Wenn Kunden sich verlieben.....

Ein nahezu unerschöpfliches Thema: Psychologische Betrachtungsweise der Sexarbeit
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Marc of Frankfurt
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#241

Beitrag von Marc of Frankfurt » 2010-10-13, 03:10

Die Grenze zwischen gegebener Servicedienstleistung und geschützter Persönlichkeit muß immer wieder neu in konkreten Situationen gefunden und festgelegt werden. Das ist eine anspruchsvolle Aufgabe gerade weil Sexwork so intim, privat und individuell ist und Berufsstands nicht so klar festgelegt sind wie etwa in einem Krankenhaus oder Pflegeheim.

Abgrenzungskompetenz und Psychohygiene, Fähigkeiten, die Sexworker sich selbst beibringen müssen. Da muß evt. auch Lehrgeld bezahlt werden, das sollte nicht verschwiegen werden.

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#242

Beitrag von Aoife » 2010-10-13, 04:41

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Marc of Frankfurt hat geschrieben:Abgrenzungskompetenz und Psychohygiene, Fähigkeiten, die Sexworker sich selbst beibringen müssen. Da muß evt. auch Lehrgeld bezahlt werden, das sollte nicht verschwiegen werden.
Zu glauben, dass es dem Personal in einem Krankenhaus oder einem Pflegeheim anders ergeht, ist realitätsfern. Dort wird einfach mit sozialem Druck gearbeitet, so dass keiner seine Psychoprobleme mit dem Job äußern kann, ohne vor der Gruppe als psychisch labil und den Aufgaben nicht gewachsen hingestellet zu werden.

Für mich ein Grund mehr, lieber unsere guten Ansätze auszubauen, als stattdessen die irreführend "Professionalisierung" genannte Unprofessionalität anderer nachahmen zu wollen.

Liebe Grüße, Aoife
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#243

Beitrag von xx_ER » 2010-10-13, 16:48

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Marc of Frankfurt hat geschrieben:Abgrenzungskompetenz und Psychohygiene, Fähigkeiten, die Sexworker sich selbst beibringen müssen.
Tja, aber gerade das gelingt *imho* jenem Typ (meist jungen Migrantinnen) nicht, die es selbst durch besonders "authentischen" Girlfriendsex darauf anlegen, dem Freier sowas wie Verliebtheit vorzugaukeln bzw. diesen verliebt zu machen. Nach meinen Beobachtungen tendieren diese dazu permanent ihre eigenen emotionalen bzw. auch körperlichen Grenzen zu verletzen. Ob jetzt Resultat oder vorher schon vorhanden kann ich nicht sagen, aber zumindest zeigen sich dann häufig borderline-artige Verhaltensauffälligkeiten bei diesen.

Wie haben jene eine Chance sich das selbst beizubringen ? Der/die Clubbetreiber haben daran wenig Interesse, da solche SW's sich idR. hoher Beliebtheit erfreuen.
Nicht, wenn die Wahrheit schmutzig ist, sondern wenn sie seicht ist, steigt der Erkennende ungern in ihr Wasser (Nietzsche)

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#244

Beitrag von hedonism » 2010-10-13, 17:01

@ xx_er

Wenns eine Borderline-Störung ist, muss sie schon vorhanden sein, denn die entsteht in frühester Kindheit.
BEVOR DU ÜBER JEMANDEN URTEILST, ZIEH DIR SEINE SCHUHE AN UND GEH DEN SELBEN WEG......

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#245

Beitrag von xx_ER » 2010-10-13, 17:14

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hedonism hat geschrieben:@ xx_er

Wenns eine Borderline-Störung ist, muss sie schon vorhanden sein, denn die entsteht in frühester Kindheit.
ich sprach nicht im diagnostischen Sinne von Störung, wobei ich insbesondere im Dunstkreis von BL da eine klare Diagnose und Abgrenzung zu anderen "Störungen" (man beachte die Hochkommata) als selbst für Fachleute sehr schwierig erachte, sondern von borderlineartigen Verhaltensauffälligkeiten, also zB. einigen oder mehreren Auffälligkeiten wie hier beschrieben:

http://de.wikipedia.org/wiki/Borderline ... _durch_BPS
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#246

Beitrag von Sascha Lübeck » 2010-10-13, 19:26

Hi Cayena,
finde mich und meine SW wirklich in vielen deiner Ausführungen wieder!
Ja,manches ist hart,und es ist auch nicht immer leicht den richtigen Weg zu finden,für beide Seiten denke ich,grade wenn es um Gefühle geht,aber wenn man aufmerksam dem Anderen und der Situation gegenüber ist und etwas reflektiert,dann geliegt es einem auch!
Vielleicht nicht immer gleich,aber auf lage Sicht schon!
Wichtig ist nur das man sich auf Augenhöhe begegnet,ehrlich und faire miteinanderer umgeht,und nicht überzogen reagiert,auch wenn oder grade weil es ja nicht immer für jeden so leicht ist!
Es muss halt trotz aller Gefühle der nötige Respekt voreinander vorhanden sein!
Aber wäre dem nicht so,wäre es eh nicht tragbar,und müsste beendet werden!

LG,Sascha

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#247

Beitrag von Marc of Frankfurt » 2010-10-13, 19:33

MigrantInnen sind hier sowohl gesetzesbedingt schwer benachteiligt und damit ausbeutungsanfällig, aber sie sind auch im Vorteil, da weniger eingebunden und verpflichtet...

Das kann ein enormer (Wettbewerbs-)Vorteil im Sexbiz sein. Evt. ermöglicht die länderweite Distanz zwischen Herkunft und Arbeitsort auf psychologischer Ebene daß GFE viel leichter und ungefährdeter angeboten werden kann. Wir sollten im komplexen Feld von Sex und Geld einseitige hegemoniale Urteile mit großer Vorsicht genießen. Siehe die kürzlich hier dokumentierte Diplomarbeit aus Wien.

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#248

Beitrag von hedonism » 2010-10-13, 21:02

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xx_ER hat geschrieben:          Bild
hedonism hat geschrieben:@ xx_er

Wenns eine Borderline-Störung ist, muss sie schon vorhanden sein, denn die entsteht in frühester Kindheit.
ich sprach nicht im diagnostischen Sinne von Störung, wobei ich insbesondere im Dunstkreis von BL da eine klare Diagnose und Abgrenzung zu anderen "Störungen" (man beachte die Hochkommata) als selbst für Fachleute sehr schwierig erachte, sondern von borderlineartigen Verhaltensauffälligkeiten, also zB. einigen oder mehreren Auffälligkeiten wie hier beschrieben:

http://de.wikipedia.org/wiki/Borderline ... _durch_BPS

......mir brauchst du nix erklären und schon gar nicht über Wikipedia............und du klingst mir zu "Oberlehrerhaft" - > darum Diskussion beendet (für mich) - weil ich schon in der Schule ein Problem mit den Lehrern hatte. :002
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RE: MigrantInnen gesetzesbedingt schwer benachteiligt

#249

Beitrag von Josef_K. » 2010-10-13, 21:11

Ob Migrantinnen von Gesetzes wegen benachteiligt sind, richtet sich m.E. in erster Linie nach ihrem Aufenthaltsstatus.

Ist ihr Aufenthalt legal (und weiß sie das auch), sehe ich persönlich keine Benachteiligung durch die Gesetzeslage. So wird man Migrantinnen aus den Ländern der EU kaum mit der Keule des Gestzes drohen können, wenn sie nicht fügsam sind.

Bei diesem MigrantInnenkreis sehe ich persönlich keine gesetzlichen Nachteile - was aber natürlich nicht heißt, dass es keine gibt. Nur fallen mir halt keine ein. Falls tatsächlich welche existieren, wäre es nett, wenn dazu jemand kurz schreiben könnte. Nicht immer fällt so etwas gleich ins Auge - und mancher Schwerenöter ist ja sehr findig in der Interpretation gesetzlicher Regelungen.

Anders ist es dagegen bei illegal aufhältigen Personen, die sich möglicherweise noch erhebliche Geldbeträge haben borgen müssen, um etwa in die BRD zu reisen. Sie sind vom guten Willen vieler abhängig, dem sie sich oft nicht widersetzen können - aus welchen Gründen auch immer. Würden sie den Behörden offenbar, bevor sie wenigstens den größten Teil des nicht enden wollenden Stiefels bezahlt haben, hätten sie ein echtes Problem. Dieser Personenkreis ist natürlich "ausbeutungsanfällig", wie Marc schreibt.

Allein der Vorwurf des Menschenhandels durch eine solche Frau setzt zumindest in Deutschland eine Maschinerie gegen den Betreiber in Gang, die dem Geschäft allerschwersten Schaden zufügt. Ich kenne keinen Betreiber, der nicht jede Frau ziehen ließe, bevor er sich den drohenden Folgen eines solches Vorwurfs aussetzt.

Stellt ein Betreiber einen Fall von Ausbeutung (gleich ob legal oder illegal aufhältig) in seinem Laden fest, tut er gut daran dieses Problem zu entsorgen (natürlich das Problem und nicht die Frau). :002

Solche Frau ist eine tickende Zeitbombe - na ja, meistens nicht einmal die Frau selbst, sondern deren Freier (womit wir wieder beim Thema "Verliebte Kunden" wären - hier schließt sich der Kreis). Rennt einer dieser verliebten "Gutmenschen" entrüstet zur Behörde, mischt die gesamte Schnittlauchbande wenige Tage später den ganzen Laden auf. Weil ja sämtliche in diesem Bereich geschäftlich tätigen Männer entweder Menschenhändler oder Zuhälter sind. Und all denen, die bisher noch nicht verurteilt wurden, konnte man nur nichts nachweisen. An der Tatsache als solcher ändert das nichts. Aaaaber jetzt ... neues Spiel - neues Glück (wenn man nur lange genug richtig sucht - bis kein Stein mehr auf dem anderen ist).

Und einen Fall hat die Polizei ja schon - egal, ob die Frau was sagt oder nicht. Sagt sie nichts, ist schon das hochverdächtig (sagt jedenfalls die "Kriminalistische Erfahrung", auf die man sich notfalls berufen kann); sagt sie was unpassendes, unterstellt man ihr halt, dass sie lügt ... erfahrungsgemäß.

Als ein Freund von mir feststellte, dass ein gut verdienendes Mädel nie auch nur einen einzigen Cent in der Tasche hatte, hat er ihr kurzerhand durch einen Strohmann eine Fahrkarte kaufen und sie in den Zug nach Hause stzen lassen. Interessierten Kunden (oder wer auch immer Interesse zeigte), erzählte er irgendeine Geschichte. Zu solcher Verfahrensweise würde ich persönlich jedem raten. Aber das muss jeder selbst mit sich ausmachen.

J.K.
"Vor Schelme, die den Mantel der Justiz gebrauchen, um ihre üble Paßiones auszuführen, vor diese kann sich kein Mensch hüten, die sind ärger als die größten Spitzbuben, die in der Welt sind." (König Friedrich II. im Jahre 1779)

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#250

Beitrag von Zonky » 2013-05-20, 13:19

ich muss echt sagen, dieser Thread ist ganz schön aufklärerisch. Das Medienklischee erzählt ja immer ein ganz anderes Märchen.

Vll. sollte man darüber mal einen Film drehen, anstatt immer dieses "Pretty Woman" Klischee zu bedienen?

Es gab mal eine Folge von "Mord mit Aussicht", da wurde das gut behandelt.

Das ist ein tolles Forum. Danke. Rückt einem gut den Kopf zurecht.

Verlieben...wohl eher nicht. Aber: Ihr habt es schon richtig beschrieben in Bezug auf ältere Männer und Charisma und so weiter. Frage: Womit kann man einer SW (ausser korrekter Behandlung und Bezahlung) seinen Respekt zum Ausdruck bringen?

FahrRADfahrER
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#251

Beitrag von FahrRADfahrER » 2013-05-20, 15:11

Frage: Womit kann man einer SW (ausser korrekter Behandlung und Bezahlung) seinen Respekt zum Ausdruck bringen?
Ich weiß nicht, ob die Fragestellung so überhaupt sinnvoll ist. Wenn ich Sexarbeit als reguläre Arbeit ansehe (wovon ich jetzt ausgehe), dann stellt sich die Frage, ob man denn einer SexworkerIn gegenüber Respekt zum Ausdruck bringen soll, denn anderen Berufsgruppen gegenüber bringst Du Deinen Respekt ja auch nicht zum Ausdruck. Ich für meinen Teil versuche jeden Menschen unabhängig von Geschlecht, Aussehen, Religion, Kultur, Beruf usw. usf. gleich zu behandeln. Und ich glaube das ist ein wesentlicher Punkt, dass man Sexarbeiter eben als Teil der Gesellschaft sieht und mit Ihnen so umgeht, wie man eben mit allen anderen (Bäcker, Straßenbahnfahrer, Reinigungspersonal, Manager etc.) auch umgeht.
Ich für meinen Teil habe jedenfalls noch nie einem Taxifahrer gesagt, dass ich Ihn respektiere dafür, dass er Taxifahrer ist, warum sollte ich also einer Sexarbeiterin sagen, dass ich sie für Ihren Beruf respektiere?
Respekt hat man ja grundsätzlich nicht vor einem Beruf, sondern vor einem Menschen und unabhängig von meinem Beruf definieren sich die meisten Leute nicht nur über Ihren Beruf. Die Personen sind eben als (!) Sexarbeiterinnen tätig und nicht "nur" Sexarbeiter (also nicht nur eine Berufsgruppe).
Das letzte, was ich mir als Sexarbeiter(in) wünschen würde, wäre ein mitleidiger Blick.
Worüber ich mich jedoch vermutlich freuen würde wäre, wenn mir ein Kunde mitteilen würde, dass es ihm Spaß gemacht hat. Aber dabei spielt sicherlich eine Rolle, ob die Sexarbeit als Beruf, oder als Berufung (!) ausgeübt wird. Ob man also "Dienst nach Vorschrift" macht (nach dem Motto nur des Geldes wegen), oder ob man seinen Beruf aus einem inneren Willen heraus macht, der nicht nur (!) auf das Geld abzielt!
Ist natürlich nur theoretisch, da ich Außenstehender bin, ich würde mich freuen über die Meinung von SexworkerInnen.

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#252

Beitrag von lorelay » 2013-05-20, 15:37

@ zonky: jede frau (oder fast jede) freut sich über eine kleinigkeit, zb. pralinen oder sowas.
mit blumen sei vorsichtig - unter umständen ist sie verheiratet oder hat einen festen freund oder versteht die geste völlig falsch (im sinne von verlieben)
@ radfahrer: stimmt prinzipiell. es geht auf keinen fall darum, uns respekt zu zollen, obwohl wir sw sind, sondern eher um ein "danke schön", wenn wir einen job gut gemacht haben.
oder einfach als mitbringsel.
das ist politisch nicht unkorrekt. :-)

wobei sich halt soviel abspielt in de köpfen von männern, im sinne von positiver und negativer diskriminierung...

ich hatte vor jahren einen sk, der zu mir in gutem österreichisch gesagt hat, ich sei eine "gute haut" - worauf er unglaublich verlegen wurde und gemeint hat, also nicht im sinne von "haut" (ugs für schlampe) sondern eben so wie man halt sagt...

ich will damit sagen, politische korrektness ok, aber nicht übertreiben!
einfach den anderen oder die andere mit respekt und als menschen behandeln, das reicht schon! :-)

hab fertig!
... man gönnt sich ja sonst nichts! ;-)

Zonky
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#253

Beitrag von Zonky » 2013-05-20, 21:26

"anderen Berufsgruppen gegenüber bringst Du Deinen Respekt ja auch nicht zum Ausdruck"

Wenn das mal kein Missverständniss ist. Was glaubst du, wie sich Gartenarbeiter über ein Tablett mit frischem Kaffee freuen? Oder Maurer über einen Ring Fleischwurst? Oder die Supermarktkassiererin über ein freundliches Lächeln? UNd jeder Putzfrau, der ich begegne sage ich: Was wäre die Welt ohne SIE?

Wir leben alle von mehr als der Bezahlung für unseren Job. Wenn ich für meinen Job (ich bin Freiberufler) nicht reglemäßig höchstes Lob von meinen Kunden bekäme, dann würde es mir nicht halb so viel Spaß machen.

Gerade SexworkerInnen leben aber in diesem besonderen Spannungsfeld zwischen gesellschaftlicher Notwendigkeit, extremster Intimität bei gleichzeitiger immer wieder auftretender gesellschaftlicher Verachtung. Ich denke deshalb, dass die Frage des Respektes und wie der einer SexworkerIn am sinnvollsten beizubringen ist, schon gerechtfertigt ist. Ich habe in diesem Thread gelernt, dass eben nicht jede Hure auf ihren Befreier wartet, sondern sehr wohl mit Selbstbewusstsein ihrer Arbeit nachgeht - die letztendlich ebenso tratitioniell wie notwendig ist. Es gab vielleicht mal Gesellschaften ohne Priester, ohne Polizisten oder ohne Politiker - aber niemals gabe es auch nur eine einzige menschliche Gesellschaft ohne Prostituierte. Die einzigen, die es gerade versuchen sind die Islamisten - und man sieht bei den Typen ja auch, wohin das führt. Darum ist die bis heute anhaltende Mischung aus Mitleid und Respektverweigerung bis hin zur offenen Verachtung meines Erachtens ein Zeichen dafür, dass wir die gesellschaftliche Integration des Phänomens Prostitution immer noch nicht ganz geschafft haben. Mit deutlicher Respektbezeugung würde ich da gerne einen Anfang machen.

FahrRADfahrER
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#254

Beitrag von FahrRADfahrER » 2013-05-20, 22:01

Widersprechen kann und will ich Dir da nicht, aber man muss vermutlich aufpassen, dass man Respekt und Mitleid voneinander trennt und da seh ich die Gefahr, dass es viele Menschen vermischen. Ich habe meine Aussage auch generell auf den Umgang miteinander bezogen, Du hattest hier vermutlich vor Allem den Umgang vom Kunden mit SexarbeiterInnen gemeint.
Ich persönlich würde mir für mein Handeln vor allem Akzeptanz erwarten, Respekt ist nicht immer von jedem notwendig, unterschiedliche Meinungen sollte man ja auch zulassen.
Zu Deinem Islamisten-Statement will ich mich jetzt nicht äußern.
Die von Dir angesprochene Mischung aus Mitleid und Respektverweigerung / offenen Verachtung gibt es leider auch für andere Berufsgruppen wie z.B. Bettler, oder Augustinverkäufer, aber nicht nur gegen Berufsgruppen, sondern auch gegen Völker, z.B. Roma und Sinthi, oder Religionen, z.B. Juden, Moslems, ...
Ja, zu einem Miteinander auf gleicher Augenhöhe ist es noch ein langer Weg.

Zonky
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#255

Beitrag von Zonky » 2013-05-20, 23:36

Ich hätte statt den islamisten auch radikale Christen nehmen können...meine Güte, wo wären wir, wenn die Huren nicht immer wieder den allgemeinen sexuellen Druck von der Gesellschaft nehmen würden? Das ist ja gerade das widersprüchliche daran: Sie sind gesellschaftlich absolut notwendig, aber anerkannt bzw. respektiert werden sie nicht.

stacey
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RE: Wenn Kunden sich verlieben.....

#256

Beitrag von stacey » 2017-05-14, 19:02

Ich möchte mich hiermit bei euch im Forum bedanken. Das hier gelesene hat mir nicht nur Einblicke, andere Sichtweisen und Verständnis gebracht, was ich so nicht ansatzweise hatte, sondern mich auch vor Fehlern bewahrt.
Meine Liebste und ich werden auseinandergehen. Wir sind beide ü40, 8 Monate haben wir es in tiefer Liebe versucht, aber zu groß und unüberbrückbar sind die zu unterschiedlichen Lebensumstände. Wir gehen mit großer Traurigkeit auseinander, aber ohne Streit, ohne Ressentiments und ohne uns je verletzt zu haben. Dieses Wissen, daß Liebe und Vertrauen überhaupt noch möglich sind und auch nicht wie so häufig im desaster enden müssen, werden uns für ewig binden.
Ihr habt dazu beigetragen, daher nochmal: besten Dank.

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