Deutsch Österreichischer Aids Kongress Juni07 Frankfurt

Wenn ihr etwas über Events erfahrt, die für eure KollegInnen von Interesse sein könnten - Hier rein damit!
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Alena
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Deutsch Österreichischer Aids Kongress Juni07 Frankfurt

#1

Beitrag von Alena »

Deutsch-Österreichischer Aids-Kongress, Ende Juni 07 Frankfurt


Aids-Kongress

Kondome gehören zum Sex

VON KARL-HEINZ KARISCH

Die Therapien gegen die Immunschwächekrankheit Aids werden immer besser. Gleichzeitig grassiert eine neue Sorglosigkeit. "Es ist alles andere als Entwarnung angesagt", warnte Brigitte Schmied am Dienstag in Frankfurt am Main im Vorfeld des Deutsch-Österreichischen Aids-Kongresses, der Ende Juni stattfindet. Die Wiener Aids-Expertin ist Kongress-Vizepräsidentin.

Zwar gebe es neue Möglichkeiten der Therapie und Diagnose, gleichzeitig sei jedoch auch in Deutschland eine Zunahme der Neuinfektionen zu verzeichnen. Zudem dringe das Virus auch europaweit immer mehr in die normale Bevölkerung vor. In der Ukraine etwa seien die infizierten Frauen in der Mehrzahl. Hier seien, so Schmied, neue Vorsorgestrategien gefordert. Alle Menschen, die ein Risikoverhalten an den Tag legten, müssten wissen, dass Kondome und Sex untrennbar zusammen gehörten.



Brigitte Schmied forderte deshalb einen erleichterten Zugang zu Aids-Tests. Vor allem müssten mehr Schnelltests zur Anwendung kommen. Bei anonymen Tests kommen rund 20 Prozent der Getesteten nicht mehr, um das Ergebnis zu erfahren. Wichtig sei aber, dass die Behandlung möglichst früh einsetze.

"Viele Infizierte kommen erst, wenn die typischen Krankheitssymptome auftreten", berichtet die Wiener Expertin aus ihrer Arbeit. Zu diesem Zeitpunkt sei die HIV-Infektion aber häufig schon an andere Sexualpartner weitergegeben worden.

Eine Verpflichtung sei der Wissenstransfer in arme Länder. "Seit zehn Jahren gibt es hocheffiziente Therapien, die leider nur einem Bruchteil der Menschen zur Verfügung stehen", sagte Brigitte Schmied. Das müsse sich ändern.

Christian Setzepfand, Vorstand der Aids-Hilfe Frankfurt, wies darauf hin, dass Tests zwingend mit einem Beratungsgespräch verbunden sein müssten. Die Betroffenen dürften nicht allein gelassen werden.

Der Deutsch-Österreichische Aids-Kongress wird am 27. Juni in der Frankfurter Paulskirche von Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt eröffnet. Die Festrede hält der US-Aids-Forscher Robert Gallo.

Die größte menschliche Aids-Schleife soll am Freitag, 29. Juni, von 12 bis 13.30 um die Frankfurter Hauptwache gebildet werden.

Infos: www.doeak2007.de


Quelle: Frankfurter Rundschau FR-online.de

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Marc of Frankfurt
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#2

Beitrag von Marc of Frankfurt »

Sexworker-Meeting

Bei dem WELT-AIDS-Kongressen gibt es stets ein Forum für die Interessen der SEXWORKER.





Gibt es ein Kongress-Forum für Sexarbeit?

Nein, habe gerade mit einer lokalen Beratungstelle telefoniert und bin ziemlich hochnäsig abgefertigt worden. "Der Kongress stand ja schon monatelang in der Tagespresse. Die Prostituierten haben nichts organisiert. Wer teilnehmen will muß halt die ganz notmalen Kongressgebühren entrichten und hätte sich normal anmelden müssen..."





Hier die gesellschaftlichen Themen auf dem Kongress:

A1 Epidemiologische Entwicklungen in Deutschland, Österreich, Europa, Afrika und in der restlichen Welt: Daten, Studien

A2 Epidemiologische Daten zu anderen sexuell übertragbaren Erkrankungen mit Zusammenhang zu HIV

A3 Präventionsstrategien, Präventionspolitik, Studien zur Prävention, Prävention bei Adoleszenten, Prävention in Haftanstaltalten

A4 Frauen und AIDS, soziale und ökonomische Situation HIV-infizierter Frauen, HIV-infizierte Mütter, die besondere Situation von Migrantinnen mit HIV-Infektion, Untersuchungen bei Prostituierten und Freiern

A5 Migration und AIDS, die soziale Situation von Migranten mit HIV, der Umgang mit kulturellen und sprachlichen Barrieren in der Behandlungssituation

A6 Untersuchungen zur Ausbreitung und Auswirkung der HIV-Infektion in und außerhalb von Gruppen mit erhöhtem Infektionsrisiko

A7 Pharmaökonomie, die Kosten von AIDS mit und ohne antiretroviraler Therapie

A8 Ökonomische und soziale Auswirkungen der Epidemie

A9 Maßnahmen zur Reformierung des Gesundheitswesens und ihre Auswirkungen auf die medizinische Versorgung

A10 PREP: Präexpositionsprophylaxe mit Microbiziden, mit antiretroviralen Medikamenten und Circumcision zur Verringerung der Transmissionsraten





Programm für Jedefrau und Jederman:

Das Öffentliche Programm von PRINZ - pdf 3 MB, 20 Seiten

Öffentliches Programm




Wer fährt hin?

Welche Östereicher sind vertreten? SOPHIE oder LEFÖ?

Frankfurt ist mit der AIDS-Hilfe natürlich vertreten, zu der auch das KISS gehört, welches sich um Stricher davon insbesondere Migranten kümmert.

Geleitet wird der Kongress u.a. vom Leiter der Frankfurter AIDS-Forschung der Uniklinik der Johan-Wolfgang-Goethe Universität.





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#3

Beitrag von Zwerg »

Leider geht es sich bei mir beruflich nicht aus....

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#4

Beitrag von annainga »

hallo marc,

deine frage, wer hingeht .....
ich weiß erst davon, seit alena den beitrag geschrieben hat (danke @alena)
ich könnte mir vorstellen, hinzufahren, weißt du, wie hoch die kongress-gebühren wären? wirst du dort sein?

liebe grüße, annainga

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Marc of Frankfurt
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#5

Beitrag von Marc of Frankfurt »

schau dir das pdf mit den öffentlichen tagungskostenfreien angeboten an.

tagungspreise stehen auf der homepage, über 100 eur. ermäßigung für selbsthilfegruppen haben wir wie gesagt nicht rechtzeitig eingefädelt.

hurenbewegung hat sich nicht gekümmert. hurenberatungstellenbewegung hat nicht für uns mitgedacht.
:-(
Zuletzt geändert von Marc of Frankfurt am 30.06.2007, 14:42, insgesamt 1-mal geändert.

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Alena
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Weitere Info`s zu dem Aids-Kongreß in Frankfurt

#6

Beitrag von Alena »

Weitere Info`s zu dem Aids-Kongreß in Frankfurt

"Anders denken" in Frankfurt
2.000 Experten werden zum größten deutschsprachigen Aids-Kongress erwartet

(20.06.07) Ein Weltrekordversuch auf der Hauptwache ist die spektakulärste öffentliche Aktion des diesjährigen Deutsch-Österreichischen Aids-Kongresses in Frankfurt. Inhaltlich diskutieren die Experten vom 27. bis 30. Juni aber die aktuellen Entdeckungen in der retroviralen Therapie und widmen sich neuen Präventionskampagnen - und: Sie beziehen die Bevölkerung mit ein.

Das Robert-Koch-Institut erschreckte vor wenigen Tagen mit einer Zahl: Vier Prozent mehr Frauen und (vor allem) Männer haben sich im vergangenen Jahr mit dem HI-Virus angesteckt als noch 2005. Mit 2677 Neuinfektionen in Deutschland zählte das Institut 2006 einen Höchststand - trotz aller "Mach’s mit!"-Kampagnen, trotz der mittlerweile neunzig Aufklärungsspots der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung und trotz aller eindringlichen Safer-Sex-Warnungen in Schule und Gesellschaft. "Das Thema AIDS ist in den letzten Jahren viel zu sehr in den Hintergrund geraten", beklagt die Präsidentin der hessischen Landesärztekammer, Ursula Stüwe. Und Frankfurts Oberbürgermeisterin Petra Roth, in deren Stadt sich im letzten Jahr 58 Menschen neu infiziert haben, warnt: "Die Aids-Panik der frühen Jahre ist einer gefährlichen Unbekümmertheit gewichen."

Die beiden Ehrenpräsidentinnen des Deutsch-Österreichischen Aids-Kongresses 2007 fordern also, in der AIDS-Prävention neu nachzudenken. In Frankfurt, wo die Immunschwächekrankheit vor 25 Jahren erstmals in Deutschland diagnostiziert wurde, kommen Ende Juni zweitausend Forscher und Mediziner, Psychologen und Pflegekräfte im Congress Center der Messe zusammen, um genau dieses zu tun: "anders denken" heißt dieser bedeutendste und größte AIDS-Kongress im deutschsprachigen Raum, der nicht nur neue Präventionsstrategien entwickeln will. Neue Impfstoffe, neue Behandlungsmethoden, neue Therapieansätze stehen vom 27. bis 30. Juni ebenso auf dem Programm. "Es geht darum, die weitere Ausbreitung der Infektion in der Bevölkerung zu begrenzen", nennt der Frankfurter Aids-Forscher Prof. Schlomo Staszewski die wohl dringlichste Aufgabe seines Fachgebietes - neben der Reduzierung der Sterblichkeit bereits erkrankter HIV-Träger und der Verbesserung ihrer Lebensqualität.

Multidisziplinäres Vorgehen ist dazu gefragt, und so bindet der Aids-Kongress weiteres Expertenwissen ein und geht mit ungewöhnlichen Aktionen auch auf die Bevölkerung zu - die spektakulärste ist sicherlich der Weltrekordversuch am Freitag, 29. Juni. Auf Frankfurts Hauptwache wollen rund 3000 Frankfurterinnen und Frankfurter die größte menschliche AIDS-Schleife des Globus nachbilden. Ein Eintrag ins Guinness-Buch winkt, jeder kann teilnehmen.

Am Samstag, 30. Juni, warten Jugendliche dann auf ihren persönlichen "Anpfiff gegen Aids" - für jedes Tor, das beim Straßenfußballturnier vor dem Haupteingang des Congress Centers fällt, erhält das südafrikanische Aids-Projekts "Hope" zehn Euro. Gerade bei Jugendlichen sinkt die Angst vor der Ansteckungsgefahr. Da sie von den klassischen Aufklärungskampagnen nicht mehr ausreichend erreicht werden, gestalteten Schülerinnen und Schüler ab den achten Klassen ihre eigenen Clips und Plakate. Die besten zehn werden am Congress Center ausgestellt, die drei besten werden im Frankfurter Cocoon-Club mit je 1500 Euro prämiert.



Das umfassendste Programm bietet - jenseits des Fachkongresses - zweifelsohne die Kulturreihe "Aids in der Stadt". Mit Filmen, Musik, Kunst und Literatur bringt der Aids-Kongress seine Themen unter die Frankfurter. So zeigt das Kino "Orfeos Erben" den mehrfach ausgezeichneten deutschen Film "Fickende Fische" und das Deutsche Filmmuseum das Dokudrama "Und das Leben geht weiter" mit Stars wie Richard Gere, Phil Collins und Steve Martin sowie andere Dokumentationen. Exklusiv für das Kulturprogramm des Kongresses hat "Lindenstraßen"-Produzent Hans W. Geißendörfer zudem die Erkrankung Benno Zimmermanns in einem eigenen Film ausgekoppelt. Der Frankfurter Radio-DJ Klaus Walter gestaltet mit "Maladie d’Amour" einen multimedialen Abend in der Naxoshalle, und in der Paulskirche dokumentieren acht Fotografen den Kampf gegen die Pandemie in Afrika.

Beim "Aids Public Viewing" geben "Aids-Patienten der Krankheit ein Gesicht": Rund 1000 HIV-Infizierte haben Fragebögen ausgefüllt, die in der Kongresswoche in der Frankfurter Kernstadt plakatiert werden und die die individuelle Infektions- und Krankheitsgeschichte der Patienten erzählen. Sechs Vorträge zu Armut und Abschiebung von Aids-Patienten, "HIV positiv im Knast" oder "Krank in der Illegalität" sensibilisieren auch für tabuisierte Themen.

Afrika und die Finanzierung der Aids-Bekämpfung waren jüngst Thema des G8-Gipfels; die sogenannte "Satellitenkonferenz Aids & Economy" verlängert dieses Wirtschaftstreffen thematisch und verlagert es nach Frankfurt. Am 27. Juni diskutieren Wirtschaftsexperten im Congress Center der Messe darüber, wie die Krankheit die Wirtschaft verändert und wie die Wirtschaft darauf reagiert. "Aids ist mittlerweile nicht mehr nur ein bedrohender, sondern auch ein chancengebender Wirtschaftsfaktor", meinen die Kongressmacher ganz im Sinne des Friedensnobelpreisträgers Muhammad Yunus. Sprecher der Weltbank, des Global Funds und der KfW analysieren den wichtigen Zusammenhang zwischen AIDS und globalen wie lokalen Handels- und Wirtschaftsbeziehungen. So öffnet sich der eigentlich medizinisch dominierte Kongress auch ökonomischen Fragestellungen, die letztlich die entscheidenden Fragen jeder Gesundheitspolitik sind.

Der Fachkongress selbst wird sich ebenfalls den gesellschaftlichen Aspekten von HIV und Aids widmen, zudem den klinischen Fragen der Infektion sowie sogenannter Ko-Infektionen und den neuesten Entwicklungen in der Therapie, Virologie und Immunologie. Traditionell findet am letzten Tag des DÖAK auch das Deutsch-Österreichische Pflegesymposium statt. Und als Besonderheit werden Teile des öffentlichen Kulturprogramms auch in der Kongress-Partnerstadt Wien gezeigt. Gesundheitsministerin Ulla Schmidt wird den Kongress am 27. Juni mit ihrer Rede in der Paulskirche eröffnen.

Harald Ille


Quelle: Frankfurt-live.com

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Marc of Frankfurt
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Tagespresse

#7

Beitrag von Marc of Frankfurt »

Pressespiegel DÖAK





Aids-Kongress
"Anders denken"


Robert Gallo, der Entdecker des Aids-Virus, hat am Mittwochabend in der Frankfurter Paulskirche dazu aufgerufen, die wissenschaftliche Grundlagenforschung zu verstärken. Nur wenn entschlüsselt werde, wie das Virus in das menschliche Immunsystem eingreife, seien auch bessere Therapien und Impfstoffe vorstellbar.

Der US-Virologe eröffnete mit seiner Festansprache den Deutsch-Österreichischen Aids-Kongress (DÖAK), der das Motto trägt "Aids anders denken". Gallo warnte davor, wegen der verbesserten Medikamente die Hände in den Schoß zu legen. "Die großen Epidemien kommen meist plötzlich und unerwartet", sagte er, und verschwänden auch genauso. Bei Aids sei das leider völlig anders, weil das Retrovirus eine ständig andauernde Infektion im infizierten Individuum auslöse. "HIV wird uns begleiten, bis die medizinische Wissenschaft eine Waffe gefunden hat", sagt er. Expertenteams müssten in den hauptsächlich betroffenen Ländern jede Veränderung der HIV-Viren aufspüren, um sich gegen gefährliche neue Varianten zu wappnen.


Für den erkrankten DÖAK-Kongress-Präsidenten Schlomo Staszewski verlas Vizepräsidentin Brigitte Schmied aus Wien seine Rede. Darin fordert er ein "konzertiertes interdisziplinäres und globales Agieren". Alle gesellschaftlichen Kreise müssten eng zusammenarbeiten. Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) begrüßte es, dass der Kongress auch intensiv die Belange von Frauen berücksichtigt, die von HIV-Infektionen immer häufiger betroffen seien. Mit dem Schwerpunkt Migration bekenne sich der Kongress auch zur globalen Dimension der HIV-Pandemie.

An dem größten Aids-Kongress im deutschsprachigen Raum nehmen rund 2000 Experten teil. kal

Quelle:
fr-akutell.de


[hr]


Interview mit Hans Wolf
"Uns war klar, dass es nicht einfach würde"




Bild
Prof. Hans Wolf leitet das Institut für Medizinische Mikrobiologie der Universität Regensburg.


Herr Professor Wolf, weltweit gibt es derzeit mehr als 30 Impfstoffkandidaten, die vor der Infektion mit HIV schützen sollen. Ist das ein Grund zur Hoffnung nach langer Zeit des Scheiterns?

Das Qualität dieser Impfstoff-Kandidaten ist sehr unterschiedlich. Einige sind reine Labormodelle, die kaum Chancen haben, Realität zu werden. Hinter anderen Impfstoffen in der Pipeline stehen große Firmen wie Merck, GSK, Novartis oder Sanofi Pasteur. Man benötigt ja neben dem Know-how zu Design und Konstruktion der Impfkomponente auch die Technik und die Finanzmittel, um größere Mengen an Impfstoff herstellen zu können.

Dennoch wirkt es so, als hätten die großen Pharmakonzerne wenig Interesse an der Entwicklung eines Impfstoffes.

Es ist leider so, dass sich die Firmen von den HIV-Impfstoffen keinen lukrativen Markt versprechen. Um erfolgreich zu sein, muss der Impfstoff sehr preiswert verkauft, möglichst sogar kostenlos abgegeben werden. Für Gotteslohn können Aktiengesellschaften aber nicht arbeiten. Es gibt durchaus interessante Programme, aber das Entwicklungsrisiko ist enorm groß. Wenn sie auf die falsche Karte gesetzt haben, ist die Investition verloren. Das lässt sich leider nicht vermeiden.

Wie wird Ihre eigene Arbeit unterstützt.

Deutschland ist leider Schlusslicht unter den Industriestaaten. Bei uns werden pro Einwohner nur neun Cent für die Erforschung von HIV-Impfstoffen ausgegeben. In der Schweiz sind es 70 Cent und die USA sind mit 7,30 Euro pro Einwohner pro Jahr dabei.

Welche Hauptstrategien gibt es derzeit zur Entwicklung eines Impfstoffs?

In Thailand werden im Rahmen einer Studie rund 100 000 Menschen mit einem Kombinationsimpfstoff der Firmen Sanofi Pasteur und Vax-Gen geimpft. Dieser Impfstoff zielt auf die Produktion von Antikörpern. Allerdings wird diese Studie in der Fachwelt etwas skeptisch gesehen, weil die Vorversuche nicht sehr erfolgreich verlaufen sind.

Sie selbst haben einige vielversprechende Impfstoff-Kandidaten entwickelt. Wie kam es dazu?

Wir haben schon vorher an der Entwicklung von Impfstoffen gearbeitet, vor allem gegen das Eppstein-Barr-Virus, das etwa das Pfeiffersche Drüsenfieber, aber auch das in Südost-Asien weit verbreitete Nasopharynx-Karzinom auslöst. Mitte der 80er Jahre haben wir mit diesem Impfstoff in China Tests gemacht. Damals ist das Bundesforschungsministerium auf uns zugekommen und hat angeregt, dass wir auch mit Aids-Viren arbeiten sollten. Es wurde zugesagt, das zusätzlich zu fördern. Gemeinsam hat unser Team dann entschieden, in die Entwicklung eines Aids-Impfstoffes einzusteigen. Uns war klar, dass es nicht einfach würde und die internationale Konkurrenz groß ist. Wir haben dann in China eine Gegend gefunden, in der nur ein genau definierter Virentyp vorkam. Also genau das Richtige für einen Impfstoffentwickler. An diesem Modellprojekt haben in der Hochphase 28 Arbeitsgruppen aus acht EU-Ländern und China teilgenommen.

Haben sich die Arbeitsgruppen gegenseitig ergänzt?

Es war nicht ganz einfach, aber es sind sehr gute Ergebnisse erzielt worden. Leider konnte das nicht weitergeführt werden, weil wir in Europa eine falsche Förderpolitik haben. Da wird mal dem und mal dem was gegeben. Am Ende besteht die Gefahr, dass aus hervorragenden Ansätzen nichts herauskommt.

Wie viele Impfstoffe haben Sie denn trotz dieser Schwierigkeiten entwickelt?

Wir haben verschiedene für einen Impfstoff passende Oberflächeneiweiße des Aids-Virus identifiziert, die wir in verschiedenen Impfstoffen dem Körper "zeigen" wollen. Diese Gen-Abschnitte können dann mit harmlosen Virenhüllen oder geknüpft an andere Eiweiße als Impfstoff gespritzt werden. Daraus sind vier Kandidaten übrig geblieben, die jetzt am Menschen erprobt werden.

Wann können die ersten Versuche an infektionsgefährdeten oder bereits infizierten Versuchspersonen stattfinden?

Wir hoffen, dass aufgrund der guten Anfangsergebnisse die EU jetzt den nächsten Schritt finanziert. Wir möchten unseren Impfstoff in Afrika testen. Soweit ich die internationale Szene überblicke, ist unser Impfstoff "Eurovacc" derzeit in der Spitzengruppe.

Interview: Karl-Heinz Karisch

Quelle:
fr-aktuell.de


[hr]


Das tückische Virus
Aids-Impfstoff lässt hoffen


VON KARL-HEINZ KARISCH

Hoffnung auf Aids-Impfstoff (rtr)


Es ist ein Wettlauf mit der Zeit. An jedem Tag infizieren sich weltweit rund 14 000 Menschen neu mit dem Aids-Virus. Vor allem im südlichen Afrika sterben die Menschen. Doch jetzt gibt es einen ersten Hoffnungsschimmer. Der Regensburger Impfstoff-Forscher Professor Hans Wolf stellt auf dem Deutsch-Österreichischen Aids-Kongress in Frankfurt erste Resultate vor, die mit dem von seinem Team entwickelten "Eurovacc"-Impfstoff erzielt wurden.

"Die Ergebnisse sind erstaunlich gut, auch wenn wir über eine Schutzwirkung beim Menschen noch keine Aussage machen können", sagte er der Frankfurter Rundschau. Der Impfstoff habe in gesunden Versuchspersonen eine sehr gute Immunreaktion ausgelöst. Faszinierend sei, dass sie genau dem Muster gleiche, das jene wenigen Menschen haben, die trotz HIV-Infektion nicht an Aids erkranken, so Wolf.

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"Es gibt tatsächlich Menschen, die seit 15 Jahren infiziert sind und der Körper kann das Virus in Zaum halten", erläutert Wolf. "Das macht uns Hoffnung." Der Impfstoff soll möglichst bald in Afrika an Personen mit hohem Infektionsrisiko getestet werden.

Der "Eurovacc"-Impfstoff wirkt gegen HIV 1 Subtyp C, dem am häufigsten übertragenen Stamm weltweit. Er enthält eine ganze Reihe von Eiweißbausteinen des Aids-Virus, die vom Immunsystem gut erkannt werden sollen, gleichzeitig aber keine schädigende Wirkung ausüben.

Medizinische Katastrophe
Die Geschichte von Aids
1981: Erstmals wird in San Francisco, Los Angeles und New York eine Krankheit beobachtet, die ausschließlich homosexuelle Männer trifft. Der Anteil von T-Helferzellen im Blut ist bei ihnen extrem niedrig.

1984: Das Virus wird in Paris von Luc Montagnier identifiziert. Dem US-Forscher Robert Gallo gelingt zeitgleich der Nachweis. Die Krankheit erhält den Namen Aids (Acquired Immune Deficiency Syndrom - Erworbenes Immunschwäche- Syndrom). 4100 Menschen sind erkrankt, 2900 verstorben.

1985: Das erste Testverfahren wird entwickelt.

1986: Mit AZT steht das erste Medikament zur Verfügung, das die Vermehrung der HI-Viren hemmt.

1996: Die hochaktive antivirale Therapie (Haart) wird eingeführt.

1998: Gerüchte, das Aids-Virus sei künstlich in Umlauf gesetzt worden, werden entkräftet. HIV kann in alten Blutproben nachgewiesen werden.

2005: Weltweit sind fast 40 Millionen Menschen mit dem HI-Virus infiziert. In Afrika leben zwölf Millionen Kinder, deren Eltern an Aids gestorben sind.

2006: Neue Wirkstoffe und Kombinationstherapien ermöglichen den Infizierten in den reichen Industrieländern häufig ein fast normales Leben.

2007: Impfstoffe erreichen erstmals eine gewisse Schutzwirkung.
Mittlerweile sind rund 40 Millionen Menschen mit dem HI-Virus infiziert. Fast drei Millionen Betroffene starben allein 2006 an Aids. Drei von vier Toten lebten in Afrika südlich der Sahara.
"Aids ist die größte medizinische Katastrophe der Neuzeit", sagt Professor Reinhard Kurth, der Präsident des Robert Koch-Instituts in Berlin. Die zunehmende Ausbreitung von HIV nehme vor allem in Osteuropa dramatische Ausmaße an, warnt Kurth. "Ohne einen Impfstoff wird sich die Pandemie nicht stoppen lassen, vor allem nicht in den besonders betroffenen Ländern ohne leistungsfähiges Gesundheitssystem."

Eines der großen Probleme mit dem HI-Virus ist seine extrem hohe genetische Wandlungsfähigkeit, erläutert der Ulmer Virologe Professor Frank Kirchhoff. Aufgrund der hohen Fehlerrate bei der Virusvermehrung und der großen Anzahl von Viren im Körper mancher Patienten "läuft die Evolution der Immundefizienzviren etwa eine Million mal rascher ab als die des Menschen."

Die sonst übliche Impfmethode, einen stark abgeschwächten Virus zu benutzen, stellte sich bei HIV als nicht möglich heraus. Dennoch sind in den vergangenen vier Jahren mehr als 30 Impfstoff-Kandidaten entwickelt worden. Sie beruhen durchweg auf gentechnischen Ansätzen. Dadurch, dass dem Immunsystem bestimmte Eiweiße aus dem HI-Virus "gezeigt" werden, soll eine starke und dauerhafte Antwort erreicht werden. Vorhandene und eindringende Viren würden angegriffen und vernichtet. Dabei setzen die Wissenschaftler auf die beiden kraftvollsten Säulen des menschlichen Immunsystems: Antikörper und T-Killerzellen.

Doch viele Ansätze werden zur Enttäuschung der Forscher scheitern. Diese bittere Erfahrung musste jetzt auch Professor Jürgen Rockstroh von der Uniklinik Bonn machen. Der 2004 mit großen Hoffnungen ins Rennen geschickte Impfstoff "tg AAC09" erwies sich als weitgehend unwirksam. "Nur der kleinste Teil der Versuchspersonen hatte eine messbare Immunantwort, und die war zu gering", berichtet er. Dabei hatte es bei der Impfung von Tieren gute Ansprechraten gegeben.

Immerhin habe sich gezeigt, dass der Impfstoff sicher sei und keine Nebenwirkungen habe, so Rockstroh. Als Genfähre für ihre ausgewählten HIV-Schnipsel hatten die Bonner Forscher die Hülle eines so genannten Adeno-assoziierten Virus benutzt. Rockstroh ist dennoch optimistisch. "Angesichts der hohen Kosten und der Nebenwirkungen von HIV-Medikamenten bleibt ein Impfstoff die große Hoffnung", sagt er.

Der Versuch müsse immer wieder gemacht werden, "damit wir das zukünftige Leben von Millionen Menschen sichern können". Es gebe aus der Arbeit der verschiedenen Gruppen ständig neue Erkenntnisse, so dass ein ausgereifter Impfstoff eines Tages sicher alles enthalten werde, was die Medizin anbieten könne. Zu bevorzugen, so Rockstroh, wäre ein Einmalimpfstoff. Andererseits benötige man bei Hepatitis B auch drei Impfungen, bis ein ausreichender Schutz aufgebaut sei.

Das Leben von Millionen retten

Von der Vision, gegen HIV einen 100-prozentigen Schutz aufbauen zu können, haben sich die Wissenschaftler allerdings vorerst verabschiedet. Auch der Regensburger Professor Wolf wäre froh, wenn er in der anvisierten Phase-III-Studie eine Schutzrate von 30 bis 60 Prozent hinbekäme. Für das einzelne Individuum wäre das nicht viel, aber solch ein Impfstoff könnte dennoch das Leben von Millionen Menschen retten.

Infos
Deutsche Aids-Stiftung
www.aids-stiftung.de

Kompetenznetz HIV / Aids
www.kompetenznetz-hiv.de

Internationale Aids-Impfstoffinitiative IAVI
www.iavi.org

Arbeitsgemeinschaft Aids-Impfstoff- Entwicklung CAVD
www.cavd.org

Robert Koch Institut
www.rki.de

Spenden: Deutsche Aids-Stiftung,
Konto-Nr.: 8 004 004, Sparkasse Bonn, BLZ 380 500 00
Derzeit gibt es nur zwei Impfstoffe, die bereits in Phase III - also an infektionsgefährdeten Menschen - getestet werden. Ein Impfstoff stammt von der Firma Merck. Abgeschwächte Adenoviren transportieren verschiedene HIV-Gene. Der Impfstoff der Firmen Sanofi-Pasteur und Vax-Gen arbeitet mit einem abgeschwächten Canarypox-Virus und einem HIV-Oberflächenantigen.

Der Weg zu einem perfekten Impfstoff ist trotz einiger froher Botschaften noch weit. Robert-Koch-Präsident Kurth rät deshalb zu Pragmatismus. "Wenn ein Impfstoff verhindern würde, dass die Viruslast nach einer Infektion wesentlich zunimmt, so dass die Infizierten länger ohne Therapie leben könnten, dann wäre das bereits ein Erfolg." Es sieht so aus, als ob wenigstens dieser Wunsch demnächst in Erfüllung gehen könnte.

Quelle:
fr-aktuell.de


[hr]

Aids-Pionier Gallo: Hoffnung auf Impfstoff nicht aufgeben


Bild
Aids-Virus
(Foto: dpa)


Frankfurt/Main (dpa) - Der Mitentdecker des Aidsvirus, Prof. Robert Gallo, gibt die Hoffnung auf einen Impfstoff gegen die Immunschwäche Aids nicht auf. Dieser sei weiterhin möglich, obwohl es derzeit keine konkreten Fortschritte gebe.

Das sagte Gallo am Mittwoch zum Auftakt des Deutsch-Österreichischen Aids-Kongresses in Frankfurt am Main. Je besser man verstehe, wie das Virus in die Zelle gelange, desto näher rücke der Impfstoff, ergänzte der US-Forscher. Er hatte zu Beginn der 1980er Jahre als einer der ersten den Aids-Erreger HIV identifiziert. Auch der Präsident der Deutschen Aids-Gesellschaft, Prof. Norbert Brockmeyer, hält am langfristigen Ziel einer Impfung fest: "Der durchschlagende Erfolg wird nur durch Vakzine kommen."


Im vergangenen Jahr sind in Deutschland so viele neue Aidsinfektionen registriert worden wie noch nie seit dem Beginn der genauen Erfassung 1993. Die Zahl der gesicherten Neuinfektionen stieg 2006 um vier Prozent auf 2611, wie das Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin im Mai berichtete. Damit hat die Zahl der neuen HIV-Infektionen seit 2001 um 81 Prozent zugenommen.

Knapp 2000 Wissenschaftler treffen sich in dieser Woche in Frankfurt zum größten Aids-Kongress im deutschsprachigen Raum. Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) kündigte beim Eröffnungsfestakt am Abend an, die Bundesregierung werde sowohl die Mittel für die Prävention als auch für die Forschung erhöhen. Wie im Jahr 2007 werde auch 2008 der Etat für die Aids-Prävention steigen. Dies sei auch längerfristig so geplant, sagte Schmidt. "Wir können es uns nicht erlauben, auf Dauer so zu tun, als wäre HIV und Aids nur ein Thema Afrikas und nicht auch ein Thema Europas."

Der Kongress steht unter dem Motto "anders denken" und sucht vor allem nach neuen Wegen in der Prävention. "Unsere bisherigen Präventionsstrategien haben nicht genügend gegriffen", kritisierte Kongress-Vizepräsidentin Brigitte Schmied. Und auch Brockmeyer attestierte: "Unsere Präventionskampagnen sind nicht angekommen." Ein Grund dafür sei, dass die Kampagnen zu oft mit der Sprache der Erwachsenen arbeiteten. Die Kongress-Organisatoren empfehlen, Jugendliche öfter an der Gestaltung von Aufklärungskampagnen zu beteiligen.

Um das Thema Aids wieder mehr in die Öffentlichkeit zu rücken, wird der Kongress von einem umfangreichen Programm begleitet. Es gibt Theaterstücke, Filme, Ausstellungen, Konzerte und Lesungen. Spektakulärste Aktion ist ein Weltrekordversuch: Mehr als 3000 Menschen sollen am Freitagmittag (29. Juni) in der Innenstadt die größte menschliche Aids-Schleife formen. Am Samstag (30. Juni) spielen Jugendliche beim Straßenfußballturnier "Anpfiff gegen Aids" mit jedem Tor Geld für Aids-Projekte ein. Bei der Aktion "Aids Public Viewing" geben Erkrankte der Krankheit ein Gesicht, indem sie ihre Krankengeschichte in der Stadt plakatieren.

Bei der Konferenz "Aids&Economy" gingen Experten der Frage nach, wie die Krankheit die Wirtschaft beeinflusst. Ein Vertreter des Aidsprogramms UNAIDS der Vereinten Nationen bilanzierte: Einzelne Haushalte in den Entwicklungsländern haben wegen der hohen Kosten und wegen weniger arbeitsfähiger Mitgliedern weniger Geld zur Verfügung; Firmen bekommen schwerer Personal und haben weniger Kunden; Volkswirtschaften können schlechter wachsen, ausländische Investoren werden abgeschreckt.

fr-aktuell.de





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Tagespresse

#8

Beitrag von Marc of Frankfurt »

Pressespiegel die 2.
3500 Menschen formen Aids-Schleife



Frankfurt/Main (dpa/lhe) - 3500 Menschen haben am Freitag in der Frankfurter Innenstadt die laut Veranstalter größte menschliche Aids-Schleife geformt. Die überwiegend jugendlichen Teilnehmer trugen rote T-Shirts und rote Schirme. Ein Hubschrauber dokumentierte die Schleife von oben, die sich zwei Kilometer lang um den zentralen Platz der Hauptwache herumzog und sich dann in zwei angrenzende Straßen verzweigte.

Obwohl sich vor zwei Wochen in Kiel bereits 10.000 Menschen zu einer Aids-Schleife zusammengestellt hatten, stehen die Frankfurter Chancen für einen Eintrag ins Guinnessbuch der Rekorde nicht schlecht. Nach Angaben eines Sprechers von "Guinness World Records Buch" wurde der Rekordversuch in Kiel nicht ausreichend dokumentiert.


Der Frankfurter Versuch wurde von der Aids-Hilfe Frankfurt und dem Stadtgesundheitsamt organisiert. Rund 30 Schulen hatten sich angemeldet. Die Aktion war Teil des öffentlichen Begleitprogramms zum Deutsch-Österreichischen Aids-Kongress, der nach vier Tagen am diesem Samstag zu Ende geht. Die Organisatoren wollten mit dem Rekordversuch "ein Zeichen der Solidarität" setzen und das Thema HIV und Aids wieder stärker in die Öffentlichkeit rücken.

Bild

Menschliche Aidsschleife (dpa)

Original



Weitere Menschen-Schleifen:

Bild

Gut 10.000 Menschen haben in Kiel eine 1,8 Km lange Schleife gebildet (17.6.2007)

Bild
2000 Mitarbeiter von BMW Südafrika
[hr]


Gene des Aids-Erregers aus Zellen entfernt

Forschern aus Hamburg und Dresden ist es im Labor gelungen, die Gene des Aidsvirus wieder aus menschlichen Zellen herauszuschneiden. Dazu haben sie ein spezielles Enzym entwickelt, berichten die Wissenschaftler im Journal "Science" (Bd. 316). "Die infizierte Zelle wird geheilt", sagte Professor Joachim Hauber vom Hamburger Heinrich Pette-Institut. Es bestehe die Hoffnung, eine neue Therapie für HIV- infizierte Menschen zu entwickeln.

Quelle:
fr-aktuell.de

[hr]

Themen, die unter den Tisch fallen

VON DENNIS BUCHMANN

Viele junge Leute schalten mit Drogen bewusst ihre Angst aus, um "unsafer Sex" haben zu können. Solche heiklen Tabu-Themen würden auf Kongressen meist ausgelassen, kritisierte am Donnerstag Bernd Vielhaber auf dem Deutsch-Österreichischen Aids-Kongress in Frankfurt am Main. Vielhaber ist Mitglied des wissenschaftlichen Komitees des Kongresses.

Es helfe nicht, immer nur "das ewige Kondom zu predigen", meinte der Aids-Experte. Der Drogenkonsum spiele im Zusammenhang mit ungeschütztem Sex bei der Ausbreitung der Krankheit eine erhebliche Rolle.


Ein anderes, oft unterschlagenes Problem sei die Korruption: In vielen Ländern führe das dazu, dass "80 Prozent der Gelder an die Diktatorfamilien und deren Gesundheitsversorgung" gingen. "Es wird viel Geld oben reingegeben aber unten kommen kaum Pillen heraus", monierte Vielhaber.

Auch habe es "geradezu ideologische Züge, wie HIV gedacht wird, wie Forscher ihre Schwerpunkte festlegen". So sei seit 20 Jahren bekannt, dass überschießende Immunreaktionen des Körpers das Krankheitsbild von Aids verschlimmerten. Grundlegend oder klinisch erforscht würde aber dieses Phänomen kaum.

Vielhaber betonte aber, dass er nicht nicht speziell den laufenden Aids-Kongress kritisieren wolle. Augenzwinkernd bezeichnete er sich als einen "Langzeitüberlebenden der Aids-Kongresse".


Quelle:
fr-aktuell.de

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Frauen mit HIV und Aids

In schwieriger Situation


Bei der Deutschen Aids-Stiftung suchen immer mehr Frauen Hilfe. Ihr Anteil unter den Antragstellern sei von 2002 bis 2006 von einem Viertel auf ein Drittel gestiegen, berichtete die Stiftung jetzt in Bonn. Dieser hohe Anteil zeige die besonders schwierige Situation von Frauen, die häufig auch für Kinder sorgen müssten. Unter den den rund 56 000 HIV-Infizierten waren 47 000 Männer, 8500 Frauen und 400 Kinder.

Die Aids-Stiftung half 2006 insgesamt 4318 Menschen mit HIV/Aids - darunter auch 128 HIV- positiven Kindern in Notlagen.

www.aidsstiftung.de


[hr]


Reportage

"Ich will dieses Virus erledigen"



HIV-Entdecker Robert Gallo über seinen Kampf gegen Aids, gut gekleidete Verschwörungstheoretiker und seine erste Autopsie als jugendlicher Hobbypathologe.


Bild
Robert Gallo (FR)


? Mr. Gallo, Sie sind einer der Entdecker des Aids-Virus, seit 23 Jahren bekämpfen Sie es. Ist HIV Ihr größter Feind?

Ja, das kann man so sagen.


? Was fühlen Sie, wenn Sie eine Abbildung des HI-Virus sehen?

Ich empfinde dabei nichts. Wir wissen, wie HIV aussieht, das Virus hat nichts Faszinierendes mehr für mich. Dieses Virus ist einfach ein Problem, also will ich es erledigen will. Das ist alles.


? Es ist ein sehr großes Problem. Jedes Jahr sterben weltweit drei Millionen Menschen an Aids.

Ja, es ist verheerend. Das sind so viele Tote wie durch den Tsunami 2004 - jeden Monat.


? Selbst in einer Industrienation wie Deutschland steigen die HIV-Infektionsraten wieder an. Wie erklären Sie sich das?

Es ist eine gewisse Sorglosigkeit eingekehrt. Warum? Weil die Therapien besser geworden sind. Die Leute kennen Menschen, die HIV-positiv sind und die ein normales Leben führen. Also denken sie: HIV ist nicht so schlimm - und schützen sich nicht. Da sind Sie als Medien gefragt: Sie sollten mehr berichten über Aids.


? Vor 23 Jahren haben Sie HIV als Ursache von Aids identifiziert: Haben Sie es damals für möglich gehalten, dass das Virus mehr als zwei Jahrzehnte später noch so viele Opfer fordern würde?

Wir wussten damals schon, dass retrovirale Infektionen lebenslange Infektionen sind. Mir war klar, dass es ein globales Problem werden würde und dass es eine lange Zeit dauern würde, bis wir die Krankheit in den Griff bekommen würden. Ich dachte allerdings, dass wir eher eine Impfung haben würden.





Zur Person
Robert Gallo, 70, wurde am 13. April 1984 berühmt. Auf einer Pressekonferenz in Washington präsentierte US-Gesundheits- ministerin Margaret Heckler den bis dahin unbekannten Aids-Erreger: das Retrovirus HIV - und seinen Entdecker Gallo. In Wirklichkeit hatte auch die französische Arbeitsgruppe von Luc Montagnier zur Entdeckung beigetragen.

Die Patentrechte für den HIV-Bluttest wurden aber zunächst allein Gallo zugesprochen. Daraufhin wurde ihm vorgeworfen, die Ergebnisse von Montagnier gestohlen zu haben. Gallo wurde zum Feindbild für die Medien - wohl auch, weil er sich stets angriffslustig gab. Eine unabhängige Kommission stellte schließlich fest, dass er unschuldig war. Heute leitet Robert Gallo das Institute of Human Virology in Baltimore. Dort arbeitet er an einem Impfstoff gegen HIV.





? Warum ist es so schwierig, einen Impfstoff gegen HIV zu entwickeln?

Das Virus integriert seine Gene in die Erbsubstanz des Menschen, und dann ist es dort nicht mehr weg zu bekommen. Eine Impfung müsste also verhindern, das auch nur ein einziges Virus in eine Körperzelle eindringt. Das ist eine enorme Herausforderung, der wir bislang noch nicht gewachsen sind.


? Glauben Sie, dass Sie eine wirksame Impfung gegen HIV noch erleben werden?

Ich habe die vergangenen zehn Jahre hart daran gearbeitet, also muss ich daran glauben. Sonst könnte ich meine Arbeit nicht mehr machen.


? In Ihrer Eröffnungsrede für den Deutsch-Österreichischen Aids-Kongress, der gerade in Frankfurt stattfindet, haben Sie kritisiert, dass die Grundlagenforschung in Gefahr ist. Wie meinen Sie das?

Ich habe das Gefühl, dass sie aus der öffentlichen Wahrnehmung verschwindet, dass in Vergessenheit gerät, dass alles, was wir heute gegen HIV in der Hand haben, aus dem Labor kommt. Neulich habe ich eine Sendung auf CNN gesehen, die war angekündigtals ein "Zusammentreffen der weltführenden Aids-Bekämpfer". Da saßen Entertainer, Schauspieler, aber kein einziger Wissenschaftler. Am Ende der Sendung sagten alle: "Wir müssen zusammenstehen gegen Aids." Was soll das bedeuten? Ganz gleich, wie gut wir uns fühlen, wie sozial wir sind: Es wird das Problem nicht lösen.


? Prominente sorgen für erhöhte Aufmerksamkeit, und mit Aufklärungskampagnen muss dafür gesorgt werden, dass es möglichst wenig Neuinfektionen gibt.

Das sind sehr wichtige Projekte - aber es darf auf keinen Fall bei der Grundlagenforschung gespart werden, um in soziale Projekte zu investieren. Wir brauchen immer neue Medikamente, denn HIV entwickelt schnell Resistenzen. Und um das Virus ein für alle Mal auszumerzen, brauchen wir eine vorbeugende Impfung. Das ist der einzige Weg.


? 60 Prozent aller HIV-Infizierten leben in Afrika. Wie könnte deren Lage verbessert werden?

Was die Therapie angeht, gibt es vielversprechende Initiativen. Mein Institut hat zum Beispiel ein großes Projekt in Nigeria. Letztes Jahr haben wir dort kostenlos 45 000 HIV-Infizierte behandelt, dieses Jahr werden es 100 000 sein.


? Sie haben sich vor zwei Jahren noch kritisch darüber geäußert, den afrikanischen Staaten kostenlos Aids-Medikamente zur Verfügung zu stellen. Woher rührt Ihr Sinneswandel?

Es muss sichergestellt sein, dass die richtigen Medikamente für die richtige Region verwendet werden, Therapien müssen gut überwacht werden. Sonst entstehen resistente Viren, damit wäre niemandem geholfen. Bei unserem Projekt legen wir nicht Medikamente an den Strand und verdrücken uns dann. Wir sind vor Ort, wir schulen Wissenschaftler, Ärzte, medizinisches Personal und Patienten. Wir sind beeindruckt, wie viel die Menschen schon gelernt haben. Finanziert wird all das von der US-Regierung. Wir machen große Fortschritte, seit Präsident Bush 2003 seinen Notfallplan für Aids-Hilfe gestartet hat.


? Diese Hilfe wird nicht nur positiv gesehen. In Uganda hat sich unter dem Einfluss der Bush-Regierung das Programm zur Aids-Prävention gewandelt. Statt zum Gebrauch von Kondomen wird jetzt zu Abstinenz und Treue aufgerufen. Ist das nicht fahrlässig?

Niemand schreibt Uganda vor, welche Politik es machen soll. Bush steht nicht da draußen und sagt: Ihr sollt keine Kondome benutzen.


? Die USA verteilen das Geld...

Mein Institut hat zwei Abteilungen in Afrika. Deren Leiter haben jeweils eine enorme Summe bekommen, um dort gegen HIV zu kämpfen: Der eine 160 Millionen, der andere 60 Millionen Dollar. Das ist die großzügigste Förderung, von der ich je gehört habe. Ich arbeite nicht für Bush, ich wähle ihn nicht, aber Realität ist Realität. Offensichtlich tut dieser US-Präsident mehr als jeder seiner Vorgänger - und auch mehr als jeder europäische Staatsmann. Wenn man im Glashaus sitzt, sollte man nicht mit Steinen werfen. 15 Milliarden Dollar! Kommen vergleichbare Summen aus Europa?


? Sicher nicht. Aber ist es eine richtige Strategie, auf Abstinenz zu setzen?

Man muss sich die afrikanischen Kulturen anschauen. Die Regierungen wollen sich eben nicht hinstellen und sagen: Habt alle Sex miteinander, nur benutzt ein Kondom. Das Prinzip, das in Afrika propagiert wird, heißt: Sei abstinent, sei treu - und wenn nicht, dann benutze ein Kondom. Das mag altmodisch sein, aber es ist nicht schlecht, schon gar nicht aus wissenschaftlicher Sicht. Aber das hindert Europa nicht daran, mehr Geld in Kondome zu investieren.


? In Afrika ist die Ansicht noch weit verbreitet, HIV sei gar nicht die Ursache für Aids.

Aber es gibt Hoffnung. In Südafrika haben wir zum ersten Mal einen Rückgang der Neuinfektionen. Und das hängt damit zusammen, dass dort Erziehungsprogramme gestartet wurden.


? Der südafrikanische Präsident Thabo Mbeki hat im Jahr 2000 mehrere Aids-Dissidenten, also jene Wissenschaftler, die den Zusammenhang zwischen HIV und Aids leugnen, zur Welt-Aids-Konferenz in Durban eingeladen.

Damals bin ich zum ersten Mal nicht zu dem Kongress gekommen, obwohl ich als Redner geladen war. Ich war sehr unglücklich wegen dieser Situation, frustriert, wütend, dass Menschen unnötig sterben müssen, weil diese Leute den Kampf gegen das Virus verzögern. Das war eine Tragödie. Man kann nicht mehr rückgängig machen, was damals passiert ist, aber für Gegenwart und Zukunft ist dieses Problem aus der Welt geschafft. Südafrika handelt, die Menschen bekommen Medikamente. Ich könnte einige Leute öffentlich kritisieren für Fehler in der Vergangenheit, aber ich denke: Jetzt, wo die meisten Regierungen auf dem richtigen Weg sind, wäre das ein Fehler. Sie sollen bloß auf diesem Weg bleiben.


? Die Aids-Dissidenten bringen sich seit der Entdeckung des HI-Virus immer wieder ins Gespräch und überzeugen auch Mediziner, die dann auf dieser Grundlage zu therapieren versuchen...

Warum das so ist, diese Frage kann nur von den Kollegen aus der Psychiatrie beantwortet werden. Die Faktenlage ist seit mehr als 20 Jahren eindeutig.


? Es kursieren auch viele Verschwörungstheorien über die Entstehung des HI-Virus. Was machen Sie, wenn Sie damit konfrontiert werden?

Nichts mehr. Eine der Lektionen meines Lebens ist: Man kann den Irrationalen nicht mit rationalen Argumenten kommen. Es ist zwar unnatürlich, auf Unsinn nicht zu reagieren, aber es ist besser. Ich erinnere mich an einen Abend bei der Aids-Konferenz in Genf 1998. Ich saß mit Aktivisten der Schwulenbewegung zusammen, etwa 800 Menschen waren im Saal. Alles lief gut. Dann stand ein Mann mit einem perfekten Anzug auf. Er hatte so einen Blick drauf: "Sie und ich - wir wissen doch Bescheid." Und dann brachte er dort seine absurde Geschichte vor.


? Welche Theorie hatte er zur Entstehung von HIV?

Er behauptete, HIV sei in US-amerikanischen Labors gezüchtet worden. Er fragte mich: "Stimmt es nicht, dass Sie Henry Kissinger getroffen haben?" "Doch", sagte ich. Mit ihm gemeinsam bin ich einmal Michael Gorbatschow vorgestellt worden, da war Kissinger gar nicht mehr in der Regierung. Wow, und er leitete daraus ab, ich hätte für Kissinger gearbeitet. Dann fragte er: "Haben Sie nicht an vielen Viren gearbeitet?" Ich sagte: "Mit einigen, ja." Und dann beschuldigte er mich, alle diese Viren zusammengemischt zu haben - und so HIV geschaffen zu haben.


? Wie haben Sie reagiert?

Ich war kurz davor zu fragen, ob er verrückt sei. Ich sagte: "Ganz abgesehen davon, dass ich nicht wüsste, wozu das jemand gemacht haben sollte, steht fest: Die Gen-Sequenzen von diesen Viren haben nichts mit HIV zu tun. Man kann nicht eine Maus in eine Giraffe verwandeln. Und es gab doch verwandte Viren bei Affen." Aber das war ihm alles egal. Da habe ich gemerkt: Es ist vollkommen sinnlos, mit solchen Leuten zu diskutieren. Zum Glück haben ihm auch sonst kaum Menschen geglaubt.


? Mr. Gallo, lassen Sie uns einen Blick zurückwerfen auf die Zeit, in der noch nicht klar war, was Aids verursacht. Es gab nicht viele, die an ein Virus glaubten Anfang der 80er Jahre.

Stimmt. Noch 1984 gab es eine Veröffentlichung von einer Arbeitsgruppe aus dem National Institute of Health, der gleichen Einrichtung, an der ich damals arbeitete, in der ein Pilz als Ursache von Aids genannt wurde. Die Welt veränderte sich drei Monate später, als meine Arbeitsgruppe gleichzeitig fünf Arbeiten zu HIV veröffentlichte, keinen Tag vorher.


? Die Arbeitsgruppe von Luc Montagnier vom Institut Pasteur in Paris hatte doch schon 1983 das Virus entdeckt.

Die Franzosen isolierten es aus einem einzigen Patienten mit vergrößerten Lymphknoten - und bewiesen damit nicht, dass es der Verursacher von Aids ist. Meine Mitarbeiter und ich haben diesen Beweis 1984 erbracht. Und wir lieferten gleich den Bluttest mit, um auf der ganzen Welt weitere Ansteckungen zu verhindern.


? Wen würden Sie als Entdecker von HIV bezeichnen?

Montagnier und ich sagen, dass wir beide dazu beigetragen haben.


? Warum gab es dann jahrelang Streit zwischen Ihnen, der vom französischen Premierminister Jacques Chirac und von US-Präsident Ronald Reagan beigelegt werden musste?

Es gab nie einen Streit darum, wer das Virus zuerst entdeckt hat, das ist ein Medienmärchen. Das Problem kam, als mir das Patent für den Bluttest zugesprochen wurde. Die Franzosen wollten daran beteiligt werden. Ich hatte auch nichts dagegen. Ich habe zu meinen Chefs gesagt: "Nehmt mir diesen Affen von meinem Rücken." Aber sie sagten: "Die Franzosen werden sich bald wieder beruhigen." Als dann der Ärger kam, stand ich alleine da.


? Sie galten dann lange Zeit als der böse Bube der Wissenschaft, der anderen Forschern ihre Ergebnisse stiehlt.

Ich bekam es von allen Seiten ab - auch von meinen Landsleuten. Die New Yorker Anwälte, die die Franzosen vertraten, fühlten sich finanziell benachteiligt nach der Einigung von Chirac und Reagan. Also engagierten sie PR-Leute, die mich als Betrüger darstellten.


? Hat Sie das belastet?

Ich habe die besten fünf Jahre meines produktiven Lebens verloren. Und die HIV-Forschung hat dadurch auch einige Jahre verloren. Jeden Tag gab es Anschuldigungen. Mein gesamter Schriftverkehr wurde untersucht. Eine abschließende Untersuchung ergab, dass nichts, aber auch gar nichts an den Vorwürfen dran war.


? Ohne diese Querelen hätten Sie und Luc Montagnier wohl schon den Nobelpreis bekommen.

Ich habe genug gewonnen in meinem Leben. Und: Ich bin noch nicht tot.


? Wie ist Ihr Verhältnis zu Montagnier heute?

So wie das zu Ihnen.


? Also nicht gerade eng.

Wir kennen uns natürlich viel besser und telefonieren etwa einmal im Monat. Er kommt auch ab und zu zu Meetings und hat sogar ein Büro in unserem Institut. Wir haben unterschiedliche Charaktere und unterschiedliche Interessen, aber wir verstehen uns.


? Wie sind Sie zur medizinischen Forschung gekommen?

Meine einzige Schwester hatte Leukämie. Ich war 13 damals, ich war viel in Krankenhäusern, ich sah Ärzte und Forscher in einem sehr prägenden Alter. Meine Schwester starb mit sechs Jahren an Leukämie. Ich saß an ihrem Bett, das war der prägendste Augenblick in meinem Leben. Vielleicht hätte ich das nicht sehen sollen, aber ich habe es gesehen. Ein anderer Einfluss war ein Pathologe in meiner Heimatstadt. Er war befreundet mit meinem Vater. Ich besuchte ihn oft im Krankenhaus. Eines Tages ließ er mich eine Autopsie machen.


? Sie führten als Kind eine Autopsie durch?

Ich war 19. Er ließ mich mit dem Skalpell und der Leiche alleine und sagte: "Hey, du machst das." Das war eine besondere Erfahrung.


? Ist Ihnen dabei nicht schlecht geworden?

Nein, aber es war fürchterlich - und dazu illegal. Ich werde diese Szene nie vergessen. Eigentlich hätte mich diese Erfahrung davon abhalten müssen, Medizin zu studieren. Aber ich habe es trotzdem getan. Und hier sitze ich.


Interview: Frederik Jötten und Karl-Heinz Karisch

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