Interview mit neuem Anbieter für Sexualassistenz

Wissenswertes über Sexualassistenz bzw. Sexualbegleitung. Informationen, Diskussionen, Hilfestellung und weiterführende Links.
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Kasharius
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Interview mit neuem Anbieter für Sexualassistenz

Beitrag von Kasharius »

https://kobinet-nachrichten.org/2026/03 ... /#comments

Kasharius grüßt und wünscht dieser neuen Agentur viel Erfolg :006

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Adultus-IT
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Re: Interview mit neuem Anbieter für Sexualassistenz

Beitrag von Adultus-IT »

Die verlinkte Webseite ist aus dem nicht deutschsprachigem Raum, öffentlich nicht abrufbar. Ich wurde jedenfalls durch DNS-Dienste blockiert.  Will jetzt auch nicht über einen Proxy gehen. Schade....

Gruss Micha Adultus
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lust4fun
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Re: Interview mit neuem Anbieter für Sexualassistenz

Beitrag von lust4fun »

Hier der Text,
es grüßt l4f

*****

Sexualassistenz und -begleitung als Teilhabe und Menschenrecht
Veröffentlicht am 04.03.2026 05:50 von Ottmar Miles-Paul in der Kategorie Meinung

Redaktioneller Hinweis: Für Artikel der Kategorie "Kolumne" sind ausschließlich die Autoren verantwortlich. Dies gilt auch für deren Äußerungen in den Lesermeinungen sowie für die Moderation der Kommentare zu deren Beiträgen. Die Inhalte geben nicht die Meinung der Redaktion oder des Trägervereins wieder. Inhaltliche Kritik richten Sie bitte direkt an die Autoren per Email.

Berlin (kobinet) Die "Agentur für Berührung" steht kurz vor ihrem Start als bundesweite Vermittlungsplattform für Sexualassistenz und -begleitung (SA/SB). Ziel ist es, Menschen mit Behinderung, chronischer Erkrankung, im Alter oder in palliativer Situation einen selbstbestimmten Zugang zu Nähe, Sexualität und Lebensqualität zu ermöglichen – durch professionelle, qualifizierte und freiberuflich tätige Sexarbeitende. Damit greift die Initiative eine zentrale gesellschaftliche Versorgungslücke auf: Die Nachfrage nach Sexualassistenz und -begleitung übersteigt nach Informationen der Agentur für Berührung das vorhandene Angebot deutlich, bestehende Strukturen sind regional begrenzt und schwer auffindbar. Die Agentur legt besonderen Wert auf Barrierefreiheit (u.a. Leichte Sprache, Gebärdensprachvideos), Inklusion und hohe Qualitätsstandards. Im Folgenden veröffentlichen die kobinet-nachrichten ein Interview mit der Agentur für Berührung.

Warum sind bestehende Angebote bisher nicht ausreichend?

Sexualassistenz und -begleitung können enorme positive Wirkungen auf das Sozialleben, das Selbstbild und die persönliche Entwicklung der Kund*innen entfalten. Derzeit gibt es in Deutschland nur rund 80 bis 90 aktive Anbieter*innen, die zudem nicht flächendeckend vertreten sind. Angehörige, pflegerische Einrichtungen oder Einrichtungen der Eingliederungshilfe finden kaum professionelle, überregionale Vermittlungsstrukturen. Viele wenden sich notgedrungen an lokale Beratungsstellen für Sexarbeitende – ein wertvoller, aber begrenzter Zugang.
Unsere Agentur schafft erstmals eine strukturierte, barrierefreie und deutschlandweit erreichbare Plattform, die allen Beteiligten Orientierung bietet. Wir sehen SA/SB als Teil professioneller Sexarbeit, die immer dann unter das Prostituiertenschutzgesetz fällt, wenn sexuelle Handlungen gegen Entgelt erfolgen. Gleichzeitig liegt unser Fokus auf Menschlichkeit, Teilhabe und Selbstbestimmung – wir wollen diesen Zugang als selbstverständlichen Bestandteil sozialer Infrastruktur etablieren.

Wo verläuft die Grenze zur klassischen Sexarbeit – und warum ist die Unterscheidung wichtig?

Die Dienstleistenden unserer Agentur sind freiberufliche Sexarbeitende. Der entscheidende Unterschied zur sogenannten „klassischen Sexarbeit“ liegt in der Gestaltung, Vorbereitung und Zielsetzung der Begegnungen. Treffen mit Menschen mit Behinderung oder chronischer Erkrankung erfordern intensive Vorbereitung: Wünsche, Bedürfnisse, körperliche Voraussetzungen und Kommunikationsformen müssen sorgfältig einbezogen werden. Häufig sind Betreuer*innen oder Pflegepersonen involviert, um Sicherheit und Vertrauen zu gewährleisten.
Doch die Unterscheidung ist nicht hierarchisch zu verstehen – sie soll die besonderen Bedarfe und Rahmenbedingungen sichtbar machen. Sexualassistenz und -begleitung bedeuten Teilhabe, Menschenrecht und das Erfüllen grundlegender Bedürfnisse. Sexualität ist ein wesentlicher Bestandteil von Lebensqualität und Identität – unabhängig von körperlichen oder kognitiven Einschränkungen.
Zugleich möchten wir mit der Differenzierung ein gesellschaftliches Umdenken anstoßen: „klassische Sexarbeit“ ist in der öffentlichen Wahrnehmung oft negativ besetzt – mit Vorurteilen von Kriminalität, Scham oder Ausbeutung. Wir sehen Sexarbeit als Arbeit, die hohe Kompetenz, Verantwortungsbewusstsein, emotionale Stabilität, Empathie und Kommunikationsstärke erfordert. Gerade im Bereich der Sexualassistenz und -begleitung bedeutet sie, Menschen Würde, Nähe und Selbstbestimmung zu ermöglichen – und damit gesellschaftliche Teilhabe.
Wie in anderen Bereichen der Sexarbeit sind emotionale Belastbarkeit, klare Grenzen, Offenheit gegenüber verschiedenen Lebensstilen und Sexualitäten sowie eine respektvolle, wertfreie Haltung zentrale Kompetenzen. Begegnungen werden vorbereitet, besprochen und reflektiert – auch mit der Option, Termine im Zweifel abzusagen. Das macht die Arbeit anspruchsvoll und zugleich zutiefst menschlich.

Welche Voraussetzungen und Qualifikationen sind wichtig?

Wir öffnen die Agentur für Menschen mit unterschiedlichen Qualifikationen. Fachkräfte aus Pflege, Pädagogik, Therapie oder persönlicher Assistenz bringen wertvolle Kenntnisse über Erkrankungen, Barrieren und individuelle Bedürfnisse mit. Gleichzeitig sind Quereinsteiger*innen willkommen, wenn sie geeignet sind, über die nötige emotionale Reife verfügen und sich kritisch mit Sexualität, Grenzen und Nähe auseinandersetzen möchten.
Wesentliche Kriterien sind Motivation, Freiwilligkeit, ein Mindestalter (über 18, idealerweise über 21), sowie die Bereitschaft, sich fortlaufend weiterzubilden. Dazu gehören rechtliche Voraussetzungen wie Gewerbeanmeldung, Gesundheitscheck und Teilhabe an Qualitätssicherungsmaßnahmen. Für Dienstleister*innen bieten wir auf Wunsch Begleitung, Schulung und Supervision an, um die professionelle Qualität sicherzustellen.

Wie lässt sich Selbstbestimmung sichern, ohne in Fürsorge zu verfallen?

Die Gefahr, dass über die Sexualität von Menschen mit Behinderung fremdbestimmt wird, ist real. In vielen Einrichtungen oder Familien entscheiden Betreuer*innen oder Angehörige über das, was die betroffenen Personen wünschen oder dürfen.
Das Sozialgesetzbuch (§ 78 Abs. 1 SGB IX) formuliert klar das Recht auf eine selbstbestimmte Lebensführung, einschließlich sexueller Selbstbestimmung. Für uns bedeutet das: Wir treten für dieses Recht aktiv ein und suchen den Dialog mit Einrichtungen, Angehörigen und Pflegeteams – nicht als Bittsteller, sondern mit der Selbstverständlichkeit eines legitimen Anspruchs auf Teilhabe und private Lebensqualität.

Wie realistisch ist eine Finanzierung als Teilhabeleistung?

Langfristig ist es unser Ziel, Sexualassistenz und -begleitung als Teilhabeleistung anzuerkennen – etwa über das Persönliche Budget, die Eingliederungshilfe oder Krankenkassen. Erste gerichtliche Präzedenzfälle zeigen, dass dies grundsätzlich möglich ist, müssen jedoch jeweils individuell erstritten werden.
Wir setzen daher auf politische Aufklärung, Kooperation mit Fachverbänden und rechtliche Unterstützung. Die aktuelle politische Diskussion – etwa um das sogenannte nordische Modell oder geplante Kürzungen bei Förderungen für Menschen mit Behinderung – erschwert die Lage. Umso wichtiger ist es, Aufklärungsarbeit zu leisten und praktische Lösungen über das bestehende Persönliche Budget zu fördern. Dabei unterstützen wir unsere Kund*innen aktiv, indem wir Ansprechpartner, Formularhilfen und Vernetzungsmöglichkeiten bereitstellen.

Wie gelingt Entstigmatisierung ohne „Besonderung“?

Sexualität und Behinderung werden gesellschaftlich oft noch tabuisiert oder gar entkoppelt. Unser Anliegen ist, Sexualassistenz und -begleitung als normalen, würdevollen und inklusiven Lebensbereich sichtbar zu machen – ohne Überhöhung, aber mit Selbstverständnis.
Wir wollen Offenheit fördern, Berührungsängste abbauen und zeigen, dass sexuelle Bedürfnisse Teil einer gesunden Lebensrealität sind. Aufklärung, Begegnung und Sichtbarkeit sind hier die Schlüssel. Entstigmatisierung beginnt mit Sprache, Aufklärung und dem Perspektivwechsel: Sexualität ist ein menschliches Grundbedürfnis – für alle.

Wie sichern Sie Schutz und Qualität?

Unsere Agentur entwickelt aktuell gemeinsam mit Fachanwält*innen ein Betriebskonzept nach Prostitutionsschutzgesetz, das auch ein Schutz- und Qualitätskonzept einschließt. Dazu zählen Altersbeschränkung, Gesundheitsnachweise, Gewerbeanmeldung und regelmäßige Supervision.
Ebenso wichtig sind transparente Kommunikation und Nachbetreuung. Vor jedem Termin erfolgen genaue Absprachen zu Grenzen und Leistungen, danach Nachfragen und Reflexion, etwa bei Bedarf mit Betreuungspersonen. Beschwerden werden ernst genommen, professionell behandelt und dokumentiert.
Die Sexualbegleiter*innen erhalten Zugang zu Fortbildungen, Supervision und Coaching – um emotionale Belastungen aufzufangen, professionell zu handeln und nachhaltige Qualität zu sichern.
Mit der „Agentur für Berührung“ entsteht ein bundesweites Angebot, das Menschen bei einem zentralen Aspekt selbstbestimmter Teilhabe unterstützt: sinnliche, würdige, erfüllte Sexualität. Damit wollen wir zu einer offenen, inklusiven Gesellschaft beitragen, in der Sexualität nicht länger Ausschlusskriterium, sondern ein selbstverständlicher Teil menschlicher Würde ist.

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Kasharius
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Re: Interview mit neuem Anbieter für Sexualassistenz

Beitrag von Kasharius »

:023
Kasharius grüßt