Länderberichte ÖSTERREICH:

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hapebe
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Re: Länderberichte ÖSTERREICH:

#41

Beitrag von hapebe »

Ich habe gerade bei YouTube einen etwas älteren ARD Bericht zum Thema „Bordellboom in Kärnten“ gefunden.

Standpunkte der Bevölkerung zu denen der Politik und Beratungen sind interessant.
Seid dem Bericht sind wieder einige Unternehmen dazugekommen. Jedoch hat die Politik mit Betrieben im Stadtzentrum aufgeräumt (Betriebsgenehmigungen nicht verlängert). Es gibt jedoch genug andere Städte, die es anders sehen. Die Nähe zu den Klienten aus dem Süden spricht dafür.
Ich habe jedoch in Bezug darauf erst vor kurzem von einer SW erzählt bekommen, dass sie gerade deshalb in einem besonderen Betrieb in Klagenfurt nach einer knappen Woche wieder zurück nach Wien ging. Das Verhalten dieser Klienten war vielfach nur erniedrigend.
„Ein Atom ist leichter zu zertrümmern als ein Vorurteil“ (Albert Einstein)

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Kasharius
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Re: Länderberichte ÖSTERREICH:

#42

Beitrag von Kasharius »

danke lieber @hapebe und ein vergnüglichen Abend wünscht

Kasharius grüßt :006

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Zwerg
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Re: Länderberichte ÖSTERREICH:

#43

Beitrag von Zwerg »

Faktencheck: Asylwerberinnen in Prostitution - ein akutes Probem?

Chinesinnen, Nigerianerinnen und Afrikanerinnen soll das betreffen. Doch stimmt das wirklich?

Faktencheck: Asylwerberinnen in Prostitution - ein akutes Probem?

Chinesinnen, Nigerianerinnen und Afrikanerinnen soll das betreffen. Doch stimmt das wirklich?

Nun will die FPÖ Prostitution als eine der wenigen legalen Beschäftigungsmöglichkeiten von Asylwerbern verbieten. Österreich sei das einzige Land in der EU, welches die Prostitution während des Asylverfahrens noch zulässt, argumentierte der ehemalige Innenminister Herbert Kickl heute. Ihm geht es laut eigener Aussage um "Schutz vor Menschenhandel und sexueller Ausbeutung": Mehr dazu hier. https://kurier.at/politik/inland/asyl-f ... /400593380

Ist das ein akutes Problem?

Vor allem Chinesinnen nutzen diese Gesetzeslücke, damals allerdings noch vereinzelt. Der Anteil von Asylwerbern an der Prostitution betrug rund drei Prozent in Wien, mittlerweile hat sich dieser Wert bereits verdoppelt, Tendenz steigend. Von 271 chinesischen Sexarbeiterinnen sind laut Polizei 216 Asylwerber.

Die FPÖ will Prostitution als eine der wenigen legalen Beschäftigungsmöglichkeiten von Asylwerbern verbieten. Österreich sei das einzige Land in der EU, welches die Prostitution während des Asylverfahrens noch zulässt, argumentierte der geschäftsführende Klubchef Herbert Kickl gegenüber der APA. Ihm geht es laut eigener Aussage um "Schutz vor Menschenhandel und sexueller Ausbeutung".

Außer als Saisonniers und Erntehelfer innerhalb des bewilligten Kontingents dürfen Asylwerber nach den ersten drei Monaten nach Zulassung zum Verfahren derzeit nur als Selbstständige tätig werden, sofern sie für diese Tätigkeit keinen Gewerbeschein benötigen. Etwa als Zeitungskolporteure oder eben als Prostituierte. Zuletzt soll die Zahl der Prostituierten aus China und Nigeria stark gestiegen sein, auch Männer aus Afghanistan seien zunehmend in diesem Bereich tätig, so Kickl.

Wie funktioniert das alles?

Die Chinesinnen reisen organisiert nach Österreich, teilweise werden ihnen hier sogar Studienplätze versprochen. In Österreich müssen die dann Asyl beantragen. Drei Monate lang bleiben sie so in der Grundversorgung, die Kosten für den Transport übernimmt somit auf Umwegen der Steuerzahler, denn das Geld müssen die Betroffenen oft an ihre Hintermänner abliefern.

Per Gesetz dürfen Asylwerber nach drei Monaten ein freies Gewerbe anmelden. Gedacht wäre zum Beispiel daran, dass sie diverse Kurse anbieten könnten. Doch auch Prostitution fällt darunter, weshalb die Chinesinnen bis zum rechtskräftigen Asylbescheid nach ein oder zwei Jahren im Rotlicht arbeiten dürfen, die Genehmigung ("Deckel") inklusive. Am Ende erhält nur nur etwa jeder vierte chinesische Asylwerber einen positiven Bescheid, manche bekommen aber subsidiären Schutz.

Was will Herbert Kickl?

Während seine Zeit als Innenminister gab es zum Thema Asylwerber noch keine Initiative aus dem Ressort. Die Freiheitlichen wollen daher nun das Grundversorgungsgesetz so ändern, dass die Möglichkeit der selbstständigen Beschäftigung im Bereich Prostitution während des Asylverfahrens verboten wird. In Paragraf 7, Absatz 2, soll künftig ergänzt werden: "Die Ausübung der Prostitution im Rahmen einer selbstständigen Erwerbstätigkeit ist bis zur rechtskräftigen Entscheidung des Asylverfahrens unzulässig."

Welche Aslwerber sind in der Prostitution aktiv?

Zuletzt soll die Zahl der Prostituierten aus China und Nigeria stark gestiegen sein, auch Männer aus Afghanistan seien zunehmend in diesem Bereich tätig, sagte Kickl.

Das stimmt nur zum Teil, vor allem aus dem chinesischen Raum gibt es starke Aktivitäten, wissen Rotlicht-Polizisten zu berichten. Oft werden ältere Prostituierte nach Österreich gebracht, weil die Freier hierzulande nicht das Alter bei Asiaten erkennen. Viele der Sexarbeiterinnen sind zwischen 40 und bis zu 60 Jahre alt.

Nigerianerinnen sind ein Randaspekt, es gibt sie nur vereinzelt, die Zahlen gehen sogar zurück. Die Zeiten als die Afrikaner das Rotlicht dominiert haben sind längst vorbei.

Afghanische männliche Prostituierte gibt es nur in sehr geringem Ausmaß. Sie bilden gemeinsam mit Nordafrikanern und Pakistani in der Bundeshauptstadt einen illegalen Strich von rund 80 bis 100 Personen. Die Gesetzesänderung würde sie nicht betreffen, dass diese Personen ohnehin nicht regulär angemeldet sind und illegal ihrer Tätigkeit nachgehen.

https://kurier.at/chronik/oesterreich/f ... /400593659

--------------

Irgendwie nicht anders zu erwarten..... Jemand des Lebensunterhaltes zu berauben, aber keine Alternative (andere Arbeitsmöglichkeit) zuzulassen wird nur eines bewirken: Illegalität und somit mehr Ausbeutbarkeit.

christian

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Re: Länderberichte ÖSTERREICH:

#44

Beitrag von deernhh »

Ich habe mich gefragt, wie eine Grundversorgung für Asylbewerber*innen eigentlich aussieht und habe das gefunden:

Grundversorgung in Wien

Voraussetzungen, Leistungen und Kontakt
Menschen, die in Österreich um Asyl ansuchen, benötigen Unterstützung. Im Rahmen der Grundversorgung erhalten sie Angebote, um Grundbedürfnisse ihres täglichen Lebens rasch decken zu können. Bei Bedarf können sie einen Wohnplatz in einer betreuten Unterkunft nutzen. In Wien organisiert der Fonds Soziales Wien (FSW) die Unterbringung und Betreuung von Flüchtlingen.
Anspruchsberechtigte
Grundversorgung ist eine vorübergehende Leistung für Fremde, die sowohl hilfs- als auch schutzbedürftig sind.

Schutzbedürftig sind:
AsylwerberInnen bis zum rechtskräftigen Abschluss des Verfahrens
subsidiär Schutzberechtigte, die nicht beim AMS gemeldet sind
Asylberechtigte während der ersten vier Monate nach Asylanerkennung
Personen mit rechtskräftig negativem Ausgang des Asylverfahrens und Fremde ohne Aufenthaltsrecht, wenn sie aus rechtlichen oder tatsächlichen Gründen nicht abschiebbar sind
Personen mit bestimmtem Aufenthaltstitel aus berücksichtigungswürdigen Gründen
Hilfsbedürftig ist, wer den Lebensunterhalt für sich und seine im gemeinsamen Haushalt lebenden unterhaltsberechtigten Angehörigen nicht oder nicht ausreichend aus eigenen Kräften und Mitteln beschaffen kann bzw. ihn auch nicht (ausreichend) von anderen Personen oder Einrichtungen erhält.

Die Anspruchsberechtigung prüft das Beratungszentrum Grundversorgung des FSW. Anträge können in der Servicestelle der Grundversorgung Wien gestellt werden.
Leistungen der Grundversorgung

Unterkunft

Personen, die in Wien Anspruch auf Grundversorgungsleistungen haben, können Wohnplätze in betreuten Unterkünften in Anspruch nehmen. Sie haben auch die Möglichkeit, privaten Wohnraum anzumieten. Privat wohnende BezieherInnen von Grundversorgung erhalten Leistungen für Verpflegung und Miete.

Grundversorgungsleistungen für Personen in betreuten Unterkünften
Verpflegung/Lebensmittel oder Verpflegungsgeld im Wert von 5,50 Euro pro Tag
40 Euro Taschengeld pro Monat
10 Euro Freizeitgeld pro Monat
Grundversorgungsleistungen für privat wohnende Personen
Mietzuschuss für Einzelpersonen von max. 150 Euro pro Monat
Mietzuschuss für Familien von max. 300 Euro pro Monat
Verpflegungsgeld für Erwachsene von max. 215 Euro pro Person und Monat
Verpflegungsgeld für Minderjährige von max. 100 Euro pro Person und Monat
Verpflegungsgeld für unbegleitete Minderjährige von max. 215 Euro (wohnhaft bei Verwandten oder bei Privatpersonen in Wien)
Weitere Grundversorgungsleistungen unabhängig von der Wohnform
Bekleidungshilfe nach Bedarf, max. 150 Euro pro Jahr
Schulbedarf für SchülerInnen nach Bedarf, max. 200 Euro pro Schuljahr
Krankenversicherung (Wiener Gebietskrankenkasse)
medizinische Leistungen
Information, Beratung und Betreuung
Übernahme der Fahrtkosten bei behördlichen Ladungen und Überstellungen
Für Asylberechtigte endet nach einer Übergangsfrist von vier Monaten die Unterstützung durch die Grundversorgung. Kann danach der Lebensunterhalt nicht aus eigenen Mitteln bestritten werden, so kann beim zuständigen Sozialzentrum Bedarfsorientierte Mindestsicherung beantragt werden.

https://www.fluechtlinge.wien/grundversorgung/

Ich finde, die Asylbewerber*innen sollen das Recht haben, aus eigener Kraft wie z.B. durch Prostitution Geld verdienen zu können und nicht auf Steuerzahlungen angewiesen sein zu müssen.

Liebe Grüße von deernhh

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Re: Länderberichte ÖSTERREICH:

#45

Beitrag von Kasharius »

Und populistisch Unwahrheiten oder Übertreibungen in die Welt setzen, dass können die Politiker der FPÖ.

siehe zu Kickl auch hier

https://www.oe24.at/oesterreich/politik ... /395333858

Kasharius grüßt

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Re: Länderberichte ÖSTERREICH:

#46

Beitrag von Zwerg »

Ich erlaube mir zu dem unten stehenden Artikel einfach den Kommentar von der geschätzten Thorja von Thardor zu übernehmen....

Aber zuerst der Artikel:

Kündigung: Lehrer war auch Bordellchef

Ein Lehrer einer Salzburger Schule, der als Nebenbeschäftigung auch Geschäftsführer eines Bordells war, kann deswegen von seinem Dienstgeber gekündigt werden. Eine Entlassung bestätigte das Oberste Landesgericht Linz jedoch nicht.

Wie die Tageszeitung „Die Presse“ berichtet, hatte eine Schülerin die Direktorin über den Nebenjob des HAK- Lehrers informiert. Er wurde fristlos entlassen. Dagegen wehrte er sich vor Gericht. Strittig war, ob er fristlos entlassen, nur gekündigt oder gar nicht von der Schule entfernt werden durfte. Seine Argumente: Er habe die Nebenbeschäftigung als Geschäftsführer einer nicht näher genannten GmbH ordnungsgemäß gemeldet, seine Vorgesetzten auch nicht über die Art der Beschäftigung getäuscht. Seine Tätigkeit bestehe nur in der Abwicklung des Zahlungsverkehrs.
Landesgericht Salzburg erste Instanz

Letzteres half dem HAK-Lehrer, der Rechnungswesen und BWL unterrichtet, noch vor dem zuständigen Landesgericht Salzburg, seinen Lehrerposten zu behalten. Wenn nämlich nach bisheriger Übung nicht einmal Freizeitbeschäftigungen wie der Besuch von Erotikmessen oder Swingerklubs einen Kündigungs- oder Entlassungsgrund darstellten, dann gelte das noch weniger für eine nicht operative Geschäftsführertätigkeit, führte die erste Instanz aus. Außerdem wäre es Sache des Dienstgebers gewesen, nähere Informationen über die ominöse GmbH einzuholen, und bei Bedarf den Lehrer aufzufordern, den Nebenjob aufzugeben.

Kündigung statt Entlassung

Ähnliches floss auch in die Entscheidung des Oberlandesgerichts Linz als zweite Instanz ein. Allerdings deutete es die Entlassung in eine finanziell weniger schmerzhafte Kündigung um. Das Verhalten des Mannes sei mit dem Ansehen und den Interessen des Dienstes unvereinbar: Immerhin beziehe er aus einem Bordellbetrieb ein laufendes Zusatzeinkommen, was einen längerfristigen engen Kontakt zum Rotlichtmilieu bedinge. Und dieses liege, auch wenn es nicht illegal sei, nach weitverbreiteter Meinung der Bevölkerung im Randbereich der Kriminalität.
Revisionen abgewiesen


Gegen dieses Urteil riefen sowohl der klagende Lehrer als auch die beklagte Republik Österreich den Obersten Gerichtshof an. Dieser wies die außerordentlichen Revisionen der beiden Parteien zurück. Der Lehrer ist somit nicht entlassen, aber gekündigt – in seinem Hauptberuf.

https://salzburg.orf.at/stories/3011281 ... t91o3AwcHw

und dazu meint Thorja ganz richtig auf Ihrer Facebookseite: https://www.facebook.com/ThorjaVonThard ... Bw&fref=nf:

Lehrstück in Produktion selbsterfüllender Prophezeiungen: "Das Rotlichtmilieu liege (so das OLG Linz), auch wenn es nicht illegal sei, nach weit verbreiteter Meinung der Bevölkerung im Randbereich der Kriminalität".

Durch so ein Verhalten verfestigt und befördert das Gericht halt das, was es an Vorurteilen in der Bevölkerung gibt - anstatt Beschäftigungen im Feld der Sexarbeit einfach als das zu sehen, was sie sind: ganz normale selbständige Tätigkeiten.

Der nächste Geschäftsführer ist dann halt wieder ein wirklich kriminalitätsaffiner Strizzi, weil sich normale Leute mit normalen Hauptjobs angesichts solcher gerichtlicher Entscheidungen da nicht mehr drüber trauen.

Ich dachte, geltendes Recht wäre die Entscheidungsgrundlage der Gerichte und nicht "Meinungen" der Bevölkerung?! Ich fass es nicht.

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Re: Länderberichte ÖSTERREICH:

#47

Beitrag von Kasharius »

RECHT IST, WAS DEM VOLKE NÜTZT!











......was sagt uns das....?

Kasharius grüßt

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Lucille
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Re: Länderberichte ÖSTERREICH:

#48

Beitrag von Lucille »

VOX POPULI VOX DEI

oder VOX RINDVIEH ?!?

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Re: Länderberichte ÖSTERREICH:

#49

Beitrag von Kasharius »

...sofern nicht icke jemeint war liebe @Lucille schließe ich mich Letzterem an...

Kasharius jrüßt

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Re: Länderberichte ÖSTERREICH:

#50

Beitrag von Lucille »

Mein lieber @Kasharius, mit der Deinigen Meinung als die öffentliche wäre Solcherlei doch eher unwahrscheinlich ;-)

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Re: Länderberichte ÖSTERREICH:

#51

Beitrag von Kasharius »

Danke Dir liebe @Lucille

Jedenfalls ist die vom Gericht hier vertretene Auffassung bzw. Begründung in höchstem Maße bedenklich. Mit Volkes Stimme zu argumentieren, oder gar zu urteilen führt oft geradewegs ins (rechtsstaatliche) Verderben...daran ändert auch die Präambel IM NAMEN DES VOLKES nichts, die zumindest in Deutschland über Urteilen prangt. Siehe dazu mhttps://de.wikipedia.org/wiki/Im_Namen_des_Volkes .

Kasharius grüßt

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Re: Länderberichte ÖSTERREICH:

#52

Beitrag von Zwerg »

Hat jetzt nichts mit dem gegenständlichen Urteil zu tun.... - zeigt aber, wie der österreichische Staat bzw. seine VertreterInnen bisweilen auftreten, werten und manchmal Leben gefährden.

Kurz die Geschichte:

Chinesin kommt nach Österreich - fängt als SexarbeiterIn zu arbeiten an, während ihr Asylbescheid noch nicht entschieden ist (also legal)...

Heirat mit einem Österreicher - Asylbescheid wird abgelehnt - mit dem Hinweis, dass es sich um eine Scheinehe handeln würde - die Frau wird aufgefordert, dass österreichische Hoheitsgebiet zu verlassen. Sie fügt sich dem Bescheid und reist (mit ihrem Mann - soweit zum Thema Scheinehe) nach China zurück - richtet im Heimatland ein Ansuchen um Aufenthaltsgenehmigung in AT an die österreichische Botschaft in China

Bekommt (auf Deutsch) ein Antwortschreiben mit folgendem Textbaustein:
----------Klick mich..............
Bild
Das Originalschriftstück ist in meinen Händen

Da das Dokument offiziell von der österreichischen Botschaft in Peking stammt und einen Bescheid enthält sowie auf Deutsch verfasst wurde - muss es von einem offiziellen (staatlichen) Übersetzungsbüro vorgetragen bzw. beamtshandelt werden.

Heißt im Klartext: In einem Land in der es die Todesstrafe gibt - in dem Prostituierte mit härtesten Strafen zu rechnen haben (und auch deren Mann gefährdet ist) outet man eine Frau welche in AT sich an die Gesetze gehalten hat (weder abgeschoben wurde, noch sonst das Gesetz verletzt hat) in einer Art und Weise, dass ihre Existenz gefährdet ist bzw. nunmehr ihre Sicherheit (vor Verfolgung durch den chinesischen Staat) nicht mehr gewährleistet werden kann...

Auch das ist Österreich - und das sind seine durchlauchten VertreterInnen

christian (der die Frau kennt und dem bei der Geschichte die Galle hoch kommt)

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Re: Länderberichte ÖSTERREICH:

#53

Beitrag von Kasharius »

...mir auch, am Vorabend meines goldenen Frühherbstes...

Kasharius grüßt solidarisch

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Re: Länderberichte ÖSTERREICH:

#54

Beitrag von Kasharius »

Der Standard hat auch etwas zur Sexarbeit zu berichten

https://www.derstandard.de/story/200011 ... mt-in-wien

Kasharius grüßt

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Re: Länderberichte ÖSTERREICH:

#55

Beitrag von Lycisca »

Interessant der Schlusssatz des Artikels im Standard: " … speziell ausgebildete verdeckte Ermittler waren an dem Einsatz beteiligt." Da stellen sich sofort die Fragen: Auf welcher Rechtsgrundlage wurden verdeckte Ermittler eingesetzt, wo doch aus dem Artikel hervorgeht, dass von vorneherein nur die Aufdeckung von Verwaltungsübertretungen das Ziel des Einsatzes war? (Das Sicherheitspolizeigesetz, das in AT verdeckte Ermittlungen regelt, ist strafrechts-akzessorisch.) Und welche spezielle Ausbildung sollen diese Beamten demnach genossen haben?

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Re: Länderberichte ÖSTERREICH:

#56

Beitrag von deernhh »

CHRONIK/ÖSTERREICH
25.02.2020
Republik schickt Bordell in die Pleite
Die Finanzprokuratur, die Anwaltskanzlei der Republik, beantragte wegen Abgabenrückständen ein Insolvenzverfahren.
von: Kid Möchel

„Die Beschwerde richtet sich gegen die Umsatzsteuer-Festsetzungsbescheide in Höhe von 52.933 Euro. Es wird beantragt, die Umsätze der Prostituierten nicht der Gesellschaft zuzurechnen“, heißt es in einem Schreiben an das Finanzamt. „Die Prostituierten erzielen ihre Umsätze als selbstständige Unternehmerinnen und sind daher ihnen zuzurechnen. Die Abrechnung mit den Kunden erfolgt allein durch die Prosituierte, die auch den Preis autonom vereinbart. Die Gesellschaft stellt die Infrastruktur zur Verfügung und erzielt Umsätze aus den Eintritten und der Konsumation. Der den prostituierten vorgeschlagene Mindestpreis für die Sexdienstleistung dient dem Hausfrieden und soll das Dienstleistungsniveau hochhalten.“

Am Ende hatte der Bordell-Betreiber Sixth Heaven Gastro Entertainment GmbH mit Sitz in Reutte mit seiner Argumentation gegen die Republik kein Leiberl. Die Finanzprokuratur, die Anwaltskanzlei der Republik, beantragte wegen 60.180 Euro Abgabenrückstände ein Insolvenzverfahren. Das mittlerweile laut Creditreform auch eröffnet wurde.

Die Sixth Heaven Gastro Entertainment GmbH hat rund 246.000 Euro Schulden, davon entfallen 60.000 Euro auf die Finanz, 36.000 Euro auf Lieferanten, 40.000 bis 50.000 Euro auf den Vermieter.

Stand: 25.02.2020 , 14:07

https://kurier.at/chronik/oesterreich/r ... /400764114

*************************************************


Innsbruck, 25.02.2020/TI/KT
7 S 10/20k
Insolvenz Sixth Heaven Gastro Entertainment GmbH FN492555x


Sehr geehrte Damen und Herren,

die Sixth Heaven Gastro Entertainment GmbH kann ihren laufenden Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen. Vom zuständigen Landesgericht Innsbruck wurde ein Konkursverfahren eröffnet. Da Sie auf der Gläubigerliste aufscheinen, übermittelt Ihnen der AKV EUROPA als staatlich bevorrechteter Gläubigerschutzverband einen Informationsbericht.

Mit dem Auftrag zur Anmeldung Ihrer Forderung bei Gericht übernehmen unsere Juristen für Sie die gesamte Abwicklung des weiteren Insolvenzverfahrens, insbesondere:

// Wahrnehmung sämtlicher notwendiger Gerichtstermine
// Wahrnehmung außergerichtlicher Termine wie zB Gläubigerausschusssitzungen etc.
// Außergerichtliche Abklärung allfälliger Forderungsbestreitungen
// Laufende Berichterstattung über das Verfahren
// Überprüfung der Angemessenheit und Erfüllbarkeit der vorgeschlagenen Sanierungsplanquote
// Einziehung und Weiterleitung der auf Ihre Forderung entfallenden Quote

In diesem Verfahren melden wir für Sie Ihre Forderungen bis EUR 5.000,-- GRATIS an!
Sie bezahlen lediglich die Gerichtsgebühr in Höhe von EUR 23,--.

Unsere Konditionen finden Sie auf www.akv.at und in der Beilage. Für Fragen betreffend einer Forderungsanmeldung kontaktieren Sie uns bitte unter 05 04 1000.

Mit freundlichen Grüßen

AKV EUROPA
Alpenländischer Kreditorenverband


Mag. Johanna Schumacher
Geschäftsstelle Tirol

//AKV INSOLVENZINFORMATION

VERFAHRENSDATEN

GESCHÄFTSZAHL //
7 S 10/20k
GERICHT //
Landesgericht Innsbruck
VERFAHRENSERÖFFNUNG //
25.02.2020
ANTRAG //
Eigenantrag
EIGENVERWALTUNG //
Nein
VERWALTER //
Dr. Esther Pechtl-Schatz, Rechtsanwältin
Rathausstraße 1/II, 6460 Imst
ANMELDEFRIST //
01.04.2020
BERICHTSTAGSATZUNG //
15.04.2020, 09:15 Uhr
PRÜFUNGSTAGSATZUNG //
15.04.2020, 09:15 Uhr
GLÄUBIGERVERSAMMLUNG //
15.04.2020, 09:15 Uhr


UNTERNEHMENSDATEN

NAME //
Sixth Heaven Gastro Entertainment GmbH
SITZ //
Obermarkt 35, 6600 Reutte
RECHTSFORM //
GmbH
FIRMENBUCHNUMMER //
FN492555x
BRANCHE //
Gastronomie
GRÜNDUNG //
11.09.2018
STAMMKAPITAL //
EUR 35.000,00, gründungspriveligiert,
EUR 10.000,00 einbezahlt
GESCHÄFTSFÜHRER //
Pierre Nani, geb. 21.05.1971
vertritt seit 11.09.2018 selbständig
GESELLSCHAFTER //
Diamante-Immo-GmbH, FN489964k
geleistete Stammeinlage EUR 3.000,--

Lory Rainbow Invest AG
geleistete Stammeinlage EUR 2.000,--

Cornelia Füßinger, geb. 10.05.1976
geleistete Stammeinlage EUR 2.000,--

INSOLVENZURSACHEN & VERMÖGEN

Zu den Insolvenzursachen und den aktuellen Vermögensverhältnissen liegen uns derzeit keine genauen Informationen vor. Diese werden im Zuge des weiteren Verfahrens noch genau zu eruieren sein.

Laut den Angaben der Geschäftsführerin sind von dieser Insolvenz 7 Gläubiger mit Gesamtverbindlichkeiten in Höhe von etwa EUR 246.000,00 betroffen.

PROGNOSE

Das Unternehmen ist bereits geschlossen.

https://www.akv.at/insolvenz/1308611/si ... t-gmbh.php

*************************************************


25
Febr. 20
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Insol­venz: Sixth Heaven Gastro Enter­tain­ment GmbH
Letztes Update: 25.02.2020 |
Informationen kopieren
Ober­markt 35, 6600 Reutte
Eröff­nung: 25.02.2020
Anmel­de­frist: 01.04.2020
Bei Fragen sind wir gerne für Sie da.
MMag. Klaus Schaller
insolvenz.innsbruck@ksv.at
+43 50 1870-3030
Insolvenzvertretung anmelden
Basis­daten
KSV1870 Nummer
7782356
Insolvenzart
Konkursverfahren
Insolvenznummer
174728A
Antragsteller
Gläubiger
Gericht
LG-Innsbruck
Geschäftszahl
7S10/20k
Tagsatzung
15.04.2020; 09:15; Zi. 112
Tagsatzungsart
1.Gläubigerversammlung, Prüfungstagsatzung und Berichtstagsatzung
Masseverwalter
Dr. Esther Pechtl Schatz Rechtsanwalt - Rathausstrasse 1, 6460 Imst
Weitere Unternehmensdaten


Pres­se­infor­ma­tion
Gegenstand des Unternehmens:
Gastronomiebetrieb und Bordell unter dem Namen „Sixth Heaven“

Geschäftsführer:
Pierre Nania

Gesellschafter:
Cornelia Füßinger
Lory Rainbow Invest AG
Diamante-Immo-GmbH

Insolvenzursache (lt. Schuldnerangaben) & weitere verfahrensrelevante Daten:
Zu den Insolvenzursachen gibt es bisher aufgrund eines Gläubigerantrages keine detaillierten Informationen. Wir werden in Zusammenarbeit mit der Masseverwaltung die Gründe dieser Insolvenz erheben. Laut Insolvenzantrag ist der Betrieb bereits geschlossen.

Die Angaben konnten in der kurzen Zeit vom KSV1870 noch nicht überprüft werden.

https://www.ksv.at/insolvenzfaelle/sixt ... bh-174728A

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Re: Länderberichte ÖSTERREICH:

#57

Beitrag von deernhh »

„Heimat Fremde Heimat“ über Polizeigewalt und selbstbestimmte Sexarbeit

Am 7. Juni um 13.30 Uhr in ORF 2
Wien (OTS) - Marin Berlakovich präsentiert „Heimat Fremde Heimat“ am Sonntag, dem 7. Juni 2020, um 13.30 Uhr in ORF 2 mit folgenden Themen:

Rassismus und Polizeigewalt

Unter dem Slogan „Black Lives Matter“ (Schwarze Leben zählen) demonstrieren in den USA Menschen gegen den alltäglichen Rassismus und die Polizeigewalt, die in der jüngsten Vergangenheit zum wiederholten Male zum Tod eines Afroamerikaners geführt hat. Auch in Österreich wird Rassismus, vor allem gegenüber Schwarzen, als Problem empfunden. Hierzulande riefen Afro-Österreicher/innen und diverse Gruppen zu einer Kundgebung auf, um auf das brennende Thema aufmerksam zu machen. Ein Beitrag von Ajda Sticker und Mehmet Akbal.

Selbstbestimmte Sexarbeit

In Österreich ist die Prostitution zwar legal und die Menschen verdienen damit als „Neue Selbstständige“ ihr Einkommen, doch stehen Sexarbeiter/innen nach wie vor am Rande der Gesellschaft und müssen mit dem Stigma leben. Besonders deutlich wird das durch die Coronakrise, denn derzeit ist es nicht möglich, arbeiten zu gehen und so stehen viele Sexarbeiter/innen vor dem Nichts. Ajda Sticker hat Menschen getroffen, die selbstbestimmt ihrer Arbeit nachgehen und eine Verbesserung ihrer Situation fordern.

Stopp Sexkauf

„Diese Arbeit hat meine Seele und meinen Körper kaputt gemacht“, erzählt die Ex-Prostituierte Margareta über ihre Erfahrungen in Österreichs Bordellen und Erotik-Studios. Die politische Initiative „Stopp Sexkauf“ fordert nun eine gesellschaftliche Debatte rund um das sogenannte älteste Gewerbe der Welt und eine Gesetzesänderung:
„Wir sollten uns endlich den Schweden und Franzosen anschließen und den Sexkauf verbieten“, erklärt Sprecherin Anita Kienesberger. Das EU-Parlament empfiehlt seinen Mitgliedstaaten seit 2014 das „nordische Modell“ anzunehmen. Čedomira Schlapper berichtet.

Frauen- und Männerberufe

Seit Jahren versucht die Politik durch Förderprogramme und Aufklärung junge Menschen für geschlechtsatypische Berufe zu begeistern. Dazu braucht es jedoch Rollenbilder. Eine männliche Hebamme und eine Kranfahrerin erzählen darüber, wie es ist, 2020 in atypischen Berufsfeldern zu arbeiten und welchen Hürden sie dabei immer noch begegnen müssen. Ein Beitrag von Adriana Juric und Silvana Meixner.

https://www.ots.at/presseaussendung/OTS ... -sexarbeit

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Re: Länderberichte ÖSTERREICH:

#58

Beitrag von Zwerg »

deernhh hat geschrieben:
04.06.2020, 15:34
„Heimat Fremde Heimat“ über Polizeigewalt und selbstbestimmte Sexarbeit

Am 7. Juni um 13.30 Uhr in ORF 2
Wien (OTS) - Marin Berlakovich präsentiert „Heimat Fremde Heimat“ am Sonntag, dem 7. Juni 2020, um 13.30 Uhr in ORF 2 mit folgenden Themen:


Selbstbestimmte Sexarbeit

In Österreich ist die Prostitution zwar legal und die Menschen verdienen damit als „Neue Selbstständige“ ihr Einkommen, doch stehen Sexarbeiter/innen nach wie vor am Rande der Gesellschaft und müssen mit dem Stigma leben. Besonders deutlich wird das durch die Coronakrise, denn derzeit ist es nicht möglich, arbeiten zu gehen und so stehen viele Sexarbeiter/innen vor dem Nichts. Ajda Sticker hat Menschen getroffen, die selbstbestimmt ihrer Arbeit nachgehen und eine Verbesserung ihrer Situation fordern.
Mit Forenbeteiligung!

Unsere geschätzte Thorja und meine Zwerghaftigkeit versuchen unsere Standpunkte einzubringen.

Liebe Grüße

christian

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hapebe
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Re: Länderberichte ÖSTERREICH:

#59

Beitrag von hapebe »

Neue Lockerung: Prostitution in Österreich ab 1. Juli wieder erlaubt
Untersuchungen finden bereits seit 8. Juni wieder statt - Hygiene- und Schutzempfehlungen werden noch erarbeitet.

Ab 1. Juli ist in Österreich, wie berichtet, Prostitution wieder erlaubt. Jener Paragraf der geltenden "COVID-19-Lockerungsverordnung", der das Betreten von Bordellen und Laufhäusern untersagt, entfällt mit Ablauf des 30. Juni 2020. Die Einrichtungen können somit ab kommenden Mittwoch wieder betreten werden, bestätigte das Gesundheitsministerium der APA.

Aktuell werden vom Ministerium gemeinsam mit Vertretern von Selbstorganisationen und Beratungsstellen Hygiene- und Schutzempfehlungen erarbeitet. Rund 8.000 Sexarbeiterinnen sind in Österreich registriert. Sie waren von der Coronakrise finanziell besonders stark betroffen und hatten als Selbstständige Anspruch auf Leistungen aus dem Härtefallfonds.

3.500 Sexarbeiterinnen in Wien gemeldet

"Wir begrüßen es, dass Sexarbeit wieder erlaubt wird", sagte Eva van Rahden, Leiterin der Beratungsstelle für Sexarbeiter "Sophie" der Volkshilfe Wien. "Einige Frauen haben bereits Termine mit Kunden ausgemacht", sagte van Rahden. Seit 8. Juni finden in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland wieder die Pflichtuntersuchungen bei Amtsärzten und Ambulatorien für Sexarbeiter statt. Auch in Niederösterreich und dem Burgenland werden die Untersuchungen bereits durchgeführt, sagte van Rahden im Gespräch mit der APA. In Wien müssen sich Sexarbeiter beim Polizeikommissariat Innere Stadt am Deutschmeisterplatz registrieren, auch das ist bereits wieder möglich. Rund 3.500 Sexarbeiterinnen sind in Wien gemeldet.

Von den zuständigen Bezirksverwaltungsbehörde wird nach der Untersuchung ein Lichtbildausweis, der sogenannte Deckel, ausgestellt. Ein Teil der Untersuchungen muss alle sechs Wochen wiederholt werden, im Abstand von zwölf Wochen ist die Blutuntersuchung auf Syphilis und HIV zu absolvieren.

Prekäre Situation durch Krise

Während der Coronakrise haben sich Sexarbeiter schlecht informiert gefühlt, sagte die Leiterin der Beratungsstelle. Vereinzelt haben sie bei "Sophie" auch vorgebracht, dass sie trotz Verbots am Straßenstrich weitergearbeitet haben, weil es keine soziale Absicherung gab. "Wir wissen aber von ganz vielen Frauen, dass sie die Regelungen ernst genommen und sich daran gehalten haben", sagte van Rahden.

Bei zahlreichen Sexarbeitern hat sich in der Krises die prekäre Situation nochmals verschärft. Die Volkshilfe Wien, zu der die Beratungsstelle gehört, hat mehr als 300 Lebensmittelpakete und Gutscheine an Betroffene ausgegeben. Laufend kommen Frauen und holen diese ab, sagte van Rahden. Viele sind auch bereits wieder aus dem Ausland nach Österreich gereist, wodurch ihnen laufende Kosten entstanden, ebenso durch die Untersuchungen.

https://kurier.at/amp/politik/inland/ne ... /400950512
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deernhh
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Re: Länderberichte ÖSTERREICH:

#60

Beitrag von deernhh »

Mi., 9. Sep.. 2020 von Evelin Past
Sexarbeit in Corona-Zeiten

"Wenn eine Fußpflege möglich ist, dann müssen auch sexuelle Dienstleistungen möglich sein"

Prostitution - Sexarbeit in Corona-Zeiten
© Bild: istock images

Während des Lockdowns gab es viel Unsicherheit. In der Krisenkommunikation der Regierung fand der Bereich Sexarbeit kaum Beachtung. Doch seit zwei Monaten laufen die Geschäfte wieder. Wie hoch die Nachfrage ist, was sich verändert hat und welche Perspektiven sich die Frauen und Männer im Rotlichtmilieu wünschen.

Es gab Massenübertragungen bei Gottesdiensten, in Fleischfabriken und auf Après-Ski-Partys. Aber nicht in Bordellen. Verwunderlich? In der Regel sind dort immer genau zwei Menschen miteinander in Kontakt.

Körpernahe Dienstleistung
Das sah offenbar auch der Bund so und hat mit Anfang Juli das Betreten von Prostitutionslokalen in Österreich wieder erlaubt. "Wir haben diese Entscheidung sehr begrüßt. Es geht um die Existenz der Sexarbeiter", sagt Eva van Rahden, Leiterin von Sophie, der Beratungsstelle für Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter der Volkshilfe Wien. Wenn eine Massage oder eine Fußpflege möglich sei, dann müssen auch sexuelle Dienstleistungen wieder möglich sein. "Nur weil es um Sexualität geht, andere Voraussetzungen zu schaffen, sehen wir kritisch" ergänzt sie.

Wie sehen die Schutzmaßnahmen in Bordellen aus?

Unklar war zu jenem Zeitpunkt aber, welche genauen Regelungen in den Etablissements nun im Detail getroffen werden mussten. Inzwischen liegt ein offizieller Hygieneleitfaden des Gesundheitsministeriums vor. Dieser empfiehlt etwa, das sowohl der Kunde als auch die Sexarbeiterin, der Sexarbeiter eine Maske tragen soll. Desinfektionsmittel soll zur Verfügung gestellt werden. Matratzenbezüge seien nach jedem Kundenkontakt zu wechseln.

Kunden und ihre wahre Identität
Seitens des Gesundheitsministeriums werde darüber hinaus empfohlen - ähnlich wie in der Gastronomie - Kontaktdaten zu erheben. Aber wie realistisch ist das in einem Bordell? "Es gibt Bereiche in der Sexarbeit, wo die Frauen Kontaktdaten haben. Einfach weil schon vor dem Besuch im Studio telefoniert wird. Weil man sich kennt", erklärt Eva van Rahden. Schwieriger sei es bei einer Anbahnung am Straßenstrich." Doch van Rahden relativiert: "Es sind immer Einzelkontakte. Es ist ja nie eine große Gruppe, die im Nachhinein informiert werden muss."

Sexualpraktiken - die Empfehlung des Ministeriums
Zudem wird auf die Sexualpraktiken hingewiesen. Hier der Originaltext: "Aufgrund der Virusübertragung durch Speicheltröpfchen wird empfohlen, auf jegliche Formen des Speichelaustauschs, Küssen und Oralsex sowie einander zugewandte Sexpositionen zu verzichten.

»Von Gruppensex raten wir ab«
Wird dennoch Oralsex praktiziert, soll ein Kondom oder Lecktuch verwendet werden und sind in der Folge Gesicht und Körperteile, die miteinander in Kontakt gekommen sind, zu waschen. Sexuelle Kontakte sollen lediglich zwischen zwei Personen stattfinden, von Gruppensex wird abgeraten."

Wie läuft es in der Praxis ab?
An die neue Hygieneempfehlungen und Schutzmaßnahmen halten sich rund 8.000 Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter, die in Österreich registriert sind. "Grundsätzlich habe ich das Gefühl, dass eine sehr hohe Disziplin herrscht. Viele Kunden tragen bereits beim Betreten des Bordells eine Maske. Und bei Vorgesprächen sowie im Barbereich wird die Abstandsregel eingehalten", schildert Eva van Rahden. Doch so richtig in Schwung will das Geschäft nicht kommen. Seit der Krise komme es häufiger vor, dass Kunden kurzfristig Termine absagen oder dass einfach weniger Buchungen erfolgen. Es gebe aber auch Frauen die sagen es laufe "super". "Es ist sehr unterschiedlich. Wir sind immer noch in der Situation, dass wir die Frauen mit humanitärer Hilfe unterstützen,“ fasst Eva van Rahden von der Volkshilfe in Wien zusammen.

So wurden die Sexarbeiterinnen während der Krise kreativ
Wie in anderen Branchen wurden auch die Sexarbeiterinnen während der Krise kreativ. So werden nun Auto-Peep-Shows oder das darstellende Spiel der Masturbation angeboten. Eine sichere Variante, denn hier kann der erforderliche Abstand problemlos eingehalten werden, sagt Christian Knappik, ehrenamtlicher Lobbyist und Gründer des Sexworker.at-Forums.

Schattendasein und Stigmatisierung
Die Coronakrise habe aufgezeigt, wo es in Österreich prekäre Arbeitsverhältnisse gibt. Laut Knappik gebe es in der Bundeshauptstadt derzeit 350 bewilligte Bordelle oder Studios. Zusätzlich noch zehn Laufhäuser mit jeweils 15 Zimmern. Demnach komme man auf maximal 1.500 legale Indoor-Arbeitsplätze mit Bordellgenehmigungen. Die Schätzungen hierzu gehen jedoch stark auseinander. So sollen allein in Wien täglich bis zu 10.000 Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter legal und illegal aktiv sein, wie aus der Seminararbeit Politikwissenschaften der Uni Wien "Sexarbeiter_innen in Wien während der Corona-Krise“ hervorgeht.

Härtefallfonds für Prostituierte?
Fakt ist: Sexarbeit ist Arbeit. Das Berufsverbot während des Lockdowns hat in vielen Fällen absolute Einkommensverluste nach sich gezogen. Zum Härtefallfonds hatten nur manche Frauen Zugang. Ein großer Teil scheiterte an der Bürokratie, obwohl sie Steuern zahlen. So gebe es Frauen, die dem Bordell-Betreiber zwar Pauschalsteuern zahlen, dann aber keine eigene Steuernummer haben. Ohne Steuernummer könne man kein Geld aus dem Härtefallfonds anfordern.

© istock images

Zwischen Sex und Bürokratie
Es gebe auch Fälle, bei denen Banken in Österreich den Frauen ein Bankkonto verweigern, nur wegen ihrer Compliance-Regeln. Das ist ein Problem. Denn das Finanzministeriums besteht auf eine inländische Kontoverbindung. Es sei für die Frauen generell schwer zu belegen wie hoch die Einnahmen sind und wie hoch der Ausfall ist. "Wir versuchen in unseren Beratungen mit den Frauen zu klären, was es braucht, damit sie das nächste Mal Anspruch auf den Härtefallfonds haben und ihnen so eine Perspektive zu bieten", sagt Eva van Rahden.

Das größte Problem der Prostituierten
Eine Branche die selten Wertschätzung erfährt, musste gerade in dieser Zeit erleben, wie schnell sie in wirtschaftliche Notlage gerät. Doch abgesehen davon, bleibe das größte Problem für die Sexarbeiterinnen, die Stigmatisierung durch die Gesellschaft. "Ich muss leider sagen, dass diese Krise dazu geführt hat, dass gerade diese sogenannten „Stoppsexkauf-Aktivisten“ an Boden gewonnen haben." Frei nach dem Motto:"Jetzt sind die Bordelle zu, da können wir sie ja gleich zu lassen".

Sex und Einsamkeit
Ein völlig falscher Ansatz, davon ist die Leiterin der Beratungsstelle Sophie überzeugt: "Wir leben in einer Gesellschaft, in der Einsamkeit ein großes Thema ist. Körperliche Nähe und Intimität sind wichtige Bereiche, die zu einem gesunden Leben dazugehören." Und noch mehr: Sexualität verändere sich in unserer Gesellschaft und das führe langfristig auch zu einer Veränderung im Bereich Sexarbeit.

https://www.news.at/a/prostitution-sexa ... n-11647307

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