Neue Aufstellung bei den AbolitionistInnen

Beiträge betreffend SW im Hinblick auf Gesellschaft bzw. politische Reaktionen
Kasharius
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#61

Beitrag von Kasharius » 2017-12-17, 21:06

Richtig, aber die anderen Damen und Herrschaften kultivieren diese "Debattenkultur" derer sich auch die Abos bedienen... SHAME ON THEY ALL

Kasharius grüßt

Boris Büche
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RE: Neue Aufstellung bei den AbolitionistInnen

#62

Beitrag von Boris Büche » 2017-12-17, 22:20

Zu den Fragen von @Kasharius:

Ja, wir habe eine kleine Mahnwache vor dem Gebäude gehalten.
Möglichkeit zur persönlichen Bekanntmachung mit dem Gegner :r :003

Der Zuhälterei-Anwurf gegen Salomé Balthus kann nur darauf beruhen,
dass sie die Agentur Hetaera gegründet hat, und die website betreut.

"Chefin" = Profiteurin = BÖSE

da ist weniger als nichts dran, natürlich. "Zuhälterin!" wird von den Abos
sicher reflexartig gerufen, auch ohne Kentnisse.

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RE: Neue Aufstellung bei den AbolitionistInnen

#63

Beitrag von Boris Büche » 2017-12-17, 22:36

Fundstück vom linken Rand, zur Illustration der Sexualmoral mancher Verächter von "Herrschaft" (*1):

Antifaschistische Aktion München, den 12. Februar 2001

"Es wurde durch einen Zufall von uns festgestellt, dass ein Mitglied unserer Organisation über einen längeren Zeitraum größere Mengen
pornographisches Materials aus dem Internet auf seinen Rechner heruntergeladen und dort gespeichert hat und versucht hat, dies geheim
zu halten.
[ . . .] Daraus ergibt sich für uns als Organisation der Entschluss, dieser Person die Mitgliedschaft in der AAM zu entziehen,
da die für einen gemeinsame politische Arbeit notwendige Vertrauensgrundlage nicht mehr besteht.
[ . . .] Der AAM,
also auch dem ehemaligen Mitglied, ist bewusst, das kommerzielle Pornographie in dieser Gesellschaft eine milliardenschwere Industrie ist,
die auf Profitgier und der "Verwertung" der Frau als "Ware" basiert. Dennoch kann der Konsum dieses menschenverachtenden Drecks nicht
gleichgesetzt werden mit persönlicher, direkter sexuellen Gewalt gegen andere Menschen.
Diesen Vorwurf erheben wir gegen die Person ausdrücklich nicht!
" (*2)





1* : (Auszüge, bei Interesse Volltext hier):
https://www.anarchismus.at/sexualitaet/ ... ur-debatte

2* : "nicht gleichgesetzt werden mit persönlicher, direkter sexuellen Gewalt gegen andere Menschen"
Das ist nicht unwesentlich für die "Person":
Ein Femetribunal nach dem Prinzip "Definitionsmacht" ist deshalb nicht durchgeführt worden.
"Verurteilte" sollten dunkle Straßen scheuen, am besten umziehen, und ähnlich gelagerte politische Zusammenhänge auch andernorts meiden.
So lang das Gedächtnis der Szene reicht.

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#64

Beitrag von Kasharius » 2017-12-17, 23:14

@Boris

danke!

Kasharius grüßt

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RE: Neue Aufstellung bei den AbolitionistInnen

#65

Beitrag von Boris Büche » 2017-12-18, 08:05

@Friederike :
Ich habe die Position des Front National gegooglet und bin überrascht:

http://www.frontnational.com/2016/04/pr ... fficacite/

Genauso äußerte sich Marine le Pen 2013, unter Hinzufügung:
Es sei das älteste Gewerbe der Welt, und allgemein bekannt, dass es Frauen gäbe, die es freiwillig tun.

Vorgeworfen wird ihr auch eine Haltung zur Abtreibung,
die nicht zu den Wunschvorstellungen der nationalistisch-christlichen Wählerschaft passt:

http://www.lefigaro.fr/politique/le-sca ... tement.php

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RE: Neue Aufstellung bei den AbolitionistInnen

#66

Beitrag von friederike » 2017-12-18, 09:14

Es ist tatsächlich nicht ganz leicht, sich in dem extremen Umfeld zu orientieren! Überraschungen sind da nie ausgeschlossen.

Für mich ist das Kriterium der "Philosophenkönig" (K. Popper). Ein Philosophenkönig ist jemand, der aufgrund einer (nach seiner Überzeugung "wissenschaftlich" überlegenen) gesellschaftspolitischen Vorstellung die Lebensentscheidungen der Individuen übernehmen und das, was er für richtig hält, den Bürgerinnen und Bürgern für ihren gesamten Lebensbereich vorzuschreiben. Der Philosophenkönig geht also weit darüber hinaus, nur das für ein gedeihliches Zusammenleben Notwendige zu regeln, sondern er greift total in das Leben der Einzelnen ein (daher die Bezeichnung "totalitär"). Das muss nur im Grundsatz gelten, nicht für alle Bereiche gleichermaßen.

Die AbolitionistInnen sind typische Totalitäre, weil sie auch freiwillige Prostitution verbieten wollen.

Diese Eigenschaft des Totalitären verbindet grundsätzlich die Extremen. Deswegen haben sie leicht Berührungspunkte. Menschen wie z. B. der Terrorist Mahler können leicht von der linksextremen zur rechtsextremen Position wechseln.

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#67

Beitrag von Kasharius » 2017-12-18, 15:37

Und was sagen die Abos dazu...?

Liebe Kolleginnen und Kollegen,
ich möchte auf eine neu in die Datenbank eingestellte Entscheidung zu Arbeitsausbeutung hinweisen. In seinem Urteil vom 4.07.2017 verurteilt das LG Saarbrücken den Angeklagten, der rumänische und bulgarische Bauarbeiter für einen Stundenlohn zwischen 60 Cent und 3 Euro auf seinen Baustellen arbeiten ließ, wegen Betruges und Vorenthaltung von Arbeitsentgelt zu einer Freiheitsstrafe von 3 Jahren und neun Monaten. Die Anklage hatte auch auf Menschenhandel zur Arbeitsausbeutung gelautet, da aber noch die alten Vorschriften anzuwenden waren, deren strengere Voraussetzungen nicht erfüllt waren, wurde der Angeklagte wegen Betruges verurteilt.
Zur Entscheidung: https://tinyurl.com/yca9hsm5
Beste Grüße

Theda K.
--------------------------------------------
KOK - Bundesweiter Koordinierungskreis
gegen Menschenhandel e.V.

Kasharius grüßt

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#68

Beitrag von Doris67 » 2017-12-19, 19:11

Ich will hier jetzt keine politische Grundsatzdebatte entfachen, aber es sei mal gesagt: "linksextrem" bedeutet mitnichten "totalitär". Totalitarismus ist ein eindeutiges Kennzeichen _rechter_ politischer Systeme, denn er steht in scharfem Gegensatz zu vielen üblichen linken Werten (z.b. Gleichheit vor dem Recht, Nichtdiskriminierung, soziale Gerechtigkeit, Mitbestimmung, direkte Demokratie, Antikapitalismus zugunsten von Sozialismus, also Güterverteilung statt Güteranhäufung...).

Nur weil einige Diktatoren sich selbst als "links" bezeichnen sind sie es noch lange nicht. Stalin z.B. war kein Linker. Insbesondere ist der Chavismus, von dem sich Mélenchon eindeutig inspirieren läßt, keine linke sondern eine de facto rechtspopulistische, und eben auch totalitäre, Ideologie.

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RE: Neue Aufstellung bei den AbolitionistInnen

#69

Beitrag von Boris Büche » 2017-12-20, 08:32

@Friederike:
Weiterbildung ist etwas, was ich an guten Foren besonders schätze - danke für den Hinweis auf den "Philosophenkönig"!
So ein alter Hut (Platon), und doch war's mir neu. Vor Popper gab es auch schon deutliche Zurückweisung dieser Traumvorstellung:

"Daß Könige philosophiren, oder Philosophen Könige würden, ist nicht zu erwarten, aber auch nicht zu wünschen:
weil der Besitz der Gewalt das freie Urtheil der Vernunft unvermeidlich verdirbt
."
(Immanuel Kant)

Lustigerweise fand ich einen Anschluss an das Kernthema dieses threads.
Sandra Norak hat sich auch Gedanken gemacht:
Rechtsphilosophische Gedanken zur Prostitution (1)

"Was die Prostitution betrifft ist es seit vielen Jahren leider so, dass ein Großteil des Volkes wie in Platons Staatstheorie wirklich den Seelenteil
der "Begierde" darstellt und der Mut nicht ausreichend ist, um die Begierde durch die Unterstützung der Vernunft zu schwächen.
"

Die von Sandra Norak ersehnte Rechtsquelle wird von ihr unscharf mit "Mut" oder "Vernunft" benannt.
Dabei gibt es einen gut eingeführten, deutschen Begriff, für was sie meint . . .


1) https://mylifeinprostitution.wordpress.com/2016/03/

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#70

Beitrag von friederike » 2017-12-20, 08:51

@Boris Büche:
Danke für das Kant-Zitat!
Diese Sandra Norak ist tief von der Moralinsäure durchtränkt :003 Welch schrecklicher Gedanke, ungezügelte Sexualität!

@Doris67, ich bin eigentlich gegen diese schematisierenden Begriffe "rechts/links", scharfe Definitionen fehlen sowieso, und im Grunde sind sie zu undifferenziert. Deine Kriterien sind zum Beispiel wesentlich klarer.

Gleichwohl ist es natürlich so, dass schon Karl Marx ein "Philosophenkönig" war (oder genauer: gerne gewesen wäre, wie auch Platon), der vom "Neuen Menschen" gesprochen hat, den es zu schaffen gelte. An dieser Wurzel fängt es schon an.

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RE: Neue Aufstellung bei den AbolitionistInnen

#71

Beitrag von Boris Büche » 2018-01-19, 12:06

Vom Philosophenkönig war die Rede schon - einen Dichterfürsten haben sie jetzt auch!
(facebook-Fund)


Die Sisters wissen's seit langem schon:
es ist ein großes Elend, die Prostitution.
Täglich in den Körper rein und raus
für die Frauen ist's kein Freudenhaus.

Prostitution macht diese Frauen krank!
Doch die Sisters ziehen an einem Strang
geben sich nach außen so bescheiden
und helfen vielen Frauen aus ihrem Leiden.

Gegen Entwürdigung im Bordell
setzen sie das nordische Modell
am liebsten wollen sie reden
über Freierbestrafung in Schweden.

Dann weht ganz schnell ein Gegenwind,
der zeigt, wie wichtig die Sisters schon sind,
denn die Lobby der Dominas, der gut situierten
stellt sich vor die angeblich freiwillig Prostituierten.

Doch den Sisters wird deshalb nicht bang
sie helfen den Frauen aus Elend, Leid und Zwang.
Sie lassen sich nicht erweichen,
drum werden sie ihr Ziel auch erreichen!

Was die Sisters heute schon säen
werden viele morgen erst verstehen,
denn das, was sie heute träumen,
pflücken sie morgen von den Bäumen.

Einst entsteht ein Wandel
mit Prostituierten lohnt nicht mehr der Menschenhandel,
denn Politiker mit Erkenntnis auf die Schnelle
verboten den Freiern die Bordelle.

Viele Meilen müsst ihr noch laufen
doch wenn Männer keine Frauen mehr kaufen
ist's erreicht, euer tolles Streben:
ein besseres, würdevolles Leben.


Fred Hallmann / Sisters - für den Ausstieg aus der Prostitution e.V.

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#72

Beitrag von Kasharius » 2018-01-21, 18:01

@Boris

doller Fund. Wie war das: Reim Dich, oder ich fress Dich...

Vielleicht passt ja der alte Spruch des Kollegin Cochran "If it doesn´t fit, you must Acquit"...?!

Also liebe Sister-Abos: Besser (auch das Reimen) bleiben lassen!

Kasharius grüßt @Boris und alle anderen hier

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RE: Neue Aufstellung bei den AbolitionistInnen

#73

Beitrag von Boris Büche » 2018-04-14, 14:06

Huschke Mau ist hin-und-hergerissen, bisweilen. Manchmal erscheint ihr es ihr doch erstrebenswert, sich wieder zu prostituieren:

https://huschkemau.de/2018/04/11/wieder ... enkreisel/

Ich bin auch extrem arm aufgewachsen.
Hab erst mit fast 30 gelernt, dass man ja Klamotten auch kaufen kann.
Dass man nicht warten muss, bis jemand einem die abgetragenen Klamotten überlässt.
Die krasseste Erinnerung, die ich an Armut habe, war, als ich meine Tage bekam und so dermaßen kein Geld mehr hatte,
dass ich mir nicht mal eine Packung billigster Tampons für 1,50 leisten konnte. Denn ich hatte keine 1,50 mehr.
Das war so demütigend. Und da alles durchs Klopapier, das ich mir in die Schlüppi gelegt hatte, durchgesuppt ist,
hab ich mir einen Softtampon reingeschoben und trotz starken Bauchwehs einen Freier klargemacht.


Na, das sollte der Vergangenheit angehören! Sisters e.V. wird Huschkes Einsätze in der Republik schon angemessen honorieren
(sind ja schließlich keine Zuhälterinnen).
Damals war das aber so. Freundinnen, oder eine Kollegin, die ihr leihen könnte, was sie braucht, gab es nicht:

Prostitution macht einsam. Einsamkeit macht Prostitution. Denn wer kein soziales Netz hat, wer durch sexuellen Missbrauch gelernt hat,
dass Nähe gleich Sex ist, für den sind dann Freier der einzige soziale Kontakt, der verbleibt.


Mit der Einsamkeit ist es wie mir der Armut vorbei, denn jetzt hat sie Gesellschaft und Publikum:

Jedes Mal, wenn ich öffentlich über Prostitution spreche, oder überhaupt über Prostitution spreche, erst recht, wenn ich mit Frauen rede, die noch aktiv sind [ . . .]

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RE: Neue Aufstellung bei den AbolitionistInnen

#74

Beitrag von Boris Büche » 2018-04-14, 14:12

Lobeshymnen auf, und Preisverleihung an Sabine Constabel:

Sabine ist für mich, wie . . . .

"Ein Fels in schmutziger Brandung",
"das Gewissen unserer Gesellschaft",
"ein großes Vorbild, das mir den Mut gibt weiter zu machen",
"eine Konstante in der Gleichung mit vielen Unbekannten namens Frauenhandel",
"wie ein Licht, das für eine Zivilgesellschaft steht."



http://sisters-ev.de/2018/03/13/laudati ... n-preises/

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RE: Neue Aufstellung bei den AbolitionistInnen

#75

Beitrag von Boris Büche » 2018-04-14, 14:30

Die Berliner Fraktion:


formerly known as femen Germany:
http://www.exberliner.com/features/peop ... emen-ists/

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Re: RE: Neue Aufstellung bei den AbolitionistInnen

#76

Beitrag von xtabay » 2018-04-14, 15:03

          Bild
Boris Büche hat geschrieben:.. so dermaßen kein Geld mehr hatte,
dass ich mir nicht mal eine Packung billigster Tampons für 1,50 leisten konnte. Denn ich hatte keine 1,50 mehr.
Das war so demütigend. Und da alles durchs Klopapier, das ich mir in die Schlüppi gelegt hatte, durchgesuppt ist,
hab ich mir einen Softtampon reingeschoben und trotz starken Bauchwehs einen Freier klargemacht.[/i]

Also für Softtampons hat sie doch Geld?

Bei Sexarbeit muss doch irgendwie was übrigbleiben. So einen Zustand, wo man nicht einmal 1,50 hat, kenne ich auch ansatzweise. Aber kaum war ich in der Sexarbeit tätig, hab ich genug Geld gehabt, hab innerhalb von ein paar Monaten alle Schulden zurückgezahlt und ein Sparbuch angelegt und hab jetzt Reserven. Sexarbeit war für mich ein Sprungbrett.

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#77

Beitrag von floggy » 2018-04-14, 22:49

Keine Angst. HM steigt nicht wieder ein. Ich hab' die Spannung
beim Lesen bis zum Schluß gehalten. Und dann war sie endlich
da, die Stelle, auf die ich spekuliert hatte:
Zitat: Es ist dies, was mich jedes Mal davon abhält, wieder
einzusteigen, und vielleicht hilft es auch Dir.

Dir, Dir, Dir.
Zitat: Wenn DU ausgestiegen bist und diese Gedanken hast,
möchte ich, dass Du weisst, dass sie normal sind. Du bist normal.

Du, Du, Du.
Zitat: Nur das politisch-gesellschaftliche System, in dem wir
leben, diese eklige Verquickung von Patriarchat und Kapitalismus,
die Umstände, in denen wir leben, mit denen geht das leider
nicht so einfach.

Der ganze Aufsatz ist an die Adresse ihrer Kolleginnen gerichtet.
Und am Schluß attackiert sie endlich das System, und nicht mehr
die Freier als Vergewaltiger. Das ist schon ein riesen Fortschritt.
Wo Licht ist ist auch Schatten.

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#78

Beitrag von Doris67 » 2018-04-15, 01:10

          Bild
floggy hat geschrieben:Und am Schluß attackiert sie endlich das System, und nicht mehr
die Freier als Vergewaltiger. Das ist schon ein riesen Fortschritt.
Das bedeutet für uns Huren null Fortschritt. Solche "Systemkritik" von jener Seite dient nämlich im Endeffekt nur dazu, noch hurenfeindlichere Gesetze, z.B. Kundenbestrafung, durchzusetzen, wie man es hier in Frankreich sieht.

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#79

Beitrag von floggy » 2018-04-15, 15:22

Hallo Doris67, der Aufsatz von HM dient auch der Abschreckung,
denn das "System" verzeiht nie, und darum werden die staatlichen
Hilfen nicht spürbar sein. Und um spürbare Hilfen für Jedermann in
einer Notlage kämpft HM meines Erachtens momentan zu
Recht, trotz Instrumentalisierung gegen die Sex Workers' Rights
Movement. So will ich es jedenfalls sehen, weil mir Hilfen auch sehr
wichtig sind, und sich da niemand aktuell wirklich betätigt.
Wo Licht ist ist auch Schatten.

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#80

Beitrag von Doris67 » 2018-04-15, 15:46

Ich sehe das aus hiesiger Erfahrung anders: Die Rettungsindustrie ist einzig und allein daran interessiert, weiterzuexistieren, mit so viel staatlichem Geld wie möglich. Es geht ihr nicht darum, mit diesem Geld Huren wirklich zu helfen, bei uns wird davon so gut wie nichts ankommen. Selbständige Huren in einem anerkannten und gleichberechtigten Beruf, die man nicht mehr "retten" muß, wären tödlich für all diese "Rettungs"organisationen. Die Rettungsindustrie ist de facto unsere Zuhälterin, denn ohne unsere, von ihr mitverursachte und verlängerte, Misere hätte sie schlicht keine Daseinsberechtigung mehr.

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