
softeis hat geschrieben:hi motti![]()
da bist du ja gegenüber mir, was die erfahrung angeht schon ein alter hase obwohl ich knapp älter als du bin.
ich musste grade dran denken, berlin, münchen, das preisgefälle. je offener und gefahrloser (in sachen justizia) wir arbeiten können incl. des damit verbundenen grösseren angebotes, desto niedriger sind die preise, so kommt es mir vor.
wäre ich also einer dieser oberen 5 in M so müsste mir die bayerische, mittelalterliche gesetzgebung eher willkommen sein als andersherum.
nur so gedanken die mir grade durch den kopf schießen.
gruß nach B

Ariane's Vorschlag, hieraus einen neuen tread zu machen, scheint mir verfolgenswertAriane hat geschrieben:@softeis; ja sehe ich ähnlich, was die Kalkulation von Liberalisierung und Honorar betrifft; allerdings trifft dies vor allem auf Berlin zu, eine eh schon etwas rückständige und arme Region, historisch betrachtet; seit 1990 ist hier der Teufel los, im Sinne, daß die Preise extrem gefallen sind, während der Anspruch an Services gestiegen ist; habem mir auch altgediente Häsinnen aus dem Gewerbe gesagt, die sich zur Ruhe gesetzt haben; ich kam einfach zu spät. Üblich waren in alten Westberliner Zeiten min. 20.000 DM/Monat, Hamburg ähnlich; leider haben wohl sehr viele Zuhälter die Hand aufgehalten, aber die Preise und Service standen in einem vernünftigen Verhältnis im Gegensatz zu heute, die Kasper-Frequenz relativ klein, AO gab es wohl verbreiteter, insbesondere vor der Kenntnisnahme von HIV, die Grenzen zwischen Huren und Freier klar definiert; seit 1990 ist die Zahl der Sexworker in der Hauptstadt explodiert; in wirtschaftlich stärkeren Regionen wie BW/Bayern (letzteres z.B. FO Verbot, Sperrbezirkverordnung) sind die Preise noch teilweise stabil, aber die sog. Flatrate-Bordelle machen ebenfalls die Runde und gewöhnen viele Kunden auf Blow Job to Go für 20€ ein; und in Teilen der Schweiz, legal mit Arbeitserlaubnis, sind die Honorare auch teilweise schon im Keller.
Was meine finanzielle Situation als SW in Berlin betrifft, sieht es generell mau aus; nicht nur weil die meisten Männer das Klischee begehren, für n Appel und ein Ei, DD, Anfang 20, French Manicured, Extension und Stulle, sondern, weil sie keine echten, selbstbestimmten Schneewittchen-Tittchen tragenden feministischen und queer-porn vergötternden, verbildeten BJ-Weltmeisterinnen, sexuell fordernd und gebend, abkönnen; die sind ihnen schon vom virtuellen Eindruck zu "anders", das passt nicht ins patriarchiale Rollenverständnis und Grundkonzept des Hinhaltens; dabei kann nur eine "starke" Frau sich im Bett wirklich fallenlassen, aber das ist ja auch im Regelfall nicht erwünscht, bezogen, was ich in den letzten Jahren virtuell gelesen habe.
Ich glaub manchmal, daß die ganze Diskutiererei in Freierforen, Callgirl-Beichten in Blogs und Büchern sowie die Berichterstattung in den Medien auch den ganzen Reiz von P6, das Verruchte, Faszinierende und Anziehende kaputt quatscht, die Foren-Aktiven werden auch für die lesenden Huren selbst uninteressant, wenn da permanent herumpsychologisiert wird; Narzisst & Mindfucker sind auf dem Vormarsch, die keine Grenzen kennen und jeden privaten Furz noch riechen wollen.
Das sog. Rotlicht müsste wieder roter glühen, komplett raus aus der elenden Diskursivierung ungestillter Lüste , aber dafür mit rechtlichen Rahmenbedingungen angereichert werden, daß man ohne grosse Probleme der Tätigkeit nachgehen kann und das "Geheimnis" dabei wahrt. Der Staat ist es schliesslich den steuerzahlenden Sexworkern schuldig, daran mitzuwirken.
Politisch und selbstbestimmt als Hure laut sein wirkt oft so furchtbar asexuell und spassbefreit auf meine Leser (in manchen FForen und Blogs, wie mir berichtet wurde), wie Gummis auf Männer mit Latexallergie bzw. Sexwork nach harter Arbeit für viele klingt *g*. Dabei ist der Spass an dieser Tätigkeit genau dass, wofür wir kämpfen, der m.E. nur unter den Rahmenbedingungen der Selbstbestimmung möglich ist.
Irgendwie ein Paradox.
Sorry Motti, passt nicht in deinen Vorstellungsthread, aber ich fand Softeis Gedanken nachdenkenswert. Vielleicht ein eigenes Thema wert.
Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob der öffentliche Bereich dafür wirklich geeignet ist, falls entsprechende Wünsche bestehen, können wir das Thema gerne auch *geschützt* diskutieren. Im Hinblick auf die erhoffte Meinungsvielfalt habe ich trotzdem einmal hier angefangen ...
Meine persönliche Meinung: Wir verkaufen nach wie vor Stigma. Durch die liberalere gesellschaftliche Einstellung zur Sexualität sogar in höherem Maß als früher. Warum sollte jemand Geld für Sex bezahlen, wenn er ihn in jeder Disko kostenlos haben kann? Ich sehe das so: Männer zahlen für Sex mit mir, weil sie ihn *mit mir* wollen, obwohl sie von ihren Freunden und Familie niemals mit mir gesehen werden wollten. Der "Reiz des Verbotenen"
Zur Stützung der Preise jetzt aber neue gesetzliche Einschränkungen zu fordern halte ich für äußerst kritisch. Natürlich wird in romantischer Erinnerung an *die guten alten Zeiten der Sittenwidrigkeit* auch dieser Weg gewählt, mir persönlich scheint er aber allenfalls kurzfristig gewinnbringend zu sein. Was die juristische Seite unseres Berufs angeht, so setze ich mich für völlige Entkriminalisierung ein, auch wenn ich mir durchaus bewußt bin, dass die gesellschaftliche Außenseiterrolle notwendig ist, um Geld zu verdienen.
Auch wenn die Situation sich somit höchst komplex darstellt - ich bin überzeugt, dass wir sie besser verstehen und dann in ihr (auch finanziell) erfolgreicher und sicherer arbeiten können, wenn wir uns über die Unterschiede zwischen staatlicher Kriminalisierung und gesellschaftlicher Stigmatisierung bewußt werden.
Liebe Grüße, Aoife, die sich auf eine anregende Diskussion freut






