Lokalnachrichten: AMSTERDAM (Niederlande)

Hier findet Ihr "lokale" Links, Beiträge und Infos - Sexarbeit betreffend. Die Themen sind weitgehend nach Städten aufgeteilt.
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Lokalnachrichten: AMSTERDAM (Niederlande)

#1

Beitrag von Zwerg » 2007-09-21, 13:46

Amsterdam


Interne Links:
www.sexworker.at/phpBB2/viewtopic.php?t=790 Niederlande
www.sexworker.at/phpBB2/viewtopic.php?t=1628 Sexworker Denkmal Belle of Amsterdam

Externe Links:
www.rodeDraad.nl
www.pic-amsterdam.com
www.amsterdam-red-light-district.info
www.prostitutie.nl




________________





Amsterdam räumt im Rotlichtviertel auf

Die Stadt Amsterdam will in ihrem Rotlichtbezirk aufräumen. Der Stadtrat beschloss am Donnerstag, bis zu 15 Millionen Euro für den Aufkauf von Ausstellungsfenstern bereitzustellen.


Damit sollen dem Rotlicht-König Charles Geerts insgesamt 51 Fenster abgekauft werden, in denen sich Prostituierte zur Schau stellen. In den Gebäuden, die mit dieser Hilfe der Stadt von einem Investor erworben werden sollen, könnten dann Wohnungen oder Geschäfte entstehen.

Prostitution ist in den Niederlanden seit dem Jahr 2000 legal, dennoch habe sich seit der Gesetzesänderung einiges verändert, sagte Bürgermeister Job Cohen vor Journalisten. «Das Gesetz wurde für freiwillige Prostitution geschaffen, aber heutzutage hört man nur noch von Menschenhandel, Ausbeutung und anderen kriminellen Aktivitäten.»

In dem von den Niederländern «Wallen» genannten Rotlichtbezirk Amsterdams mieten Prostituierte für ein paar hundert Euro die Fenster, um sich den Kunden anzupreisen. Jedes Fenster wird in der Regel von mehreren Frauen täglich genutzt. Das Viertel ist eines der ältesten und malerischsten der Stadt.

http://www.20min.ch/news/kreuz_und_quer/story/29656175

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#2

Beitrag von kaktus » 2007-09-22, 22:42

Pimping ban in Amsterdam?by Eric Hesen*

21-09-2007

The Mayor of Amsterdam, Job Cohen, wants to ban pimping in the city's red light district and other areas where prostitutes work. He says the ban is needed to prevent exploitation and human trafficking, and sees it as the next step in cleaning up the red light district.

Amsterdam's world famous - or infamous - red light district is a network of narrow streets and canals in the historic city centre. Amidst the live sex shows, bars and sex shops, there are around 150 rooms rented to prostitutes, with street-level windows in which they stand to attract custom. But the city council is less enthusiastic about the area than are the hoards of tourists.

Ten years ago a parliamentary commission established that the district was controlled by around 16 people with "serious criminal histories and/or contacts". In recent years, an increasing number of stories have been circulating about human trafficking and forced prostitution in the red light district. The mayor and city council concluded that the district was no longer a tourist attraction to be proud of.

Brothels shut down
The big clean-up started last summer when Amsterdam refused permits to a number of "window" brothel operators. The most important of them was Charles Geerts, owner of large number of premises in the red light district. For years there had been rumours of Geerts' involvement in organised crime, although he had never been convicted. He lost the battle with the council and was forced to close down his businesses. The council is buying up the buildings and wants to rent them out as shops and galleries.

Mr Cohen explains the council's motives:

"Our aim is to combat criminality. To make the district more manageable. To improve the quality of life by reducing the excessive concentration of prostitution, bad-quality cafés and restaurants, and marijuana coffee shops. We want to create more opportunities for bona fide businesses."

Mr Cohen believes the legalisation of prostitution in the Netherlands seven years ago hasn't had the desired effect. Many prostitutes have not become "ordinary employees" or self-employed businesswomen, but are still exploited by pimps. The mayor is therefore calling for a ban on pimping.

Counterproductive
The pressure group for prostitutes, the Red Thread, strongly opposes the council's measures. Spokeswoman Metje Blaak says it is counterproductive to buy up premises in the district:

"The more brothels there are, the less exploitation there is," she says. "Like this Cohen is playing into the hands of exploitation. Because the women who are exploited will now go and work somewhere we can't get to them. You're just sending them deeper into the woods."

Pimping ban
The Red Thread also sees no advantage in a pimping ban. Ms Blaak says the measure is unnecessary because pimping is already illegal. In the criminal code there is indeed an article forbidding "the inducement of women to commit involuntary sexual acts for money". The offence is punishable with a prison sentence of up to eight years. The Red Thread thinks Mr Cohen would do better to enforce the existing law.

Will Amsterdam's new policy lead to the disappearance of its famous red light district? Mr Cohen says he's not out to make prostitution in the district impossible. But that would be nothing to feel sorry about, says Amsterdam councillor Karina Schaapman, herself a former prostitute:

"There are people who are really proud of the red light district as a tourist attraction. It's supposed to be such a wonderful, cheery place that shows just what a free city we are. But I think it's a cesspit. There's a lot of serious criminality. There's a lot of exploitation of women, and a lot of social distress. That's nothing to be proud of."

http://www.radionetherlands.nl/currenta ... ms070921mc

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#3

Beitrag von kaktus » 2007-09-22, 22:43

Luxus-Immobilien statt schäbigen Rotlichts
Künftig will Bürgermeister Cohen das älteste Gewerbe der Welt "ohne die begleitende Kriminalität" anbieten.Auch die Stadtväter von Amsterdam wissen, was sie am 700 Jahre alten Rotlichtviertel ihrer Stadt haben: Der Halbweltnimbus der sündigen Meile lockt jährlich Tausende Touristen an. Künftig will die Stadt das Viertel jedoch ohne kriminelle "Nebenwirkungen" präsentieren.

Schon seit längerem kämpft Bürgermeister Job Cohen gegen Menschenhandel, harte Drogen und Kleinkriminalität in den Gassen mit den Schaufenstern, in denen Prostituierte ihre Dienste anbieten. Was mit Verboten bisher nicht gelungen ist, soll nun Geld möglich machen.


Eine Amsterdamer Lösung
Die Stadtverwaltung hat am Donnerstag ein Budget von bis zu 15 Mio. Euro bewilligt, um den Aufkauf der Schaufenster durch Immobilienfirmen zu unterstützen. Die Bordelle sollen in Luxuswohnungen und "geschmackvolle" Shopping-Malls umgewandelt werden.


Es ist eine typische Amsterdamer Lösung: Nachdem die Stadt dem örtlichen Bordellkönig Charles "der Fette" Geerts mit Verboten und Auflagen nicht beikommen konnte, subventioniert sie nun den Aufkauf seiner 51 Schaufenster in 18 Häusern im "Walletjes"-Viertel.


25 Millionen für "den Fetten"
Damit ist die Rotlichtszene Amsterdams mit einem Schlag um ein Drittel kleiner geworden. Insgesamt soll Geerts mindestens 25 Mio. Euro eingestreift haben. Cohen erklärte, er wolle Prostitution nicht verbannen, es gebe jedoch einfach zu viel davon im Stadtzentrum.


Künftig will Cohen das älteste Gewerbe der Welt "ohne die begleitende Kriminalität" anbieten und den Rotlichtbezirk "kontrollierbarer" machen, wie er gegenüber dem niederländischen Rundfunk erklärte. Prostitution ist in den Niederlanden erst seit dem Jahr 2000 legal.


Nur noch mehr Probleme?
Das Gesetz hat entgegen den Hoffnungen der Stadtverwaltung jedoch aus Prostituierten keine "selbstständigen Unternehmerinnen" gemacht. Cohen: "Das Gesetz wurde für freiwillige Prostitution geschaffen, aber heutzutage hört man nur noch von Menschenhandel, Ausbeutung und anderen kriminellen Aktivitäten."


Interessenvertreterinnen der Prostituierten beschweren sich jedoch, dass die Stadt mit der neuen Taktik alles nur noch schlimmer machen würde. Das Problem seien die Zuhälter - denen die Prostituierten nur noch mehr ausgeliefert seien, wenn man sie "in den Wald" schicke.

http://www.orf.at/070922-16843/index.html

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Weiter Streit um Amsterdams Prostitution

#4

Beitrag von Zwerg » 2007-09-24, 10:30

Weiter Streit um Amsterdams Prostitution

Wie wir von Meine Güte ja bereits berichteten, versucht die Stadt Amsterdam die berühmten Fenster-Bordelle im Rotlicht-Viertel „Wallen“ nach und nach aufzukaufen – kürzlich erwarb sie vom Eigentümer Charles Geert 18 Häuser mit 51 Fenstern. Insgesamt gab es ca. 150 Rotlicht-Fenster, also ein Drittel der Fenster werden jetzt aus dem Markt genommen. Wie sich jetzt herausstellt, bezahlte die Stadt über die Wohn-Kooperative Het Oosten und deren Tochter NV Staatsgoed einen doch nicht gerade kleinen Betrag: 25 Millionen Euro.

Damit ist die Diskussion über die Zukunft von Amsterdams nicht beendet. Zunächst einmal sagte Amsterdams Bürgermeister Job Cohen, dass die im Jahre 2000 erfolgte Abschaffung des Bordell-Verbotes nicht funktioniert habe. Bis dahin bekamen die Bordelle, die es ja zu allen Zeiten in Amsterdam reichlich gab, eine Art Duldungs-Genehmigung. Job Cohen meint nun, dass vor allem die Situation der Prostitutierten sich nicht verbessert habe. „Wir haben noch immer zum Himmel schreiende Situationen, in den Frauen missbraucht werden. Er wolle sich dafür einsetzen, dass bsw. Zuhälterei verboten werde.

Die Prostituierten selbst sind anderer Meinung. Metje Blaak, die Vorsitzende der sogenannten Gewerkschaft für Prostituierte ist, fragt sich: „Warum ist die Gemeinde dann nicht gegen die Zuhälter vorgegangen? Das sind doch die Kriminellen.“ Den Ankauf der Bordell durch die Stadt und die Schliessung sei der falsche Weg. „Weniger Fenster bedeuten mehr Ausbeutung.“ Die Frauen, die hinter den Fenstern der von der Stadt angekauften Häuser sassen, würden untertauchen. „In Hinterzimmern, auf Autobahnen etc.“ Dort aber würden sie bzw. ihre Probleme nicht mehr sichtbar sein.

Der für den ganzen Vorgang verantwortliche Wirtschafts-Senator der Stadt widerspricht. „Vorab gesagt. Wenn Frauen legal in der Prostitution arbeiten und das geschieht auf ordentliche Art und Weise, dann finde ich das prima. Aber hinter dem Lächeln der Fenster-Prostituierten spielen sich oft Dramen ab.“ Viele Frauen würden eine Woche lang in Hamburg eingesetztm dann wieder eine Woche in Antwerpen. Die zwei Städte haben ein mit Amsterdam vergleichbares Rotlicht-Viertel. Der Frauenhandel würde kriminellen Aktivitäten eine Infratstruktur bieten. „Es ist viel zu viel für so ein kleines Gebiet (wie die Amsterdamer Innenstadt), 150 Fenster-Bordelle, 80 Coffeeshops und dann noch zig Restaurants.“

Metje Blaak denkt dennoch, dass die Verringerung der Fenster den Prostituierten keine Verbesserung ihrer Lage bringe. „Das haben wir dem Bürgermeister 100 mal gesagt. Wir können die Wallen gesund machen, wenn wir für misshandelte Frauen eine Art Aussteige-Projekt haben. So dass nur noch Frauen übrig bleiben, die auch wirklich als Prostituierte arbeiten wollen.“

Doch Wirtschafts-Senator Asscher will weiter machen. Auch wenn die Amsterdamer Innenstadt nicht völlig frei von Fenster-Bordellen wird, wolle die Stadt weitere Häuser aufkaufen. Es gelte schliesslich auch bei der Prostitution das Gesetz von Angebot und Nachfrage. „Weniger Angebot bedeutet auch weniger Nachfrage.“ Wenn die roten Lampen erstmal abmontiert sind, dann würden viele Leute sehen, das Amsterdam eigentlich ein schönes mittelalterliches Zentrum habe. Allerdings ziehen die Wallen natürlich auch massenweise Touristen an. Dass dann einige davon wegbleiben, kümmere ihn nicht. Amsterdam werde immer eine Stadt bleiben, wo mehr möglich sei, als in anderen Städten. Aber „wenn weniger Prostitution dann auch weniger Frauenmissbrauch bedeutet, dann finde ich das keine Katastrophe.“ Im Januar sollen die 51 Fensterbordelle von Charles Geerts lehr der Stadt übergeben – und die Gemeinde eröffnet ein neues Zentrum für Prostituierte, die dort Hilfe und Ratschläge bekommen können.

taz

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Ausstiegsangebote für Bordellkönige

#5

Beitrag von Marc of Frankfurt » 2007-09-24, 14:12

> "Weniger Angebot bedeute auch weniger Nachfrage" ???
(Meinte wohl: weniger Verkaufs-Umsatz ist gleich weniger Einkauf-Ausgaben. [trivial])

Ich kenne das aus der Gundvorlesung BWL so:
Geringeres Angebot bedeutet steigende Preise (bis hin zu Wucher, Zwang bei monopolisierter Marktbeherrschung) !!!

Wie elastisch ist die Nachfrage nach Paysex eigentlich?

Das ist die von der ökonomischen Wissenschaft zu beantwortende Frage.

Manche behaupten: Sexgeschäft gibt es immer gleichbleibend so wie die Leute auch nicht langfristig weniger essen können, wenn die Lebensmittel knapper oder teurer werden.
Sexgeschäft wird durch abolutionistische Maßnahmen lediglich verlagert bzw. in den Untergrund verdrängt.


Bisher hat die Öffentlichkeit gegen Betreiber sowie Zuhälter meist undifferenziert gewettert. Dann sollten zumindest unsaubere Betreiber (Geldwäschevorwurf) dicht machen müssen und der "Marktführer/Platzhirsch" wurde angeklagt.

Jetzt will die Stadt den Betreiber quasi adeln, indem es wohl einen Vergleich gibt und der bisherige Bordellkönig mit dem Verkauf seiner Immobilien eine gute Ausstiegszahlung bekommt.

Solche Ausstiegsmodelle sollten mal den SW angeboten werden ;-)





Siehe auch Länderberichte Niederlande...
http://sexworker.at/phpBB2/viewtopic.php?t=790

Mein Amsterdambericht:
http://sexworker.at/phpBB2/viewtopic.php?p=19749#19749





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Zuletzt geändert von Marc of Frankfurt am 2011-04-04, 07:45, insgesamt 1-mal geändert.

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In Amsterdams Rotlichtbezirk wird aufgeräumt

#6

Beitrag von Zwerg » 2007-09-26, 11:07

In Amsterdams Rotlichtbezirk wird aufgeräumt

Die Stadt Amsterdam will die Prostitution eindämmen. Sie kauft einem Pornokönig die Schaufenster ab.

Eine endlose Menschenmasse bewegt sich Abend für Abend durch die engen Gassen der «Wallen», des Rotlichtviertels unweit vom Amsterdamer Hauptbahnhof. Es sind in erster Linie männliche Touristen, die sich an den spärlich bekleideten Frauen in ihren grell beleuchteten Schaufenstern ergötzen. Für 50 Euro seien sie dabei, winken die Prostituierten potenziellen Freiern zu; manch einer folgt der Aufforderung.

Ein Besuch auf den «Wallen» gehört genauso zum touristischen Pflichtprogramm der niederländischen Hauptstadt wie eine Grachtenrundfahrt und das Konsumieren eines Joints im Coffeeshop. Der Sperrbezirk mit seinen schmalen mittelalterlichen Wegen, die Namen tragen wie Blutstrasse oder Kurze Sturmgasse, wird denn auch in jedem Reiseführer erwähnt. Aber niemand weiss, wie viele Schaufenster es dort gibt - die Stadt geht von 153 aus, die Branche von 380 - und wie hoch die Anzahl der Liebesdienerinnen hinter Glas ist.
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Vor sieben Jahren trat in den Niederlanden ein Gesetz in Kraft, das Prostitution legalisiert. Dirnen wurden ab diesem Zeitpunkt zu Unternehmerinnen mit Rechten und Pflichten wie in anderen Branchen. Die Regierung in Den Haag wollte so erreichen, dass Frauen nicht länger sexuell ausgebeutet werden. Diese Rechnung ging nicht auf: Die illegale Prostitution hat inzwischen gar zugenommen.
Stadt zahlt 25 Millionen Euro

Das Sexgewerbe sei in den letzten Jahren knallhart geworden, immer häufiger würden ausländische Frauen das Opfer von skrupellosen Zuhältern. Gleichzeitig bestehe die Befürchtung, dass in der Branche Geld gewaschen werde, was zu einer Vermischung der Unterwelt mit der «Oberwelt» führe, teilte die Amsterdamer Regierung vor kurzem mit. Um das «Wallen»-Gebiet, das sich auf 500 mal 300 Meter erstreckt, besser beherrschen zu können, will sie die Anzahl der Fenster-Bordelle eindämmen.

Freiwillig verzichtet kein einziger Besitzer eines Sex-Etablissements auf die saftigen Verdienste. Deshalb hat die Stadt das Problem kreativ gelöst: Für 25 Mio. Euro kauft sie dem grössten Unternehmer, Charles Geerts, 18 Häuser mit insgesamt 51 Schaufenstern ab, um die Gebäude in Wohnungen umzubauen. Der «Pornokönig der Wallen» bekommt dabei die Auflage, dass er das Geld weder ins horizontale Gewerbe noch in kriminogene Branchen wie Coffeeshops oder Spielhöllen investieren darf. «Dikke Charles» zögerte keine Sekunde. Die Kaufsumme sei «ein paar Mal der Jahresgewinn», frohlockte er an einer Pressekonferenz.

Die Betroffenen haben jedoch gemischte Gefühle. «Je weniger Fenster, desto grösser die Ausbeutung», ist Metje Blaak von der Prostituiertengewerkschaft «De Rode Draad» überzeugt. Viel wichtiger sei, endlich die Zuhälter anzupacken. Die 22-jährige Suzanne, die hinter einem Fenster auf der Oudezijds Voorburgwal steht, betreibt ihr eigenes Geschäft. Mehr Arbeit könne sie zwar gebrauchen, sagt sie, aber der Deal mit Geerts könne auch «den Beginn vom Ende» bedeuten. Dann schickt sie die Journalistin weg, weil diese den Freiern die Aussicht versperrt.

http://www.tagesanzeiger.ch/dyn/news/au ... 94958.html

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Geschlossene Fensterbordelle in Amsterdam

#7

Beitrag von Marc of Frankfurt » 2007-10-12, 23:22

Privater Bericht von Jan Visser vom Roten Draht zur Lage im Rotlichtbezirk von Amsterdam


A short comment on the situation in the Red Light District ("Wallen") in Amsterdam.




1. /Red Light District or residential neighbourhood?/

For over a year the tone of the public discussion on prostitution in The
Netherland is changing. There are a number of high profile cases of
trafficking and forced prostitution that were covered extensively in the
press. The result is that the political debate is nearly completely
focussed on the accompanying negative aspects of prostitution. One would
get the impression that all prostitution is force and violence. At the
same time there is little support for sex workers that seek
possibilities to work professional and independent, they get no public
and political backing.

Especially in Amsterdam we can witness this shift in the debate.
Religious social work projects are very active and they actually lobby
for the same measures as the local Labour party: to crack down on the
brothel owners of the shop window brothels and to close a considerable
number of shop windows. Some socialists even openly play with the idea
to get rid of this kind of prostitution altogether. One motive is to
fight trafficking and forced (juvenile) prostitution, another is to
"give the "Wallen" back to the residents. Criminalisation of clients of
sex workers that are forced by pimps, is discussed openly as a possibility.



2. /Underworld or overworld?/

In 2001 prostitution businesses were legalised and the brothels now have
a license from the municipality. This license can be declined or
withdrawn when the owner has criminal contacts or when he cannot explain
were his capital comes from. There is a relatively new law (BIBOB) that
gives the mayor the power to take away a license when he thinks there is
something wrong of this nature. This means that it is not necessary that
a brothel owner is convicted in a criminal procedure, the mere suspicion
is enough
. The idea behind this law is to prevent the underworld to rise
into the 'overworld', for instance by buying real estate with 'black
money', launder their (drugs)money at the same time and get control over
parts of the city. The City of Amsterdam has withdrawn licenses of a
number of brothel owners. These men went to court and before the judge
comes to a conclusion they are allowed to remain open. It is still
unclear what the end result will be.



3. /Brothel or apartment?/

But there is already one major change. One of the bigger brothel owners,
whom the mayor threatened to take away his license, sold some of his
houses to colleagues. But the majority of his possessions was sold to a
'social housing agency" (traditionally an association that build
affordable houses for people with lower incomes). This is done with
political and financial support of the municipality. In this way 60 of
the 450 shop windows will be converted in apartments.

In this way the three main aims of the municipality are met:

- the domination and the extend of prostitution in the Red
Light District will be less (for reasons of public and moral order),

- the municipality gets rid of brothel owners that are seen as
too close to criminal money,

- It is seen as a good instrument to combat trafficking and
forced prostitution.

It remains to be seen what the effects will be, and how far the
municipality will go. The mayor has declared tat it is not his intention
to make the centre of Amsterdam prostitution free.

PS.

Representatives from health and social projects notice a recent growing
number of young pimps, they bring young girls to the windows and they
also try to force their 'protection' on independent working women. A
complicating factor is that many women are not familiar with the Dutch
and Amsterdam situation and thus have little means of protecting
themselves. The majority of sex workers in the Red Light District come
from other countries and continents. The Rode Draad (Red Thread), the
prostitutes rights organisation, has started a poster and sticker
campaign to support women to withstand pimps: "Pimping is forbidden in The Netherlands".

www.rodeDraad.nl

Jan Visser

info@rodeDraad.nl





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#8

Beitrag von Marc of Frankfurt » 2007-12-17, 13:24

Paysex-nachsichtige Polizeistreife in Amsterdam

Police Give Man With Prostitute a Break


By TOBY STERLING – 2 days ago

AMSTERDAM, Netherlands (AP) — When Dutch police stopped a car for a broken headlight and noticed the driver was accompanied by a prostitute, they gave him a break — and let him pay the traffic fine in cash rather than sending the ticket to his home.

"In the spirit of Christmas ... the man was allowed to leave the police station euro50 ($75) poorer but with an easy heart," a statement by Utrecht police Friday said.

The 40-year-old man, whose identity wasn't released, acknowledged the woman was a street prostitute after being stopped Thursday evening, the statement said.

Regulated prostitution in brothels is legal here, while street prostitution is illegal.

The officer wrote the man a ticket for the headlight and said it would arrive in an official police envelope.

The man "wanted to pay immediately because otherwise his wife could have seen that he was ticketed on the Europalaan (a well known pickup strip) in Utrecht, with all the consequences that would bring," the statement said.

After the man begged for mercy, the officer relented and took him to a nearby station to pay cash, it said.

Utrecht police spokeswoman Ellen de Heer said the statement was intended to show that police aren't the unbending rule-followers they are often made out to be.

"We have some feeling for people's individual situations," she said.

http://ap.google.com/article/ALeqM5j2XT ... QD8THF6RO1

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Streit in Amsterdam um die Zukunft des Rotlichtviertels

#9

Beitrag von Zwerg » 2007-12-18, 10:13

Streit in Amsterdam um die Zukunft des Rotlichtviertels

Die Stadt Amsterdam will Prostitution und Rauschgifthandel weitgehend aus ihrem historischen Zentrum verbannen. Bürgermeister Rob Cohen und seine Verwaltung haben mit ihrem Plan die Sex-Branche der Grachtenstadt gegen sich aufgebracht. Bei einem Treffen beider Seiten protestierte eine Sprecherin des Prostitutions-Informationszentrums gegen das Projekt.

Die Verantwortlichen hätten hunderte von Sex-Arbeiterinnen völlig ignoriert, die ganz freiwillig im Rotlichtviertel ihr Gewerbe ausübten, sagte Mariska Majoors. Doch Untersuchungen der Stadt und der Justizbehörden haben gezeigt, dass die Prostitution häufig mit Zwang und Menschenhandel verbunden ist. Der für Wirtschaft zuständige Beigeordnete Lodewijk Ascher sagte, wer künftig durch das Viertel gehe, könne sicher sein, dass die dort verbleibenden Prostituierten freiwillig ihrer Arbeit nachgingen.
Das Viertel mit den malerischen Häusern im Herzen der Stadt soll künftig nicht von der Sex-Branche geprägt sein: Hier sollen in den nächsten Jahren hochwertige Geschäfte und Restaurants einziehen.

http://www.euronews.net/index.php?page= ... 9924&lng=3

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Revisionismus

#10

Beitrag von Marc of Frankfurt » 2007-12-20, 16:37

Eine seit Jahrhunderten diskriminierte und in die Illegalität gedrängte Branche hat es angeblich nicht geschafft sich in 7 Jahren der Regulierung weißzuwaschen.



Amsterdam dreht das Rotlicht ab


19.12.2007 | 18:30 | Von unserem Korrespondenten HELMUT HETZEL (Die Presse)

Den berühmten Fenster-Bordellen von Amsterdam geht es an den Kragen: Die Stadtverwaltung will das horizontale Gewerbe aus dem historischen Stadtkern vertreiben.
(c) AP

Amsterdam.„Incredible“, unglaublich, sagen amerikanische Touristen immer wieder, wenn sie durch das Amsterdamer Rotlichtviertel marschieren. Die Rundgänge durch das sündige Viertel der niederländischen Hauptstadt mit seinen knallrot erleuchteten Fenstern sind eine der großen Touristenattraktionen, die Amsterdam zu bieten hat. Zwei Drittel aller Touristen geben unumwunden zu, dass sie auch wegen des Rotlichtbezirks anreisen. Nicht unbedingt, um die sexuellen Dienste der dort tätigen Damen aus dem Gewerbe in Anspruch zu nehmen, sondern einfach nur um zu schauen und die Atmosphäre zwischen den Grachten auf dem Oudezijds Voorburgwal zwischen Hauptbahnhof und Damstraat kennenzulernen.


All das soll nun verschwinden. Amsterdam soll keusch und züchtig werden. Der Amsterdamer Bürgermeister Job Cohen und der für die Innenstadt zuständige Stadtrat Lodewijk Asscher wollen Tabula rasa machen und den ältesten Stadtteil Amsterdams, wo die Prostitution seit Jahrhunderten zu Hause ist, radikal säubern. Ganze Straßenzüge mit Bordellen sollen saniert und für das älteste Gewerbe gesperrt werden. Die Prostituierten müssen weg.

Geschlossen werden sollen auch zahlreiche Coffeeshops, in denen weiche Drogen verkauft werden, und ein Großteil der sogenannten „niedrigen Gastronomie“, in der sich derzeit vor allem junge männliche Touristen aus Großbritannien allabendlich im Kampftrinken üben. „Der Rotlichtdistrikt ist von der organisierten Kriminalität unterwandert. Der Frauenhandel dominiert und viele Bordelle dienen nur noch dazu, Schwarzgeld zu waschen“, begründet Bürgermeister Job Cohen seinen Feldzug gegen die sündige Meile. Damit müsse nun Schluss sein, meint er.



Widerstand gegen Sanierung

Inzwischen gibt es schon Widerstand gegen die rigorosen Sanierungspläne. Er kommt, wie zu erwarten, von der örtlichen Prostituierten-Gewerkschaft „De Rode Draad“, aber auch von zahlreichen Lokalbesitzern. „Wir sind auch gegen Frauenhandel und Geldwäsche“, sagt Mariska Majoor vom „Prostitutions-Informations-Zentrum“. „Aber das, was die Stadt hier machen will, ist kalt und unmenschlich. Eine ganze Berufsgruppe von Frauen und deren legitime Interessen werden einfach negiert. Denn es gibt eine große Gruppe von Frauen hier im Rotlichtviertel, die selbstständig arbeiten und nicht von einem Zuhälter ausgebeutet werden oder Opfer von Frauenhändlern sind.“ Die heute 37-jährige Mariska Majoor weiß, wovon sie spricht. Sie arbeitete hier früher als Prostituierte. Metje Blaak von der Gewerkschaft „De Rode Draad“ klagt: „Es ist schade, dass wir am Zustandekommen der Sanierungspläne überhaupt nicht beteiligt wurden. Wo sollen all die Frauen nur hin, wenn sie hier nicht mehr arbeiten dürfen?“, fragt sie. Die Antwort liegt auf der Hand. Viele werden in die Illegalität gehen und sich dann in Lokalen anderswo in der Stadt oder auf dem Straßenstrich anbieten.

Auch inhaltlich werden die Sanierungspläne heftig kritisiert. Mit Hilfe von Investmentgesellschaften will die Stadt in den kommenden Jahren dreistellige Millionenbeträge in die Sanierung des Altstadtviertels investieren, das vielerorts tatsächlich ein Facelift gebrauchen kann. Allein das Fünf-Sterne-Hotel Krasnapolsky, hinter dem das Rotlichtviertel beginnt, hat angekündigt, 140 Millionen Euro in den Ausbau investieren zu wollen. Auf der heutigen Sündenmeile sollen dann in Zukunft edle Boutiquen Nobelmarken anbieten. Teure Restaurants sollen die derzeit im Rotlichtviertel dominierenden preiswerten „Eethuisjes“ ablösen.



Seelenloses Vergnügungsviertel

„De Wallen“, so wie die Amsterdamer ihr Vergnügungsviertel nennen, „werde dann sicher so langweilig wie der Jordaan“, prophezeit Mariska Majoor. Sie fürchtet um die Seele des Distrikts. Der „Jordaan“, das einstige Armeleute-Viertel, wurde inzwischen von den Neureichen entdeckt und besiedelt. Seither ist dort nichts mehr wie es einmal war. Die Immobilienpreise sind unbezahlbar geworden und Hauben-Restaurants bieten Menüs zu horrenden Preisen an.
WISSEN

In den Niederlanden ist seit dem Jahr 2000 Prostitution legal, Sexarbeiterinnen zahlen auch Steuern. Im Amsterdamer Rotlichtbezirk Wallen mieten Prostituierte für ein paar hundert Euro die Fenster, um sich den Kunden anzupreisen. Im Zentrum gibt es insgesamt um die 400 solcher Fenster-Bordelle. Der Großteil soll zugesperrt werden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.12.2007)

http://diepresse.com/home/panorama/welt/349963/index.do





_________________





BOUTIQUEN STATT BORDELLE

Amsterdam will berühmtes Rotlichtviertel umbauen


Sex per Windowshopping und Drogen aus dem Coffee Shop: Amsterdam galt bislang als Hochburg des Hedonismus. Die Stadtväter wollen nun das Rotlichtviertel gründlich aufräumen, Prostitution und Haschhandel einschränken.
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Amsterdam/Hamburg - Die berühmten Mädchen in den Fenstern sollen in Amsterdam künftig zum eher seltenen Anblick werden. Die Stadt will das Rotlichtviertel Wallen und das benachbarte Gebiet um den Hauptbahnhof radikal umbauen; ihr Ziel ist es, dort Prostitution, Marihuana-Handel und Kleinkriminalität einzudämmen.)

Statt Bordellen und Coffeeshops sollen in Zukunft schicke Restaurants, Bars und Kunstgalerien die Straßen im Wallen-Viertel säumen. "Wir werden aufräumen", verkündete Bürgermeister Job Cohen am Montag, es werde künftig weit weniger Fenster mit Prostituierten, Coffee Shops und Fast-Food-Joints geben.

Um das zu erreichen, wollen die Stadtväter mehrere Maßnahmen ergreifen: Zum einen sollen Gebäude in der Gegend an Investoren weiterverkauft werden. Zum anderen müssen Begleitservices und sogenannte Sicherheitsdienste für Prostituierte künftig eine Lizenz und feste Anschrift vorweisen und finanziell überprüft werden. Cohen sagte, dass die Prostitution nicht vollkommen verboten werde, bestimmte Straßen und Plätze in der historischen Altstadt würden aber zur Bannmeile erklärt.



Protest der Prostituierten

Die Prostitutierten haben nicht viel für Cohens Absichten übrig. Mariska Majoor, eine ehemalige Sexarbeiterin, die heute das Prostitution Information Center leitet, kritisierte Cohens Erwartungen als unrealistisch. Ihrer Meinung nach werde sich die Prostitution auf die Straße verlagern, wenn man die Bordelle schließt.

"Die Stadt wird einfach nur einige Dinge unter den Teppich kehren und sagen, dass das, was nicht zu sehen ist auch nicht existiert", sagte sie. Laut dem Zentrum werden 300 der 400 Fenster mit Prostituierten von der Aufräumaktion betroffen sein.

Die neue Strategie ist eine Rolle rückwärts in der Prostitutionspolitik von Amsterdam. Vor sieben Jahren wurde das Sexgewerbe hier legalisiert, seitdem haben sich die Dinge laut Bürgermeister Cohen nicht so entwickelt wie erhofft: Noch immer organisieren Kriminelle das horizontale Gewerbe. "Besonders in Hinblick auf die Ausbeutung der Frauen in der Sexindustrie soll die Legalisierung nun teilweise rückgängig gemacht werden", sagte er.

Die Stadt hat bereits 2003 damit begonnen, Grundstücke zu überprüfen und Bordelle und Sexclubs zu schließen. Im September kündigte die Stadtverwaltung an, dass sie 15 Millionen Euros zur Seite legen würde, um 51 Fenster zu kaufen. Bis 2012 soll der Umbau abgeschlossen sein, dann wird im Viertel eine neue U-Bahn Linie eröffnet.



Auch die Reeperbahn soll trocken gelegt werden

Auch in Deutschland ist eine berühmte Sündenmeile von Einschränkungen betroffen. Auf der Hamburger Reeperbahn gibt es seit neuestem eine freiwillige Alkoholkontrolle. Die Tankstellen- und Kioskbesitzer sollen sich dazu verpflichten, ab nächstem Jahr nach 23 Uhr keinen Alkohol mehr auszuschenken. Falls die freiwillige Verpflichtung nicht wirkt, wird ab 1. Mai ein Alkoholverbot von 23 bis 6 Uhr auf allen Straßen rund um die Reeperbahn von Donnerstag bis Sonntag verhängt.

In Amsterdamwird man ebenfalls wählerischer, was Besucher und Alkohol abgeht. Bürgermeister Cohen sagte, er hoffe, mit der neuen Städteplanung Touristen abzuschrecken, die einfach nur mit einem Bier in der Hand durch die Gegend laufen und nichts kaufen: "Wir wissen, dass die Touristen, die hier im Moment herkommen, die rauflustigen Briten, nicht immer die Besucher sind, die man in der Stadt haben möchte."

pha/AFP/AP

http://www.spiegel.de/reise/europa/0,15 ... 83,00.html





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Amsterdams Rotlicht geht aus

#11

Beitrag von Zwerg » 2008-01-03, 19:45

Amsterdams Rotlicht geht aus

Der Politologe Hendrik Wagenaar erklärt im STANDARD-Gespräch, warum die nieder­ländische Politik damit die Kontrolle über die Prostitution ganz aus der Hand gibt


Die Stadtregierung sperrt die bekannte Sündenmeile zu. Politologe Hendrik Wagenaar im Gespräch mit András Szigetvari.

STANDARD: Die Stadt Amsterdam argumentiert die Schließung des berühmten Rotlichtbezirkes mit dem Frauenhandel und der Kleinkriminalität in dem Distrikt. Stimmt das?

Wagenaar: Die Geschichte beginnt schon im Jahr 2000. Damals verabschiedete das niederländische Parlament ein Gesetz, das neben der ohnehin legalen Prostitution auch das Betreiben von Bordellen legalisierte. Dadurch sollten den Prostituierten grundlegende Arbeitsrechte gesichert werden, die Prostitution sollte von anderen illegalen Aktivitäten wie Drogenkonsum und Menschenhandel getrennt werden. Aber diese Ziele wurden nicht erreicht. Die meisten Städte wollten keine zusätzlichen Lizenzen vergeben, also blieb der Markt in der Hand der Kriminellen, die Frauen blieben weiter in unregulierten Arbeitsverhältnissen. Und mit Ausnahme der Steuerbehörde überprüfte niemand die Bordelle, weil Prostitution für die Verwaltung ein unangenehmes Thema ist. Hinzu kam, dass unsere Grenzen seit 2002 für Osteuropäer durchlässiger wurden. Frauen kamen aus Bulgarien und Rumänien, um in Holland als Prostituierte zu arbeiten.

STANDARD: Deswegen räumt die Stadtverwaltung auf?

Wagenaar: Ja. Interessanterweise wird mit einer administrativen Praxis gegen den Rotlichtbezirk vorgegangen: Die Vergangenheit von Personen, die in diesem sensiblen Bereich ein Gewerbe betreiben wollen, wird rigide durchleuchtet. Dabei stellte sich etwa heraus, dass einer der größten Eigentümer von Fensterbordellen in Amsterdam in Geldwäschegeschäfte verwickelt war. Also bekam er keine Lizenz mehr. Und das geht weiter: Die meisten der Fensterbordelle werden im Laufe des Jahres schließen müssen. Es muss nicht alles zusperren, aber die Stadt will den Bezirk unweit des Zentrums säubern und verkleinern.

STANDARD: Was geschieht mit den Sexarbeiterinnen?

Wagenaar: Die Stadt schließt die Bordelle, bietet den Frauen aber keine Alternativen. Die Frauen werden das Gewerbe weiterhin ausüben, aber unter Umständen, die es der Polizei viel schwieriger machen, ihr Wohlbefinden zu überwachen. Die Hotelprostitution nimmt bereits ebenso wie die Prostitution über Internet zu, was die Arbeit der Zuhälter einfacher macht.

STANDARD: Gibt es eine Alternative zum Schließen des Rotlichtviertels?

Wagenaar: Es müsste darum gehen, eine saubere Form der Prostitution zu schaffen. Also Leute wie Exprostituierte ins Geschäft zu bekommen, die aus dem Gewerbe nicht nur Geld ziehen wollen. Die Prostitution sollte sich in der Nähe urbaner Unterhaltungszentren, bei Bars und Discos abspielen. Das Nachtleben wird ohnehin immer sexueller konnotiert, und auch in Discos und Bars wird letztlich manchmal für sexuelle Kontakte bezahlt. In diesen Vierteln könnten also Stundenhotels eingerichtet werden. Das hat niemand jemals ernsthaft versucht. Damit kann zwar nicht das ganze Gewerbe organisiert und kontrolliert werden, aber doch ein großer Teil davon.

(András Szigetvari, DER STANDARD - Printausgabe, 4. Jänner 2008)


Zur Person
Hendrik Wagenaar (57) ist Professor für öffentliche Verwaltung an der Universität Leiden in den Niederlanden. Dort leitet er das Forschungszentrum für moderne urbane Studien. Prostitution zählt zu Wagenaars Forschungsschwerpunkten.

http://derstandard.at/?url=/?id=3169424

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Fachliteratur Prof. Hendrik Wagenaar

#12

Beitrag von Marc of Frankfurt » 2008-01-03, 21:19

Hier Veröffentlichungen von ihm:

DEMOCRACY AND PROSTITUTION
Deliberating the Legalization of Brothels in
the Netherlands
HENDRIK WAGENAAR
Leiden University
Netherlands Institute for the Study of Crime and Law Enforcement
ADMINISTRATION & SOCIETY, Vol. 38 No. 2, May 2006 198-235
http://tinyurl.com/2wwhgq





Democracy and Prostitution:
Deliberating the legalisation of brothels in the Netherlands.
Hendrik Wagenaar
(Netherlands Institute for the Study of Crime and law Enforcement/
Department of Public Administration, Leiden University)
Paper prepared for the Conference on Democratic Network Governance, at the Centre for
Democratic Network Governance, Roskilde University, May 22-23, Copenhagen, Denmark
http://www.ruc.dk/upload/application/pd ... nhagen.pdf







Fachbuch:
Deliberative Policy Analysis
Understanding Governance in the Network Society
http://www.cambridge.org/uk/catalogue/c ... 0521823668




Neighbourhood Politics, Policymaking and the Discourse of Community Participation
Organisers: Hendrik Wagenaar (Leiden University) and Steven Griggs (University of
Birmingham)
Email: hwagenaar@fsw.leidenuniv.nl - s.f.griggs@bham.ac.uk
http://www.essex.ac.uk/ECPR/events/join ... s/ws15.pdf




The (Re-)discovery of Grounded Theory in Postpositivist Policy Research.
Hendrik Wagenaar, Leiden University
Paper prepared for the ESF Workshop Qualitative Method for the Social
Sciences, Vienna November 28-29, 2003
http://www.essex.ac.uk/ECpR/standinggro ... theory.pdf





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Erste Hinweise zur fundierten Analyse zu Amsterdam vom Prof.

#13

Beitrag von Marc of Frankfurt » 2008-01-04, 01:19

Hochinteressante Analyse des Wissenschaftlers bezüglich Governance und Prostitutionskontrolle

Aus dem oben zitierten zweiten Aufsatz ab Seite 29 ff.

Einlassen auf demokratische Konsultationen (Deliberation) erzeugt soziales Kapital.

Doch in der Übergangsphase, bis sich eine neue politische Regelung etabliert hat, herrscht viel Unsicherheit und auch Fehlverhalten.

Deliberation kann nur als eine evolutionäre Strategie (schrittweiser Verbesserungen) zur Einführung neuer politischer Regeln funktionieren im Vergleich zu den herrkommlichen Methoden: Markt (in der Wirtschaft) und Hierarchie (in der politische Exekutive).

Umsichtige empirische Studien zur deliberativen Zusammenarbeit zeigen das vergrößerte Sozial- und Erkenntniskapital: Vertiefte Kontakte mit Vertrauen und neue Beziehungen auf Gegenseitigkeit zusätzlich zu vertieften und einvernehmlichen Verständnis der Komplexität des beratenen Politikproblems.

(+) Increased social and cognitive capital is important in dealing with outcomes in a contingent policy world.
(-) Potentially, deliberative relationships create the cognitive, attitudinal and emotional preconditions for perceiving negative outcomes.

Doch bei dem Prozess der holländischen Prostitutionlegalisierung war der Deliberationsprozess fehlerhaft. Der kooperative Dialog war einseitig und unvollständig transparent.

SexarbeiterInnen, die Gruppe am meisten betroffen von den neuen Regularien, hatte nie eine Stimme im Beratungsprozess!!!!!!

War alles nur eine Farce?

Anhand von Hinweisen kann gesagt werden, dass die Absicht der Stadt Amsterdam die Prostitution einzudämmen und ein Lizensierungssystem einzuführen in Kombination mit ihrer dominanten Position im Deliberationsprozess, zu einem unvollständig offenen und nicht wechselseitigen Dialog geführt hat. Die Rolle der Stadt zeigte Aspekte von Instrumentalisierung des Netzwerkmanagements und sie benutzte ihre Macht um die andere Partei zur Unterordnung in mehreren Aspekten der beabsichtigten Regularien zu zwingen.


Die Robustheit oder Verletzlichkeit eines Deliberationsprozesses hängt ab von einer begleitenden Begutachtung der Offenheit und Gegenseitigkeit des politischen Dialoges.

Demokratische Deliberation ist nicht nur ein normatives Ideal, sondern vor allem ein Grundvoraussetzung zur Sicherstellung des sozialen und interlektuellen Kapitals eines demokratischen Gemeinwesens in einer zunehmend komplexen unvorhersebaren Welt.





Bild





Begriffe:

Deliberation =: partizipatives Konsultativ-Verfahren (Bürgerbeteiligung am polit. Prozess) siehe z.B. die derzeitigen Sexworker-Beratungen in Wien.

(Gegenteil:) Bargaining =: Macht-Handeln z.B. in Markt oder Hierarchie.

Governance =: Lenkungsstrukturformen der Triade Hierarchie, Markt und Netzwerk.

http://de.wikipedia.org/wiki/Deliberation
http://de.wikipedia.org/wiki/Deliberative_Demokratie
Jürgen Habermas 1992

http://de.wikipedia.org/wiki/Governance

http://de.wikipedia.org/wiki/Schweigespirale
Elisabeth Noelle-Neumann 1970: schweigende Mehrheit entsteht, weil die Medien nur die gerade angesagte, herrschende Minderheitenmeinung verkaufen)





Aber wie soll faire Deliberation also Konsultation auf Augenhöhe und basierend auf Toleranz und Akzeptanz funktionieren, wenn dem noch so viel im Wege steht:
  • Ehefrauen haben Angst vor den Huren
  • Feministinnen werten Prostitution als frauenzerstörend
  • Prostituierte werden zu oft als in ihrer Kindheit Mißbrauchte, Süchtige und Deviante verurteilt
  • Das hegemoniale Patriachat kontrolliert Frauen indem es sie in Ehefrauen und Huren spaltet
  • Freier gelten als alt, behindert, häßlich, unsozial oder Triebtäter, die sexuelle Sklaverei wissend in Kauf nehmen
  • Wirtschafter, Betreiber und Manager gelten als Zuhälter und Menschenhändler
  • Sexarbeit wird intrinsisch als seelenzerstörend und ekelerregend angenommen, statt zu erkennen, daß es die Umstände sind
  • Prostitutionskontrolle und Kriminalisierung beginnen bei Stigma und Doppelmoral
  • ...
[soweit die Stimme eines Sexarbeiters]





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Klima-Wandel auch in Coffee-Shops?

#14

Beitrag von Marc of Frankfurt » 2008-01-05, 09:16

Rücknahme gesellschaftlicher Liberalität auch im Drogenbereich:

Los Angeles Times: Sex, drugs and second thoughts


PARTY OVER? Amsterdam’s coffeehouses, where marijuana is sold with official sanction, have been a target of recent curbs. “I’ve been in this business 15 years, and we have never felt so much pressure,” one coffeehouse manager says.

Not quite anything goes in the Netherlands these days. Many Dutch think their open lifestyle has gone too far; others say new limitations have the vacation sort of just flew by.


By Geraldine Baum, Los Angeles Times Staff Writer
January 4, 2008
Amsterdam



After dropping their packs at a hostel, Ryan Ainsworth and his buddy Richie Bendelow found a shop selling 500 herbal potions that promised to make them high and happy in 500 ways. But the young British tourists went right for the hallucinogenic mushrooms, packaged in clear plastic containers just like the ordinary ones at the greengrocer back home.

The pair took the tips sheet that advised first boiling the mushrooms into a tea "to speed up the effect." It also warned against taking them with hard drugs or alcohol but that "a marijuana joint is no problem and can give you a positive, relaxing feeling."

These guys didn't need advice -- they'd cut loose before in this haven of libertine values and elegant canals. After forking over $24, they made their way to the lush Vondelpark and between them gobbled up the entire box.

The next day, as they were leaving a coffeehouse where they'd bought half a gram of marijuana, they had little to say about the afternoon in the park. "Hey, it's holiday in Holland," said Ainsworth, a 22-year-old kayaking instructor. "Anything goes."

But it may be last call for drugs, sex and live-and-let-live in the Netherlands, one of the most famously broad-minded countries in the world.

Prostitution, abortion, euthanasia, same-sex marriage and magic mushrooms have long been legal here, and soft drugs such as marijuana are technically illegal but are sold with official sanction in small amounts in "coffeehouses." In recent years, however, uneasiness over an influx of Muslim and black immigrants as well as a lifestyle that many believe has gone too far have shifted the Dutch mood away from tolerance and infinite permissiveness.

In 2006, parliament stopped coffeehouses from selling alcohol if they sell marijuana; now, legislators are negotiating to have them located at least 250 yards from schools. This year, a ban on the sale of hallucinogenic mushrooms goes into effect.

"I've been in this business 15 years, and we have never felt so much pressure," said Olaf Van Tulder, manager of the Green House, part of a chain of popular coffeehouses owned by a Dutchman whom High Times magazine has dubbed the "King of Cannabis."

It was only 10 on a recent midweek morning, but already the dealers at the marijuana bar in the back of the Green House were busily weighing marijuana on a small scale and most of the tables were taken by customers rolling joints.



Almost nobody was drinking coffee.

Two young Italians, who already looked a bit wasted, raised two fingers each and pointed to the most expensive hash on the menu, the Dutch Ice-Olator Supreme at $51.80 a gram. Eduardo, the affable dealer, poured out two grams each into a bag, showed the Italians the price on a calculator and waved them off with "Ciao babies!"

Business is good, sure, but the daily struggle with a new drug policing unit has Van Tulder feeling under siege. "Even if there's just a motorbike double-parked out front, they'll shut us down," he says.

Like most natives, Van Tulder, 35, doesn't use marijuana often, but he is concerned that conservative politics will kill Dutch culture: "Listen, these people want to put their religion in society, and I think Amsterdam is dying because of it. It's nice to escape a little from reality."

Joel Voordewind grew up in this city reveling in the punk music scene, and playing drums in a band called No Longer Music (because it was so loud). But he never felt comfortable with Amsterdam's drug use and prostitution and as a kid avoided its red-light district "because you'd get in trouble there."

Now this tall, boyish-looking son of an evangelical pastor is 42 and a member of parliament. His Christian Union Party, which bases much of its policy on biblical doctrine, is trying to remake a government that in his estimation has been morally adrift. Although his party controls only two of 16 ministries, it aligned with liberals to fight for refugees, poor families and the environment while also condemning homosexuality, euthanasia, abortion and youthful experimentation "with everything."

"The people are fed up with the lazy attitude of government. We call it, 'If it's forbidden, we let it go.' Like soft drugs. It's forbidden, but we look the other way," he said, sipping coffee in a bar at the Amsterdam train station. "We have a lot of that kind of policy, and it has given people the feeling that the government was telling them to go their own way."



Although tolerance and diversity have long been a matter of national pride, a series of shocking events has made the Dutch more open to "a firm government with outspoken norms and values," he said.

The killings of maverick populist politician Pim Fortuyn in 2002 and filmmaker Theo Van Gogh two years later, both of whom fanned fears of Islamic extremism, have traumatized this predominantly white, Christian country.

The outward-looking Dutch welcomed the newcomers -- and their mosques and Islamic schools -- but have grown less tolerant toward those who don't share their brand of tolerance. And they're also asking themselves why they're inviting tourists to get stoned in their parks and allowing graceful neighborhoods to devolve into lurid Disneylands with sex clubs and massage parlors.



Amsterdam has the most famous and historic red-light district in Western Europe. Although after eight centuries it is unlikely to disappear any time soon, it is in the midst of reinvention.

Last month, Amsterdam's mayor and City Council unveiled a plan to squeeze out brothels and escort services by forcing their owners to apply for permits and by raising the minimum age of prostitutes to 21 from 18. The city is also spending $37 million to buy out a landlord who owns a quarter of the city's buildings where nearly naked women pose behind display windows, red light literally flashing over their heads.

If the City Council gets its way, windows featuring women for sale will give way to displays featuring women's clothes for sale, and historic buildings will be restored to attract upmarket hotels and restaurants, with the remaining brothels clustered on a just few streets.

"The romantic picture of the area is outdated if you see the abuses in the sex industry, and that is why the council has to act," Amsterdam Mayor Job Cohen, a member of the Labor Party, said at a news conference announcing the changes. "We don't want to get rid of prostitution, but we do want to cut crime significantly."



Local politicians across the Netherlands have concluded that by legalizing prostitution in 2000, they opened up their cities to international crime organizations trafficking in women, children and hard drugs. The authorities want to wipe out the crime and are also weary of boozy weekend trippers ogling prostitutes and buying illegal drugs on the streets.

In fact, these openly seedy scenes come as a bit of a surprise in this beautiful city full of old churches and bikes -- about 600,000 of them serving 750,000 people. In the central neighborhood, the streets are lined with 17th and 18th century buildings, many with stores quaintly selling clogs and wheels of cheese or old bookshops attracting students.

But turn a corner and there in a window like a mannequin come to life is a young Polish woman spilling out of her bikini. Above her window is a number and the red-neon tube light. As she shifts poses, with her shoulders back and chin out, she tries to remain perched on a high stool.

A few windows down are two older-looking Dominican women dressed in matching white underwear and sharing a fat joint; they look bored and frozen. Nearby, a girl in a black leather bathing suit -- she's Dutch with long blond hair -- is talking on a cellphone while winking and blowing kisses at a clutch of Russian men.

The men circle back a couple of times, but the Dutch girl gets to size them up, and when they don't look promising she slides off her stool and flops on a single bed in her tiny room. She closes her eyes.



Marisha Majoor, who runs the Prostitution Information Center, began walking these streets 20 years ago when almost all the prostitutes were Dutch and the trade was less organized. She eventually quit and started the center, a small storefront next to one of Amsterdam's oldest churches. It operates, more or less, like any other tourist gift shop, except it sells dozens of sex-related items, such as lipsticks in the shape of penises and refrigerator magnets featuring buxom prostitutes.

Majoor, now 37, is convinced that the new concern about the exploitation of women and crime is simply a ploy [List, Trick] to see these areas gentrified and, from her perspective, only means that more prostitutes will be forced to work in unsafe conditions.

She also attributes the new anxiety about red-light districts to a fear of migrants.

"For many women in the world, working in the Netherlands is so much better than working in their own country," Majoor said.

While she is talking, a young British tourist stops by to find out how much the women in the window charge ($52 to $74 for 10 to 15 minutes). When the young man asks about safe sex, Majoor's co-worker sells him a "Pleasure Guide" with the pertinent warnings and facts.

Voordewind would like to see his native city's red-light district radically changed. He recently proposed turning it into an artists' colony like Paris' Montmartre. He'd have the city buy the remaining windows and restore the buildings to their original beauty and open them for artists' studios and galleries.

"The district is now a tourist attraction not because of the nice buildings, but because of the windows," he said. "It's very a sad situation. . . . I want it completely changed."

geraldine.baum@latimes.com
http://www.latimes.com/news/la-fg-dutch ... topstories





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!!! Fundamentale Analyse der Weltlage !!!

#15

Beitrag von JayR » 2008-01-06, 22:57

Shock and orgasm

by Perro de Jong

03-01-2008

When justice minister Ernst Hirsch Ballin announced plans recently to ban stilettos, it took me a good half minute to realize he was referring to flick knives and not sexy high heels.

It's not such a strange mistake to make. Hardly a day goes by when the Dutch government doesn't propose a fresh ban on this, that or the other. From sweaty night-time TV ads to shop front billboards that feature models in bikinis, a surprising number of these proposals have to do with sex.

Not even Amsterdam's famous red light district is safe anymore. We're told the authorities aren't cracking down on prostitution as such, they're simply attracting private sector investment. To make the red light district a cleaner and more family-friendly place.

Now where have I heard that before?

When Hurricane Katrina hit New Orleans in 2005, the local authorities announced plans to build a smaller but cleaner city. Housing estates were levelled to build condos, public schools replaced with a voucher-based system of private charter schools, and the reconstruction process was farmed out to commercial companies.

Shock doctrine
All of this is described in great detail by Canadian writer and journalist Naomi Klein in the most important book of the past year: The Shock Doctrine. Its thesis is so simple, it reads like a Japanese haiku: 'people who are traumatized will stop resisting change'. There, not even seventeen syllables.

When 9/11 happened for instance, or the Iraq war with its telling mantra of "shock and awe", Klein argues there were forces that knew just what to do in order to turn a disaster into an opportunity for political and economic reform.

But how do attempts to create a "clean sheet" in places like Iraq and New Orleans lead to clean sheets on the beds of the red light district?

Unthinkable
Well for one thing, the Amsterdam city council's plans would have been unthinkable only a couple of years ago. The links between the red light district and human trafficking - used as a key argument for the involuntary makeover - were already well-known. Yet such a massive intervention into the public sphere was deemed unacceptable.

What has changed isn't the red light district, it's the Dutch people's insistence on privacy and freedom. That insistence used to be a pillar of our society, but the new century has brought international terrorism, two high profile murders of Dutch public figures, an exodus of disillusioned voters from mainstream political parties and an extremely volatile debate about Islam and immigration.

Traumatized
Faced with all this turbulence, the shocked and traumatized Dutch can hardly be blamed for trading in some of their freedom for security. And in the case of the red light district, I don't feel much of an urge to stick up for the petty crime bosses who're the iron fist in the area's red velveteen glove.

But how is it possible that while the Amsterdam city council is taking advantage of the change in mentality to block the setting up of new brothels, the As Soennah mosque in The Hague has just been given planning permission for an ambitious new extension? Even though the mosque is considered one of the main centres in the Netherlands for preaching religious intolerance and recruiting potential terrorists...

Religious
The only answer I can come up with is that the current Dutch government thinks along religious lines itself, as it includes two Christian parties. So it's reluctant to use its powers to curb any form of religious practice. Sex on the other hand - particularly uncontrolled and unofficial sex - has always been a favourite target of religious moralists. And its defenders tend to make love not war - if you pardon the pun - so they're a lot easier to ignore than a crowd of angry muslims.

Again: I'm not glorifying the red light district here. As far as I'm concerned its imminent Disneyfication by the Amsterdam city council is no great loss. But the fact that the extra leeway we've given the authorities to protect the traditional Dutch liberties against religious intolerance is used here to push an agenda not all that different from the religious extremists who want to see women behind veils rather than windows, doesn't strike me as much of an improvement.


Radio Netherlands Worldwide
http://www.radionetherlands.nl/thenethe ... ock-orgasm


Naomi Klein: Die Schock-Strategie
http://www.amazon.de/Die-Schock-Strateg ... 351&sr=8-1

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Aktion vom SexBiz

#16

Beitrag von Marc of Frankfurt » 2008-01-11, 12:02

Amsterdam's red light district may shrink

January 10 2008 at 02:04PM

Amsterdam - Owners of sex-related venues have joined forces to protest against municipal plans to reduce the size of Amsterdam's red-light district, located in one of the most beautiful parts of the old city centre.

Foundation 1012 (named after the postal code) says the municipality's argument that the new policy is necessary to curb ongoing crime, is "nonsense".

"We have asked the police many times to do something about street prostitution and drug addicts on the streets," said Jan Broers, who rents out many brothels to prostitutes and is one of the initiators of Foundation 1012.

"The current policy is not directed against criminals, but at established entrepreneurs in the sex industry - a legal, licensed and tax-paying business sector in the Netherlands. This is outrageous," Broers said.

Alderman Lodewijk Asscher, who presented his plans for the area several months ago, claims trafficking and money laundering thrive in the neighbourhood. He wants to close down many sex-industry sites and replace them with luxurious homes and cultural venues.

In September, Amsterdam spent €25-million on the purchase of 18 buildings that had previously been used as brothels.

Part of these buildings will become home to haute couture fashion designers under the so-called Red Light Fashion Amsterdam project.

On January 19, Alderman Asscher is due to open 16 former prostitution windows where some of Amsterdam's top fashion designers will temporarily display their latest creations. - Sapa-DPA

http://www.iol.co.za/index.php?set_id=1 ... 881C759869





Mehr über Sexworker-Mode:
http://sexworker.at/phpBB2/viewtopic.php?t=788 DASPU Brasilien





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Amsterdam sieht rot

#17

Beitrag von Marc of Frankfurt » 2008-01-19, 12:12

Deutschlandfunk: Ateliers im Rotlichtviertel

Amsterdam modernisiert die Wallen


[mit meinen eingeschobenen Kommentaren]

Amsterdam will den Rotlichtbezirk aufwerten und entkriminalisieren. Eine Idee ist die Ansiedlung von Modemachern in ehemaligen Bordellen. Doch die Meinung über die Initiative ist geteilt. Kerstin Schweighöfer berichtet.

Stolz klopft Edwin Oudshoorn gegen seine neuen Schaufenster: Bis vor kurzem noch hatten hinter diesen Scheiben leicht bekleidete Prostituierte ihre Reize feilgeboten. Jetzt kann der 34-jährige Modedesigner dort Schaufensterpuppen mit seinen Entwürfen aufstellen. Und da, wo sich einst das Bett befand, steht seine Nähmaschine:

"Insgesamt gehören mir sechs Fenster, hinter denen ich arbeiten und wohnen kann. Eine solche Chance bekommt man nur einmal im Leben - mitten in Amsterdam, das ist normalerweise unbezahlbar! [Er als Mann ist ein echter wenn auch passiver Profiteur der Anti-Prostitutions-Politik] Sehen Sie, ganz oben - da sitzt meine Mutter und trinkt Tee. Die hilft mir beim Saubermachen."

Edwin ist einer von 14 vielversprechenden jungen Modemachern, die auf den Wallen, wie der Amsterdamer Rotlichtbezirk heißt, ein Jahr lang kostenlos ein Atelier beziehen können. Sie müssen lediglich die Nebenkosten zahlen. "Red light Fashion" heißt die Initiative. Sie ist die erste einer ganzen Reihe von Maßnahmen, mit denen die Stadt Amsterdam den Rotlichtbezirk aufwerten und entkriminalisieren will. [Aber sie benutzt das, was sie eigenlich zu bekämpfen vorgibt als werbewirksame Label: "Red light".] "Statt der Frau kann man jetzt das Kleid kaufen", bringt es der zuständige Dezernent Lodewijk Asscher auf den Punkt [Damit diskriminiert der städtische Beamte der Administration die -möglicherweise in den Untergrund- vertriebenen Sexarbeiter erneut. Denn sie verkaufen keine Frau, denn sie verkaufen nicht sich selbst, weder ihr Ich noch ihren Körper, sondern eine hoch komplexe emotional-körperlich-sportliche Dienstleistung]:

"Es wird nicht leicht werden, aber ein Anfang ist gemacht. Immerhin geht es um den ältesten und malerischsten Teil der Stadt - ein Stück Mittelalter mitten in Amsterdam. Das dürfen wir nicht länger in krimineller Hand lassen. Dieses Gebiet verdient eine neue Zukunft."

[Der Nachweis von Kriminalität ist für die Öffentlichkeit bzw. mich als Außenstehenden noch nicht erbracht.]

Für "Red light Fashion" hat eine Wohnungsbaugesellschaft mit finanzieller Hilfe der Stadt auf den Wallen für 25 Millionen Euro 18 Häuser mit 51 Fenstern angekauft. Sie gehörten einem s genannten Pornokönig, der diese Fenster an Prostituierte vermietet hatte - für 200 Euro pro Tag [Klingt hoch - gel? Klingt nach Ausbeutung und Mietwucher - gel? Aber läßt darauf schließen, daß wenn diese teuren Arbeits- bzw. Geschäftsraume auch tatsächlich angemietet werden, daß es hohe Verdiensterwartungen und -möglichkeiten dort gibt bzw. gegeben hat.] Jetzt sollen die Häuser nach und nach saniert und zu Wohnungen und Geschäften umgebaut werden. Damit sie in der Zwischenzeit nicht leer stehen, durften dort die jungen Modemacher einziehen. Insgesamt will die Stadt auf diese Weise mehr als 80 Gebäuden eine neue Funktion geben und die Zahl der rotbeleuchteten Fenster - insgesamt rund 400 - deutlich senken.

Als nächstes sollen auch die Sexclubs und die Koffieshops, in denen der Konsum weicher Drogen unter bestimmten Bedingungen geduldet wird, drastisch reduziert werden - und mit ihnen die Zahl der Drogendealer, Geldwäscher und Menschenhändler, die Mädchen und Frauen illegal zur Prostitution zwingen.

Auch Rinaldo Ghisa vom Koffieshop "Red Light Bar" fürchtet um seine Existenz. Zusammen mit anderen Betroffenen und der Interessenvereinigung der Prostituierten hat er sich zu einem Aktionskomittee zusammengeschlossen und einen Anwalt eingeschaltet: Die Stadt versuche, ein einzigartiges Stück Amsterdam auszuradieren und die Prostitution aus der Welt zu schaffen. Die Frauen, die ihre Fenster räumen müssen, würden wieder auf dem Strich oder unerreichbar und außer Sicht in illegalen Sexclubs verschwinden:

"Vollkommen lächerlich", schimpft Ghisa. Er sieht sich als rechtschaffener Unternehmer, der sich immer an die Regeln gehalten habe. Jetzt sei er der Willkür eines jungen, ehrgeizigen Dezernenten ausgesetzt, der auf seine Kosten Karriere machen wolle und unzählige Arbeitsplätze zerstöre.

Die Stadtväter blieben von diesen Protesten unbeeindruckt. Es gehe nicht darum, das älteste Gewerbe der Welt abzuschaffen, sondern einen Stadtteil aufzuwerten durch einen neuen Mix aus weniger Sex und Kriminalität und mehr neuen legalen Reizen wie etwa verrückter Mode. Darauf setzt auch Modemacher Edwin Oudshoorn:

"Ich bin nicht gegen die Wallen, sie gehören zu Amsterdam. Aber ich bin gegen Kriminalität und Frauenhandel und gegen minderjährige Mädchen, die kein Wort Nederlands sprechen und deutlich gegen ihren Willen hinter den Fenstern stehen." [Wer von den Ausländern, die in Privathaushalten, an Fließbandern des produzierenden Gewerbes oder in Spülküchen der Gastronomie arbeiten, haben ausreichende Sprachkenntnisse? Wie können im 'überschaubaren' 400-Häuser-Rotlichtviertel von Amsterdam -abgesehen von Ausnahmefällen, die zweifelsohne zu mißbilligen sind- minderjährige Frauen arbeiten, wenn dort regelmäßig Kontrollen -auch in Zivil als Freier getarnt- in allen öffentlichen und lizensierten Fensterbordellen stattfinden?]

"Es kann doch niemand etwas dagegen haben, dass an diesen Missständen etwas getan wird", meint er, bevor er sich verabschiedet: Jetzt müsse er wieder rein und seiner Mutter beim Saubermachen helfen.

Original:
dradio.de/dlf/sendungen/europaheute/726137/





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#18

Beitrag von ETMC » 2008-01-19, 15:11

UNd wieder einmal zeigt sich
Die Unkenntnis und Ignoranz der Behörden über die komplexen Zusammenhänge im Rotlicht, die Ausgerenzung und Diskriminierung der Sexarbeiterinnen, der Anbieter, Betreiber und eben aller Sexworker WELTWEIT - kann und darf in einer Gesellschaft die Demokratie und Freiheit auf ihre Fahnen schreibt, die Menschenrechte und Menschenwürde hochhält nicht widerspruchslos hingenommen werden, es wäre an der Zeit eine INternationaloe Vereinigung von Sexworkern, Betreibern und Sexdienstleistern zu gründen, Mitgliedsbeiträge zu sammeln und entschieden mit den Mitteln des Rechtsstaates gegen
- DISKRIMINIERUNG
- AUSGERENZUNG
- VERLEUMDUNG
- VERNICHTUNG
- VERACHTUNG DER MENSCHENRECHTE
- VERZERRUNG DER ZUSTÄNDE
- etc
vorzugehen....

Eigentlich ein Fall für Amnesty - denn die Frauen die nun aus politischer Willkür in den Untergrund gedrängt werden - sind nun eher "Zwangs"Prostituierte als früher.... weil sie keinen Kontrollen und keiner Öffentlichkeit mehr ihre Probleme Sorgen Nöte mitteilen werden können.

Zu Amsterdam selbst kann ich nur sagen:
So verliert ein Stück Stadt seine Geschichte und wird einer jahrzehnte langen Sehenswürdigkeit beraubt -

Es wird Zeit für einen Zusammenscvhluss und eine Art Lobbying bzw Aufklärung über das Sexwork in unserer heutigen Zeit...
liebe Grüsse
ETMC
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Re: Amsterdam sieht rot

#19

Beitrag von kaktus » 2008-01-19, 16:13

Marc of Frankfurt hat geschrieben:Deutschlandfunk: Ateliers im Rotlichtviertel

Amsterdam modernisiert die Wallen


"Es wird nicht leicht werden, aber ein Anfang ist gemacht. Immerhin geht es um den ältesten und malerischsten Teil der Stadt - ein Stück Mittelalter mitten in Amsterdam. Das dürfen wir nicht länger in krimineller Hand lassen. Dieses Gebiet verdient eine neue Zukunft.".
Ich habe einmal zu einen Beitrag über Nürnberg geschrieben
viewtopic.php?p=18590#18590
Dort hat man auch gesagt das Gebiet verdient eine neue Zukunft. Man hat einen Teil der schönen Mittelalterlichen Anlage samt den dort wohnenden SW entsorgt und Parkgaragen hinbetoniert.
---Nicht Prostitution sondern Garagen braucht die Stadt!!---

LG Kaktus

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Designermode statt Strapse?

#20

Beitrag von Marc of Frankfurt » 2008-03-29, 13:50

Junge Kreative statt Prostitution

Designer im Rotlicht-Quartier

Die Amsterdamer Ratsherren haben genug von ihrem Touristenmagneten Rotlichtviertel: Mit der Ansiedlung von Designern und Künstlern wollen sie die Prostitution zurückdrängen und dem Quartier ein anderes Gesicht geben.


Ihre Handbewegungen wirken perfekt automatisiert wie bei einer Maschine. Noor Wentholt schaut kaum auf von den Dreiecken, Halbkreisen und Rechtecken aus weissem Karton, die durch ihre Finger gleiten. Immer wieder legt die junge Frau ihr breites, transparentes Lineal an, schneidet neue geometrische Formen aus und klebt sie mit flinken Bewegungen zusammen. Schon nach ein paar Minuten steht ein fertiges Modell auf dem Tisch – für die nächste Tasche ihrer Ignoor-Kollektion.

Die 31 Jahre alte Designerin aus Amsterdam entwirft seit vier Jahren ihre eigenen Taschen-Kreationen, und die sind heiss begehrt. «Am Anfang konnte ich alles alleine machen – vom Konzept bis zur Produktion. In der Zwischenzeit schaffe ich das nicht mehr. Als Übergangslösung habe ich einige Angestellte auf Zeit, aber ich bin auf der Suche nach einem Partner für die Produktion», sagt die zierliche blonde Frau. Beim Lächeln wird ihre Zahnspange sichtbar.



Nebenan blüht die Prostitution

Ihre Taschen verkauft sie in ausgewählten Läden überall in den Niederlanden. Seit wenigen Wochen entstehen sie in einem ganz besonderen Atelier: Wenn Noor Wentholt von ihrer Arbeit im ersten Stock eines schmalen Amsterdamer Hauses aufblickt, dann fällt ihr Blick auf zwei nur spärlich gekleidete Frauen, die sich im Schaufenster auf der gegenüberliegenden Strassenseite hin und her wiegen. Das Licht im Schaufenster ist dunkelrot – auch am helllichten Tag. Am Haus daneben blinkt eine grellgelbe Neon-Anzeige: «Sex-Shop». In der Auslage lockt Sexspielzeug die flanierenden Passanten.

Noor Wentholts Atelier liegt mitten in De Wallen, dem Amsterdamer Rotlichtbezirk. Traditionell bieten dort Frauen zahlungswilligen Kunden ihre Dienste an. Pornokinos und Sex-Shops an jeder Ecke. Aber das soll anders werden – helfen dabei soll auch Noor Wentholt. Sie gehört zu einer Gruppe von 15 jungen Designern, die – so stellt sich das die städtische Regierung vor – den Wandel einläuten sollen in dem wohl bekanntesten Rotlichtviertel der Welt.



«Sie passen gut ins Stadtbild»

«Die Kriminalität ist unglaublich gestiegen in den vergangenen Jahren. Der Drogenhandel auf der Strasse hat zugenommen und wir haben einfach zu viele Prostituierte», sagt Frank de Wolf, der für die regierenden Sozialdemokraten im Stadtrat sitzt. Das Mittel dagegen sollen die neuen Mieter im Viertel sein. Die Stadt hat angefangen, einige der Häuser entlang den malerischen Grachten aufzukaufen und den jungen Künstlern unentgeltlich zur Verfügung zu stellen. «Sie passen gut ins Stadtbild. Ihre Schaufenster ziehen die Touristen mindestens genauso an wie die Prostituierten. Wir sind also auf dem richtigen Weg», sagt Frank de Wolf.

Der Stadtpräsident von Amsterdam, Job Cohen, sagte bei der Bekanntgabe dieser langfristigen Pläne, «das romantische Bild von De Wallen stimmt nicht mehr». Die Kriminalität in dem Gebiet sei allgegenwärtig. Untersuchungen der Stadt und der Justizbehörden hätten gezeigt, dass Prostitution auch in Amsterdam immer häufiger mit Zwang und Menschenhandel verbunden sei. Zudem blühe in dem Milieu die Geldwäscherei.

Diese «kriminalitätsfördernde» Infrastruktur will die Stadt mit den Investitionen nun durchbrechen. «Wir wollen das Herz der Stadt zurückerobern», sagte der für Wirtschaft zuständige Abgeordnete Lodewijk Ascher. Cohen betonte, die für Amsterdam typische Schaufenster-Prostitution müsse nicht völlig verschwinden. «Wir wollen aber die Zahl der Bordelle, Coffee-Shops und Imbissbuden stark verringern.»



Gute Nachbarschaft

Knapp 20 Häuser hat die Stadt bereits gekauft und sich das 25 Millionen Euro kosten lassen. Und das soll nur der Anfang sein. Die Mischung wirkt manchmal eher grotesk. Neben den rot beleuchteten Schaufenstern, in denen sich zwei Blonde mit Strapsen und Spitzenunterwäsche präsentieren, drehen sich Mannequins aus Plastik, die neueste Designer-Mode tragen.

Edwin Oudshoorn drapiert der Puppe gerade ein neues Halstuch aufs bunt getupfte Kleid. Der Amsterdamer Modeschöpfer streicht sich die gelockten schulterlangen Haare aus dem Gesicht und steckt das Tuch mit geschickten Bewegungen fest. «Das hier ist meine Art, mit unserer Nachbarschaft umzugehen: Ich habe eine andere Art von Puppenhaus geschaffen», sagt der Künstler, der unter anderem auch für die Amsterdamer Oper Kostüme entwirft. Die Schaufenster in De Wallen nutzt er als «originellen Ort für Werbung», wie er sagt.

Oudshoorn ist – genauso wie Noor Wentholt – vor wenigen Wochen in seine neue Bleibe eingezogen. Im Keller und im Erdgeschoss arbeitet er, in den oberen zwei Stockwerken wohnt der Künstler. «Ich fühle mich mittlerweile ganz wohl hier. Der Lebensrhythmus gefällt mir. Ich arbeite oft bis spät in die Nacht und dann ist auch auf der Strasse das Meiste los», sagt Oudshoorn. «Dann fühle ich mich nicht so allein.»



«Wie der Käse zu Holland»

Aber nicht alle im Viertel sind froh über die neuen Nachbarn. Vor allem die Unternehmer fürchten, dass die Stadt ihre Clubs nach und nach alle schliessen und ihnen damit ihr lukratives Geschäft vermasseln könnte. Knapp 40 der rund 170 Eigentümer von Vitrinen mussten in den vergangenen zwei Jahren bereits zumachen. Anderen droht die Stadt mit der Schliessung.

«Dieser Stadtteil gehört zu Amsterdam wie der Käse zu Holland. Es gibt hier nicht mehr Kriminelle als in den anderen Vierteln», sagt Wim Boef. Der ehemalige Unternehmer wurde von den Geschäftsleuten in De Wallen zum Sprecher gewählt. Um ihre Interessen zu verteidigen, haben sie eine Stiftung gegründet, die den Namen 1012 trägt, die Postleitzahl des Quartiers.

Wie viel Umsatz in den Clubs und mit der Prostitution gemacht wird, will niemand verraten. Offiziell sollen allein 300 Prostituierte in dem Viertel arbeiten. Genaue Zahlen gibt es nicht. Sie verdienen im Durchschnitt 700 bis 1800 Euro in der Woche. Davon müssen sie die Miete und Steuern bezahlen.

Wim Boef gibt immerhin ein konkretes Beispiel: Im Casa Rosso, dem grössten Club in De Wallen, arbeiten 250 Festangestellte und über 50 Zeitarbeiter. «Die würden alle ihren Job verlieren, wenn der Klub geschlossen wird. Ausserdem kommen dann weniger Touristen hierher – und die bringen auch anderen Geschäften Geld», sagt Wim Boef.

Deshalb sind es nicht nur die Betreiber der Sex-Branche, die um ihr Einkommen fürchten. Auch Restaurants, Coffee-Shops und Hotels haben Angst vor den Veränderungen. «Wenn die Vitrinen wegkommen, dann kommen auch zu mir keine Kunden mehr. Dann kann ich den Laden schleissen», sagt die Eigentümerin eines Coffee-Shops, der nur ein paar Meter neben dem Haus von Noor Wentholt liegt.



Massenhaft Touristen

Millionen Touristen kommen jedes Jahr nach Amsterdam. Und sie kommen fast alle auch nach De Wallen. «So ein Viertel gibt es sonst nirgendwo auf der Welt. Das muss ich mir einfach anschauen», sagt ein junger Engländer, der vor einem der Schaufenster stehen geblieben ist. Auf der Strasse vor dem Atelier von Noor Wentholt schieben sich ganze Gruppen von Japanern, Spaniern und Engländern am Wasser entlang. Ihre Reiseführer erklären ihnen die Geschichte des Viertels. Es entstand gemeinsam mit dem Hafen der Stadt. Früher kamen dort die Seeleute vorbei, die einen Aufenthalt in Amsterdam hatten. «Über die Jahrzehnte hinweg hat sich das Business nach und nach professionalisiert», sagt Ex-Unternehmer Boef.



Das alte Bett irritiert

Das ist auch im Atelier von Noor Wentholt noch zu spüren. Mit flinken Schritten hüpft sie die Treppe ins Erdgeschoss hinunter und öffnet die Tür zu ihrem Nähraum. An den Fenstern, die zum Hinterhof gehen, stehen zwei Nähmaschinen. Dort fertigt Wentholt ihre Einzelstücke. Gleich neben der Tür steht ein Bett aus Stein, das mit dunkelroten Fliesen ausgelegt ist. «Das ist das Bett meiner Vormieterin. Ich nutze es jetzt als Lager für mein Leder. Ich kann es also gut gebrauchen. Aber es ist schon komisch, wenn ich mir vorstelle, was bis vor ein paar Monaten hier los war», sagt die junge Designerin.

Auch der Spiegel und die Lampenfassung, in der früher die roten Glühbirnen steckten, sind noch da. «Ich versuche, alle Einrichtungsstücke, so gut es geht, zu nutzen. Den Rest verdränge ich einfach», sagt Wentholt.

Die Modeschöpfer sollen zunächst ein Jahr in den De Wallen bleiben. Bis dahin will die Amsterdamer Stadtregierung entscheiden, was längerfristig mit dem Viertel passieren soll. Im Gespräch ist, auch Nobelrestaurants und Kunstgalerien anzusiedeln. Die Unternehmer aus dem Viertel fordern dagegen von der niederländischen Regierung in Den Haag, ihr Viertel zu schützen. «Wir haben ein Recht darauf, hier zu bleiben. So einfach lassen wir uns nicht verjagen», sagt Sprecher Wim Boef.



Der Start ist gelungen

Noor Wentholt und auch ihre Kolleginnen und Kollegen haben Verständnis für eine gewisse Skepsis, sind aber zuversichtlich, dass sich das legen wird. Mit ihren direkten Nachbarn habe sie keine Probleme, sagt Wentholt. Sie und die Prostituierten von nebenan grüssten sich jeden Tag freundlich. Und ihr Einstand im Viertel war zumindest beim übrigen Amsterdamer Publikum ein voller Erfolg. «Ich habe am Eröffnungstag auf Anhieb all meine fertigen Stücke verkauft. Jetzt muss ich möglichst schnell für Nachschub sorgen», sagt die Designerin und hängt eine neue dunkelgrüne Tasche ins Schaufenster. Sie dreht sich im Sonnenlicht. Durch die Fensterscheibe dahinter lassen sich die roten Vitrinen auf der anderen Strassenseite erahnen. «Mich stört das nicht. Ich arbeite in Ruhe an meiner neuen Sommerkollektion.» Und die will Noor Wentholt am liebsten hier präsentieren – mitten in De Wallen.

http://www.espace.ch/artikel_500960.html





Mode der Sexarbeiter in Brasilien: DASPU
viewtopic.php?t=788





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