Statistische Überprüfung "unbekannter Fakten"

Beiträge betreffend SW im Hinblick auf Gesellschaft bzw. politische Reaktionen
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Boris Büche
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Statistische Überprüfung "unbekannter Fakten"

#1

Beitrag von Boris Büche » 2018-04-26, 09:44

https://www.facebook.com/Make-Love-not- ... 563876399/

Make Love, not Slavery:
"In Augsburg sind rund 500 Frauen in der Prostitution tätig:
>> Über 90% von ihnen sind Ausländerinnen
>> Weniger als 5% können sich auf Deutsch verständigen
>> Viele sind unter 21 (Tendenz steigend)

>> (etc.)"

Replik hierauf:

Nemo Steuermann:
"Selbst informieren? : https://www.kaufmich.com/search/quick/ + Augsburg erschließt Daten zu 110 Prostituierten.

Die Mitglieder der Stichprobe sind schon mal gute 20% der angesprochenen Personengruppe in Augsburg!
Laut Selbstauskunft sind 57% Deutsche, nur drei von ihnen unter 21 (=2,7%), jedoch 49% über 30 Jahre.

Um von 47 sichtbaren Personen auf ca. 450 zu kommen (Anteil der Ausländerinnen nach obigen Zahlen), muss
mit 9,6 multipliziert werden. Um die ca. 500 insgesamt nicht wesentlich zu übertreffen, muss angenommen werden, dass
so gut wie keine der "deutschen" Prostituierten in der obigen Stichprobe fehlt. Es sieht so aus, als ob die "unbekannten Fakten"
eben KEINE Fakten sind.
"

Mal sehen, welche Lebensdauer dieses Posting hat . . .

ellemme
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#2

Beitrag von ellemme » 2018-04-30, 10:32

Studing the numbers of Augsburg there is a sexworker every 100 male potential customers between 20 and 64 years of age but a more realistic and optimistic data can be 40 customers for 1 sexworker, and considering the customer can have a weekly frequentation on average this means: a customer day for each sex worker. If you in Germany don't put a limit to the number of sexworkers then it is a slavery for sure. Probably the pimp doesn't take the money from prostitution but from the prostitute and this is a big problem because this is more harmful than abolitionistes.

Boris Büche
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RE: Statistische Überprüfung "unbekannter Fakten"

#3

Beitrag von Boris Büche » 2018-04-30, 14:20

Es gibt eine Reaktion:

Make Love, not Slavery:
Die Prostitutionslobby stellt das natürlich gern etwas anders dar. Toller Titel schon mal "Kauf mich" - passt gut zum modernen Sklavenhandel.
Die Streetworkerin von Solwodi, die jede Woche in die Bordelle und Laufhäuser in Augsburg geht, sieht etwas anderes. Sie kann kaum je
mit einer Frau Deutsch sprechen. Aber diese jungen Frauen nehmen eben nicht an den Umfragen teil.
Und sitzen auch nicht in Deutschen Talkshows.


Nemo Steuermann:
Ich wies darauf hin, dass es sich um eine Stichprobe handelt. Repräsentativ für alle ist diese nicht (sie umfasst nur selbstwerbende
Augsburger Prostituierte, die Deutsch können), und manche Daten können natürlich falsch sein. In manchen Fällen können Zuhälter die Profile
erstellt haben. Nähere Analyse lohnt sich aber schon. Eine Einschränkung wie "Kein Interesse an Männer unter 30 jahre !!!" würde ein Zuhälter nie
machen, so dass diese 43jährige Thailänderin (LeenaAsia) wohl sowohl Deutsch kann, als auch selbstbestimmt arbeitet. Natürlich wird die
Streetworkerin von Solwodi diese Frauen nie treffen, auch sie sieht nur eine Stichprobe der in Augsburg tätigen Prostituierten - nämlich die,
die überhaupt in Bordellen arbeiten. Übrigens: Wenn mich im Bordell eine Sozialarbeiterin besuchen würde, und ich hätte keine Lust auf sie:
"Nix deutsch!" funktioniert bestimmt super, um ein Gespräch gar nicht erst aufkommen zu lassen.



Nemo Steuermann:
Die Streetworkerin ist Frau Knab? http://www.gestaltic.de/ich-ueber-mich.html - Ich las, dass ihre Besuche gemeinsam mit Vertretern des
Gesundheitsamts erfolgen. Ist das, vom sozialarbeiterischen Gesichtspunkt, von Vorteil? Oder anders nicht durchführbar?

ellemme
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#4

Beitrag von ellemme » 2018-05-01, 16:49

This is it. When I tried to work in a German brothel I realized that the pimp stole the trade to the German prostitute with a massive immigration and by making money in a slavery way. And if you are not a prostitute coming from a country dedicated to this human trafficking, south America, east Europe and orient Africa, you are nothing and noone can help you....you discover as sexworker living in the EURO area of Europe that YOU are coming from the thirth world! This demonstrate to me that the slavery can be managed in a democratic area too. Europe is a failure.

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#5

Beitrag von Lycisca » 2018-05-11, 15:04

Noch eine Bemerkung zu "Die Streetworkerin [...] kann kaum je mit einer Frau Deutsch sprechen": Wenn dem so ist, warum werden nicht Streetworker eingesetzt, welche die Sprache der SW sprechen?

Boris Büche
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RE: Statistische Überprüfung "unbekannter Fakten"

#6

Beitrag von Boris Büche » 2018-05-11, 18:15

@Lycisca:

Das hat mich auch erstmal gewundert - bei Recherche ergab sich, dass die Streetworkerin Deutsche aus Rumänien ist. Sie kann sich also mit Rumäninnen problemlos unterhalten.

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#7

Beitrag von friederike » 2018-05-12, 01:43

Die Formulierung "Die Streetworkerin [...] kann kaum je mit einer Frau Deutsch sprechen" insinuiert erst einmal, dass die Frauen aus beidseitigem Mangel an Sprachkenntnissen für die Streetworkerin unerreichbar seien.

Das ist aber offensichtlich nicht ode höchstens nur teilweise zutreffend.

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#8

Beitrag von Kasharius » 2018-05-12, 12:06

Klar ist jedenfalls: Das bundesdeutsche Prostituiertenschutzgesetz hat die Arbeit von SW-Beratungsorganitionen nicht gerade erleichtert; jedenfalls soweit es um eine unabhängige und nicht nur auf einen Ausstieg orientierte, also professionelle Beratungsarbeit geht.

Gegenbeispiel: Das Bundesteilhabegesetz für Menschen mit Behinderungen hat die, wenn auch zeitlich befristete sog. Unabhängige Teilhabeberatung nach dem Peercouncil-Prinzip (Betroffene beraten Betroffene) und die wissenschaftliche Begleitung gesetzlich verankert und finanziell gefördert.

Das wäre vielleicht ein möglicher Ansatz, politisch eine Novellierung des ProstschG zu fordern. Auch wenn dies wahrscheinlich, aus divergierenden Gründen von Dona Carmen und SISTERS anders gesehen wird...

Kasharius grüßt und war selbst Dipl. Soz. Päd

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