Arbeitspsychologie, Sozialtechniken und Kompetenzen von SW

Ein nahezu unerschöpfliches Thema: Psychologische Betrachtungsweise der Sexarbeit
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Elisabeth
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Arbeitspsychologie, Sozialtechniken und Kompetenzen von SW

#1

Beitrag von Elisabeth » 2006-03-12, 22:01

Ich hab heute im Netz diese Diplomarbeit gefunden:

Olaf Apel

Prostitution aus arbeitspsychologischer Perspektive


Hausarbeit
zum Erwerb eines Leistungsnachweises im Fach Arbeits- und Organisationspsychologie

http://userpage.fu-berlin.de/~apelius/a ... /ao-ha.pdf

Sollte sie dort nicht erreichbar sein, könnt ihr sie auch hier abrufen:
http://sexworker.at/upload/Datei_Upload/ao-ha.pdf

Es geht um Prostitution aus arbeitspsychologischer Sicht, die Studie stammt aus Deutschland.
Sobald der Geist auf ein Ziel gerichtet ist, kommt ihm vieles entgegen.
Johann Wolfgang von Goethe (1749 - 1832)

Lovis
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spannend

#2

Beitrag von Lovis » 2006-03-14, 16:38

Hallo Elisabeth

Hab die Arbeit jetzt gelesen und finde dass sie wichtige Aspekte gut anreisst (wobei ich mich dem Maskenspiel nicht anschliesse).

M-T und ich mailen einander jetzt fleissig, danke.

liebe Grüße
Lovis
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Elisabeth
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#3

Beitrag von Elisabeth » 2006-03-14, 22:37

Ich habe dir zu danken!
Sobald der Geist auf ein Ziel gerichtet ist, kommt ihm vieles entgegen.
Johann Wolfgang von Goethe (1749 - 1832)

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#4

Beitrag von sixela » 2006-03-15, 00:12

Zwei Dinge, die mir aufgefallen sind, möchte ich anhand dieser bemerkenswerten Studie, die in dieser relativ kurzen Form wirklich viele Aspekte des Gewerbes treffend, wenn auch nicht immer präzise, umschreibt, herausgreifen.

1) Die politisch-rechtliche Situation: ich finde es erschütternd, dass sich in Europa als ein kolossaler Rückschritt gegenüber den 90er Jahren offenbar ein Konglomerat der negativen Sichtweisen in bezug auf Bewertung der Sexarbeit herausbildet, als "Unsittlichkeit und Stigma" UND "Lebenszerrüttung", umgesetzt in den politischen Systemen der USA (ganz zu schweigen von den islamischen Ländern, deren Sichtweise der Sexualität generell eine Katastrophe ist) einerseits, und Schweden andererseits. Deutschland steht momentan noch als Beispiel für "Arbeit wie jede andere" und "Professionalisierung". Aber die Debatte um die "40.000 Zwangsprostituierten bei der Fußball-WM" könnte die dortige Große Koalition das Ruder in Richtung allgemeiner Restriktionen herumreißen lassen, und das hätte sicherlich leider Vorbildwirkung auf ganz Europa :009

2. Ganz anderes Thema: "unintime Sexualität" - sorry, aber die Sichtweise als "Maskenball" scheint mir nicht mehr "state-of-the-art" zu sein. Sicherlich - wohl die Mehrzahl der Sexarbeiterinnen spielt "nur" etwas vor und es ist ihnen wichtig, ja keine Intimität aufkommen zu lassen, Stichwort "Tabuzonen". Aber die wirklich GUTEN Sexworkerinnen, die wir Kunden dann auch gerne wiederholt aufsuchen, machen es anders. Selbstverständlich wird sie nur in den wenigsten Fällen "heiß" mit den Kunden (dass das auch vorkommt, wurde auch in diesem Forum schon beschrieben). Aber was GUTE Sexworkerinnen jedem Kunden, der die selbstverständlichen Standards von Sauberkeit, Freundlichkeit und Respekt erfüllt, bieten können, soferne sie auch ein unverkrampftes Verhältnis zur Sexualität haben und dies von "Liebe" trennen können (was ja auch nicht immer der Fall ist bei Sexworkerinnen): Relaxt sein, sich über die Begeisterung des Kunden freuen, ihm das Gefühl geben, in dieser Stunde gerne für ihn und mit ihm Sex zu machen. Das kann auch Intimitäten wie tiefe Zungenküsse und Geknutsche umfassen, ohne dadurch emotional verletzt zu werden oder umgekehrt "geil" zu werden (dass da viele Männer was verwechseln, ist ohnehin klar :003 ). Genau so habe ich es jedenfalls wieder mal vor wenigen Tagen erlebt... Und genau diese Frauen werden dann beim Hauptzweck, ordentlich Geld zu verdienen, SEHR erfolgreich sein...
Die Welt ist umso freier, je weniger Religion und je mehr Sex praktiziert wird

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#5

Beitrag von Elisabeth » 2006-03-15, 00:33

sixela hat geschrieben: Aber die Debatte um die "40.000 Zwangsprostituierten bei der Fußball-WM" könnte die dortige Große Koalition das Ruder in Richtung allgemeiner Restriktionen herumreißen lassen, und das hätte sicherlich leider Vorbildwirkung auf ganz Europa :009
Ich hoffe nur, dass klar wird, dass es sich um eine Ausnahmesituation handelt. Bestimmte Regelungen für den Umgang mit so einer Situation, dagegen hab ich nichts. Aber die freiwillige Sexarbeit wieder mit Menschenhandel und Zwangsprostitution in einen Topf zu werden, sollte vermieden werden. Ich frag mich nur, wie könnte eine Lösung für die WM aussehen? Es gibt ja die Kampagne "Abpfiff". Mal angenommen, die Kunden arbeiten tatsächlich mit und Frauen, die nicht freiwillig arbeiten, werden "herausgenommen" - hab nur ich den Eindruck, dass ihr Platz nicht lange frei bleiben wird?
sixela hat geschrieben:Selbstverständlich wird sie nur in den wenigsten Fällen "heiß" mit den Kunden (dass das auch vorkommt, wurde auch in diesem Forum schon beschrieben). Aber was GUTE Sexworkerinnen jedem Kunden, der die selbstverständlichen Standards von Sauberkeit, Freundlichkeit und Respekt erfüllt, bieten können, soferne sie auch ein unverkrampftes Verhältnis zur Sexualität haben und dies von "Liebe" trennen können (was ja auch nicht immer der Fall ist bei Sexworkerinnen): Relaxt sein, sich über die Begeisterung des Kunden freuen, ihm das Gefühl geben, in dieser Stunde gerne für ihn und mit ihm Sex zu machen. Das kann auch Intimitäten wie tiefe Zungenküsse und Geknutsche umfassen, ohne dadurch emotional verletzt zu werden oder umgekehrt "geil" zu werden (dass da viele Männer was verwechseln, ist ohnehin klar :003 ). Genau so habe ich es jedenfalls wieder mal vor wenigen Tagen erlebt... Und genau diese Frauen werden dann beim Hauptzweck, ordentlich Geld zu verdienen, SEHR erfolgreich sein...
Ja, einer -wenn nicht der größte- Unterschied zwischen Beruf und Berufung. Sehr gut finde ich, dass du auf die unverkrampfte Einstellung zur Sexualität hinweist. Das halte ich für enorm wichtig.

Alles Liebe,
Elisabeth
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#6

Beitrag von sixela » 2006-03-15, 22:30

Elisabeth hat geschrieben: Ich frag mich nur, wie könnte eine Lösung für die WM aussehen? Es gibt ja die Kampagne "Abpfiff". Mal angenommen, die Kunden arbeiten tatsächlich mit und Frauen, die nicht freiwillig arbeiten, werden "herausgenommen" - hab nur ich den Eindruck, dass ihr Platz nicht lange frei bleiben wird?
Wie man Zwangsprostituierte von freiwilligen trennen kann, weiß ich auch nicht, aber ich bin sicher, dass irgendwer diese Phantasiezahl 40.000 erfunden hat, um wieder mal den ganzen Bereich als ein einziges Verbrechen darzustellen.

Aber gut, die deutsche Hurenvereinigung hat irgendwo behauptet, die schon Anwesenden kommen alleine mit dem Ansturm der Fußballfans zurecht. Werden wir sehen! :004

Ein anderes Problem sind vielleicht die Fußballfans selbst. Zumindest im Rudel zeichnen sie sich la leider nicht immer durch Feinfühligkeit und Intelligenz aus (ich bin da die Ausnahme :002 ). Und saufen wie Löcher. Auf der anderen Seite sind sie spendabel und sicher nicht sehr anspruchsvoll, was die Dienstleistung betrifft. Nur halt wohl nicht so prädestiniert, Zwangsprostitierte zu erkennen...
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@ sixela

#7

Beitrag von Deleila » 2006-03-28, 22:18

"Wie man Zwangsprostituierte von freiwilligen trennen kann, weiß ich auch nicht, aber ich bin sicher, dass irgendwer diese Phantasiezahl 40.000 erfunden hat, um wieder mal den ganzen Bereich als ein einziges Verbrechen darzustellen. "


Ich befürchte, dass die Dunkelziffer stimmt......
es werden Massenweise Frauen und Kinder aus dem Osten hierher verkauft.....
Es soll sogar Fälle geben, in denen die eigenen Eltern ihre Kinder verkaufen....grauslig.. :013

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Arbeitspsychologie und Sozialtechniken von Sexarbeiterinnen

#8

Beitrag von Walker » 2006-10-17, 11:09

Ich hab einen interessanten Artikel gelesen...


Martina Schuster:

Prostitution professionell
Über die Sozialtechniken von Sexarbeiterinnen


http://parapluie.de/archiv/haut/prostitution/






mich würde eure meinung dazu interessieren... wie seht ihr das?





.

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Danke für deine Aufmerksamkeit zum Thema

#9

Beitrag von Ellena » 2006-10-17, 12:03

Aufmerksam gelesen, sehr interessant, der Zweck heiligt die Mittel, und so leben auch wir Prostituierte unbeschadet und glücklich, na Sowas :002
Danke nochmals liebe Grüße Ellena

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::: SOZIALTECHNIK v. SEXARBEITERINNEN :::

#10

Beitrag von Zwerg » 2006-10-17, 14:24

Hallo Rolli!

Ich bin zwar nicht in die Kategorie SexarbeiterIn einzuordnen, fühle mich jedoch als Mann bemüßigt meinen Senf abzugeben.

Der Artikel selbst ist sicherlich nicht uninteressant. Ich finde es nur bemerkenswert, wenn eine Feldstudie, bedingt durch die Aussagen von 7 Freiwilligen, allgemeingültige Thesen aufstellt.

Ich denke, dass hier ungemein Viel unter den Tisch fällt. Die Schlussfolgerungen sind mir zu oberflächlich. Aber eigentlich stört mich das nicht einmal so sehr..... Vielmehr die angedockte Diskussion, in der es von Klischees wieder einmal nur so wimmelt, erzürnt mein Gemüt.

Für mich ist es bedenklich, wenn Sätze wie zum Beispiel:
die kriminelle Sogwirkung der Prostitution ist enorm.
Der Verkauf der Sexualität und des Körpers eines Menschen verstößt gegen die im Grundgesetz verankerte Menschenwürde.
.
Ihr Frauen sollt euch einmal vorstellen, wie das ist, wenn IHR starke sexuelle Gefühle hättet und das andere Geschlecht nur gegen saumäßig viel Geld sich überhaupt nur mit euch abgibt!!!
.
Ich meine, wenn der Sex lange genug dauert, dann kommt man doch irgendwann
mehr oder weniger unwidersprochen im Raum stehen..... Ich bin überzeugt, man sollte hier sehr wohl als Verantwortlicher einer Internetseite ein wenig "mit dem Thema denken". Wenn ich schon ein Feldstudie zu diesem Thema durchführe, mich also mit Prostitution seriös auseinander setze, so bin ich auch für die nachfolgende Diskussion direkt verantwortlich. Und was dort (zumindest teilweise) verzapft wird geht, wie man in Wien sagt, "auf keine Kuhhaut".

Redefreiheit steht für mich außer Zweifel! Aber das dort Gebotene geht mir persönlich doch etwas zu weit. Ich würde die genannten Beiträge (und nicht nur Diese) zumindest kräftigst kommentieren.

Ich bin der Letzte der anders Denkende ausschließt, aber ich empfinde es als Verpflichtung (und sei es nur um die an der Studie teilnehmenden Damen zu schützen) in so einem Fall einzugreifen. Wenn nicht, steht der gesamte Artikel (auch wenn er noch so positiv gemeint ist) in Frage.

Raubzwerg

@Rolli: Danke für den Link!
Zwerg

Kontakt per PN oder über das Kontaktformular:
memberlist.php?mode=contactadmin

Notfälle: ++43 (0)676 413 32 23

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AUUWEH ja...

#11

Beitrag von Ellena » 2006-10-17, 14:32

Hallo Raubzwerg!
Hab mich weiter nicht umgeschaut im Parablue, erst jetzt, ja aber man kann sich ein Bild der öffentlichen Meinung machen.
Du hast völlig recht, da kann man nur auf die Redefreiheit und Meinungsfreiheit pochen..und man soll die Hoffnung NIEEE aufgeben.
Schönen Tag noch
Ellena

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Verallgemeinerungen und die berühmtenThesen

#12

Beitrag von Ria » 2006-10-17, 22:05

kommen doch - egal welcher Bereich - immer von einem ausgewählten Personenkreis. Und dies wird dann hochgerechnet und berechnet und Statistiken erstellt mit dem HIntergrund-sie glauben tatsächlich das dies so funktioniert.

Sicherlich wird es verschiedene Aspekte geben und jeder sieht es anders. Prostituierte die "Liebe" verkaufen, verkaufen Illussionen, ist aber dem Gast bewusst. Er möchte es auch so, mit dem HIntergrund wiederum, er geht keinerlei Verpflichtungen gegenüber ihr ein. Es ist ein Preis im Raum, er kauft sich seine Illussion für die Stunde oder länger oder kürzer und geht glücklich von dannen.

Wie oft kam und kommt es vor, dass sich Freier verlieben. Oft genug.

Es sind natürlich auch zu berücksichtigen, ob es eine Frau macht, weil sie Spaß daran hat - auch heir egal welcher Bereich, oder aber ob es tatsächlich nur um das liebe Geld geht oder aber , ob halt wer dahinter steckt.

Solche Thesen kann man irgendwann aufstellen, wenn es mal einen gemeinsamen geregelten Weg gibt in der Prostitution. Denn wie wir alle wissen ist es allein in Österreich schon unterschiedlich geschweige denn in den Nachbarländern.

Trotzdem gefällt mir der erste Ausdruck am Besten.

lg und schöne Woche noch
Ria
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Re: ::: SOZIALTECHNIK v. SEXARBEITERINNEN :::

#13

Beitrag von Susi » 2006-10-18, 10:48

Raubzwerg hat geschrieben:Für mich ist es bedenklich, wenn Sätze wie zum Beispiel:
Ihr Frauen sollt euch einmal vorstellen, wie das ist, wenn IHR starke sexuelle Gefühle hättet und das andere Geschlecht nur gegen saumäßig viel Geld sich überhaupt nur mit euch abgibt!!!
.
mehr oder weniger unwidersprochen im Raum stehen.....
@raubzwerg

Pflichte Dir bei! Schwachsinn und unverantwortlich - wie auch ein Großteil der Foren im Netz zu dieser Thematik. Und die Leutchen die sowas ins Netz stellen sind dann die Kunden mit hochgezogenen Krägen und ins Gesicht gezogenen Hüten. Obwohl das wahrscheinlich auch ein Klischee ist. Gottes Tiergarten ist groß.

Susi

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#14

Beitrag von Lovara » 2006-10-19, 14:59

bin im moment von der internetwelt abgeschnitten, deshalb möchte, den augenblick nutzen wenn ich schon vor einem aufgedrehten pc sitz und nur kurz meinen senf zu diesem thema abgeben.

mit ziemlicher sicherheit wieder einer der bescheuertsten berichte im www zu diesem thema.

mehr geht sie nimma aus.
sobald ich wieder im netz herumhirschen kann lesen wir uns wieder.
lg LOVARA
es gibt nur wenige, die es ehrlich meinen

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Arbeitspsychologie und Sexarbeit

#15

Beitrag von annainga » 2007-06-15, 11:49

Olaf Apel
Prostitution aus arbeitspsychologischer Perspektive
Hausarbeit
zum Erwerb eines Leistungsnachweises im Fach Arbeits- und Organisationspsychologie:

"Ich verwende im Folgenden die Ausdrücke "Prostitution" (bzw. "Prostituierte") und "Sexarbeit" (bzw.
"Sexarbeiterin"/"Sexarbeiter") zunächst synonym, wie dies in der von mir benutzten Literatur zumeist der Fall
ist. Erst in der Zusammenfassung werde ich versuchen eine inhaltliche Differenzierung vorzunehmen.
Nichtsdestoweniger ist noch zu erwähnen, dass der Terminus "Sexarbeit" im weiteren Sinne auch die Arbeit als
DarstellerIn im pornografischen Bereich und verwandte Tätigkeiten einschließt."


Olaf´s Hausarbeit

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AMS Arbeitsmarktservice

#16

Beitrag von kaktus » 2007-06-15, 23:47

link ams-forschungsnetzwerk.at
Ein Beitrag vom Arbeitsmarktservice (AMS) Österreich.
http://www.ams-forschungsnetzwerk.at/do ... semarb.pdf
Das Thema wird wenigstens angesprochen aber wie?

Kaktus

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#17

Beitrag von annainga » 2007-06-16, 09:03

ich finde sehr realistisch @kaktus

auch wenn in diesem forum sehr positiv über sexarbeit gesprochen wird, sollten wir nicht vergessen, dass es die andere seite gibt. die quantitativ sehr viel stärker ist als "unsere fraktion". leider.

ich finde, dass beide hausarbeiten sehr schöne formulierungen beinhalten, ich habe mal einige für mich prägnante sätze herausgenommen.

liebe grüße von annainga




"Wie eingangs angekündigt, scheint mir hier eine vorläufige inhaltliche Differenzierung des "Sex für Geld" in Sexarbeit einerseits und Prostitution andererseits sinnvoll.

"Sex für Geld" als professionelle Dienstleistung (sowohl im Selbstbild als auch in Beurteilungen vom Außenstandpunkt) kann als Sexarbeit bezeichnet werden.

Demgegenüber steht die Prostitution als "Nicht-Beruf" oder Scheinberuf, die von hohem Zwangscharakter, hoher Restriktivität, rein finanzieller Motivation, interpersonellen Abhängikeiten und geringen Handlungsspielräumen gekennzeichnet ist.

(Eine tabellarische Übersicht dieser miteinander verzahnten Faktoren findet sich im Anhang.)
...
Offenbar steht die Bindung von Sexarbeiterinnen an
eine Hurenorganisation in engem Zusammenhang mit einer geringeren Restriktivität der Arbeit und einer erhöhten Befähigung der Diffusion von Arbeit und Freizeit zu entgehen
."



"Trotz hoher Nachfrage an sexuellen Dienstleistungen werden Prostituierte diskriminiert. Während des Schreibens dieser Seminararbeit kristallisierte sich für mich die
Öffentlichkeitsarbeit als extrem wichtiger und notwendiger Bestandteil der Sozialarbeit heraus - nur so ist eine Veränderung der Einstellung der Gesellschaft und in Folge dessen auch eine Verbesserung der Lebenssituation von Prostituierten möglich.

"Öffentlichkeitsarbeit muß zum Selbstverständnis von Sozialarbeit werden, um eine
Bewußtseinsänderung in Staat und Gesellschaft zu erreichen, die langfristig zum Abbau der gesellschaftlichen und rechtlichen Diskriminierung führen kann
." (Happe 86)

Einen sehr witzigen Vergleich für Prostitution, der mir aber zugleich einen Anstoß zum Nachdenken gab, lieferte eine Sozialarbeiterin und ehemalige Prostituierte des
Prostituiertenprojektes HYDRA, das wir im Rahmen unserer Studienreise nach Berlin besuchten.

Sie sagte, die Tätigkeit einer Prostituierten sei vergleichbar mit der Tätigkeit einer Nonne - sie ist nicht für einen, sondern für alle da."

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Marc of Frankfurt
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#18

Beitrag von Marc of Frankfurt » 2007-08-05, 14:59

Zur Diskussion:

Die krank machenden Widersprüche der Prostitution



Dr. Christina Lamertz

Bild



"Prostitution ist überwiegend eine physisch und psychisch belastende Tätigkeit, die nicht selten von besonders verwundbaren Gruppen ausgeübt wird", heißt es in einem Bericht der Bundesregierung, aus dem wir im letzten Rundbrief zitierten.

Die Diplompsychologin und Gerichtsgutachterin Dr. Christina Lamertz vom Hamburger Institut für Rechtspsychologie und Mediation erklärt Hintergründe.





Die Entwicklungspsychologie weiß um die Bedeutung von Zärtlichkeit und liebevoller Aufmerksamkeit für die kindliche, insbesondere frühkindliche Entwicklung. Das Baby genießt die Liebkosungen der Eltern, es reagiert mit Lächeln und Entspannung auf diese vertrauten Zuwendungen und fordert diese auch selbständig ein. Gleichzeitig ist bereits ein Baby in der Lage, Unmutsäußerungen von sich zu geben, wenn es in Ruhe gelassen werden will. Es ist in seinen Signalen eindeutig und unmissverständlich.

In einer intakten Eltern-Kind-Beziehung empfindet ein Kleinkind die elterlichen Liebkosungen als authentische Wertschätzung und kann sich daher dieser Liebe bedingungslos und vertrauensvoll öffnen. Sowohl dieses Urvertrauen in die elterliche Liebe als auch die Gewissheit, dass die Eltern nichts tun würden, was die natürliche Würde ihres Kindes antastet, bilden Grundpfeiler der gesunden Persönlichkeitsentwicklung. Für Eltern ist es daher nicht nur wichtig, die kindlichen Signale unterscheiden zu lernen, sondern vor allem auch die Bedürfnisse des Kindes nach eigener Intimsphäre zu respektieren. Notwendig ist hierbei, dass ein Kind frühzeitig erfahren darf, dass die eigene Befindlichkeit sich durchaus von den elterlichen Wünschen nach körperlicher Nähe unterscheiden kann und dieser Umstand völlig akzeptabel ist.

Kinder haben in der Regel ein intuitives Gespür dafür, wie viel Nähe angemessen und wann Abgrenzung erforderlich ist. Beobachtet man Kinder, die sich erstmals begegnen, so ist es bemerkenswert, wie vorsichtig körperliche Grenzen getestet und Berührungen anderer Kinder unmissverständlich entweder zugelassen oder nicht zugelassen werden. Voraussetzung für ein solches sich-selbst-bewusstes, souveränes Verhalten ist eine gesunde Autonomieentwicklung, in der das Kind den Zufluss an Liebkosungen selbst kontrollieren kann und nicht den Bedürfnissen der Eltern oder anderer Personen hilflos ausgesetzt ist.

Der eigene Körper ist unmittelbar mit der eigenen Identität und Selbstachtung verbunden. Daher spielt die Körperlichkeit bei vielen psychischen Erkrankungen eine herausragende Rolle. Essgestörte Frauen berichten häufig über eine reduzierte sensorische Empfindungsfähigkeit und Menschen mit Abhängigkeitssyndromen über Abgestumpftheit ihrer Sinne; depressive Patienten empfinden sich sozial und körperlich isoliert.

Ihre Kindheit war möglicherweise von wechselnden Heimaufenthalten, ständigen Beziehungsabbrüchen (wie Scheidungen, Trennungen), elterlicher Gleichgültigkeit oder Missachtung kindlicher Bedürfnisse (z. B. durch Misshandlung, Vernachlässigung) geprägt. Junge Erwachsene mit einer solchen Entwicklungsgeschichte zeigen nicht selten eine Tendenz, bei unvertrauten oder manipulativ agierenden Personen körperliche Nähe zu suchen. Übergriffiges Verhalten wird als solches nicht erkannt oder als vermeintlich wertschätzende Zuwendung missinterpretiert.

Eine "freiwillige" Prostituierte befindet sich in einer vergleichbar widersprüchlichen Lage. Sie begibt sich in eine Situation, die einerseits ein Höchstmaß an körperlicher Intimität erzwingt, ihr andererseits aber emotionale Distanziertheit und innere Unbeteiligtheit abverlangt: unter anderem auch, weil sie gleich-zeitig potentielle Sicherheitsrisiken (Geschlechtskrankheiten, Gewalt etc.) und die Abwicklung der geforderten "sexuellen Dienstleistungen" im Auge behalten muss.

Die Annahme der "leidenschaftlichen und beglückten Liebesdienerin" mutet schon allein deshalb absurd an. Jedenfalls stellt diese einen emotionalen Dauerspagat im Sinne einer "kontrollierten Hingabe" erzwingenden Situation für einen Menschen eine massive psychische Überforderung dar und verleitet Prostituierte häufig zum Drogen- und Alkoholmissbrauch sowie zu anderen selbst zerstörenden Verhaltensmustern.

Babys und Kleinkinder suchen sich oft, durch inneren – depressiven – Rückzug vor wiederkehrenden und für sie unkontrollierbaren emotionalen Verletzungen zu schützen; dabei können sie auf den unbedarften Beobachter vordergründig durchaus kontaktfreudig oder psychisch stabil wirken. Auf ähnliche Weise entsteht durch den Griff zu Betäubungsmitteln sowie durch den Tunnelblick auf das ach so leicht verdiente Geld eine quasi faustische Illusion, welche die für die Prostituierte und – genau genommen auch für ihren Freier – erniedrigende Situation in ein trügerisches Licht von Selbstbestimmung und Unversehrtheit rückt.

Ist die Schwelle einmal überschritten, fällt es beim zweiten Mal schon leichter. Mit jedem Mal gewinnt die neue Erlebniswelt ein Stück Normalität bis hin zur Absurdität, wo die Selbstverleugnung als normal und ein Leben außerhalb der Prostitution als nicht mehr vorstellbar empfunden wird. Die Waagschalen haben sich verschoben.

Original Solwodi Rundbrief Nr 72. Juli 2007





SEXWORKER.AT Querverweis:

Buch: Geldgesteuerte Intimkommunikation

Prostitutionsforschung: zufriedene Huren

Burn-out in der Sexarbeit

Psychologie: Gefährliches Lächeln
Wer bei der Arbeit die eigenen Gefühle unterdrücken und Kunden anstrahlen muss, riskiert seine Gesundheit.
In unserer Rubrik
Burn-out und 'how to cure SWBO (SW-only)





.
Zuletzt geändert von Marc of Frankfurt am 2007-12-02, 12:11, insgesamt 4-mal geändert.

annainga
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#19

Beitrag von annainga » 2007-08-06, 09:20

"Sie begibt sich in eine Situation, die einerseits ein Höchstmaß an körperlicher Intimität erzwingt, ihr andererseits aber emotionale Distanziertheit und innere Unbeteiligtheit abverlangt."

das ist sicher richtig, aber lernbar. dabei musste ich an den beruf des psychologen denken, der ein höchstmaß an geistiger intimität erzwingt. das halte ich für schwieriger! für diese berufe gibt es auch "supervision". in unprofessioneller form kann ich das in gesprächen mit kollegInnen tun.

weiter schreibt sie über "erniedrigende Situation".
aus welcher sicht erniedrigend? ich habe meinen beruf in einzelsituationen erniedrigend gefunden, aber als ganzes und vor allem seit ich selbstständig arbeite, empfinde ich meine tätigkeit nicht als erniedrigend.

ich empfinde bewertungen als erniedrigend. wie zum beispiel die frage eines gastes hier im forum "wie ertragt ihr es, von jedem angefasst zu werden?"

diese frage beinhaltet schon so viele vorurteile, dass ich keine lust hatte, darauf zu schreiben. aber diese frage fand ich erniedrigend.

liebe grüße von annainga

Ellena
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#20

Beitrag von Ellena » 2007-08-11, 00:31

Ja genau Annainga..

Bewertungen auf (Schein) moralischer Ebene:
Sexworkerin vergleichsweise....

wenn man an den Beruf des Zahnarztes denkt
oder den Beruf des Masseurs
oder des Chirurgen... wie tief greifen die in den Menschen ein, auch körperlich...
da werden solche Fragen nie gestellt weil dies anerkannte Berufe sind.
Das bestätigt doch unseren Weg?
Liebe Grüße
Ellena
Nimm deine Mitmenschen wie sie sind,-
denn es gibt keine Anderen.... ; )

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