Prostitutionsgegnerin greift erneut Bordellführungen und Doñ

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Prostitutionsgegnerin greift erneut Bordellführungen und Doñ

#1

Beitrag von fraences » 2017-08-12, 11:53

Frankfurter Bahnhofsviertelnacht 2017
Prostitutionsgegnerin greift erneut Bordellführungen und Doña Carmen an


Dass die Stadt Bordellführungen aus dem offiziellen Programm der Bahnhofsviertelnacht gestrichen hat, reicht der Prostitutionsgegnerin Manuela Schon nicht. Sie übt heftige Kritik am Frankfurter Verein für Prostituiertenrechte Doña Carmen. Doch der wehrt sich.

Wenn zur Bahnhofsviertelnacht wieder Tausende fröhlich durch Frankfurts Rotlichtviertel ziehen, vorbei an Bordellen, Bars und Strip-Klubs, ist das für Manuela Schon nur schwer zu ertragen. „Bei der Bahnhofsviertelnacht feiern die Leute inmitten des Elends und des Leids. Sie haben sich offenbar daran gewöhnt“, sagt die 34-Jährige. Elend und Leid – damit meint Schon vor allem die Prostitution. Rund 2000 Frauen sollen in Frankfurt mit Sexarbeit ihr Geld verdienen. Viele von ihnen arbeiten in den Bordellen und Laufhäusern des Bahnhofsviertels.

„Wir sehen nicht, dass Doña Carmen im Interesse aller Prostituierten arbeitet“, sagt Manuela Schon. Sie wirft dem Verein vor, dass er Prostitutionsindustrie verteidige und Menschenhandel und Gewalt als relevante Probleme für das Gewerbe leugne. Für Schon macht sich jeder Mann, der zu einer Prostituierten geht, der sexuellen Gewalt schuldig, weil keine Frau freiwillig Sex gegen Geld tauscht. „Nur durch das Geld wird aus einem ‚Nein‘ ein ‚Ja‘“, so die These der Aktivistin.

Schon in der Vergangenheit waren die Prostitutionsgegner um Manuela Schon und Doña Carmen deshalb aneinander geraten. Bei Veranstaltungen der Pro-Sexaktivistinnen hat Schon Hausverbot. Die Auseinandersetzung um die Rechte der Prostituierten in Frankfurt hat jetzt einen neuen Streitpunkt: Die Bordellführungen für Frauen während der Bahnhofsviertelnacht.

Die ehemalige Wiesbadener Stadtverordnete der Partei „Die Linken“, Manuela Schon, ist Mitgründerin der Anti-Prostitutionsinitiative „Abolition 2014“, einem Netzwerk aus Sozialarbeitern, Wissenschaftlern und Ex-Prostituierten. Sie und ihre Mistreiterinnen hatten im Juni in einem offenen Brief die Stadt Frankfurt aufgefordert, zu verhindern, dass es während der Bahnhofsviertelnacht am 17. August Bordellführungen gibt.
Seit einigen Jahren bieten sie Bordelle und Laufhäuser aus Frankfurts Rotlichtviertel in regelmäßigen Abständen an. Frauen besichtigen dann die Räumlichkeiten und unterhalten sich mit den Sexarbeiterinnen. Mitorganisiert und getragen wurden diese Führungen unter anderem von Doña Carmen.
„Ganz normaler Job“: Tänzerin in einer Animierbar im Bahnhofsviertel
Führungen finden doch statt – aber inoffiziell
Bahnhofsviertelnacht: Frauen erkunden ein Bordell
Kommenden Donnerstag wird das Bahnhofsviertel wieder zur Partymeile. Einblicke in das Rotlichtmilieu soll es dabei laut offiziellem Programm aber nicht geben. Die Stadt will als Veranstalter keine Werbung für Prostitution machen. Doch die gehöre nunmal zum Viertel, sagt Ulrich Mattner und lädt neugierige Frauen dennoch zu seinen Bordellführungen ein.
clearing


Nach der Beschwerde der Aktivistinnen um Schon warf die Stadt Frankfurt die Bordellführungen aus dem öffentlichen städtischen Programm. Natürlich sei Prostitution ein Teil des Bahnhofsviertels, aber die Stadt wolle keine Werbung für das Gewerbe machen und die Frauen nicht dem Voyeurismus aussetzen, hieß es im Juni dieses Jahres.

Im letzten Jahr hatte Manuela Schon erstmals die Bahnhofsviertelnacht besucht. Zuvor habe sie immer gedacht, das sei ein kleines Stadtfest mit ein paar hundert Menschen, sagt sie heute. Stattdessen sei sie schockiert gewesen, wie viele Menschen dort feierten, während in den Bordellen die Prostituierten ihrer Arbeit nachgingen. Schließlich stellte sich auch die Aktivistin in eine der langen Schlangen, um an einer der Bordellführungen teilzunehmen.

„Wir waren entsetzt von der Art der Menschenschau, die wir dort erlebt haben“, sagt Schon. Sie empfand das Bordell als eng und stickig, berichtet von halbnackten Frauen, die nicht gewusst hätten, wie ihnen geschieht, als die Menschenmassen vor ihren Zimmern entlangliefen. Im Gespräch hätten die Prostituierten gesagt, von Bordellführungen hätten sie nichts gewusst.

Fraences Funk von Doña Carmen findet die Vorwürfe „an den Haaren herbeigezogen“. Wer die Bordellführungen als „Menschenzoo“, „Fleischbeschau“ oder “ Voyeurismus“ bezeichne, wie es andere in der Vergangenheit schon getan hatten, wolle damit letztlich Sexarbeit stigmatisieren.

Die 57 Jahre alte Funk ist selbst Prostituierte, arbeitet seit Jahren im Frankfurter Bahnhofsviertel. Den Frauen sei sehr wohl gesagt worden, dass es Bordellführungen geben werde. Wer sich dadurch gestört fühlt, hätte an diesem Tag einfach freinehmen können – oder die Tür zu machen. „Dumm und uninformiert sind die Prostituierten nicht“, entgegnet Funk. Eine halbe Stunde dauert eine Führung in etwa, eine Viertelstunde können die Frauen danach mit den Prostituierten sprechen. Inzwischen seien immer mehr Frauen dazu bereit, an den Führungen teilzunehmen, sagt Funk. „Die merken die Solidarität.“

Prostitutionsgegnerin Schon glaubt nicht, dass alle Frauen eine Wahl haben. Viele Frauen müssten schließlich auf den Zimmern schlafen, weil sie diese oft für ein ganze Woche gemietet hätten. Das ist nach der Erfahrung von Funk schlicht falsch. Erstens dürften die Frauen nicht an ihrem Arbeitsplatz schlafen, wegen des neuen Prostitutionsschutzgesetzes. Und zweitens seien viele ihrer Kolleginnen derzeit überhaupt nicht in Frankfurt – sondern im Urlaub. So oder so sei das Geschäft rund um die Bahnhofsviertelnacht schlecht: „Es ist großer Rummel vor der Tür – nur wenige Männer trauen sich ins Bordell, wenn sie gesehen werden könnten.“

Dass die Stadt Frankfurt trotz allem reagiert hat und die Bordellführungen aus dem offiziellen Programm genommen hat, hält Schon für ein wichtiges Signal. „Das Bewusstsein für das größere Problem fehlt aber auch in Frankfurt“, sagt sie trotzdem. In einem Interview legen sie und die Aktivistin Raya Restel nach: Sie wollen, dass die Stadt Frankfurt sich öffentlich von den Bordellführungen distanziert. Außerdem kritisieren sie, dass weiterhin Vereine im Programm vertreten seien, die solche Führungen anbieten. Gemeint ist damit wohl vor allem Doña Carmen.

Der Prostituiertenrechteverein fühlte sich durch die Entscheidung der Stadt ausgegrenzt. Die Kritik der Sexarbeiterinnen: Die Doppelmoral der Stadt. Einerseits kokettiere die Stadt mit dem Image des Rotlichtviertels, für das Sexarbeit einer der wichtigsten Wirtschaftsfaktoren sei. Andererseits raube der Ausschluss aus dem Programm den Prostituierten die Möglichkeit, sich und ihre Gewerbe zu präsentierten und Aufklärung zu betreiben.

Die Streitparteien einigten sich schließlich auf eine neue Sprachregelung: Die Führungen werden während der Bahnhofsviertelnacht stattfinden – gelten aber nicht als offizielle Veranstaltungen, sondern als privates Angebot. Doña Carmen selbst ist immer noch Teil des Programms: Sie bieten in ihren Vereinsräumen wieder Gespräche mit Sexarbeiterinnen an.

Manuela Schon sagt zwar, gegen diese Info-Veranstaltungen habe sie nicht einzuwenden. Um eine Warnung kommt sie dennoch nicht umhin. Sie wirft Doña Carmen vor, bei ihren Veranstaltungen die schlimmen Seiten der Prostitution auszublenden. Es sei wichtig mit Betroffenen zu sprechen, aber man müsse eben auch mit prostitutionskritischen Frauen sprechen – „und diese werden Sie bei Doña Carmen bestimmt nicht finden.“ Dort werde ein verzerrtes Bild der Prostitution gezeigt.

Sie ist der Meinung, dass dieser Umstand umso schwerer wiegt, weil den Frauen die an den Veranstaltungen teilnehmen, das Vorwissen fehle. Sie fürchtet, die Frauen könnten die Situation in den Bordellen deshalb falsch auffassen: „Bei der Bordellführung im letzten Jahr haben wir festgestellt, das manche Frauen zwar das selbe sehen wie wir, aber nicht das selbe wahrnehmen“, erklärt Schon. „Man muss nicht durchs Bordell latschen, um zu verstehen, dass Prostitution schlimm ist.“

Fraences Funk von Doña Carmen weist diese Vorwürfe entschieden zurück. Grundsätzlich könne jede Sexarbeiterin auch bei ihren Veranstaltungen mitmachen – unabhängig von ihrer Einstellung zu ihrem Beruf. „Wir beschönigen Prostitution nicht“, sagt Funk. „Außerdem: Wer kann besser über die Arbeit der Prostituierten sprechen, als sie selbst?“ Das große Interesse an den Bordellführungen bei der Bahnhofsviertelnacht gebe ihr Recht, sagt Funk: „Die Menschen sind mündig genug, sich selbst ein Bild zu machen. Und das sollen sie auch weiter können.“

http://www.fnp.de/lokales/frankfurt/Pro ... 75,2736176
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RE: Prostitutionsgegnerin greift erneut Bordellführungen und

#2

Beitrag von Tilopa » 2017-08-12, 15:59

Schade! - Mit Politikern wie Manuela Schon ist die Linke für mich unwählbar.

Sexarbeiter und Kunden im Frankfurter Bahnhofsviertel sind zur großen Mehrheit Menschen aus der Arbeiterklasse. Von Mitgliedern einer linken Partei erwarte ich das Einstehen für deren Freiheitsrechte (u.a. sexuelle Selbstbestimmung, Berufsfreiheit, allgemeine Handlungsfreiheit, Streben nach Glück).
Und somit maximalen Abstand von den moralpolitischen Konzepten des repressiven und ressentimentgetriebenen Radikal-Feminismus.

Auch dazu passend:
"The so-called 'Nordic Model' is a return to the darkest periods of left-wing paternalism, in which self-professed progressives fight for middle class utopias at the expense of the socially weak."


Nachtrag: Habe den Beitrag "Feminismus und Ressentiment" aus dem Standard verlinkt.

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#3

Beitrag von Doris67 » 2017-08-14, 12:22

Die Linke ist heute weniger links als es die SPD unter Willy Brandt war...

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#4

Beitrag von fraences » 2017-08-17, 11:14

Gegen ein Verbot von Bordellführungen für Frauen im offiziellen Programm der Bahnhofsviertelnacht !
Wie in den 50er Jahren: Rabenschwarze Koalition aus Kirche, bürgerlichen Parteien und Prostitutionsgegnern bevormundet Frauen

Seit Beginn der Frankfurter Bahnhofsviertelnacht Im Jahr 2008 bietet Doña Carmen e.V. aus diesem Anlass kostenlose Bordellführungen für Frauen an. Nach 10 Jahren wurde dieser beliebte Programmpunkt nunmehr erstmals aus dem offiziellen Programm gekickt. Verantwortlich dafür: Ein Herr Tarkan Akman (SPD), Leiter des „Amtes für Kommunikation und Stadtmarketing“. Mit „Kommunikation“ hat dieser Herr nicht viel am Hut. Er hielt es nicht für nötig, mit dem Verein Doña Carmen e.V. im Vorfeld das Gespräch zu suchen, sondern stellte uns vor vollendete Tatsachen. Basta!

Angeblich seien Bordellführungen „Werbung für Prostitution“. Das ist natürlich glatter Unsinn.

Hier weiterlesen:

https://www.donacarmen.de/gegen-ein-ver ... rtelnacht/
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#5

Beitrag von Kasharius » 2017-08-17, 14:36

Beschämend und Demokratieschädlich dieses skandalöse Vorgehen gegen Dona Carmen e.V. - ein echter Trump...!

Kasharius grüßt und fühlt mit

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RE: Prostitutionsgegnerin greift erneut Bordellführungen und

#6

Beitrag von Ursa Minor » 2017-08-17, 19:02

Gutes Gelingen heute, trotz allen Widrigkeiten!

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#7

Beitrag von Kasharius » 2017-08-18, 12:48

Dito.

Man müsste die Parteivorstände von SPD und Linken mal befragen, ob dieses reaktionäre gebaren mit den Parteistatuten und den aktuellen Wahlprogrammen vereinbar ist. Das gilt vor allem für die Linke...

Kasharius grüßt solidarisch

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RE: Prostitutionsgegnerin greift erneut Bordellführungen und

#8

Beitrag von Ursa Minor » 2017-08-18, 20:07

@Kasharius

ja, da scheint doch eine gewisse Diskrepanz vorhanden zu sein.

https://www.linksfraktion.de/themen/a-z ... stitution/

Grüsse zu dir nach Berlin und solidarische Grüsse an die Community,

ursa minor

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#9

Beitrag von Kasharius » 2017-08-19, 15:58

Und es stellt sich mir die Frage, ob man nicht auch ein juristisches Vorgehen gegen die Stadt Frankfurt prüfen sollte...!?

Solidarische und herzliche Grüße zurück

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RE: Prostitutionsgegnerin greift erneut Bordellführungen und

#10

Beitrag von Ursa Minor » 2017-08-19, 17:17

Nach der Entwicklung und von der daraus entstandenen, momentanen Situation aus gesehen, denke ich, wäre es nicht verkehrt rechtliche Schritte gegen die Stadt Frankfurt zu prüfen.

Aber ich habe zu wenig Kenntnisse über die Möglichkeiten die in dieser Beziehung vorhanden sind.

Dies ist deine Domäne
:002

Vielleicht äussern sich noch direkt und indirekt Beteiligte dazu.

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RE: Prostitutionsgegnerin greift erneut Bordellführungen und

#11

Beitrag von Boris Büche » 2017-09-05, 11:46

Auch in Persona war die Gegnerin aktiv, wie es scheint:
https://huschkemau.de/2017/08/

Eine Stellungnahme von Augenzeugen würde mich interessieren!!!
(per pn?)

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RE: Prostitutionsgegnerin greift erneut Bordellführungen und

#12

Beitrag von Melanie_NRW » 2017-09-06, 00:48

Ja, sie war da.

Und ja, ich muss ihr (leider) in einigen Punkten beipflichten, wie zb das Zuhälterei komplett abgestritten wurde/wird. Da möchte ich auch manches Mal aufstehen und fragen was das soll. Aber gut, bringt nicht so viel und ist nicht meine Veranstaltung.

Schade finde ich, das die Bezahlung von D. nicht einfach auch als Wertschätzung ihre Zeit gesehen wird. Denn in der Zeit, in der sie mit den neugierigen Frauen redet, kann sie ja keinen Kunden bedienen und hat dadurch einen Verdienstausfall der damit aufgefangen wird. Und warum sollen Sexarbeiter immer alles gratis machen????
Ein Freund meinte, ich hätte Wahnvorstellungen. Da wäre ich fast von meinem Einhorn gefallen!

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#13

Beitrag von floggy » 2017-09-08, 21:20

Ich hab' ein wenig geschmökert bei HM. Ich nenn' sie hier HM weil sie die D. ja auch nur D. genannt hat.
Im Impressum taucht Manuela Schon auf. Sehr spannend finde ich den Artikel von HM zur Solidarität.
Den werde ich noch ein paar mal lesen. Auch überhaupt schreibt HM "In eigener Sache", hält die Arbeit
in der Prostitution immer noch für eine Option und kein Tabu wie es die bürgerliche Gesellschaft vorschreibt,
schreibt unter "2017/02/20/was-bedeutet-solidaritaet-mit-prostituierten" wo sich der Satz findet "Jede von uns
Prostituierten hat ihre Gründe für das, was sie tut, und es geht nicht an, niemals und unter keinen Umständen,
dass eine von uns beschämt wird, weil sie tut, was sie tut." Und natürlich sind die Hells Angels zu Geschäftsleuten
in Anzug und Krawatte mutiert, und kassieren für den Fiskus, mal mit Quittung, mal ohne Quittung -denn Quittungen
schreiben kostet Zeit und Nerven- nach dem Düsseldorfer Verfahren täglich 45 € von den Frauen, zusätzlich zur genannten
Miete. Doña Carmen e.V. wollte seinerzeit Verfassungsklage erheben, und hat deshalb auch 2015 nach der Protestaktion als
"politische" Retourkutsche, die Spendenabzugsfähigkeit aberkannt bekommen. So, liebe HM, jetzt dürfte der Aufschrei nicht
mehr schwer fallen. Ich mache gerne mit.
Es gehört zum Sex, dass er sich der üblichen Rationalität entzieht. Schwindelig und skurril, absurd, und ekelig dürften
dann wohl auch die Fragen und Antworten beim Beratungs- und Informationsgespräch ausfallen, und an der eigenen
Wahrnehmung Zweifel aufkommen lassen. Hab' ich's schon erwähnt: HM würde sich nicht anmelden.
Zuletzt ein Tipp: Wer frägt, der führt. Manager zahlen teure Seminare um dies zu lernen. Also, wer sich doch anmelden muß,
dem sei empfohlen viel zu fragen. Das ist wie bei Louis van Gaal's Ballbesitz.
Der politische Schwerpunkt von HM ist jetzt ein anderer (HM verweist an Sisters e.V.). Ich spekuliere mal, dass HM
jetzt Geld eintreibt, da die Regierung alles Geld für das Bürokratiemonster namens Beratungs- und Informationsgespräch
verpulvert. Und solange nur die Kunden von den Frauen in der Prostitution Geld haben, wird sich da auch nichts ändern.
Es ist daher konsequent wenn Doña Carmen e.V. schon seit 1993 Rechte für Prostituierte fordert, Rechte, die den Frauen
in der Prostitution vorenthalten werden wie unmündigen Kindern. Und: Solidarität verlangt Arbeit und Selbstüberwindung,
und das sollten wir gegenseitig von uns verlangen.
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Nachgefragt!

#14

Beitrag von floggy » 2017-09-12, 16:51

Stellten die anwesenden Frauen keine Fragen an die interessierten Frauen? Etwa:
- Hatten Sie schon einmal einen ONS wo er kein Kondom überziehen wollte?
- Wie haben Sie darauf reagiert, so kurz vor dem eigentlichen?
- Waren Sie schon mal in der Situation, dass er einfach nicht kommen wollte?
- Was haben Sie dann gemacht? Ich sag' da regelmäßig:
Du, das artet jetzt in Arbeit aus. Entweder Du kommst oder Du zahlst.
- Würden Sie uns Ihr letztes Date erzählen, vor allen Leuten?
- Glauben Sie nicht, dass auch Sex gegen Bezahlung etwas Intimes ist?
- Wie finden Sie das, wenn Sex Workers nur am Geld ihrer Kunden interessiert sind?
- Wäre es für Sie okay, wenn Ihr Mann hierher käme und nicht auf seine Kosten käme?

Also, ich hab ja nun wirklich keine Ahnung, was in den Köpfen der Frauen dieseits und jenseits so vor geht.
Aber ich habe aktuell eine unheimliche Sehnsucht nach den leisen Tönen des einstmals so stillen Gewerbes.
Nicht dass ich mir jetzt den Kragen höher ziehen würde und den Kopf einziehen wollte. Aber jetzt ist ausgelutscht.
Irgendwann kommt beim tollsten Sex der Moment, wo es keine Steigerung, sondern nur noch Ernüchterung gibt.
Und nach einem so ewig langen politischen Kampf habe ich nun wirklich keine Idee mehr, und bin bereit,
alle Sex Workers zu fragen: Was kann man denn noch tun?

Also wenn HM jemals wieder ins Sex Business einsteigen sollte, wollte ich sie höchstpersönlich davon abhalten.
Ich würde ihr von meiner Erfahrung als Kunde erzählen, und sie von der Macht der Frauen zu überzeugen versuchen.
Wie immer im Leben, scheitern Menschen an sich selbst, an ihren Erwartungen, Hoffnungen und Sehnsüchten.
Ha, ich hab' gar keinen Kühlschrank. Ich kann nicht mal jammern, dass er aktuell gerade wieder leer ist.
Und sie sollten sich weniger Sorgen wegen ihrer Feinde machen, als um den Rückhalt bei Freunden und in Familie.

Also für HM würde ich notfalls höchstpersönlich einen Zwergenverein organisieren wollen,
und nur handverlesene Männer, Frauen und transidente (ich schäm' mich so, einmal transitiv
geschrieben zu haben - ich bitte um Verzeihung, aber es mußte wieder einmal schnell gehen)
für sie aussuchen, die sie lieben und achten und auf Händen tragen und ihr jeden Wunsch erfüllen.
Liebe HM, Du bist Abolitionistin und willst den Sex Workers an den Kragen. Aber dass Du jemals
wieder anschaffen mußt, das wünscht Dir sicherlich niemand.
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#15

Beitrag von malin » 2017-09-12, 19:24

Sapralott, schön geschrieben :-)
liebe grüsse malin

eventuell fehlende buchstaben sind durch meine klemmende tastatur bedingt :-)

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#16

Beitrag von *Stephanie* » 2017-09-15, 15:47

# Huschke Mau
Wie glaubhaft ist ihr ständiges Auftreten im Prostitutionskontext, wo sie das doch alles ständig re-traumatisiert?
Warum tut sie sich das an?
Warum tun ihr das ihre Mitstreiterinnen/Freundinnen an?

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Re: Prostitutionsgegnerin greift erneut Bordellführungen und

#17

Beitrag von xtabay » 2017-10-26, 13:01

          Bild
fraences hat geschrieben: „Nur durch das Geld wird aus einem ‚Nein‘ ein ‚Ja‘“, so die These der Aktivistin.
Da hat sie ja schon irgendwie recht---aber ist das nicht bei jeder Arbeit so?

Würde eine Bäckerin ohne Bezahlung ein Brot backen? Würde einem eine Schneiderin ohne Bezahlung etwas nähen? Würde ein Anwalt mich ohne Bezahlung beraten?

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#18

Beitrag von floggy » 2017-10-29, 18:20

Zitat: Für Schon macht sich jeder Mann, der zu einer Prostituierten geht,
der sexuellen Gewalt schuldig, weil keine Frau freiwillig Sex gegen Geld tauscht.
Nur durch das Geld wird aus einem Nein ein Ja, so die These der Aktivistin.


Zitat: Da hat sie ja schon irgendwie recht---aber ist das nicht bei jeder Arbeit so?

Einspruch: Entgeltung ist die Voraussetzung, weil es sich um einen Beruf handelt, der dem
Sex Worker das nötige Auskommen verschaffen soll. Ob die Geldzahlung nun gleichzusetzen ist
mit dem Erwirken von Sex, in all seinen Schattierungen, ist reine Verhandlungssache. Wenn ein
Sex Worker nach wiederholter Flegelei abbricht, und das angedroht hat, oder wenn ein Sex Worker
signalisiert "Zeit ist um, spritz' endlich ab" dann ist Feierabend, wenn der Herr meint, noch
genüßlich weiter die Kugel schieben zu können. Und Sex Worker machen schließlich ja auch nicht
alles mit jedem Kunden. Es sind die unterschiedlichsten Schattierungen, die bei einem Ja oder
einem Nein mitreinspielen. Beispiel: Der 'richtige' Umgang mit den Nippel. Darum hinkt in meinen
Augen der Vergleich mit der Bäckerei und der Schneiderei. Sexwork ist eine höchstpersönliche
Dienstleistung
. Einschränkungen sehe ich allenfalls in der Prekarisierung von Sexarbeit.
Und die hat die Politik und die Gesellschaft zu verantworten. Wichtig erscheint mir auch, zu
erwähnen, dass Sex Worker eben keine Objekte sind, mit denen man willfährig verfahren kann,
sondern Subjekte, die zu jeder Zeit das Recht haben, Nein zu sagen, und davon auch Gebrauch
machen. Und genau das will die zitierte Frau Schon leugnen. Die Abolitionisten* drehen es sich
wie sie es brauchen. Da sei nur an die angeblich typischen milieubedingten Störungen,
z.B Streitigkeiten wegen Geld oder Leistung, wie sie ein BGH Urteil unterstellt, erinnert.
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#19

Beitrag von Lucille » 2017-10-29, 23:09

Eben, das ‚Kranzgeld‘ für ‚Hingabe im Vertrauen auf ehrbare Heirat‘ ist hierzulande schon lange abgeschafft.
Wir bieten eine konkrete Dienstleistung gegen konkretes Honorar an.

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