BeSD e.V. veröffentlicht branchenspezifisches Hygienekonzept

Beiträge betreffend SW im Hinblick auf Gesellschaft bzw. politische Reaktionen
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Kasharius
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BeSD e.V. veröffentlicht branchenspezifisches Hygienekonzept

#1

Beitrag von Kasharius »

Hier geht es zur Erklärung des BeSD e.V. vom 19. Mai 2020

https://berufsverband-sexarbeit.de/inde ... ckerungen/

Kasharius grüßt auch hier solidarisch

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Kasharius
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Re: BeSD e.V. veröffentlicht branchenspezifisches Hygienekonzept

#2

Beitrag von Kasharius »

Das Papier des BeSD e.V. hat seinen Niederschlag erfreulicherweise in den Medien gefunden :023

https://www.deutschlandfunknova.de/beit ... moeglichen

https://www.t-online.de/gesundheit/kran ... aufen.html

https://de.sputniknews.com/panorama/202 ... -einfluss/


Kasharius grüßt :006

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floggy
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BeSD e.V. veröffentlicht branchenspezifisches Hygienekonzept

#3

Beitrag von floggy »

Hallo, guten Morgen, ich hoffe, der Tag wird gut. Schönes Wetter, entspannte Kunden, Freude an der Arbeit.

Die Kritik am "initialen" Hygiene- und Schutzkonzept, wie gestern hier im Forum verlinkt, schießt m.E über das Ziel hinaus. Das Ziel ist die entschiedene Absage an jegliche Vorschriften "wie Sexarbeitende ihre Arbeit am Kunden zu erbringen haben". Argumente: Bußgelder, Einschüchterung, Erpressung und Gewalt, Selbstbestimmung. Abwägung: Diplomatische Abstriche? "Dazu sage ich dezidiert: NEIN!"

Alles super geschrieben. Danke. Im Vergleich zum Kondomzwang, der ja hauptsächlich den Kunden belastet, wäre bei einer Umsetzung von Hygiene- und Schutzauflagen im Hinblick auf COVID-19 die sowie der Sexdienstleistende belastet.

Die berechtigte Kritik an Hygiene- und Schutzkonzepten im Zusammenhang mit COVID-19 ganz allgemein hat doch mit dem inneren Machtverhältnis im BesD e.V und der Arbeitsweise im BesD e.V nichts zu tun? Das ProstSchG hat doch eine von zwei, oder eine von drei SW, ohnehin die beliebteste Arbeitsweise von Frauen in der Sexbranche, ZUR BETREIBERIN BESTIMMT. Widerwillen. Und der Protest seinerzeit war unüberhörbar. Ich sehe da noch ganz andere Dinge bei einer Verbandsarbeit kommen. Ich kann mir eh nicht vorstellen, wie man (auf Dauer) politische Arbeit und Medienarbeit, und die ganze Juristerei, und jetzt auch noch medizinischer Kram, mit SINNLICHEM SEX in Einklang bringen kann. Und es gibt genügend solo-selbständige SW die wie Unternehmer denken (tut die Verfasserin sicherlich auch, kommt aber zu einer anderen Schlußfolgerung). Kann man denn nicht hier an dieser Stelle über die Sache streiten?

Also um was geht es denn nun eigentlich? Die einen wollen aufsperren weil sie Geld verdienen müssen um leibhaftig und/oder wirtschaftlich überleben zu können, denen geht es also in der Gegenwart schlecht. Und die anderen sehen dunkle Wolken aufziehen, und meinen, daß sie die Durststrecke noch eine Weile durchhalten können, malen sich aber die Zukunft düster aus, wenn man den kleinen Finger, und später die ganze Hand gibt. Ich sehe darin eine soziale Auseinandersetzung von Nicht-Privilegierten mit Privilegierten.

Ich wünsche mir viele kleine, mittlere und große Verbände, unter einem Dachverband, der nicht nur die Meinungen zusammenhält, sondern solidarisch denen finanziell hilft, die ansonsten der Marktbereinigung anheimfallen würden. Solange es Sperrbezirke gibt, und Sexarbeit keine freiberufliche Tätigkeit ist, wird es kapitalintensiven Pay-Sex geben, mit allen negativen Begleiterscheinungen. Das hat der Gesetzgeber zu verantworten, und daher bitte diesen angreifen. Der BesD e.V hat diese Forderungen an die Politik auf seiner Liste stehen.
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Re: BeSD e.V. veröffentlicht branchenspezifisches Hygienekonzept

#4

Beitrag von Thorja »

„Die Verfasserin“ ist eh hier, huhu! Sie nimmt sich aber als „Privilegierte“ das Recht heraus, auch zu bloggen, was und worüber und an welchen Orten sie es für richtig hält. Nichtsdestotrotz können wir uns natürlich auch hier gerne unterhalten. Das eine schließt das andere nicht aus. Es könnte jedoch sein, dass ich dann noch einen eigenen (extrem privilegierten) Blogbeitrag über die Unterhaltung mit dir verfasse… 😊

Spaß beiseite:
Auch der Kondomzwang ist eine illegitime Einmischung in die Tätigkeit von Sexarbeitenden. Wir sollten das Recht haben, zu entscheiden, wo und wann und unter welchen Umständen wir was mit und ohne Kondom machen. Es ist ja durchaus im Bereich des Vorstellbaren, dass die Sexarbeitenden das auch mal von sich aus WOLLEN – oder etwa nicht?? Angesichts des Kondomzwangs nach deutschem Vorbild müssten wir dann immer die Angst haben, dass der Kunde uns nicht verrät? Dass er nichts davon in einem Freierforum ausplaudert? Also: auch der Kondomzwang schadet den Sexarbeitenden, schränkt ihre Freiheit ein, macht sie abhängig vom Verhalten anderer. Er ist also in erster Linie eine Einschränkung der SW, nicht der Kunden.

Richtig, wir sind UnternehmerInnen, die die konkrete Ausgestaltung ihres Angebots mit den juristischen, verwaltungsrechtlichen, politischen, medizinischen… im allgemeinen schlicht: gesellschaftlichen - Kontexten ihrer Arbeit in Einklang bringen müssen, bzw. damit arbeiten, mal mehr und mal weniger zustimmend – wie alle anderen Selbständigen ebenso. Das ist ein ständig mitlaufender dynamischer Prozess. In jeder Branche gibt es übergeordnete Regelungen, notwendiges Kontextwissen, welches in die Umsetzung der Tätigkeit einfließt. Der Umgang damit (in welcher Form auch immer) gehört in jeder Branche zur Professionalität. Warum sollte das gerade für uns ein Problem sein? Warum sollte gerade unser Angebot („sinnlicher Sex“) darunter leiden? Wir sind durchaus dazu imstande, all die administrativen Herausforderungen so zu bewältigen, dass die Kunden in ihrem Bedürfnis nach „sinnlichem Sex“ davon nicht beeinträchtigt sind. Denn: Sonst wären schon lange keine erfolgreichen UnternehmerInnen mehr. Das überhaupt infragezustellen ist für mich ähnlich irritierend, als würde man fürchten, in der Autowerkstatt keinen guten Service zu bekommen, weil es da ja auch Gesetze zu beachten gibt und für den Mechaniker auch noch was anderes handlungsleitend ist, als seine romantische Liebe zum Auto. Ich hasse solche Vergleiche, muss aber anscheinend manchmal sein.

Ich zitiere: "...die anderen sehen dunkle Wolken aufziehen, und meinen, daß sie die Durststrecke noch eine Weile durchhalten können, malen sich aber die Zukunft düster aus, wenn man den kleinen Finger, und später die ganze Hand gibt. Ich sehe darin eine soziale Auseinandersetzung von Nicht-Privilegierten mit Privilegierten."

Wow… du siehst eine Auseinandersetzung von Nicht- mit Privilegierten, wenn man Angst vor der Einschränkung von Freiheitsrechten äußert? Das muss man sich aber auf der Zunge zergehen lassen. Ich würde im Gegenteil behaupten: Das, was DU da jetzt machst, ist genau jenes perfide, spalterische, gegeneinander Ausspielen von verschiedenen Angebotsformen, unter dem Feigenblatt von Solidarität. Deine Argumentation zeigt jetzt mit dem Finger auf jene, die du als „privilegiert“ bezeichnest (diese künstliche Dichotomisierung "privilegiert" vs "nicht privilegiert" ist im übrigen abolitionistisches Gedankengut, um jene, die sprechen – die „Privilegierten“ – zu diskreditieren und zu silencen). Die „Privilegierten“, die Bösen, die können es sich richten, nicht wahr? Die können noch länger zuwarten, haben den längeren Atem, können drum Forderungen stellen, und die nehmen keine Rücksicht auf die, die in abhängigeren Angebotsformen tätig sind, die Betreiber für ihre Sexarbeit brauchen. So ungefähr? Dazu kann ich nur sagen: Richtig, ich bin in der Position völlig angstfrei Forderungen zu stellen, weil ich von keinem Betreiber abhängig bin. Auf mich können alle Betreiber böse sein, das ist für mein Geschäft vollkommen egal. Und wenn jetzt diese aufoktroyierten Hygienevorschriften kommen, dann zwingt das die abhängigeren KollegInnen in eine größere Unfreiheit als mich. Und GERADE DESHALB sind diese Maßnahmen abzulehnen. Weil sie diese Ungleichheit vergrößern! Diese Vorschriften zu akzeptieren bedeutet, Abstriche in Grundrechten zu akzeptieren – und das hat auf die „weniger privilegierten“ einen weitaus verheerenderen Einfluss, da diese weniger Handlungsoptionen haben und nun noch weiter eingeschränkt werden.

Es sollte immer um die Vermehrung von Spielräumen gehen, nicht um deren Einengung. Jetzt zu sagen: „Ok, dann sollen sie halt arbeiten – aber nur in Ketten und unter ständiger Strafandrohung!“ – kann doch nicht ok sein, oder?

Die einzige Vorschrift, die es geben sollte ist: Die Hygieneregeln der SexarbeiterInnen sind uneingeschränkt zu befolgen! Denn SIE sind die Profis für genau IHRE Form der Sexarbeit.

Eine unberührbare Domina wird hierzu andere Maßstäbe anlegen (müssen/können/sollen/dürfen) als jemand, der Girlfriendexperience anbietet, als jemand, der Gesprächsdates mit erotischem Inhalt anbietet, als jemand, der Hypnosesex anbietet, als jemand, der Pornosex anbietet. Es gibt hier nichts von oben zu bestimmen. Das muss VON UNTEN bestimmt werden. Wir haben das Sagen was unsere Arbeit betrifft. „Nichts über uns ohne uns“ – oder? Darauf haben wir uns doch schon geeinigt.

Zur Metaebene:
In jeder sozialen Bewegung gibt es unterschiedliche Sicht- und Herangehensweisen. Darin liegt der wertvolle Zündstoff, der Antrieb von Bewegungen. Hätten wir alle dieselben Sichtweisen, wären wir eine Organisation, keine Bewegung. Es ist gut, dass wir nicht gleich denken. Denn so ist immer gewährleistet, dass man Leute hat, die sich eben besser eignen für diplomatischere Gespräche mit EntscheidungsträgerInnen, und solche, die eben radikaler sind und in manchen Belangen mehr vorpreschen, gewisse Dinge gut zuspitzen und latente Bedrohungen dadurch auf den Punkt bringen. Und solche, die ein bisschen zur Besinnung rufen und die Bewegung abkühlen, wenn sie zu heißt läuft. Das ist alles gut und richtig. Was ich aber alles andere als gut und richtig finde, ist die Übernahme der Kategorien unserer Gesinnungsfeinde, wie „Privilegiert“ – „Nicht-Privilegiert“, „High End Escort“ als Gegenpol zu den anderen SexarbeiterInnen. Das sind Kategorien, die dazu dienen, zu entscheiden, wer überhaupt sprechen darf. Wer maßt sich diese Entscheidung an? Das Recht zu sprechen und gehört zu werden, sollten alle haben.
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Re: BeSD e.V. veröffentlicht branchenspezifisches Hygienekonzept

#5

Beitrag von Zwerg »

Thorja hat geschrieben:
22.06.2020, 18:05
Wir haben das Sagen was unsere Arbeit betrifft. „Nichts über uns ohne uns“ – oder? Darauf haben wir uns doch schon geeinigt.
Deine Worte bedürfen keiner Unterstützung! Deshalb nur kurz:

SO IST ES!

Liebe Grüße

christian

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#6

Beitrag von floggy »

Sorry, ich wollte nicht den Tag, er fing ja jetzt wohl an, verderben. Ich sehe auch keine Unterschiede in der Einschätzung des Hygienekonzepts und beim Kondomzwang. Ich war zwar auch Mal in einem Freierforum, aber da flog ich raus. Mein Background ist Flugblätter verteilen - für die Sex Workers' Rights Movement. Ich bin auch als Sex Worker gemeldet (beim Finanzamt), nur verdiene ich nichts. Auch habe ich den BesD e.V kürzlich mit einer Spende bedacht, um gegen die "Betreiber-Diffamierung" gerichtlich vorgehen zu können.

Sorry, liebe Thorja, privilegiert habe ich so verstanden, daß die einen schon wieder arbeiten müssen, während die anderen halt noch Reserven haben oder was anderes machen. Ich lasse mir schon gar nicht von den Abolitionisten "Wörter klauen". Aber ich denke, es ist jetzt alles gesagt. Du hat mich nicht um nähere Erläuterung gebeten, also will ich Dich damit auch nicht behelligen. Ich kann leider Deine Passagen nicht unterstreichen, aber in diesem Sinne wollte ich Deinen gesamten Text unterstreichen, außer den Teilen wo ich mich mißverstanden fühle. Aber diese Teile tun nichts zur eigentlichen Sache.
Zuletzt geändert von floggy am 22.06.2020, 21:30, insgesamt 3-mal geändert.
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#7

Beitrag von floggy »

@Zwerg: volle Zustimmung zum Zitat und zum "so ist es".
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Re: BeSD e.V. veröffentlicht branchenspezifisches Hygienekonzept

#8

Beitrag von certik »

Thorja hat geschrieben:
22.06.2020, 18:05
...Angesichts des Kondomzwangs nach deutschem Vorbild müssten wir dann immer die Angst haben, dass der Kunde uns nicht verrät? Dass er nichts davon in einem Freierforum ausplaudert? ...
Nein, so sehr ich gegen das ProstSchG bin, bedarf es hier einer Richtigstellung:
Bei Verstoß gegen die Kondompflicht ist nur das Verhalten des Kunden strafbar (mit bis zu 50.000 € Bußgeld), die SW kann dafür nicht belangt werden.
Die Werbung für Dienstleistungen ohne Kondom ist allerdings verboten und strafbewehrt.
* bleibt gesund und übersteht die Zeit der Einschränkungen *

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Re: BeSD e.V. veröffentlicht branchenspezifisches Hygienekonzept

#9

Beitrag von Thorja »

Ok, danke für den Hinweis, wusste ich nicht! Mit dem Verrat durch den Kunden hab ich zwar nicht unbedingt gleich eine Strafrelevanz für die SW gemeint, sondern eher die Möglichkeit einer Rufschädigung, die durch willkürliche Verbote begünstigt wird. Zumal ein derartiger vernadernder Kunde (oder vielleicht nur abgeblitzter, sich rächenwollender Interessent) ja unter feigen anonymen Nicks in Freierforen immer relativ sicher vor Bestrafung ist, die SW aber immer in ihrer Anbieterinnenrolle identifizierbar ist.

Trotzdem: Ich muss aber sagen, dass es durch deine Richtigstellung auch nicht viel besser wird. Dann würde ICH ja einen Kunden gefährden, nur weil ICH mal Lust darauf habe, zb Pheromone zu schmecken. Das schränkt ja wieder MEINE Freiheit ein, das zu tun, was ICH gerne möchte, meine Sexualität so zu leben, wie ICH das für richtig halte (in Konsens mit dem Kunden, natürlich :002 ). Das würde weiter dazu führen, dass ein aus meiner Sicht harmloses olfaktorisches Genusserlebnis meinerseits nur noch solche Kunden zulassen, denen diese Gefährdung egal ist, so nach dem Muster primärer und sekundärer Devianz ("bin eh schon kriminell, eh schon egal"), und das würde wiederum MIR schaden, mich möglicherweise gefährden. Das ist für mich eine Art "Mini-Nordisches-Modell", Kriminalisierung im Kleinen quasi. (Und nein, ich will das Nordische Modell damit nicht verharmlosen, ich möchte vielmehr drauf hinweisen, dass Verbote immer fatal sind, für die SW).

Es ist egal, wie man es dreht und wendet: Immer, wenn sich da in die konkrete Ausführung jemand einmischt und Vorschriften macht, führt das automatisch zu einem Gegeneinanderausspielen von Leuten, die eigentlich im selben Boot sitzen. Kunden gegen AnbieterInnen, wenn Kunden zur Gänze oder in irgendwelchen Details kriminalisiert werden, und VertreterInnen verschiedener Angebotsformen gegeneinander, wenn Vorschriften für den einen Bereich gelten sollen, für den anderen jedoch nicht.
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Re: BeSD e.V. veröffentlicht branchenspezifisches Hygienekonzept

#10

Beitrag von Thorja »

....und darin erkennt man diesen perfiden Grundmechanismus jeder Form von Diskriminierung:

Spalte die, die du diskriminieren willst, in willkürliche Grüppchen auf. Rede ihnen ein, dass sie unterschiedliche Interessen haben. Bevorteile die einen ein bisschen, benachteilige die anderen noch mehr. Dann hetze sie gegeneinander auf. Lehn dich zurück und betrachte das Schauspiel, welches du ihnen dann gleich wieder zum Vorwurf und zum Vorwand für weitere Spaltungsaktionen machen kannst.
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#11

Beitrag von floggy »

Stichwort "betreiberlastig".

Volle Zustimmung, darum hatte ich mich 2015 bei Doña Carmen e.V von einem Paulus zu einem Saulus bekehren lassen, und als ich selbst Sexarbeit angeboten habe praktisch gemerkt, wie Scheiße es ist, auf Kautschuk rumzulutschen. Das geht nur solange gut, wie Du geil auf Erdbeeren bist, und man sich anschließend umso länger penetrieren lassen möchte.

Darum hatte ich auch "hauptsächlich" geschrieben, wohingegen beim Hygienekonzept "ausschließlich" Sex Workers belastet wären.

Alles gut, je mehr wir über die Feinheiten reden, umso selbstverständlicher werden sie uns. Es ist ein weites Feld, voller Aufopferung an unsere Lernbereitschaft.
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Re: BeSD e.V. veröffentlicht branchenspezifisches Hygienekonzept

#12

Beitrag von Kasharius »

Zu @certik:

Ein beharrlicher Verstoß gegen den "Kondomzwang" könnte als Indiz für gewerberechtliche Unzuverlässigkeit gewertet werden. Sie z.B. § 11 Abs. 3, § 23 ProstSchG

Kasharius grüßt

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#13

Beitrag von floggy »

Also wenn ich mich jetzt einmal analytisch versuchen darf, dann hat dieses Thema mittlerweile zwei Hauptthemen, das Hygienekonzept vom deutschen BesD e.V, das wie ich nachgelesen habe, mit Gesundheitsämtern abgestimmt ist, und ferner die Gefahren bei der Berufsausübung und für die Selbstbestimmung, sollte es umgesetzt werden. Als Seitenthemen, die sich oft unbemerkt wie Seitenhiebe einschleichen, sehe ich meinen Versuch einer Klarstellung um die extern erfolgte Zuschreibung als "betreiberlastig", und die Diskussion um den Vergleich Kondomzwang mit Hygienevorschriften. Ferner hat sich eine Vision meinerseits eingeschlichen, wie die vielfältigen Meinungen und wirtschaftlichen Interessen und sozialen Ausgangslagen ihre Wirkung positiv in einer Art solidarischem Finanzausgleich entfalten könnten, ohne bei der Katholischen Kirche zu enden. Es hat Mal geheißen "wir müssen die Menschen wieder dort abholen wo sie stehen". Aber das ist nun wirklich offtopic, wenn auch wieder einmal brandaktuell. War es ja beim ProstSchG im Juni 2015 auch schon Mal, und ging gehörig in die Hosen. Aber das sollen die Historiker klären. Ein Berufsverband ist halt nun Mal keine Bewegung, oder, auch wenn es Interdependenzen gibt? Oh je, bin ich heute wieder mutig! Sie werden mich in der Luft zerreißen.
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Re: BeSD e.V. veröffentlicht branchenspezifisches Hygienekonzept

#14

Beitrag von Kasharius »

@floggy

ich lese Dich gerne und bin nicht Reich-Ranitzki, aber Deinen Assoziationsketten kann ich mittlwrweile schwerlich folgen. Nischt für unjut...

Kasharius grüßt

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#15

Beitrag von floggy »

zum vorigen Beitrag: wir haben die Assoziationsketten über PN geklärt.
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