüber vielfach berichtet.


In Hamburg gilt ab 04.01.2014 morgens früh ab 06:00 ein neues #GefahrengebietHH und die Größe übertrifft das alte bei weitem.

Hier darf die Polizei ab sofort verdachtsunabhängig Personen kontrollieren, Personalien feststellen und ggf. Personen für weitere erkennungsdienstliche Maßnahmen mit auf die Dienststelle nehmen. Des weitren dürfen im gesammten Gebiet Platzverweise ohne Begründung ausgesprochen werden.

Bild
#GefahrengebietHH
Kulturzentrum Rote Flora (nähe Post-Symbol und S-Bahn-Station oben rechts)
Reeperbahn St. Pauli (nähe gleichnamiger U- und S-Bahn-Stationen weiter unten)


VG Hamburg: Verdachtsunabhängige Identitätskontrolle und Durchsuchung in sog. Gefahrengebieten; Aufenthaltsverbot und Ingewahrsamnahme

Eine Norm, die wie § 4 Abs. 2 PolDVG HA [Gesetz über die Datenverarbeitung der Polizei
vom 2. Mai 1991 HmbPolDVG www.landesrecht-hamburg.de/jportal/port ... lDVGHAV6P4 (?)] verdachtsunabhängige Identitätskontrollen in Gebieten ermöglicht, in denen nach konkreten Lageerkenntnissen voraussichtlich Straftaten von erheblicher Bedeutung begangen werden (sog. Gefahrengebiete), ist bei restriktiver Auslegung verfassungskonform.

Während eine Durchsuchung nach allgemeinem Polizeirecht eine konkrete Gefahr voraussetzt, ermöglicht § 4 Abs. 2 PolDVG HA eine verdachtsunabhängige Inaugenscheinnahme von Sachen. Diese Inaugenscheinnahme darf deshalb nicht in gleicher Weise wie die Durchsuchung in die Privatsphäre des Betroffenen eingreifen, sondern muss sich auf eine Betrachtung der mitgeführten Sachen beschränken. Ein Abtasten oder der Einsatz von Detektoren oder Spürhunden ist davon nicht umfasst.

Für ein Aufenthaltsverbot nach § 12b Abs. 2 SOG [Niedersächsisches Gesetz über die öffentliche Sicherheit und Ordnung www.schure.de/2101110/ndssog2.htm Nds.SOG (?)] müssen bei Bekanntgabe des Verbots konkrete Tatsachen die hinreichende Wahrscheinlichkeit einer Straftatbegehung rechtfertigen. Die Zugehörigkeit zum linken Spektrum, die Eintragung in einer polizeilichen Datenbank als “Straftäterin links motiviert” oder ein allgemein verbal aggressives Verhalten reichen dafür nicht aus.

Eine Ingewahrsamnahme zur Durchsetzung eines Aufenthaltsverbots setzt die Rechtmäßigkeit (nicht nur die Wirksamkeit) des Aufenthaltsverbots voraus.

VG Hamburg, Urt. v. 2.10.2012, 5 K 1236/11

www.jura.uni-hamburg.de/hrn/2013/03/13/ ... rsamnahme/

http://hh-mittendrin.de/2014/01/hamburg ... ngebieten/

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#222

Beitrag von ehemaliger_User » 2014-01-05, 13:12

Interessanterweise steht als Begründung für den Platzverweis "Verdacht der Begehung einer Straftat" auf dem Zettel!
Auf Wunsch des Users umgenannter Account

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RE: Lokalnachrichten: HAMBURG

#223

Beitrag von CK » 2014-01-06, 02:09

Der Ausbau des Polizeistaates ist in der Tat erschreckend und solche Sonderrechte können natürlich wieder mal auch gegen harmlose DrogenkonsumentInnen und SexarbeiterInnen eingesetzt werden. :(

Aber es sollte nicht vergessen werden, wie es dazu gekommen ist. Ich habe es bereits auf FB geschrieben: das autonome Dreckspack ist schuld. Das sind wirklich die nützlichen Idioten der Ferventen des Ausbaus des Polizeistaates.

Aus der ganzen Republik reisen asoziale Chaoten an und schmeissen wirklich riesige(!) Steine- man sehe sich die Videos der Demo mal an!- auf die Polizei. Eigentlich gehören die mit Gummigeschossen in die Flucht getrieben oder gleich zusammengeknüppelt. Dieser Abschaum der Republik! Das ist jedenfalls meine Ansicht.

"Linke"/Anarchistische Totalitaristen, sprich Staats- und Verfassungsfeinde sind das alles und keinen Deut besser als Faschisten. Schwarzer Block=Antifa-Faschos.
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Kampfbegriffe

#224

Beitrag von Marc of Frankfurt » 2014-01-07, 09:52

Die Formulierungen "Dreckspack", "asoziale Chaoten" und "Faschos"... sind nicht akzeptabel.

Deine Liberale Einstellung nicht zuletzt der Sexarbeit gegenüber akzeptieren und schätzen wir, eingedenk der Tatsache, dass auch den Menschen in der Prostitution solche Vorurteile oder Schimpfworte entgegengeworfen werden. Gerade deshalb sollten wir nicht solche Wortgewalt oder -vergewaltigung anwenden. Ich möchte dich bitten die Worte mit einer Bitte um Entschuldigung zurückzunehmen. Es gibt doch bessere Mittel um eine politische Position zu formulieren.

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Re: Kampfbegriffe

#225

Beitrag von CK » 2014-01-07, 19:52

Marc of Frankfurt hat geschrieben:Die Formulierungen "Dreckspack", "asoziale Chaoten" und "Faschos"... sind nicht akzeptabel.
Gut, wenn diese Begriffe hier im Forum nicht erlaubt sind, akzeptiere ich das. An sich dürfte ich sowas als Politiker ja eigentlich eh nicht sagen. Aber manchmal kriege ich mich halt nicht mehr gebremst vor Wut und ich sage das, was ich innerlich denke über diese Gewalttäter, sorry.
Marc of Frankfurt hat geschrieben:dass auch den Menschen in der Prostitution solche Vorurteile oder Schimpfworte entgegengeworfen werden.
Das ist aber Äpfel mit Birnen verglichen. Sexarbeit verletzt niemandes Rechte. Eine Prostituierte tut mir im Normalfall ja nix. Sie wirft keine Steine nach mir, zündet mein Auto nicht an, schlägt mich nicht zusammen, weil ich die „falsche Meinung“ habe, ergo – im Jargon der Autonomen!- ein „Faschist“ bin oder weil ich vielleicht ein „Bullenschwein“ bin usw. Es gibt keinen rationalen Grund (freiwillige) Sexarbeit zu verbieten und moralisch zu ächten. Was jedoch die Autonomen im Schanzenviertel oder in Berlin-Kreuzberg auf ihren tollen Demos seit Jahren aufführen (und das sind kein Vorurteile, sondern das sind- durch Videos !- belegbare Fakten), ist zutiefst verwerflich und unmoralisch, es gehört strengstens geächtet und strafrechtlich unnachgiebig verfolgt.

Nicht, dass es nicht genug am Staat zu kritisieren gäbe (und auch ggf. an der Polizei !), aber was die Autonomen veranstalten, geht über keine Kuhhaut mehr. Das ist "Hooliganismus" und im Wortsinne "asozial", weil unsere zivilisierte, freiheitlich-demokratische Gesellschaftsordnung mittels Gewalt bewusst zerstört werden soll (um dann ein autonomes Utopia nach eigenen Vorstellungen errichten zu können.) Ein friedliches Zusammenleben wird abgelehnt, es wird sich außerhalb von Verfassung, Recht und Gesetz gestellt. Auf eine Weise, die mit mglw. (ethisch) durchaus berechtigtem zivilen Ungehorsam rein gar nichts mehr zu tun hat.

Von Fussballrandalierern, Islamisten oder Neonazis würde kein vernünftiger Mensch so ein Verhalten dulden, aber kommt die Gewalt von (angeblich?) „links“, dann wird relativiert oder gleich der Polizei die Schuld gegeben ???

Dass die nun erlangten Sonderrechte der Hamburger Polizei bedenklich sind, geschenkt. Da sind wir uns einig. Aber eben: wer sich für die Rechte von SexarbeiterInnen (und ggf. die anderer „Täter“ „opferloser Verbrechen“) einsetzt (wie ich es seit Jahren unentwegt tue!), kann über diese Ausweitung gar nicht erfreut sein und ist erzürnt über die, denen wir das alles zu verdanken haben.

Tut mir leid, dass meine Wortwahl so emotional ausgefallen ist, aber ich vertrage gewisse Dinge schwer bis gar nicht.

Sieh Dir zudem das mal an:



Da fällt einem nix mehr dazu ein ...
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#226

Beitrag von Anaconda » 2014-01-08, 10:49

Gegendarstellung eines "kritischen Polizisten":
http://www.taz.de/Kritischer-Polizist-u ... g/!130556/

Und was, wenn nicht akute Gegenwehr, wäre denn legitime Reaktion auf strukturelle Gewalt.

Edit: der link funktioniert aus unerfindlichen Gründen nicht.
Heutige taz/Nord/"das ist irre"
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Re: RE: Lokalnachrichten: HAMBURG

#227

Beitrag von Arum » 2014-01-08, 12:59

          Bild
CK hat geschrieben:"Linke"/Anarchistische Totalitaristen, sprich Staats- und Verfassungsfeinde sind das alles und keinen Deut besser als Faschisten. Schwarzer Block=Antifa-Faschos.

Wer Faschismus mit blosser Gewaltsausübung gleichsetzt, verharmlost den Faschismus, und hat von der deutschen Geschichte überhaupt nichts verstanden.
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RE: Lokalnachrichten: HAMBURG

#228

Beitrag von Klaus Fricke » 2014-01-08, 20:36

@ Salomé
Vielen Dank für den Link. Die Informationen sind sehr erhellend.


Zum Thema

Sowohl die Sexarbeit als auch die Bewegungen der Autonomen und Anarchisten unterliegen einer Dämonisierung und Tabuisierung. Ich vereinfache: Sie wird aus ähnlichen, wenn nicht gleichen Gründen betrieben und speißt sich aus den gleichen Quellen ( siehe: viewtopic.php?p=112203#112203 ).

Ein Beispiel von Putophobie und Misohalotry
Als sich Anfang 2010 in Bremen, in der Essener Straße eine Bürgerinitiative gegen den Betrieb unserer kurz zuvor eröffneten Location gründete, haben wir den Versuch unternommen, mit den Mitgliedern dieser Bürgerinitiative Gespräche zu führen. Das war nicht möglich. Die Menschen, mit denen wir sprechen wollten reagierten wenigstens mit Ablehnung, sehr oft mit offenem Hass und fast ausschliesslich mit abgrundtiefer Verachtung. Jedes Gespräch mit uns, Lara und mir und den Mieterinnen der Location wurde, ich sage es einmal so, mit dem zahnfletschenden Grinsen der moralisch Integeren begegnet.

"Tiefer kann ein Mensch nicht entwertet werden, als ihn keines Gesprächs für wert oder fähig zu halten." Dorothea Buck, Bildhauerin, Ehrenvorsitzende des Bundes der Psychatrie-Erfahrenen *5.4.1917 http://www.deutschlandfunk.de/krank-ode ... _id=234192

Die maximale Aufmerksamkeit die wir erhielten, war die Blockade des Zuganges zu unserer Location durch die Mitglieder der Bürgerinitiative und die Skandierung: Nutten raus, Nutten raus. Die Polizei war anwesend. Sie Schritt aber weder gegen die nötigende Blockade des Zuganges zu unserer Location ein, noch wegen der beleidigenden Parolen. Für uns waren diese Ereignisse zutiefst traumatisierend. Die Kolleginnen und auch Lara waren im Innersten verletzt durch diesen Hass und diese vollständige Missachtung als Mensch. Die mediale und politische Rezeption der Ereignisse war dann schon fast nur noch eine Petitesse. Die Kolleginnen galten als Zwangsprostituierte und ich als gewalttätiger, ausbeuterischer, die Nachbarschaft in Angst und Schrecken versetzender Zuhälter. So sehe ich aus, nicht wahr.

Woher dieser Hass? Diese Bereitschaft zur Entmenschlichung des Gegenüber? Zur gruppenbezogenen auf Ressentiments bauenden Menschenfeindlichkeit? Zur Wiederkehr faschistischer Grundmuster des Verhaltens?

Das Amorphe, Ungezügelte, Freie ist eine Bedrohung der persönlichen Integrität für alle, die dem rigiden Diktat der Unterwerfung des Körpers als Objekt der Disziplin unter die von Außen gesetzten Anforderung des sittlich Zulässigen ausgesetzt waren, dieses internalisiert haben und es in Bewußtlosigkeit personal und interpersonell exekutieren. Die Internalisierung der fremdbestimmten Disziplin über das Vehikel der Schambesetzung von individuellem, differentem sexuellem Begehren, ist die Bereitschaft zur Negierung des Wertes der eigenen und erst Recht des Körperlichkeit des Anderen. Ihr entspringt das soldatische, die Verehrung der Ordnung, der Hierarchie und ein Wohlbefinden in der Unterordnung. Das Muster der Unterdrückung, des Zwangs, der Abtötung ist in Menschen eingeschrieben, die diesen Dressuren ausgesetzt waren. Quasi-Katatone, die vielfältige Optionen des Menschseins bereits vor dem Tot verloren haben. Bedrohungen dieser Identität durch Amorphes, Anderes, Fremdes, Libertinäres, Fleischliches, Wollüstiges, Hingebendes ... werden mit Grenzziehungen und Entmenschlichung dieses "Anderen" beantwortet. Mit neuen Todeszonen im Mittelmeer oder tiefster, hassender Verachtung in der Essener Straße. Das Muster ist das gleiche, die Quellen sind die gleichen. Hasse Deinen Körper, er ist unrein. Kasteie das teuflische in Dir. Vernichte das teuflische, das Dir begegnet. Ein Jahrtausende altes Elend der Repression. Systematisch krank.

Sexarbeit, anarchische Lebensversuche und Orte solcher Praktiken sind Kriegsgebiet für die Quasi-Katatonen. Ihre Sehnsucht ist die Disziplin und die Herrschaft, sie sind die Massenbasis des Totalitarismus der verschiedensten Provinienz und Couleur.

Ein Beispiel von Libertinage
Gestern sah ich "Voice of Peace" ( http://www.daserste.de/information/repo ... e-100.html ) über Abie Nathan, dieser "Zecke" im Pelz der sich militarisierenden israelischen Staatsführungen. Einen Wimpernschlag der Geschichte nutzend, war er, Bohemien, Playboy, Freund der Sexarbeit - kolportiert wurde das unsere (ich sag es mal so, auch wenn ich nur Kunde, Betreiber, Mensch bin) damaligen Kolleginnen aus Marseille ihm die Weiterfahrt seines "Peace" genannten schwimmenden Piratensenders ins Irgendwo des Mittelmeeres finanzierten (eine große Tat - meinen nachträglichen Respekt - Hochachtung) - Kristallisationspunkt und Sprachrohr einer jüdisch-arabischen Generation im Aufbruch. Shalom 1 und Voice of Peace sind von seinen Mitstreiterinnen nicht vergessener Teil Ihrer selbst. Er landete erst, unter Shimon Perez, im Gefängnis - für einen Händedruck mit Arrafat. Shimon Perez, für gleichen Händedruck, nur wenig später - vor der königlichen Akademie zu Stockholm. Der Sender selbstversenkt. Abie Nathan durch konzertiertes Schweigen entwertet, kein erinnerndes Gespräch, kein Platz, keine Straße, kein Gebäude. Shalom 1 bitte kein zweites Mal. Keine Befriedung, auch nicht in Hamburg. Das stört den Weg ins Totalitäre.

Ich sag es einmal so, nachdem ich die alternative Berichterstattung zum Polizeieinsatz in Hamburg gelesen habe. Die Entgleisung wurde dirigiert. Am Pult die Polizei- und Hamburger Stadtstaatsführung. Leider haben sich die Ohnmächtigen der Flora zur wütenden Attacke provozieren lassen. Nicht klug.

@ ck
inakzeptable Gewalt - stimme ich Dir zu. Propagandistisch verwertet - sei hinzugefügt

Unsere zivilisierte, freiheitlich-demokratische Gesellschaftsordnung bewusst zerstörend.

Wer hat dirigiert? Wessen Partitur wird gespielt? Die der Ohnmächtigen? Oder sind sie nur willkommenen Agents Provocateur wider Willen? Ebenso wie die Sexarbeit schuldig ist für das brutalisierte Begehren? Der daher die Rechte Gesinnung staatlich zu verordnen ist? Strafrechtlich und in sozialer Ächtung aller gerecht und billig denkenden des Deutschen Volkes mit aller Härte? Die Reihen fest geschlossen, im Gleichschritt?

Irgend jemand eine Idee welcher symbolische Akt die Grenzwehren zu überfliegen in der Lage sein könnte? Shalom2

"Was wäre notwendig, um die Lage in Hamburg zu beruhigen?


Es muss ordentliche Politik gemacht werden. Beim Konflikt um die Hafenstraße in den 1980er Jahren flossen letztlich Millionen in die Bestandsicherung der Häuser. Das war wirtschaftlich völlig unsinnig, von der Gesamtbilanzierung jedoch viel günstiger, als wenn man dort weiter die Schlachten ausgetragen hätte. Die gesellschaftliche Befriedigung hat einen immateriellen Wert. So ein Klima könnte man auch jetzt wieder für die Rote Flora herstellen." ( http://www.taz.de/Kritischer-Polizist-u ... g/!130556/ )

Das ist, die Frage, die ich mir stelle, angesichts unkluger Handlungen provozierter Ohnmächtiger

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RE: Lokalnachrichten: HAMBURG

#229

Beitrag von CK » 2014-01-09, 00:52

Den taz-Artikel habe ich gestern Abend bereits gelesen.
Salome hat geschrieben: Und was, wenn nicht akute Gegenwehr, wäre denn legitime Reaktion auf strukturelle Gewalt.
Ich kritisiere auch gerne „strukturelle Gewalt“, aber ich halte im Gegensatz zu Dir Vorgänge wie im obigen youtube-Video NICHT für legitime Gegenwehr. In einem Rechtsstaat liegt das Gewaltmonopol beim Staat. Es gibt zig gewaltfreie Methoden des zivilen Ungehorsams, die gegen Ungerechtigkeiten-die es ja auch von Seiten eines demokratischen Staates leider oft genug noch gibt- angemessen sein mögen, Steine zu werfen, zählt da aber definitiv nicht zu.

Wir sind uns hier sicher alle einig, dass das Vorgehen der Polizei gegen SexarbeiterInnen oft- gelinde ausgedrückt- fraglich ist.
Wir würden uns vmtl. auch mehrheitlich darauf einigen können, dass Verstöße bspw. gegen Sperrbezirksverordnungen, zwar illegal sein mögen, aber nicht unbedingt unmoralisch. Vielleicht würden auch viele mir noch zustimmen, dass man das Recht
hat zu kiffen, egal was der Gesetzgeber dazu sagt. Das wären dann eben Beispiele für „ziviler Ungehorsam“, historisch fehlt mir
immer Rosa Parks natürlich ein oder Ghandi…

Aber es ist eben ein riesiger Unterschied, ob man Gesetzen nicht gehorcht oder Gewalt gegen andere Menschen (denn auch Polizisten sind Menschen!) initiiert, weil man diese hasst.

Die Gewalt des schwarzen Blocks ist fast immer im Vorfeld geplant. Man wartet nur darauf irgendeinen Grund zu finden die „Bullenschweine“ anzugreifen und geht bereits bewaffnet und vermummt zu Demo. Wer das abstreitet, ist leider unglaublich naiv und sollte ruhig öfter mal Kommentare auf indymedia lesen.

In der Logik des schwarzen Blocks müssten SexarbeiterInnen Steine auf die Polizei werfen, weil das Gegenwehr gegen „strukturelle Gewalt“ ist.

Das kann ja wohl nicht sein. :(
Amrum hat geschrieben: Wer Faschismus mit blosser Gewaltsausübung gleichsetzt, verharmlost den Faschismus, und hat von der deutschen Geschichte überhaupt nichts verstanden.
Bist Du wirklich Holländer oder lebst Du nur dort? Das ist nämlich eine typisch deutsche Aussage ;-)

Wenn ich spezifisch vom NS reden möchte, dann rede ich vom Nationalsozialismus. Nicht vom Faschismus, der ein viel allgemeiner Begriff ist. Ich weiß, dass im deutschsprachigen Raum die beiden Begriffe zumeist synonym benutzt werden, das bedeutet aber nicht, dass dies korrekt ist.

Zum Kern des NS gehört der Wille „unwertes Leben“ zu vernichten, zu dieser Ideologie gehören krude biologische Argumente ebenso wie ein beispielloser Vernichtungsantisemitismus. Dergleichen werfe ich den Autonomen sicher NICHT vor.

Dergleichen gab es aber zumindest am Anfang im italienischen Faschismus so auch NICHT. Und auch nie in Francos Spanien, Salazars Portugal oder Pinochets Chile. Oder im österreichischen Ständesstaat, den die Nazis bekanntlich zerstört haben.

Der Faschismus zeichnet sich allgemein „nur“ dadurch aus, dass es einen „starken Staat“ gibt, autoritär geführt, der weite Teile des Wirtschafts- und Soziallebens kontrolliert und Gewalt/Militarismus als probates Mittel der Innen- wie ggf. auch Außenpolitik ansieht sowie abweichende Meinungen unterdrückt und verfolgt. Der Faschismus ist also immer und jederzeit- in welcher konkreten Implementierung auch immer- eine widerliche
Ideologie, die rechtsstaatliche Prinzipien nicht gelten lässt. Aber nicht unbedingt notwendigerweise eine Ideologie, welche Vernichtungslager für ganze Völker bauen lässt.

Insofern halte ich den Begriff „Faschismus“ nicht für falsch. Zwar werden Autonome einwenden, dass sie als „Anarchisten“ ja gar keinen Staat wollen.

Aber da lügen sie sich bestenfalls selber etwas vor. Es handelt sich hierbei um Menschen, die die Initiierung von Gewalt als berechtigtes politisches Mittel ansehen, andere Meinungen nicht akzeptieren und die Wirtschaft nach ihren Vorstellungen autoritär umformen wollen, Enteignungen inklusive. Ihr Anarchismus würde sehr schnell sich in der Praxis kaum mehr vom Faschismus der oben genannten Beispiele unterscheiden (bloß dass die begünstigten Gruppen jeweils andere sein mögen).

Nichtsdestotrotz hast Du aber Recht, dass der Begriff „Faschismus“ doch heute sehr inflationär benutzt wird. Bspw. gibt es ja mittlerweile den Begriff „Ökofaschismus“ für Umweltaktivisten wie Greenpeace (den ich auch sehr unglücklich finde), nicht zu schweigen von den Linken, die entweder gleich die Marktwirtschaft an sich fälschlicherweise als „faschistisch“ bezeichnen oder bestimmte Ausprägungen des Nepotismus zwischen „Big Government“ und „Big Business“ (welche auch ich selber vehement kritisiere, aber dann eher als „Korporatismus“ denn als „Faschismus“ bezeichne, weil der Begriff weniger vorbelastet ist, auch wenn Mussolini ihn bereits benutzt hat um die Wirtschaftspolitik seines Staates zu bezeichnen.)
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RE: Lokalnachrichten: HAMBURG

#230

Beitrag von CK » 2014-01-09, 01:14

@Klaus Fricke: Es geht ned um Gesinnungsjustiz, da bin ich selber dagegen (wer bspw. ein Rätekommunist sein möchte, nur zu!), ich werde solche falschen Ideologien zwar immer kritisieren, aber es sollte nicht verboten sein, sie zu vertreten.

Die Grenze verläuft eben dort wo Andere Leute Rechte verletzt werden. Diese zu schützen, ist ureigenste Staatsaufgabe. Das hat mit Gesinnungsjustiz nichts zu tun.

Auf den Rest will ich ned eingehen, weil wir da eh auf keinen grünen Zweig kommen.
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#231

Beitrag von Anaconda » 2014-01-16, 15:44

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Re: RE: Lokalnachrichten: HAMBURG

#232

Beitrag von Arum » 2014-01-16, 18:01

          Bild
CK hat geschrieben: Bist Du wirklich Holländer oder lebst Du nur dort? Das ist nämlich eine typisch deutsche Aussage ;-)
Nee, bin Niederländer, sei's mit teils deutschen Wurzeln.
Dergleichen gab es aber zumindest am Anfang im italienischen Faschismus so auch NICHT. Und auch nie in Francos Spanien, Salazars Portugal oder Pinochets Chile. Oder im österreichischen Ständesstaat, den die Nazis bekanntlich zerstört haben.
Im Allgemeinen hast Du weitestgehend recht, nur gilt dann andererseits auch, dass man die politischen Systeme in damaligem Spanien usw., genau genommen, auch wieder nicht Faschismus nennen darf. Besonders für Spanien und Portugal galten mindestens zwei bezeichnende Unterschiede: Erstens die Instandhaltung der wichtigen Rolle der katholischen Kirche (was dem Faschismus zuwider war), und eine relativ begrenzte Staatsmacht.
Zwar werden Autonome einwenden, dass sie als „Anarchisten“ ja gar keinen Staat wollen.

Aber da lügen sie sich bestenfalls selber etwas vor. Es handelt sich hierbei um Menschen, die die Initiierung von Gewalt als berechtigtes politisches Mittel ansehen, andere Meinungen nicht akzeptieren und die Wirtschaft nach ihren Vorstellungen autoritär umformen wollen, Enteignungen inklusive.
Dies ist letztendlich ein blosses Adhominem.
Im Grunde bleibt eben der wichtige Unterschied, dass der Anarchismus keine Aufrechterhaltung der Staatsmacht erstrebt, sondern das genaue Gegenteil. Es gibt in anarchistischen Kreisen seit jeher die Debatte, bis welchen Grenzen man im Widerstand Gewalt verwenden darf. Heutzutage gilt dabei mindestens diese eine klare Grenze: Menschenleben sollen unversehrt bleiben. Dem war aber nicht so, wenn auch solche Gewallt nur gegen Vertreter der Staatsmacht oder gesellschaftlichen Macht verübt wurde, darunter übrigens miteinbegriffen die sowjetische Staatsmacht von Seiten der ukrainischen Makhno-Bewegung. Natürlich sind da die Grenzen fliessend, und es hat bislang keine dauerhafte anarchistische Gesellschaft gegeben, die unter Beweis hat stellen können, dass die anfängliche Gewaltanwendung im Widerstand sich nachher nicht als eine Pervertierung auch fortsetzen würde, aber trotzdem: Es gibt eben einen wesentlichen Unterschied zwischen einer Ideologie, deren Essenz die Gewalt ist (so wie der Faschismus), und einer, für welche dies grundsätzlich nicht gilt.
Guten Abend, schöne Unbekannte!

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Re: RE: Lokalnachrichten: HAMBURG

#233

Beitrag von CK » 2014-01-18, 12:33

Arum hat geschrieben: Im Allgemeinen hast Du weitestgehend recht, nur gilt dann andererseits auch, dass man die politischen Systeme in damaligem Spanien usw., genau genommen, auch wieder nicht Faschismus nennen darf. Besonders für Spanien und Portugal galten mindestens zwei bezeichnende Unterschiede: Erstens die Instandhaltung der wichtigen Rolle der katholischen Kirche (was dem Faschismus zuwider war), und eine relativ begrenzte Staatsmacht.


Doch das darf man (i.G. ist der Begriff dort sogar richtiger als auf das Dritte Reich bezogen, in dem eine ganz eigene totalitäre Ideologie entstand), der Begriff "Faschismus" ist absolut anerkannt in der Literatur für diese Regime. Und ausgehend von diesem Verständnis des Begriffes halte ich es für gerechtfertigt, heute auch Ungarn vorzuwerfen, auf dem Weg in den Faschismus zu sein.

Es spricht nichts dagegen sich im Faschismus mit dem Klerus zu arrangieren, was ja in der Tat immer wieder vorkam. Der Christenhass bei vielen nazis, gepaart mit heidnisch-germanischem Okkultismus, war auch wieder etwas typisch Dritte-Reich-Spezifisches. Und "relativ begrenzte" Staatsmacht? Das gilt aber auch nur im Vergleich zu absolut totalitären Regimen wie denen Adolfs und Josefs.
Arum hat geschrieben:Menschenleben sollen unversehrt bleiben. Dem war aber nicht so, wenn auch solche Gewalt nur gegen Vertreter der Staatsmacht oder gesellschaftlichen Macht verübt wurde, darunter übrigens miteinbegriffen die sowjetische Staatsmacht von Seiten der ukrainischen Makhno-Bewegung.
Das Erste haben die Autonomen wohl noch nicht mitbekommen oder sie leben noch in der von Dir erwähnten Vergangenheit. (wobei man sich natürlich eh fragen kann wie belesen diese wirklich in "anarchistischer Theorie" sind.) Gesellschaftlich mächtig ist man übrigens für viele schon, wenn man Geld hat. Reiche sind also u.U. zum Abschuss freigegeben.
Arum hat geschrieben: Es gibt eben einen wesentlichen Unterschied zwischen einer Ideologie, deren Essenz die Gewalt ist (so wie der Faschismus), und einer, für welche dies grundsätzlich nicht gilt.
Den theoretisch-ideologischen Unterschied- ausgehend vom jeweiligen menschenbild- sehe ich auch, das praktische Resultat wäre dennoch leider sehr ähnlich. Das ist aber im Grunde entscheidend!

Solange selbst- an sich intelligente- Bürger die reale Gefahr von links verharmlosen, weil die Theorie so schön und nett klingt, kriege ich Kopfschmerzen, sorry.
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Re: RE: Lokalnachrichten: HAMBURG

#234

Beitrag von Arum » 2014-01-18, 16:23

          Bild
CK hat geschrieben:
Doch das darf man (i.G. ist der Begriff dort sogar richtiger als auf das Dritte Reich bezogen, in dem eine ganz eigene totalitäre Ideologie entstand), der Begriff "Faschismus" ist absolut anerkannt in der Literatur für diese Regime.
Da ist Dir anscheinend The Anatomy of Fascism von Robert O. Paxton nicht bekannt. Ich schlage vor, zuerst dieses Buch zu lesen. Also bis dann.  

 Bild
CK hat geschrieben:
Den theoretisch-ideologischen Unterschied- ausgehend vom jeweiligen menschenbild- sehe ich auch, das praktische Resultat wäre dennoch leider sehr ähnlich. Das ist aber im Grunde entscheidend!

Solange selbst- an sich intelligente- Bürger die reale Gefahr von links verharmlosen, weil die Theorie so schön und nett klingt, kriege ich Kopfschmerzen, sorry.
Kopfschmerzen könnte man gegebenenfalls auch bekommen von Menschen, die von einem selbst postulierten "wäre" auf ein "ist" schliessen... Da kann man nur vorschlagen, zuerst mal Anarchismus. Begriff und Praxis. von Daniel Guerin zu lesen. Und des weiteren ist es ein typisches Strohmann-Argument mir vorzuwerfen, ich verharmlose die reale Gefahr von links: Ich äussere mich ja gar nicht zu z.B. den Abermillionen von Toten, die uns der Staatskommunismus gebracht hat. Ich äussere mich nur zu deiner verfehlten grundsätzlichen Gleichstellung von Anarchisten mit Faschisten, anscheinend ohne jegliche wahrhaftige Kenntnis politischer Theorie. Und ohnehin, wenn wir uns denn schon gegenseitig Verharmlosungen vorwerfen sollen, ja, wenn es denn unbedingt sein soll, wie wäre es denn um die Verbrechen des Kapitalismus gestellt, die uns z.B. auch auf ökologischer Ebene in den Ruin treiben werden? Also, lass mal gut sein.
Guten Abend, schöne Unbekannte!

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Re: RE: Lokalnachrichten: HAMBURG

#235

Beitrag von CK » 2014-01-20, 03:09

Arum hat geschrieben:
Da ist Dir anscheinend The Anatomy of Fascism von Robert O. Paxton nicht bekannt. Ich schlage vor, zuerst dieses Buch zu lesen. Also bis dann.  


Das kenne ich in der Tat nicht. Aber da kann nichts drinstehen was mich davon abhalten wird, Francos Spanien, Pinochets Chile usw. als "faschistisch" zu betrachten, weil das nunmal die gängige Bezeichnung für solche Regime ist. Da wird kein Politologe etwas Anderes behaupten.
Arum hat geschrieben:Kopfschmerzen könnte man gegebenenfalls auch bekommen von Menschen, die von einem selbst postulierten "wäre" auf ein "ist" schliessen...


Im Grunde- um auf die egtl. Diskussion zurückzukommen- ist es ganz einfach. Jeder kann sich das Video ansehen, was ich vor Wochen hier verlinkt habe. Da sieht man was die Autonomen heute bereits auf der Strasse so nettes anstellen. Es braucht keinen Doktortitel um vorauszusehen, dass es eine Katastrofe wäre, wenn solche Leute an die Spitze des Staates kämen oder sonstwie irgendwann viel zu sagen bekämen. Es muss nicht alles erst ausprobiert werden um zu wissen wie es endet, manches ist durchaus a priori vorhersehbar.

Darüberhinaus ist die Stadt ja jetzt vor der Gewalt eingeknickt und der Eigentümer der Roten Flora de facto quasi enteignet worden. QED :009
Arum hat geschrieben:Ich äussere mich nur zu deiner verfehlten grundsätzlichen Gleichstellung von Anarchisten mit Faschisten, anscheinend ohne jegliche wahrhaftige Kenntnis politischer Theorie.
Ich kenne mich sehr gut mit politischer Theorie aus und ich kenne die (theoretischen) Unterschiede zwischen Anarchisten und Faschisten. Es geht mir aber darum, dass alles, was mir lieb und teuer ist, von beiden bedroht wird.
Arum hat geschrieben:wie wäre es denn um die Verbrechen des Kapitalismus gestellt, die uns z.B. auch auf ökologischer Ebene in den Ruin treiben werden?


Ich bin für einen starken Rechtsstaat, zu dessen Aufgaben auch Umweltschutz gehört.
Men are pussy-whipped. And they know it. That´s what the strip clubs are about; not woman as victim, not woman as slave, but woman as goddess. (Camille Paglia)

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RE: Lokalnachrichten: HAMBURG

#236

Beitrag von fraences » 2014-03-21, 22:26

St. GeorgKippt das Kontaktverbot für Huren?
Von MARKUS ARNDT

Hamburg – Seit knapp drei Jahren jagt die Polizei Freier und Huren rund um den Hauptbahnhof. Aber jetzt steht das sogenannte Kontaktverbot, mit dem die Sex-Szene dort vertrieben werden sollte, auf der Kippe.

Grund: Statt der Freier sind es vor allem die Strich-Mädchen, die bei den Kontrollen erwischt werden. Dabei sollte es genau andersrum sein.

Die aktuellsten Zahlen aus der Innenbehörde belegen das: Zwischen Februar und Juni 2013 registrierte die Polizei 500 Verstöße gegen das Kontaktverbot durch Prostituierte.

Im selben Zeitraum wurden nur 293 Freier dabei ertappt, wie sie Frauen ansprachen, weil sie von ihnen Sex wollten.

Und auch die hohen Bußgelder (400 bis 800 Euro) werden vor allem gegen die Mädchen ausgesprochen: 75 Mal wurden sie zur Kasse gebeten, ihre männlichen Kunden nur 23 Mal.

Quer durch alle Parteien ist deshalb die Erkenntnis gewachsen: So richtig haut das nicht hin mit dem Kontaktverbot.

Die CDU hält das Ganze inzwischen für „fragwürdig, die Lage der Prostituierten hat sich verschlechtert“. Ähnlich äußerten sich Grüne, FDP und Linke im Sozialausschuss. SPD-Sozialexpertin Ksenija Bekeris (35): „Es gibt offenbar jetzt mehr versteckte Prostitution mit noch mehr Gewalt. Das wollen wir nicht.“

Im Herbst steht die Entscheidung an – wahrscheinlich gegen das Kontaktverbot.

www.bild.de/regional/hamburg/prostituie ... .bild.html
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RE: Lokalnachrichten: HAMBURG

#237

Beitrag von fraences » 2014-03-23, 00:37

Kampf gegen StraßenstrichPolizistinnen in Zivil jagen Freier

Von MARKUS ARNDT

Hamburg – Die verbotene Sex-Szene rund um Steindamm und Hansaplatz in Hamburgs Stadtteil St. Georg. Hier erwischt die Polizei immer mehr illegale Prostituierte und Freier.

Und das auch, weil seit Jahresanfang Polizistinnen in Zivil auf der Meile patrouillieren. Und die werden häufig von Freiern angesprochen – in einem Monat allein 38-mal.

So soll das Kontaktverbot endlich durchgesetzt werden!

Einsatztaktik und Delikt-Zahlen gehen aus einem Geheim-Bericht hervor, der nächste Woche dem Senat vorgelegt wird.

Hintergrund: Seit Februar 2012 gilt in St. Georg eine sogenannte Kontakt-Verbotsverordnung. Prostituierte dürfen keinen Sex anbieten, Freier keinen nachfragen. Anwohner hatten seit Jahren massiv über Billig-Huren und ihre Kunden geklagt.

Die Fakten

► Von Februar 2012 bis Ende des Jahres gab es 282 Ordnungswidrigkeitsanzeigen gegen Prostituierte – Tendenz steigend.

► 178 Bußgeldbescheide erhielten die Huren. Die meisten (114) bis 200 Euro. 14-mal wurden bis 800 Euro fällig.

► Gegen Freier gab‘s im selben Zeitraum 206 Ordnungswidrigkeitsverfahren mit 167 Bußgeldzahlungen – fast alle bis 200 Euro.

► Aber: Allein im Januar dieses Jahres (seitdem werden Zivilbeamte eingesetzt) gab es 191 neue Vorfälle, bei denen Prostituierte und Freier erwischt wurden.

► Auch die Zahl der Platzverweise steigt stetig. Zuletzt waren es 443, davon 394 gegen Prostituierte. Zum Vergleich: Letzten August waren es 142 Platzverweise – nur einer gegen einen Freier.

Fazit des Senatsberichts: „Die Kontaktverbots-Verordnung sollte aufrecht erhalten werden.“

www.bild.de/regional/hamburg/prostituti ... .bild.html
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#238

Beitrag von bienemaya » 2014-03-25, 02:49

@fraences
► 178 Bußgeldbescheide erhielten die Huren. Die meisten (114) bis 200 Euro. 14-mal wurden bis 800 Euro fällig.

Bis 200 Euro oder bis 800 Euro für "leichtbekleidetes" stehen bzw. warten an der Strasse und anbieten einvernehmlicher sexueller Dienstleistungen zweier erwachsener Menschen, welche dann höchstwarscheinlich außerhalb oder am Rande der Ortschaft nicht für jedermann sichtbar stattfindet. Wer wird da geschädigt oder beschädigt, dass diese so hoch ausfallen?

Im Vergleich dazu Bußgelder für Geschwindigkeitsüberschreitungen innerhalb geschlosssener Ortschaften. Bis 30km/h mehr werden 100 Euro fällig plus 1 Punkt in Flensburg. Der Führerschein bleibt erhalten. Bei insgesamt 120km/h (50km/h Höchstgeschwindigkeit) durch eine Innenstadt zu rasen!!! - und schon mit 80km/h gefährdet man Leib und Leben anderer Verkehrsteilnehmer/Mitmenschen (Bsp. Fußgänger, Radfahrer, Kinder etc.) erheblich- kostet ca. 680 Euro.

Ergo ist die tatsächliche Gefährdung für Leib, Leben und Gesundheit anderer Menschen über 100 Euro "billiger" als leichtbekleidetes "warten" am Straßenrand.

Wo bitteschön liegt hier die Sinnhaftigkeit der Maßnahmen, wo sind Maß und Ziel? Was mir spontan zu diesem (Miss-)Verhältniss einfällt ist: unverschämte Abzocke!

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RE: Lokalnachrichten: HAMBURG

#239

Beitrag von Lisa König » 2014-03-27, 16:14

Das Geschäft mit der Not: Sklaverei gibt's auch in Hamburg

In St. Georg müssen Prostituierte aus Osteuropa für 30 Euro die Stunde anschaffen. Das Geschäft machen die Zuhälter. Eine Organisation bietet Hilfe für Betroffene.

http://www.abendblatt.de/hamburg/articl ... mburg.html

Männer aus afrikanischen Flüchtlingslagern werden von Schleuserbanden in die Sklaverei gelockt. Mädchen aus Osteuropa werden an Bordelle vermittelt, Frauen aus Nigeria in London als Haussklaven ausgebeutet. "Mit Menschenhandel werden allein in Europa 15 bis 18 Milliarden Euro pro Jahr erwirtschaftet, und das heißt in diesem Gewerbe: steuerfreier Gewinn", sagt der Hamburger Autor Michael Jürgs. In seinem neuen Buch über Milliardengeschäfte mit der Ware Mensch befasst er sich intensiv mit den Dunkelfeldern dieses Verbrechens. Jürgs hat mit Fahndern gesprochen, Razzien begleitet und Hilfsprojekte besucht. Das Problem ist global: Zwischen 16 und 20 Millionen Menschen werden durch die moderne Sklaverei um ein selbstbestimmtes Leben gebracht.

Hamburger Abendblatt: Moderne Sklaverei ist ein weiter Begriff. Was fällt für Sie darunter?
Michael Jürgs: Dazu gehören für mich die Arbeitssklaven, die meist aus Osteuropa kommen und hier vor allem in der Fleisch verarbeitenden Industrie, im Hotelgewerbe, aber auch – wie vor einem halben Jahr – in der Werft in Papenburg für Hungerlöhne schuften müssen. Zweitens die Frauen, die in die Zwangsprostitution verschleppt, misshandelt und in Bordelle gezwungen werden. Drittens gehört ganz sicher der Kinder- und Organhandel dazu. Hunderttausende Menschen, die aus Syrien oder Libyen fliehen und in den Flüchtlingslagern der Nachbarländer landen, haben nichts mehr außer der eigenen Familie und dem eigenen Leib. Viele fallen auf Händler herein, die für die Kinder eine scheinbare Zukunft versprechen oder eine Niere kaufen.

In welchen Regionen gehen Menschenhändler auf Sklavenjagd?

Jürgs: Die alten Transferwege der Sklaverei gibt es auch heute. In Westafrika werden Menschen mit falschen Versprechungen angelockt und an die Mittelmeerküste gebracht. An einem Schiff mit solchen Flüchtlingen verdienen kriminelle "Schleuser" bis zu 180.000 Euro pro Ladung – Menschenhandel ist immer auch Menschenschmuggel. In Armutsländern wie Moldawien oder Bulgarien versprechen spezielle "Agenturen" Jobs in Ungarn, Tschechien, Israel, Jordanien oder Südkorea. Den Männern stellt man gut bezahlte Jobs auf dem Bau in Aussicht, den Frauen in der Gastronomie, als Kindermädchen oder Model. Sie müssen dann ihre Schulden für die Schleuserdienste abarbeiten. Wer sich wehrt, wird misshandelt und kriegt gar nichts. Am schlimmsten sind junge Frauen betroffen, die in Bordellen landen.

Und dort macht der Menschenschmuggel Dumpingpreise möglich?
Jürgs: In Deutschland gibt es etwa 1,2 Millionen Freier aus allen Schichten. Von denen glauben offenbar viele, es gehe mit rechten Dingen zu, wenn im Bordell eine "Flatrate" angeboten wird: eine Wurst, ein Bier, eine Frau für zehn oder 20 Euro. So als sei die Frau ein Schnäppchen wie nach dem Werbespruch "Ich bin doch nicht blöd".

In welchen Ländern werden Sklaven vor allem eingesetzt?

Jürgs: In Katar schuften sie für die Fußball-Weltmeisterschaft, wie wir kürzlich erfahren haben, 16 Stunden am Tag, sieben Tage pro Woche, und fast täglich gibt es tödliche Arbeitsunfälle. Auch in Dubai, Abu Dhabi, Riad und Kuwait werden Hunderttausende indische und asiatische Arbeitskräfte auf Megabaustellen schlecht bezahlt und menschenunwürdig untergebracht. Aus Italien kam vor zwei Monaten die Nachricht, dass sieben Chinesen in einer der Textilfabriken verbrannt sind. Im Textilgewerbe der Toskana, schätzt das Arbeitsministerium, sind etwa 40.000 chinesische Arbeiter unter menschenunwürdigen Umständen beschäftigt, rund 10.000 von ihnen illegal. Mitten in Europa. Niemand kann mir sagen, dass die lokale Polizei davon nichts gewusst hat. Wir hatten die "Zimmermädchenaffäre" in deutschen Hotels, als Subunternehmen Zimmermädchen für drei Euro die Stunde vermittelten. Und unsere Spreewaldgurken werden auch von rumänischen Arbeitssklaven geerntet, die oft für Hungerlöhne arbeiten.

Warum lässt sich in Deutschland heute mit Menschenhandel Geld verdienen?
Jürgs: Der Menschenhandel hat mit dem Ende des Kalten Kriegs einen Aufschwung genommen, vorher waren die Grenzen dicht. Heute haben wir in den 28 Ländern der EU offene Grenzen, allein in Berlin sollen 100000 Illegale leben. Darunter sind nicht nur nette Menschen, sondern natürlich auch albanische, türkische, tschetschenische Banden, die vom Menschenhandel leben. Behörden wie Frontex und unsere Bundespolizei stehen vor einem riesigen Problem. Ich glaube, wir haben darauf eine zu innenpolitische Sicht. Wir regen uns auf, wenn es um die Höhe von Hartz IV geht, aber das ist im Vergleich zum Problem der modernen Sklaverei geradezu lächerlich.

Immer wieder werden in deutschen Bordellen Zwangsprostituierte aus Osteuropa entdeckt. Wie viele Frauen sind davon bundesweit betroffen?

Jürgs: Genau kann das niemand beziffern. Es gibt ein riesiges Dunkelfeld. Man weiß nicht, ob es 200.000 oder 400.000 Prostituierte in Deutschland gibt, weil sie sich nicht immer anmelden. Man weiß also auch nicht, ob davon 60, 70 oder 80 Prozent Zwangsprostituierte sind. Fündig werden die Ermittler auch in den Wohnmobilen an Landstraßen und auf dem Straßenstrich.

Das Prostitutionsgesetz, das 2002 unter Rot-Grün verabschiedet wurde, sollte doch Prostitution legalisieren und auch der Zwangsprostitution den Boden entziehen. Warum wurde das nicht erreicht?

Jürgs: Das war ein gutmenschliches Gesetz mit der ehrenwerten Absicht, dass die Frauen endlich kranken- und rentenversichert sind. Es wollte das Gewerbe aus der Schmuddelecke befreien, aber es hat das Gegenteil bewirkt. Der Großbordellbesitzer kann die Frauen jetzt wie selbstständige Unternehmerinnen behandeln. Er kann sagen, ich biete ja nur die Räumlichkeiten und habe mit dem Rest nichts zu tun. Und die Polizei hat keine Möglichkeit mehr – weil es ja selbstständige Unternehmerinnen sind –, das Bordell zum Beispiel durch eine Razzia der Steuerfahndung überraschend zu überprüfen und festzustellen, ob für die Angestellten Steuern gezahlt wurden.

Ein Mitarbeiter des LKA Hamburg sagt: "Es kann nicht angehen, dass man eine Genehmigungspflicht für eine Imbissbude braucht, während ein verurteilter Menschenhändler einfach einen Puff aufmachen kann."

Jürgs: Er hat vollkommen recht. Die GroKo hat im Koalitionsvertrag auch schon vereinbart, dass es ein neues Gesetz mit wichtigen Neuerungen geben wird: Verbot von Flatrates, keine Frau darf unter 21 Jahren anschaffen, und Bordelle müssen als Gewerbe angemeldet werden. Dann hätte die Finanzkontrolle tatsächlich einen Zugang, und der Betreiber kann nicht mehr sagen: Ich bin ja nur der Vermieter.

In St. Georg verkaufen sich Frauen aus Osteuropa für 30 Euro die Stunde – nirgendwo sonst ist Sex so billig. Die meisten arbeiten für Zuhälter, die ihnen noch das meiste Geld abknöpfen. Warum ist es so schwer für die Polizei, den Profiteuren das Handwerk zu legen?
Jürgs: Sie braucht aussagewillige Frauen, die angeben, durch welche Hintermänner sie über die Grenze geschmuggelt wurden, bei wem sie sich dafür verschulden mussten und wer sie mit Gewalt gefügig gemacht hat. Aber warum sollte eine Frau aus einem Nicht-EU-Land aussagen, wenn sie Angst haben muss, dass sie danach abgeschoben wird? Oder eine Frau aus der EU, wenn sie befürchten muss, dass sie selbst oder ihre Familie dann bedroht werden? Es braucht viel Geduld, aber auch Möglichkeiten zur Therapie und Ausbildung für diejenigen, die zur Aussage bereit sind. Es ist auch keine Alternative, sich an Schweden oder Norwegen zu orientieren, wie Alice Schwarzer fordert. Dort ist die Prostitution verboten, die Freier werden bestraft. Aber dann kommt die Polizei an die Hintermänner gar nicht mehr heran.

Sie berichten auch über Kofraa, die Hamburger Kontaktstelle gegen Frauenhandel, die den Frauen Beratung und Betreuung beim Ausstieg anbietet. Kann Kofraa etwas ausrichten?
Jürgs: Kofraa wird vom Landeskriminalamt eingeschaltet, wenn der Polizei bei Razzien oder Kontrollen etwas auffällt. Die Hilfsorganisation bietet dann auf Handzetteln in verschiedenen Sprachen Hilfe an, über eine Telefonnummer oder auch sofort. Bei Vernehmungen der Frauen stellt Kofraa Dolmetscherinnen, damit nicht der Zuhälter für die Frauen spricht. Er kommt nicht in denselben Raum. Dieses Hamburger Modell, also eine enge Zusammenarbeit von Polizei und Hilfsorganisationen, ist mittlerweile in allen Bundesländern als beispielhaft akzeptiert. Es führt pro Jahr zu 60 bis 70 erfolgreichen Fällen, in denen die Frauen aus diesem Milieu herausgeholt, in eine Ausbildung vermittelt werden und eine Therapie bekommen. Vor ein paar Jahren kam Kofraa mit Dolmetscherinnen in zwei Sprachen aus, heute sind es 16 Sprachen.

In den Herkunftsländern bauen die Menschenhändlerbanden eine Angstkulisse auf, setzen Angehörige der Frauen unter Druck. Wie kann man das verhindern?
Jürgs: In einer internationalen Zusammenarbeit müssten die Behörden am Herkunftsort eingebunden werden und die Angehörigen der Frau schützen. Aber in Ländern wie Rumänien, Bulgarien oder Nigeria ist die Korruption oft zu stark, sodass dieser Schutz nicht geleistet werden kann.

Was müsste sich ändern, um den Menschenhändlern wirklich zu schaden?
Jürgs: "Folge der Spur des Geldes" ist oft die beste Devise. Die italienischen Mafia-Jäger beschlagnahmen die Vermögen, Immobilien und Autos der Verdächtigen, die Besitzer müssen dann nachweisen, dass sie sie legal erworben haben. Bei uns hat die Staatsanwaltschaft die Beweislast. Zweitens müssten die Gerichte im Rahmen der bestehenden Gesetze die Höchststrafen anwenden. Zu viele Richter begnügen sich damit, nur wegen Geldwäsche zu verurteilen statt wegen Menschenhandels, weil das umständlicher und langwieriger ist.

Nach Ihrer Meinung sollten Menschenhändler wie Terroristen verfolgt werden.
Jürgs: Ja, für mich ist Menschenhandel ebenso eine Verletzung der Menschenrechte wie die Planung von Attentaten, nur dass sogar Millionen Menschen betroffen sind. Ich frage mich, warum die NSA und der britische Geheimdienst GCHQ ihre umfangreichen Datensammlungen nicht mit Schlüsselwörtern aus dem Menschenhandel durchforsten. Und ich werde hier ganz moralisch. Männer, die für 20 Euro Prostituierte missbrauchen, und Unternehmen, die Billigstarbeiter einsetzen, müssen wissen, welche Schuld sie auf sich laden, wenn sie von solchen Missständen profitieren. Wenn es im 18. und 19. Jahrhundert nicht die mutigen Abolitionisten gegeben hätte, die den Sklavenhandel aus christlichen und moralischen Gründen öffentlich angeprangert haben, hätte sich nichts geändert.

Michael Jürgs: Sklavenmarkt Europa. Das Milliardengeschäft mit der Ware Mensch, Bertelsmann, 352 Seiten, 19,99 Euro

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Re: RE: Lokalnachrichten: HAMBURG

#240

Beitrag von Arum » 2014-03-28, 02:59

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Lisa König hat geschrieben: Wenn es im 18. und 19. Jahrhundert nicht die mutigen Abolitionisten gegeben hätte, die den Sklavenhandel aus christlichen und moralischen Gründen öffentlich angeprangert haben, hätte sich nichts geändert.
Das war beileibe nicht der einzige Beweggrund. Es hätte keinen Abolitionismus gegeben ohne die freie Verfügbarkeit und industrielle Verwertbarkeit von fossilen Treibstoffen, wodurch menschliche Schwerstarbeit ersetzt werden konnte. Der amerikanische Norden brauchte für ihre Wirtschaft keine Sklaverei mehr.

Jetzt im Moment sieht man genau die gegengesetzte Bewegung: Billigöl wird es nie wieder gegeben, aber die Wirtschaft ist voll auf Niedrigstpreise basiert, so als lebten wir noch in den 1990ern, als plötzlich eine Unmenge russisches Öl auf den Markt schwappte. Es ist vorhersehbar, dass diese sogenannte moderne Sklaverei in den Bereichen ausserhalb der Prostitution in den nächsten Jahren nur noch weitere Schube bekommen wird. Erdöl wird eben immer knapper (für mehr zu diesem Thema, auf deutsch: http://www.peak-oil.com/ ), da gibt es kein drum herum, wir bewegen uns auf eine Mangelgesellschaft, eine Mangelwirtschaft hinzu, tun aber so, als wäre es möglich trotzdem im Laden dauerhaft Dumpingpreise zu zahlen. Das ist die traurige Wahrheit, die von Moralisten ständig verkannt wird.

Weiterhin frage ich mich doch immer, wo denn genau diese schlimmsten aller schlimmsten Flatrates wohl sein dürfen: 'Von denen glauben offenbar viele, es gehe mit rechten Dingen zu, wenn im Bordell eine "Flatrate" angeboten wird: eine Wurst, ein Bier, eine Frau für zehn oder 20 Euro. So als sei die Frau ein Schnäppchen wie nach dem Werbespruch "Ich bin doch nicht blöd".'

Nicht, dass ich hin möchte, aber auch in Freierforen sind mir solche Geschichten nie aufgefallen. Ich glaube nicht, dass irgendein Otto-Normalkunde sich nicht fragen würde, ob es in solchem Fall mit rechten Dingen zugehe. Diese Dauerverleumdung von Kunden ist erschreckend. Besonders auch, wo sie eine Aufhebung der Rechtstaatlichkeit mitzuverantworten hat: Die italienischen Mafia-Jäger beschlagnahmen die Vermögen, Immobilien und Autos der Verdächtigen, die Besitzer müssen dann nachweisen, dass sie sie legal erworben haben. Bei uns hat die Staatsanwaltschaft die Beweislast.

Ähnlich versucht man es, wie bekannt, bei uns in den Niederlanden, das sogenannte BIBOB-Gesetz. Wie heute im niederländischen Fernsehen erörtert wurde, hat dies in Amsterdam auch nicht im geringsten tatsächliche kriminelle Machenschaften ans Licht gebracht. Es hat nur das Gewerbe unter weiterem Allgemeinverdacht gestellt, es umso mehr stigmatisiert, ohne den geringsten Beweis. Aber wo der Herr Jürgs sich so gerne auf Moralisten beruft, ist dies für ihn wohl das geringste Problem.

Das Gute an seinem Allgemeinansatz ist aber wenigstens, dass er sich, wo es diese sogenannte moderne Sklaverei betrifft, nicht auf Prostitution beschränkt.
Guten Abend, schöne Unbekannte!

Joachim Ringelnatz

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