Abolitionistische Motivationen

Beiträge betreffend SW im Hinblick auf Gesellschaft bzw. politische Reaktionen
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Boris Büche
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Abolitionistische Motivationen

#1

Beitrag von Boris Büche » 2018-04-13, 20:08

Die "Traumatherapeutin" Ingeborg Kraus, uns vertraut als Kennerin der seelischen Zerstörungen Prostituierter, hat eine neue Opfergruppe entdeckt.

"Schattenfrauen" - Frau Kraus lässt eine von ihnen ordentlich redigiert sprechen (oder hat sie - wahrscheinlicher - zweckdienlich erfunden) - das könntest Du, du oder du sein . . .

Habe das Gefühl, da kommen wir der Motivation von Kraus & Co. näher, die sie zum Kampf gegen Sexarbeit treibt!

"Irgendwann entschied ich mich Körperpsychotherapie zu machen. Ganz langsam kam ich wieder an meine Gefühle heran und erfuhr,
in einer Dimension, die mir zuvor nicht bewusst war, was mit mir los war. Langsam konnte ich Dinge wieder wahrnehmen und so ent-
deckte ich eines Tages auf dem Handy meines Mannes die Nachricht einer Frau. Das war der Anfang eines Aufdeckungsprozesses, der
über 4 Jahre dauerte.
"

Super, wozu Therapien so verhelfen können! Frau Kraus jedenfalls zu ergiebigen Honoraren.

Der Mann übrigens, der aufmerksamen Leserin wird es auffallen, verschwindet im Laufe der Erzählung. Die in der Imagination
des Leids Verbundenen brauchen ihn auch nicht mehr, wenn die masochistische Fantasie in Gang gekommen ist.
Mag ER im Schatten bleiben.

http://www.trauma-and-prostitution.eu/2 ... tenfrauen/

Doris67
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#2

Beitrag von Doris67 » 2018-04-13, 20:41

Ach ja, die Dame, die am liebsten alle Huren für verrückt erklären und einweisen lassen möchte. Wir nennen das hierzulande Nazimedizin.

Kasharius
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#3

Beitrag von Kasharius » 2018-04-19, 16:17

Hier noch mal ein Artikel von Frau Constabel vom Februar diesen Jahres,der die Position von Sisters e.V. zum ProstSchuG darstellt

http://sisters-ev.de/2018/02/23/das-pro ... constabel/

Wenn ich hier olle Kamellen poste,bitte ich um Verzeihung.

Kasharius grüßt

Boris Büche
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RE: Abolitionistische Motivationen

#4

Beitrag von Boris Büche » 2018-04-21, 10:24

"Bei aller Kritik an diesem Gesetz: es ist damit doch im Ansatz gelungen, Regeln aufzustellen, die die Ausbeutung der Frauen schwerer machen.
Und wenn es konsequent als Schutzgesetz umgesetzt wird, dann werden einige Frauen zukünftig eben nicht mehr in der deutschen Prostitutions
industrie "arbeiten" können. Wenn es gut läuft sind es zuallererst diejenigen, die unselbständig, hilflos und nur aufgrund bitterer Not, Armut oder/und dem Drängen
der Profiteure in der Prostitution landen.
"

Im Kommentar von Sabine Constabel fällt auf, dass sie kein Wort über die in weiten Teilen des Landes noch fehlende Umsetzung
des ProstSchG verliert. Der Leser muss denken, das Gesetz funktioniere - sei nur nicht "ausreichend".

Dass in Stuttgart nach wie vor keine Anmeldung nach dem ProstSchG möglich ist, muss Frau Constabel aus ihrer Berufspraxis wissen -
warum erwähnt, kritisiert sie es nicht?! Schließlich, bevor das ProstSchG konsequent als Schutzgesetz umgesetzt werden kann, was
Frau Constabel nach eigener Aussage begrüßen würde, muss die Umsetzung erstmal begonnen haben . . .

" [ . . .] welche Regelungen notwendig sind, um die Frauen wirksamer zu schützen. Dass derartige Regelungen nicht getroffen wurden ist kein Zufall
und kein Versehen. Viel eher liegt die Vermutung nahe, dass die Wirksamkeit des ProstSchG geplant in sehr engen Schranken bleiben sollte.
"

. . . und solange gibt es auch keine Wirksamkeit, wie eingeschränkt auch immer.

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RE: Abolitionistische Motivationen

#5

Beitrag von Boris Büche » 2018-04-21, 11:33

Aktuelle Mail an Sisters e.V., auf die Antwort bin ich gespannt:

Frau Constabel,
jede Regelung, die Menschen in der Prostitution vor Ausbeutung und Zwang schützen kann, ist zu begrüßen. Gut, dass Sie trotz Ihrer generell ablehnenden Haltung - die ich absolut nicht teile, Sie wissen, wir sind Gegner - positive Aspekte des ProstSchG herausstellen. Unter Ausbeutung und Zwang kann niemals von (anzuerkennender) Arbeit gesprochen werden, das ist und bleibt Verbrechen!
Ich lehne Zuhälterei (im Sinne heutiger Gesetzesfassung) ab, halte aber "Förderung der Prostitution" (ehemals §180a) für in Ordnung, insofern nicht mit Wucher verbunden. Zimmertagesmieten in der von Ihnen genannten Höhe - ich gehe mal davon aus, dass die Ausstattung der Zimmer nicht denen eines gleichpreisigen Hotelzimmers entspricht - SIND Wucher. Eine Regelung, die Bordellmieten an marktübliche Verhältnisse koppelt, vermisse ich im ProstSchG - da war der Frick-Heydrich-Erlass von 1939 deutlich weiter. Traurig, das sagen zu müssen . . .

7. Es ist auch darauf zu achten, daß die ortsüblichen Mietsätze nicht in einer Weise überschritten werden, die den Vermietern ungerechtfertigte Gewinnmöglichkeiten gibt.
Soweit an die Prostituierten Speisen und Getränke (Pension) abgegeben werden, gilt das gleiche
.

8. Zu verhindern ist, daß der Vermieter aus dem unzüchtigen Verkehr seiner Mieterinnen über diesen Rahmen hinaus Nutzen zieht.
(aus dem Frick-Heydrich-Erlass)

Nun zum eigentlichen, meiner Frage an Sie.

Sie sagen:
Bei aller Kritik an diesem Gesetz: es ist damit doch im Ansatz gelungen, Regeln aufzustellen, die die Ausbeutung der Frauen schwerer machen. Und wenn es konsequent als Schutzgesetz umgesetzt wird, dann werden einige Frauen zukünftig eben nicht mehr in der deutschen Prostitutionsindustrie "arbeiten" können.
und:
Von Anfang an (wurde) aus den Reihen der Polizei und anderen ExpertInnen immer wieder deutlich gemacht, welche Regelungen notwendig sind, um die Frauen wirksamer zu schützen. Dass derartige Regelungen nicht getroffen wurden ist kein Zufall und kein Versehen. Viel eher liegt die Vermutung nahe, dass die Wirksamkeit des ProstSchG geplant in sehr engen Schranken bleiben sollte.

Der derzeitige Stand der Umsetzung des ProstSchG in Stuttgart muss Ihnen bekannt sein:
https://www.stuttgarter-zeitung.de/inha ... duced=true

Mangelnde/verzögerte Umsetzung des ProstSchG ist keine Ausnahme in Deutschland, sondern eher die Regel. Eine ordentliche Umsetzung ist die Grundlage jeglicher "Wirksamkeit" des Gesetzes - solange kein Schutz, wie unzureichend auch immer.

Frau Constabel: Warum kritisieren Sie diesen Umstand in ihrem Artikel nicht, erwähnen ihn nicht mal?

Zusatzfrage:
glauben Sie eher, man könnte sagen: Dass derartige Regelungen (nicht zügig umgesetzt werden) ist kein Zufall und kein Versehen.
Viel eher liegt die Vermutung nahe, dass die Wirksamkeit des ProstSchG geplant in sehr engen Schranken bleiben sollte.


und wenn ja, wen oder was hielten sie für verantwortlich?

wenn nicht - es sich also um schlichte Schlamperei statt Lumperei handeln dürfte - wäre es nicht von Ihrem Standpunkt aus dennoch kritikwürdig?

mfG, B. Büche

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#6

Beitrag von Kasharius » 2018-04-21, 22:40

@Boris

sehr interessante diplomatische Initiative (aber Nord- und Südkorea nähern sich ja auch an :002 ) Auf diesen Notenwechsel bin ich sehr gespannt. Hast Du den in der Email darauf hingewiesen, daß Du sie und eine Antwort hier veröffentlichst...?

Schönen Abend

Kasharius grüßt

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RE: Abolitionistische Motivationen

#7

Beitrag von Boris Büche » 2018-04-22, 08:33

@Kasharius: Notenwechsel ist gut! So habe ich das noch nicht gesehen . . . :002

"Hast Du denn in der Email darauf hingewiesen, daß Du sie und eine Antwort hier veröffentlichst...? "

Nein. Ich brauche ihre Einwilligung nicht für die Texte von meiner Seite - und frage nicht danach, was mögliche Antwort(en) angeht.
In meinen Augen ist dies eine öffentliche Angelegenheit, in der ich und S. Constabel nicht als Privatpersonen handeln, und das
Briefgeheimnis als obsolet betrachtet werden darf. Ich habe bereits im vergangen Jahr einen Notenwechsel mit Sisters e.V.
hier veröffentlicht; Frau Constabel wird es sich also denken können.

Wenn frau anderer Ansicht ist, und Antwort(en) als vertrauliche Mitteilungen gewertet sehen will - na, auf den Rechtsstreit freue ich mich! :003

*Edit*: Fand grade, dass Meinungsfreiheit / öffentliches Interesse dem Briefgeheimnis Grenzen setzen:
(BVG Beschluss vom 18. Februar 2010, Az: 1 BvR 2477/08)

Außerdem sei auch der Schutzbereich des Grundrechts aus Art. 5 Abs. 1 GG verkannt worden, wenn die Zivilgerichte davon ausgegangen seien,
dass die Meinungsfreiheit nur unter dem Vorbehalt des öffentlichen Interesses geschützt wäre. Vielmehr gewährleiste das Grundrecht aus Art.
5 Abs. 1 GG primär die Selbstbestimmung des einzelnen Grundrechtsträgers über die Entfaltung seiner Persönlichkeit in der Kommu-
nikation mit anderen. Bereits hieraus beziehe das Grundrecht sein in eine Abwägung mit dem allgemeinen Persönlichkeitsrecht einzustellendes
Gewicht, das durch ein mögliches öffentliches Informationsinteresse lediglich weiter erhöht werden könne. Schließlich sei auch zu berück-
sichtigen, dass Äußerungen wahrer Tatsachen, zumal solcher aus dem Bereich der Sozialsphäre, regelmäßig hingenommen werden müssten.

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#8

Beitrag von Kasharius » 2018-04-22, 10:23

Na dann warten wir mal gespannt, ob Du eine Antwort bekommst...

Kashariius grüßt

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#9

Beitrag von floggy » 2018-04-23, 21:59

Ich geh' lieber eine Katze streicheln, und ein gutes Buch lesen.

Wir wissen doch, dass jedem Sex Worker, und Männern
insbesondere, das Mandat abgesprochen wird, für andere
sprechen zu dürfen, nach Meinung der Abolitionisten.

Ich finde es nicht okay, dass ich hier sitze, und mir Texte
überlege, während es anderen wirklich dreckig geht.
Wo Licht ist ist auch Schatten.

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RE: Abolitionistische Motivationen

#10

Beitrag von Boris Büche » 2018-04-23, 22:46

@floggy:
"Wir wissen doch, dass jedem Sex Worker, und Männern
insbesondere, das Mandat abgesprochen wird, für andere
sprechen zu dürfen, nach Meinung der Abolitionisten
."

Richtig -
aber das Recht, für mich selbst zu sprechen, als Mensch und citoyen,
ist nicht in Reichweite dieser Delegitimation, das Mandat hat jede(r).

Ich vermeide es, und glaube, es gelingt mir, nicht für andere zu sprechen, sondern von mir auszugehen.
Ich muss ja auch kein Flüchtling sein, um eine Meinung zu Fremdenfeindlichkeit zu haben.

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RE: Abolitionistische Motivationen

#11

Beitrag von ellemme » 2018-04-25, 20:49

about this....http://www.trauma-and-prostitution.eu/2 ... tenfrauen/
my only consideration is that prostitutes saved a lots of marriages...and that a responsible sex worker saves Health...of both...so...
and I would like to say to the abolitionistes that I'm a SW and I have this attitude since I was a kid but I never I've never met a man or a pedophile priest...my mom an dad a perfect couple, my sister and bros always loved me...my childhood has been so boring and serene...
and a last thing.. I would appreciate if they spoke for themselves than for a business of others

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RE: Abolitionistische Motivationen

#12

Beitrag von Boris Büche » 2018-04-26, 07:52

@ellemme:

You got it in all points!

My personal opinion on the text "Schattenfrauen" is that it, again, is fiction - and not the letter of a wife who lost illusions.

The attitude to speak in others' name is constitutional among abolitionists, and to invent personalities and let them speak is the crown of this attitude.

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