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 fraences fraences setzt sich aktiv für die Rechte von SexarbeiterInnen ein
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BeitragVerfasst: 2011-12-07, 15:28  Beitrag #1/5     Titel:  LokalNachrichten: OLTEN & AARGAU (CH)  Nach untenNach oben

Oltner Stadtrat beschliesst Verkehrsmassnahmen gegen den anderen «Verkehr»

Da der Strassenstrich per Gesetz nicht grundsätzlich verboten ist, nimmt der Oltner Stadtrat nun den Umweg über Verkehrsmassnahmen. (Symbolbild; della Bella/Keystone)
Quelle: az Limmattaler Zeitung
Der Oltner Stadtrat möchte die in der letzten Zeit wieder wachsende Strassenprostitution eindämmen und passt zu diesem Zweck das Verkehrsregime an. Unter anderem sollen es Zufahrtsbeschränkungen an der Haslistrasse richten.

In Olten ist die Zahl der Prostituierten wieder stark angestiegen, laut Stadtpolizei insbesondere aus Ungarn, Polen, Bulgarien und anderen südöstlichen Ländern. Je nach Wetter warten bis zu 50 Sexarbeiterinnen auf ihre Freier, nach dem Zahltag am Monatsende jeweils noch mehr.

Gerade deshalb reicht der ausgeschiedene Strassenabschnitt von 328 Metern an der Haslistrasse für die Prostituierten nicht mehr. Es kommt zu Streitigkeiten und Rivalitäten. Infolgedessen wurde festgestellt, dass sich die Frauen immer mehr auch auf der Tannwaldstrasse bin hin zum Geissfluhweg anbieten.

Reklamationen häufen sich

Es kommt daher nicht von ungefähr, dass sich auch Reklamationen von Anwohnenden und Geschäftsbetrieben des Oltner Industriequartiers in letzter Zeit gehäuft haben. Zudem soll nach der positiven wirtschaftlichen Entwicklung an der Industriestrasse auch die Haslistrasse für investititionsfreudige Unternehmer attraktiver werden. Doch die Gesetzeslage ist klar: Grundsätzlich ist die Strassenprostitution auf öffentlichem Grund in der Schweiz erlaubt.

Kreisel der Haslistrasse werden gesperrt

Der Stadtrat schwenkt daher auf einen Umweg ein: Sie hat nun eine Anpassung des Verkehrsregimes beschlossen und nimmt damit einen gezielten Eingriff gegen die Freier vor, um den Strassenstrich einzugrenzen. Einerseits werden die beiden Kreisel Ost und West an der Haslistrasse definitiv gesperrt.

Durch diese Massnahme werden an diesen Standorten keine Prostituierten mehr stehen, da es den Freiern verunmöglicht wird, diese Strassenabschnitte zu befahren. Zudem wird es den Freiern dadurch erschwert an der Haslistrasse zu kreisen. Die Gewerbetreibenden können durch eine elektronische Steuerung der Barrieren jederzeit zu ihren Standorten zufahren.

Zeitweilige Sperrung der Tannwaldstrasse

Zweitens wird die Zufahrtsbeschränkung Tannwaldstrasse, die eigentlich erst auf Eröffnung der Umfahrungsstrasse mit dem Projektnamen ERO geplant ist, sofort mit einer zeitlichen Beschränkung von 20 Uhr bis 5 Uhr eingeführt. Es gilt damit auf der Tannwaldstrasse das gleiche Verkehrsregime wie auf der Industriestrasse. Die Polizei will die zeitweilige Zufahrtsbeschränkung der Tannwaldstrassen mit einfachen Mitteln sicherstellen.

http://www.aargauerzeitung.ch/solot....anderen-verkehr-117079750


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Verfasst: 2011-12-07, 15:28  Beitrag #     Titel:  Nach untenNach oben

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BeitragVerfasst: 2013-03-16, 01:51  Beitrag #2/5     Titel:  RE: LokalNachrichten: OLTEN & AARGAU  Nach untenNach oben

Stadt Olten will keine Strassenprostitution am Nachmittag

Die Stadt Olten beschliesst ein Verbot der Strassenprostitution von morgens 5 Uhr bis abends 20 Uhr.
Der Oltner Stadtrat schränkt den Strassenstrich an der Haslistrasse ein. Er beschloss ein Verbot von morgens 5 Uhr bis abends um 20 Uhr. Dies nachdem sich Prostituierte bereits am frühen Nachmittag anboten.


Die Stadt Olten schränkt den Strassenstrich im Industriegebiet in der Nähe des Bahnhofes ein. Der Stadtrat hat ein Verbot der Strassenprostitution von morgens 5 Uhr bis abends 20 Uhr beschlossen. Die Sexarbeiterinnen bieten sich teilweise bereits am frühen Nachmittag an. Zurzeit sind an Nachmittagen bis zu 15 Prostituierte unterwegs; nach dem Zahltag sind es noch einige mehr, wie der Stadtrat am Donnerstag mitteilte.

Das vorläufig für die Dauer eines Jahres geltende Verbot betrifft die Haslistrasse im Industriegebiet. Diese Strasse wird am Tag von Familien und Schülern sowie von Kunden und Lieferanten der dort ansässigen Gewerbetreibenden genutzt.

Frauen weichen nach Olten aus

Die Strassenprostitution ist gemäss Stadtrat nicht nur saisonal starken Schwankungen unterworfen. Wenn die Behörden in anderen Städten Verbote erlassen, so weichen die dortigen Sexarbeiterinnen oft nach Olten aus. Bereits 2011 hatte der Stadtrat versucht, den Strassenstrich einzudämmen. An den Wendekreiseln der Strasse im Industriegebiet liess er stationäre Schranken installieren. Diese Schranken sind während der Zeit von 20 bis 5 Uhr geschlossen. Sie unterbrechen die "Endlosschlaufe" des motorisierten Individualverkehrs der Freier und Gaffer. Diese Massnahmen wirkten laut Stadtrat aber nur für kurze Zeit. Die Wandlungs- und Anpassungsfähigkeit des Milieus sei unterschätzt worden. Seit dem vergangenen Sommer kompensierten die Frauen diese Restriktionen durch längere Präsenzzeiten.

Stadtrat will Sicherheit garantieren

Prostitution ist grundsätzlich legal und steht unter dem verfassungsmässigen Schutz der Wirtschaftsfreiheit, wie der Stadtrat festhält. Ein generelles Verbot der Strassenprostitution wäre deshalb mit dem übergeordneten Recht nicht vereinbar. Die Strassenprostitution kann aber wie jede andere wirtschaftliche Tätigkeit gewissen Einschränkungen unterworfen werden, etwa zum Schutz der öffentlichen Ordnung. Im Fall des Strassenstrichs begründet der Stadtrat die Einschränkungen mit der Sicherheit im öffentlichen Raum.

www.aargauerzeitung.ch/solothurn/ol....n-am-nachmittag-126245941


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BeitragVerfasst: 2014-11-28, 12:34  Beitrag #3/5     Titel:  (Kein Titel)  Nach untenNach oben

28.11.2014

«Perversen Freiern Tor und Tür geöffnet»

Ein Brief macht in Baden Stimmung gegen ein neues Fetisch-Studio. Der Verfasser sorgt sich um die Kinder im Quartier. Die Betreiberin spricht von einer «Hetzkampagne».


Sie heissen Lady Vivienne oder Contessa Patricia della Corte - die Dominas, die in einem neuen Fetisch-Studio in einem Gewerbegebäude in Baden-Dättwil ihre Dienste anbieten. Auf der Website sind Sextools, Masken und besondere Stühle abgebildet. Man liest im Angebot aber auch von einem Areal, «das jedem Latexisten die Sinne und den Verstand raubt».

Dies ist offenbar zu viel für gewisse Badener: In der Stadt kursiert ein Brief, der das neue Studio anprangert. Der Verfasser schreibt, damit seien «perversen Freiern Tor und Tür geöffnet worden». Auch gebe es suspekte Gestalten in der Gegend - wer wisse, ob diese auch Kinder auf der Strasse ansprechen.

«Gut situierte Menschen»

Die Betreiberin des Studios hält das Ganze für eine Hetz- und Angstkampagne: «Es gibt keine suspekten Gestalten, die für Kinder gefährlich sind», sagte sie der «Aargauer Zeitung». Ihre Kunden seien gut situierte Menschen, die einen Leder- oder Lack-Fetisch hätten. Sie betont: «Wir sind kein Bordell und unsere Kunden sind keine Freier, sondern Fetischisten.»

Auch Andy Bauer, Präsident der IG Dättwil, sagt: «Dass in dieser Gegend suspekte Gestalten kursieren sollen, ist mir neu.» Das Studio befinde sich in der Nähe des Industriequartiers. Bauer: «So lange keine Anwohner gestört werden, kann und muss man damit umgehen.»

http://www.20min.ch/schweiz/zuerich....-Tuer-geoeffnet--21419188


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BeitragVerfasst: 2016-09-01, 00:14  Beitrag #4/5     Titel:  RE: LokalNachrichten: OLTEN & AARGAU (CH)  Nach untenNach oben

30.08.2016
KRITIK AN "SEX OHNE GUMMI"-BEITRAG ABGEWIESEN

Der "Rundschau"-Beitrag habe keine journalistische Maengel, urteilt die SRG-Ombudsstelle.

Die Solothurner Prostituierten-Fachstelle Lysistrada ist mit einer Beschwerde gegen die "Rundschau" abgeblitzt. Der Beitrag "Sex ohne Gummi" habe keine journalistische Maengel, schreibt die stellvertretende SRG-Ombudsfrau in ihrem am Dienstag veroeffentlichten Bericht.

Einseitig, reisserisch, unfair und teilweise inhaltlich falsch: Die Beratungsstelle Lysistrada zeigte sich in ihrer Beschwerde empoert ueber einen "Rundschau"-Beitrag ueber die Sexarbeiterinnen in Olten. Die Lysistrada-Verantwortlichen kritisieren, dass mit dem Bericht "Sex ohne Gummi" die Persoenlichkeitsrechte der Frauen verletzt worden seien.

Ihre Sicht habe keine Erwaehnung gefunden. Zudem sei die Auswahl der Interviewpartner schlecht gewesen. Von einem Staatsmedium muesse man doch erwarten koennen, dass es sich vorgaengig bei der Fachstelle "nach dem geeigneten Vorgehen" erkundige. Als "hoechstproblematisch" bezeichnete Lysistrada zudem die Aufnahmen mit versteckter Kamera auf dem Strassenstrich in Olten.

Dabei habe sich die "Rundschau" nicht einmal die Muehe gemacht, die Stimmen der Prostituierten zu verzerren, so dass sie nun gut zu identifizieren seien. Zudem habe man so Freiern aus der ganzen Schweiz gezeigt, welche Frauen zu Sex ohne Kondom bereit seien.

"EINE FRAU KAUFEN"

Die stellvertretende Ombudsfrau Sylvia Egli von Matt sieht im "Sex ohne Gummi"-Bericht allerdings keine besonderen journalistischen Maengel. Es gelte die redaktionelle Freiheit. Die Redaktion entscheide, mit wem sie Gespraeche fuehre und wie sie den Beitrag gestalte. Die Frauen seien durchaus zu Wort gekommen, schliesslich haetten die Journalisten mehrere Sexarbeiterinnen befragt.

Bei der versteckten Kamera seien die Frauen optisch gut geschuetzt gewesen. Eine akustische Verzerrung sei dabei nicht notwendig gewesen. "Sie akustisch zu erkennen, duerfte schwierig bis unmoeglich sein."

Gleicher Meinung wie die Beratungsstelle ist die Ombudsfrau nur bei einer sprachlichen Feinheit: Die Formulierung "sich eine Frau kaufen" sei unklug und unkorrekt, schreibt von Matt. Gekauft werde Sex, nicht die Frau. Lysistrada argumentierte, wer zur Massage gehe, kaufe schliesslich auch keinen Masseur. (sda/wid)

www.persoenlich.com/medien/prostitu....elle-blitzt-mit-kritik-ab

www.solothurnerzeitung.ch/solothurn....ombudsstelle-ab-130529020


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BeitragVerfasst: 2017-03-05, 15:27  Beitrag #5/5     Titel:  RE: LokalNachrichten: OLTEN & AARGAU (CH)  Nach untenNach oben

1. Januar 2017, 18:37 Uhr


In Osteuropa leben sie in Armut und haben oft schon Missbrauch erlebt. Das macht die Mädchen zu idealen Opfern für Zuhälter, die sie in die reiche Schweiz locken.

Von Charlotte Theile, Solothurn

Das Schlimmste an der Geschichte von Anikó* ist ihre Alltäglichkeit. Vor 25 Jahren wurde sie in einem der ärmsten Dörfer Ungarns geboren, sie gehört zur Minderheit der Roma. Schon als Kind erlebte sie Gewalt und sexuellen Missbrauch. Anikó war 16, als sie von zu Hause weglief. Mit 17 Jahren bekam sie ihr erstes Kind, mit 19 das zweite. Sie lebte bei ihrem Partner und dessen
Mutter, keiner hatte Arbeit, keiner eine berufliche Perspektive. Als ihr Partner sie mit ihrer Schwester betrog, kehrte Anikó zu ihrer Mutter in das Heimatdorf zurück. Doch ihre Familie wollte sie nicht länger unterstützen.
"Der einzige Ausweg, um sich und ihre Kinder durchzubringen, schien die Prostitution zu sein", sagt Jan Gutzwiller. Er ist Leitender Staatsanwalt im nordwestschweizerischen Kanton Solothurn, er ermittelt in Anikós Fall. Vor ihm stehen Plastikgläser mit Mineralwasser, Gesetzbücher, aufgeschlagene Aktenordner. Er nennt diesen Fall, weil er so typisch ist für die Schicksale, die ihm in der Verfolgung von Menschenhandel jeden Tag begegnen. "Es sind Muster, die für fast alle Opfer gelten: Perspektivlosigkeit. Missbrauch. Zugehörigkeit zu einer ethnischen Minderheit. Existenzielle Armut. Und noch etwas ist typisch: Fast alle Frauen, die uns hier begegnen, sind junge Mütter."
Die Schweiz spielt beim Thema Menschenhandel eine große Rolle als Zielland
Wie viele dieser Frauen - häufig aus Osteuropa - irgendwann auf einem Straßenstrich im Westen landen? Dazu gibt es nur Schätzungen. In der EU weist man 10 000 registrierte Fälle aus (Zahl von 2010), die UN gehen weltweit von 40 000 Fällen aus. Im Oktober veranstaltete Interpol eine internationale Konferenz zum Menschenhandel im schweizerischen Lugano. Die Schweiz spielte dort eine große Rolle als Zielland. Die Zürcher Fachstelle Frauenhandel und Frauenmigration (FIZ) betreute 2015 knapp 230 Frauen, die Opfer von Menschenhandel geworden sind, räumt aber ein, die genaue Zahl der Betroffenen nicht zu kennen.


Gutzwiller verfolgt allein im Kanton Solothurn jedes Jahr ein gutes Dutzend Fälle, alle betreffen Sexarbeit. Erst seit Kurzem wird in der Schweiz "Arbeitsausbeutung", etwa in der Pflege oder auf Baustellen, verfolgt. Doch noch ist die Sensibilität gering. Im Jahr 2014 wurden nur 46 Fälle erfasst. Das zeigt: Wenn man Menschenhandel nicht verfolgt, bemerkt man ihn nicht. Gutzwillers Team besteht aus drei Personen. In vielen Kantonen gibt es gar keine Ermittlerteams - und deshalb auch kaum Fälle. "Es kann nicht sein, dass es vom Kanton abhängt, also Glückssache ist, ob man als Opfer von Menschenhandel erkannt wird oder nicht", heißt es von der FIZ.
"Wenn wir Beschuldigte fragen, warum sie mit ihren Prostituierten in die Schweiz kommen, heißt es immer, man verdiene hier einfach am besten", sagt Cony Zubler, die mit Gutzwiller ermittelt. Wer wie Anikó aus einem EU-Staat kommt, kann in der Schweiz legal der Prostitution nachgehen - und deutlich höhere Preise verlangen als in Deutschland oder Frankreich. Das gilt auch für Prostituierte, die nicht Opfer von Menschenhandel sind. "Viele Frauen merken lange nicht, dass sie Opfer von Ausbeutung sind", sagt Gutzwiller. Selbst wenn sie den Großteil ihrer Einnahmen abgeben müssen, können sie in ihren Augen gutes Geld nach Hause schicken."

Im Frühling 2012, Anikó ist noch nicht 21, reiht sie sich zum ersten Mal in den Straßenstrich ihres ungarischen Nachbarortes ein. Bald gerät sie in die Gewalt eines Zuhälters. Er verschleppt sie in eine andere Ortschaft und lässt sie dort für sich anschaffen. Anikó wendet sich an die Polizei - vergeblich. Die Verbindungen ihres Zuhälters zu den Beamten sind gut. "Das ist auch für uns ein großes Problem", sagt Gutzwiller. Die Frauen hätten zuerst große Zweifel, ob sie der Polizei vertrauen könnten - und die Schweizer Ermittler wissen beim Kontakt mit den Heimatländern häufig nicht, wie viel sie den Polizisten dort mitteilen können. Im Herbst 2012 scheint es, als hätte Anikó Glück. Ein Freier verhilft ihr zur Flucht, sie kommt bei einer Frau unter, Erzsebét*. Die macht ihr ein verlockendes Angebot: die Schweiz. Dort könnte Anikó auf eigene Rechnung arbeiten und richtig viel Geld verdienen.
"Sie greifen nach dem letzten Strohhalm. Alles erscheint ihnen besser als das, was sie haben"
"Am Anfang habe ich mich immer gefragt: Ist das glaubhaft, dass jemand so naiv ist? Sich nie erkundigt, wie die Arbeitsbedingungen sein werden?" Gutzwiller schüttelt den Kopf. Einfach mitkommen, wenn jemand das große Geld verspricht. Kann das sein? "Inzwischen habe ich verstanden: Diese Frauen haben oft wenig Bildung, kennen vielleicht nur ihr Heimatdorf. Sie greifen nach dem letzten Strohhalm. Alles erscheint ihnen besser als das, was sie haben." Erzsebet und Anikó fahren in die Schweiz.
In Olten im Kanton Solothurn erfährt Anikó, dass sie von den Hunderten Franken, die sie jede Nacht verdient, nichts behalten darf. Erzsebét nimmt ihr alles weg - und diktiert ihr, welche Dienstleistungen sie anbieten muss. "Man fragt sich vielleicht, warum Anikó nicht direkt davongelaufen ist", sagt Gutzwiller. "Aber wenn man sich in ihre Lage versetzt, wird klar: Sie kann die Sprache nicht, sie kennt niemanden, sie hat Angst vor der Polizei, kein Geld. Sie ist verloren, ausgeliefert."
Im November 2012 verkauft Erzsebét die junge Frau für tausend Franken an zwei Landsmänner. Das sei ein üblicher Preis, sagt Gutzwiller. "Wenn die Zuhälter eine Frau loswerden wollen, weil sie nicht mehr genug Profit mit ihr machen, verkaufen sie sie hinter ihrem Rücken. Mir ist ein Fall bekannt, da wurden nur 200 Euro gezahlt." Dieser "Menschenhandel in Reinkultur", wie Gutzwiller es nennt, bringt Anikó in eine noch schlimmere Situation. Auch ihre neuen Zuhälter nehmen ihr alles Geld weg, schreiben ihr vor, was sie tun muss. Ein Zuhälter vergewaltigt sie, immer wieder kommt es zu Gewalt.
Bis Gutzwiller und Zubler Aussagen wie diese bekommen, vergeht viel Zeit. "Es kommt vor, dass eine Frau erst in der zehnten Sitzung, wenn sie Vertrauen gefasst hat, von einem Vorfall berichtet", sagt Zubler. Die Staatsanwaltschaft Solothurn hat eine Eigenheit: "Wir führen alle Opferbefragungen selbst durch", sagt Gutzwiller. Normalerweise macht die Polizei die Vernehmungen. "Doch ich habe die Philosophie, dass wir unser wichtigstes Beweismittel, die Aussage des Opfers, nicht aus der Hand geben sollten." Gutzwiller ist überzeugt, dass sich dieser Aufwand lohnt.
Unterdrückung durch Zuhälter ist normal für viele Frauen aus patriarchalischen Gesellschaften
Auch bei Anikó ist das so: Ihre Aussagen sind detailliert und überprüfbar. Wer lügt, erfindet in der Regel eine einfache Geschichte, um sich nicht in Widersprüche zu verstricken. Wer die Wahrheit sagt, erzählt komplex, mehrdimensional. Oft sei es so, dass die Opfer die Menschenhändler verteidigten. "Sätze wie: Ich bin ja selber schuld, dass er mich geschlagen hat, ich habe ihn provoziert", höre er immer wieder, sagt Gutzwiller. Auch die Unterdrückung durch die Zuhälter sei für viele Frauen aus patriarchalisch geprägten Gesellschaften normal.
Im Thai-Milieu beobachten die Ermittler dagegen, dass kaum Gewalt nötig ist, um ausbeuterische Bedingungen durchzusetzen. "Da heißt es: Älteren widerspricht man nicht", sagt Zubler. "Der Respekt vor älteren Personen ist in der Thai-Kultur tief verankert." Wenn eine Bordellbetreiberin festlegt, dass man sich 24 Stunden am Tag bereithalten, die Hälfte der Einkünfte abgeben und noch für Anreise, Internetwerbung und Lebensmittel zahlen müsse, nähmen die Jüngeren das hin.
Niedrige Strafen für die Täter
Anikó aus Ungarn aber wehrt sich. Im Frühjahr 2013 gelingt ihr die Flucht von ihren Zuhältern. Heute lebt Anikó mit ihren Kindern in der Schweiz. Sie hat ihre Peiniger von früher angezeigt. Die Verfahren sind fast zu Ende. Erszebét bekam 24 Monate auf Bewährung. Der Zuhälter, der sie vergewaltigt hat, wurde zu 33 Monaten Haft verurteilt, ein Teil davon auf Bewährung. Bei dem zweiten Zuhälter steht das Urteil noch aus, die Staatsanwaltschaft fordert 18 Monate auf Bewährung. Sind das nicht sehr geringe Strafen? Gutzwiller nickt. "Das mag auf den ersten Blick so wirken, ja." Das Verfahren, nach dem die Zuhälter verurteilt wurden, nennt sich abgekürztes Verfahren. Es ist seit 2011 zulässig und besteht, vereinfacht gesagt, aus einem Deal: Staatsanwaltschaft, Beschuldigter und Geschädigte einigen sich auf Strafmaß und Schmerzensgeld. Das geht nur, wenn die Beschuldigten gestehen. Ihre Kooperation führt dann auch zu etwas niedrigeren Strafen. In Anikós Fall hatten die Beschuldigten zunächst alles abgestritten, ihre detaillierten Aussagen aber brachten sie schließlich zu Geständnissen.
Anfangs war das abgekürzte Verfahren umstritten - inzwischen arbeitet Gutzwiller bei Menschenhandelsfällen fast nur damit. "Ich sehe vor allem aus der Opferperspektive große Vorteile. Wir sehen, dass es den Opfern wirklich um Gerechtigkeit geht. Darum, dass jemand feststellt: Dir ist Unrecht geschehen, die Verantwortlichen werden für das, was sie dir angetan haben, zur Rechenschaft gezogen." Die Höhe der Strafe oder des Schmerzensgelds sei zweitrangig. Zudem bleibe den Opfern eine neuerliche, schlimmstenfalls retraumatisierende Befragung vor Gericht erspart.
Ob Anikó und ihre Kinder in ein paar Wochen, wenn der Prozess zu Ende ist, zurück nach Ungarn müssen? Gutzwiller zuckt mit den Schultern: Das gehöre nicht mehr zu seinen Aufgaben. Generell bekommen Opfer eine Kurzaufenthaltsbewilligung für die Dauer des Verfahrens. Nur in Härtefällen dürfen die Frauen in der Schweiz bleiben. Bei Anikó könnte solch ein Fall vorliegen: Ihre Kinder sind in der Schweiz eingeschult worden. Zurück zu ihrer Familie in der alten Heimat? Dahin zieht Anikó nichts mehr zurück. (*Namen geändert)

http://www.sueddeutsche.de/panorama....and-der-traeume-1.3316934


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