Internationaler Hurentag 2. Juni 2022 (unvollständiger) Pressespiegel

Beiträge betreffend SW im Hinblick auf Gesellschaft bzw. politische Reaktionen

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friederike
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Re: Internationaler Hurentag 2. Juni 2022 (unvollständiger) Pressespiegel

Beitrag von friederike »

Lieber @Kasharius,

herzlichen Dank für diese Information!

LG, Rieke

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floggy
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Internationaler Hurentag 2. Juni 2022 (unvollständiger) Pressespiegel

Beitrag von floggy »

Den Vogel hat die Junge Welt abgeschossen:

ZITAT:

"Den größten Anteil haben dabei Bordelle, in denen die Sexarbeitenden als Angestellte beschäftigt sind."

Vorher schwadroniert die Junge Welt im rational nicht zu durchdringenden Dilirium von Zwangsprostitution über Verschärfungen, die der Staat versäumt haben soll, ohne diese aber zu benennen, weil damit wohl das Sexkaufverbot gemeint sein soll.

Auch enttäuschend der Tagesspiegel mit seiner Unkenntnis über die Legalisierung von Prostitution in Deutschland und dem angeblichen "Wegfall der Sittenwidrigkeit". Ja klar, ProstSchG 2017 hat ProstG 2002 ersetzt. Googeln hilft weiter.

Thema Sozialversicherungsbetrug und Umsatzsteuerbetrug (Unkenntnis ist wohl zutreffender als Betrug)

Nein so war das nicht. Die Sozialversicherungsverbände haben ganz deutlich gesagt, wann eine Beschäftigung sozialversicherungspflichtig ist und wann nicht. Man konnte das sogar prüfen lassen. Also was jetzt kommt, ist Quatsch mit Soße (ohne den Fall zu kennen). Dabei ist es genau umgekehrt wie beschrieben. Fälle der Vergangenheit waren stets wie folgt gelagert: Der Betreiber nahm Selbständigkeit an, so dass jede Frau unter den 17.500 Euro (jetzt 22.000 Euro) Umsatz blieb, und keine Umsatzsteuer sich errechnete, während das Finanzamt von Anstellung bzw Integration in den Betriebsablauf ausging, und damit der Umsatz aller Frauen alleine dem Betreiber zugerechnet werden konnte. Und jetzt musste der blechen. Da der geschilderte Fall aber genau andersherum gelagert ist als die Fälle der Vergangenheit vermute ich einen durchgeknallten Finanzbeamten (oder eine durchgeknallte Finanzbeamtin) auf dem Kreuzritter-Kreuzzugs-Pfad. Doña Carmen e.V. hatte 2015/2016 einen Versuch des Finanzamts ebenso zu überstehen, als urplötzlich die Gemeinnützigkeit des Vereins abgesprochen wurde.

"Das dem ProstSchG vorangegangene Prostitutionsgesetz aus dem Jahr 2002 schuf zwar rechtliche Rahmenbedingungen für das Gewerbe, aber zum Thema Steuerrecht enthielt es keine genauen Bestimmungen. Das nutzte das Finanzamt Berlin aus, um den Prostituierten des Bordells »Rosalie« in Kreuzberg rückwirkend die Zahlung einer Umsatzsteuer aufzuerlegen. Die Umsatzsteuer sollte nicht mehr allein vom Bordellbetreibenden bezahlt werden, sondern von jeder einzelnen Frau selbst. Das hätte für ihre Beschäftigung das Aus bedeutet. Die Betroffenen setzten sich jedoch zur Wehr, zogen nach Zustellung des Bescheides 2016 einen Anwalt hinzu und verklagten das Finanzamt. Dieses verlor am 22. Januar 2019 vor dem Finanzgericht Berlin-Brandenburg, das Urteil ist seither bundesweit rechtsbindend. Die Richter erklärten damals laut jW vorliegenden Dokumenten: »Wenn der Staat es wünscht, dass es hierzulande keine Prostitution gibt, muss er das mit entsprechenden Gesetzen veranlassen. Aber die Prostitution zu erlauben, um im Gegenzug durch Ungleichbehandlungen die Arbeit der Frauen unmöglich zu machen, das geht nicht!« Die juristischen Vorgaben sind also klar."

https://www.mhkbg.nrw/sites/default/fil ... stSchG.pdf

Ja so ist das. In der Sex Branche wird Katz und Maus gespielt. Da weiß man oft nicht, wer ist Katze und wer ist Maus. Wie beim guten Sex, wo du nicht weißt, bist du jetzt oben oder unten, Weiblein oder Männlein. Hauptsache mittendrin. Da Sexarbeit aber Arbeit ist, und nicht nur Vergnügen, sondern dem Lebensunterhalt dient, darf die Presse gerne mithelfen, die Sonderrechte in der Prostitution abzuschaffen, dann passieren auch keine Lernfehler mehr.

Wer hat das hier auf dem Schirm?

Laut eines Gesetz gegen Zwangsprostitution können Kunden seit 2021 bestraft werden, wenn sie die Umstände, unter denen die Frau arbeitet, hätten erkennen können. Das sei Klee zufolge für die meisten Kunden kaum möglich. Gezwungene Prostituierte würden ihre Umstände nicht preisgeben, auch sonst gebe es für Laien kaum Anzeichen. "Das Gesetz nützt nichts gegen Kriminelle, aber verunsichert die Kunden." Am Donnerstag sei daher von zwei Kunden eine Verfassungsbeschwerde in Karlsruhe eingereicht worden, so Klee.

Bewusstes Wegschauen oder bewusstes Nicht-Hinschauen-Wollen haben wir ja bei Putin miterlebt. Geldwäsche ist so ein anderes Thema, wo Anzugträger gerne beide Augen zudrücken. Und sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz auch. Dass das nicht geht, dass das nicht gewünscht ist, das darf der Gesetzgeber gerne klarstellen. Auch in der Prostitution. Wer sich über die Wünsche oder Forderungen der Frau hinwegsetzt, muss die Konsequenzen tragen. Verhandlungen sind irgendwann beendet, und dann gilt immer noch einseitig, was verhandelt wurde, auch wenn das Sonderrecht ist. Aber selbst bei Verhandlungen muss der Ton gemäßigt bleiben, Kunde ist Bittsteller, um das Thema im Telegrammstil abzuschließen.

Exkurs: In den 80er Jahren, als ich noch als Lüstling unterwegs war, da waren die Damen, die ich traf, noch juristisch informiert. Da wurde man nach seinen Wünschen gefragt, erhielt aber keine Antwort. Vielmehr erhielt man das Okay, zu zahlen und sich nackig zu machen. Das waren noch Zeiten. Da war eine Prostituierte eine Göttin.

Und wenn ich jetzt Texte, der Souverän sollte doch einmal sein eigenes Weghören und Nicht-Hinhören und Nicht-Zuhören-Wollen unter die strafrechtliche Lupe nehmen, dann ist das wie bei Sonntagsreden. Aber ein drittes Mal wird hoffentlich die Presse nicht mehr dichten "gut gemeint ist nicht immer gut gemacht". Beim dritten Mal in Folge ist es Vorsatz. Keine Leichtfertigkeit, und keine Fahrlässigkeit. Es ist Vorsatz. Es ist der Schulterschluss von Gesellschaft und risikobereiten Profiteuren, die die patriarchale Weltordnung wieder herstellen sollen, nachdem Frauen es gewagt haben, Sex gegen Entgelt anzubieten.
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Re: Internationaler Hurentag 2. Juni 2022 (unvollständiger) Pressespiegel

Beitrag von Kasharius »

@floggy

zu deiner Frage wegen der von Steffi Klee erwähnten Verfassungsbeschwerde vom Donnerstag: Es soll da in Berlin einen Anwalt auf Rädern geben...Nichts genaues sagt man nicht... 😉

Frohe Pfingsten

Kasharius grüsst

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Re: Internationaler Hurentag 2. Juni 2022 (unvollständiger) Pressespiegel

Beitrag von floggy »

. . . einen Anwalt auf Rädern, das ist gut, der braucht sich in Berlin an keine Verkehrsregeln halten . . .

Danke @Kasharius
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Re: Internationaler Hurentag 2. Juni 2022 (unvollständiger) Pressespiegel

Beitrag von Kasharius »

.. .aber nur wenn er sich und andere schützt...

SEXARBEIT IST ECHTE ARBEIT UND KEIN UNMORALISCHES VERBRECHEN!

Wünscht uns Glück !

Kasharius grüsst

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Re: Internationaler Hurentag 2. Juni 2022 (unvollständiger) Pressespiegel

Beitrag von floggy »

@ Kasharius, ich habe schon die Straßenverkehrsregeln gemeint, das Verfassungsgericht rechts überholen, auf dem falschen Fuß erwischen . . .
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Re: Internationaler Hurentag 2. Juni 2022 (unvollständiger) Pressespiegel

Beitrag von Kasharius »

...oder eher links auf dem richtigen ...

kasharius grüßt tut...tuuut

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Beitrag von floggy »

Hallo @Kasharius, es war kein Verfassungsgericht das 2001 "das Vorschubleisten" hinterfragte, sondern ein Verwaltungsgericht. Zwei Verfassungsgerichte haben es in jüngster Zeit schon vergeigt, sie werden es immer wieder vergeigen, weil Recht sich nur von unten nach oben durchsetzt, ist halt so. Vom Himmel fällt Gerechtigkeit nicht, und vom Souverän wird sie auch nicht freiwillig gespendet. Immer nur so viel "zugeben" wie gerade notwendig ist. Und wenn ich das schreibe denke ich an SW Rechte, und nicht an Verbraucherrechte. Eigentlich interessiert mich nur die Begründung von unserem Radfahrer. Im Puff darf es gerne wie in einer Tanzschule zugehen, tut es ja auch in aller Regel, nur mancherorts halt nicht immer, weil es halt auch die andere Sorte von Mann gibt. Notfalls muss die Eignung für einen Puff Besuch durch vorausgegangene Tanzkurse belegt werden. Man muss sich nicht für alles und jeden stark machen. Kunden machen sich ja auch nicht für SW Rechte stark, so im allgemeinen, was auch von Bedeutung ist. Wenn man einmal als Sexanbieter unterwegs war, dann kann man sich über die Spezie Mann nur wundern. Kein Thema zum Verweilen. Schwamm drüber. Schwoam mas runter.
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Re: Internationaler Hurentag 2. Juni 2022 (unvollständiger) Pressespiegel

Beitrag von Kasharius »

Lieber @floggy ich denke die mutigen Beschwerdeführer sind genauso engagiert wie Du. Und der rollende Advokat hat sicher auch nicht leichtfertig gehandelt. Also Mut oder selber machen...nischt für unjut ;)

kasharius grüßt

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Beitrag von floggy »

@Kasharius, meine Meinung ist hier ja bekannt. Und ich weiß auch, dass die nicht alle teilen.

Ich danke vielmals, diese Meinung hier vertreten zu dürfen, da es mir wichtig ist, auch diese Empfindungen im Diskurs vertreten zu sehen.

Also nichts für ungut. Schon gar nicht von Dir ausgehend.
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Re: Internationaler Hurentag 2. Juni 2022 (unvollständiger) Pressespiegel

Beitrag von *Stephanie* »

Der BSD e. V. hat am Internationalen Hurentag im FKK Artemis/Berlin eine Pressekonferenz durchgeführt, dabei auf die Schwierigkeiten des ProstG und ProstSchG hingewiesen und ist anlässlich der Verfassungsbeschwerde von zwei Kunden beim Bundesverfassungsgericht gegen die verschärfte Freierbestrafung in § 232 a Abs. 6 StGB mit einer neuen Kampagne gestartet. Diese will rund um diesen § informieren, die beiden Kunden und ihren Anwalt = Dr. Martin Theben/Berlin unterstützen und ruft zur Unterschrift der Petition auf: https://bringt-das-in-ordnung.de
Pressemitteilung: https://bsd-ev.info/pressekonferenz-am- ... is-berlin/

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Beitrag von floggy »

Tja, irgendwie die Show stehlen lassen von den Herren der Schöpfung.

Gratis-Ficken-Bis-21 hingegen ist das Schlachtfeld wo sich alles entscheidet. Wenn der Nachwuchs nicht in die Gänge kommt, oder nur indem er Kriminelle hervorbringt (gemeint sind Kunden die sich strafbar machen, ansonsten wären sie keine Kunden), dann ist Fahnenstange Ende. Und es wäre ein Armutszeugnis für die Sexuelle Selbstbestimmung von Frauen. Aber das sollen sie lieber selbst in Worte fassen. Dazu brauchen sie mich nicht. Ich bin dabei mit meinen letzten Kröten, und meinem aufrechten Gang, sofern das Alter nicht dazwischenfunkt. Fangt besser schon heute damit an. Es steht nicht gut, weil der Paragraf 232 StGB, mit seiner Ausnutzung der Unerfahrenheit, ja schon gesetzt ist.

Menschenhandel (grenzüberschreitend auch in Verbindung mit Schleusung) ist nichts weiter als Arbeitsvermittlung, weder Gemüsehandel noch Zitronenhandel. Da werden keine Menschen gezüchtet um sie später, wenn sie reif sind, auf dem Wochenmarkt zu verkaufen. Den Menschenhandel hat sich der Gesetzgeber einfallen lassen um ihm mißliebige Phänomene wie die Prostitution oder den Drogenkonsum zu unterbinden, und seither lebt die Einbildung munter fort, und die Gesellschaft meint, das wäre etwas Teuflisches. Dabei sind es die Gesetze die den Teufel in sich haben, und zu all den Problemen führen die wir kennen.

Das Bequatschen und Verleiten ist natürlich etwas anderes, das steigerbar ist, und bereits beim Veranlassen in Zwang übergehen kann, bis hin zu Drohung mit und Anwendung von Gewalt, und dann als "Zwangsprostitution" bezeichnet wird, obwohl es sich dabei nicht um Prostitution im eigentlichen Sinne handelt. Aber das findet immer im Privaten statt, so dass man überlegen müßte, wie man das blinde Vertrauen im Privaten besser absichert, beispielsweise durch ein Unterrichtsfach für selbstbewusste StaatsbürgerInnen, und natürlich durch ein niederschwelliges Hilfsangebot des Staates, einer Garantie, der jede Frau bedenkenlos vertrauen kann, daß ihr auch wirklich menschenrechtsbasiert geholfen wird. Das hat der Gesetzgeber 2020/2021 anlässlich Corona mit Füßen getreten, davor schon 2017 mit Verabschiedung des ProstSchG. Also da ist nichts mehr zu holen. Das hat die Sozialdemokratie auf Jahrzehnte hin vermasselt.

Zum Verleiten durch Kunden möchte ich wiederholen, daß es in den achtziger Jahren noch üblich war, seine Wünsche vortragen zu dürfen, aber ohne einer Aufforderung der Prostituierten niemand den Geldbeutel gezückt und sich nackig gemacht hat. Die Prostituierte hat den Kunden aufgefordert, das jetzt tun zu dürfen. Neo-Liberalismus und die Lust an der Selbstausbeutung hat schlicht die guten Sitten und Gebräuche auf den Misthaufen geworfen.

Prostituierte haben bei mir Narrenfreiheit. Das hat sich im Laufe von vier Jahrzehnten so ergeben. Anfangs sagte ich mir, okay, du kommst mit Frauen nicht klar, aber wenn du mit Prostituierten nicht klarkommst, dann ist Fahnenstange Ende. Dieses Ende immer vor Augen, hat mich scheinbar so diszipliniert, dass ich mich dem Reglement von Prostituierten freiwillig unterworfen habe. Ich liebe es passiv sein zu können, und dabei doch jede Interaktion mitgestalten zu können, nur eben anders, als das in der freien Wildbahn der Fall wäre. Die überfordert mich. Da komme ich nicht klar. Ich liebe das klare Wort, und nichts als die Wahrheit, und wie unter Wölfen muss der Rang und die Sympathie und die Motivation geklärt sein, ansonsten müssen diese Dinge geklärt werden. Einen zu großen Schwebezustand ungeklärter Toleranz im sozialen Bereich kann ich nicht dulden. In der Erotik und beim Sex herrscht Chaos genug. Das soll auch so sein, das ist ja nicht das Problem. Vielleicht war da auch meine Neigung maßgeblich als Jugendlicher, Verführungsdramen, wie sie meine Bekanntschaften oft (eigentlich immer) inszenierten, zu hassen. Ich wollte mich nicht als Verführer sehen, sondern als gleichberechtigter Partner, der selbstbewusst seine Sexualität akzeptiert, und kein verdruckstes Drumherum macht. Und genau in diesem Punkt sind mir Prostituierte entgegengekommen. Egal. Es war einmal.

Jetzt ist alles anders geworden durch den Turbo Kapitalismus. Die Muschis wurden zu Gelddruckmaschinen, sogar meine Ehefrau hatte da einen Spruch auf Portugiesisch drauf. Wenn die Mädels Glauben machten, nur noch vollgefüllte Brieftaschen zu sehen, dann gaben sich die Jungs der Illusion hin, nur noch fickbare Muschis vor sich zu haben. Ja, es ist ein großes Missverständnis eingetreten. Aber, das können die Beteiligten nur gemeinsam lösen. Wie den Geschlechterkampf eben auch. Das wird immer übersehen. Und es wird zu wenig genau darüber miteinander gesprochen. Lieber einander aburteilen. Nur nicht den anderen sehen wollen wie er ist oder wie er sein möchte.

Was man liebt zerstört man nicht, sondern versucht es zu hegen und zu pflegen. Daher kommt meine Narrenfreiheit für andere. Meine ungarische alleinerziehende Bekannte hat Narrenfreiheit, und meine Mitbewohner aus der Ukraine haben Narrenfreiheit (sofern sie meine Freiheit nicht durch falsch verstandene Dankbarkeit zuschütten - Stichwort bemuttern - was bei mir als Bevormundung ankommt und den Kriegszustand ausruft), und meine Ehefrau samt Tochter hat auch immer noch Narrenfreiheit. Und Prostituierte die für mich da sind auch. Wollte ich sie ihnen nicht gewähren, wäre es nicht der Rede wert, sie meine Freunde zu nennen. Allen anderen stoße ich ein Brett vor das Hirn, das ist mir egal, nicht aber denjenigen, die ich meine Freunde nenne. Ich brauche dieses Gefühl, weil ich sonst verrückt werden würde in dieser verrückten Welt. Scheinbar ist das bei vielen schon der Fall geworden.

Narrenfreiheit bedeutet für mich, jemanden zu akzeptieren wie er ist, und anzuerkennen, dass derjenige meine Sichtweise nicht teilen muss, und ich muss auch gar nicht verstehen warum derjenige so tickt und nicht anders, jedenfalls nicht nur um mich zu ärgern, es muss einen anderen Grund geben, und wenn ich fünf Dinge täglich von A nach B stellen muss. Ich frage mich zwar insgeheim, ob derjenige das nicht merkt, aber davon gehe ich aus, und deshalb stellt derjenige fünf Dinge täglich bei A ab und ich bei B. Und würde ich nur einmal aufbegehren, würde ich mich als etwas Besseres, weil allwissender, gescheiter und erfahrener präsentieren, und wir wären nicht mehr ebenbürtig. Wir hätten dann ein gestörtes Verhältnis, und wären doch nicht in der Lage zu klären, wer nun die bessere Lösung hat. Man müsste dann verhandeln und eine Lösung aushandeln. Die aber bräuchte sehr viel Zeit um sich zu etablieren, bis vergessen ist, dass es auch einmal anders ging.

Jetzt kann man sich natürlich trefflich streiten, ob Freundin oder Dienstleisterin. Okay, ich habe mich für "Freundin" entschieden, weil die Gesellschaft immer noch nicht bereit ist, Prostituierten Rechte und Respekt entgegenzubringen. Da liegt der Schulterschluss und die Solidarisierung auf der Hand, und daraus ergibt sich eindeutig mein Bekenntnis zur "Freundin". Wenn einmal die sozialen und politischen Rechte von Prostituierten verwirklicht sind, dann will ich Prostituierte gerne als Dienstleisterinnen sehen, so wie es sich gehört.

Am besten fand ich den Zusatz einer Independent, die auf ihrer Website schrieb: "Du bezahlst meine Zeit, und nicht meine Dienstleistung". Ich finde das voll in Ordnung. Wer nicht will, der hat wohl schon.

Und täglich grüßt das Murmeltier.

https://www.zeit.de/zeit-magazin/leben/ ... -interview

Aber ich will ja nur was zum Ort des Geschehens sagen, Die Zeit, und zu den Slogans die man kostenlos lesen kann:

"Prostitution ist Sexualität unter ökonomischen Zwängen"

"In einer freien Gesellschaft hat Prostitution keinen Platz"

"Prostitution ist das Ergebnis von Diskriminierung, Frauenverachtung, Gewalt und Armut"

Hier mein Kommentar:

Oh je, Die einst so liberale Zeit, wo ist sie hin? Die Freier haben sie entführt und entehrt. Die Freier sind an allem Schuld. Freiheit oder Freier? Ich empfehle wieder mehr Klöster zu bauen. Das hilft auch weiter bei Weltversagen und Lebensüberdruss.

Nein, Prostitution ist Arbeit unter ökonomischen Zwängen.

Nein, in einer patriarchalen Gesellschaft ohne Prostitution hat die heilige Inquisition das Sagen.

Nein, Prostitution ist die logische Konsequenz aus der Unterdrückung der Sexualität von Frauen im Patriarchat.

Ob Die Zeit das versteht? Die Mehrheit der ZeitgenossInnen? GenossInnen? Nein, die verstehen sich selbst nicht mehr. Spätestens seit dem Fall Putin's in den Höllenschlund, in den Abgrund des Satans. War es einst nicht Ernst Bloch, Verfasser des "Prinzip Hoffnung" der den Genossen Stalin nicht zu enttarnen vermochte? Nein, diese Weltverbesserer habe ich satt. Da bleibe ich bei Karl Popper, der etwas zu den Weltverbesserern gesagt hat, dass sie nur Unglück bringen. Karl Marx hat auch etwas zum Unglück durch falsche Liebe gesagt. Was hilft's. Ich weiß es ja. Aber die anderen?

Menschen haben das Bedürfnis ihre innersten Empfindungen auszudrücken, und das geht wunderbar in der Inszenierung unserer Sexualität. Diese ist im Arsch, und darum ist das Ergebnis der Inszenierung im Arsch. Aber sie ist real. Sie spiegelt unsere Seelenlage wieder. Diese zu unterdrücken mag dem Lifestyle dienen, nicht aber unserer Fortentwicklung. Wir müssen diesen Graben überwinden. Daran erinnert uns immer wieder unser Unvermögen orgastische Lust auszuleben. Es gibt viel zu tun. Packen wir es an.

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https://www.zeit.de/zeit-magazin/leben/ ... -interview
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Boris Büche
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Re: Internationaler Hurentag 2. Juni 2022 (unvollständiger) Pressespiegel

Beitrag von Boris Büche »

Aya Velasquez zu Anlass des Films zum Artikel der Berliner Zeitung auf Twitter:

"Gemischte Gefühle beim Betrachten dieser Bilder. Dies ist die Bubble, mit der ich von 2019 bis 2020 gemeinsam politische Arbeit gemacht, für das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung und freie Berufswahl gekämpft habe, das in Deutschland leider abgeschafft werden soll.

Mir ist bekannt, dass einige der Plattform-BetreiberInnen, die auf dieser Demo anwesend waren, sich von ihren KollegInnen die Impfpässe vorlegen ließen - sofern diese keinen Impfpass hätten vorlegen können, wäre ihnen eine Zusammenarbeit sofort aufgekündigt worden. Und das, obwohl in der Sexwork-Branche aus guten Gründen NIEMAND seinen Kollegen gegenüber weisungsberechtigt ist, und für die Branche (bislang) auch keine allgemeine Impfpflicht besteht. Wenn auf dieser Demo nun "My body, my choice" skandiert wird, kann ich nur müde lächeln.

Auch wurden Personen wie ich, die eine kritische Haltung bezüglich Corona-Politik der Bundesregierung an den Tag gelegt hatten, aus dem "Berufsverband erotische und sexuelle Dienstleistungen e.V." gemobbt, und auf Twitter bis heute von ebenjenem Verband blockiert.Als ich im Mai 2020 erste Zweifel angesichts der menschenverachtenden Corona-Politik der Bundesregierung artikulierte, wurde mir von jenen ehemaligen FreundInnen und KollegInnen quasi unisono vorgeworfen, menschenverachtend, unsolidarisch, gar eine Massenmörderin zu sein. Ungeachtet dieser persönlichen Angriffe unterstütze ich weiterhin die Ziele und Anliegen der Sexwork-Bewegung. Ich habe 2019-2020 Zeit, Geld und Ressourcen investiert, um der Bewegung mit politikstrategischen Maßnahmen und Politiker-Gesprächen zum Erfolg zu verhelfen.

Wäre ich auf jener Demo aufgetaucht, hätten mich einige KollegInnen dort vertrieben. Meine ablehnende Haltung gegenüber staatlichem Autoritarismus, der seit 2 Jahren das Recht auf körperliche Selbstbestimmung mit Füßen tritt, macht mich in der Sexwork-Bubble zu einem Outlaw.Dabei ist es gerade diese Bubble, die es eigentlich besser wissen müsste. Sexworker wissen genau, wie sich staatliche Übergriffigkeit anfühlt. Die Abgründe kognitiver Dissonanz, die sich hier auftun, können offensichtlich nur mit massiver Verdrängung bewältigt werden. Meine ernüchternde Bilanz aus der Erfahrung mit der Sexwork-Bewegung in Deutschland (abgesehen von wenigen Ausnahmen): Sie ist um keinen Deut besser - genau so übergriffig, ideologisiert und erbarmunglos - wie die radikalisierte Mitte der Gesellschaft."