Lokalnachrichten: Berlin

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annainga
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Lokalnachrichten: BERLIN

#1

Beitrag von annainga » 2007-09-08, 08:29

Wer braucht denn das?

Riesen-Bordell in Neukölln geplant
Der dreistöckige Bau soll direkt neben der Autobahn entstehen

Olaf Sonnenberg


Spärlich bekleidete Damen warten am Tresen auf Kundschaft: Eine typische Szene aus einem Bordell. Gleich Dutzende Prostituierte sollen ihre Dienste bald in der Neuköllner Späthstraße anbieten.

Neukölln - Auch in Neukölln soll ein Großbordell nach dem Vorbild des Artemis (Charlottenburg-Wilmersdorf) entstehen. Neuköllns Baustadtrat Thomas Blesing (SPD) bestätigte, dass ein entsprechender Bauantrag bereits genehmigt wurde.
Das betreffende Grundstück befindet sich an einem bisher als Sackgasse endenden Autobahnstummel an der Späthstraße - der Puff hätte sozusagen eine eigene Verkehrsanbindung. Ringsherum sind Laubenkolonien.

Blesing: "Der Antrag ist nicht ganz neu, er wurde schon 2005 gestellt und genehmigt. Baurechtlich gab es keine Einwände. Passiert ist seither noch nichts. Uns ist noch nicht einmal bekannt, ob das Grundstück tatsächlich gekauft wurde. Der Investor hat allerdings noch Zeit bis Dezember 2008."

Klar ist immerhin: "Es soll ein quaderförmiger, dreistöckiger Bau werden, mit großem Parkplatz, ganz ähnlich wie das Artemis", sagt Blesing. Auf einen Unterschied zum feinen City-Bezirk legt der Baustadtrat allerdings Wert: "Wir denken nicht einmal daran, Wohnungsbordelle zu schließen, wie das in Charlottenburg-Wilmersdorf der Fall ist."
Dort geht Baustadtrat Klaus-Dieter Gröhler (CDU) seit der Eröffnung des Artemis im Gewerbegebiet (2005) massiv gegen Bordelle in Wohngebieten vor (KURIER berichtete).

http://www.berlinonline.de/berliner-kur ... 86552.html

Berliner Kurier, 08.09.2007

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Lokalnachrichten: Berlin

#2

Beitrag von KonTom » 2007-09-11, 09:57

In Berlin ist neben dem „Artemis!" in Halensee ein zweites Großbordell geplant. In einem Gewerbegebiet an der Späthstraße will ein Investor einen dreigeschossigen Neubau mit einem Kundenparkplatz errichten. Die Genehmigung sind bereits erteilt. Doch der Interessenverband der Prostituierten kritisiert das Vorhaben.

In Berlin ist neben dem Artemis in Halensee ein zweites Großbordell geplant. Wie Neuköllns Baustadtrat Thomas Blesing (SPD) bestätigte, hat der Bezirk bereits Ende Dezember 2005 eine Baugenehmigung für einen Neubau an der Späthstraße erteilt. Mehrere alte Gebäude, die sich noch auf dem Grundstück befänden, sollen abgerissen werden. Der Investor habe mit dem Neubau aber noch nicht begonnen, so Blesing. Das Grundstück befindet sich nach Angaben des Stadtrats an dem Teil der alten Späthstraße, der im Zuge des dortigen Autobahnbaus für immer stillgelegt wurde – aus Neukölln kommend vor der alten Brücke auf der linken Seite. Geplant sei dort ein dreigeschossiger Bau mit einem großen Parkplatz für die Kunden. Das Projekt sei in den Ausschüssen erörtert worden. Da das Grundstück von Kleingartengelände umgeben sei und sich keine unmittelbare Wohnbebauung, sondern nur einige Firmen in der Nähe befänden, werde das Bordell niemanden stören, sagte Blesing. Im Bezirksamt sei es nicht umstritten gewesen. Es handelt sich um Gewerbegebiet, in dem Bordellbetriebe im Gegensatz zu Wohngebieten zugelassen sind.

Der Bundesverband sexuelle Dienstleistungen (BUSD), in dem Prostituierte organisiert sind, kritisierte das Vorhaben hingegen. „Ein großes Haus können wir nur akzeptieren, wenn wir auch für die kleinen Betriebe Rechtssicherheit haben, denn nur dort haben die Frauen selbstbestimmte Arbeitsplätze“, sagte Stephanie Klee vom BUSD. Außerdem seien die Bordellbetreiberinnen durch die kleinen Einrichtungen in der Lage, sich von kriminellen Strukturen fernzuhalten. Die Frauen, die dort arbeiten, könnten zudem Familie und Arbeit unter einen Hut bringen. In den großen Häusern müssten sie sieben Tage die Woche 16 Stunden arbeiten, bevor sie dann in andere Städte weitervermittelt würden.


Quelle

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#3

Beitrag von Zwerg » 2007-09-11, 10:12

viewtopic.php?p=23114#23114
http://zeitung.sexworker.at/

JayR und Zwergi waren schneller :-)

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#4

Beitrag von Marc of Frankfurt » 2007-09-23, 07:46

Bundeshauptstadt Berlin

Übersichtsposting für dieses Sammelthema


Berlin ist ausgezeichnet als einzige deutsche Großstadt ohne Sperrbezirke (=generelles räumliches Prostiutionsverbot)

www.bit.ly/sperrbezirk
www.bit.ly/sexworkatlas

Siehe aber die aktuelle Berliner Debatte zum Baurecht als Hebel der Prostitutionskontrolle:
www.sexworker.at/phpBB2/viewtopic.php?t=1226

Zum Thema Gentrifizierung in der Prostitution siehe auch Antwerpen:
www.sexworker.at/phpBB2/viewtopic.php?t=625
und Amsterdam:
www.sexworker.at/phpBB2/viewtopic.php?t=1896

Aber den Fachausdruck "Gentrifizierung" sollte man nicht leichtfertig verwenden. Ist kürzlich in Deutschland schon der Wissenschaftler Dr. Andre Holm deswegen eingesperrt worden :-(((((
[Gentry, wörtl. die adelige Oberschicht übernimmt das Quartier, frei übersetzt: Luxus-Sanierung für die Schickeria und Vertreibung ärmerer Schichten (Strukturwandel nach oben)]





Prostituiertenberatungen Berlin:

www.hydra-ev.org (alt)
www.hydra-berlin.de
Prostituierten Sozialberatung

www.BuSD.de
Bundesverband Sexuelle Dienstleistungen
Jetzt www.sexwork-deutschland.de

www.querstrich.de
Callboy-Beratung

www.subway-berlin.de
Stricher-Hilfe

3 Beratungsstellen für Sexworker erhalten 600.000 Euro pro Jahr vom Senat





Werbeanzeigen schalten:

www.berlin-diskret.de (Berliner Zeitung)

www.berlinIntim.de

www.rotlichtFreundeBerlin.de





Sex Biz

8.000 geschätzte Sexworker
621 bordellartige Betriebe
79 mutmaßliche Opfer von Menschenhandel 2011
7 Straßenstrichbereiche
3 Beratungsstellen mit 600.000 Euro/Jahr finanziert
www.sexworker.at/phpBB2/viewtopic.php?p=136561#136561

Prostitutionsbetriebe
FKK Artemis www.sexworker.at/phpBB2/viewtopic.php?p=135411#135411
Café Pssst - Urteil 2000 www.sexworker.at/phpBB2/viewtopic.php?p=132393#132393

Agentur Liberty Urteil ...

www.stundenhotel-stockholm.de Schöneberg, Eisenacher Straße

...





Der weltweit erste Sexworker Verein wurde 1919 in Berlin gegründet mit Unterstützung vom Dr. Magnus Hirschfeld:

Bild
(vmtl. nicht in dieser Ausstellung)

"Lotterieverein 'Goldene Dose'" und "Hilfsbund der Berliner Prostituierten"
www.hirschfeld.in-berlin.de/institut/de ... eo_28.html

www.bit.ly/sexworkgeschichte





Highlights auf den folgenden Seiten

Studie von Christiane Howe: Nachbarschaften und Straßen-Prostitution. Konfliktlinien und Lösungsansätze im Raum rund um die Kurfürstenstraße in Berlin:
www.sexworker.at/phpBB2/viewtopic.php?p=107574#107574

...





Sonstwo im Forum


Bild
Link






.
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Stress im Kiez - Artikel in der TAZ

#5

Beitrag von Zwerg » 2007-10-09, 20:55

Stress im Kiez

Der Kiez rund um den U-Bahnhof Kurfürstenstraße ist in Aufruhr. Im letzten halben Jahr tauchen an der Grenze zwischen Tiergarten und Schöneberg vermehrt Prostituierte aus Bulgarien, Rumänien, Ungarn auf. Prostitution gibt es schon lange im Kiez. Aber das, was die Anwohner und Gewerbetreibende jetzt erleben, überbietet alles Dagewesene. Auch die alteingessenen Huren bekommen das aggressive Auftreten der osteuropäischen Frauen und ihrer Zuhälter zu spüren. Verschärft wird die Situation dadurch, dass der Betreiber des Sexkaufhauses an der Kurfürstenstraße nun auch noch ein Bordell mit 40 Zimmern eröffnen will. Eine Diskussion mit Anwohnern, Politik und Polizei findet am Donnerstag um 19 Uhr im "Pallast" an der Pallasstraße Ecke Potsdamer Straße statt.

Dazu schreibt die TAZ

Grenzverkehr auf der Potse

Prostitution sind die Anwohner der Potsdamer Straße gewohnt. Doch aggressiv anschaffende Frauen und ihre Zuhälter verschlechtern das Klima im Kiez. Nun ist auch noch ein großes Bordell geplant


"Die sollen bloß weg", sagt der Kebab-Imbiss-Besitzer unweit des U-Bahnhofs Kurfürstenstraße. Er meint die osteuropäischen Straßenprostituierten vor dem dortigen Sexkaufhaus LSD. "Ich will die nicht mehr sehen", sagt auch der Mann von der Eisdiele daneben. Ein Bistro weiter ist die Stimmung nicht besser: "Wir sind absolut dagegen." Der Wirt beschreibt, wie sich Frauen vor dem Sexkaufhaus auf ihn gestürzt haben, als er an der Ampel wartete: "10 Euro, sagt sie und will mich ins LSD ziehen." Prostitution, das kenne man auf der Potsdamer Straße, damit habe man sich arrangiert, aber zu viel sei zu viel.

Der Kiez rund um den U-Bahnhof ist in Aufruhr. Im letzten halben Jahr tauchen an der Grenze zwischen Tiergarten und Schöneberg vermehrt Prostituierte aus Bulgarien, Rumänien, Ungarn auf. Sie werden von Geschäftsleuten und Passanten als sehr aggressiv geschildert. "Sie machen Männer direkt an, kneten ihre Brüste, spielen mit der Zunge rum, nötigen Autofahrer zum Halten", erzählt eine Mitarbeiterin aus dem Bezirksamt. "Neulich saß bei mir plötzlich eine Prostituierte im Auto, als ich an der Ampel hielt", berichtet ein Anwohner. Eine Passantin sagt, sie habe gesehen, wie einer Prostituierten direkt vor Bolle ins Gesicht geschlagen wurde.

Das aggressive Auftreten der Frauen und ihrer Zuhälter wirke sich mittlerweile geschäftsschädigend aus, sagt Detlef Matuscewska, Filialleiter von Woolworth: "Kunden sagen, das ginge so nicht." Auch seine Mitarbeiterinnen klagen über die Anmache, das Geschrei und das unwürdige Vermarkten der Körper.

Matuscewskas Büro ist ein Logenplatz mit direktem Blick auf die Straße vor dem Sexkaufhaus. Ein Dutzend junger Frauen in Straßenkleidung stehen vor den Schaufenstern oder lehnen gegen parkende Autos. Fast jeden Mann, der an ihnen vorbeiläuft, sprechen sie an. Bei manchen haken sie sich ein und zeigen zum Hintereingang des LSD. In den dortigen Videokabinen soll der Verkehr stattfinden. Den Frauen ist es egal, wie die Männer aussehen - ob jung oder alt, ob bärtiger Muslim von der angrenzenden Moscheegemeinde oder Fahrradfahrer. Man sieht, dass die Prostituierten durch den Hintereingang im Sexkaufhaus ein und aus gehen. Man sieht, wie die Frauen miteinander streiten. Man sieht, wie Zuhälter in großen Schlitten ankommen und wegfahren. Der Ton ist rau.

Verschärft wird die Situation durch ein Bordell mit 40 Zimmern, das in den bisher leeren Etagen über dem LSD geplant ist. Der Antrag ist gestellt. Baurechtlich wäre ein Bordell an dieser Stelle zulässig, denn die Ecke gilt nicht als reines Wohngebiet. Der zuständige Schöneberger Stadtrat Bernd Krömer (CDU) will die massiven Bedenken, die von Quartiersmanagement, den Anwohnern, Vereinen, Schulen und Kirchengemeinden eingebracht werden, jedoch nicht übergehen. Er will "rechtskonform, aber auch angemessen" entscheiden.

Prostitution gibt es schon lange im Kiez. Zu Westberliner Zeiten hatte die Mischung aus Kultur, Gewerbe und Sex hier fast Weltstadtflair. Nach der Wende indes kam zum käuflichen Sex der wirtschaftliche Niedergang. Mit Hilfe des Quartiersmanagements, engagierter Eingesessener und sozialer Projekte wurde versucht, diese Entwicklung zu stoppen, was halbwegs gelang.

Die osteuropäischen Prostituierten bringen nun das fragile Gefüge ins Wanken. Sie tragen extreme Konkurrenz in die Szene, bestätigen Sozialarbeiterinnen von Olga, einer Beratungsstelle für drogenabhängige Prostituierte. Sie versuchen mit den Frauen in Kontakt zu kommen, verteilen Kondome, scheitern aber meist an Sprachbarrieren.

"Der Kiez ist kein katholisches Wolkennest, aber wir fürchten, dass die soziale Stabilisierung so nicht aufrechtzuerhalten ist", fürchtet Michael Klinnert vom Quartiersmanagement Magdeburger Platz. "Die Frage für oder wider das Bordell, auf die sich die öffentliche Auseinandersetzung jetzt zuspitzt, kann die eigentliche Problematik nicht lösen", meint indes eine Frau, die im Café Isotop in der Pohlstraße sitzt. In letzter Zeit hab sich die ganze Atmosphäre im Kiez verändert. "Wenn ich nachts unterwegs bin, bekomme ich dauernd Offerten." Sage sie zu den Freiern, sie sei keine Prostituierte, werde sie gefragt, was sie dann auf der Straße zu suchen habe.

Und folgendes Interview ist ebenso zu lesen:

"Ohne Kondom für 5 Euro"

Die Sitten an der Kurfürstenstraße sind brutal geworden, sagt Tatjana X. Die Domina arbeitet seit 15 Jahren in dem Rotlichtviertel. Sie fordert mehr Kontrollen durch die Polizei. Das neue Bordell fördere nur Billigsex ohne Kondom. VON PLUTONIA PLARRE

taz: Frau X, Sie gehen seit 15 Jahren als Domina im Kürfürstenstraßen-Kiez anschaffen. Hat sich die Szene verändert?

Tatjana X.: Ganz extrem. Die Sitten hier sind ziemlich brutal geworden. An der Ecke vor dem Sexkaufhaus LSD ist es besonders schlimm.

Wieso?

Seit einem Jahr findet hier eine extreme Verdrängung statt. Vor allem durch Bulgarinnen und Rumäninnen. Die machen alles ohne Kondom und den Althuren damit die Preise kaputt. Französisch ohne Kondom kostet bei denen 5 Euro. Wir sehen immer, wie die das Sperma ausspucken, wenn die aus den Autos der Freier steigen. Verkehr ohne Gummi kostet bei denen 10 bis 15 Euro. Eine normale Hure nimmt 30 Euro für Französisch. Französisch und Verkehr macht 80 Euro, mit Gummi wohlbemerkt.

Ist der Verfall der Preise das einzige Problem?

Nein. Die jungen Frauen hacken sich gegenseitig die Augen aus. Die schubsen sich gegenseitig vor die Autos. Die bespucken die Anwohner. An jeder Ecke hängt ein rumänischer oder bulgarischer Aufpasser rum. Am Sexkaufhaus steht keine deutsche Frau mehr. Ich gehe da nicht mal mehr lang, um mir ein Taxi zu bestellen. Die Frauen hauen dir die Kippe ins Gesicht und schlagen mit der Flasche zu. Es ist ganz schlimm geworden.

Sind davon nur deutsche Huren betroffen?

Nein, auch Ghanaerinnen und die Thaifrauen. Alle Frauen, die sauber - also mit Kondom - arbeiten.

Was ist denn mit den Junkie-Frauen?


Die Drogenfrauen sind fast alles Deutsche. Die haben sie da vorne einfach weggescheucht. Die stehen jetzt weiter hinten in der Kurfürstenstraße in Richtung zu uns Profifrauen. Die Transvestiten, die in der Frobenstraße hinter dem Autohandel stehen, haben auch schon Krieg mit den Bulgaren. Einige von den Transen haben schon eins mit dem Baseballschläger auf den Kopf bekommen.

Was kann man dagegen machen?

Die Huren müssen sich zusammentun. Oder die deutschen Jungs von den deutschen Frauen.

Sie meinen die Zuhälter?

Quatsch. In Berlin gibt es kaum noch deutsche Zuhälter. Die meisten sind alt und haben aufgehört. Und die haben keine Lust, sich ein Messer reinhauen zu lassen. Hier gibt es fast nur rumänische, bulgarische, türkische und arabische Zuhälter. Die Polizei müsste viel mehr kontrollieren.

Aber Prostitution ist doch legal.

Die Rumäninnen und Bulgarinnen gehen hochschwanger anschaffen. Die stehen da mit kleinen Kindern rum. Wenn sie in ein Auto einsteigen, drücken sie die Kinder den Aufpassern in den Arm. Die Frauen gehen nicht zum Gesundheitsamt. Wir Althuren müssen uns alle drei Monate auf Geschlechtskrankheiten checken lassen. Das tut von denen nicht eine.

Was halten Sie von dem geplanten Bordell?

Ich bin überzeugt, da drinnen werden nur Billigfrauen arbeiten. Gäste werden ausschließlich Männer sein, die billigen Sex ohne Kondom wollen. Nein danke.


taz

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Massenprostitution unerwünscht - Artikel in der taz

#6

Beitrag von JayR » 2007-10-12, 23:53

Massenprostitution unerwünscht

Der Schöneberger Bezirksbürgermeister will das Großbordell auf der Potsdamer Straße verhindern. Bei einer Kiezversammlung klagten AnwohnerInnen bereits jetzt über Lärm und aggressive Anmache durch Prostituierte. VON PLUTONIA PLARRE

Das Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg wird keine Genehmigung für ein Großbordell an der Potsdamer Straße Ecke Kurfürstenstraße erteilen. Das kündigte Bezirksbürgermeister Ekkehard Band (SPD) am Donnerstagabend auf einer Bürgerveranstaltung an. Der Antrag, in dem sechsstöckigen Sex-Kaufhaus Love Sex and Dreams (LSD) ein 40- Zimmer-Bordell einzurichten, ist damit aber noch nicht vom Tisch. "Wir gehen davon aus, dass der Betreiber den Rechtsweg beschreiten wird", sagte Baustadtrat Bernd Krömer (CDU). Die Potsdamer Straße gilt baurechtlich als Kerngebiet, in dem - anders als in Wohngebieten - Bordelle grundsätzlich möglich sind. Krömer will die Ablehnung damit begründen, ein Bordell sei für den Kiez eine "unerträgliche Belastung" und führe zu "sozialen Verwerfungen".

Den Bezirkspolitikern wurde bei der Versammlung ein Paket mit bisher 2.400 gesammelten Unterschriften übergeben. Zu dem Termin erschienen mehr als 200 Anwohner, Gewerbetreibende, Eltern, Erzieherinnen und Sozialarbeiter. Anschaulich beschrieben sie, wie sich die Situation in dem Viertel zwischen Froben-,Kurfürsten-, Bülow- und Potsdamer Straße im letzten Jahr zugespitzt hat.

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Prostitution hatte es im Kiez immer gegeben, doch seit dem EU- Beitritt Rumäniens und Bulgariens bieten verstärkt Osteuropäerinnen ihre Liebesdienste an. Besonders häufig stehen sie vor dem Sexkaufhaus LSD - es scheint sich herumgesprochen zu haben, dass die mit Kleenex-Rollen bestückten Video-Kabinen für Quickies genutzt werden können.

Das aggressive Auftreten der Prostituierten und ihrer Zuhälter wird im Kiez mit großer Sorge beobachtet. Erzieherinnen berichteten, dass sie sich mit den Kindern kaum noch nach draußen trauten, weil die Huren so viel nacktes Fleisch zeigten. Manchmal werde zwischen den parkenden Autos sogar kopuliert. Anwohner schilderten, wie Passanten und Einkäufer massiv angebaggert würden. Mieter berichteten, dass das Geschrei auf der Straße nachts so laut sei, dass sie kein Auge mehr zutäten. Bis zu 500 Autos habe er nachts in seiner Wohnstraße gezählt, berichtete ein Mann auf der Versammlung.

Eine alteingesessene Hure beklagte gegenüber der taz, die Osteuropäerinnen verdärben die Preise, da sie ohne Kondom zu Dumpinglöhnen arbeiteten.

Andreas Fuhr, Pfarrer der 12 Apostel- Gemeinde, bringt die Stimmung auf den Punkt: "Das Gleichgewicht im Kiez droht zu kippen." Ein Großbordell, so befürchtet er, werde die Lage weiter verschlimmern. Abwanderungen von Geschäften und Wegzüge von Familien aus Kiez könnten folgen. Schon jetzt seien in der Kita in der Kurmärkischen Straße 60 von 120 Plätzen nicht belegt, wie eine Sozialarbeiterin berichtete.

Bürgermeister Band versprach am Donnerstag, eine ressortübergreifende Arbeitsgruppe einzuberufen, an der auch die Polizei und Hurenorganisationen teilnehmen sollen. "Ich kann aber nicht versprechen, dass dies zu durchschlagenden Erkenntnissen führt", sagte Band. Stefanie Klee vom Verband sexuelle Dienstleistungen forderte, dass auch Senatsvertreter mit an den Tisch müssten. Prostitution gehe alle an, sagte Klee. Wer kleine Bordelle in den Wohngebieten schließe, brauche sich nicht zu wundern, wenn sich das Gewerbe auf Gebiete wie die Potsdamer Straße konzentriere und dort als sozial unverträglich empfunden werde.

taz
http://www.taz.de/index.php?id=berlin-a ... 4123c7e409

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Re: Massenprostitution unerwünscht - Artikel in der taz

#7

Beitrag von annainga » 2007-10-13, 09:25

JayR hat geschrieben: Stefanie Klee vom Verband sexuelle Dienstleistungen forderte, dass auch Senatsvertreter mit an den Tisch müssten. Prostitution gehe alle an, sagte Klee. Wer kleine Bordelle in den Wohngebieten schließe, brauche sich nicht zu wundern, wenn sich das Gewerbe auf Gebiete wie die Potsdamer Straße konzentriere und dort als sozial unverträglich empfunden werde.
was momentan in berlin stattfindet ist sehr ergreifend. ich hoffe sehr, dass sich der Bundesverband sexueller Dienstleistungen, der mit eigenen finanziellen mitteln[hr] eine studie in auftrag gab, gut positionieren kann!

diese studie ergab, dass wohnungsprostitution ein form der dienstleistung ist, die mit wenigen störungen des wohnumfeldes einher geht.

liebe grüße, annainga

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#8

Beitrag von annainga » 2007-10-13, 15:18

12. Oktober 2007, 20:31 Uhr

Von Brigitte Schmiemann
Schöneberg

Ein Kiez wehrt sich gegen die Prostitution

Ein an der Kurfürstenstraße geplantes Großbordell empört die Anwohner. Sie klagen darüber, dass durch die neue aggressive Straßenprostitution das ohnehin kritische Gebiet gekippt sei. Selbst die "alteingesessenen" Huren ärgern sich über das neue Geschäftsgebaren ihrer Konkurrenz.

Auch die "alteingesessenen" Huren ärgern sich über das neue Geschäftsgebaren ihrer Konkurrenz: "Die machen alles für 'nen Zehner und ohne Gummi"

Kurzer Rock, rote Stiefel, suchender Blick – das Geschäft läuft an diesem Tag nicht gut. Die Prostituierten vor dem Erotik Kaufhaus LSD (Love, Sex, Dreams), das rund um die Uhr geöffnet hat, zeigen sich umso beharrlicher. Im Kiez sind sie nicht gelitten. Anwohner, Gewerbetreibende, Erzieherinnen und junge Familien mit Kindern klagen darüber, dass durch die neue aggressive Straßenprostitution das ohnehin durch Straßenstrich und Drogenszene belastete Gebiet gekippt sei.

Die Frauen aus Osteuropa würden noch nicht einmal davor zurückschrecken, die Männer anzusprechen, die nur mal schnell einen Drink im Café nehmen. Auch Handgreiflichkeiten seien an der Tagesordnung. Andreas Fuhr, Vater von vier Kindern im Alter zwischen drei und elf Jahren und Pfarrer der nahen Zwölf-Apostel-Kirchengemeinde, sagt, die Stimmung sei aufgeheizt: „Wir hatten hier im Bereich Froben-, Kurfürstenstraße und Genthiner Straße eine eher unauffällige Prostitution von zumeist Drogenabhängigen und haben mit dem Straßenstrich gelebt. Unsere Kinder hatten nie schlechte Erfahrungen damit gemacht, aber jetzt sind Rumgebrülle und Geschlechtsverkehr auf der Straße keine Seltenheit mehr.“ Auch die Erzieherinnen aus dem „Haus der Kinder“ an der Kurmärkischen Straße 2–8 haben die Veränderung längst zu spüren bekommen. Es gebe viel mehr Frauen, die sich prostituieren, als noch vor wenigen Monaten, sie seien auch auffälliger gekleidet als Huren vom Straßenstrich um die Ecke in der Frobenstraße oder die weiter entfernt auf der Kurfürstenstraße.

Auch die „alteingesessenen“ Huren ärgern sich über das neue Geschäftsgebaren ihrer Konkurrenz: „Die machen alles für 'nen Zehner, ohne Gummi, manche gehen mit den Männern dazu ins LSD-Haus, bei uns hält keiner mehr an. Und wenn, handeln uns die Freier runter, denn wir nehmen ab 25 Euro“, so eine Prostituierte, die an der Frobenstraße mit zwei weiteren Frauen auf Kunden wartet. Sie sind unauffällig gekleidet. Dass sie ihre Haut zu Markte tragen, merkt man auf den ersten Blick nur daran, dass sie wartend am Bordstein stehen.

Anwohner haben 2400 Unterschriften gesammelt

Das Bezirksamt hat nicht nur 2400 Protest-Unterschriften von Anwohnern gegen das von einem Privatmann beantragte Großbordell im ehemaligen Wegert-Haus erhalten – auch Geschäftsleute appellieren an die Politiker, im Kiez wieder für mehr Ordnung zu sorgen.

UMFRAGE

Nutzen Sie die Dienste einer Prostituierten?

Nein, noch nie
Noch nicht, könnte ich mir aber vorstellen
Ja, aber nur im Urlaub
Ja, aber nur 3- oder 4-mal im Jahr
Ja, 1-mal monatlich
Ja, 1-mal wöchentlich

abstimmen Ergebnis

61% Nein, noch nie
3% Noch nicht, könnte ich mir aber vorstellen
4% Ja, aber nur im Urlaub
8% Ja, aber nur 3- oder 4-mal im Jahr
4% Ja, 1-mal monatlich
11% Ja, 1-mal wöchentlich

Aktuell: 3693 Stimmen

Woolworth-Geschäftsleiter Detlef Matuszewska (46), der das Treiben direkt vor der Tür erlebt, ärgert sich über die massive Anhäufung von Prostituierten, die rund um die Uhr arbeiten. Durch das „ständige Angequatsche“ würden seine Kunden verprellt. Es gebe viele Beschwerden. Auch die Mitarbeiter fühlten sich in solch einer Umgebung nicht mehr wohl. Zusammen mit der IG Potsdamer Straße sei der Verein „Boulevard der Bänke“, dessen Vorsitzender er ist, bemüht, die Potsdamer Straße als Einkaufs- und Flaniermeile aufzuwerten. Die Verwaltungen der Bezirke Mitte und Tempelhof-Schöneberg müssten dringend zusammenarbeiten, um das Problem in den Griff zu bekommen. Selbst der Hauseigentümer des ehemaligen Wegert-Hauses, Sven H., bezeichnet die Entwicklung als „Drama“. Nach reiflicher Überlegung habe er mit dem Privatmann aus Westdeutschland, der in der zweiten, dritten und vierten Etage des Gebäudes das Laufhaus einrichten will, einen Zehn-Jahres-Mietvertrag gemacht. Und zwar, nachdem das Stadtplanungsamt dem Mieter gesagt habe, dass die Genehmigung für ein Bordell an dieser Stelle kein Problem sei. Um aus der Misere herauszukommen, habe er den Mieter vor kurzem gebeten, den Vertrag aufzuheben. Doch dieser habe abgelehnt. Er habe Kosten gehabt, Brandschutzgutachten und Baupläne würden der Behörde komplett vorliegen. Der Mieter fühle sich im Recht und werde die Sache durchziehen, meint der Hauseigentümer. Bodyguards sollen die Prostituierten verjagen.
Seinen Namen will der Eigentümer, von Beruf Bankkaufmann, mit Rücksicht auf seine Kinder nicht nennen. Seinem Mieter habe er ebenfalls Diskretion zugesagt. Der Betreiber habe mit dem Straßenstrich vor der Haustür aber nichts zu tun. Um das Haus „sauber zu halten“, habe er als Hauseigentümer nun „Bodyguards“ angestellt. Sie sollen die Prostituierten verjagen. Der Parkplatz werde nachts mit Flutlicht beleuchtet.

Die Hoffnung der Rossmann-Verkaufsstellenleiterin Beatrix Baum, dass es besser ist, wenn die Prostituierten von der Straße wegkommen, wird also wohl nicht in Erfüllung gehen. Das Bordell würde eine neue Gruppe von Huren mit ihren Freiern bedeuten, sagt auch Stephanie Klee vom Bundesverband sexuelle Dienstleistungen, in dem Prostituierte organisiert sind: „Ein Laufhaus würde die Vielfältigkeit erhöhen, aber an dieser Stelle wäre es nicht sozialverträglich.“ Das Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg hat zugesagt, das Bordell nicht genehmigen zu wollen. Nun scheint alles auf einen Streit vor Gericht hinauszulaufen, denn baurechtlich ist das Bordell zulässig.

http://www.welt.de/berlin/article126104 ... ution.html

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Grossbordell

#9

Beitrag von annainga » 2007-10-14, 23:00

Grossbordell

Nachbarn erwarten die Hilfe der Politik
Im Streit um ein Großbordell an der Potsdamer Ecke Kurfürstenstraße will der Bezirksbürgermeister nicht klein beigeben. Eine Ablehnung des geplanten Laufbordells, wie vom Bezirksamt angekündigt, könnte aber scheitern, da baurechtliche Beanstandungen schwierig sind.

Weil im ehemaligen Wegert-Haus an der Ecke zur Kurfürstenstraße über dem Erotik-Kaufhaus LSD ein Bordell entstehen soll, sorgen sich Anwohner und Geschäftsleute um die Sicherheit im Kiez. Sie haben es geschafft, eine breite Öffentlichkeit auf ihr Problem aufmerksam zu machen. Doch das war nur der erste Schritt. Jetzt wollen sie Veränderungen sehen – und zwar schnell.

Ein Kiez wehrt sich gegen die Prostitution

„Es geht nicht gegen Prostitution generell, sondern gegen die Verdichtung hier und die Folgeprobleme“, sagt eine 48-Jährige, die seit 20 Jahren in der Nähe wohnt. Am Donnerstagabend war sie bei der Bürgerversammlung mit Bezirksbürgermeister Ekkehard Band (SPD), der den rund 200 aufgebrachten Schönebergern zusagte, das Großbordell mit rund 40 Zimmern für ebenso viele Frauen nicht genehmigen zu wollen. Das Problem dabei: Band hat das Baurecht nicht auf seiner Seite. Wie verunsichert viele Anwohner sind, seit sich die Prostitution vor ihren Haustüren vom eher unauffälligen Drogenstrich zu einer Szene mit offensiv auftretenden Zuhältern und aggressivem Anwerbeverhalten der Frauen veränderte, zeigt auch der Umgang mit dem Thema in der Öffentlichkeit. Das Bordell spaltet die Nachbarschaft: Die Frau aus der Seitenstraße will ihren Namen ebenso wenig nennen wie der Angestellte eines Telecafés. „Die Huren sind wichtige Kundinnen“, sagt er. „Das wirft uns zurück“

Auch im Konkurrenzgeschäft einige Häuser weiter profitiert man von „den Damen“, die von dort aus in ihre oft osteuropäische Heimat telefonieren. „Immerhin nehmen sie den Laden nicht auseinander wie die Ghetto-Kids“, sagt ein Angestellter. Gastwirt Fred Eichhorn dagegen, auch als Quartierrat aktiv, wirft Huren und Zuhältern konsequent aus seinem „Puschel's Pub“. „Wir waren gerade auf gutem Wege, jetzt wirft uns das wieder zurück“, sagt er. Das Quartiermanagement wolle den Kiez aufwerten. Auch Manuela Beyer hat für die Szene kein gutes Wort übrig: „Als Hausfrau kann man sich doch kaum noch auf die Straße trauen, weil man selbst angequatscht wird“, schimpft sie und steht mit dieser Position nicht allein. Ekkehard Band will nun eine Arbeitsgruppe gründen, die beraten soll, was gegen die ausufernde Prostitution unternommen werden kann. „Auf der Bezirksamtssitzung am Dienstag besprechen wir die Details“, so Jugendstadträtin Angelika Schöttler (SPD), auch zuständig für das Quartiermanagement. In der Arbeitsgruppe sollen neben dem Bürgermeister und den fachlich zuständigen Stadträten Institutionen aus dem Umfeld vertreten sein. „Ich denke da an die Zwölf-Apostel-Kirchengemeinde, Vertreter aus Kitas und auf jeden Fall auch aus dem Nachbarbezirk Mitte.“

Die Polizei hat auf Potsdamer und Kurfürstenstraße ein besonderes Augenmerk. Allerdings: „Prostitution ist generell nicht verboten. Sie wird für uns dann ein Thema, wenn es im Umfeld zu Kriminalität wie Menschen- und Drogenhandel kommt. Dazu zählen auch Körperverletzung, Nötigung und Bedrohung “, so Polizeisprecher Bernhard Schodrowski. „Wir sind täglich im Einsatz und haben die Situation unter Kontrolle.“ Viele Anwohner wünschen sich mehr Hilfe von der Polizei, haben Angst. Ihm sei von einer Hure bei einem „Anbaggerversuch“ bereits Geld aus der Hosentasche gestohlen worden, berichtet ein 50-Jähriger. Ein Zivilfahnder fürchtet Auseinandersetzungen zwischen Zuhältern und Geschäftsleuten. Problematisch seien außerdem die öffentlichen sexuellen Handlungen. „Das ist eine Gegend, in der man seine Kinder nicht allein auf die Straße lassen sollte“, sagte der Beamte.

http://www.welt.de/berlin/article126523 ... itik_.html

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JayR
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#10

Beitrag von JayR » 2007-10-15, 23:22

Protest gegen Bordell

Bürgermeister schließt Sperrbezirk nicht aus

Ein Bordellbetreiber will im ehemaligen Wegert-Haus an der Ecke Kurfürstenstraße und Potsdamer Straße auf drei Etagen ein Bordell mit 40 Zimmern einrichten. Anwohner und Geschäftsleute laufen Sturm gegen den Plan. Im Gespräch mit WELT ONLINE schließt Ekkehard Band, Bezirksbürgermeister von Tempelhof-Schöneberg, einen Prostitutions-Sperrbezirk im Kiez nicht mehr aus.


Das Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg will das Laufbordell mit 40 Zimmern an der Potsdamer Straße Ecke Kurfürstenstraße verhindern und dabei einem Rechtsstreit nicht aus dem Weg gehen. Der Bauantrag, das Geschäftshaus umzubauen, ist gestellt. Er soll nicht genehmigt werden, obwohl ein Bordell baurechtlich im Gebiet zulässig wäre.
Bezirksbürgermeister Ekkehard Band (SPD) sprach für WELT ONLINE mit Redakteurin Brigitte Schmiemann darüber, was der Bezirk tun will, um das Projekt zu stoppen.


WELT ONLINE: Herr Band, wer wird in der von Ihnen ins Leben gerufenen Arbeitsgruppe sitzen?

Ekkehard Band: Vertreter der Bezirksämter Tempelhof-Schöneberg und Mitte, denn die Kurfürstenstraße gehört ja nur auf einer Seite zu unserem Bezirk. Weiterhin Polizei, Interessenvertretungen wie Hydra, Olga und Subway. Die Straßenverkehrsbehörde, das Quartiermanagement, die IG Potsdamer Straße, die Kirche und auch Anwohner. Um schnell handeln zu können, sollte der Kreis nicht zu groß werden. Da es sich um ausländische Prostituierte handelt, sollte auch jemand von der Ausländerbehörde dabei sein.

WELT ONLINE: Wann werden Sie tagen?

Band: Wir treffen uns erstmals am 2. November im Rathaus Schöneberg. Dabei wollen wir die Fakten auflisten und Lösungen suchen.

WELT ONLINE: Wäre es nicht besser, wenn die Frauen statt auf der Straße in einem Bordell arbeiten könnten?

Band: Ich halte das für einen Trugschluss. Entscheidend ist aber vielmehr, dass in dem schon ohnehin belasteten Quartier durch die Einrichtung eines Großbordells zusätzliche Belästigungen und Störungen entstünden. Das auch in einer Großstadt erforderliche soziale Gleichgewicht wäre erheblich beeinträchtigt. Eine solche soziale Entmischung muss verhindert werden.

WELT ONLINE: Wie schätzen Sie die rechtlichen Möglichkeiten ein, ein Bordell im ehemaligen Wegert-Haus zu versagen?

Band: Wir werden alle rechtlichen Möglichkeiten nutzen. Ich glaube an unsere Chance, den Kiez vor dem kompletten Absturz zu retten. Die sozialen Auswirkungen sind schon jetzt für das Wohngebiet gravierend.

WELT ONLINE: Was gab es bislang im Gebiet für Probleme, und was haben Sie dagegen unternommen?

Band: In all den Jahren, in denen wir uns mit Quartiersmanagement, Gesundheitsamt und Freien Trägern um die Prostituierten und der häufig damit Hand in Hand gehenden Drogenproblematik kümmern, haben wir die Probleme zumeist schnell lösen können. So haben wir Sträucher zurück geschnitten, Tischtennisplatten und Bänke entfernt, um keine Örtlichkeiten für den schnellen Sex zu bieten. Um den Suchverkehr zu unterbinden, gibt es in vielen Nebenstraßen ein nächtliches Durchfahrverbot.

WELT ONLINE: Was hat das Fass jetzt zum Überlaufen gebracht, denn die Anwohner hatten sich mit der Situation doch eigentlich arrangiert?

Band: Wir haben es mit einer völlig neuen Dimension der Prostitution zu tun, mit aggressiven Anwerbeversuchen, Geschlechtsverkehr, der nach Hinweisen von Anwohnern ohne Rücksicht auf offener Straße und in Autos auch am hellen Tage vollzogen wird.

WELT ONLINE: Gibt es Alternativ-Standorte für solch ein Groß-Bordell im Bezirk?

Band: Nein, die stehen nicht zur Diskussion, da es speziell um dieses Haus geht.

WELT ONLINE: Haben die Frauen, die vor dem ehemaligen Wegert-Haus anschaffen gehen, überhaupt eine Arbeitserlaubnis?

Band: Bei vielen soll es sich ja um EU-Bürger beispielsweise aus Rumänien, Bulgarien oder Tschechien handeln. Sie reisen nicht selten einfach nur mit einem dreimonatigen Touristenvisum ein.

WELT ONLINE: Welche Auswirkungen hätte ein Großbordell?

Band: Wir haben in den letzten Jahren sehr viel Geld in die Hand genommen, um das Quartier zu stabilisieren. Diese Projekte von Quartiersmanagement und Wirtschaftsförderung sind auf einem guten Weg. Ein Großbordell würde den Standort abgleiten lassen.

WELT ONLINE: Wäre ein Sperrbezirk eine Lösung?

Band: Auch darüber werden wir in der Arbeitsgruppe reden. Bisher war es in Berlin nicht gewollt, bestimmte Gebiete für die Prostitution zu sperren – Straßenprostitution gibt es seit den 20er-Jahren, doch angesichts der massiven Probleme im Schöneberger Norden ist auch das für uns kein Tabu-Thema mehr.

Welt
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#11

Beitrag von JayR » 2007-10-16, 22:57

Sperrbezirk für Tabuzonen

Der Bezirksbürgermeister Band hält einen Sperrbezirk in Nordschöneberg für möglich. So will er den Streit um ein Großbordell entschärfen. Sein Vorschlag ist jedoch rechtlich und politisch heftig umstritten. VON NANA HEIDHUES

Der Streit um ein Großbordell an der Potsdamer Straßen führt zu skurrilen Blüten. Bezirksbürgermeisters von Tempelhof-Schöneberg Ekkehard Band (SPD) will nun gar über die Einrichtung eines Sperrbezirks in Nordschöneberg nachdenken. In einem Interview mit der Berliner Morgenpost hatte Band angekündigt, angesichts der "massiven Probleme" mit der Prostitution sei die Einrichtung eines Sperrbezirks "kein Tabu-Thema" mehr. Sperrzonen für Prostituierte gibt es bisher nicht in Berlin.

Der Kiez rund um die Kreuzung Potsdamer Straße und Kurfüstenstraße ist seit Jahren als Rotlichtviertel bekannt. Ein an der Kreuzung geplantes Großbordell führt jetzt jedoch zu heftigen Debatten unter den Anwohnern. Für Regelungen im Bereich der Prostitution sind in Berlin bisher die Bezirke zuständig. Um einen Sperrbezirk einzurichten wäre jedoch eine Rechtsverordnung des Senats notwendig, die mit dem "Schutz der Jugend oder der Sitten" begründet werden muss. "Das ist aber gar nicht mehr so einfach, da Prostitution dem neuen Gesetz zufolge nicht mehr als sittenwidrig gilt", erklärt Nicola Rothermel, Sprecherin der Senatsinnenverwaltung. Es habe des öfteren vergeblich Versuche gegeben, Sperrgebiete einzurichten.


Auch politisch ist Bands Vorschlag umstritten - selbst im eigenen Bezirksamt. "Ein Sperrbezirk wäre überhaupt keine Antwort auf den Konflikt um die Potsdamer Straße", sagte die grüne Sozialstadträtin Sybill Klotz der taz. "Das löst das Problem nicht, sondern verlagert es nur an einen anderen Ort." Klotz plädiert für eine berlinweite Regelung zur Zulassung von Bordellen, um die Lage an der Potsdamer Straße zu entschärfen.

Stephanie Klee vom Bundesverband Sexuelle Dienstleistungen fürchtet, dass ein Sperrbezirk "womöglich zu St.Pauli-ähnlichen Zuständen" führen würde. Bisher trage die Existenz kleiner Wohnungsbordelle und die Fehlen von Sperrbezirken dazu bei, dass die Prostitutionsszene in Berlin realtiv wenig kriminell sei. "Der Bezirk hat die Entwicklung im Gebiet der Potsdamer Straße zu spät erkannt und tut sich jetzt schwer, entsprechend zu reagieren", so Klee.

Ein erster Schritt dorthin könnte eine neue Arbeitsgruppe sein. Am 2. November setzen sich VertreterInnen aus den Bezirksämtern Tempelhof-Schöneberg und Mitte mit Prostituierten, Anwohnern, Geschäftsleuten und der Polizei zusammen, um im Streit um das geplante Großbordell eine Lösung zu finden.

taz
http://www.taz.de/index.php?id=berlin-a ... d8e0dc183b

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#12

Beitrag von Marc of Frankfurt » 2007-10-17, 00:19

In vielen Stadten so auch in Frankfurt sind die Probleme mit Straßenstrich, Beschaffungsprostitution, Freiersuchverkehr und undokumentierten bis illegalen Migrationsprostituierten insbesondere im Sperrbezirk konzentriert.

D.h. hier wird versucht mit einem bürgerlichen Scheinargument der Kontrolle eine umstrittene räumliche Ausgrenzung und Diskriminierung einzuführen.

Dies wird mit den dann möglichen teilweise unverhältnismäßigen Sanktionsmöglichkeiten sich abermals gegen die Schwächsten, die Frauen, die Drogengebraucher, die MigrantInnen richten ...




Querverweis: Baurecht als Mittel der Prostitutionskontrolle:
viewtopic.php?t=1226






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Großbordell in Berlin

#13

Beitrag von annainga » 2007-10-19, 23:22

Großbordell: Entscheidung in vier Wochen

Die Ablehnung für das geplante Laufhaus an der Kurfürstenstraße wächst. Auch Mittes Bürgermeister befürchtet negative Auswirkungen, besonders auf das Gewerbeumfeld am Potsdamer Platz. Er präferiert Wohnungsbordelle, die besser kontrollierbar seien.

Bernd Krömer (CDU), Baustadtrat in Tempelhof-Schöneberg, prüft mit seiner Abteilung den Bauantrag für das geplante Großbordell an der Kurfürstenstraße Ecke Potsdamer Straße.Er rechne damit, in spätestens vier Wochen über eine Genehmigung oder Ablehnung zu entscheiden, sagte er am Dienstag. Bezirksbürgermeister Ekkehard Band (SPD) initiiert derweil einen Runden Tisch, an dem neben Anwohnern, Gewerbetreibenden und Verwaltungen auch die Polizei vertreten sein wird. Der erste Treff im Rathaus Schöneberg ist für den 2. November vorgesehen.

Mittes Bürgermeister Christian Hanke (SPD) will mit dem Nachbarbezirk an einem Strang ziehen und spricht sich ebenfalls gegen ein geplantes Laufhaus am Brennpunkt Potsdamer Straße/Kurfürstenstraße aus: „Wir müssen alles versuchen, das Bordell zu verhindern. Auch wenn es keine schnelle Lösung geben sollte, werden wir mittelfristig dafür sorgen, dass man wieder friedlich im Wohngebiet leben kann. Die Polizei wird dabei eine nicht unwesentliche Rolle spielen“, kündigte Hanke an. Im Gegensatz zur Straßenstrich-Szene an der Oranienburger Straße, wo es kaum Beschwerden gebe, lägen auch in Mitte zig Klagen von Anwohnern über eine ausufernde Aggressivität im Prostitutionsmilieu vor, berichtet er weiter. Hanke glaubt nicht daran, dass die Prostituierten durch ein neues Bordell von der Straße kommen: „Dort würde sich eine neue Zuhälterszene aus Osteuropa etablieren, die deutlich aggressiver vorgehen wird als die vorhandene.“

Ein Großbordell werde die negativen Strukturen verfestigen. Der Potsdamer Platz, der nicht weit entfernt ist, biete dem Gebiet eine gute Entwicklungschance. Neue Cafés, Galerien seien im Aufbau. „Wenn die Zuhälterszene noch mehr Raum greift, wirkt sich das ausgesprochen negativ aus. Es gibt bereits viele Beschwerden“, berichtet Hanke. Im Gegensatz zu Charlottenburg-Wilmersdorf duldet Mitte Wohnungsbordelle in Wohngebieten, sagt Hanke. Er glaubt, dass Prostitution in Wohnungsbordellen besser kontrollierbar ist als auf der Straße.

Welt online

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Kommentar

#14

Beitrag von Marc of Frankfurt » 2007-10-20, 01:11

Mal wieder keine Sexworker und Betreiber am Runden Tisch, oder nur mal wieder von der Presse totgeschwiegen?


Inwiefern die Existenz von einem Großbordell mit negativen Strukturen kausal korreliert bedarf weiterer Aufklärung, Nachweise und wissenschaftlicher Studien. Die medizinische Versorgung der Bevölkerung fährt ja auch mehrgleisig: freiberuflicher Hausarzt und High-Tech-Großklinikum.





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#15

Beitrag von Zwerg » 2007-10-20, 01:15

@Marc

Ich teile Deine Emotion zu 100 Prozent - es ist absolut nicht einzusehen, dass bei Themen wie Diesen die "Wissenden" nicht bei der Entscheidungsfindung eingebunden werden.

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#16

Beitrag von annainga » 2007-10-20, 09:38

soweit ich weiß, nehmen diese teil. der bundesverband sexueller dienstleistungen ist dort vertreten.

liebe grüße, annainga

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Anwohner kämpfen gegen die Prostitution

#17

Beitrag von Zwerg » 2007-10-20, 20:34

Rund um die Kurfürstenstraße in Berliner Bezirk Schöneberg nimmt der Straßenstrich zu. Prostituierte und Zuhälter bedrängen an der Passanten und Anwohner rund um die Uhr. Das Rotlicht-Milieu tritt im Schöneberger Kiez unverfroren und aggressiv auf.

Während morgens gegen neun Uhr die ersten Reisebusse am Potsdamer Platz eintrudeln und Schülerklassen gelangweilt unterm Dach des Sony Center Berlin neue Architektur anschauen, herrscht nur anderthalb Kilometer entfernt an der Potsdamer Straße bereits geschäftiges Treiben. „Komm Junge – ich mach’s dir“, heißt es da schon frühmorgens, wenn die aufgetakelten Prostituierten vor dem Sex-Kaufhaus „LSD“ auf Kundenfang gehen.

Die Huren lassen nicht viel Zeit verstreichen. Ein kurzer Blick, zwei Schritte, drei Worte, und oft ist das nur wenige Minuten dauernde Techtelmechtel anberaumt. Passanten werden am Ärmel gezupft, untergehakt und manchmal auch brüsk zur Seite gedrängt.

Das Rotlicht-Milieu tritt im Kiez unverfroren und aggressiv auf. Geschäftsleute befürchten Schutzgelderpressungen. Anwohner warnen vor Kinderprostitution. Seit etwa einem halben Jahr hat sich die Lage dramatisch zugespitzt: Bewohner klagen, dass immer mehr Familien wegzögen. Geschäftsleute fürchten, dass der Kiez kippt und das Rotlicht-Milieu die Oberhand gewinnt. Ein geplantes Großbordell über drei Etagen im ehemaligen Wegert-Haus sorgt für Aufregung. Das Bauamt Tempelhof-Schöneberg prüft derzeit den Bauantrag.
„Kein Puff im Kiez“

Fred Eichhorn, Inhaber des nur einen Steinwurf entfernten legendären „Puschel’s Pub“, fordert – wie viele andere auch – das Bordell nicht zuzulassen. „Ein Puff würde das endgültige Aus für das Gleichgewicht im Kiez bedeuten“, so der Wirt, der 25 Jahre dort lebt. Wie immer an diesen sonnigen Herbsttagen stellt Eichhorn auch heute Stühle und Tische vor seine Kneipe. „Noch geht das, aber wer weiß wie lange noch. Immer wieder probieren die Zuhälter, hier sesshaft zu werden“, klagt der Wirt. Schon mehrfach musste er vom Hausrecht Gebrauch machen. Die Huren seien so dreist, dass sie sogar seine „Terrassengäste“ anmachten.

Indes scheint das Gebiet selbst für die schon am Tage dort arbeitenden Prostituierten zu klein. Die Huren streiten nicht nur zur Mittagszeit lautstark um ihr Revier. Das Szenarium wirft auch bei den Kindern Fragen auf. Eine 43-jährige Mutter erklärt es ihrem Jüngsten mit den Worten: „Die Frauen verkaufen sich.“

Sorgen machen sich die Erzieherinnen der Kitas im Kiez. Den Spielplatz am Magdeburger Platz, wo immer wieder Spritzen und Kondome liegen, meiden sie für ihren Nachmittags-Ausflug mit den Sprösslingen schon lange.

Am späten Nachmittag stehen die Leute in der Fleischerei Staroske Schlange. Fleischermeister Jörg Staroske, der mit Ehefrau Joanna den 34 Jahre alten Familienbetrieb an der Potsdamer Straße 116 unweit des Sex-Kaufhauses leitet, hat alle Hände voll zu tun. Dem Standort will er die Treue halten. Er ist an der Potsdamer Straße groß geworden. „Die Szene hat früher unauffälliger agiert. Im Milieu gab es ein gutes Miteinander.“ Davon könne heute keine Rede mehr sein. Ein Bordell würde die Probleme extrem verschärfen. Multi-Kulti sei schön, aber die Gegend brauche auch dringend wieder Fachgeschäfte.

Die Betreiber eines Blumenladens an der Potsdamer Straße halten derweil bereits Ausschau nach einem neuen Standort. Immer wieder würden Mitarbeiter, aber auch Kunden von den herumziehenden Zuhältern belästigt. Im nahen Drogeriemarkt nutzen die Prostituierten dreist die Test-Artikel, um ihre Schminke aufzufrischen. Die Verkäuferinnen beäugen es argwöhnisch, können aber nichts dagegen tun.

Vielen Beschäftigten in den umliegenden Geschäften graut es vor dem Feierabend. Dann müssen sie sich auf dem Weg zur U-Bahn Bülowstraße oder Kurfürstenstraße einiges anhören. „Bei mir kannst du mehr verdienen als in deinem Laden. Du musst nur für ein paar Stunden hier stehen.“ So und ähnlich lauten die Belästigungen der Zuhälter.

Kaum sind die Ladentüren verschlossen, wechselt im Quartier schlagartig das Publikum. Unfreiwillig werden auch Autofahrer bei ihrem Zwangshalt an der roten Ampel von den Damen angesprochen. Die Huren postieren sich vor den Motorhauben oder sie geben dem potenziellen Freier an der heruntergekurbelten Scheibe einen tiefen Einblick bis zum Bauchnabel. So kommt es an der Kreuzung, wo heute anstelle des Wegert-Ladens ein Erotik-Kaufhaus ist, nicht selten zu lautem Hupen. Mit der Ruhe im Kiez ist es vorbei. Bis zum Nollendorfplatz stehen die Prostituierten und lassen sich von den Freiern taxieren. Die Freier kurven in ihren Autos im Schritt-Tempo durch den Kiez westlich der Potsdamer Straße zwischen Lützow- und Bülowstraße bis zur Einemstraße.

Erst in den frühen Morgenstunden ist für zwei Stunden Ruhe. Das Quartiersmanagement kümmert sich seit Jahren darum, dass es im Gebiet – fast 26.000 Menschen leben dort – aufwärts geht. „Wir haben es in den letzten zehn Jahren geschafft, die Drogenprostitutionsszene zu entschärfen. Sie ist noch da. Mit allen negativen Begleiterscheinungen, aber es ist weniger geworden“, sagt Jörg Krohmer vom Quartiersmanagement Magdeburger Platz. Weil die Drogenszene mobil ist, könne das aber jeden Tag wieder umschlagen. Mit Wirtschafts- und Kulturprojekten wie in den von der BVG gepachteten U-Bahn-Bögen an der Pohlstraße versucht das Quartiersmanagement gegenzusteuern. Junge Leute, denen Charlottenburg zu schick und der Szene-Bezirk Mitte zu hip ist, hat es in die Nebenstraßen des Rotlicht-Bezirks verschlagen. Sie mögen die vielseitige Mischung, die parallel zur Rotlicht-Szene existiert.
Sammelbecken schwerer Kriminalität

Der Rotlicht-Bereich ist laut Zivilfahndern ein Sammelbecken für schwere Kriminalität, minderjährige Prostituierte und Menschenhändler. Die Huren seien gewalttätigen Übergriffen ihrer Zuhälter ausgesetzt und würden nur den Bruchteil des Freierlohns bekommen. Zudem seien viele von ihnen mit dem HI-Virus infiziert. Der negativen Entwicklung hätte sicherlich der Umstand geholfen, dass vor wenigen Jahren umgesetzt wurde, der Prostitution die Sittenwidrigkeit abzusprechen. Jetzt, so sind sich Polizisten einig, könnte nur noch die Ernennung eines Sperrbezirks, also das absolute Verbot von Prostitution und Rotlichtetablissements, die Gegend vor dem totalen Verfall retten.

„In den 60er-Jahren standen dort nur deutsche Frauen, in den 70er-Jahren entwickelte sich die Gegend zum Junkie- und Babystrich“, so ein Beamter. Das Alter der heute anschaffenden Frau beginnt teilweise bei 13 Jahren und ist nach oben offen. Der Großteil der Huren kommt aus verschiedenen osteuropäischen Ländern. Diese unterbieten die Preise der „zivilisierten“ Bordelle, in denen die Frauen auf Hygiene achten. Für 30 Euro wird ein französisches Vorspiel mit Geschlechtsverkehr im Auto angeboten. „Wenn der Kunde noch etwas an Geld hinzu gibt, verzichten die Frauen auf Kondome. Dass Aids dort, wo auch viele Heroinabhängige anschaffen, eine Rolle spielt, dürfte klar sein“, so ein Polizist, der den Kiez kennt.

In ihren Heimatländern würden die Prostituierten oft bereits im Alter von13 Jahren auf den Strich geschickt werden. Wenn sie dort kein Geld mehr einbringen, werden sie nach Berlin gebracht. „Die Zuhälter pferchen die Frauen in der Hauptstadt in kleinen Pensionen oder Wohnungen zusammen. Aber die meiste Zeit über müssen sie auf dem Kiez anschaffen“, berichtet der Zivilfahnder. Es sei leicht zu beobachten, wie die Zuhälter tyrannengleich die zugewiesenen Standorte ihrer Huren überprüfen. Werde gegen das Gebot verstoßen, gibt es laut dem Ermittler sofort Schläge und Tritte. „Die minderjährigen Prostituierten bleiben aus taktischen Gründen nicht an einem Standort, sondern tun sich zu kleinen Personengruppen zusammen und geben sich als Spaziergänger aus. Die Freier erkennen sie allerdings und sprechen sie an, um mit ihnen im Auto oder in Grünanlagen intim zu werden.“ Danach gehen die Frauen mit dem Lohn zu den in den Lokalen wartenden Zuhältern und geben das Geld ab. Später wird ihnen ein Bruchteil davon zugeteilt. „Viele geben dies für Drogen aus.“

Stephanie Klee, Prostituierte und engagiert im „Bundesverband sexuelle Dienstleistungen“, hält von einer Sperrgebietsverordnung nichts. „Sie führt immer zu Kriminalität. Wenn Prostitution nur in einem ausgewiesen Gebiet wie auf St. Pauli ausgeübt werden darf, finden seriöse Prostituierte oder Bordellbetreiber keinen Platz. Es wird mit unlauteren Mitteln bis hin zur Gewalt gearbeitet.

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Spiegel Online: Elendsprostitution in Berlin

#18

Beitrag von Hansi » 2007-10-31, 00:58

"Die Freier warten immer auf eine, die noch weiter unten ist"

Straßenstrich mit Dumpingpreisen, Zuhälter aus Osteuropa, jetzt auch noch ein Großbordell: In Berlin droht ein ganzer Kiez ins Elend der Billigprostitution abzugleiten. Die Szene wird immer aggressiver - die Anwohner verzweifeln.

Berlin - Sie stellt sich auf die Zehenspitzen, nestelt an seiner Jacke. Die Frau mit den spitzen roten Stiefeln, den schwarzen Haaren - nennen wir sie Laila* - versucht ein Lächeln. Sie blickt dem Mann, der an einem Bistrotisch vor einer Bäckerei seinen Kaffee trinkt, in die Augen.

Aber nichts in seinem Gesicht rührt sich, als sie ihre Offerte startet. Keine Abwehr, kein Mitleid, kein Interesse. Der Blick geht ins Leere. Geradeaus.

Nach fünf Minuten geht Laila zu den anderen, die seit Stunden vor dem Sexkaufhaus "LSD" an der Ecke auf Kunden warten. Zu der Blonden, die humpelt, zu der kleinen Brünetten mit dem ebenmäßigen Gesicht und einem Mund ohne Zähne. Zu der älteren Frau mit den Stützstrümpfen und den Hausschuhen unter dem Wollrock. Sie sei die Chefin der Bulgarinnen, heißt es. Sie soll auch 13-Jährige auf den Strich schicken, wird erzählt. Die Bulgarinnen, zu denen auch Laila gehört, arbeiten für wenig - manchmal für fünf Euro, behaupten deutsche Huren.

Den Straßenstrich an der Grenze der Berliner Stadtteile Schöneberg und Tiergarten gibt es seit Jahrzehnten. Man hatte sich daran gewöhnt im Kiez - an die Nutten auf dem Weg zur Arbeit. Man kannte sich vom Sehen, lebte argwöhnisch nebeneinander her.

Doch in den vergangenen Monaten kamen immer mehr Mädchen, vor allem aus Osteuropa. Viel zu viele für die paar Straßenzüge - und jetzt soll an der Kreuzung Kurfürstenstraße/Potsdamer Straße in Berlin-Schöneberg auch noch ein Großbordell eröffnen. Ein rot-grünes Reformgesetz von 2002 hat die Sittenwidrigkeit der Prostitution abgeschafft und sie damit faktisch legalisiert; das Gesetz erleichtert es den Betreibern, ein neues großes Laufhaus zu errichten. Zugleich erschwert es der Polizei Ermittlungen im Milieu - immer seltener schafft sie es, gegen Zuhälterei strafrechtlich vorzugehen.

"Warum bauen sie nicht am Potsdamer Platz?"

Der Antrag auf das Bordell in den Räumen über dem LSD-Sexshop ist schon gestellt. Die Bürger im Kiez laufen Sturm. Schon 20 Prozent der Anwohner haben laut "BZ" bei einer Aktion gegen die Eröffnung des Großbordells unterschrieben.

"Warum bauen sie ein Bordell nicht am Potsdamer Platz? Hier ist eh schon alles voll mit Prostitution - und die Familien haben Angst", sagt ein Obsthändler. Eine Anwohnerin: "Wenn das Bordell kommt, ziehen noch die letzten Familien weg. Und das sind gerade die Leute, die dieser Kiez braucht."

Nicht nur die Bewohner würden leiden, auch die Huren, sagt Pfarrer Andreas Fuhr von der Zwölf-Apostel-Kirche, wo Prostituierte und Drogenabhängige Essen, Kondome und Spritzen bekommen. Das geplante Großbordell werde die Situation im Kiez noch verschärfen. Auf der Straße vor dem Bordell könnte der Kampf um die Kunden noch härter werden.

Die Furcht ist, dass der Strich im Kiez endgültig ins Elend abrutscht - und das einst bürgerliche Viertel vollends kippt. Denn in den vergangenen Monaten, seit dem Ansturm der Prostituierten aus Osteuropa, hat sich die Lage im Viertel schon drastisch verschlechtert.

"Die Situation ist schrecklich geworden"

Seit ungefähr Mai drängen Prostituierte aus Osteuropa auf den Strich, Bulgarinnen und Rumäninnen. Bernd Weiß, Mitarbeiter der "Mittwochsinitiative" im Gemeindehaus der Zwölf-Apostel-Kirche, kennt die Szene durch seine ehrenamtliche Arbeit. Er hört von Prostituierten, die vorbeiziehende Pärchen belästigen, die Männer von ihren Frauen wegziehen. Er hört von Mädchen, die sich auf Motorhauben legen, um potentielle Kunden am Wegfahren zu hindern. Er hört von Freiern, die wegbleiben, weil die Huren ihnen zu aggressiv sind.

Anwohner berichten von prügelnden Zuhältern der osteuropäischen Mädchen. Von Sex am hellichten Tag im Gebüsch, auf Parkplätzen. Ihre Kinder könnten sie deswegen nicht mehr nach draußen zum Spielen schicken.

Es ist kalt, später Abend, die Prostituierten Jeanette* und Melanie* sitzen auf einem Sofa im Gemeindehaus der Zwölf-Apostel-Kirche und trinken Tee. Seit zehn Jahren gehe sie auf den Strich an der Kurfürstenstraße. Sie brauche das Geld, sie sei spielsüchtig, sagt Jeanette. Kinder habe sie, einen Mann. Aber die wüssten nicht, dass sie sich prostituiere - oder wollten es nicht wissen, sagt sie. Melanie, braune Haare, Pferdeschwanz, Jeans und Turnschuhe, ist erst seit ein paar Monaten dabei. Sie ist 18.

"In den vergangenen Monaten ist die Situation schrecklich geworden", sagt Jeanette*. Die Osteuropäerinnen "versuchen uns zu vertreiben, sagen, wir müssten Standgeld zahlen", sagt Melanie. Wenn sie nicht zahle, "würden mich ihre Aufpasser verprügeln". Ohne die entsprechenden Kontakte zu älteren Huren wäre ihr das wahrscheinlich auch passiert, sagt Melanie und fügt hinzu, sie selbst habe keinen Zuhälter.

Katharina Zetin von "Hydra", einer Berliner Beratungsstelle für Prostituierte, hat noch keine genauen Informationen darüber, wie die Osteuropäerinnen genau nach Berlin gekommen sind und inwieweit Menschenhändler involviert waren. Die Polizei will sich zur Lage in der Kurfürstenstraße derzeit nicht äußern.

"Ohne die Stammkunden hätten wir keine Chance"

Es sei schwer mit den Osteuropäerinnen, sagen Jeanette* und Melanie*. Sie wissen, dass es diesen Frauen noch schlechter geht als ihnen. Dass sie vielleicht aus ihrer Heimat nach Berlin gebracht wurden - möglicherweise gezwungen werden, auf den Strich zu gehen. Dass viele von ihnen schwer drogenabhängig sind, für den nächsten Schuss fast alles machen würden. Dass sie jeden Freier nehmen müssen. Auch jene Freier, bei denen man "gleich ein schlechtes Gefühl hat", weil man ahne, dass sie nicht zahlen werden, dass sie schlagen und vergewaltigen werden, sagt Melanie. Sie kenne keine Prostituierte, die nicht schon Schlimmes erlebt habe mit Kunden.

Die alteingesessenen Huren des Strichs drohen ins absolute Elend abzugleiten - sie werden von den Ärmsten ihres Gewerbes abgedrängt. 25.000 Mark in zwei Wochen verdiente sie früher, erzählt Jeanette und zieht an ihrer Zigarette. Jetzt sind es oft nur noch wenige Euro am Tag - 50 Euro, wenn es gut läuft. Stundenlang müssten sie oft auf Freier warten. "Viele Kunden wollen nur noch ohne Kondom, und sie finden immer Mädchen, die es ohne Gummi für weniger Geld machen als wir mit", sagt Melanie. "Wären unsere Stammkunden nicht, wir hätten keine Chance."

Draußen vor der Zwölf-Apostel-Kirche an der Straßenkreuzung schleicht ein älterer Mann in abgerissener Kleidung auf und ab, raucht Kette, blickt nervös in die ankommenden Autos. Er ist der Prototyp der Kunden, wie Melanie und Jeanette sie beschreiben. "Diese Freier warten darauf, dass eine kommt, die noch weiter unten ist und es für noch weniger Geld macht als die anderen", sagt ein Mann, der ein Geschäft in der Nähe hat.

Melanie sagt, die Preise würden weiter gedrückt, denn oft sei der Sex in Bordellen noch billiger. Und wenn es einen Sperrbezirk gebe, worüber Bezirksbürgermeister Ekkehard Band (SPD) nachdenkt, dann müssten die Frauen fliehen, die Drogenabhängigen gerieten noch mehr unter Beschaffungsdruck. "Besser wäre ein geschützter Straßenstrich wie in Köln."

Die Augen schließen, wenn der Freier besonders eklig ist

Es ist 22 Uhr, an der Kreuzung nahe der Kirche spucken die Autos Mädchen aus - andere laden sie wieder ein. Im Minutentakt. Die "Mittwochsinitiative" schließt ihre Türen. Die Mädchen stecken Kondome ein, nehmen sich Lunchpakete. Jeanette und Melanie gehen wieder auf die Straße. Ein paar Stunden nur, vielleicht auch die ganze Nacht. Melanie sagt, sie werde wieder die Augen zumachen, wenn der Freier "besonders eklig" ist. Und Jeanette wird sich die Nummernschilder merken, wenn Melanie zu einem Freier ins Auto steigt.

Laila und das Mädchen ohne Zähne stehen wieder an der Ecke. Sie sprechen kein Wort. Irgendwann sind beide verschwunden. Für ein paar Euro.

* Namen von der Redaktion geändert

Von: http://www.spiegel.de/politik/deutschla ... 70,00.html

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#19

Beitrag von JayR » 2007-11-01, 22:57

Latent Rassistisch und einfach blöde: SPIEGEL ONLINE über Prostitution

Mal wieder auf allerniedrigstem Niveau haut SpOn was raus - diesmal eine Reportage zum Thema Prostitution in Berlin, verfasst von Anna Reimann, die immer wieder durch reißerische Artikel auffällt, und Marie Preuß. Sex sells haben die beiden Redakteurinnen sich wohl gedacht, und den latenten deutschen Rassismus können wir dann auch gleich mal mitbedienen.

Julia Seeliger, Bündnis 90/Die Grünen
http://julia-seeliger.de/latent-rassist ... stitution/

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Berlin: Weiterhin Luxus-Sex im Bel Ami

#20

Beitrag von Zwerg » 2007-11-04, 00:14

EDELBORDELL - Feiertag im Freudenhaus - Weiterhin Luxus-Sex im Bel Ami

Charlottenburg - Nirgendwo sündigt man stilvoller als im Bel Ami, Berlins edelstem Bordell. Doch das Luxusvergnügen in der Flatowallee stand auf der Kippe, die endgültige Schließung drohte (KURIER berichtete). Doch nun darf der Champagner weiterfließen.

Seit 1979 ist Detlef Uhlmann Chef des Bel Ami “und noch nie hat sich jemand über uns beschwert”, sagt er.

Deshalb sei er aus allen Wolken gefallen, als von amtlicher Seite plötzlich Bedenken geäußert wurden. Die hatten auch einen Namen: Klaus-Dieter Gröhler (CDU), Baustadtrat und Berlins bekanntester Hurenjäger. Er pocht auf ein Gesetz, nach dem Bordelle in Wohngebieten unzulässig sind. Einige Puffs hat er schon dicht gemacht, auch im Bel Ami sollten nach seinem Willen für immer die Lichter aus bleiben.

Doch an dem Edel-Klub ist Gröhlers Puff-Politik gescheitert. “Das Bel Ami ist ein Sonderfall”, sagt Rechtsanwalt Percy Ehlert. Von Wohngebiet, wie es allgemein definiert werde, könne in der Flatowallee keine Rede sein. Auch gebe es keine Lärmbelästigung durch das Bordell, dies hätten Anwohner bestätigt.

Bis 2011 darf das Bel Ami nun weitergeführt werden. Danach dürfen dort zwar Sex-Dienste angeboten, aber nicht durchgeführt werden. “Doch meine Gäste können die Mädchen auch ins Hotel mitnehmen” sagt Uhlmann. Im Bel Ami feiert man nun natürlich. Heftig, aber diskret, versteht sich.

Berliner Kurier, 03.11.2007

http://www.berlinonline.de/berliner-kur ... 94248.html

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